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Thema: Domino

  1. #1
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    Neue, überarbeitete Version siehe unten.


    Alles begann mit einer Packung Dominosteine, die Sofie in einem der Kartons fand, die versteckt in einer Ecke auf unserem Dachboden standen. Damals wohnten wir in einem angemieteten Reihenhaus mit gemeinschaftlichem Hinterhof, in dem wir Kinder uns immer zum Spielen trafen.


    An diesem Nachmittag waren wir hinaufgeschickt worden um aufzuräumen. Vom Hinterhof drangen die Stimmen unserer spielenden Freunde zu uns hinauf und auf den warmen Sonnenstrahlen, die durch das geschlossene Dachfenster auf uns fielen, tanzten lustige Staubkörner. Es tat uns leid, wann immer wir in der Klemme saßen, doch wir wussten eigentlich nicht, worin unsere jugendlichen Vergehen genau bestanden hatten. Sofie war drei Jahre jünger als ich und während ich das Gerümpel von der einen auf die andere Seite räumte, um zumindest den Eindruck zu erwecken, wir hätten hier etwas getan, betrachtete sie fasziniert die staubige Schachtel.


    "Mach sie auf", riet ich ihr.
    Ungeduldige Finger zerrten an dem Karton, bis er schließlich auseinander riss und alle Steine auf den Holzboden klackerten. Sofie erschrak. Dann kniete sie sich vor die Steine. Ich hockte mich dazu.
    "Wie spielt man das?"
    Ich zuckte mit den Schultern.


    In dieser Nacht weckte mich ein unbekanntes Geräusch. Ich hielt die Augen geschlossen aus Angst vor den Eltern, wagte kaum zu atmen, um nicht auf mich aufmerksam zu machen. Doch als das fremde Geräusch anhielt, siegte meine Neugier und ich schielte vorsichtig über die Bettkante. Sofie saß auf dem Boden. Vor ihr lagen die Dominosteine. Sie stellte sie hintereinander auf, dann stieß sie den ersten leicht an und schon fielen die Steine nacheinander um. Das also war es, was mich aus dem Schlaf geweckt hatte. Sie wiederholte dieses Phänomen und war so vertieft in ihr Spiel, dass sie nicht bemerkte, wie ich sie beobachtete. Dieses Geräusch wirkte einschläfernd und irgendwann in dieser Nacht klappten mir die Augen zu.


    Stille umgab Sofie seit jener Nacht. Tagsüber unausgeschlafen spielte sie nachts, heimlich von mir beobachtet, mit den Dominosteinen. Sie sparte jeden Pfennig Taschengeld, von dem sie sich eine weitere Spielpackung kaufte, die sie sorgsam in ihrem Bettkasten unter der bunten Steppdecke aufbewahrte.


    Die Wochen gingen ins Land und eines nachts, lange schon, nachdem ich aufgehört hatte, sie zu beobachten und lieber schlief, weihte mich Sofie in ihre Leidenschaft ein. Sie zeigte mir Konstruktionen, die ich nicht einmal für möglich gehalten hatte, baute abenteuerliche Figuren, die sie nacheinander einstürzen ließ und begeisterte sich für Formen und Muster. Dieses Leuchten ihrer Augen, wenn die Steine fielen, sie wirkte besessen vom Schwarzweiß der Steine und erlöst vom Klackern ihres Zusammenfallens. In der Nacht darauf weckte mich die Stille. Zuerst wusste ich gar nicht, warum ich plötzlich hochgeschreckt war, dann sah ich, Sofies Bett war leer.


    Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf, Befürchtungen, es sei ihr zugestoßen, was ich selbst meinen ärgsten Feinden niemals wünschen würde. Unschlüssig stand ich da in meinem leichten Nachthemd und überlegte, ob ich die Eltern wecken sollte. Ich entschied mich aus Angst vor einer Strafe dagegen und trat ans Fenster. In der dunklen Nacht sah ich eine Krähe, die sich vom Dach des gegenüberliegenden Hauses auf breiten Schwingen in die Lüfte hob, als wolle sie direkt in den Mond fliegen, bevor die Dunkelheit sie wieder verschluckte. Ich weiß nicht, wie lange ich am Fenster gestanden und die klare Luft geatmet hatte, um meine Gedanken zu entwirren, als es langsam hell wurde. Und da sah ich sie. Sie saß im Hinterhof auf dem Boden in ihrem Nachthemd, doch sie schien nicht zu frieren. Um sie herum war fast der gesamte Platz mit Dominosteinen abgedeckt, bereit zu fallen. Still erfreute sie sich am Anblick ihres Werkes.


    Ich brauchte nur wenige Sekunden, bevor die Angst in mir reagierte.
    Eilig zog ich mich an, packte eine Jeans und ein Shirt von Sofie und stahl mich aus dem Haus. Wenn die Eltern sie so sähen, gäbe es jede Menge Ärger für uns beide. Ich lief auf den Hinterhof, wo Sofie immer noch inmitten ihres Dominofeldes saß.
    "Sofie", fü?sterte ich. Sie drehte ihren Kopf zu mir und schaute mich an. Es schien, als erkenne sie mich nicht, doch dann stand sie auf und bewegte sich mit der Sicherheit eines Schlafwandlers zu mir ohne auch nur einen Stein umzustoßen.
    "Hier, zieh das an", ich reichte ihr die Sachen.
    "Schau", Sofies Augen leuchteten durch die aufziehende Dämmerung. Mit einer Handbewegung umriss sie die Weiten des Spielfeldes. "Und alle stehen noch!" Stolz schwang in ihrer Stimme. -


    Hier machte ich bewusst eine Pause. Während den letzten Wochen hatte ich in der Therapie beharrlich geschwiegen. Dr Steinberg hatte immer wieder nach meiner Kindheit gefragt, und ich hatte ständig wiederholt, dass es nichts zu erzählen gebe. Heute war ich in die Therapie gekommen und hatte ohne zu Zögern begonnen, die Geschichte meiner Schwester in den Raum hinein zu erzählen.


    Dr. Steinberg sah von ihren Notizen auf.
    "Und was geschah dann?" fragte sie und entgegen meiner Meinung über Psychologen bildete ich mir ein, echtes Interesse herauszuhören.


    Es kam, wie es kommen musste. In meiner Eile hatte ich den Vater geweckt. Er kam nun in Bademantel und seinen alten, braunen Lederpantoffeln aus dem Haus auf uns zu. Ich kann mich nicht erinnern, was er gebrüllt hat, aber ich weiß noch, dass Frau Gelber von gegenüber die Fenster öffnete und neugierig aus sicherer Ferne die Situation beobachtete. Er stieß mit dem Fuß die erste Reihe Dominosteine um, dann nahm er Sofie am Arm und zerrte sie mit sich. Alleine blieb ich zurück und versuchte, die umgefallenen Steine wieder aufzubauen.


    Ich war klug genug zu wissen, dass ich mich besser nicht im Haus blicken lassen sollte, und so verkroch ich mich unter einen Beerenstrauch, unter dem uns die Eltern noch nie gefunden hatten, auch wenn sie noch so gründlich suchten. Ich sah jede Menge Beine aus meinem Versteck an diesem Vormittag am Beerenstrauch entlang gehen. Einige davon waren mir bekannt, andere konnte ich gar nicht zuordnen. Erst am frühen Nachmittag kam Sofie auf den Hof. Sie kroch sofort in unser Versteck. In ihren roten Augen konnte ich Reste des morgendlichen Schimmerns sehen.


    "Du hast sie wieder aufgebaut", sagte sie.
    "War's schlimm?"
    "Das war es wert!"


    "Haben Ihre Eltern Sie beide oft geschlagen?" fragte Dr. Steinberg dazwischen.


    "Sie haben uns nie geschlagen. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern, dass einem von beiden jemals die Hand ausgerutscht wäre. Auch Sofie hatten sie an jenem Sonntag nicht geschlagen, sie hätte es mir sicherlich erzählt.


    Jedenfalls saßen wir noch eine Weile unter dem Busch. Fest hielt ich sie in meinen Armen, bildete mir ein, ihre zarte Seele beschützen zu können. Schließlich hörten wir einige Jungen aus der Nachbarschaft auf den Hof kommen. Sofie krabbelte schnell aus dem Versteck und ich folgte ihr. Die Anspannung ihres Körpers verriet, dass es das war, worauf sie gewartet hatte.


    Stumm blieben die Jungen vor dem großen, schwarz-weißen Feld stehen. Auch wir sagten nichts. Schließlich gab Sofie dem ersten Stein einen Schubs. Nach und nach fielen die Steine um, in den schönsten Mustern eines Wirbels, einer Blume, unendlicher Kreise. Das Klackern der Dominos hallte im Hof wider, bis der letzte Stein gefallen war. Dann war alles still. Langsam begann Sofie, die Steine wieder einzusammeln und ich half ihr dabei.?


    Dr. Steinberg hatte aufgehört, sich Notizen über meinen Fall zu machen und sah mich an. Es schien, als könne sie die Steine ebenso fallen hören wie wir damals auf diesem kargen Hinterhof.


    "Es war ein heiliger Moment, als die Steine fielen. Ein Erlebnis, welches mich noch heute durch meine Träume begleitet. Sofie hat später noch oft Dominos auf dem Hof aufgebaut und laufen lassen. Aber dieses erste Fallen der Steine auf dem Hof war etwas Besonderes gewesen. Sie hatte dafür so viel auf sich genommen, hatte monatelang geübt und viele Nächte riskiert, beim Entwerfen erwischt zu werden, war hart bestraft worden und.."


    "Wie wurde sie bestraft?" unterbrach mich Dr. Steinberg, nun wieder ganz in ihrer Rolle als Therapeutin.


    "Im Viertel wurden Sofies Dominoereignisse schnell zu einer Attraktion, die sich wie ein Lauffeuer unter den Kindern und so manchem Erwachsenen herumsprach."


    "Das ist sehr wichtig, verstehen Sie? Sie haben bisher immer nur davon gesprochen, dass Sie bestraft wurden, aber niemals, wie", versuchte es die Psychologin erneut. Aber davon wollte ich jetzt nicht sprechen. Ich wollte Sofies Geschichte erzählen.


    "Bald schon kamen viele Besucher aus den umliegenden Häusern, um zu sehen, wie die Dominosteine fielen. Und Sofie begann, sich langsam zu verändern. Zuerst nur ganz leicht und unmerklich. Sie redete nur noch von Dominosteinen, entwickelte dabei sogar eine eigene Fachsprache und tauschte sich mit Kindern, die gerade ihr erstes Dominospiel gekauft hatten, über unterschiedliche Aufstellungsmöglichkeiten aus. Jede freie Minute verbrachte sie mit ihren Konstruktionen und darüber wurden wir uns fremd. Ich hasste die Dominosteine dafür.


    Auch die Eltern versuchten, Sofies Leidenschaft ein Ende zu machen, indem sie irgendwann damit begannen, ihr jede Schachtel Dominosteine, die sie fanden wegzunehmen. Doch zu der Zeit hatte Sofie einen solch großen Vorrat an Spielen angelegt, dass sie diese Schachteln ohnehin nicht vermisste. Bis eines Tages die Mutter ihr Versteck fand. Sofie fragte mich hinterher, ob ich die Dominos so sehr gehasst hätte, dass ich den entscheidenden Hinweis auf ihr Versteck gegeben hatte, aber so etwas hätte ich niemals getan. Es gab bei allen Veränderungen, die in meiner Schwester vorgingen, immer noch diesen Bann zwischen uns beiden, der uns schon früh auf ewig einen Treueschwur gegen die Eltern hatte leisten lassen.


    In dieser Nacht versuchte Sofie das erste Mal sich umzubringen."


    Frau Dr Steinberg hatte wieder zu ihrem Block gegriffen und notierte eiligst, was auch immer Psychologen sich während einer Therapie notieren.

    "Natürlich wurde die ganze Sache sorgfältigst vertuscht. Man sprach davon, Sofie habe die Pillenschachteln verwechselt und statt Aspirin Valium zu sich genommen. Und niemanden schien die Wahrheit zu interessieren. Furcht trieb die Eltern dazu, ihr die Dominos wiederzugeben, nachdem sie aus dem Krankenhaus entlassen worden war. Noch heute denke ich, haben sich meine Eltern nicht vor einem erneuten Selbstmordversuch meiner Schwester gefürchtet, sondern davor, dass die Menschen sie dafür verantwortlich machen würden.


    Von da an arbeitete Sofie noch ehrgeiziger an Dominokonstruktionen, die man nicht für möglich halten würde, wenn man sie nicht mit eigenen Augen gesehen hätte.


    Lange schon hatte ich aufgehört, Sofies Hinterhofvorstellungen beizuwohnen, als ich eines Tages ganz zufällig dazukam, wie sie einer Traube Schaulustiger erklärte, sie wolle erstmalig fünf Menschen in die Dominokette einbauen, die aneinandergekettet auf ihr Kommando umfallen würden wie die Steine. Die Freiwilligen standen schon in der Mitte des Hofes und winkten dem Publikum in freudiger Erwartung zu."


    "Menschen als lebende Dominosteine?" fragte Dr. Steinberg. Ich nickte.


    "Ich war auch entsetzt. Wie konnte sie nur Menschen wie Spielsteine einfach umfallen lassen? Das ging wirklich viel zu weit. Fassungslos stand ich vor der Szenerie, umgeben von johlenden Massen, die zusahen, wie die menschliche Kette fiel. Als die Schau vorüber war und Sofie ihre Steine schon zusammengepackt hatte, stand ich immer noch da.
    "Und", fragte sie, "wie hat es dir gefallen?"


    Da brach es aus mir heraus. Die ganze Wut über all die Jahre, in denen die Dominosteine mehr Sofies Vertraute gewesen waren als ich, entlud sich in einer heftigen Reaktion.


    "Wie konntest du nur!" schrie ich sie an. "Menschen zu deinen Spielen missbrauchen!"


    Ihre Augen hätten mich warnen können, ich hätte es sehen müssen, doch unkontrolliert ließ ich meiner Wut freien Lauf, bis ich völlig leergepumpt und energielos meine Hände sinken ließ, mich umdrehte und ins Haus ging. Ich legte mich aufs Bett und versuchte, meinen Ärger abzukühlen.
    In den folgenden zwei Stunden dachte ich über Sofie nach, über unsere Beziehung seit jenem Nachmittag, als sie die Dominosteine das erste Mal entdeckt hatte, und wie diese uns immer weiter von einander entfernt hatten. Schließlich war ich wieder ruhig und konnte einigermaßen klar denken. Natürlich hatte ich überreagiert, schlimmer noch, ich hatte geklungen wie die Eltern. Das erschreckte mich. Ich beschloss, sofort zu Sofie zu gehen und mich bei ihr zu entschuldigen."


    "Und was sagte Sofie zu Ihrer Entschuldigung?"


    "Ich ging in den Hinterhof, doch dort war sie nicht mehr. Ich suchte an allen Plätzen, die wir jemals genutzt hatten, um uns zu verstecken. Doch ich konnte sie nirgends finden. Ich rannte zu Kindern in der Nachbarschaft, doch auch dort war sie nicht. Schließlich lief ich ins Haus zurück und horchte an der Wohnzimmertüre der Eltern.
    Sofie war vom Erdboden verschwunden.


    Es war schon spät, als mir der Einfall kam, auf dem Speicher, dem Ort, an dem alles angefangen hatte, nachzuschauen. Langsam ging ich die alten Treppen hinauf, stets darauf bedacht, die Stufe an der Seite zu betreten, um das Knarren zu vermeiden. Und dort sah ich sie. Klopfenden Herzens näherte ich mich der kleinen Gestalt, die wie im Wind hin und her schaukelte. Unter sich hatte sie ungezählte Dominoschachteln aufeinandergestapelt, die nun wild durcheinander lagen. Sofies Augen waren weit geöffnet, doch ich fand keinen Glanz mehr darin. Langsam hob ich den Körper an und zog ihren Kopf aus der ungeschickt geknüpften Schlinge. Ich setzte mich auf den staubigen Boden, bettete Sofie auf meinem Schoß und suchte in ihren leblosen Augen nach dem alten Glitzern. So fanden mich am nächsten Morgen die Eltern."


    Dr. Steinberg schwieg und auch ich sagte kein Wort. Einen Augenblick lang spürte ich Sofies Anwesenheit im Zimmer. Ich sah sie im Spiegelbild des Fensters, sie lächelte und in ihren Augen schimmerte ein goldener Regenbogen.




    Nach einer Ewigkeit räusperte sich die Psychologin:
    "Sie haben sich Ihr Leben lang für den Freitod Ihrer Schwester verantwortlich gefühlt. Aber das sind Sie nicht, Sie haben keine Schuld daran, dass ihre Schwester sich das Leben nahm!"


    Frau Dr. Steinberg wiederholte dies noch einige Male, nannte Theorien und bemühte umsonst tiefenpsychologische Erklärungsansätze, als könne ihr Zusprechen meine Hände reinwaschen und mein Gewissen beruhigen. Doch ich wusste, dass dies nur leere Worte waren, denn nichts würde meiner Seele jemals Frieden geben.


    Trotzdem lehnte ich mich entspannt zurück und lächelte. Die Geschichte meiner Schwester Sofie war erzählt.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Domino

    Kritik: die Konstruktion. Die Figuren springen aus einer Kiste. Das Domino-Spiel ist da. Die Konstruktionen interessieren mich. Du mußt ja keine Zeichnung machen, aber so ein paar Details wären nett. Das Verhältnis zur Schwester muß eingangs klar sein, damit die Entwicklung deutlicher wird. Wenn keines da war, dann muß eben das markiert werden.
    Der Vater springt nur als Beelezebub aus seinem Karton, wird dann aber nicht weiter bedeutsam. Oder ist er es vielleicht doch?
    Der Rahmen mit der Psycho-Tante wirkt konstruiert. Stell Dir vor, es gäbe sie nicht. Womit ich beim Problem des Adressaten bin.

  3. #3
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    AW: Domino

    Hallo Robert


    Ich gebe zu, dass ich selten jegliche Distanz zu einer Geschichte verloren hatte, wie zu dieser hier. Das liegt vermutlich daran, dass ihr Ursprung in einem bizarren Traum liegt. Somit war ich an einem Punkt, an dem ich keinerlei Einschätzung mehr machen konnte.


    Umso wertvoller ist mir daher deine Anmerkung zu den Schwestern. Die Beziehung ist tatsächlich unklar und sie bleibt leider auch die ganze Geschichte durch etwas blass.


    Die Eltern hingegen wollte ich bewusst als Institution darstellen. Keine Menschen, keine Interaktion. Daher habe ich sie alle mit einem bestimmten Artikel versehen.


    Die Intention war - in Kombination mit der konstruierten Psychotante (ein Griff in die Trickkiste, weil ich keine andere Darstellungsmöglichkeit sah) - zu zeigen, dass die grausamsten Vergehen an Kindern nicht körperlich sein müssen.


    Ich werde mir die Tage noch einmal die Beziehung zu der Schwester vornehmen und die Geschichte dahingehend überarbeiten. Mal schauen, ob ich das hinkriege.






    (P.S.: Die korrigierte Fassung stelle ich am besten unter die Antwort oder über die ursprüngliche Fassung?)

  4. #4
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    AW: Domino

    Mir kam die Idee des Dominasteines - Deine Schwester, besessen, wandelt sich, läßt durch ein Schnipsen ihres Fingernagels aufgereihte Männer fallen, ist Stein des Anstosses. Irgendwie so...


    Ich liebe halt das Abstruse.

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Domino

    DAS (!!!) ist eine wirklich vielversprechende Idee, lieber Hannemann. Merkwürdiger Weise endete auch mein Traum in diesem Bereich. Allerdings würde ich mich im Augenblick an diese Gratwanderung nur ungerne wagen - dem fühle ich mich ehrlich gesagt noch nicht gewachsen. Die Idee kommt aber in jedem Fall in mein Ideenbuch.

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Domino

    Hi trist,


    die Psychotante ist am Ende seeehr klischeehaft geworden. Der Job einer Psychologin ist nie, Schuldgefühle wegzudiskutieren und -argumentieren. Seeehr klischeehaft. (Da mag mir das vorherige Observieren und Kommentieren der Psychologinnenhandlungen noch sinnvoll erscheinen, weil sie dem "Ich" eine gewisse Macht in diesem "Spiel Therapie" geben. Manipulation. Aber am Ende sollte das "Ich" nicht gewinnen - finde ich).


    Anyway, es las sich sehr eindringlich, sehr menschlich (falls sich Geschichten "menschlich" lesen lassen können). Kurz und gut: der Charakter wird durch die Erzählweise (die angesichts der Therapiesituation ja die Handlung ersetzen mu?) glaubhaft und mehrdimensional dargestellt. Dafür meine Anerkennung.


    Beste Grüße


    it

    P.S. Verlangte das Ich nach einem Ritter in güldner Rüstung, der das holde tristele rettet? Erkennst man die vierte Dimension eines Charakters nicht, wenn er Geschichte, Vergangenheit und daraus resultierenden, schlüssigen Verhaltensweisen? Wer das versucht, wird die Dimensionen einer Handlung messen. Dezente Unterschiede zwischen Charakteren und Handlungssträngen...

  7. #7
    rodbertus
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    AW: Domino

    Das Ich gewinnt nie. Es ist.
    Aber Schuld? Ist Schuld ein Thema hier? Weiß nicht.
    Haben Psychotanten/-onkel(z) nicht längst das Zeitliche gesegnet? Ich hatte mal einen in der Familie, der starb lange vor seiner Zeit. Ich liebte ihn, aber mit ihm starb meine Distinktion zu entwicklungspsychologischer Finesse. Und seitdem kann ich diese Art einer Exegese nicht mehr leiden, sie verwässert und gibt scheinbare Erklärungen, die eben nicht an dem sind. Das ist es, sie sind nicht an dem!


    Ilefich-Sprache wird wieder großgeschrieben. Wußtest Du, it, daß die Hethiter nur zu verstehen sind, wenn man in ihre Zeichenketten die Ilefich-Sprache hineindenkt, also aus jedem aha ein aaahha macht.

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder
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    Post AW: Domino

    Domino - überarbeitete Fassung


    „Alles begann mit einer Packung Dominosteine, die Sofie in einem Karton in der Ecke unseres Dachbodens fand. Damals wohnten wir in einem Reihenhaus mit gemeinschaftlichem Hinterhof, auf dem wir Kinder uns zum Spielen trafen. An diesem Nachmittag waren wir zum Aufräumen hinaufgeschickt worden. Vom Hof drang das Lachen unserer Freunde zu uns hinauf und wir waren traurig, weil wir nicht bei ihnen sein konnten. Staubkörner tanzten lustig auf den warmen Sonnenstrahlen, die durch das Dachfenster fielen.
    Meine Schwester Sofie war drei Jahre jünger als ich und beim Aufräumen keine große Hilfe. So blieb die Arbeit mal wieder an mir hängen und während ich das Gerümpel von einer auf die andere Seite räumte, um zumindest den Eindruck zu erwecken, wir hätten hier etwas getan, betrachtete sie fasziniert die staubige Schachtel.
    „Mach sie auf“, riet ich ihr.
    Ungeduldige Finger zerrten am Karton, bis er schließlich auseinander riss und die Steine auf den Holzboden klackerten. Sofie erschrak und auch ich zuckte zusammen. Mit großen Augen horchten wir auf wütende Schritte, doch alles blieb still. Sie kniete sich vor die Dominos. Ich hockte mich dazu.
    „Wie spielt man das?“
    Ich zuckte mit den Schultern.


    In dieser Nacht weckte mich ein unbekanntes Geräusch. Ich hielt die Augen geschlossen aus Angst vor den Eltern, wagte kaum zu atmen, um nicht auf mich aufmerksam zu machen. Doch als das fremde Geräusch anhielt, siegte meine Neugier und ich schielte vorsichtig über die Bettkante. Sofie saß auf dem Boden, um sie herum lagen die Dominosteine. Sie nahm einen in die Hand und betrachtete ihn im blassen Mondlicht, dann stellte sie ihn hochkant auf den Boden. Dahinter stellte sie den nächsten Stein und dahinter noch einen, bis sie die Dominos wie Soldaten in einer ordentlichen Reihe aufgestellt hatte. Dann stieß sie den ersten Stein leicht an und schon fielen die Dominos nacheinander um. Das also war es, was mich aus dem Schlaf geweckt hatte. Sie wiederholte ihr Spiel und war so vertieft darin, dass sie nicht merkte, wie ich sie beobachtete. Das Geräusch der umfallenden Steine war einschläfernd und irgendwann in dieser Nacht klappten mir die Augen zu.
    Stille umgab Sofie seit jener Nacht. Tagsüber unausgeschlafen floh sie nachts, heimlich von mir beobachtet, in ihr Spiel mit den Dominosteinen. Sie sparte jeden Pfennig Taschengeld, von dem sie sich eine weitere Spielpackung kaufte, die sie sorgsam in ihrem Bettkasten aufbewahrte. Die Wochen zogen vorbei wie Wolken, die am Himmel keine Spuren hinterlassen, und eines Nachts, lange schon, nachdem ich aufgehört hatte, sie zu beobachten und lieber schlief, weihte mich Sofie in ihre Leidenschaft ein. Sie zeigte mir Konstruktionen, die ich nicht für möglich gehalten hatte, baute abenteuerliche Figuren, die sich nacheinander einstürzen ließ und begeisterte sich für Formen und Muster. Dieses Leuchten in ihren Augen, wenn die Steine fielen, sie wirkte besessen vom Schwarzweiß der Steine und erlöst vom Klackern ihres Zusammenfallens. Sie ließ mich einen Turm bauen, der von oben bis zum Fundament in sich zusammenbrach, als man den obersten Stein anstieß. Wir spielten die ganze Nacht unser Spiel, bis wir gegen Morgen übermüdet in glückliche Träume über gigantische Dominokonstruktionen fielen. In der Nacht darauf weckte mich die Stille. Zuerst wusste ich gar nicht, warum ich plötzlich hochgeschreckt war, dann sah ich, Sofies Bett war leer.
    Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf, Befürchtungen, es sei ihr zugestoßen, was ich selbst meinen ärgsten Feinden niemals wünschen würde. Unschlüssig überlegte ich, ob ich die Eltern wecken sollte, entschied mich aus Angst vor einer Strafe dagegen und trat ans Fenster. In der dunklen Nacht sah ich eine Krähe, die sich vom Dach des gegenüberliegenden Hauses auf breiten Schwingen in die Lüfte hob, als wolle sie direkt in den Mond fliegen, bevor die Dunkelheit sie wieder verschluckte. Ich weiß nicht, wie lange ich am Fenster gestanden und die klare Luft geatmet hatte, um meine Gedanken zu entwirren, als es langsam hell wurde. Und da sah ich sie. Sofie saß im Hinterhof auf dem Boden in ihrem Nachthemd, doch sie schien nicht zu frieren. Um sie herum war fast der gesamte Platz mit Dominosteinen abgedeckt, glänzende, schwarze Soldaten, bereit zu fallen. Still erfreute sie sich am Anblick ihres Werkes.
    Ich brauchte nur wenige Sekunden, bevor die Angst in mir reagierte. Eilig zog ich mich an, nahm eine Jeans und ein Shirt von Sofie und stahl mich aus dem Haus. Wenn unsere Eltern sie so sähen, gäbe es jede Menge Ärger für uns beide. Ich lief auf den Hinterhof, wo Sofie immer noch inmitten ihres Dominofeldes saß.
    „Sofie“, flüsterte ich. Sie drehte ihren Kopf zu mir und schaute mich an. Es schien, als erkenne sie mich nicht, doch dann stand sie auf und bewegte sich mit der Sicherheit eines Schlafwandlers zu mir ohne auch nur einen Stein umzustoßen.
    „Bist du wahnsinnig geworden“, ich reichte ihr die Sachen, „hier, zieh das an.“
    „Schau“, Sofies Augen leuchteten durch die aufziehende Dämmerung. Mit einer Handbewegung umriss sie die Weiten des Spielfeldes. „Und alle stehen noch!“ Stolz schwang in ihrer Stimme.“


    Hier machte ich bewusst eine Pause. Während der letzten Wochen hatte ich in der Therapie beharrlich geschwiegen. Dr. Steinberg, vom Gericht bestellt, um meinen Geisteszustand zu beurteilen, hatte immer wieder nach meiner Kindheit gefragt, und ich hatte ständig wiederholt, dass es nichts zu erzählen gebe. Heute hatte ich ohne zu Zögern begonnen, die Geschichte meiner Schwester zu erzählen. Ich glaubte zwar nicht daran, dass dies meine Tat erklären oder rechtfertigen konnte, doch nach stundenlangem Schweigen in den angeordneten Sitzungen wollte ich meinem geduldigen Gegenüber zumindest einen Gefallen tun.
    „Und was geschah dann?“ fragte Dr. Steinberg und entgegen meiner Meinung über Psychologen bildete ich mir ein, echtes Interesse aus ihrer Frage zu hören.
    „In meiner Eile hatte ich den Vater geweckt. Er kam in Bademantel und seinen alten Lederpantoffeln aus dem Haus auf uns zu. Ich kann mich nicht erinnern, was er gebrüllt hat, so wie ich auch heute noch keinen seiner Sätze aus dem Gedächtnis wiedergeben könnte. Aber ich weiß noch, dass Frau Gelber von gegenüber die Fenster öffnete und neugierig aus sicherer Ferne die Situation beobachtete und ich schämte mich für den Vater, für Sofie und für mich selbst. In seiner Wut stieß der Vater unbemerkt und ohne Absicht mit dem Fuß die erste Reihe Dominosteine um, dann nahm er Sofie am Arm und zerrte sie mit sich. Allein blieb ich zurück und versuchte verzweifelt, die Kette fallender Dominosteine zu unterbrechen und die umgefallenen Steine wieder aufzubauen.
    Ich war klug genug zu wissen, dass ich mich an jenem Vormittag besser nicht im Haus blicken lassen sollte, und so verkroch ich mich unter einem Beerenstrauch, an dem uns die Eltern noch nie gefunden hatten, auch wenn sie noch so gründlich suchten. Aus meinem Versteck beobachtete ich das Dominofeld und wartete auf Sofie. Sie kam erst am frühen Nachmittag auf den Hof und wusste sofort, wo sie mich finden würde. In ihren roten Augen konnte ich Reste des morgendlichen Schimmerns sehen.
    „Du hast sie wieder aufgebaut“, sagte sie.
    „War‘s schlimm?“
    „Das war es wert!“


    „Haben Ihre Eltern Sie beide oft geschlagen?“ fragte Dr. Steinberg dazwischen.
    „Sie haben uns nie geschlagen!“ Zumindest konnte ich mich nicht daran erinnern, dass einem von Beiden jemals die Hand ausgerutscht wäre. Und doch hatten sie Methoden der Bestrafung, die mich damals manchmal wünschen ließen, sie hätten uns wenigstens geschlagen.
    „Jedenfalls saßen wir noch eine Weile schweigend unter dem Busch. Fest hielt ich sie in meinen Armen, glaubte, ihre zarte Seele beschützen zu können. Als ich einige Jahre später vom Fenster meines Zimmers aus beobachten musste, wie sie ebenjene Hecke aus dem Boden rissen, um den Hof neu zu pflastern, dachte ich an diesen Augenblick zurück, wie Sofie und ich unter diesem Busch fest aneinander geklammert versucht hatten, unserem Leben für wenige Momente gemeinsam zu entkommen. Ein Bild, welches für immer eingebrannt in der Ewigkeit meiner Erinnerung bleiben wird.
    Schließlich hörten wir einige Jungen aus der Nachbarschaft auf den Hof kommen. Auf allen Vieren kroch Sofie schnell aus dem Versteck und ich folgte ihr. Die Anspannung ihres Körpers verriet, dass es das gewesen war, worauf sie gewartet hatte.
    Stumm blieben die Jungen vor dem großen schwarzweißen Feld stehen. Auch wir sagten nichts. Schließlich gab Sofie dem ersten Stein einen Schubs. Nach und nach fielen die Steine um, in den schönsten Mustern eines Wirbels, einer Blüte, unendlicher Kreise.
    Das Klackern der Dominos hallte im Hof wider, bis der letzte Stein gefallen war. Dann war alles still. Langsam begann Sofie, die Steine wieder einzusammeln und ich half ihr dabei.“


    Dr. Steinberg hatte aufgehört, sich Notizen über den Fall zu machen und sah mich an. Es schien, als könne sie die Steine ebenso fallen hören wie wir damals auf diesem kargen Hinterhof.
    „Es war ein heiliger Moment, als die Steine fielen. Ein Erlebnis, welches mich noch heute durch meine Träume begleitet. Sofie hat später noch oft Dominos auf dem Hof aufgebaut und laufen lassen. Aber dieses erste Fallen der Steine auf dem Hinterhof war etwas Besonderes gewesen. Sie hatte dafür so viel auf sich genommen, hatte monatelang geübt und viele Nächte riskiert, beim Entwerfen ihrer Pläne erwischt zu werden, war hart bestraft worden und?“
    „Wie wurde sie bestraft?“ unterbrach mich Dr. Steinberg, nun wieder ganz in ihrer Rolle als Therapeutin.
    „Im Viertel wurden Sofies Dominospiele schnell zu einer Attraktion, die sich wie ein Lauffeuer unter den Kindern und so manchem Erwachsenen herumsprach.“
    „Das ist sehr wichtig. Sie haben bisher immer nur davon gesprochen, dass Sie bestraft wurden, aber niemals, wie“, versuchte es die Psychologin erneut. Aber davon wollte ich jetzt nicht sprechen. Ich wollte Sofies Geschichte erzählen.
    „Bald schon kamen viele Besucher aus den umliegenden Häusern, um zu sehen, wie die Dominosteine fielen. Sofie wurde zu einer lokalen Berühmtheit und mein Herz ergriff ein stechendes Gefühl der Eifersucht. Sofie begann sich langsam zu verändern. Zuerst nur ganz leicht und unmerklich. Sie redete nur noch von Dominosteinen, entwickelte dabei sogar eine eigene Fachsprache und tauschte sich mit Kindern, die gerade ihr erstes Dominospiel gekauft hatten, über unterschiedliche Aufstellungsmöglichkeiten aus. Jede freie Minute verbrachte sie mit ihren Konstruktionen und darüber wurden wir uns fremd. Eifersucht auf die Steine erfüllte jede wache Minute meines Bewusstseins und ich hasste die Dominos dafür.
    Den Eltern war Sofies Leidenschaft nichts weiter als eine Verschwendung wertvoller Zeit und sie versuchten, ihr ein Ende zu machen, indem sie irgendwann damit begannen, Sofie jede Schachtel Dominosteine, die sie fanden, wegzunehmen. Doch zu dieser Zeit hatte Sofie einen solch großen Vorrat an Spielen angelegt, dass sie die konfiszierten Schachteln ohnehin nicht vermisste. Bis eines Tages die Mutter ihr Versteck fand. Sofie fragte mich hinterher, ob ich die Dominos so sehr gehasst hatte, dass ich den entscheidenden Hinweis auf ihr Versteck gegeben hatte, doch so etwas hätte ich niemals getan. Ich hatte längst begriffen, dass die Steine Sofies Art waren, dem Leben den Rücken zu kehren, und auch wenn ich wütend darüber war, dass sie mich davon ausschloss, gab es bei allen Veränderungen, die in meiner Schwester vorgingen, immer noch diesen Bann zwischen uns beiden, der uns schon früh auf ewig einen Treueschwur gegen die Eltern hatte leisten lassen. An jenem Abend, als die Mutter die Dominosteine auf dem Wohnzimmertisch ausgebreitet und uns deswegen zur Rede gestellt hatte, versuchte Sofie das erste Mal sich umzubringen.“


    Frau Dr. Steinberg hatte wieder zu ihrem Block gegriffen und notierte eiligst, was auch immer sich Psychologen während einer Therapie notieren.
    „Natürlich wurde die ganze Sache sorgfältigst vertuscht. Man sprach davon, Sofie habe die Pillenschachteln verwechselt und statt Aspirin Valium zu sich genommen. Und niemand schien sich für die Wahrheit zu interessieren. Furcht trieb die Eltern dazu, ihr die Dominos wiederzugeben, nachdem sie aus dem Krankenhaus entlassen worden war. Noch heute denke ich, haben sich die Eltern nicht vor einem erneuten Selbstmordversuch meiner Schwester gefürchtet, sondern davor, dass die Menschen sie dafür verantwortlich machen würden.
    Von da an arbeitete Sofie noch ehrgeiziger an Dominokonstruktionen. Unsere Beziehung verblasste mehr und mehr, sie ging eigene Wege und ich sah ihr traurig dabei zu. Die einzige Möglichkeit, wie ich meine Schwester wieder für mich gewinnen konnte, wäre gewesen, sich selbst mit den Dominos zu beschäftigen, doch dafür waren sie mir zu verhasst geworden.
    Lange schon hatte ich aufgehört, Sofies Hinterhofvorstellungen beizuwohnen, weil ich nicht ertrug zu sehen, wie ich meine Schwester mit jeder neuen Konstruktion immer mehr an die Dominos verlor, als ich eines Tages zufällig dazu kam, wie sie einer Traube Schaulustiger erklärte, sie wolle erstmalig fünf Kinder in die Dominokette einbauen, die aneinandergekettet auf ihr Kommando umfallen sollten wie die Steine. Die Freiwilligen standen schon in der Mitte des Hofes und winkten dem Publikum in freudiger Erwartung zu.


    „Menschen als lebende Dominosteine?“ fragte Dr. Steinberg. Ich nickte
    „Ich war auch entsetzt. Wie konnte sie nur Menschen wie Spielsteine einfach umfallen lassen? Das ging wirklich viel zu weit. Fassungslos stand ich vor der Szenerie, umgeben von johlenden Massen, die zusahen, wie die menschliche Kette fiel.
    Als die Schau vorüber war und Sofie ihre Steine schon zusammengepackt hatte, stand ich immer noch da.
    „Und“, fragte sie, „wie hat es dir gefallen?“
    Da brach es aus mir heraus. Die ganze Wut über all die Jahre, in denen die Dominosteine mehr Sofies Vertraute gewesen waren als ich, entlud sich in einer heftigen Reaktion.
    „Wie konntest du nur“, schrie ich sie an. „Menschen zu deinen Spielen missbrauchen!“
    Ihre Augen hätten mich aufhalten können, ich hätte es sehen müssen, doch unkontrolliert ließ ich meiner Wut freien Lauf, bis ich mich völlig leergepumpt und energielos einfach umdrehte und ins Haus ging. Ich legte mich aufs Bett und versuchte, meinen Ärger abzukühlen.
    In den folgenden zwei Stunden dachte ich über Sofie nach, über unsere Beziehung seit jenem Nachmittag, als sie die Dominosteine das erste Mal entdeckt hatte, und wie diese uns immer weiter von einander entfernt hatten. Schließlich wurde ich ruhiger und konnte einigermaßen klar denken. Natürlich hatte ich überreagiert, schlimmer noch, ich hatte geklungen wie die Eltern. Das erschreckte mich, hatte ich doch einen Schwur geleistet, niemals so zu sein, wie die Eltern. Nun war es doch passiert, ich hatte es nicht verhindert. Das erschreckte mich und ich beschloss, sofort zu Sofie zu gehen und mich bei ihr zu entschuldigen, und obwohl ich wusste, dass meine Entschuldigung niemals ausreichen würde, verlor ich mich in dem Gedanken, wir würden alles klären können. Alles würde wieder gut werden, alles würde wieder wie früher sein.“




    „Und was sagte Sofie zu Ihrer Entschuldigung?“
    „Ich ging in den Hinterhof, doch dort war sie nicht mehr. Ich suchte an allen Plätzen, die wir jemals als Verstecke genutzt hatten, doch auch da war sie nicht. Ich rannte zu Kindern in der Nachbarschaft, aber ich konnte sie nirgends finden. Schließlich lief ich ins Haus zurück und horchte an der Wohnzimmertüre der Eltern. Sofie war vom Erdboden verschwunden.
    Es war schon spät, als mir der Einfall kam, auf dem Speicher, dem Ort, an dem alles angefangen hatte, nachzuschauen. Langsam ging ich die alten Treppen hinauf, bemüht, die Stufen an den Seiten zu betreten, um das Knarren zu vermeiden. Und dort fand ich sie. Klopfenden Herzens näherte ich mich der kleinen Gestalt, die wie im Wind hin und her schaukelte. Unter sich hatte sie ungezählte Dominoschachteln aufeinander gestapelt, die nun wild durcheinander lagen. Sofies Augen waren weit geöffnet, doch ich fand keinen Glanz mehr darin. Langsam hob ich den Körper an und zog ihren Kopf aus der ungeschickt geknüpften Schlinge. Ich setzte mich auf den staubigen Boden, bettete Sofies Kopf auf meinem Schoß und suchte in ihren leblosen Augen nach dem alten Glitzern. So fanden mich am nächsten Morgen die Eltern.


    Dr. Steinberg schwieg und auch ich sagte kein Wort mehr. Einen Augenblick lang spürte ich Sofies Anwesenheit im Zimmer. Ich sah sie im Spiegelbild des Fensters, sie lächelte und in ihren Augen schimmerte ein goldener Regenbogen. Meine Worte hallten im Raum nach, auf seinen kalkweißen, neonerleuchteten Wänden hatte ich sie mit Blut geschrieben, allen nachkommenden Generationen zum Mahnmal. Entspannt lehnte ich mich zurück und lächelte. Die Geschichte meiner Schwester Sofie war erzählt.


    Die Gerichtsverhandlung gegen mich wegen Kindsmord wurde einige Wochen später eröffnet. Frau Dr. Steinberg war als Gutachterin geladen und sprach darüber, wie sehr ich mich nach der ungewollten Schwangerschaft gefürchtet hatte, so zu werden wie die Eltern. Sie empfahl Schuldunfähigkeit und eine langjährige Therapie in der geschlossenen Anstalt des Landeskrankenhauses. Ich konnte dem Prozess nur mit Mühe folgen. In meine Zelle hatte ich mir zu Verhandlungsbeginn eine Schachtel Dominosteine schicken lassen. Heute sind sie nicht mehr schwarzweiß, es gibt sie in vielen Farben und Mustern. Anbei lag eine Anleitung zur Aufstellung interessanter und lustiger Figuren. Jede Nacht, wenn das Licht in den Zellen gelöscht wird, spiele ich im Mondschein mein Spiel, immer vor dem Spiegel, aus dem Sofie mir zuschaut, mit goldenem Glanz in ihren Augen. Nun, weiß ich, wird alles wieder gut.

  9. #9
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Domino

    Liebe trist,
    ich fange mal von vorne mit ein paar Kleinigkeiten an, die mir das Lesen deiner Geschichte gleich in den ersten Sätzen erschwerten.
    "Alles begann mit einer Packung Dominosteine, die Sofie in einem Karton in der Ecke unseres Dachbodens fand.
    Um mit der Tür ins Haus zu fallen: Ich bin kein Freund von Geschichten, die mit "Alles begann..." und einem Anführungszeichen, das erst sieben oder acht Absätze und sogar eine Zeilenschaltung später (wie muss ich mir die eigentlich vorstellen, diese Leerzeile: macht der Erzähler hier eine längere Pause?) geschlossen wird, beginnen. Ich mag es, noch dazu bei einem konservativen Text wie dem deinen, auf die altmodische Weise und will spätestens im zweiten Satz wissen, wer wo wann redet, an wen er sich wendet und warum er das macht. Als Leser werde ich hier bereits unaufmerksam und suche das beendene Anführungszeichen oben. Was ich dann aber zuerst entdecke, ist innerhalb der wörtlichen Rede noch mal eine. Wenn du das schon machen willst, nimm doch ein anderes Gänsefüßchen.
    "Alles begann mit..." Wie oft habe ich diesen Anfang schon gelesen und ich wusste jedes Mal, jetzt kommt ein schlechter Text. Alles, Anfang und Ende, Gott, das Leben, das Universum und der ganze Rest... Aber du hast recht: Das ist kleinlich.

    Damals wohnten wir in einem Reihenhaus mit gemeinschaftlichem Hinterhof, auf dem wir Kinder uns zum Spielen trafen.
    Den Inhalt dieses Satzes verstehe ich nicht ganz. Willst du sagen, dass sie in einer Reihenhaussiedlung wohnten, deren Häuser sich einen Hinterhof teilten? Warum ist das hier wichtig? Denn der Satz passt nicht zum vorausgehenden und dem nachfolgenden, in dem der Nachmittag beschrieben wird,an dem Sofie die Dominosteine findet.
    An diesem Nachmittag waren wir zum Aufräumen hinaufgeschickt worden.
    Wie oft räumen eigentlich Leute ihren Dachboden auf? Es gibt den Spruch: "Was man auf den Dachboden stellt, kann man auch gleich wegschmeißen." Auf der anderen Seite: Kinder lieben es, auf Dachböden herumzustöbern. Anders gefragt: Ist es für den Verlauf der Geschichte und der psychologische Motivation wichtig, die Kinder zum Aufräumen hochzuschicken?
    Staubkörner tanzten lustig auf den warmen Sonnenstrahlen, die durch das Dachfenster fielen.
    Also haben wir auch noch einen schönen Tag, mehr Information gibt es nicht. Die Stimmung, auf die es ankommt, denn schließlich wird Sofie gleich einen Schatz heben, beschreibst du nicht. Denn die berühmten Staubkörner, die "auf (?)" den Sonnenstrahlen tanzen, sind schon so oft in Geschichten vorkommen, dass sie längst zum Klischee verkommen sind. Ich vermisse hier den Geruch des Dachbodens, das Knirschen im Gebälk, die aufgestaue Wärme, die dunklen, unheimlichen Ecken, wo vielleicht das Skelett einer Taube liegt, das Land der Abenteuer, das im Schrank hinter den Wintermänteln beginnt; was weiß ich, es ist dein Dachboden, mach was draus! Hier hast du verschenkt, hättest die Beziehung zwischen den Geschwistern beschreiben können, während sie an diesen mytischen Ort, an dem ein Kind begreift, dass es ein Gestern gibt, unfreiwillig gebunden sind.
    "Mach sie auf", riet ich ihr.
    Oh, Überraschung! Es sind Domino-Steine. Aber das weiß ich bereits aus dem ersten Satz. Du hast es bereits verraten. Als Leser fühle ich mich betrogen, weil ich nicht die Spannung der Kinder teilen kann. Wie alt sind die Kinder eigentlich? 6 und 9, 10 und 13? Wäre hier interessant zu wissen, vor allem, in welcher Entwicklungsstufe das Mädchen steht.


    Bis hier her erst mal.


    Gruß, Klammer
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  10. #10
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    AW: Domino

    Hallo Klammer,

    erst einmal vielen Dank für deine Kritik. Sie ist in jedem Punkt berechtigt und trifft genau, warum ich mit der Geschichte unzufrieden bin. Sie macht mir aber auch klar, wo die Fehler liegen und wie ich es besser machen kann.
    Wäre es verfrüht zu behaupten, dass ich deine Textarbeit liebe???

  11. #11
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Domino

    In dieser Nacht weckte mich ein unbekanntes Geräusch.
    Gibt es keine Beschreibung des gemeinsamen Zimmers, des Durcheinanders und der Konflikte, die hier herrschen müssen? Schließlich scheint das Mädchen ja im Gegensatz zu ihrer Schwester unordentlich zu sein. Auch hier ist mir zu wenig Fett in der Suppe. haben die Mädchen Spielzeug?
    Allgemein: Da der Erzähler ja nun endlich beim Psychologen auf der Couch redet, ist der Wasserfall seiner Worte wohl kaum zu bremsen: Die ganze Geschichte drängt aus ihr heraus.
    Da fällt mir auf: Ich bin als Leser (männlich) am Anfang davon ausgegangen, dass der Erzähler ein Mann (Junge) ist, der über seine Schwester erzählt. Dass das ein Irrtum war, wurde mir erst sehr spät bewusst. Seltsam. Vielleicht solltest du bereits am Anfang klar machen, dass es sich um zwei Mädchen handelt.

    Ich hielt die Augen geschlossen aus Angst vor den Eltern, wagte kaum zu atmen, um nicht auf mich aufmerksam zu machen.
    Das ist jetzt gut, wie hier die Eltern hinter der Bühne bereits zum zweiten Mal zum lebendigen Über-Ich erklärt werden, ohne dass sie handelnd in Erscheinung treten würden. Leider hältst du das nicht so bei. Denn in der Welt der Kinder spielen sie eigentlich keine Rolle. Dass allerdings die Erzählerin sofort um sich selbst fürchtet, wenn die Schwester lärmt, weist bereits zu deutlich auf einen psychischen Defekt, einen Schuldkomplex hin und sollte vielleicht näher erläutert werden.Vielleicht muss sie als ältere häufig die Konsequenzen für das Verhalten von Sofie tragen.
    Doch als das fremde Geräusch anhielt, siegte meine Neugier und ich schielte vorsichtig über die Bettkante.
    Also ein Hochbett? Ich würde hier auch gerne eine Beschreibung des Geräusches lesen, hölzernes Klackern, eine trockene Tonfolge wie von einem Orff-Instrument, usw.
    Sofie saß auf dem Boden, um sie herum lagen die Dominosteine.
    Dass die Mädchen tatsächlich beide nicht wissen, wie man Domino spielt, scheint mir unwahrscheinlich. Sie waren doch sicherlich im Kindergarten. Oder soll das ein versteckter Hinweis sein, dass die Eltern sich nicht mit ihnen abgeben und nie mit ihnen spielen?
    Das Geräusch der umfallenden Steine war einschläfernd und irgendwann in dieser Nacht klappten mir die Augen zu.
    Das kommt mir zu plötzlich. Außerdem ist zu erwarten, dass die Erzählerin ihre Schwester ermahnt, leise zu sein, damit die Eltern nicht aufmerksam werden. Vielleicht sollte auch ihre Verständnislosigkeit für das Spiel deutlich werden. Vielleicht auch schon so etwas wie Grauen, Abscheu vor dem Manischen, das sich ja hier bereits offenbart. Oder ist sie ebenso fasziniert vom "Dominoeffekt" (wie schrieb mr. jones so schön in einer seiner besseren Geschichten: "Ein weiterer Dominotag kippt lautlos zur Seite...")? Dass der Erzähler einfach einschläft, ist auf jeden Fall zu simpel.
    Noch etwas: Größere Geschwister benutzen ihre kleinen gerne als Blitzableiter und quälen sie. Gleichzeitig teilen sie ihre Geheimnisse, verraten einander aber auch gerne. Oft schwingen sich die älteren zu Erzsatzeltern auf, verhätscheln die Kleinen, nehmen sie nicht ernst. Wie dem auch sei: es ist immer konfliktreich. Über das Verhältnis der Schwestern zueinander wird jedoch nichts gesagt.

    Stille umgab Sofie seit jener Nacht.
    Das ist kein guter Satz, der erste wirklich schlechte sogar. Er will bedeutungsschwanger sein und ist an dieser Stelle überflüssig und enigmatisch.
    Tagsüber unausgeschlafen floh sie nachts, heimlich von mir beobachtet, in ihr Spiel mit den Dominosteinen.
    Nochmal ein schlechter Satz, vor allem der erste Teil: Mach zwei oder drei draus. Was sind die Konsequenzen ihrer Übermüdung? Schulschwierigkeiten, Krach mit den Eltern? Und die Erzählerin, ist die nicht auch übermüdet?


    Demnächst mehr,


    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  12. #12
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    AW: Domino

    ich habe nur zwei vorschläge:


    "Das ist sehr wichtig. Sie haben bisher immer nur davon gesprochen, dass Sie bestraft wurden, aber niemals, wie", versuchte es die Psychologin erneut. Aber davon wollte ich jetzt nicht sprechen. Ich wollte Sofies Geschichte erzählen.


    -tu das. das interessiert mich. das mit der psychiaterin/psychologin interessiert mich weniger. erscheint mir eine ledigliche konstruktionshilfe zu sein, um den bogen zu kriegen, um die vielen direkten reden zu "rechtfertigen". das würd ich weglassen, die geschichte mit der frau doktr. auch das "plüschige" ende. wenn die geschichte so erzählt wird, dass etwas tatsächlich passieren könnte, etwas so schreckliches wie der suizid, dann machte das die geschichte auch packender, risse sie aus dem etwas anekdotischen charakter heraus. etwas nicht wort wörtlich mitteilen, aber zwischen den zeilen mitschwingen lassen, das gefiele mir hier. die geschichte gäbe das her, m.e.


    amicalement b.

  13. #13
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Domino

    Hallo,


    Ja, vermutlich wäre es interessanter, die Geschichte der Schwester aus den Augen der anderen einfach zu erzählen, ohne einen Grund dafür zu suchen, weshalb sie erzählt wird.
    Das stimmt schon, dass ich die Psychologin als Ersatzkonstrukt benutze. Vielleicht könnte ich sie ganz weglassen.
    Ich hoffe jetzt noch auf Klammer und dann überarbeite ich sie noch einmal komplett neu.


    Vielen Dank und einen lieben Gruß,


    trist

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