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Thema: Der Gutmensch, der Dummensch und der Unmensch (Glosse oder so)

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Post Der Gutmensch, der Dummensch und der Unmensch (Glosse oder so)

    Der Gutmensch, der Dummmensch und der Unmensch




    Ein kleiner Vergleich, der fortgesetzt werden kann.




    Der Gutmensch


    Der Gutmensch spült seine Joghurtbecher aus, bevor es sie in den Recyclingmüll wirft. Damit verbraucht er möglicherweise mehr Energie als der Ignorant, der sie in den unsortierten Müll wirft. Er sammelt Kleidung für Bosnien und spendet an seriöse Organisationen.


    Der Gutmensch geht zu Lichterketten gegen Ausländerhass. Er liebt das türkische Ehepaar mit dem frischen Obst und dem guten Lammfleisch. Er liebt aber nicht die Kinder dieses Ehepaars, die mit tiefer gelegten BMWs und wummernden Lautsprechern durch die Spielstrasse heizen. Dem Gutmenschen ist das Privileg der Geburt in einem reichen Land bewusst und er hat deshalb ein etwas schlechtes Gewissen.


    Der Gutmensch liebt die Freiheit, aber die sollte doch in vernünftigen Grenzen bleiben. Er hasst Anarchie und zertrampelte Wiesen mit Coladosen.


    Der Gutmensch sammelt Unterschriften für Bäume, Wale und Spielplätze. Da er aber vielleicht Beamter ist oder werden möchte, unterschreibt es keine Listen die politisch zu links sind. Aber auch wenn er nichts mit Beamten im Sinn hat, heißt er nichts Gut, was radikal sein könnte. Ausgewogenheit steht auf seiner Fahne geschrieben.


    Der Gutmensch fährt ein sparsames Auto, fliegt aber doch gerne zweimal im Jahr in ferne Regionen, um sich vom Sterben des Regenwaldes und dem Alkoholproblem der Nordamerikanischen Indianer zu überzeugen.




    Der Dummmensch


    Der Dummmensch findet den Gutmenschen einfach nur komisch.
    Der Dummmensch sortiert seinen Müll nur, wenn das kontrolliert wird. Er spendet selten etwas, höchstens um seinen Verein zu unterstützen oder eine Mark für einen Wanderzirkus.


    Dem Dummmenschen sind Ausländer gleichgültig, solange es nicht zu viele werde. Wann es zu viele sind, macht er an seinem Umfeld und Fernsehberichten fest. Der Dummmensch will nicht dass Ausländerwohnheime angesteckt werden, hat aber in geringem Maß Verständnis dafür. Der Dummmensch glaubt, ein Recht auf den Ort zu haben, an dem er zufällig geboren wurde. Er ist Patriot.


    Der Dummmensch fühlt sich frei, weil seine Gedanken oder Bedürfnisse kaum an Grenzen stoßen. Er ist zufrieden. Der Dummmensch hat aber eine unterschwellige Angst vor zuviel Freiheit, da er ahnt, dass sie mit Unbequemlichkeiten einhergehen könnte.


    Der Dummmensch unterschreibt nur ungern etwas. Zum einen ist er grundsätzlich der Meinung, dass er nichts ausrichten kann, zum anderen interessieren ihn Probleme, die mehr als 50 km weit weg sind, nur sehr selten. Es sei denn, der ADAC sammelt Unterschriften für "Freie Fahrt für freie Bürger", hier ist er gerne bereit als mündiger Bürger seine Meinung kundzutun.


    Der Dummmensch fährt gerne einen Wagen, den er sich gerade eben leisten kann. Dafür verzichtet er schon mal zwei Jahre auf seinen Urlaub und macht es sich in "Balkonien" so richtig schön. Wenn er aber wegfährt, möchte es ans Meer, das Wetter soll sonnig sein und die Speisen bekömmlich. Der Dummmensch freut sich, wenn er andere Deutsche trifft und schließt mit ihnen Freundschaften.


    Der Unmensch


    Der Unmensch durchschaut sie beide. Sowohl den Gutmenschen, als auch den Dummmenschen weiß er für seine Interessen zu nützen. Er denkt weiter, wägt ab, ob es ihm mehr nützt, Dinge zu verbrauchen oder zu schonen. Die Zeiträume, in denen er plant, beziehen seine Kinder mit ein, mehr aber auch nicht.




    Der Unmensch lehnt Ausländerhass strikt ab. Er will eine saubere Lösung. Schon das Wort Abschiebung gefällt ihm nicht, zu negativ. Wann es zu viele Ausländer werden, bemisst er einzig an Kosten. Wenn die Kosten zu hoch sind, müssen gesetzliche Regelungen geschaffen werden. Dem Unmenschen ist die Zufälligkeit der Geburt durchaus klar, aber wenn er es gut getroffen hat, wird er seine Heimat verteidigen, als wäre er ein Patriot.


    Für den Unmenschen ist der Begriff der Freiheit nicht so eindeutig, wie für Gutmenschen und Dummmenschen. Er will eine differenzierte Freiheit, die seinen persönlichen Bedürfnissen, wirtschaftlichen Notwendigkeiten und der Steuerung des Systems gerecht wird.


    Der Unmensch unterschreibt höchstens einen Scheck oder das Zeugnis seines Sohnes aus privaten Gründen. Lächelnd beobachtet er die Gutmenschen an ihren langen Tischen mit den Listen in den Fußgängerzonen.
    Möglicherweise unterschreibt er noch ein Parteibuch, den Beitritt zu einem Wirtschaftsverband oder einem Poloclub.


    Urlaub ist für den Unmenschen kein Thema. Solange er sich in seinem Aufstieg befindet, hat er keine Zeit. Später reist er beruflich so viel, dass er froh ist, entweder Zuhause oder in seiner Villa auf Mallorca zu sein. Das Auto spielt allenfalls in seiner Aufstiegsphase eine Rolle, als Entschädigung für ein hektisches, aber langweiliges Leben.


    Fazit:
    Nach jenem unseligen Essay von M. Brodt, indem er den Begriff der Gutmenschen prägte, ist dieser Begriff zu einem Synonym für moralisierende Langweiler geworden, der er möglicherweise auch ist.
    Nur was sind die anderen?


    Die schlimmste Folge nach dem "Sieg" des Kapitalismus über die kommunistischen Staaten ist, dass damit auch alle Gedanken und Visionen, die über ein gefülltes Konto hinausgehen, mit zerstört worden sind. Es gibt keine moralischen Ideen mehr; wenn jemand eine solche äußert, ist er allenfalls skurril oder unrealistisch. Gedanken die sich mit gesellschaftlichen Problemen befassen werden, bevor sie noch wachsen können, auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft.
    Ein guter Gedanke muss nützlich sein, sonst wird er als lächerlich dargestellt. Das Diktat der Nützlichkeit beherrscht das Denken der westlichen Welt. Es lebe der "kapitalistische Realismus"*.


    Dieser Begriff wurde Mitte der 60er Jahre von Polke, Richter, Lueg und anderen bildenden Künstlern geprägt.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Der Gutmensch, der Dummensch und der Unmensch (Glosse oder so)

    Gegenteil von GUT ist UNGUT oder Treibgut oder Strandgut oder Dudu. Weiß nicht so recht. Was macht den Dummenschen aus?
    Ich empfinde die Glossierung als gelungen, den Stil der Wortung, die Tendenz des Mitteilens, aber es fehlt eine klarere Einteilung. Versuchen wir's!


    Setz zehn Kriterien, die Du sukzessive abarbeitest, jeweils. Setz drei oder vier oder siebzehn Kategorien, an denen Du die Kriterien erprobst. Vielleicht könntest Du mit einer Tabelle beginnen, dann diese in Prosa auflösen. Dann wird's, meiner Meinung nach, exemplarischer und für den Leser nachvollziehbarer.


    Ist schon ganz gut, wie Du das gemacht hast, auch gefällt mir die eine oder andere Wortschöpfung, z.B. DIFFERENZIERTE FREIHEIT.


    Zum Thema UTILITARISMUS setze ich Dir noch einen Link. Wir haben in diesem Forum schon darüber zu sprechen versucht. Sollten wir hier einer Meinung sein, Kyra?

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Der Gutmensch, der Dummensch und der Unmensch (Glosse oder so)

    was lernen wir daraus? der gutmensch ist nicht immer nur gut, der dummmensch nicht immer nur dumm (nur meistens), und der unmensch ist verdorben wg. geld?
    was mir an dem text gefällt, ist dass die kategorien etwas verwischen und nicht, dass sie (auch) so schön bezeichnend sind. letzteres kennt man. ich würde an ersterem weiterarbeiten. warum dieses fazit am ende? da kennt man ja doch wieder deine position!

  4. #4
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    AW: Der Gutmensch, der Dummensch und der Unmensch (Glosse oder so)

    Hallo Iodin

    Du fragst:

    warum dieses fazit am ende? da kennt man ja doch wieder deine position!

    wahrscheinlich weil ich doch kein Zyniker sondern ein langweiliger Idealist bin
    Weil mir der letzte Absatz wichtig ist, weil ich manchmal böse darüber bin dass die "Sieger" so selbstgefällig und dumm sind....weil ich nicht alles komisch finden kann...weil mir diese Position wichtig ist.... weil ich hoffe....

    Kyra

  5. #5
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    AW: Der Gutmensch, der Dummensch und der Unmensch (Glosse oder so)

    BENTHAM, Jeremias
    1748- 1832
    engl. Philosoph und Ökonom
    - Begründer der in England einflußreichen Schule des Utilitarismus mit dem Moralprinzip Maximierung des Wohls und Minimierung des Übels = Sicherheit statt Freiheit, wobei seine entscheidende Frage ist, wie Reichtum verteilt werden müsse, damit innerhalb eines Landes die Summe der Glücksgefühle so groß wie möglich werde


    Utilitarismus (Bentham, Dewey, Butler)
    - die Feststellbarkeit der Ergebnisse des Handelns, Hedonismus
    - ruht auf dem Egoismus des Menschen und dessen Streben nach Schmerzvermeidung und Lustgewinnung
    - greift über Einzelwohl hinaus, denn die sittliche Natur des Menschen will das Allgemeinwohl (auch), so daß Ethik zum Vehikel des Nutzens wird
    Item:
    Ist Sittlichkeit an das große Glück der großen Mehrheit gebunden oder nicht nur ein eigenständiges Element des Nützlichseins?
    Wird Glück mit 3c) nicht meßbar?


    Dagegen machten unsere Philosophen geltend, daß der WERT des Menschen nicht an seinem Nutzen (selbst fürs Allgemeinwohl) festgemacht werden könne, sondern eine im Menschen selbst obwaltende Kraft sei, die er nur selbst finden und bestimmen könne und solle.


    Wenn wir auf dieser Basis die Bestimmung des Begriffes GUTmensch festlegen könnten, dann würden wir hier vielleicht weiterkommen als bis zur Oberfläche.

    Der Gutmensch scheint mir allzusehr im westlichen Fahrwasser zu schwimmen, will heißen, er mißt das, was er tut, an dem, was die Umwelt für gut und richtig hält. Er hat seinen inneren Kompaß verloren und benötigt eine Anerkennung, eine Belohnung. Das macht ihn in meinen Augen so widerlich.

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Der Gutmensch, der Dummensch und der Unmensch (Glosse oder so)

    Gutmenschen sind das Aberletzte. ich bekomme bei G. immer das Kotzen. Sie heucheln und tun so, als ob sie die Welt retten würden, wenn sie's nur könnten. Aber sie können nicht und bleiben darum so schrecklich hilflos. Unser Land ist vollgestopft mit ihnen.


    Du solltest einen längeren Aufsatz darüber schreiben. Das würde mich sehr interessieren. Ich bin ein Ossie und habe als solcher nur sehr begrenzte und vielleicht - wenn ich ganz ehrlich bin - oberflächliche Erfahrungen mit Gutmenschen. Ich verbinde dieses G.-tum mit 68. Meine Eltern waren zwar auch das, was man 68er nennen könnte. Ja, ich passe in dieses Raster: mein Großvater war SS-Mann, meine Großmutter Lehrerin und Mutter. Und die andere Familienseite war rot. Geil, nicht wahr. Und gegen diese Angepaßten rebellierten meine Eltern, indem sie Hanfpflanzen anbauten und Musik machten und sich die Haare wachsen ließen. Und malten und nicht studierten, sondern alles andere machten. Erst später. Egal. Jedenfalls haben sie heute Positionen und Verantwortung, ganz wie die 68er des Westens. Aber sie sind nicht so verlogen wie ihre westdeutschen Pendants. Und darum glaube ich, daß Du vielleicht über die Gutmenschen sehr viel mehr zu sagen hast als ich. Aber ich begleite Deine Exkursionen ins Reich des G.-tums gerne und kommentierend.

  7. #7
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Der Gutmensch, der Dummensch und der Unmensch (Glosse oder so)

    Hallo SP


    Du schreibst :
    Gutmenschen sind das Aberletzte.


    Ich verstehe zwar, dass Du sie zum kotzen findest, aber sie sind (meistens) keine Zyniker. Sie sind zu feige (auch weil sie inzwischen alt sind) früher haben sie sich ja mit Polizisten geprügelt etc. natürlich wollen sie auch ihre Gesicht vor sich und ihrer vergangenheit bewahren. Sie sind einfach dünnblütig.




    ich bin auch so einer, 68er jedenfalls eher als ein Yuppie






    wo bist Du?? Nicht dass ich meine jeder müsste irgendwo sein... aber über das was man nicht sein will, findet man ja auch zu dem was man ist, oder ?


    ich kaufe den hanf in Holland , aber das ist natürlich ebensowenig rebellion wie Bier trinken. Mit den langen Haaren weiss ich nicht wie es bei Euch war, vielleicht war das ja eine kleine Rebellion.




    Verlogen sind eher die "Unmenschen, die "Gutmenschen" sind eigentlich weniger verlogen, als hilflos und von sich selber enttäuscht. Aber wenn Du an die 60er zurückdenkst, haben sie, damals zumindestens, schon eine große gesellschaftliche Veränderung bewirkt. Das kann man sich heute nicht mehr so vorstellen, aber es war so unglaublich spießig und intollerant damals. Ich bin ihnen nicht wirklich böse, ich belächele sie manchmal, aber sie sind wie alte Hofhunde die nur noch heiser bellen.




    Mein Ansatz war eigentlich nicht böses über Gutmenschen zu schreiben, wenn Dich das interessiert wirst Du sicher im Spiegel Archiv im Internet das Essay von Max Brodt finden, der darin sehr gemein über sie herzieht. Es ist eher so, dass ich am wenigsten von der neuen Generation der Zyniker und Ignoranten halte.
    Auf Gutmenschen hacken inzwischen alle mit der größten Lust herum, ich bin dafür ihnen ihr Gnadenbrot zu geben .


    ich glaube die wenigsten Menschen haben nicht die Kraft mehr als einige Jahre gegen den Strom zu schwimmen, das ist vielleicht traurig, aber besser als die die sich sofort anpassen, finde ich.


    Aber mir ging es vor allem darum, dass ich denke, dass im Augenblick ein geistiges Vakuum besteht. Die meisten Gedanken die heute entwickelt werden, beschäftigen sich mit materiellen Dingen. Und die geistigen Ergüsse sind häufig eher ins private tendierend. Es ist zur Zeit nicht "in" sich Gedanken zu gesellschaftlichen Problemen zu machen. Dazu passt es auf den "Gutmenschen" herumzuhacken, die es zumindest einmal versucht haben. Wer nichts macht, macht auch nichts falsch...


    Viele Grüße


    Kyra

  8. #8
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Der Gutmensch, der Dummensch und der Unmensch (Glosse oder so)

    Hat sich was verändert? Hat sich schon jemals etwas verändert? Sind Hanf oder lange Haare anders? Oder Protest? Nimmt Mensch etwas wahr... oder zumindest Notiz?
    Zweimal in meinem Leben habe ich stark gehofft... jetzt versuche ich wenigstens noch, gegen den Wahnsinn von allerlei möglich gearteten Unmenschen anzugehen, Mittel zum Leben zu Asche zu verbrennen, um "Weltmarktpreise" zu stützen.
    Wer hört mir zu? Kein BSE-Rindvieh und keine alte MKS-Sau.
    Das ist zum Kotzen, Hannemann, Zyniker (von grch. "Bissiger Hund")


    Und SP , frag mal einen Chinesen, ob Du ein Ossi bist.

  9. #9
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Der Gutmensch, der Dummensch und der Unmensch (Glosse oder so)

    Muß verdichtet werden. Psychologische Begrenzungen des Selbst, Ablösung des Menschseins, um Mensch sein zu können.


    Höre ich da etwelche Uebermenschenschwafeleien? Wohl kaum. Schließlich ist das ungesagte Versprechen einer schönen Frau immer noch bestes Beweisstück fürs eigene Menschsein. Ich stoße, also bin ich. Böse.

  10. #10
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Der Gutmensch, der Dummensch und der Unmensch (Glosse oder so)

    Der Begriff des Unmenschen ist nicht gut gewählt. Ungutmensch klingt nicht. Tunichtgut ist zu märchenhaft. Wahrscheinlich sollte ich diesen Typen "Realist" nennen. Den Text hatte ich völlig vergessen. Danke fürs hochholen, hatte ihn selber nicht mehr.


    Grüße


    Kyra

    P.S. oder Pragmatiker?

  11. #11
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Der Gutmensch, der Dummensch und der Unmensch (Glosse oder so)

    der gutmensch peter singer, der sich für menschenaffenrechte einsetzt, strikt gegen tötungen von tieren ist und sich selbst als utilitarist bezeichnet, meinte in einem FAZ-interview, daß er handlungen nach ihren folgen bewerte, wobei für ihn entscheidend sei, ob eine handlung mehr nutzen als schaden erzeuge.

    das ist das problem mit den gutmenschen: sie meinen, etwas sei gut, weil es nützlich sei und verkennen darüber, daß eine solche diktion immer noch jede dummheit rechtfertigen könne und das wirkliche elend erst erzeuge.

    der richtige fragepunkt für menschlichen handeln darf nicht der nach dem nutzen sein, sondern muß der nach der moralität sein. moralisch aber ist all das, was dem kategorischen imperativ entspricht.

    anders ausgedrückt: wenn es nützlich ist, zehntausend menschen zu töten, damit hunderttausend leben können, würde der utilitarist/gutmensch diese opfern. der moralisch handelnde mensch könnte das nicht, sondern würde nach neuen lösungsmethoden suchen. daß das die hunderttausend in den tod schicken könnte, steht auf einem anderen blatt.

    ich will es noch an einem anderen beispiel deutlich machen: das verfahren der nazis gegen die juden war von einem utilitaristischen standpunkt aus geführt. ihr hauptargument für den genozid lautete: die juden bilden ein gift im deutschen/arischen volkskörper. entweder sie oder wir. also war es sehr vernünftig und nützlich, wenn man dieser doktrin anhing, die juden zu töten.

  12. #12
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Der Gutmensch, der Dummensch und der Unmensch (Glosse oder so)

    im ganzen ordner wird von eseln argumentiert.
    das zentrale, der mensch, fehlt. die etiketten kritisieren typisierte oberflächen.
    dem utilitarismus vernunft anzuloben ist verkehrt.
    ihn zu treffen, dafür hätte genügt, ihm die nichtmoral vorzuwerfen und ihn damit als hohl kennzuzeichnen.
    differenzierter wäre gewesen, die enge utilitarität, den engen egoismus, der über leichen geht, herauszuarbeiten. dies drückt cui bono aus.
    das enge widerspricht der vernunft, welche nur universell gelten kann und damit über königsberg hinausgeht. an jeder grenzziehung fallen opfer, die die vernunft nicht dulden kann, weil sie vernunft ist. aristoteles dachte schon bis zur polis, wir müssen die kosmos-polis bedenken, den universellen gesellschaftsvertrag, in dem jeder einzelne größtmögliche freiheit besitzt, überhaupt zu leben und so zu leben, wie er es möchte.
    vernunft hat gar keine utilitaristische komponente, sondern ein bewusstsein von vergangenheit und zukunft. sie ist ein instrument der mäßigung, geboren aus verantwortung und dankbarkeit zugleich. wie alle instrumente kann sie nicht allein allen aufgaben gerecht werden und bedarf ihres ausgleichs durch menschlichkeit. diese aber blendet die glosse vollkommen aus. das werfe ich ihr vor. ob dumm, ob un, ob gut hat mich nicht zu interessieren. es sind nur weitere zu enge verurteilungen und grenzziehungen, selbst vom engen utilitarismus des glossenschreibers getragen.

  13. #13
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Der Gutmensch, der Dummensch und der Unmensch (Glosse oder so)

    Das Wort Gutmensch ist durch die PEGIDA in Verruf gekommen. Da der Gutmensch Utilitarist ist, ist er ein Banause. Es ist der Mensch, der Geld, Erfolg und Macht erreichen will, indem er weich ist, allen Argumenten zuneigt und sich vor dieser moralisch unhaltbaren Schwäche dadurch rettet, daß er sich dem Verdikt des Wohlergehens bedingungslos in die Arme wirft. So ist er mal Anhänger des Wilhelminismus, mal der Weimarer Republik, der Nazizeit und auch der BRD/DDR, weil er unklare Begriffe besitzt und die durch äußere Korrektheit in dem Sinn des von ihm als mächtig anerkannten Systems dokumentiert.

  14. #14
    kls
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    Eure Eurung und Meine Meinung

    Es dünkt mir das Wort 'Gutmensch' war schon lange vor Pegida mit einen süffisantem Beigeschmack versehen. Ich finde es gut, wenn jemand bemüht ist, 'Gut' zu sein, egal wie lächerlich das dem Betrachter auch vorkommen mag. Falsch finde ich, wenn clevere Leute, diese Menschen zum eigenen Wohl abziehen. Die Gleichgültigen sind mir wesensverwandt. Sie sind ja nicht 'böse' sondern bemühen sich um 'Nicht-an-sich-ranlassen' in mentaler Notwehr.

  15. #15
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    Bewertung und Urteil

    Das Wort "Gutmensch" impliziert, dass derjenige, der sich für "gut" hält, die Löffel der Weisheit schon verschluckt haben muss. Was jedoch absolute Objektivität bedingen würde.


    Davon sind wir weit entfernt, es gelingt nicht, objektiv zu urteilen. Dazu wären zu viele Informationen aufzunehmen, zu verknüpfen, zu verdichten und in (noch) verständlicher Form auszugeben. Was jedoch durch die exponentielle Zunahme verwertungsrelevanter Informationen ad absurdum geführt wird. Häufig genannte Entropiefalle - der nicht genutzte energetische Brennwert einer Information - die in der Flut von unauswertbarer Informationsgesamtmengen untergeht.


    Alle, die anderen Menschen erklären wollen, was "Gut" sei, sind in diesem Moment eher das Gegenteil. Ich sag ja nicht, was gut sein könnte. Ich sag nur, was sich gut anfühlen könnte. Mehr nicht.


    Der Gutmensch lebt davon, sich durch sein subjektives Urteil über andere zu erheben, ohne eine innere Verbindung zum Gewissen zu spüren. Das Gewissen weist uns darauf hin, dass wir diesen Irrtümern ebenfalls einmal Glauben schenkten. Was wollen wir bewerten?


    Wir können uns nur angemessen Verhalten, wenn unsere Wahrnehmungswerkzeuge frei von Verzerrungen sind. Wer das von sich behauptet, werfe den ersten Stein. Gutmenschen zwingen sich zu einem Verhalten, von dem sie glauben, dass ihre Mitwelt es als gut bewerten würde. Nicht aus sich selbst heraus, sondern, um sich unterzurordnen und einzufügen, wird Altruismus dahingeheuchelt. Vorhanden ist er nicht und daher entstehen Energiedefizite...


    Diese werden durch die Abwertung der Umwelt kompensiert. Der Gutmensch ist geboren. Es fehlt die Übereinstimmung von inneren und äußeren Zielen, daher wirken Gutmenschen oft so unecht...

  16. #16
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Der Gutmensch, der Dummensch und der Unmensch (Glosse oder so)

    sehe ich eben so, Michael, der Gutmensch erhebt sich über andere, ein pharisäer. er ist aber nicht (dazu) geboren, sondern meist durch die gesellschaft dazu gemacht, DENN jeder will GUT sein in dem, was er macht und bei dem, WIE er handelt. ich bin mir auch nicht so sicher, ob er gerade so handelt, weil er mit seinen handlungen eine übereinstimmung zwischen inneren und äußeren zielen erreichen kann. das ist ja das fatale: er glaubt, gut zu handeln, indem er das macht, was die gesellschaft von ihm verlangt. er reflektiert UNzureichend.


    und das ist eine ewig-menschliche eigenschaft. nehmen wir also das gutmenschentum als das hin, was es ist, als einen aufschrei einer gequälten seele

  17. #17
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Der Gutmensch, der Dummensch und der Unmensch (Glosse oder so)

    der gutmensch ist, zumindest in meinen augen, politisch immer links angesiedelt - will, dass alles für alle umsonst ist, ohne sich zu fragen ... wo dieses alles überhaupt herkommt und wer die rechnung bezahlt. der gutmensch ist ein stinkfauler egoist, in seiner eigenen wahrnehmung aber genau das gegenteil davon.

  18. #18
    kls
    Status: ungeklärt

    Na-ja

    Wer von uns hält sich denn, bitteschön, nicht für etwas Besseres? Klarer im Kopf, als all diese Dumpfbacken um einen herum. Mit mehr Durchblick. Moralisch ausgewogener und stets um Objektivität bemüht. Dabei aber echter, auch wenn häufig bloß unbeherrscht und schlecht erzogen.


    Vielleicht habe ich auch das Wort 'Gutmensch' falsch eingeordnet. In meinen Augen ist, wer den Drang verspürt, ein 'Guter Mensch' zu werden, erst mal keiner, dem ich etwas prinzipiell Verwerfliches vorwerfen könnte.


    Dass dieses Bemühen letztendlich schrecklich Fehler behaftet daher kommt, ist kein echtes Kriterium. Alleine die Absicht zeugt doch schon von edler Gesinnung, auch wenn diese nicht wirklich von innen kommen, und - wie üblich - nicht zu Ende gedacht sein sollte.


    Was macht Euch so sicher, selber keinen Indoktrinationen aufgesessen zu sein? Woher nehmt Ihr den Glauben vorurteilsfrei zu bemaßen? Wo liegt die Basis für den richtigen Maßstab?

  19. #19
    rodbertus
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    Na-ja

    sehe ich anders. der gutmensch ist spießer. der linke will gesellschaftliche veränderungen. der gutmensch möchte zuerst seine ruhe, seine innere und seine äußere. sein tun ist utilitaristisch, nicht ethisch gut. er schiebt das ethische in den vordergrund, damit macht er sich zum pharisäer. der gutmensch macht das, was in der gesellschaft als gut gilt und nicht das, was gut ist, nämlich moralisch.


    ich denk da noch ein bißchen drüber nach, aber jetzt muß ich erst mal schauen, was meine lieben magdeburger heute in der innenstadt veranstalten. der OB hat schon mal einen vorgelegt und aus protest gegen MAGIDA das otto-denkmal verhüllen lassen. - realsatire!

  20. #20
    rodbertus
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    AW: Der Gutmensch, der Dummensch und der Unmensch (Glosse oder so)

    ...weil anderedimension gestern den Begriff "Gutmensch" erst für 2015ff als tt zu begreifen scheint, hier ein Ordner aus dem Jahre 2001, in dem dieser Begriff sogar genau beschrieben worden ist.

    ...erstaunlich genug ist, daß ngram diesen Begriff als nichtexistent eben auch nicht erfaßte. Man müßte mal genauer untersuchen, wann er das erste Mal Verwendung fand.

  21. #21
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Der Gutmensch, der Dummensch und der Unmensch (Glosse oder so)

    Da muss man nicht lange suchen - alle Infos bei Wikipedia

    https://de.wikipedia.org/wiki/Gutmen...und_Verwendung

    erstmals 1985 erwähnt

    Zitat

    Die Gesellschaft für deutsche Sprache gibt als erste ihr bekannte Fundstelle des Begriffes eine Ausgabe des englischsprachigen Forbes Magazine aus dem Jahr 1985 an, in der Franz Steinkühler, damals zweiter Vorsitzender der IG Metall, so bezeichnet wurde
    damals wohl in einem anderen Kontext

    Ansonsten gilt das Jahr 1989 als Geburtsjahr dieses genialen Begriffes

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