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Thema: Bekannte Gesichter

  1. #1
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    Post Bekannte Gesichter

    Ich bin in einem Gebäude mit mehreren Stockwerken und langen Gängen. Es erinnert mich ans innere unseres Rathauses. So genau weiß ich nicht, was ich dort will oder muss. Vielleicht soll ich mich für eine neue Stelle vorstellen? Am Ende eines langen Ganges taucht ein klobiger, bäuerlich wirkender Mann auf. Er ist Lehrer. Woher weiß ich das? Er schaut mich einige Zeit an und verschwindet dann. Nun kommt eine streng dreinschauende Krankenschwester auf mich zu, die mich in einen offenen Raum, einer Aula ähnlich, mit einer Sitzecke führt. Sofas und Sessel. Dort sitzen schon zwei andere Bewerber. Ich kenne die beiden. Es ist das Gesicht eines Verwandten, der das Gegenteil von mir ist, extravertiert und anerkannt und beliebt. Doch ich habe das Gefühl, dass er etwas Böses ist. Neben ihm sitzt eine ehemalige Freundin meiner Schwester, die ich flüchtig kenne. Ich setze mich ihnen gegenüber in einen Sessel. Die Krankenschwester geht zu einem Schreibtisch hinter mir und berät sich mit dem Lehrer von eben, bevor beide sich zur weiteren Beratung in einen der vielen Räume zurückziehen.
    Es ist eine unheimliche und fremde Atmosphäre hier.
    Der gruselige Verwandte und das Mädchen flirten. Plötzlich drehe ich mich mit meinem Sessel um die eigene Achse sowie um ihr Sofa herum, bis ich neben ihnen halte, so dass ich ihnen nun schräg gegenüber sitze. Die beiden schlafen miteinander. Nach einer Weile gehe ich.


    Später komme ich mit meiner Schwester, die ebenfalls Krankenschwester ist, an diesen Ort zurück. Brauche ich sie zum Schutz? Der Verwandte ist wieder da und versucht jetzt meine Schwester einzuwickeln. Sie lacht ihn aus.


    Ich komme erneut an diesen Ort zurück, diesmal alleine. Der Ort ist etwas verändert. Es gibt keine Sitzecke mehr, ja, fast überhaupt keine Möbel mehr. Dafür hat der Raum große Fenster. Wieder ist dieser seltsame Verwandte da. Und ein Mädchen. Auch sie kenne ich, aber nur aus dem Fernsehen. Sie ist eine Schauspielerin, sehr jung, sehr hübsch. Ich kenne ihren Namen nicht. Sie ist, glaube ich, auch die Tochter eine Sängers, dessen Name ich wiederum nicht kenne. Der unheimliche Verwandte schwirrt um sie rum, versucht alles, doch sie ist nur auf mich fixiert. Sie kommt langsam auf mich zu und küsst mich sanft auf den Mund. In meiner Brust weitet und dehnt sich eine Wolke aus Wärme.
    Der fürchterliche Verwandte ist sauer, kann das nicht verstehen, schimpft und verschwindet. Das Mädchen und ich bleiben in dem Raum, turteln, philosophieren und grübeln über einem mathematischen Problem, dem "Turm von Hanoi", der auf einem Holztisch aufgebaut ist. Sie ist eine spirituelle Erfahrung, sie ist wie ein Puzzleteil, das sich ohne Probleme in mich hakt. Bewegliche Puzzleteile, die geschmeidig und zärtlich umeinander tanzen, um sich sogleich wieder ineinander zu befestigen. Ich frage sie irgendwann:
    "Was willst du von mir?"
    Sie macht erschrockene große Augen.
    "Du bist hübsch, du bist intelligent, ich bin dir nicht gewachsen", sage ich.
    Sie überlegt.
    "Ist wachsen denn ein abgeschlossenes Festes? Oder ist es ein fortwährender Fluss?" entgegnet sie.
    Ich zerfließe. Endlich ein Mädchen, was mit mir auf einer Wellenlänge liegt.
    Sie fragt mich, ob ich mit zu ihr nach Hause käme, etwas rauchen. Ich sage, ich hätte das Rauchen ganz aufgegeben. Das sei klug, sagt sie, Nikotin sei sehr schädlich. Ob ich denn das Gras pur rauchen wolle. Ok, sage ich, aber ich sei bestimmt schnell breit, da ich lange nichts geraucht habe. Das mache nichts, meint sie.
    Die Spur verliert sich.


    Trotz dieses unheimlichen Anfangs bin ich selten so wohlig aufgewacht. Nachdem der Wecker klingelte war ich 5-10 Minuten richtiggehend verliebt.


    Frage 1: Was bedeutet mir dieser Traum?
    Frage 2: Sind solche Träume literarisch verwertbar?
    Frage 3: Was ist das für eine Schauspielerin? Nein, ich will sie nicht heiraten. Aber ich möchte gerne wissen, wer sich da in meine Träume schleicht, was sie dort will und womit sie das verdient hat. Ich habe höchstens zwei Filme mit ihr gesehen und die waren schlecht, glaube ich.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Bekannte Gesichter

    Du sprichst hier von einer Projektion. Die halbe Literatur ist das. Hanoi ist gut. Dazu ein Glas Limonensaft. Oder auch nicht. Gespräche und Gesten sind hier alles. Mehr davon. Weniger Reflexion.
    Was sind denn Träume anderes als ein Anspielen andachtsvoller Stille? Und die wird zerstört, wenn Du erklärst, deutest, im Moment des Genusses schon daran denkst, was er bedeuten könnte...


    Verliebt warst Du in Deine Projektion? Ich träume auch von einer ätherischen Muse, aber die hält bei mir den Mund und schwebt nur. Worte sind das Gift für die Seele, ein bißchen ist wichtig, aber sie sind doch nicht das Prinzip in einem Traum, oder?

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Bekannte Gesichter

    Hallo Robert,


    danke für die Kommentierung. Ich habe hier noch nicht sehr sorgfältig gearbeitet. Ich werd den Text sobald ich Zeit hab noch mal überarbeiten (und das Geschwätz zum Schluss streichen) und werd das öfter mal probieren. Nun, ob eine Muse schwätzen sollte oder nicht, kommt wohl auf den Typ an. Bei mir ist`s auch so, dass es sich in Grenzen halten sollte, wenn es geht.


    Grüße
    Tobi

  4. #4
    rodbertus
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    AW: Bekannte Gesichter

    Dieses Thema ist abendfüllend. Allerdings nur für Schreibende.


    Sinnzusammenhang zwischen dem Ich und dem Nicht-Ich. Wer mutet wem hier was zu?


    Ich traure um das Wort, das ich nicht hörte, als ein Engel es mir sagte. Der Engel schwebte. Und das immer. Und das Schweben ist die Anzeige des Verlustes. Verlust des Wortes aus dem Bild.

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    Post AW: Bekannte Gesichter

    Robert, mir sagte jemand, es gäbe keine Engel. Tatsächlich habe ich, außerhalb meiner Phantasie und meinen Träumen, noch keinen gesehen. Na, ich gebe die Hoffnung nicht auf.


    1. Überarbeitung:


    Bekannte Gesichter


    Ich bin in einem Gebäude mit mehreren Stockwerken und langen Gängen. Es erinnert mich ans innere unseres Rathauses. So genau weiß ich nicht, was ich dort will oder muss. Am Ende eines langen Ganges taucht ein klobiger, bäuerlich wirkender Mann auf. Ich weiß, dass er Lehrer ist. Er schaut mich einige Zeit an und verschwindet dann. Nun kommt eine streng dreinschauende Krankenschwester auf mich zu, die mich in einen offenen Raum, einer Aula ähnlich, mit einer Sitzecke führt. Sofas und Sessel, hellrote Farben. Dort sitzen schon zwei andere Wartende. Ich kenne die beiden. Es ist das Gesicht eines Verwandten, der das Gegenteil von mir ist, extravertiert und dominant und geachtet, doch es umgibt ihn eine böse Aura. Neben ihm sitzt eine ehemalige Freundin meiner Schwester, die ich flüchtig kenne. Ich setze mich ihnen gegenüber in einen Sessel. Die Krankenschwester geht zu einem Schreibtisch hinter mir und berät sich mit dem Lehrer, bevor beide sich zur weiteren Beratung in einen der vielen Räume zurückziehen.
    Es ist eine unheimliche und fremde Atmosphäre hier.
    Der Verwandte und das Mädchen flirten. Plötzlich drehe ich mich mit meinem Sessel um die eigene Achse sowie um ihr Sofa herum, bis ich neben ihnen halte, so dass ich ihnen nun schräg gegenüber sitze. Die beiden schlafen miteinander. Ein Hauch von Furcht oder Wut, ich weiß es nicht genau, durchdringt mich. Nach einer Weile schleiche ich mich fort.


    Später gehe ich mit meiner Schwester, die ebenfalls Krankenschwester ist, zu diesem Ort zurück. Der Verwandte ist wieder da und versucht jetzt meine Schwester einzuwickeln. Sie lacht ihn aus.


    Ich kehre erneut an diesen Ort zurück, diesmal alleine. Der Ort ist etwas verändert. Es gibt keine Sitzecke mehr, ja, fast überhaupt keine Möbel mehr. Dafür hat der Raum große Fenster. Wieder ist dieser seltsame Verwandte da. Und ein Mädchen. Auch sie kenne ich, aber nur aus dem Fernsehen. Sie ist Schauspielerin, sehr jung, sehr hübsch. Der unheimliche Verwandte schwirrt um sie rum, versucht alles, doch sie ist nur auf mich fixiert. Sie kommt langsam auf mich zu und küsst mich sanft auf den Mund. In meiner Brust weitet und dehnt sich eine Wolke aus Wärme.
    Der fürchterliche Verwandte ist sauer, kann das nicht verstehen, schimpft und verschwindet. Das Mädchen und ich bleiben in dem Raum, turteln, philosophieren und grübeln über einem mathematischen Problem, dem "Turm von Hanoi", der auf einem Holztisch aufgebaut ist. Sie ist eine spirituelle Erfahrung, sie ist wie ein Puzzleteil, das sich ohne Probleme in mich hakt. Bewegliche Puzzleteile, die geschmeidig und zärtlich umeinander tanzen, um sich sogleich wieder ineinander zu befestigen. Ich frage sie irgendwann:
    "Was willst du von mir?"
    Sie macht erschrocken große Augen.
    "Du bist hübsch, du bist intelligent, ich bin dir nicht gewachsen", sage ich.
    "Ist wachsen denn ein abgeschlossenes Festes? Oder ist es ein fortwährender Fluss?"
    Dann, langsam, verblasst ihr Gesicht vor meinen Augen, und ich verliere ihre Spur.

  6. #6
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Bekannte Gesichter

    Und das sagst Du, ein Dichter? Oder bist Du gar nur ein Schriftsteller, der sich konstruieren muß, was seine Phantasie ihm nicht wirklich vors geistige Auge will stellen?


    Engel sind. Jeden Tag seh ich sie. Manchmal seh ich nur sie, die guten wie die bösen, meist gehen sie zu zweit. Kennst aus meinem Jahrhundertroman "Die Leiden des jungen Wo." die Passage, in der mein Held mit dem Engel geht? Das war so. Sie sind Begleiter, missi. Sie geleiten uns, ob wir's nun wollen oder nicht.


    ... jetzt muß ich übers Land, Wege kreuzeln.

  7. #7
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    AW: Bekannte Gesichter

    na ja, an böse engel hatte ich eigentlich nicht gedacht. ich hab so eine altmodische vorstellung, dass sie weiß sein müssen. nicht äußerlich, nein. innen.


    und was weiß ich den, was ich bin? dichter oder schriftsteller? vielleicht nichts von beidem. muß ich überhaupt was sein?


    ab heute bin ich erstmal wieder schüler. geh jetzt in die schule. vielleicht gibs da engel...

  8. #8
    rodbertus
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    AW: Bekannte Gesichter

    Kennst Du ein Rathaus, in dem die Atmosphäre nicht kalt und amtig ist? Ich würde das große Laufen bekommen, wenn ich in ein Rathaus käme, das kuschelig. Stell Dir das mal vor! Das wäre eine schöne Überraschung. Ich würde den Leuten, die in einem kuscheligen, freundlichen Gebäude bürokratische Langeweile pflegen müssen - von Berufs wegen - nicht über den Weg trauen.
    Und soll mich Dein Text da locken? nein, Du bedienst hier nur und überraschst mich nicht.

  9. #9
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Bekannte Gesichter

    das ist schon gründlich misslungen. für das extravertiert gibts immerhin ein schmunzeln. aber das ist dann auch schon alles.


    1. es ist sprachlich wirklich unzulänglich, ungelenk
    2. die personen sind an der zahl unmotiviert viel und bleiben vage, trotz aneinandergereihter adjektive. das geht so nicht, mit so vielen personen zu hantieren und dermassen wenig zu kolorieren oder zu konturieren.
    3. ausdrücke a la böse aura sind so in den raum gestellt ein wenig dürftig.
    4. ich glaube, obiges reicht.


    amicalement b.

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