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Thema: Der letzte Blick

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Post Der letzte Blick

    Der letzte Blick




    Wawa öffnete der Feuerwehr die Haustür. Vier Feuerwehmänner rannten an ihr vorbei und stürmten die Treppe hinauf. Eine weitere Gruppe folgte, bepackt mit Feuerlöschern und anderem Gerät. Zuletzt kamen ein Arzt und zwei Sanitäter mit einer Trage.
    Hier konnte Wawa den Rauch kaum riechen, aber in der Wohnung zwängte er sich aus der verschlossenen Tür ihrer Mutter. Zuerst hatte sie zusammen mit ihrer Großmutter gerufen und geklopft. Kein Laut drang aus dem Zimmer, nur ein stinkender schwarzer Rauch, der sich sehr langsam in der Wohnung ausbreitete. Bis die Feuerwehr kann, war das Unheil sehr bedächtig und leise geschehen. Kein knistern eines Feuers, keine Bewegung. Sommerliche Mittagsstille.
    Nachdem sie es aufgegeben hatten zu klopfen, lauschten sie beide in das Schweigen hinter der Tür. Schließlich hatte Wawa die Feuerwehr gerufen.
    Der letzte Feuerwehrmann, drängte sie geschäftig zur Seite um einen Keil unter die Tür zu schieben. Hier wurde sie nicht mehr gebracht.
    Wawa ging langsam aus dem Haus und gesellte sich zu der kleinen Gruppe Neugieriger die sich auf der anderen Straßenseite versammelt hatten. Nur eine Gruppe Kinder, die mit Fahrrädern der Feuerwehr gefolgt waren, standen mit erwartungsvollen Gesichtern dicht neben der Haustür um einen Blick ins Treppenhaus zu erhaschen. Ihre Räder hatten sie achtlos auf den Bürgersteig geworfen.
    Wawa stand am Bordstein als ihre Mutter mit der Trage herausgebracht wurde. Die Erwachsenen hinter ihr fragten sich gegenseitig wer das sei. Wawa drehte sich rasch um und antwortete wichtigtuerisch,
    "das ist meine Mutter".
    Als sie sich wieder dem Haus zuwandte hörte sie das ungläubige Flüstern hinter ihrem Rücken. Die einzig laute Stimme kam von einer Frau die ärgerlich meinte, solche Scherze dürfe man nicht machen.
    Niemand glaubte ihr. Alle starrten auf die leblose Frau, die am hellichten Tag in einen Morgenmantel gehüllt war, sie sogen kennerisch den letzten Tropfen aus dem Unglück, bevor sie ihren Weg fortsetzten.
    Wawa sah ihre Mutter noch einmal an. Der Kopf mit dem kurzgeschnittenen schwarzen Haar pendelte leicht durch die Bewegung der Trage. Sie trug ihren zerrissenen grünen Bademantel, obwohl sie vor einer Woche einen neuen gekauft hatte. An einem Fuß hing noch eine blaue Wollsocke, der andere Fuß war nackt. Die Socken hatte Wawa in der Schule gestrickt und ihrer Mutter geschenkt.
    Als die Sanitäter sie in den Notarztwagen schoben, fiel ihr Kopf zur Seite. Wawa schien es als würde ihre Mutter sie direkt ansehen, aber ihre Augen waren geschlossen.

  2. #2
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Der letzte Blick

    Das ist ein starker Anfang, ein schöner Schluß - und ein belangloser Mittelteil. (Das Problem hatte ich auch ein wenig bei der "Nachtwanderung").
    Was empfindet das Kind, das da unten steht und wartet? Warum erzählst Du stattdessen von Fahrrädern, was ist an ihnen wichtig?
    Diese Fragen stellen sich auch in den einzelnen Absätzen:
    "Wawa sah ihre Mutter noch einmal an. Der Kopf mit dem kurzgeschnittenen schwarzen Haar pendelte leicht durch die Bewegung der Trage.
    - sehr schön - Sie trug ihren zerrissenen grünen Bademantel, obwohl sie vor einer Woche einen neuen gekauft hatte. - belanglos, denn die relevante Information kommt hier: - An einem Fuß hing noch eine blaue Wollsocke, der andere Fuß war nackt. Die Socken hatte Wawa in der Schule gestrickt und ihrer Mutter geschenkt.
    Ist schwer zu erklären, (und ich hatte eine sehr harte Nacht) aber der Bademantel würde mich nur dann interessieren, wenn er eingebunden wäre ..trug einen Bademantel, und Wawa schämte sich .... oder der Bademantel ließ ihr Gesicht noch bleicher..etcpp und den nackten Fuß nach hinten stellen -
    Ich habe das Gefühl, daß Du Dir selbst ein Bein stellst. Gott, ich brauch Kaffee.

    it

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Der letzte Blick

    Hallo It


    ich glaube, ich verstehe was Du meinst. Aber ist Dir nicht auch schon einmal aufgefallen, dass man in "wichtigen" Situationen, unwichtige Dinge bemerkt...
    so hatte ich es eigentlich gesehen. Es ist eine Mischung zwischen wichtig und trivial...
    ich werde aber noch eine Korrektur vornehmen


    Gute Besserung, ich hoffe es war trotzdem eine schöne Nacht,


    Liebe Grüße


    Kyra

  4. #4
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Der letzte Blick

    Dieses Sterben macht mich traurig, weil wieder einmal eine Seele am "wunderschönen" Leben gescheitert ist. Trauer macht stumm, und ich denke, hier gibt es Nichts zu zerreden.

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Der letzte Blick

    ist Dir nicht auch schon einmal aufgefallen, dass man in "wichtigen" Situationen, unwichtige Dinge bemerkt...
    Ja natürlich, ich habe mir gedacht, daß Du darauf hinaus wolltest - es aber nicht empfunden. Eine Lösung wäre Wawas Verwirrung angesichts dieser ganzen Sommeridylle und Normalität. Oder ihr Versuch, sich daran festzuhalten, in diese Ordnung einzureihen - basierend allerdings auf einer tiefen innerer Verzweiflung. Und da läßt Du mich als Leser im Stich, vielleicht trügt auch Deine Erinnerung.
    Oder der Bademantel: dann zieh ihn über eine halbe Seite, wenn das Gehirn sich in einem derartigen Detail festklammert, weil es das Ganze nicht sehen will - warum hatte sie den Alten an, sie hatte sich doch gerade erst einen Neuen gekauft (alle Leute sehen die Ärmlichkeit - das Gefühl darunter wäre dann Scham). Oder: Wawa stand mit hängenden Armen da und dachte nichts, wollte nicht denken. Sah nur die sich bewegenden Münder der Feuerwehrleute, die Staubflecken auf dem Knie des Sanitäters. Der Kopf mit dem kurzgeschnittenen schwarzen Haar pendelte leicht durch die Bewegung der Trage...


    Anders gesagt: wenn Du - "literarisch gesehen" und vielleicht sogar unabhängig von Deiner Erinnerung - im Deskriptiven bleibst, ohne die Beschreibung emotional oder intellektuell zu binden, läufst Du Gefahr, von Handlungshöhepunkt zu Höhepunkt zu laufen (davon gibt es viele), und den Leser dazwischen zu ermüden. Das könnte auch das "Unbehagen" bei Deiner Nachtwanderung erklären.
    (Es könnte eventuell auch das sein, was Robert gern als "Verortung" bezeichnet - wobei ich mich nicht als Kenner der Robertschen Begriffswelt sehen möchte).
    Aber vielleicht hat Hannemann Recht, und hier ist die unpassende Stelle, derartiges zu diskutieren. Es ist nur so schade, weil Du Dir viele schöne und starke Stellen verbaust.


    Liebe Grüße erst Mal,

    it

  6. #6
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Der letzte Blick

    Wawa-Zyklus. Er veranschaulicht Stärken und Schwächen des gesamten Projektes zugleich. Kraftvolle Bilder werden zerredet. Das ist die Postmoderne. Dieses ewige Zerreden.

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