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Thema: Ostwind

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Post Ostwind

    Eine Klage wars, die mein Ohr vernahm
    Den Söhnen des Ostens ein Seufzer
    Mein Herz zu dehnen, weithin
    Wo die Sage in den Zelten der Nomaden
    Weilte hieltest Einzug du im
    Geflüster der Händler und windiges
    Wort füllten der Waisen Bauch
    Der Wüste flohst du voraus verbranntest
    Was Hitze nicht zu trotzen vermochte
    Über dem Grossen Strom harrte
    Schwelend dein Warten kurz wie
    Unerfüllte Begehr des lockenden Gemachs
    Bevor du weiter streuntest über satte Blüten
    Des Rosenlandes das zornige Haar der Zenobia
    Zerrtest unter die Lider der
    Schlafenden dreifach Widerspruch
    Und riebst dich ab an Worten wilder
    Tage, bis das Leben einsog was dir
    Glühend Atem war und Lust und
    Herzenswonne vieler Leben Taten
    Erzähl mir wo in der Ferne du
    Ausschweiftest als der Sonne ihr
    Licht verwehte und Boreas dich
    Stützte ein kühler Vagabund,
    Und nun stiehlst du die Schluchten
    Der eisigen Meere und gefroren ist
    Die Glut unausgesprochener Worte

  2. #2
    rodbertus
    Laufkundschaft

    Question AW: Ostwind

    Wir bereiten gerade einen Text gleichen Namens vor:


    Ostwind von Christina Müller


    Kennst Du diesen Text?

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Ostwind

    Nein, soll ich ihn lesen?


    So, jetzt hab...
    also will ehrlich sein, es reisst mich nicht vom Hocker, verzeih. Die Handlung bleibt sich an der Oberfläche treu und fliesst recht seicht an dieser längs.
    Die Dialoge profan, nichts, was mit meiner Phantasie spielt, was verknüpft oder gar im verborgnen reizt.


    Es ist nicht schlecht, nein, aber mich langweilte es und ungeduldig sehnte ich den Schluss herbei.
    Sag ich nich gern, aber anders müsst ich lügen. Dafür hab heut keine lust.

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Ostwind

    Hast Du nicht den Takt bemerkt, das zart gesponnene Gewebe? Das lob ich mir. das ist fein.


    Zu Deinem Getexte:


    Nach dem vierten Vers komme ich ins trudeln. Wo ist für Dich Osten? Südosten? Hinter den Weiten der Weiten. Bei Osten denk ich zuerst ans Licht, das aus Osten zu uns kam; ironischerweise durch den Dunklen, durch Dionys. Weißt, was ich meine, denke ich. Aber Du knüpfst es an die Händler, machst das Wort windig und füllsam. Warum? Nun, ich will da nicht weiter in Dich dringen, sag mir lieber, warum der Wind die Wüste flieht? Ist das sein Wille? Ich will jetzt dieses leidige w-Wort nicht aufschreiben, aber Trotz trotzt nicht der Hitze! das hieße, einem Menschen nur Äußeres anzumalen. Das ist wie ein büttiges Papier, dem die Tintung aus den Seiten spritzte, ungemach.
    Du merkst es sicherlich schon, wir trotten nicht im gleichen Takt durch den Text, wir nehmen die Dinge verschiedentlich WAHR als Wahrzunehmendes. Haben wir da eine Quintessenz in petto?


    Das mit dem trockenen Gemach gefällt mir da schon eher. Da fühl ich mich als Eroberer, will heißen Bewäßrer (ich liebe dieses ß) aufgefordert, es zum Beßren zu wenden.


    Ja, die Zenobia, die malst Du mir mal auf. Schick mal ein Bild übern Aither, dann kann ich Dir dazu was schreiben. Den dreifach Widerspruch heben wir uns für später auf.


    Sei gegrüßt, Du windisch Wüstenei, Du stolzenferne Nördliche, aus dem Licht Entschwundene.

  5. #5
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Ostwind

    Der Wind flieht der Wüste, is ja Thermodynamik, dass sich die Hitze ausdehnt und den Wind vor sich her wegtreibt, wohin auch immer.


    Zenobia (die aus Zeus lebende). Da fallen mir zwei ein:
    Zenobia, die Schwester des Bischofs Zenobius. Bekannte sich zum Christentum ein paar Jahr vor dem Konzil von Nizza, und wurde als Märtyrerin dem Haupt entledigt. Aber die meint ich nicht, denn der Märtyrerschuh is mir zu eng, weil eh von dem Tetragrammaton verlassen und nicht radikal im Glauben genug. Radikal verträgt seinen Widerspruch nicht.
    Also ich mein Zenobia, die Königin von Palmyra, die Herrin des Ostens, bis nach Ägypten hin. Der Wüstenei trotzend, sie umkehrend, das Licht daraus filternd im heißen Dunklen. Fünf Jahre herrschte sie, bis Aurelian sie plünderte. Die Macht kam von Rom, da sitzt sie heut noch.


    Das Wort ist windig und füllsam, der Märtyrer macht es fest, oder der Dogmat, oder das Pentateuch. Ich lös es ein wenig, gib ihm Spielraum. Lös es von Bindung und Beschränkung, geb es dem Wind mit.

  6. #6
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Ostwind

    hi,


    beim ersten lesen war ich nur beeindruckt von deinem text, von den bildern, den satzstrukturen, glitt ganz außen, an der obersten hülle deiner sprache entlang. dann las ich ihn ein zweites, drittes, viertes mal. und jedes mal gefiel er mir besser.


    am ende kopierte ich ihn auf meine festplatte.

  7. #7
    rodbertus
    Laufkundschaft

    Question AW: Ostwind

    Ja, man muß da wägen:


    ZENOBIA
    um 260
    Königin Palmyras
    -setzte nach dem Tode ihres Gatten ODENATHUS die Expansionspolitik auf Kosten Roms fort
    -handelte nicht, wie noch ihr Gatte, mit dem Einverständnis Roms (Kaiser zu dieser Zeit Gallienus), sondern führte ein entschlossenes Regiment für ihren minderjährigen Sohn
    -eroberte Ägypten und Teile Syriens für sich, so daß diese Teile vom röm. Reich losgelöst wurden


    273 war's wohl, da Aurelian Domitius sie vertrieb. Aber die Macht, die von Rom kam, sie kam von Westen, und da sitzt sie immer noch, wenn ich Dich hier mal kolportieren darf. Und ich möchte Dich nachdrücklich nach den Nomaden fragen. Würdigst Du mich einer Antwort? In Ägypten spielten sie keine Rolle, in einem Sinnzusammenhang mit dem Osten entsteht vor mir das Bild sarmatischer Wüstenei, bestenfalls iranisch-persischen Manichäismus, vielleicht auch Indien, nicht aber Ägypten. Klär mich doch mal auf, warum Du hier neue Sinndörfer aufstoßen möchtest!

  8. #8
    Kurzvormabschussiger
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    Lightbulb Der Atem der Migration

    Buddha im Pandschab, Jesus und Mohammed im Mittleren Osten, diese gehörten zu den Völkern, deren migratorische Gesetzmäßigkeiten durch Seßhaftigkeit gesprengt worden waren.
    (Der Islam keimte nicht unter den Stammesangehörigen in der Wüste, sondern in den Karawanenstädten). Kein Mensch, so Mohammed wird Prophet, der nicht zuerst Hirte gewesen ist. Sie Sufis bezeichneten sich als Reisende auf dem Weg, wanderten wie die Nomaden, trugen ihre Wollkleidung.
    "Oh Strasse du, du drückst mich besser aus, als ich es selbst vermöchte" sagt Whitmann.
    Der Gewinn von Erkenntnis, Weisheit und materielle Güter, Macht, ließ die Menschen wandern.
    Viele Nomadenstämme brachte die Strasse hervor. Im ganz Asien. Ursprünglich aus dem Land Mesopotamiens bis ins ferne Ägypten.
    Unterwegs hinterließen sie Kolonien der Seßhaftigkeit. Städte. Zogen von dort wieder aus, Welten zu erobern. Der religiöse und der Machtaspekt waren meist Triebfedern.


    Auch Kampfspiele wärn Reisen, sagt Chatwin, das Wort für Schachspieler in Sanskrit ist dasselbe wie für Pilger: "er, der das gegenüberliegende Ufer erreicht".
    Fußballer wärn sich wenig bewußt, les ich grade, dass auch sie Pilger sind. Der Ball, den sie malträtieren, symbolisiere einen Zugvogel. Nun ja..


    Insofern ist das Nomadentum archaische Migration. Ist Erkenntnis, die den Wortschatz unseres Sinnes um schreibt, mit Serifen schmückt, organisch macht.
    Es gibt keine neuen Sinndörfer, die nicht schon Bewohner hätten.
    Der Ostwind in diesem Spiel ist zwiespältiger Natur, bringt auf seiner Reise Leben und Tod des Wortes hervor. Entfacht das Licht und bläst es aus. Er ist der Atem der Migration.






    [Diese Nachricht wurde von Daphne am 16. Juni 2000 editiert.]

  9. #9
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Ostwind

    Eine Klage wars, die mein Ohr vernahm
    Den Söhnen des Ostens ein Seufzer
    Mein Herz zu dehnen, weithin
    Wo die Sage in den Zelten der Nomaden
    Weilte Dieses Enjambement ist leider nur durch einen Fehler im vorigen Vers generiert worden; unbeholfen, weil ausweglos, musstest du hier den Verskörper zerhacken. Hattest du hier eine andere Wahl? hieltest Einzug du Ja. Hier eine gelungene Inversion. im
    Geflüster Das allerdings wage ich zu bezweifeln. Wenn du Händler jetzt thematisierst, dann brichst du den Tenor des Bisherigen auf in ein Kreischen. Bislang mehrte sich stolpernd, aber immerhin!, das Gesagte an, es kumulierte. Warum jetzt ein profaner Händler? Kolorit? Ueberfluessig. der Händler und windiges
    Wort füllten der Waisen Bauch [Das ist arg daneben. Weise mit einem gefüllten Bauch zu koinzidieren. Lass es![/b]
    Der Wüste flohst ist hier brachial; dieses Fliehen ist mir in deinen Worten mitgegeben, so wirfst du es weg, das Mitgeworfene du voraus verbranntest
    Was Hitze nicht zu trotzen Dieses Wort ist zu schade, um hier einfach denotiert zu sein. vermochte
    über dem Grossen Strom harrte
    Schwelend Nun ja, ein Partizip! Es leistet wieder Ersatzdienste. Schlicht und unbewegt harrt es DEM eigentlichen Inhalt. Scheußlich as! dein Warten kurz wie
    Unerfüllte Begehr des lockenden Gemachs NONONO
    Bevor du weiter streuntest über satte Blüten
    Des Rosenlandes das zornige Haar der Zenobia
    Zerrtest unter die Lider der...


    Genug. Gefällt mir nicht. Ab dann wird's nicht mehr besser.


    Sind nur habenichtsnutzige Anmerkungen. Hoffe, du schmollst jetzt nicht. Ach doch, schmoll ruhig. Aber schreib besser! bb

    P.S. Das Wesen des Nomaden ist nicht Befruchtung, sondern Ernte. Hat er geerntet, zieht er weiter. Migration ist dem Wesen nach Armutsbewältigung - meist auf Kosten anderer. Wer verläßt schon freiwillig seine Heimat? Nur der, der andernorts MEHR will als das, was ihm Herkunft, Natur oder Umstände gaben. Wer herumzieht, der ist ein gewaltsamer Mensch. Andererseits muß es ihn geben, denn sonst würden die, die immer an einem Ort bleiben wollen, depravieren und schließlich nur im eigenen Saft köcheln.

  10. #10
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Ostwind

    Kannst kommentieren wie Du willst?
    Ich nehm ja auch nicht jeden Mist blauäugig an, der mir hier unterkommt. Und auch nicht jedes Gelungene.

  11. #11
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Ostwind

    Christinas Ostwind ist nicht seicht. Die Dialoge spinnen sich um die Oberfläche, sie bilden einen Filz, der nur durchstoßen wird, wenn Hintergrundkenntnisse vorhanden sind. Wenn da einer etwas zugibt, ein weiches und lautloses JA von sich gibt, so ist der Kontext des JA-Sagens nur vor dem notwendigen NEIN-Sagen zu verstehen. Das sind die Doppeldeutungen des Ostens, daß ein EINFACHES nicht gegeben ist, nur der Kontext. Die Freiheit des einzelnen ist nicht, er ist nur aufgehoben, also sind die breiten Filze notwendiges Detail des Beschreibens.
    Schau die berühmtesten Romanciers an, sie kommen meist aus dem Osten. Sie schreiben sanft an der Oberfläche herum, die Vielzahl der aufgestellten Charaktere und die Weite einer sich zunehmend verdichtenden Handlung machen ihre Bücher lesenswert...


    Dein Text hat eine Perspektive, die des Westens. OSTWIND ist für Dich etwas, das Dir ins Gesicht bläst, nicht in den Rücken. Aber Du kannst das wohl nicht recht reflektieren, daher diese vielen kleinen Ungenauigkeiten, die R beanstandete. Denk auch darüber nach, warum "Ostwind" für die Briten ein Begriff ist, der ihnen Unbehagen verschafft. Sie verbinden dieses Wort mit Übeln, mit Hunnen, mit Krieg und schlechtem Wetter. Nun ja, schlechtes Wetter in Britannien. Öha!

  12. #12
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Ostwind

    buh liebt daphnes partizipien

    b

  13. #13
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Ostwind

    Eigentlich lasse ich Gerümpel in der Kiste. Wehmut treibt mich auf den Boden, nicht in den Keller. Im Keller repariere ich Dinge, auf dem Boden schau ich mich um, schau ich weit ins flache Land. Naja, und manchmal denke ich, ich müßte aufräumen, will heißen ein wenig Ordnung in das Gerümpel bringen. Aber siehe! Gerümpel ist eben Gerümpel und verträgt Ordnung nicht.


    Doch wenn eines dann schon OSTWIND heißet, wir ein gleiches machen, so hol ich's raus aus der Kiste und schau's mir an. Und dann: es zappelt noch, angetrieben von einem Tunichtgut bzw. Tunichgut.

  14. #14
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Ostwind

    es zappelt wohl, weils wieder in die kiste will? (im keller ists so kalt, und Dein betrachten wärmt nicht)

  15. #15
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Ostwind

    Daphnes schreibendes Problem besteht wohl darin, daß sie nicht verdichtet, nur betrachtet. Aber verdichten will. Und diesen Willen merkt man ihrem Schreiben an. Was noch keinem Text bekam.
    Und dann sind da eben sehr viele handwerkliche Unfertigkeiten, die oben angenannt wurden.
    Dies und die Selbstherrlichkeit verhindern Entwicklung bei Daphne. Ich sehe hier auch keine Gesprächsbereitschaft, kein Eingehen auf das Beanstandete... Wer sie nicht lobt, der ist eben kein Freund oder einer, der's gut mit ihr meint. Keine Arbeit, kein Veränderungswille, eben daher das Flattern in den texten, eine Art Kompensation für die Dogmatik des Weltbildes, ich befürchte, sogar des Geschmacks.


    Und hier wird zart auf Christinas Buch hingewiesen. Ich liebe dieses Buch. Es ist schön. Und zart. So mag ich's.

  16. #16
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Ostwind

    Ich denke, Daphne weiß mittlerweile sehr wohl, wo es hapert und hat Entwicklungsbereitschaft gelernt.


    Ihr Selbstherrlichkeit anzudichten find ich nicht so schön. Auch wenn es manchmal so wirken sollte. Es ist nicht so.
    Sie ist manchmal etwas stur und reagiert zu schnell und emotionsgeladen, was mitunter hart wirkt. In Wirklichkeit ist sie offen und ganz sanft. Und macht sich wirklich Gedanken über ihr Tun. Das war früher nicht immer so, stimmt schon.



  17. #17
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Ostwind

    Juleika kann Daphne gut leiden. Vielleicht sind sie Zwillinge? Nun, leider erfolgte am Ötzi keine Textarbeit, so steht er da in seiner Unvollkommenheit, breitet sich in den Sphären aus und wird wahrgenommen - heute mal wieder. Das muß am Ende doch Auswirkungen auf uns alle haben.

    Christinas Buch sei hiermit erneut beworben.

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