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Thema: küchengedichte (eine abhandlung)

  1. #1
    Mitgestalter
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    Post küchengedichte (eine abhandlung)

    küchengedicht nr. 1


    das küchengedicht und sein wesen.


    das küchengedicht.
    das küchengedicht ist warm.
    der ofen knistert.
    nachts glostet ein brikett.
    kohle.
    schau auf den kamin.
    siehst du?
    es duftet.
    gugelhupf.
    kartoffeln.
    selbstvertändlich zwiebeln!
    ein ort der arbeit.
    hort.
    ernte.
    zusammenkunft.
    zackzackzack
    das messer in die zwiebel greift.
    in der pfanne bruzelts.
    bruzelz.
    und dampft.
    auf den tisch.
    heureka!
    bischen schwer.
    tief.
    schnaps gefällig?

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: küchengedichte (eine abhandlung)

    Ich fasse mal zusammen, lieber Paul: In der Küche wechseln Phasen der Hektik "zackzackmussesgehenundso" mit Phasen nahezu kontemplativer Ruhe und Meditation, wie sie nur ein glosendes Brikett noch annähernder ausstoßen kann, oder so irgendwie. In diesem Sinne trifft Dein Werk hier zu und auf, jedoch fehlt es mir an einigen längeren Zeilen, die den meditativen Charakter des Kochens und Zubereitens von Nahrung widerspiegelten. Ich möchte Hannemann nicht ins Handwerk pfuschen und nicht seine Weisheiten verbreiten, aber beim Montieren von Butter in eine noch nicht ganz fertige Sauce, ja, da ergibt sich ein wahrhaft nirwanischer Moment. Ein wenig mehr von diesen Aspekten vielleicht in den nächsten Küchengedichten und etwas weniger Schnaps, höchstens zum Flambieren.


    herzlichst uis

  3. #3
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: küchengedichte (eine abhandlung)

    schwingt nicht, ist nicht hastig, ist nicht ruhig, ist gar nichts


    schlecht, mein Lieber, grottenschlecht


    bischen ist "Kind beruhigen" und kein kleines bis (Präpositionen kann man nicht diminuieren) --> bißchen kömmt von Biß, abbeißen; ß IST ZWINGEND


    Kein Rhythmus. Was Uis da den Wechsel des Tones nennt, "Phasen", das möchte ich den aufgestülpten Rock eines nennen, der in der Küche nichts zu suchen hat. Ja, sag doch: Wer und wo ist hier das lyrische Ich? Und das sollte es doch in diesem Erlebnisbericht geben!

    bei aller berechtigten kritik: wie wäre es mal mit einem sack voller küchengedichte?

    literaturhistorisch betrachtet war das eine kurzlebige erscheinung, vielleicht hundert jahre, von 1800 bis vielleicht 1900, gepflegte gattung in diversen küchen dieses landes. oder gibt es immer noch küchen, in denen gedichtet wird?

  4. #4
    Mitgestalter
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    AW: küchengedichte (eine abhandlung)

    ja, schlimm.
    schlimmer beinkatarrh.
    der dichter humpelt.
    (freudig übrigens).
    vorhänge glosten.
    ein fest.
    getrampel.
    auch.
    kritiker baumeln im first.
    schad um.
    sie.
    er.
    wir.
    tanzen wir noch ein wenig.
    stens...
    stepp tu sri for

    P.S. ich denke ja. immerhin dichten manche sicher gerne in der nähe ihres kühlschrankes... oder aber bekommen direkt eine schreibblockade in anbetracht ihrer wohnzimmerschrankwand. insofern könnt man mal eine studie über die beschaffenheit des raumes an sich anstellen, in dem gedichtet wird. das dichten in küchen hat sicher mit dem übergang vom holzofen zum elektroherd abgenommen. wie es sich mit kerzen verhält, weiß man noch nicht. überhaupt sollte es wohl nicht zu hell sein, sonst trauen sich die geister ja nicht hervor. dann wären wir schon wieder bei den nachtgedichten. raum und zeit des dichtens...

  5. #5
    Kurzvormabschussiger
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    Post AW: küchengedichte (eine abhandlung)

    Ein krümeliges Küchengedicht zur Osternachlese:




    Dann eben nicht


    Auf dem Ofen brodelt und dampft
    schon das Gemüse,
    doch der Hase mapft
    noch auf der Wiese.
    Ich denk, ich erwisch keinen Happen,
    das Festmahl geht uns durch die Lappen.
    Hein schreit aus der Kombüse:
    "Kann keiner das Vieh endlich schnappen?"
    So müssen wir uns bescheiden
    und essen nur eins von den beiden.

  6. #6
    Tochter aus gutem Hause
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    Post AW: küchengedichte (eine abhandlung)

    uuups, da ist mir auch noch eins rausgerutscht. ich liebe es, in der küche zu sitzen




    kalter frosch


    sitze an meinem tischlein
    sitze und gucke dem qualm meiner zigarette hinterher
    sitze und schreibe ein paar worte
    der geputzte topf von gestern guckt mich an
    zwei drei flasche wein unaufgeräumt
    ein berg von zeitungen neben dem herd
    eine chipstüte guckt aus ihrem eck
    ein plastikfrosch mümmelt beleidigt in seinen bauch
    daneben das spülmittel
    und ach ja
    ehe ich vergaß
    die heizung murmelt ihr beruhigendes geräusch
    nachzahlung für letztes jahr: 815 euro
    der nächste winter wird kalt
    sehr kalt
    die tinte wird mir beim schreiben gefrieren
    aber jetzt ist frühling
    und ich reiße das fenster auf
    schaue raus und schaue auf müll
    aber er ist mir egal, der müll
    den frühling kann mir keiner nehmen
    denn bald habe ich geburtstag

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    Post AW: küchengedichte (eine abhandlung)

    Feinschnecker


    Eine kleine Weinbergschnecke
    verkroch sich an der Mauerecke,
    Familie Neureich hatte Gäste
    geladen zum Geburtstagsfeste,
    leider hatte man vergessen
    die kleine Speise vor dem Essen,
    Frau Neureich hatte die Idee:
    'der erste Gang für das Souper
    wird eine Schneckenpfanne sein,
    wir sammeln gleich mal welche ein!'


    Die Schnecke sah mit großem Bangen,
    dass man drauf aus war, sie zu fangen,
    sie sah die Häscher näherkommen
    und verbarg sich ganz beklommen
    im Gras, das Gott sein Dank sehr dicht,
    sie hatte Glück - man fand sie nicht.
    So kroch sie dann erleichtert fort
    an einen sichereren Ort.


    Die Köchin wusste trotzdem Rat -
    statt Schneckenpfanne gab's Salat!

  8. #8
    Tochter aus gutem Hause
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    Post AW: küchengedichte (eine abhandlung)

    hasenreizung
    zischt die heizung
    aus backofen
    türen offen
    wir stehen und reden
    einander vorbei
    du kochst mir kaffee
    und eh
    ichs noch merke mund
    mit schwarzen körnern
    voll das wasser ist unten
    das pulver oben
    ohne löffel
    ein mundzucken zu loben
    ein inneres toben
    aber dumm bin ich
    selber engel sitzt auf
    dem stiletto am kuchen
    ich bewege mich
    ab der taille
    ein küchenkornetto
    hängt im seile
    das rezept
    habe ich selber
    schluß1:
    verpatzt
    die stille wird
    draußen wartet das kind
    du blind
    ich find
    nicht die richtige dosis
    in küchengnosis
    schluß2:
    weiche lippen
    fester halt
    der kaffe wird bleibt auch
    sehr lange kalt
    das spiegelei von cd
    mama tut weh
    küchenlust dunst
    in beiden küchenlichten morgenfällen
    tun wir uns selten vom boden aufstellen
    genauer gesagt, ob korps&magie
    mehr küchenglück sah eine küche nie
    soweit der quittenmarmelkuchen:
    1x du, 1x beide, 1x ich. neu buchen-
    holz ist warm, gemütlich die küche
    es muffeln nie dagewesene rüche
    es knistert und flüstert im unterbau
    und hinter den türchen schubladenverhau
    die flaschen vielfarbig von alkohol
    die kerzen goldtrunken, die pfannen voll
    es schmurgelt und zischelt fleisch und fett
    ein küchenabend ist eigentlich - lustig
    die berta setzt sich den hans auf den schoß
    und die knödel blubbern vom salzwasser bloß


    so, das war jetzt mein küchengedicht
    ein zweites schreib ich lieber. nicht?

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