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Thema: Woran erkennt man einen Verlierer?

  1. #1
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    Post Woran erkennt man einen Verlierer?

    Das ist etwas, was mich schon lange beschäftigt. Als kleines Kind verstand ich diesen Ausdruck VERLIERER nicht sonderlich. Klar, da hatte jemand verloren, etwas, ein Spiel, einen Gedanken. Na und? Machte ihn das zu jemandem, den ich aus meinem Leben ausschließen sollte. Ich verstand nicht, was die Großen damit meinten: Er ist ein Verlierer! Dazu kam dann immer so ein Naserümpfen, mindestens jedoch ein despektierlicher Gesichtsausdruck, hmpf, dieser Verlierer und so. Da waren mir die Verlierer gleich sympathisch.
    Nun, mag mancher behaupten, ich hätte es leicht gehabt. Ich habe oft gewonnen. ich war der Große von den Kleinen, ich war der Einzige bei vielerlei Unternehmung. Wenn ich irgendwo mitmachte, dann wurde gemacht, was ich sagte. Also, ich hatte es leicht, den Verlierer zu mögen. Für mich kam diese Position ja nicht in Betracht.
    Weiter.
    Als ich das Beatles-Lied zum ersten Mal hörte, da ergriff mich die flapsige Art der Darbietung - ich konnte unmöglich annehmen, daß die erfolgreichste Band der Welt eine derartige Selbstanzeige ernst meinen könnte -; ich konterkarierte sie in mir selbst: Ja, ich möchte wohl auch gern ein loser sein, wenigstens möchte ich diesen Blues kennenlernen, der dann solche Lieder ermöglicht. Und die Blueser hatten es mir fortan angetan. Es sollen fröhliche Leute sein, die nur eben gerade traurig sind.
    Ich hatte da wohl nichts begriffen. Aber ich war ja nun nicht dumm, vielleicht schnöselig und mit der Kraft des eingebildeten Herzens ausgestattet, aber dumm war ich damals bestimmt nicht. (Ich weiß es heute, da ich es bin.)


    Heute weiß ich, was es eigentlich heißt, ein Verlierer zu sein. Und ich weiß, warum man sie meiden sollte wie eine Krankheit, warum Nächstenliebe und Mitgefühl völlig fehl am Platze, warum ein Verlierer so ungefähr das Abschröcklichste nach Sodbrennen ist.
    Und ich bin froh darüber, daß ich das heute weiß. Ich lebe lieber allein.

  2. #2
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    schönes lied, das, robert. vor allem wegen der zeile beneath this mask I am wearing a frown. beneath, nicht behind. das eigene gesicht also nicht etwa als ein verstecktes, sondern als ein nebensächliches begriffen. aber das ist natürlich ein anderes thema.


    herzlichen gruß
    k.

  3. #3
    kls
    Laufkundschaft

    AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    Man hat die freie Wahl. Klavier oder Klavierspieler. Das charmante kokketieren "I'm a Loser" ist etwas anderes.


    Nur: Die wenigsten stellen sich diese Frage überhaupt. Sie ötteln einem Lebenslauf hinterher, den sie "Schicksal" nennen, der aber nur etwas mit "Feigheit" zu tun hat.


    Wenn man sich auf Verlierer einlässt, läuft man Gefahr von deren Denke beeinflusst zu werden. Man sollte sich die Leute, die einen beeinflussen können, schon sehr sorgfältig aussuchen. Ich bleibe im Zweifelsfall auch lieber alleine.


    ...kls...

    Ach so, erkennen tut man Verlierer an mehreren Punkten:



    1. Dem Grad von Kontrolle, den sie über Ihre Umgebung ausüben, einschliesslich sich selber.
    2. Ihrer Geschichte und Ausstrahlung.
    3. Progression.
    4. Seinen eigenen Reaktionen.

  4. #4
    Administrator
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    Post AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    Danke, Ihr Lieben, für diese Antworten.


    kattz, Du bist ein Eingeweihter. Ich wußte es immer. Einen Gruß nach Aachen.
    Gesichter - gesichte, Wahrnehmung und Wahrheit. Doppelbödiges und Verstecktes. Dieses Lauern im Sichzeigen. Ich habe einen kleinen Text für Dich, kattz, in dem dies thematisiert wird:


    "Du stierst wieder ins Nichts, Stefan!" Marcus stand Zigarre rauchend neben ihm.
    "Tag, Marcus. Was treibt dich in die Gegend?"
    „Einsamkeit.“
    „Mich auch.“ Sie schauten sich an. Stefan empfing Wärme aus Marcus' Augen. Sie umfaßten ihn und trugen ihm etwas auf, eine Aufgabe, eine Aussicht. Sie bedrückte ihn nicht. „Ich mußte raus aus der Stadt.“ Jetzt erst fiel ihm auf, daß sein Weg ihn auf denselben Berg geführt hatte, wie vor einigen Tagen schon. Nässe ringsum. Hatte es geregnet? „Wollen wir in die Kneipe gehen, Marcus?“
    „Ich bin pleite.“
    „Edith spendiert. Sie ist es mir schuldig.“
    „So?“
    „Und was macht deine Freundin?“
    „Sie trägt schwarz und grau. Ich mag sie nicht sehen, im Augenblick jedenfalls nicht.“
    „Kenn' ich.“
    Sie schlurften den nassen Weg entlang. Beide trugen Schlappen aus Kork, ein wenig zu große Exemplare. Wie gesagt, man hätte sie für Brüder halten können, wäre da nicht diese klitzekleine Deviation in bezug auf die Hautfarbe gewesen. Sie kamen am Waldwirtshaus an. Wie immer hatte Edith viel zu tun und servierte kurz angebunden ein dennoch ausgiebiges Frühstück, das beide auf der bereits zu dieser frühen Tagesstunde sonnenüberfluteten Terrasse einnahmen.
    Nachdem Marcus der Rabatte einige Ranken einer Hanfpflanze wegempfohlen hatte, sie zerrieb und seinem Tabak beimengte, hob er an und erzählte. Er erzählte von einer Reise nach Indien, die er mit seiner ehemaligen Freundin gemeinsam erlebt hatte, von den Menschen dort, die in großer Armut lebten, aber auch in großer Stumpfheit. Er erzählte von den indischen Weisen, die ihre Leiber malträtierten und dennoch vielleicht größere Genießer seien als er selbst. Er traue ihnen nicht, auch wenn sie ihn faszinierten. „Schon der Umstand, daß sie es seit Jahrtausenden tun und immer noch als Heilige Kultstatus genießen, müßte doch auch dich Zyniker überzeugen, daß am Buddhismus letztlich alle Weisheiten der anderen Religionen aufgehoben wurden!“
    „Nein, ich empfinde hier nur den Schmutz unsauberer innerer Verhältnisse. Sie waschen sich im heiligen Fluß von den irdischen Sünden rein, versuchen gar, sich selbst in Erkenntnis einzutunken; wie sollte ich da nicht diesen Waschzwang als etwas ganz und gar auf Dreck schließendes Unternehmen tadeln sollen“, sagte Stefan.
    „Mann, redest du aber geschwollen.“
    „Es kommt manchmal so über mich. Immer, wenn ich unsicher bin.“
    „Das ist gut, mein Freund. Das ist gut.“
    „Ich hab's von einer Alten gelernt, die du auch kennst. Sie wohnt am Hausberg in einem uralten und baufälligen Haus.“
    „Du meinst Kaki?“ Stefan trank jeden Schlucken nachschmeckend aus seinem Glas. Marcus nippte am Kakao, goß noch ein wenig Milch hinterher, lehnte sich zurück und rauchte. Sie schwiegen.
    „Kaki hat etwas, was den Frauen fehlt, sonst fehlt“, hob Marcus nach einer ganzen Weile an.
    „Sie denkt nach.“ Marcus lachte über Stefans Glosse. Tief aus dem Bauch heraus drang es nach oben und stellte sich selbst in Frage. „Ganz anders ist es mit der da“, rief er und zeigte auf eine Touristin. Die etwa dreißigjährige Frau trug einen weiten Sommerhut, darunter wallte hellblondes Haar in gelockter Pracht hervor. Ihre helle Bluse war von einigen geschickten Händen mit Rüschen versehen worden, derart geschickt aber und zart aufgestickt, daß man sofort bemerken mußte, daß es ein Handgearbeitetes war. Eine dünne graue Hose verhüllte die sicherlich schlanken Beine. Die Füße steckten in hellen Stoffschuhen. Marcus verweilte, dort angekommen, und schaute bald darauf im Umfeld des Gasthauses nach, ob er ein Auto sehen konnte. Feldanzeige. Daß sie hier übernachtet hatte, schien ihm außerhalb des Möglichen. Er zeigte mit einer für ihn typischen Kopfbewegung - schnittig und doch nur halbausgeführt - zur Betrachteten und stellte lapidar fest: „Schau, Stefan, da vorne sitzt so eine, um die man am besten einen großen Bogen macht. Ob's Nacht im dunklen Park oder irgendwo am hellichten Tag ist: Die ist eine von denen, die schon pro forma losschreien.“
    „Ich möchte nicht über Fremde sprechen, Marcus. Laß uns ein wenig schweigen!“
    „Nein, wir haben schon zu viel verloren. Ich vielleicht mehr als du. Du hast deinen Charme; meinen nimmt man exotisch, eine verblassende.. Ach, was soll's? Sind wir nicht arme Schweine mit unserem Ding? Ein Mal der Aussätzigen. Ich denke manchmal, unser ganzer Eroberungsgeist kommt nur durch diesen Makel. Wir schauen aus nach Neuem, um nicht von diesen schwanzlosen Ungeheuern abhängig zu sein.“
    „Du hast recht, mein Freund!“
    „Die ruhen im Instinkt, erfassen instinktiv, worum wir kämpfen müssen, und sie schreien.. Wo paßt in diese perfekten Körper noch Vernunft hinein? Das ist es! Wir schreien zeitlebens nach Freiheit, sie nach Sicherheit. Wir versuchen im reiferen Alter Vernunft mit Freiheit zu kreuzen, und suchen doch nur Schönheit; sie waren dann die längste Zeit Schönheiten gewesen, füllen ihre inzwischen schwabbligen Bäuche und ölen trockene Schenkel von unserem Geld. Dazu reicht der Verstand dann immer noch“, beendete Marcus diese Tirade, deren zuvorgehende Erfahrungen wir jetzt nicht näher befragen wollen. Auch daß er lachte, änderte nichts am Ernst, mit dem Marcus hier darstellte.
    „Das hätte ich nicht geglaubt, daß du Nietzsche liest, blonde Bestie“, wagte Stefan demnach kaum Widerspruch.
    „Ich bin nur gerecht.“
    „Ah, ein Gerechter unter uns Blinden.“ Stefan war aus seinem Dämmerzustand erwacht. Jetzt erst nahm er die Schöne am anderen Tisch wirklich wahr. Sie hielt das Gesicht in die kräftig strahlende Sonne, genoß die Wärme auf ihrer Haut. Ihr Blinzeln verriet, daß sie nicht schlief. „Muß in einem Büro arbeiten, die Arme. Schau sie dir genau an, Marcus! Sie sucht jemanden, will nicht länger allein sein. Die Pose verrät ihr Geheimnis, dieses Lauern im Sichzeigen.“
    „Bin ich der Maler oder du?“
    „Bestell ein Bier für mich! Dann schlafe ich weiter.“
    Edith kam zum zweiten Male - jetzt mit einem Lächeln -, umarmte Stefan und ließ sich dem Freunde vorstellen. Kurze Zeit später brachte sie Stefan ein zweites Bier, Marcus einen Kaffee.
    „Eigentlich reagieren sie immer sehr hysterisch, manche aber lernen es, sich zu beherrschen. Die würde ich jeder anderen vorziehen“, meinte Stefan schelmisch.
    „Bist du noch mit deiner blonden Frau zusammen?“
    „Heute nicht, morgen nicht und übermorgen holt sie der Schneidergeselle.“ Stefan lachte. „Ich will dir nichts vormachen. Bin ich mit ihr zusammen, dann meine ich es ehrlich, glaube sie zu lieben. Mit dem Abstand aber wächst die Abneigung. Sie ist eben nur aus der Nähe betrachtet wohlgestalt; mit zunehmender Ferne verblassen die Lustreize.“
    „Und du sagst, ich sei böse heute. Also suchst du Abenteuer.“
    „Nie!“
    Stefan stand auf, ging ins Wirtshaus und kam mit einer Wolfsmaske zurück. Die legte er auf den Tisch, so, daß Marcus sie ohne Mühe nehmen und betrachten konnte, dann verschwand er wieder im Wirtshaus und blieb nach seiner erneuten Rückkehr einige Momente vor der Sonnenbaderin stehen, die das schnell bemerkte, doch den schattenwerfenden Voyeur nicht verscheuchte. Im Gegenteil: Ihr Lachen war von jener Art, die traurig macht, ein verschämtes und weiches Glucksen aus dem Herzen, ein Entzücktsein, bei dem aber die Enttäuschtheit manch ähnlichen Erwartens mitschwang. Stefan ging ohne ein Wort zu sagen zu Marcus zurück, setzte sich neben ihn und trank vom Bier. Schweigen.
    „Was meinst du, wie schnell sie hysterisch wird?“
    „Woher willst du wissen, daß sie es überhaupt wird?“
    „Ihr Leben liegt vor mir wie ein aufgeschlagenes Buch“, meinte Stefan trocken.
    „Dann lies mir vor!“ forderte Marcus.
    „Sie wuchs behütet auf, entwickelte gegen den Willen ihrer Mutter künstlerische Anlagen. Sie verschaffte sich Respekt, irgendwobei, vielleicht im Schulclub. Dann studierte sie Kunst, freilich nur in Verbindung mit etwas Nützlichem. Das schuldete sie ihrer Kinderstube. In dieser Phase hatte sie eine unglückliche Romanze mit einem Älteren, einem, der alt genug war, um etwas bieten zu können, zumindest ihr da noch Unerfahrenen etwas vorgaukeln zu können. Er verschwand, als sie schwanger war. Das Kind blieb. Wahrscheinlich ist sie katholisch. Also machte sie ihr Studium fertig und hatte Glück, denn sie fand einen, der nichts von ihr wollte, weil er mit sich selbst sattsam zu tun hatte und hat. Ich glaube, bei dem ist sie noch heute. Er rettete sie, doch war's ein oberflächlicher Entsatz. Das weiß sie erst seit kurzem und fragt sich jetzt, ob es für ein wirkliches Glück nicht schon zu spät ist.“
    Marcus unterbrach Stefans Nachsinnen: „War's das?“
    „Nein, warte: Sie hat Geld. Vielleicht kommt's vom Gatten, doch glaube ich das nicht. Sie sieht nicht so aus, als ob sie huren müßte. Er läßt ihr die lange Leine, muß ein schlechtes Gewissen haben; vielleicht hat er selbst schon längst gemerkt, daß sie nicht füreinander bestimmt waren. Aber sie sind längst zu weit hinaus geschwommen und können jetzt nicht so einfach umkehren, wenn du weißt, was ich meine. Sie hat Zeit, doch hat sie sich die verordnet. Sie wundert sich seit Tagen darüber, daß sie es bisher nicht bemerkte..“
    „Was bemerkt hatte?“
    „Wie schön es ist, Zeit zu haben.“
    „Woher willst du das alles wissen?“
    „Ich sah ihre Augen, ihre Kleidung und ihr Lächeln. Das genügte.“
    „Stefan, du bist ein gottverdammter Angeber.“
    „Aber ein wissender Angeber.“
    „Beweis es!“
    Stefan stand auf und setzte sich die Wolfsmaske auf. Die noch hellen Stellen an seinem Kopf schmierte er mit Walderde dunkel. Dann lief er zur Schönen, die ihr Gesicht immer noch in die Sonne hielt. Stefans Gang verwandelte sich in einen tierischen, affengleichen; er ließ die Arme hängen, gab merkwürdig grunzende und schmatzende Geräusche von sich, suchte aber offensichtlich noch den passenden Ton, denn die Modulation der Stimme änderte sich beständig.


    3.7..


    Schließlich hatte er den passenden Ton gefunden und fistelte um sie herumhechelnd: „Ich will mich verbinden mit Erde, der linden, doch du mußt verschwinden, wie will ich sonst finden den himmlischen Blinden. Asche zu Asche! Und mir Asche aufs Haupt.“ Dabei griff er mit vollen Händen in den Waldboden und bewarf die Angesprochene mit Erde. Beim Lächeln bleckte er. Die Zähne bedrohten die Schöne, die erst belustigt, schließlich zunehmend ängstlich dem absonderlichen Treiben zusah. Stefan aber ließ nicht ab, vertierte in der Rolle, traf ins Ziel, traf und verwundete. Sie streckte die Hände aus! Stefan bekümmerte oder irritierte das nicht, seine Hände warfen schmutzigfeuchte Walderde auf die teuren Sachen und grapschten nach ihr. Es war eine Frage der Zeit, wann er den Abstand, den Angst, Zivilisation oder das normative Miteinander ihm auferlegten, überwinden wollte; alle spürten dies, am meisten die Umsponnene. Als er wieder einen Klumpen Erde auf die weiße Bluse geworfen hatte, sprang die Schöne auf und wehrte sich ihrerseits mit Händen und Füßen gegen den Eindringling:
    „Das ist Dreck. Du machst mir die Sachen schmutzig. Hör auf damit!“
    Stefan wich scheinbar erschrocken zurück: „Was für ein Wort? Hör auf? Ich muß dich hören, die leisen Töne, sie dringen hinein.“ Nun durchbrach er die Distanz, griff nach den gelockten Haaren und zog an den Ohren: „Ich muß handeln und mich verwandeln, dann dich verschandeln und weiter lustschandelnd, wandelnd ich drandeln“, lärmte er vertiert und schmierte Dreck von seinem Gesicht auf das ihre. Doch mitten in diesem Gespinne änderte sich die Miene der Umsponnenen: Sie lachte! Stefan wurde wütend: „Jetzt ist mir der Vers verschwunden. Ach, hau ab!“ Er riß sich die Maske vom Gesicht und ging zu Marcus zurück. Dort angekommen, warf er die Maske zu Boden und stürzte den Rest aus dem Krug die Kehle hinunter.
    „Das war nur gewollt und nicht gerade nicht sehr überzeugend“, murmelte Marcus.
    „Du bist wohl selbst Schauspieler?“ bellte Stefan.
    „Seit gestern verdiene ich mein Geld damit“, sagte Marcus ruhig.
    „Wie denn das?“ fragte Stefan einige Zeit später.
    „Deine Frau suchte Ersatz und fragte mich, ob ich nicht vorsprechen wolle. Ich brächte das nötige Charisma mit. Tja, da konnte ich nicht widersprechen, ging hin und bekam die Rolle des heimkehrenden Dichters.“
    „Des heimkehrenden Dichters? Von wem ist das Stück?“
    „Hab den Namen vergessen. Ein verhunztes Stück, aber manchmal ganz spannend, wie deine Aufführung eben, etwas veraltet. So geht man heute nicht mehr mit Frauen um.“
    „Die Abgestumpften schweigen.“
    „Sie hat gelacht.“
    „Das war erstaunlich.“
    Sie tranken wieder aus ihren Pötten, der eine schüttelte den seinen, denn das Gefäß schien leer, was er aber nicht wahrhaben wollte, der andere kroch beinahe vergnügt hinein ins kalte Vergnügen der Leere einer Kakaotasse. Alberne Gesellen. Sie stand auf und kam. Der Weg führte ein wenig bergab. Sie blieb oberhalb vom Zieltisch auf einem Vorsprung stehen und blickte die beiden Freunde ruhig an: „Hallo!“
    Stefan und Marcus schauten verstimmt hinauf. Sie taten so, als wären sie aus einer wichtigen Handlung gerissen worden.
    „Sie steht oben“, meinte Marcus.
    „Das scheint nur so. Sie tun immer so, als hätten sie allen Anspruch der Welt.“
    „Ich bin dir nicht böse. Ich denke, daß du nur spielst“, sagte die Frau von dreißig Jahren.
    „Allerdings. Was willst du?“
    Die Angesprochene stutzte und ging dann vom Hügel hinunter, blieb etwa auf gleicher Höhe mit den Sitzenden stehen. Das Gesicht war immer noch dreckverkrustet. Es kümmerte sie nicht. Stefan hob den Kopf und musterte sie erneut. Sie war schön. Kein Zweifel. Es war die oberflächliche Schönheit, die ihn abstieß, doch spürte er bei genauem Hinsehen die darunterliegende tatsächliche. Das machte ihn unsicher. Ihre Körperhaltung bewies Charakter. Das war keine, die mühselig ihr Tagewerk verrichtete. Sie nahm es in die Hand! Wenn es eines Zweifels bedurft hätte an der vollständigen Tatsächlichkeit von in die Welt geratenen Idealen, so wäre er durch diese Frau zu zerstören. Verrückterweise irritierte dieser Gedanke Stefan, ironischerweise fühlte er sich dann doch abgestoßen. Nein, sie war eine Eskapade, zumindest eine Gefahr. In jedem Falle aber ein Wagnis für den Rettungsanker, den er schon längst ausgeworfen hatte nach Lilith. Sie hier? Sie mußte weichen, war eine Gefährdung bei der Suche nach der Rechten, denn sie könnte es sein.
    „Ich will dich nicht. Nicht mehr.“
    „Das geht mir zu schnell. Willst du aufgeben, bevor wir gemein..“
    „Gemein. Seid gemein zueinander!“ forderte Marcus. Er war auch noch da.
    „Marcus, geh spielen!“
    Der Angesprochene stand widerwillig auf. Manchmal gehorcht man eben. Auch gegen seinen Willen. Kaum, daß er gegangen war, erleichterte sich Stefan, indem er die Hand der Schönen nahm und mit ihr in anderer Richtung fortging. Selbst die fremdartigsten und gleichgültigsten Dinge, über die sie sprachen und sprechen würden, ließen ihn eine starke Übereinstimmung mit diesem Menschen spüren, der aus dem Nichts aufgetaucht. Jeder Satz traf ihn im Innersten, traf ihn an und ließ ihn wachsen. Stefan fühlte sich rot werden, wachsen und gleichzeitig Angst bekommen. Verunsichert ging er mit der Schönen durch den spätsommerlichen Wald. Sein Herz hüpfte aufgeregt im engen Brustkasten hin und her. Wie lange noch würde er es aushalten.. Auf der nächsten Lichtung setzte sie sich auf einen Baumstumpf, dessen Verwesungszustand fortgeschritten war. Stefan blieb stehen: „Wie lange suchst du mich schon?“ wollte er wissen.
    „Willst du eine Geschichte hören, die du viel besser erzählen könntest?“ fragte sie zurück.
    „Ich bin mir nicht sicher, daß es dich wirklich gibt.“
    „Doch, Brüderchen, seit heute. Ich bin glücklich, daß es dich gibt.“
    „Lassen wir es dabei, fangen nichts miteinander an, nicht einmal das Eine.“
    „Warum nicht?“
    „Die Quellen versiegen.“
    „Die Erde aber bildet neue.“
    „Nicht für uns!“
    „Nur für uns!“
    „Das ist mein Job! Ich muß dich wollen, nicht du mich!“
    „So, meinst du?“
    „Daß du mich willst, ist selbstverständlich. Alle wollen das.“
    „Oh!“
    „Das ist kein Witz. Ich weiß es.“ Stefan scharrte mit den Füßen. Sie bemerkte es lächelnd. Es machte seine derben Späße erträglicher. „Wo kommst du her?“ fragte er.
    „Gleichgültig.“
    „Du kannst hier nicht bleiben. Ich muß.“
    „Das denkst du bloß.“
    „Auch das ist kein Witz.“
    „Und die Gelegenheit?“
    „Bleibt.“ Er überlegte: „Ich kann mit diesem Rollentausch nicht umgehen.. Wie heißt du eigentlich?“
    „Das war mein Zeichen. Jetzt wird es persönlich.“
    „Ich heiße Stefan. Besuch mich in ein, zwei Jahren wieder! Dann vielleicht.“
    „Wolkenstein, ich kam deinetwegen.“ Sie stand auf und ging. Nach einigen Minuten ging Stefan zurück zum Wirtshaus. Marcus schäkerte mit Edith.
    „Und?“ wollte die wissen und steckte einen Hundertmarkschein tiefer in den Ausschnitt. Kurz darauf hörten sie ein Auto reifenquietschend abfahren. „Ich wußte es“, sagte Edith nebenher.
    „Was wußtest du?“ fragte Marcus leise.
    „Die beiden sind von gleicher Art. Das konnte nicht gutgehen. Stefan erträgt niemanden neben sich, der ihm ähnelt.“ Stefan hörte das nicht.
    „Kluges Kind“, meinte Marcus und küßte Edith. „Er erträgt auch niemanden neben sich, der anders als er selbst ist, doch würde er das niemals zugeben.“
    „Woher wußte sie meinen Namen?“ fragte Stefan, der stirnrunzelnd in der Tür stand. „Edith, hast du..“
    „Nein.“
    „Ich bin's. Sicher, ich bin's, der hier steht, aber war sie's auch?“
    „Sie ist's nicht“, rief Edith. „Tändelei war's. Sie gehört zu deiner alten Freundin, die alte Dame, von der du erzählt hattest..“
    Doch Stefan war schon jenseits aller Wahrheiten.



    kls, Dumpfbacke, auf Koketterie bin ich nicht mehr aus. Ich bin erwachsen.
    Jetzt gibst Du auch noch Antworten. Klare Deszendenz hier. Einlassung ist es gerade, die ich will. Beeinflussung? Was ist das? Drück Dich bitte unverständlicher aus, damit ich folgen kann und nicht versumpfe in disparaten Denkmustern!

  5. #5
    kls
    Laufkundschaft

    AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    Robert,


    Schade, dass Du die Koketterie auf Dich beziehst. War wirklich nicht so gemeint. Aber mit Deiner Dumpfbacke haben wir uns jetzt eine grundsätzliche Klärung verdient.


    Zitat: Jetzt gibst Du auch noch Antworten.


    Ja, lieber Robert, wenn Du mich hier nicht mehr haben möchtest, gibt es einen ganz einfachen Weg. Frag mal Deine Benimmlehrerin. Kleiner Tipp: Ein einfaches Bitte ohne sinnnegierenden Sarkasmus soll ja angeblich Wunder wirken können.


    Ansonsten bin ich ein westfälischer Betonkopf und genieße meine Zeit hier. Ich betrachte das Forum als eine art öffentlichen Park, eine Dienstleistung, aber ich würde dem Parkbesitzer jederzeit die Freude machen und gehen, wenn er mich nett bittet, denn er hat mir ja nichts Böses angetan.


    Zitat: Klare Deszendenz hier.


    Deszendenz = Abstammung, Ursprung, Herkommen, Abkunft. Verstehe ich also nicht in diesem Zusammenhang. Aber dennoch ein schönes Wort.


    Zitat: Einlassung ist es gerade, die ich will. Beeinflussung? Was ist das?


    Es gibt keine neutrale Information. Sie ist immer gekoppelt an das Weltbild des Informanten. Man ist gezwungen Ja. zum Inhalt zu sagen, damit dieser (der Inhalt) überhaupt bei einem ankommt und schon krabbelt auch ein wenig von der Persönlichkeit, dem Wesen, meinetwegen auch der Seele rüber und nistet sich irgendwie ein. Wenn Du diesen Gedankengang nicht nachvollziehen kannst: Meinst Du nicht, dass ich weiß, wie Du mich siehst und wo ich Dir sauer aufstoße?


    Zitat: Drück Dich bitte unverständlicher aus, damit ich folgen kann und nicht versumpfe in disparaten Denkmustern!


    Disparate Denkmuster = ungleichartige, unvereinbare, entgegengesetzte Denkmuster, ja, die erkenne ich auch gerade. Mich stört es aber wenig.


    Ich denke, mal so von Gewinner zu Gewinner: Man kann sich auch in Hochdeutsch versuchen...kls...

  6. #6
    Liz
    Laufkundschaft

    AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    Woran erkennt man einen Verlierer?


    Er ist groß, schlank, blond und blauäugig oder nein..
    er ist klein, dick und braunäugig und hat eine Glatze.. small people have got no reason
    to live...


    Der Beatles "loser" sinniert darüber, weil er a girl in a million verloren hat und jammert, was er wohl getan habe, to deserve such a fate. Und dann erkennt er auch noch, daß der Stolz vor dem Fall kommt und er nicht weiß, ob er um sich oder um sie weint, wie so oft.
    Eine traurige Liebesgeschichte und der "loser ist leicht auszumachen.
    Und auch hier gibt es den "winner"
    I should have known she would win in the end.
    Den "loser" kann man am schnellsten ausmachen, wenn man ihm einen "winner" gegenüber stellt und der hängt vom Betrachter und dessen Perspektive ab.
    Was kennzeichnet denn jetzt Deine , wie die Pest gemiedenen "loser" , Robert und warum willst Du deshalb allein sein ?
    ...so viele komische Fragen


    In mancher Leute Augen bin ich doch viel lieber ein "loser", gell, und auch deshalb sing ich das Lied ganz gern.
    And I'm not what I appear to be.


    P.S Weshalb will sich "kls" jetzt veabschieden?
    Der müßte sich doch schon längst an Deinen "schnöseligen" Stil und die Kraft der zwei Herzen gewöhnt haben ?

  7. #7
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    Lernt von Verlierern, sie haben mit sich Zweifel.

  8. #8
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    Liebe Liz! Ist das alles, was Du da sehen kannst?


    Wie sieht es mit den Metaebenen aus?
    Ich glaube aber, dass diese Frage recht deutlich für unseren verschiedenen Ansatz steht. Ich vermute mal, daß Du Figuren wie Menschen erfinden möchtest - eben im Gegensatz zu mir.


    Auch hab ich versucht, mir deine Frage zu übersetzen, mich also zu fragen, worauf Du anspielst. Komm nicht so recht dahinter, eingefallen sind mir nur die Gegenfragen: Was ist, wenn ja? Was ist, wenn nein? Was hat es mit der Aussage zu tun, was sagt es aus, wenn ich Sympathie bzw. Apathie hätte. Wenn ich nun den loser liebe, weil er es nicht ist?


    Lieber Hannemann! Das Lernen ist ein Wesensmerkmal des Siegers/Gewinners. Nur Dummköpfe glauben, nichts mehr lernen zu können. Denke ich. Aber nur lernen wollen? ich trage mich mit dem Gedanken, das Lernen zugunsten des Wirkens tauschen zu wollen. Irgendwann muß das Lernen zweitinstanzlich oder drittinstanzlich werden..

  9. #9
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    Wenn das Lernen drittinstanzlich, greift der alte Spruch:" Wer rastet, der rostet."
    Wären wir beim Ankommen. Verlierer kommen nicht an, und Sieger? Gewinnen sie nicht nur Etappen? Und gibt es den letzten Gewinn?


    Verlierertypen, looser, Uneinsichtige?
    Sehen Gewinner ein, oder sind sie nur sturer als andere auf eine Richtung fixiert?


    Letzte Frage: Wer darf das messen?

  10. #10
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    Hier bitte:


    Ein TASCHENTUCH


    für alle Heulsusen. Würde gerne mal wieder einen schönen Text lesen anstelle von albernen Befindlichkeiten zu hören die mich nicht interessieren. Robert, was passiert eigentlich wenn ich kurznachemabschussiger bin? K.

  11. #11
    Liz
    Laufkundschaft

    AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    Ist das alles, was DU...
    Ja, Robert, es sei denn Du versteckst etwas in diesem unscheinbaren Text. Metaebene?
    Ich würde Dich gerne verstehen, aber dann mußt Du auch etwas tendenziöser sein.
    Bin ich alleine PISA (mir fehlt der literarische background) oder haben die anderen auch nicht erkannt, um was es Dir geht?
    Das ist wohl der Nachteil des Geschriebenen; in einer Unterhaltung käme die Metaebene besser zum Tragen.
    Wenn kattz eingeweiht ist, dann geht es um eine Maske, die der Mensch trägt als Selbstschutz vielleicht? Vor wem will er sich schützen, und wer ist der vermeintliche Feind? Er selbst? der Werwolf?
    Der Text für kattz gefällt mir.
    Trostlose Typen- nur zu gern lassen sie sich auf spannungsreiche Schicksalspielchen ein.



    Ja, ich möchte mir gerne Menschen erfinden.
    Schön, wenn sie dann auch noch meiner Vorstellung entsprechen


    and the loser is...Rodbertus, das sieht gut aus! Bravo, bring Farbe in unser virtuelles Leben.

  12. #12
    nemo
    Laufkundschaft

    AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    Hallo,


    irgendwo habe ich mal gelesen:
    "Verlierer sind Menschen, die niemals versucht haben zu gewinnen!"


    Und seitdem halte ich mich daran...


    Einen schönen Abend noch,


    N.

  13. #13
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    wo ist die grenze? ab wann hat man verloren, ab wann ist einsicht kein verlieren?

  14. #14
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    die frage enthält die antwort: einsicht ist der erste schritt

  15. #15
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    meinst du mit einsicht, die einsicht, daß man verloren hat oder eine etwas mehr philosophische einsicht in die dinge an sich? hab den thread nicht gelesen. hatte wie immer keine zeit.

  16. #16
    rodbertus
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    Lightbulb AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    philosophisch gesprochen ist das VERLIEREN teil der subjekt-objekt-problematik, der ich-ES-unvereinbarkeit... EINSICHT bedeutet hier soviel wie nachgeben des Ichs gegenüber dem ES. ein verlierer ist dazu bereit, ein gewinner nicht. ein gewinner macht sich das ES passend; wenn es nicht passen will, wird es passend gemacht.
    das geheimnis des lebens: das ES passend machen!

  17. #17
    Tochter aus gutem Hause
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    Lightbulb AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    man erkennt ihn an der sprache. er spricht von gewinnern und verlierern.


    und daran, daß er verliert.
    wer bestimmt darüber?
    er selbst. es ist sein eigenes gefängnis.
    er kann heraustreten und sagen: ich bin auf dem weg zu mir. ich verliere das urteil der anderen und gewinne mein eigenes. deshalb ist die einsicht in das gefängnis der buchführung aus verlust und gewinn der erste schritt.

  18. #18
    schreibt hier hin und wieder
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    Lightbulb AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    Wenn du nicht "verlierst", gibst du dir einfach nicht genug Mühe.


    Und wenn du dir Niederlagen schönzulügst, oder einfach ein Risiko nicht eingehst, weil du Angst vor den Verlieren hast - dann bist eben nur der "große von den Kleinen".

  19. #19
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    das rumpfdeutsch meines vorredners ist nicht zu deuten. darf ich darauf hoffen, daß mir diese zwei sätze noch einmal ohne verneinung und doppelte optik gereicht werden?

  20. #20
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    AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    verlieren fängt doch im kopf an, wie so vieles andere...

  21. #21
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    AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    Also wenn ich beim Skatspielen den Verlierer im Vornherein erkennen würde, dann...

  22. #22
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    offenbar versteht jeder den begriff anders, erkennt also auch an anderen eigenschaften jeweils. aber ist nicht der begriff schon falsch? der klingt, als wäre ein leben beim ersten verlust determiniert. ists aber nicht. wer heute verliert, gewinnt morgen und umgekehrt. das ist doch grade leben: wie gewonnen so zerronnen.
    "ansteckend" sind verlierer und gewinner aber schon, zumindest erscheint das so. im wesen dürfte es aber ein sich öffnen für den anderen sein, eine assimilierung des eigenen, eine camäleonisierung.
    die eigentliche frage bleibt trotzdem: was gibts zu gewinnen und zu verlieren? job oder freizeit, geld oder liebe, anzug oder jeans? alles gleichzeitig? soll das ein gewinner sein?
    ich wüßte gar nicht, was ein gewinner ist in dem zusammenhang

    ist auch die alte frage nach haben und sein, die gewinnen und verlieren bereits sprachlich auf ein "haben" festzurren. man "hat" aber nie etwas auf dieser welt, wohingegen man sehr wohl "sein" kann, das "scheinen" aber mit dem haben zu tun hat, welches man eben nicht hat. so kann gewinn und verlust auch auch nie mehr als nur schein sein, eine erkenntnis beider nur auf der oberfläche möglich.

  23. #23
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    Nun eigentlich gibt es das Wort verlieren gar nicht - vielleicht im einfachen Sinne die Verbform als pragmatisches "aus der Hosentasche fallen" - aber gewiss nicht den Verlierer. Der Punkt ist ja das einem eben als "Verlierer" nichts verloren geht, im Gegenteil in der Regel wird man um eine Erfahrung reicher - vielleicht ist man ja deswegen eher ein Gewinner.

  24. #24
    kls
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    AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    Ich bin z. B. ein Verlierer. Ich verlor meine Jugend, meine Überzeugung einen Sonderweg gefunden zu haben, die letzte Frau (Nr. 37), den Glauben an das Gute in uns allen...


    Die Liebe? Ach Gottchen, Verachtung ist noch die schwächste Formulierung für das Diktat der Gene.


    Na und? Bin ich deswegen als Mensch weniger wert, nur weil ich nicht mit der Herde gemeinsam grasen wollte? Ich habe es wenigstens versucht.


    Verlierer? Das Wort ist bedeutungslos. Ist bar jeglicher Definition. Auch ein Wolkenstein hat Momente, wo er bedauert. Oder? Hättest Du das oder das damals anders gehandhabt, na? Erzähl mir nicht, dass Du Dir nicht schon öfters die Frage gestellt hast, einer von denen zu sein.


    Gewinnen ist einfach. Verlieren ist die Kunst. Daran wachsen wir. Die, welche sich für Gewinner halten sind meistens emotionale Krüppel - und die letzte Schlacht verliert sowieso ein jeder. In dem Sinne ist jedes Lebewesen schließlich ein Verlierer.


    Aber auch ich gehe Verlierern lieber aus dem Weg. Es ist infektiös.

  25. #25
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Woran erkennt man einen Verlierer?

    ja, das tue ich jetzt auch. ich halte lange an menschen fest, aber es gibt auch einen punkt, wo ein bruch sein muß. der ist dann allerdings endgültig.

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