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Thema: Geschichte des Geldes (I)

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    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Geschichte des Geldes (I)

    Eine der Festlegungen im Diktat von Versailles betraf die Reparationsleistungen des Reiches gegenüber den Entente-Mächten. Reparation bedeutet die Überweisung von Geld und Übersendung von Sachleistungen an den Sieger zur Wiedergutmachung der vom Verlierer gemachten Schäden während der Auseinandersetzung mit dem Sieger. Ein Tribut. Geld ist als Papierschein oder (virtuelles) Giro etwas Abstraktes und bedarf deshalb eines materiellen Gegenwertes, andernfalls ist es nicht das wert, was es Wert zu geben vorgibt. Das ist der springende Punkt. Der Staat gibt den Wert der Banknote vor und geht damit zugleich die Verpflichtung ein, den ausgegebenen Wert auf der Banknote adäquat ersetzen zu können. Theorie. Die Praxis sah um 1920 anders aus und eine der größten Betrügereien der Weltgeschichte. Das Reich entledigte sich nämlich vieler seiner Schulden bei der Entente in folgender Weise:

    Nation
    Anteil der Militärausgaben am BSP (1913) in Prozent
    Britannien
    3,5
    das Reich
    3,8
    Österreich-Ungarn
    2,6
    Rußland
    4,5
    Frankreich
    4,0
    Amerika 2013
    4,4
    das Reich 2013
    1,4
    Frankreich 2013
    1,9

    Es gab während des Krieges zwei grundsätzlich verschiedene Methoden, das notwendige Geld für die Rüstung zu beschaffen. Während sich die Westmächte viel Geld im Ausland (v.a. in den USA) borgten, war das für das Reich nicht möglich. Die USA verweigerten das von Anfang an dem Reich, was de facto schon 1914 einer Unterstützung der Entente gleichkam, zumal das geborgte Geld quasi durch die Entente postwendend in Form von Waffenkäufen wieder zurück nach USA floß und dort die Wirtschaft ankurbelte, was wiederum dem Staat Gewinne in Form prächtiger Steuererträge einbrachte.
    Aber bleiben wir bei der Geldbeschaffe des föderativ aufgebauten Reiches. Während die Kriegsgegner über zentralistische Kompetenzen ihre Steuerzahler zur Kasse bitten konnten oder schlichtweg Anleihen auf internationalen Finanzmärkten aufnehmen konnten, war das für das Reich aus mehreren Gründen nicht möglich:


    1. die föderative (dezentrale) Struktur des Reiches ermöglichte bereits vor dem Krieg Militärausgaben nur über Septenate (Siebesjahresetat) oder Quinquennate (Fünfjahresetat);
    2. Frankreichs Plutokratie verhinderte bereits vor dem Krieg, daß deutsche Banken oder das Reich Anleihen auf internationalen Finanzmärkten placieren durften und
    3. die deutsche Wirtschaft war nicht auf Krieg eingestellt und importabhängig (Rohstoffe und Nahrung), besaß also Auslandswerte, denen eher weniger Werte von Ausländern im Reich entgegenstanden.


    Heinrich Dietzel schreibt in seiner klugen Erörterung „Die Nationalisierung der Kriegsmilliarden“, 1919: „Unser Auslandsbezug an Lebensmitteln und Rohstoffen hatte sich vor dem Kriege mehr und mehr gesteigert; so war die Absicht Englands, uns durch dessen Unterbindung wirtschaftlich zu ruinieren, von seinem Standpunkt aus wohl berechnet; aber sie ist uns zum Segen ausgeschlagen. Das Geld bleibt im Lande, wandert nicht, wie in England, für Munition usw. nach Amerika; bei uns gelangt es nach einiger Zeit wieder zu denen zurück, die es dem Reich geborgt haben, macht, wie Nietzsche sagen würde, den Ring der Wiederkehr durch. Es liegt auf der Hand, daß man solches Verfahren beliebig fortsetzen kann.
    In kürzesten Zwischenräumen folgen einander Kriegsanleihen. Dem Leben erscheint es schwer begreiflich, wie das geschehen konnte, ohne daß eine den Geldumlauf behindernde Erschöpfung des Kapitalmarkts eintrat? Aber es wuchsen eben inzwischen immer neue Kapitalreserven heran. Unsere Gegner müssen ihre fortlaufenden Kriegsbedürfnisse größtenteils im Auslande decken; deren Kraftquellen versagen daher mit der Länge des Krieges mehr und mehr, während ihre geldlichen Verpflichtungen gegenüber dem Auslande sich zu drückenden Lasten steigern. Dagegen fließen die den Händen des Reiches überlieferten Milliarden wiederum auseinander, befruchten die verschiedensten Erwerbsgebiete, legen in hundertfachen Formen den Grund zu neuen Einsparungen; diese Aufwendungen sind also keine wirklichen Kriegskosten, vielmehr Triebkräfte des Wirtschaftslebens, wie andere kapitalistische Anlagen. So hat Deutschland eine unschätzbare Überlegenheit über die fremden Staaten.“
    Diese von der Universität Breslau ausgezeichnete Denkschrift wirft ein neues Licht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse im Reich und hilft erklären, wie Deutschland eine autarke Wirtschaftsform über die Kriegsjahre hinweg durchhalten konnte. Es hilft auch erklären, warum die Entente nach dem Krieg gerade Geld von den Deutschen wollte; schließlich hatten die sich im Krieg nur bei sich selbst verschuldet, waren also im Vergleich zu Engländern und Franzosen, die Milliarden Schulden bei den Amerikanern besaßen, schuldenfrei. Es erklärt auch, warum es in den 30er Jahren eine starke Autarkie-Bewegung gab; es erklärt aber nicht, warum ausgerechnet nach 1936 diese Politik verlassen wurde.

    Kreislauf des Geldes
    : Das ist das Zauberwort. Die Deutschen gaben Staatsanleihen heraus, die vom Volk gekauft wurden. Womit? Mit dem Geld, das durch Einsatz in rüstungsrelevanten Bereichen verdient wurde. Geld: Arbeit: Produkt: Verkauf: Gewinn: neues Produkt: Staatsanleihe: Abkauf des Produzierten → Kreislauf. Die notwendigerweise daraus resultierende Verschuldung des Staates wird durch die Hoffnung auf Reparationsleistungen nach dem Sieg im Gleichgewicht gehalten. Der Kreislauf ist also gar keiner, sondern eine Mär.

    Die Deutschen vermieden (notwendigerweise) eine Verschuldung im Ausland (wie England und Frankreich) und deckten die Kriegsbedürfnisse ihres Heeres mit eigenen Mitteln. Diese Methode führte zu einer Effizienzbewegung im Reich, trieb die Wirtschaft an und steigerte in zahlreichen Wirtschaftsbereichen die Arbeitsproduktivität. Die Deutschen, die sich vor dem Krieg anstrengten, für die Welt zu arbeiten, eine Exportnation zu werden, die mit allen Handel trieb, kehrten um und arbeiteten fortan für den eigenen Bedarf. Das führte zu Engpässen insbesondere bei der Versorgung mit Lebensmitteln, da das Reich zu dieser Zeit auf den Import von Lebensmitteln angewiesen war. Englands Blockade blieb in dieser Hinsicht wirkungsvoll. Aber das war bloß Terror gegen die Bevölkerung, denn die Produktion von Kriegsgütern konnte durch die Blockade nicht unterbunden werden, was den Briten schon 1915 klargeworden war. Daß sie dennoch ihre Blockade aufrecht hielten, zeugt von deren Geist und Absicht, die Deutschen selbst zu zerstören. (Die gleiche Terrorpolitik zeigte sich auch im Weltkrieg zwei, als ohne militärische Ziele Terror gegen die Zivilbevölkerung ausgeübt wurde: man denke nur an die Zerstörung Dresdens und Magdeburgs.) Andererseits führte die Ausschaltung des Reiches als Wirtschaftsfaktor im internationalen Handel letztlich auch dazu, daß die Deutschen sich nicht nur auf sich selbst zurückziehen, sondern auch darauf verzichten mußten, sich am internationalen Gedankenaustausch zu beteiligen, auf technologische Fortschritte, die außerhalb Deutschlands sich Weg brachen, weniger oder gar keinen Einfluß zu besitzen bzw. davon zu profitieren. Es bedeutete auch, daß vor dem Kriege im Reich errichtete Anlagen aus dem Ausland nicht mehr mit Ersatzteilen u.ä. beliefert wurden, also veralteten.
    Je länger der Krieg dauerte, um so mehr schwand das Volkseinkommen, denn letztlich wird aus diesem geschlossenen Kreislauf des Wirtschaftens immer etwas herausfallen, ein Weniges nur, der Staat aber muß Geld nachdrucken, für das es immer weniger zu kaufen gibt, da der Krieg Güter verschlingt, zwar Arbeit und Auskommen schafft, aber das Erarbeitete wird vom Krieg verschlungen - ganz abgesehen davon, daß auch zahlreiche Arbeiter aus dem Produktionsprozeß herausfallen. Walther Rathenau sagte: Die Zeit arbeitet für niemanden, sondern gegen jeden. Es gibt keinen Kreislauf des Geldes, sondern dieser Kreislauf muß in Kriegszeiten dem Prinzip der Wertvernichtung folgen.
    Eines aber ist auch richtig: das englische und französische Prinzip, sich den Krieg über ausländische Kredite bezahlen zu lassen, ist teurer als das deutsche Prinzip, den Krieg mit eigenen Kräften zu bestreiten.
    Das vor dem Krieg zunehmend praktizierte Prinzip der Arbeitsteilung muß im Reich neu konfiguriert werden. Das bedeutet, daß zahlreiche Arbeitsvorgänge, die im Reich nicht mehr ausgeführt wurden, weil es dafür billigere Spezialisten im Ausland gab, nunmehr wieder neu angelernt werden mußten, was zwangsläufig dazu führen muß, daß die Ap sinkt. In England und Frankreich dagegen konnte nach wie vor auf Zuarbeit vom Ausland gebaut werden. Andererseits mußten die Arbeitsprozesse neu durchdacht werden, waren also Ingenieur- und Verfahrenstechniken gefragt, was diesen Wissenschaften und fürderhin der Industrie zugute kommen mußte.
    Die Weichen für die Geldpolitik des 20. Jahrhunderts allerdings wurden in Amerika gestellt. Es geht um das Prinzip einer Zentralbank, d.i. eine Institution, die das gesamte Geld innerhalb ihres Währungsgebietes, meist ein Staat, kontrolliert. Sie verfügt dazu über zwei Kernkompetenzen:


    1. das Festlegen des Ausgangszinssatzes (Leitzins), zudem sich alle anderen Banken bei ihr Geld borgen müssen und
    2. sie legt die Menge des Geldes fest, das in Umlauf sein darf.


    Die Macht besitzt, wer diese Zentralbank kontrolliert. Alle anderen geraten früher oder später in ein Schuldverhältnis, aus dem sich mancher befreien kann, die meisten jedoch nicht. Kritiker der Zentralbankidee verweisen darauf, daß jede von der Zentralbank herausgegebene Banknote gegen Zinsen weiterverliehen wird, die vom Schuldner bezahlt werden müssen. Sofern der Schuldner durch den Einsatz des geliehenen Geldes einen Mehrwert erwirtschaften kann, wird ihm die Begleichung seiner Schulden plus Zinsen leicht fallen, sofern Gier und Geiz die Begleichung nicht unterbinden. Mehrwert entsteht durch Arbeitsleistung. Die Kritiker des Zentralbanksystems verkennen die Dynamik der Arbeit und betrachten das Hin- und Hergeschiebe der Gelder statisch. Der statische Blick kann nur zu dem Ergebnis der Schuldsklaverei kommen. Die Kritiker erhalten starke Argumente dadurch, daß Schulden nicht als Investition genutzt, sondern zur Begleichung anderer Schulden oder zur Bestreitung des Lebensunterhalts gemacht werden. Die Schuldenfalle. Für diesen Fall ist das Zentralsystem ein schlechtes, denn dann kann der Schuldner der von den Kritikern beschriebenen Versklavung nicht entgehen.
    Kurzum: eine Zentralbank ist jedenfalls etwas Positives für die Finanzwirtschaft, denn Kontrolle über Geldmenge und Leitzins verschafft Planungssicherheit und damit Rationalität. Es wundert also nicht, daß seit Entstehen von Finanzmärkten in der frühen Neuzeit die Idee der Zentralbank immer wieder zur Sprache kam. Nachdem diesbezügliche Versuche im 19. Jahrhundert in Amerika scheiterten, unternahmen die Rockefellers, Warburgs, Morgans und Rothschilds 1907 den nächsten ernsthaften Versuch. Eine Zentralbank ließ sich in den USA nur auf Gesetzesgrundlage einrichten. Gesetze werden durch Bedarf auf den Weg gebracht. Bedarf nach einer Zentralbank entsteht, wenn das bestehende Bankensystem nicht mehr in der Lage ist (jedenfalls in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit), die Einlagen der Bürger zu sichern oder die für wirtschaftlichen Aufschwung notwendigen Kredite bereitzustellen. Es bedurfte also einer Meinungsänderung der amerikanischen Öffentlichkeit. Der einflußreiche Bankier Morgan streute das Gerücht von der bevorstehenden Pleite eines seiner Konkurrenten. Das Gerücht verbreitete sich. Jeder Kleinsparer holte seine Einlagen, was die Bank nun wirklich in Schwierigkeiten brachte und dazu zwang, ihre Schuldner zur vorzeitigen Rückzahlung zu bewegen, was wiederum mit Verlusten erfolgte, was wiederum… Kurzum: am Ende war die Bank wirklich pleite und etliche Kleinsparer hatten ihre Ersparnisse verloren, etliche Betriebe wegen der vorzeitigen Rückzahlung ihre Liquidität eingebüßt und einer hatte nun die Möglichkeit, das amerikanische Parlament von der Notwendigkeit der Einsetzung einer Zentralbank zu überzeugen.
    Der Kongreß setzte einen Untersuchungsausschuß unter dem republikanischen Senator Aldrich ein, dessen Tochter mit dem einzigen Sohn des reichsten Mannes der Welt verheiratet war, John D. Rockefeller jr.. Wie günstig! Nelson Aldrich, der sich aus einfachsten Verhältnissen nach oben gearbeitet hatte, schlug dem Kongreß nach Ablauf der Untersuchung des Ausschusses vor, eine Zentralbank einzurichten, die künftig mögliche Paniken am Finanzmarkt unterbinden würde und so die Einlagen der kleinen Leute sichere.
    1910 trafen sich die führenden Bankhäuser Amerikas auf Einladung J.P. Morgans im Jekyll Island Club (Georgia) und besprachen die Einzelheiten des Zentralbankgesetzes, das in der auf Jekyll Island beschlossenen Form Weihnachten 1913 vom neuen Präsidenten Wilson ratifiziert wurde, der Federal Reserve Act. [2] Damit waren die Weichen für den Dollar als Weltleitwährung gelegt.

    Wir haben keine Regierung der freien Meinung mehr, keine Regierung der Überzeugungen und der Mehrheitsentscheide mehr, sondern vielmehr eine Regierung der Ansichten und Nötigungen einer kleinen Gruppe dominanter Männer. (Woodrow Wilson, In: Zeitgeist - Der Film, 1:17h)
    Wilson war als Kandidat für das Präsidentenamt von den Mitgliedern des Jekyll Island Clubs unterstützt worden, denn er hatte sich für die Annahme des FRA ausgesprochen. Wilson erkannte erst Jahre später, was da angerichtet worden war, wobei er offenbar ausblendete, daß er benötigt worden war, damit er das von den Bankiers formulierte Gesetz durchbrächte. Der Präsident ist Teil des Systems, das vorgibt, für das Volk geschaffen worden zu sein, tatsächlich aber nur einem Bruchteil des Volkes zuarbeitet.Wir können hieran das Fehlerhafte des westlichen Systems gut erkennen: Die Macht liegt in den Händen derjenigen, die in der Lage sind, öffentliche Meinungen zu manipulieren, also derjenigen, die das Geld haben, sich die dafür notwendigen Fachleute zu besorgen, die ihrerseits jederzeit ausgetauscht werden können, da sie nicht über das Geld für Kampagnen, sondern nur über das Wissen, wie sie zu führen sind, verfügen. Strohmänner. Diese nützlichen Idioten bringen Gesetze durch, die dem Volk als nützlich verkauft werden (Funktion der „freien“ Presse), wobei sie tatsächlich nur wenigen nützen.
    Dagegen mutet das Gottesgnadentum der führenden Aristokratie mit direkter Darlegungspflicht vor dem Volk, wie es im Reich verfassungsrechtlich verankert war, demokratisch und transparent an.

    Wenn einer nicht so viel hat, um leben zu können, so hat er nicht, was er zu haben berechtigt ist; er hat das Seinige nicht. Im Vernunftstaat erhält er es; in der Teilung, welche vor dem Erwachen und der Herrschaft der Vernunft durch Zufall und Gewalt gemacht ist, hat es wohl nicht jeder erhalten, indem andere mehr an sich zogen, als auf ihren Teil kam. (Fichte: Urrechte des Menschen)

    Der erfolgreich von Wilson durchgebrachte FRA (Federal Reserve Act) hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Höhe der Geldmenge. Zwischen 1914 und 19 erhöhte die Fed (Zentralbank der USA) die Geldmenge um 100%, das meiste zur Finanzierung des Krieges. Nach dem Krieg wurde die Geldmenge wieder reduziert, klar, denn nun gab es keinen Krieg mehr, der finanziert werden mußte. Statt dessen lohnte sich die Deflationspolitik, denn das viele nach Europa gebrachte Geld und von dort wieder zurücktransferierte Geld für Waffenkäufe (die nun aber zerschlissen und wertlos waren) stand in den Büchern der amerikanischen Bankiers, reduzierte man die Geldmenge, gewann es an Wert und zugleich wurden die Sachwerte (konkurrierende Unternehmen, Land, ausländische Aktien) für die Fed billiger. Zugleich half es der Fed, im Inland konkurrierende Banken und -systeme aus dem Geschäft zu drängen. 1920 brachen nach der Bargeldreduzierung durch die Fed allein in Amerika 5400 Banken zusammen (das gleiche Spiel wie 1907), die Fed (Rockefeller, J.P. Morgan, Rothschild und Warburg samt Genossen) sammelte lukrative Reste zusammen und verteilte sie unter den Töchtern der vier großen Bankensysteme, die die Fed ausmachten.
    In Deutschland entschloß sich die Regierung seit 1916 nur zögernd zur Erhöhung und Neueinführung von Steuern, so einer Kriegsgewinnabgabe und 1918 der Umsatzsteuer [die nach dem Krieg beibehalten wurde], ohne daß sie aber eine zu Buch schlagende Entlastung brachten. Soweit die Steuereinnahmen nicht zur Deckung der Kriegsausgaben ausreichten, nahmen die Staaten langfristige Anleihen auf dem Kapitalmarkt auf [wobei dem Reich der internationale Kapitalmarkt verschlossen blieb], der flüssig und leistungsfähig war [für die Entente], oder diskontierten Schatzwechsel bei ihren Notenbanken [im Reich war die Zentralbank/Notenbank staatlich, im Westen privat], was die umlaufende Geldmenge entsprechend vermehrte. (Robert Nöll von der Nahmer: Weltwirtschaft und Weltwirtschaftskrise. In: Propyläen Weltgeschichte, Band IX. Berlin 1964. S. 362.)
    Das Wirtschaftsdenken des Imperialismus wird, wie im Merkantilismus, vom Geld bestimmt. Der Kapitalismus begann um 1800 im Reich nicht merkantilistisch. Fichte, bald ähnlich auch Hegel und Müller, beschrieb den Handelsstaat als vernunftgemäßen (ratio), der die Wünsche ALLER seiner Bürger erfüllt, was materialiter jedem den Anspruch auf den gleichen Teil des im Staat erzeugten Gesamtwertes der Güter bedeutet: der Staat wird nicht zum Bewahrer, sondern dazu bestimmt, Eigentum gerecht zu verteilen, allerdings nicht zu vergesellschaften oder den Staat zum größten Unternehmer zu machen. Das war NICHT Fichtes Intention.Diese Vorstellung hatte sich im Reich durchgesetzt und erklärt die bis heute anhaltende Affinität der Deutschen zu ihrem Staat, den sie eben daran messen, inwiefern er in der Lage ist, ein gerechter Sachwalter des Erwirtschafteten zu sein.
    Im Westen gab es einen anderen Ansatz, den des aus dem individuell Erwirtschafteten zu guter Letzt allen Zugutekommens. Adam Smith. Der Staat fungiert als Korrelat zur Bändigung und Erziehung der Masse und NICHT, wie die Deutschen das verstanden, als Hort der Freiheit und Gerechtigkeit, die AUCH Sicherheit schafft.
    Das ist ein fundamentaler Unterschied, der die Stellung Deutschlands in der Welt markierte. Diese Herangehensweise, ja Lebensweise erzeugte den Kriegsgrund, denn er bedrohte die Macht des Westens. Es spielte eine untergeordnete Rolle, ob das Reich seine Flotte erweiterte (das taten andere auch), es spielte eine weitere untergeordnete Rolle, ob das Reich mit dem Osmanischen Reich eine politische und wirtschaftliche Gemeinschaft einging und es spielte auch eine untergeordnete Rolle, ob in Afrika investiert wurde. Das Reich hätte sich auch auf den Philippinen oder in Australien, in Mittelasien oder Südamerika engagieren können, überall wäre es zum Konflikt mit der angelsächsisch-französischen Lesart des Lebens gekommen, es hätte also Krieg gegeben.
    Nach dem Krieg brach das neue Wirtschaftssystem vollends durch: Während das persönliche Leben der meisten Menschen gegenständlich blieb (Ware-Geld-Arbeit-Land), umflossen Ströme von Geld den Erdball, heute Tokio, morgen Berlin, übermorgen Neuyork. Verschreibungen, Mutmaßungen über zu leistendes, unklare Wertsetzungen, die Krieg, Politik und der Willen der Mächtigen bestimmten, setzten fest, daß ein Haus in München hundert Mal weniger wert sein sollte als eines in Oklahoma. Die Gelder flossen unsichtbar in Sekundenschnelle; ein Telegramm, ein Anruf… Das Geld verlor seine Raumgebundenheit und wurde virtuell. Eine Parallelwirtschaft, die abstrakt Wert bestimmte und darüber tatsächliche Urteile abgab, die mittels des Oberbaus auf die Besitzarmen zurückwirkte und ihnen Handlungen vorschrieb: Enteignung, Verschuldung, Wertsetzung, Hamsterrad…


    [1] Ein im Zentrum der Ereignisse um 1910-20 stehender Zeuge ist Kurt Riezler, der sowohl dem kaiserlichen Kanzler Bethmann Hollweg als auch dem republikanischen Präsidenten Ebert als Privatsekretär diente und Tagebuch führte. Riezler soll auf dem Totenbett darum gebeten haben, seine Tagebücher zu vernichten. Für 110 € kann man die Tagebücher erwerben; sie sollen jetzt entfälscht worden sein. - Riezler schied 1920 aus dem Öffentlichen Dienst aus und begründete das damit, daß er die Unterzeichnung des Versailler Vertrages nicht goutieren könne. Die Basis dieses Vertrages war der Kriegsschuldartikel, § 231.
    [2] Das Wort federal (Bund, bündischer) assoziiert Staatsnähe. Das ist allerdings nicht der Fall. Die Macht der Bestimmung über die Höhe des Leitzinses oder der Geldmenge liegt nicht beim Staat, sondern in dem Interessenverband der Federals, einem privaten Klub. Diese Federals legen ihre Strategie ohne staatliche Einspruchmöglichkeit selbständig fest.




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  2. #2
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    AW: Geschichte des Geldes (I)

    Sind es in der Tabelle oben wirklich die Zahlen von 2013?

    Global liegen wir heute bei einem BIP von 74,7 Billionen und laufenden Rüstungsausgaben von 1,8 Billionen bei 2,4 %.

    Unter: http://de.kushnirs.org/makrookonomie/gni/gni_world.html

    wären interessante Zahlen dazu zu finden. Einzig der Abgleich von Wert- und Schadschöpfung muss halt weiter ausgeblendet werden, Schwachsinn als Rationalität verkaufen zu können - kein Markt funktioniert rein rational - die emotionalen Komponenten lassen die Effizienzmarkthypothese blass aussehen. In allen Bereichen ist es die USA, die sich den größten Kuchen einverleiben, indem die FED globale Wertschöpfungserlöse der sonstigen Weltbürger verfrühstückt. Die Lizenz zum Melken des Staates wurde als Marktmodell auf die EZB übertragen.

    Als Analogie zu damals: Sie haben die Kriegsgewinnanleihen (in der Immobilienblase) schon verteilt, bevor der Hase (Marktanteil Ölschiefer / Frackinggas) erlegt wurde. In der Leitwährungsgesamtmenge ist der Zinsanteil niemals enthalten.

    Bei einem Derivatehandelsvolumen von 800 Billionen sehen wir eine zehnfache Überzeichnung der Realwerte. Damit das System für 800 Billionen eine Rendite von 3 % erwirtschaftet, sind vom BIP 24 Billionen abzuziehen. Bei einer globalen Kapitalrendite von einem Prozent sind 8 Billionen zu erwirtschaften, die Zinsen zu bezahlen.

    Nehmen wir die Zinsanteile der globalen Staatsverschuldung von 3,2 Billionen jährlich hinzu, liegen wir bei Renditeeinkünften (1%) von 11,2 Billionen US-Dollar pro Jahr. Bei 7 Milliarden Menschen sind es somit pro Kopf annähernd 1500 Dollar, die jedes Jahr von jedem Menschen für die Rendite der FED draufgehen. Dazu kommt das Melken von Goldmann-Sachs bei der EZB. Wer seine ehemaligen Mitarbeiter (Draghi) dort zum Chef macht, beherrscht das Monopolyspiel komplett. Ein globales Bürgergeld von 130 Dollar im Monat wäre möglich; verhungern bräuchte niemand. Zeit, das globale Zinssklaventum zu beenden.

    Wenn du die Welt länger als 100 Jahre plünderst, brauchst du natürlich auch ein weltweites Wirtschaftsspionagenetz und militärische Dominanz. Eh der Hase den alten Braten riecht, wird er schon kaltgestellt. Lange Rede kurzer Sinn: Es hat sich nichts geändert, die alten Sklaventreiber melken die Menschheit.

    Die Geschichte des Geldes sieht für 2016 das erste echte Entwicklungsland in Europa vor: Um die Flüchtlingsströme aus Afrika zu begrenzen, müssen die Lebensverhältnisse in Europa halt grausamer sein, als in den sonstigen "Herkunftsländern". Die Geschichte der amerikanischen Sklavenhalterelite war ja nicht vorbei, als die Sklaverei offiziell abgeschafft wurde. Dafür wurde die Fed gegründet: Einen Ring zu schmieden, sie ewig zu binden. Das Bündnis der Gier kann keinen Bestand haben, es sind damals wie heute Krebsgeschwüre der Menschheit, dem Glauben verfallen, von der Energie ihrer Opfer zu leben.

    Die FED ist ein globaler Vampir, die Gier ist der Motor. Sie trinken das Blut der Erde und der Menschen mit Zins- und Zinseszins. Was aber seit mehr als zweitausend Jahren völlig klar war. Geldbesitz führt zu Geisteskrankheiten und psychopathischem Zwangsverhaltensstörungen. Sie sind Opfer ihrer Gier und gehören mit Neugier therapiert. Sie sind unzurechnungsfähig, doch solange wir den Braten nicht riechen, wird dieser Chor der Gehirnamputierten die Geschicke der Menschheit bestimmen. Wir sind das. Wenn´s die Fed nicht macht, gibt es ja nun noch die EZB. Und dann den IWF, die WTO und nicht zuletzt arsenhaltigen Reis. Wer sich über Jahrtausende zum Opfer macht, wird sich doch wohl nicht plötzlich über globale Sklaverei aufregen. Diesen Schwachsinn zu dulden, macht uns zum Täter durch Unterlassung der Verhinderung der Globalberaubung durch eine mafiöse, kartellartige Globalstruktur.

    Gewohnheitsrecht zur globalen Sklavenhaltung? Sind wir etwa frei?

    Was könnten wir für die heutige Situation aus der Entwicklung der Sklavengeschichten lernen?

    Warum sind die Sklavenhalter Opfer und Täter zugleich?

    Warum machen wir uns zu Sklaven?

    Warum kein globaler Schuldenschnitt?

    Warum keine friedliche Koexistenz?

  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Geschichte des Geldes (I)

    das ist im grunde keine historische auseinandersetzung mit dem ordnerthema, WSIB. mach bitte einen eigenen ordner zum thema "geld" auf!

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