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Thema: Schlaf ein

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
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    Post Schlaf ein

    Schlaf ein


    Man zieht nicht fort, dort wieder hinzukommen,
    und man ist hier, weil man hier immer war.


    Es wird hier auch nicht anders enden,
    wie bei der Droste, Benn und Hölderlin,
    und wenn, auch wenn zum Schein,
    der Blick sich westwärts wendet, weil er
    die Welt, wie sie zu sehn, nicht kennt,
    die Klippen sind für uns bestimmt,
    und allemal, wenn Trauer kommt, kann sie auch sein.


    Schlaf ein!
    und träum von Blicken auf Atlanta,
    von jener Schwarzen, "where you go?"
    dem Chingachgook, auf dem der Nebel stand,
    schlaf ein,
    schlaf ein, Erinnerung.

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Schlaf ein

    Interessanter Text, lieber lester!

    Ich kann ihn nicht ganz erfassen, noch nicht, deshalb hier nur Gedankensplitter als Annäherung an den Inhalt.
    Die ersten zwei Zeilen erinnern mich an Brechts "Radwechsel", könnten als metaphysische Antwort darauf verstanden werden. Danach geht's los: Der Westen als mythische Landschaft. Der Westen ist keine bloße Himmelsrichtung, sondern immer auch topos gewesen seit Menschengedenken. Die Germanen kannten ihn so, im Rolandslied gibt es eine entsprechende Stelle und schließlich ist es müßig hierzu Bishop Berkeley zu zitieren: "Westward the course of empire takes its way". Die letzte Strophe verweist endlich auf den Titel, bildet Klammer und deutet den Zusammenhang als Traum aus Erinnerung, hier wird's universell, lieber lester, und hier unterscheidest Du Dich vom alten Goethe, nimmst eben eher die Spur der Romantiker auf.
    So gesehen, kann ich zunächst etwas mit dem Text anfangen.

    herzlichst uis

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Schlaf ein

    "Man zieht nicht fort, dort wieder hinzukommen,
    und man ist hier, weil man hier immer war."


    >>>gefällt mir sehr sehr, das. ja, hast recht, lester, nur allzu recht: man ist hier, weil man hier immer war.


    "Es wird hier auch nicht anders enden,
    wie bei der Droste, Benn und Hölderlin,
    und wenn, auch wenn zum Schein,
    der Blick sich westwärts wendet, weil er
    die Welt, wie sie zu sehn, nicht kennt,
    die Klippen sind für uns bestimmt,
    und allemal, wenn Trauer kommt, kann sie auch sein."


    >>>könnt ich meinem "finistere" voranstellen...
    'es wird hier auch nicht anders enden': dieses "hier" ist das "hier", wo man immer war. man kommt zurück, so oder so. wie hölderlin. doch wohin ging hölderlin? wohin ging nietzsche?
    der hölderlin und die geistige umnachtung: das scheint mir ein wenig verfänglich, dass hier und dort im "hier" sein kann, und ich dran denken muss, obschon: du sprichst, weil benn, weil droste, weil nicht nietzsche, du sprichst nicht von geistiger umnachtung, oder? du sprichst vom weg.


    mir gehts allemal wie dem uisgeovid: ich muss drüber nachdenken. wollt mich aber dennoch mit einem ersten eindruck zu worte melden, mit verlaub.


    es spricht mich an, dein 'schlaf ein'. als ganzes, als eigentliches hab ichs aber noch nicht erfasst.


    dear greetings,
    Mr. Jones

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Schlaf ein

    Lieber Lester,


    du schreibst mir vom Fernweh nach einem Land, das Manchem vielleicht etwas wie Freiheit vermitteln kann. Du schreibst auch von Filmen: Vom Winde verweht, Der letzte Mohikaner, die große Schlange. Du schreibst mir von Rassen, der roten, der schwarzen und eben auch, und das besonders von der weißen.
    Vor allem aber schreibst du mir von innerer Emigration, dem Rückzug nach innen. Damit sie überhaupt eine Daseinsmöglichkeit, eine Berechtigung haben kann, ist es zwingend notwendig, die Erinnerungen einschlafen zu lassen und sie danach nicht mehr zu wecken. Nur so ist diese innere Ruhe möglich.


    Lieben Gruß von
    Trist

  5. #5
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Schlaf ein

    Semantisch interpretationswürdig, syntaktisch bedenklich. Aber geh!

  6. #6
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    AW: Schlaf ein

    Denke, uis, ja, so kann man es lesen. 'Westwärts" im Mittelpunkt. Die alten Ägypter betrauerten ihre Toten im Westen, dort bauten sie ihre Grabstätten und Pyramiden und starb jemand, dann hieß es, er sei nach Westen gegangen. Aber westwärts kann auch Auf- und Ausbruch sein, Durchatmen, Blickwendung, ein Sternengriff, jazz: Get your kicks..on Route six -o-six.
    If you ever plan to motor west,
    travel my way, take the highway that is best.
    Get your kicks on Route sixty-six.
    It winds from Chicago to LA,
    more than two thousand miles all the way.
    Get your kicks on Route sixty-six.


    Mr. Jones, geistige Umnachtung? Ich muß mir 'finistere' mal anschauen. Oops, nicht zu finden, Suchmaschine kennt es nicht?? Wo ist der Text?

    Trist: Ja, Erinnerung ist ja alles.


    Danke und Gruß


    L.

  7. #7
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Schlaf ein

    Schöner Text, zweifellos. Reminiszenzen, die Copper wie Mitchell gleichermaßen einspannen. Ich verbinde Atlanta allerdings nicht mit Chingachgook, der Großen Schlange, der ja nun kein Neger war, sondern Indianer-Häuptling. Beides liegt im Osten Nordamerikas. Aber westlich von uns. Hm. Aber nehme ich dies mal als Aufzählung und nicht als Periphrase. Die Klippen Jüngers habe ich wohl nicht mit finistere, einem Örtchen im Westen Europas, koinzidiert, sondern eher mit Rügen. Gleichwohl hat jede Himmelsrichtung ihren mythischen Kontext, aber der Westen steht - in der Tat - am meisten für den Tod.

    Ich finde allerdings keinen Kulminationspunkt im Text. Das Einschlafen selber ist ja nur Ausgangspunkt, nicht aber das, worum es sich dreht.

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