+ Antworten
Ergebnis 1 bis 2 von 2

Thema: Die Weimarer Republik - Staatsaufbau

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    2.567
    Blog-Einträge
    35

    Ablehnung der Weimarer Republik

    Eine gängige Auffassung der heurigen Historiker zur fehlenden psychologischen Verbundenheit der Deutschen zur Weimarer Republik ist die, daß sie wegen mangelnder Tradition in demokratischen Obliegenheiten von den Deutschen abgelehnt worden war. Die Deutschen hatten das Gefühl, ein System aufgedrängt bekommen zu haben, das nur den Siegern schmeckte. Es wurde wahrgenommen als etwas, was außerstande war, die Lebensprobleme der Deutschen lösen zu können.

    Aus all diesen "Gründen" folgern sie die Entstehung des Nationalsozialismus und die Hinwendung der Deutschen zum Führerstaat.

    Einer der führenden nationalsozialistischen Historiker, Oncken, zeichnet bei der Verfassungsfeier 1929 ein ganz anderes Bild, das hier im Wortlaut wiedergegeben sein soll:


  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    2.567
    Blog-Einträge
    35

    Post Die Weimarer Republik - Staatsaufbau

    Jede Staatspolitik arbeitet in zwei Sphären: außen und innen. Der deutsche Staat vor 1918 wirkte in beide Richtungen. Im Inneren schuf er die beste Sozialgesetzgebung der Welt, ein funktionierendes Gemeinwesen. Wohlstand, Sicherheit, geringe Kriminalität, Bevölkerungswachstum, geringe Arbeitslosigkeit: Mittel für den Staatszweck, der da hieß „Selbstbehauptung“. Nach außen hin setzte er auf Stärke, was angesichts seiner geopolitischen Lage selbst von den Feinden des Staates akzeptiert worden war. So war es. Nun war alles anders.
    Die zurückflutenden Soldatenmassen hatten für das Reich gekämpft, die meisten von ihnen mit großem Mut und in dem Bewußtsein, für eine gute Sache gekämpft zu haben. Diesen Willen wollten die Siegermächte zerstören. Es war einer der Gründe für die Verringerung des deutschen Heeres auf lediglich 150000 Mann. Damit nicht genug! Das deutsche Heer durfte keine Panzer, keine Flugzeuge und keine Artillerie besitzen. Die Erniedrigung führte soweit, daß selbst Gasschutzmasken für den deutschen Lanzer verboten wurden. Die Erfüllungspolitiker verstanden nicht die Not, die sich in Millionen deutschen Heimkehrern ausbilden mußte - neben der rein physischen Not, nunmehr nicht gebraucht und sogar als innerer Feind des Siegersystems vom deutschen Volk abgekoppelt zu werden. Der neue Staat war einer der Selbstentmachtung und der Selbstverleugnung und mußte in den Augen der meisten Heimkehrer wie ein Wirklichkeit gewordenes Schuldeingeständnis wirken. Das war nicht ihr Staat! Ohne jetzt kaisertreu zu sein: ihr Kampf hatte der Freiheit des Reiches gegolten - und diese Freiheit war verloren; obgleich sie in Feindesland standen, galten sie als Verlierer, als Ewiggestrige, die den Zeitgeist nicht verstanden: schon wieder Verlierer! Die Weimarer Republik erschien wie ein Erfüllungsorgan der Siegermächte.
    Die linken Parteien standen der Reichswehr feindlich gegenüber. Die Rechten betonten den ehrlichen Kampf um Selbstbehauptung. Die Zukunft gehörte ihnen, denn sie schritten nach vorn zur wiederzugewinnenden Freiheit des Reiches. Die Linken wollten erhalten, den nunmehr gehaßten Staat erhalten, denn sie sahen sich in ihm ein Stück näher an der Diktatur des Proletariats und hatten doch nur eines zuwege gebracht: die Ausbreitung der kapitalistischen Demokratie. Das Parteienspektrum hatte sich umgedreht: links saßen die Erhalter, rechts die Revolutionäre, die es anders haben wollten, in der Mitte (wie immer) die Zauderer, strukturell auf Besitzstandswahrung orientiert und darüber auf die Verwirklichung politischer und anthropologischer Ideale. Eine Umkehrung, wenn links Fortschritt und rechts Rückschritt bedeuten soll.
    Wir müssen hier einen Staat beschreiben, der nur scheinbar auf dem freien Willen der Deutschen entstanden war. Mit dem Herzen hatten die meisten Deutschen diesen Staat nicht gewollt, nicht 1918, nicht 1925 und nicht 1933.
    Dabei gab es im neuen Staat etliche, die sich für die neue Ordnung engagierten. Genannt sei der Zentrumsabgeordnete Erzberger, der 1919 eine Finanzreform auf der Basis einer Verlagerung der Steuerhoheit zugunsten des Reiches [1] durchführte:


    • Reform der Einkommenssteuer (progressiv von 10 bis 60% nach Einkommen gestaffelt);
    • Reform der Erbschaftssteuer;
    • Vermögensabgabe für die Kriegsgewinnler.



    [1] § 70 der Reichsverfassung von 1871 sah vor, daß das Reich Kostgänger der einzelnen Staaten war. Erzberger kehrte das um, zentralisierte die Finanzen und ließ fortan die einzelnen Staaten zu Kostgängern des Reiches werden.


+ Antworten

Ähnliche Themen

  1. Weimarer Republik III: Übergangszeit zur Nazi-Dikatatur
    Von aerolith im Forum Schulbuch "Geschichte bis 2000"
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 19.06.15, 11:09
  2. Weimarer Republik II: Krise und Aufschwung
    Von aerolith im Forum Schulbuch "Geschichte bis 2000"
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 17.06.15, 18:06
  3. Die junge Republik (II)
    Von aerolith im Forum Schulbuch "Geschichte bis 2000"
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 16.06.15, 12:56
  4. Die junge Republik
    Von aerolith im Forum Schulbuch "Geschichte bis 2000"
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 16.06.15, 07:19
  5. Wirtschaft in der römischen Republik
    Von aerolith im Forum Schulbuch "Geschichte bis 1889"
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 11.05.15, 11:30

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Ja
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •