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Thema: Rosenmontag

  1. #1
    nemo
    Laufkundschaft

    Post Rosenmontag

    Rosenmontag


    Mein Weg führte mich geradewegs zu Burger King. Trotz der abendlichen Stunde war der Parkplatz am Bonner Verteiler überfüllt. Nur mit Mühe fand ich eine Lücke, setzte den Wagen rückwärts rein, schloss ab und ging auf das moderne Gebäude zu.
    Wie im Zoo aßen Menschen unterschiedlichen Alters und verschiedener Nationalität hinter Glasscheiben, durch die man unbemerkt auf ihre Tabletts schauen konnte.
    Drinnen grelles Neonlicht und laute Musik. Keine einzige Luftschlange erinnerte hier an Rosenmontag, allein hinter der Theke hingen säuberlich in eine Reihe geklebt drei Krawattenspitzen als Mahnmal symbolischer Entmannung.
    Heimlich musste ich grinsen, als ich mir die ahnungslosen Gesichter der vermutlich indischen Mitarbeiter vorstellte, denen Weiberfastnacht von übereifrigen deutschen Putzfrauen die Krawatten verunstaltet wurden.
    Der Geruch abgestandenen Frittierfetts erzeugte Übelkeit und ich musste mich zusammenreißen. Am liebsten wäre ich sofort wieder aus dieser grellen Umgebung geflohen. Stellte sich nur die Frage, wohin? Draußen im Auto war es viel zu kalt und ich hatte mindestens zwei Stunden totzuschlagen.
    Während ich noch darüber nachdachte, warum ich nicht einfach wie jeder andere Mensch heute mit Freunden in einer Kneipe saß und Kölsch kippte oder zumindest, in Ermangelung einer Gesellschaft zu Hause meine Einsamkeit gebührend feiern konnte, drängte sich eine dunkelhäutige Frau mit Shakira-Ledergürtel auf der knappen Hüftjeans vor und versuchte, ihre Bestellung aufzugeben.
    "Sie sind gar nicht dran!" Damit wandte sich der Mann in lustiger Burger King Montur hinter dem Tresen an mich. Auf seinem Namensschild las ich Sharon.
    "Schon gut, ich hab's nicht eilig!"
    Dankbares Lächeln sowohl vom Burger King Mann, als auch der Shakira Dame, während ich immer noch darüber nachdachte, was ich hier eigentlich zu suchen hatte. Aus den Lautsprechern schmetterte gerade Marc Almond "Tainted Love", als ich an der Reihe war.
    "Eine Cola Light!" Wie sollte ich damit zwei Stunden füllen. Aber Hunger hatte ich keinen. Während ich beobachtete, wie Sharon meine Cola in den Pappbecher füllte, hörte ich vom Nebenschalter die heruntergeleierte Bestellung eines Flickenclowns.
    "Mit oder ohne Käse?" fragte der Mitarbeiter gerade.
    "Egal!"
    Der Mitarbeiter schaute verständnislos.
    "Mit oder ohne Käse?" wiederholte er mit Nachdruck.
    Ich verzog mich mit meinem Pappbecher auf einen Sitzplatz weit weg von den Fenstern in die Raucherecke. Langsam gewöhnte sich mein Geruchssinn an den unnatürlichen Gestank und die Cola beruhigte den Magen. Amüsiert beobachtete ich zwei rumänische Fernfahrer bei ihrem Versuch, den Big King zu essen, ohne ihr Hemd zu beschmutzen. Als sie bemerkten, wie ich sie ansah, schaute ich peinlich berührt weg.
    Eine Gruppe Karnevalisten betrat das Restaurant. Ihre bunten Gesichter erinnerten mich daran, dass ich mich nachher noch würde schminken müssen. Ich befühlte das kleine Kästchen Clownsschminke in meiner Jackentasche.
    Musikalisch waren wir in diesem Jahr angelangt, ausgerechnet Shakiras Hymne an den Körper ihres Auserwählten und beinahe automatisch sah ich zu ihrer Doppelgängerin hinüber, die sich am Tresen vorgedrängt hatte. Doch der Platz war leer, sie war schon wieder weg. Fastfood eben.
    In Köln ist keiner lange allein, sagt man. Die Stadt ist zu groß, es gibt keinen Grund einsam zu sein. Vor allem an Karneval. Irgendwie hatte ich schon Lust, diese These mal in einer gutbesuchten Kneipe zu testen, aber andererseits war mit heute weder nach Frohsinn noch nach Chillout.


    "Was schreiben Sie da eigentlich?"
    Der nette Inder vom Tresen sah neugierig auf meinen Block.
    "Einen Brief? Oder Tagebuch oder wie?"
    "Nein, ich bin Schriftstellerin!" log ich.
    "Was?"
    "Autorin!" versuchte ich es.
    "Und da muss man immer schreiben?"
    Ich lachte.
    "Na gut!"
    Er drehte sich wieder um und ging. Als sein freundliches Gesicht wieder um die Ecke lugte, schaute ich lächelnd zurück. Er verstand diese leise Einladung.
    "Haben Sie schon etwas veröffentlicht?"
    "Wenig!? Wenn ich weiterhin so einsilbig bliebe, würde ich das Gespräch im Keim ersticken, doch er blieb dran.
    "Das ist sicher schwierig."
    "Schreiben Sie auch?"
    "Nein, ich bin Student!"
    Der Knopf in seinem Ohr verriet mir, dass er zum Drive In eingeteilt war.
    "Was studieren Sie denn?"
    "Politikwissenschaften. Zumindest versuche ich das, seit ich vor vier Jahren aus dem Iran hergekommen bin!"
    Ich verschwieg, dass ich ihn für einen Inder gehalten hatte, und fragte mich, warum er überhaupt mit mir sprach. Ein wenig misstrauisch musterte ich ihn. Er verstand meinen Blick falsch.
    "Ich verdiene eben mein Geld", versuchte er seine lächerliche Kluft zu rechtfertigen.
    "Vielleicht arbeiten wir bald zusammen", scherzte ich, "das Schreiben ist brotlos!"
    "Na ja, Sie haben doch sicher einen Freund, der gut verdient, dann können Sie sich ganz dem Schreiben widmen."
    Ich schüttelte den Kopf und begriff zu spät diesen rührenden Versuch, herauszufinden, ob ich noch solo war.
    "Das würde ich gar nicht wollen", sagte ich schnell, "ich kann ganz gut alleine für mein Leben aufkommen."
    Er lacht, dann entschuldigt er sich. "Ich komme gleich wieder!"
    Und während ich ihm nachsah, bis er um die Ecke verschwunden war, befiel mich die alte Panik. Der Zwang, mich zu verdrücken, solange er weg war. Ich weiß nicht, was mich auf meinem Platz hielt.
    Ein paar Polizisten betraten den Raum und einen kurzen Moment lang fragte ich mich, ob sie sich nicht nur verkleidet hatten. Dann sah ich die Waffen und das Funkgerät. Nein, sie waren echt. Im Spiegelbild der Fensterscheiben sah ich Sharon hinter der Theke Fritten aus der Fritteuse kippen und stellte mir vor, wie es sein würde, mit ihm zu schlafen. War es zu früh, ihm meine Handynummer zu geben? Definitiv! Und doch begann ich zu fürchten, ihn nie wieder zu sehen. Was war passiert? Hatte ich mich verliebt? Vor langer Zeit hatte ich mir vorgenommen, mein Herz nicht mehr leichtfertig zu verschenken. Verguckt vielleicht. Das traf es besser.
    Sharon kam nicht, obwohl der Laden leer wirkte. Vielleicht hatte sich ja eine Autoschlange am Drive In gebildet, die ich von hier aus nicht sehen konnte. Vielleicht hatte er aber auch einfach nur das Interesse verloren.
    Vorsichtig lugte sein freundliches Gesicht um die Ecke, bevor er sich den nächsten Kunden widmete. Ich tat, als hätte ich es nicht bemerkt und verfolgte konzentriert auf dem Fernseher die Tanzeinlage von Atomic Kitten.
    Er war süß. Zu süß und genau das machte mich unsicher. Was wollte er wirklich? Ich griff an meine Tasche, befühlte das Portmonee, zog beschämt die Hand zurück und ging auf die Damentoilette. Kaltes Wasser rann über meine Finger, bis sie sich taub anfühlten. Währenddessen betrachtete ich mein Gesicht im Spiegel. Ich hatte die letzten Nächte nicht sonderlich gut geschlafen, jede durchwachte Stunde hatte sich deutlich unter meinen Augen bemerkbar gemacht. Auch sonst machte ich keinen guten Eindruck.
    Sorgfältig trocknete ich meine Hände. Nein, unmöglich. Das war kein Flirt. Der wollte irgendwas. Und wieder beschlich mich die vertraute Angst.
    "Ich sollte gehen!" sagte ich laut und überzeugend. Die Frau, die aus einer der Toiletten kam, sah mich verwirrt an. Ihre Augen und der unsichere Gang verrieten mir den hohen Alkoholpegel. Angewidert verließ ich die Toilette und setzte mich an meinen Platz. Im Fenster sah ich seine schlanke, hochgewachsene Gestalt Hamburger in braune Einwegtüten packen. Die Uhr zeigte Viertel nach Zehn. Ich war länger geblieben, als ich eigentlich vorgehabt hatte. Wie er mit seinen Kollegen scherzte. Ob er wusste, dass ich ihn heimlich im Spiegel beobachtete?
    Entschlossen warf ich Block, Stift und Zigaretten in den Rucksack und ging zur Theke.
    "Ich bin dann mal weg!"
    Ein betroffenes Gesicht, dann das unglaubliche Lächeln.
    "Wo kann ich Sie denn mal treffen? Ich würde Sie gerne noch einiges fragen!"
    Mein Herz machte einen Sprung. Ich lachte, wurde unsicher, benahm mich linkisch.
    "Ich bin ja öfter hier!" sagte ich und nahm mir gleichzeitig vor, nicht mehr herzukommen. Im Bewusstsein, das einzig Richtige getan zu haben, ging ich hinaus. Eilig nahm ich Zettel und Stift aus der Tasche, kritzelte meine Handynummer und den Vornamen drauf und faltete ihn zusammen. Dann ging ich zurück.
    "Hier, so kannst du mich erreichen!"
    Auf dem Weg zum Wagen versuchte ich durch die Fenster in sein Gesicht zu schauen. Lachte er mich gerade aus? Zeigte er den Zettel seinen Freunden? Nein, er arbeitete normal weiter.
    Unsicher fuhr ich nach Hause.


    Als ich die Tür aufschloss, hörte ich die vertraute Stimme aus dem Wohnzimmer. Ich zog die Schuhe aus, hing meinen Mantel an die Garderobe und ging hinein.
    "Na? Wie war's mit deinen Freunden in der Kneipe?" Zwei wässrigblaue Augen schauten mich erwartungsvoll an.
    "Schön!" sagte ich und meinte es diesmal ehrlich.

  2. #2
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    AW: Rosenmontag

    Eines der häufigst bemühten Bilder in Erzählungen über Gastronomie - ja, auch Burger King hat im entferntesten damit zu tun - ist Schilderung von übelerregendem Geruch, ausgelöst durch abgestandenes Fett.
    Nemo, ich glaube Dir das nicht. Du schilderst den Laden als untergebracht in einem modernen Haus. Laut Vorschrift muß die Abluft über das Dach erfolgen, und jede Wirtschaft in Deutschland, welche nicht gerade durch Denkmalschutz geschützt, ist mit einer sündhaft teuren Abluftanlage versehen. Sei gewiß, Burger King besitzt sicherlich die allersündhaftteuerste davon und schaltet sie auch ein. Das Management sorgt zwar für Scheißfraß, achtet aber peinlichst auf Einhaltung des standardisierten Wohlfühlfaktors, und dazu gehört nun einmal erträgliche Luft.
    Außerdem besitzt jedes Fritierfett ein chemisches Gehirn. Wird ein Anteil von etwa 4 Prozent Fettsäure überschritten, ist das Fett nicht mehr backfähig und gehört ausgewechselt. Das weiß natürlich auch die Lebensmittelkontrolle und geht gegen Sünder strengstens vor. Ein Konzern wie der King wird also den Teufel tun und gegen bestehende Verordnungen verstoßen. Er, der Burger, könnte damit ja tatsächlich in üblen Geruch kommen.
    Ich habe verteidigt, obwohl ich, der Himmel sei mein Zeuge, noch nie bei Burger zu Gast. Ich empfinde Hamburger als schlimmstes Verbrechen gegen die Menschheit, schlimmer noch als schwarze Pocken oder die SPD für Deutschland.


    HOCH LEBE EIN BAYRISCHES FLEISCHPFLANZERL... und meinetwegen auch die Frikadelle.


    Ach ja, dann war da noch Deine Geschichte. War sie?

  3. #3
    nemo
    Laufkundschaft

    AW: Rosenmontag

    Dir hat meine Geschichte nicht gefallen. In Ordnung, ich poste sie, um Meinungen zu hören. Selbst wenn diese lauten: "Die Story ist Mist aus folgenden Gründen..."


    Was mich erstaunt, ist eine Textkritik in Form einer erschöpfenden Stellungnahme zu nahrungsmittelrechlichen Bestimmungen in Deutschland. Allerdings hast du Recht, die von dir beanstandete Formulierung ist tatsächlich "eines der häufigst bemühten Bilder".


    Mit freundlichem Gruß,


    N.

  4. #4
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    AW: Rosenmontag

    Zum Inhalt Deiner Geschichte wird Klammer sicherlich noch einiges schreiben. Mich störte sofort jenes Klischee.
    Dennoch, weniger wäre mehr. Warum die Polizisten? Durchsuchung der Räumlichkeiten wegen Verdachts auf unangemeldete Arbeiter? Nein, sie tragen zwar Waffeln, aber sonst nichts zur Entwicklung bei.


    Verstehst Du? Die Gedanken und Gefühle der Protagonistin ausführlicher geschildert, ohne störende Nebengeräusche, das hätte ich lieber gelesen.

  5. #5
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Rosenmontag

    Liebe N,


    nehmen Hannemans Kritik auf und sprechen wir zu erst einmal über Klischees, bevor ich mir im einzelnen die Geschichte vornehme, über die einiges zu sagen (und zu meckern) ist.
    Ich habe mal ein paar der literarischen Klischees gesammelt, die in dem Text vorkommen. Die Liste ist weder vollständig noch geordnet.

    wässrigblaue Augen, grelles Neonlicht, heimliches Grinsen, abgestandenes Frittierfett, übereifrige deutsche Putzfrauen, nachdachte, was ich hier eigentlich zu suchen hatte, was mich auf meinem Platz hielt, zwei Stunden füllen, zwei Stunden totzuschlagen, ich schaute peinlich berührt weg, mich befiel die alte Panik, einen kurzen Moment lang fragte ich mich, im Spiegelbild der Fensterscheiben sah ich, vor langer Zeit hatte ich mir vorgenommen, mein Herz nicht mehr leichtfertig zu verschenken, ich tat, als hätte ich es nicht bemerkt, kaltes Wasser rann über meine Finger, bis sie sich taub anfühlten, jede Stunde hatte sich unter meinen Augen bemerkbar gemacht, wieder beschlich mich die vertraute Angst, die Frau sah mich verwirrt an.


    Natürlich ist diese Liste, die übrigens fast eine Zusammenfassung des Textes ist, nicht ganz fair und man könnte das gleiche auch mit einer Geschichte von mir machen. Es ist aber doch interessant, wie viele Formulierungen wir gedankenlos nachkauen, ohne uns weiter Mühe zu geben, eigene, neue zu finden. Vielleicht unterscheidet das einen großen Autor von und mittelmäßig begabten.


    Klischees sind jedoch nicht nur wiedergekäute Bilder, sondern auch eingefahrene Vorstellungen, Typen, mit denen wir unsere Geschichten bevölkern, auch von ihnen findet sich in deinem Text ein gerüttelt Maß (Shakira-Kopie, Burger-Inder, der Iraker ist, die Heldin mit dem "Borderline"-Syndrom, Polizisten, besoffene Frauen auf der Toilette, übereifrige deutsche Putzfrauen, ein heruntergekommener Typ, der es nicht auf die Reihe bringt, sich einen Hamburger zu bestellen, rumänische Fernfahrer, die mit ihrem Essen herumsauen).
    Das erstaunliche ist aber, dass man diesen Menschen tatsächlich auf Schritt und Tritt begegnet, wenn man sich nicht die Mühe macht, hinter ihre Larven, ihre Rosenmontagsmasken, zu sehen.
    Und dann ist ein Klischee eine hervorragende Sache, um etwas auf den Punkt zu bringen, beim Leser eine Vorstellung zu erzeugen. "der freundlich lächelnde, dunkelhäutige Burger-Mann, der meine Bestellung nicht ganz versteht" ist bereits eine Tautologie. "Burger-Mann" reicht, um eine genau umrissene Vorstellung dieses Menschen zu erhalten. Das ist der Vorteil der Klischees. Und vielleicht ist es die Aufgabe eines Autors oder eines Künstlers heute die Klischees von morgen zu verwenden.
    Noch etwas zu dieser Shakira-Kopie. Sie ist ja nun ein neueres Klischee, aber eines, das wieder verschwinden wird. In, sagen wir mal, fünf Jahren, wird der Leser dieser Geschichte eine Fußnote brauchen, um zu verstehen, welches Klischee hier bedient wurde. Im 19. Jahrhundert war es z. B. ein beliebtes Klischee, jemanden von Art und Kleidung mit "Lovelace" zu vergleichen. Heute weiß keiner mehr, wer das ist.
    Dass die Geschichte, die du erzählt hast, ein klassisches Liebesgschichtenklischee ist, das auch am Schluss kaum gebrochen wird, ist nicht weiter schlimm. Alle Geschichten geben heute nur noch Klischees wieder, "neu" kann eine Geschichte im Zeitalter des Massenmenschen überhaupt nicht sein. Egal, was ich gerade denke, fühle, mache, irgendwo auf der Welt denkt, fühlt, macht irgend jemand exakt das selbe.
    Wichtig ist nicht, was für eine Geschichte man erzählt, sondern wie man sie erzählt.


    Ich denke, das reicht erst einmal als Diskussionsgrundlage.


    Intensivere Textarbeit folgt, versprochen.


    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  6. #6
    nemo
    Laufkundschaft

    AW: Rosenmontag

    Ich muss zugeben, dass das mit den Klischees stimmt, gleichzeitig, dass es mir nicht so bewusst war.
    Dazu zwei Dinge:


    Erstens fand ich es nicht so schlimm. Einfach aus der Tatsache heraus, dass es sich hier um ein Burgerking Restaurant handelt, stereotyp überall auf der Welt, mit ebenso stereotypen Inneneinrichtungen, Bedienungen, Handlungsabläufen und ja, auch mit stereotypen Gästen. Sicher sind Menschen, wenn man ihnen die Oberflächlichkeit entzieht, niemals stereotyp.
    Aber ist das für Nebencharaktere wirklich wesentlich? Was ist zum Beispiel mit einem Mörder. Letztlich wird er doch selten außerhalb eines Klischees charakterisiert. Was mit einer Mutter? Einem Vater? Oder einfach nur mit einem Lehrer? Klischees über Klischees. Man nehme allein das Bild des "großen Bruders" und schon können sich selbst Einzelkinder etwas darunter vorstellen.
    Ich hätte auch lieber eine Geschichte über einen Edelclub auf dem Mars geschrieben, in dem sich jeden Abend reiche, intellektuelle Exzentriker (ein Klischee!!!) eine Pokerpartie auf Leben und Tod liefern. (Und ich bin sicher, dass ihr sie auch lieber gelesen hättet.)
    Aber ich kann es nicht. Deshalb begnüge ich mich damit, meine bislang noch klischeereiche Sprache hin und wieder zu durchbrechen und eigene Aspekte meines Denkens einzufügen. Mehr kann ich schlichtweg noch nicht. Was mich zum anderen Punkt führt:


    Zweitens lässt sich mit Klischees viel leichter ein Bild kreieren, welches der geneigte Leser dann im Kopf vervollständigt. Beispielsweise stand da nichts über mangelnde Deutschkenntnisse. Das war auch gar nicht beabsichtigt, vielmehr wollte ich die Einheitspampe dieses Jobs beschreiben, die durch eine unerwartete Antwort nicht zu durchbrechen ist. Kam aber anders an. Ein Klischee eben, dass Angestellte eines Fastfood Restaurants meist Ausländer mit gringen Deutschkenntnissen sind.


    Was also tun?
    Würde ich jedes Klischee, jede stereotype Beschreibung aus der Geschichte herausnehmen - was mir (und auch anderen) niemals gelingen könnte - so w?re die Geschichte vermutlich gar nicht mehr zu verstehen.


    Klischees helfen dem Schreibenden dabei, sich um die genaue Beschreibung zu drücken. Das soll nicht heißen, dass ich sie in Häufigkeit besonders toll finde (wie oben bereits gesagt, ist mir selbst das auch gar nicht so aufgefallen, bevor du nicht die Liste gemacht hast). Aber es gibt sie in jeder Geschichte - fast jedem Gedicht. Allgemeingültige Bilder, unter denen sich jeder - oder zumindest die meisten - etwas vorstellen können.
    Oder irre ich hier?


    Ich fände es sinnvoll, zunächst mal genau dies zu klären. Eine Diskussion darüber, was genau ein Klischee ist (da fängt es nämlich schon an: Ist es ein Klischee, wenn jemand, statt zu leben, seine Zeit in einem Fastfood Restaurant totschlägt? Und warum?) und wie man es überhaupt, oder in welchen Mengen, in einer Geschichte zulassen darf.


    Nichtsdestotrotz werde ich mich heute bemühen, die von euch beanstandeten Klischees mal durch genauere Beschreibungen zu ersetzen. Einfach nur, um zu sehen, wie sich die Geschichte dann liest und ob sie mehr (oder anderen) Sinn macht, als die obige.


    Einen freundlichen Gruß,


    N.

  7. #7
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    AW: Rosenmontag

    Liebe N,


    meine Ausführungen zum Thema Klischee waren nicht direkt auf deinen Text gemünzt, sondern, ich habe es ja schon gesagt, könnte genauso gut auf einen Text von mir angewendet werden. Aber genau das ist ja das Interessante: Es ist während des Schreibens nicht bewusst, wie sehr wir in diesen Bildern hängen, dass sie, wenn man einen gemeinsamen Hintergrund anspricht, teilweise nützlich sind, aber oft nur schaden. Mir war das selbst erstaunlich, wie leichtfertig ich oft Figuren in Schubladen passe. Und wenn ich das schon mit meinen literarischen Schöpfungen mache, wie oft passiert mir dann das im "echten" Leben?


    Aber nun endlich z deinem Text.
    Die Geschichte machte auf mich den Eindruck, sie sei Teil eines größeren Werkes. Du machst dir nicht die Mühe, mir als Leser die Protagonistin näherzubringen, ihr Aussehen, ihre Lebensumstände, ihre Tics usw. zu beschreiben, ganz so, als wüsste ich das alles bereits. Du lässt mich einfach mit ihr hineinstolpern in das Fastfoodrestaurant.
    Vielleicht liegt es auch daran, dass ich ein Mann bin, aber ihr Handeln, dass sie sich z. B. dem ersten freundlichen Gesicht an den Hals schmeißt, bleibt mir verschlossen und kaum nachvollziehbar.
    Ich gebe zu, ich wusste wenig mit dem Text anzufangen.


    Im Einzelnen:


    Rosenmontag gut, mit diesem alles und nichts sagenden titel sind wir schon recht eingeengt. der tag und seine stimmung sind festgelegt. es ist der "rasende" montag, in dem alle leute durchgeknallt sind. (für faschingsmuffel: "rosen" kommt nicht von der blume, sondern von "rasend") die stimmung, die du dann erzeugst, ist aber voller ennui und melancholie, also im krassen gegensatz zum fasching und eigentlich nicht an den tag gebunden, denn die heldin fühlt sich am aschermittwoch sicher ebenso mies. gut, dir geht es um den gegensatz zwischen der inneren stimmung der protagonistin und dem fastnachtstreiben, der eigentlich desillusionierend tristen "rheinischen fröhlichkeit". doch dazu taucht in dem text eigentlich zu wenig "fastnacht" auf, funktioniert daher nicht als Kontrastmittel oder als Katalysator.
    Mein Weg führte mich geradewegs zu Burger King.hier stört mich das "geradewegs", denn anschließend erklärst du, wie schwierig es ist, diesen Burger King zu erreichen. "Mein Weg" klingt zudem arg bedeutungsschwer, nach "i did it my way" und Cowboyfilm ("Mein Weg führte mich geradewegs nach Laramie.") Trotz der abendlichen Stunde war der Parkplatz am Bonner Verteiler überfällt. Nur mit Mühe fand ich eine Lücke, setzte den Wagen rückwärts rein, schloss ab und ging auf das moderne Gebäude zu.da hätte ich gerne mehr erfahren. wenn das gebäude "modern" ist, würde ich es gerne beschrieben haben. ist das eine einkaufspassage, ein multiplexkino oder etwas ähnliches? diese fastfoodketten siedeln ja wie schimmelbelag auf solchen örtlichkeiten. oder steht das ding in der freien prarie, wie diese macdonald's an den autobahnausfahrten, wie der saloon, in den der cowboy reitet. aber da sind wir schon wieder im wilden westen. seltsam, dass ich bei diesen fressbuden immer an john wayne denken muss.
    Wie im Zoo aßen Menschen unterschiedlichen Alters und verschiedener Nationalität hinter Glasscheiben, durch die man unbemerkt auf ihre Tabletts schauen konnte. ich habe noch nie menschen im zoo hinter glasscheiben essen sehen. gut, ich weiß, was du meinst, aber das steht nicht da. hinter den glasscheiben wäre ein punkt sinnvoll und der rest besser in einem eigenen satz untergebracht. das ist hier ein paradigma für einen bandwurmsatz, der bei einem ausbaufähigen gedanken (tiere im zoo) beginnt und bei einem völlig anderen (vojeur) endet. ein satz sollte nur einen gedanken beinhalten.
    Drinnen grelles Neonlicht und laute Musik.das ist kein satz. bei den klischees waren wir schon. ich war auch schon mal in einem burger king. (ja, ich oute mich. ich bin zwar vegetarier, aber ich habe zwei kinder, die das essen auch nicht mögen, aber das spielzeug in den kindertüten.) ich denke, die sehen alle gleich aus, denn das gehört zu ihrer strategie. das publikum will keine überraschungen, es will die geborgenheit des ewig unveränderlichen, gleichbleibenden. das publikum ist sehr jung, meist jugendliche oder eltern mit ihren kindern. kein grelles neonlicht und die musik war eher gemäßigt. es wirkte ein bisschen wie so eine amerikanische milchbar anfang der 60er. es fehlte eigentlich nur der wurlizer. die bedienungen konnten alle besser englisch als deutsch, waren in der hauptsache afroamerikaner. aber ich kann mich täuschen. ich frage mich nur, nachdem du bisher auf beschreibungen verzichtet hast, jetzt mit dem neonlicht und der lauten musik stimmung gegen den laden erzeugst. etwas anderes: bisher ist nicht geklärt, warum die protagonistin sich ausgerechnet einen burgerking als ziel ausgesucht hat. wird auch später nicht deutlich. gut, sie will zeit totschlagen. aber gibt es in der umgebung keine anderen, ortstypischeren lokale, pilspubs, cafes etc.; lokale, in denen sie sich wohler fühlt? ich war noch nie in köln, aber ich hatte immer das vorurteil, hier sei eine kneipe neben der anderen. würde diese geschichte auch in der eckkneipe "zum feierabend" funktionieren? ich glaube, ja, außerdem könnte man dort den titelgebenden rosenmontag besser darstellen. warum also der burgerking? Keine einzige Luftschlange erinnerte hier an Rosenmontag, allein hinter der Theke hingen säuberlich in eine Reihe geklebt drei Krawattenspitzen als Mahnmal symbolischer Entmannung. uff, ein komplizierter satz. ich habe ihn dreimal lesen müssen, bis ich ihn verstand.
    Heimlich musste ich grinsen,warum muss sie "heimlich" grinsen? was unterscheidet dieses grinsen von einem "unheimlichen"? als ich mir die ahnungslosen Gesichter der vermutlich indischen Mitarbeiter vorstellte, denenan Weiberfastnacht von übereifrigen deutschen Putzfrauen die Krawatten verunstaltet wurden. worden waren. burgerkingmitarbeiter, zumindest die am schalter, tragen keine krawatten, oder? beim geschäftsführer könnte ich mir das vorstellen, aber der ist selten ausländer.
    Der Geruch abgestandenen Frittierfettsvon abgestandenem Frittierfett erzeugte übelkeit und ich musste mich zusammenreißen. das ist mir zu schwach. "ich musste mich zusammenreißen." beschreibe die Übelkeit. wo beginnt sie? wir wirkt sie sich aus? davon abgesehen hat hannemann natürlich recht. es riecht zwar nach fett in diesen lokalen, aber nicht nach abgestandenem. Am liebsten wäre ich sofort wieder aus dieser grellen Umgebung geflohen. Stellte sich nur die Frage, wohin? Draußen im Auto war es viel zu kalt und ich hatte mindestens zwei Stunden totzuschlagen. es wird die ganze geschichte über nicht deutlich, was zum teufel sie eigentlich im burgerking macht und worauf sie wartet. außerdem ist das ein widerspruch zum schluss, wo tatsächlich jemand bei ihr zu hause ist (ihr mann? ihre mutter? ihr uneheliches kind?) aber ich greife vor. auf jeden fall hätte ich schon gerne gewusst, warum sie zwei stunden "totschlagen" muss.


    Bis hierher erstmal. Demnächst mehr.


    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  8. #8
    nemo
    Laufkundschaft

    AW: Rosenmontag

    Ein paar Kleinigkeiten, bevor ich den Text überarbeite:


    Rosenmontag - ich hab genau diesen Kontrast beabsichtigt. In Köln bleibt vor allem an Karneval selten einer allein. Sprich: Wenn man mag, kann man sich in eine der fünfzigtausend Kneipen setzen und sich gut amüsieren. (Ich weiß das, ich hab jetzt noch Kopfweh!!!) Umso trister ist die Vorstellung eines Burger King Besuchs gerade an Karneval. Man hätte alternativ auch Weihnachten nehmen können. Vielleicht wird dann klar, was ich meine.


    Eben die Tatsache, dass zu Hause jemand wartet sollte eigentlich recht überraschen. Und irgendwie bilde ich mir ein, allein damit schon den Grund offengelegt zu haben, warum die Protagonistin den Burgerking zähneknirschend vorzieht.


    Aber gut, wie gesagt, ich setze mich heute sicherlich dran.


    Danke für die Mühe,


    N.

  9. #9
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Rosenmontag

    Das ist mir angenehm zu lesen. Ich beobachte Dein Schreiben noch ein wenig, aber unangenehm ist es mir nicht. Ich sehe Bemühen und ich sehe die Kraft zur Generierung eines poetischen Raumes. Ich sehe aber auch Hast. Und die tötet mehr, als Du durch sie gewinnen kannst.

    Davon einmal abgesehen, es ist kein künstlerisches Schreiben, sondern eines nach Art der Maschine. Freund Klammer bemüht sich hier; ich befürchte, es ist vergebene Liebesmüh, denn weder wirst Du eine Geschichte erzählen können, noch dürfte es Dir nachmals gelingen, Deinen Leser zu überraschen. Doch wer Konservenfood will, muß nicht zu Burger King gehen, er kann sich auch Dein Geplapper ddurchlesen. Wie gesagt, es ist angenehm zu lesen, aber so schröcklich trivial.

  10. #10
    nemo
    Laufkundschaft

    Post AW: Rosenmontag

    Ich habe mich dazu entschlossen, es langsamer anzugehen, daher hier erst mal der von Klammer bearbeitete Teil. Wie lässt es sich jetzt an?


    Es war ein grauer Tag gewesen, die Wolken hatten sich wie Filter vor die Sonne geschoben und hielten die Wärme ab. Die KVB streikte schon seit Stunden und nahm den Karnevalisten jeden Trinkspaß. Ich hatte den ganzen Tag über in meinem Arbeitszimmer gesessen, Raufaser angestarrt, und war nur aufgestanden, um dem Kranken einen Tee zu kochen oder das Kissen aufzuschütteln. Aus dem Wohnzimmer drang in Fetzen die Fernsehübertragung des Rosenmontagszugs hinauf. "Geh du wenigstens ein bisschen feiern", hatte er mich ermuntert und ich wusste, ein Teil von ihm meinte das ehrlich. Kurz nach sieben entschloss ich mich dazu, die Feiertagschance zu nutzen, um für einige Zeit aus dem Haus zu sein.
    Ich brachte ihm noch eine Wärmflasche, deckte ihn gut zu. Ein mitleidiger Blick, das Versprechen, bald wieder für ihn da zu sein, dann fuhr ich los. Erst im Auto wurde mir klar, dass ich kein rechtes Ziel hatte. Ich fuhr zum Burger King.
    Wie erwartet war der Parkplatz am Bonner Verteiler voll. Nur mit Mühe fand ich einen Platz, schloss meinen Wagen ab und ging auf das moderne Gebäude zu. Erst Anfang dieses Jahres war hier fast über Nacht eine ganz neue Tankstelle entstanden, mit Servicecenter, Waschstraße und angeschlossenem Fastfood-Restaurant. Quadratisch erhob sich der Komplex zwischen Autobahn und Stadtrand, mit riesigen Fensterscheiben, durch die man schon von weitem die Gäste wie Tiere in einem Zoo beobachten konnte. Innen herrschte die gleiche praktische Ungemütlichkeit, wie wohl in allen Restaurants dieser Kette weltweit. Keine einzige Luftschlange, keine bunten Girlanden erinnerten hier an Karneval. Nur hinter der Theke hingen, säuberlich mit Tesafilm in eine Reihe an schwarzweiße Kacheln geklebt, drei Krawattenspitzen, das Überbleibsel symbolischer Entmachtung zu Weiberfastnacht.
    Der Geruch von Fett und gebratenem Fleisch erzeugte mir Übelkeit und ich wäre am liebsten wieder hinausgegangen. Fragte sich nur, wohin. Die Kneipen waren überfüllt mit Narren und Jecken, doch mir war nicht nach rheinischer Fröhlichkeit. Draußen im Wagen wäre es zu kalt gewesen, und ich hatte mindestens zwei Stunden Zeit, bevor ich wieder nach Hause musste.

  11. #11
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    Renommee-Modifikator
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    Post AW: Rosenmontag

    Liebe N,

    Deine neue Version ist, was die Motivation der Hauptfigur und Verortung betrifft, m. E. gelungener, aber beim ersten Überfliegen scheint mir ein wenig von dem verloren gegangen, was Robert einen "poetischen Raum" nannte.

    Übrigens habe ich an dieser Geschichte wesentlich weniger zu meckern, als es vielleicht den Anschein hat. Mir ist nur der Konflikt noch nicht deutlich genug herausgearbeitet, der Punkt, auf den es hier ankommt. Die Protagonistin ist am Scheideweg. Die zwei Stunden im Hamburgerladen bringen eine Entscheidung, ob sie ihr Leben auf neue Grundlagen stellen soll oder nicht. Jedes Leben kennt solche Momente, in denen es nur ein Entweder - Oder gibt und es ist immer ein spannendes Thema, solch eine Entscheidung darzustellen.




    Während ich noch darüber nachdachte, warum ich nicht einfach wie jeder andere Mensch heute mit Freunden in einer Kneipe saß und Kölsch kippte oder zumindest, in Ermangelung einer Gesellschaft zu Hause meine Einsamkeit gebührend feiern konnte, drängte sich eine dunkelhäutige Frau mit Shakira-Ledergürtel auf der knappen Hüftjeans vor und versuchte, ihre Bestellung aufzugeben. ein bandwurmsatz, der den leser ermüdet. mach zwei draus. einen in dem sie über ihr verpfuschtes leben nachdenkt, einen weiteren, in dem sich die dunkelhäutige (ist das wichtig, welche hautfarbe sie hat?) vordrängt. grundsätzlich stellt sich mir hier die frage, welche bedeutung das aussehen dieser frau hat.
    "Sie sind gar nicht dran!" Damit wandte sich der Mann in lustiger Burger King Montur hinter dem Tresen an mich.bei "Burger-King-Montur" würde ich bindestriche benutzen. "Montur" ist zudem ein eher umgangsprachliches wort. außerdem wird hier nicht deutlich, an wen sich der mann mit seinem satz wendet. Auf seinem Namensschild las ich "Sharon."
    "Schon gut, ich hab's nicht eilig!" erwiderte ich. fragt sich aber, warum ihr das egal ist. wirkliche Wurstigkeit? bereits der beginn eines flirts? beleidigtes zurückziehen?
    Dankbares Lächeln sowohl vom Burger King Mann, als auch vonder Shakira Dame"shakira-dame" ist mir ein bisschen zu locker-flockig. dass hier ein klischee bedient wird, das in ein paar jahren keiner mehr kennt, weil die gute frau shakira sich dann anders kleidet, bzw. nach ihren eintagsfliegenhits im wohlverdienten ruhestand ist, haben wir schon festgestellt., w?hrend ich immer noch darüber nachdachte, was ich hier eigentlich zu suchen hatte. Aus den Lautsprechern schmetterte gerade Marc Almond "Tainted Love",eine ranzige liebe? ist das nach dem fett nicht eine zu deutliche anspielung? und ist der schmachtfetzen nicht gerade in einer hiphop-coverversion in den charts? als ich an der Reihe war. "als" vermeiden, kling außerdem bedrohlich.
    "Eine Cola Light!" Wie sollte ich damit zwei Stunden füllen.kein fragezeichen? Aber Hunger hatte ich keinen. hier vielleicht noch ein, zwei sätze zu diesem problem. außerdem sind hunger und hamburger ein widerspruch. denn sättigend ist das zeug ja nicht gerade. nun gut, hier spricht der wohlgenährte vegetarier. vielleicht sehen frauen das anders. Während ich beobachtete, wie Sharon warum beobachtet sie hier Sharon noch nicht genauer? wenn er sie interessiert, sollte sie doch schon jetzt anspringen. schöne haare, knackiger hintern, freundliches lächeln, was weiß ich... meine Cola in den Pappbecher füllte, hörte ich vom Nebenschalter die heruntergeleierte Bestellung eines Flickenclowns.auch der hätte ein wenig mehr beschreibung verdient, denn mit ihm tauchen ja das fastnachtsthema und das triste daran wieder auf.
    "Mit oder ohne Käse?" fragte der Mitarbeiter gerade.
    "Egal!"
    Der Mitarbeiter schaute verständnislos.zweimal "Mitarbeiter". Außerdem hört sie jetzt nicht mehr, sondern guckt bereits.
    "Mit oder ohne Käse?" wiederholte er mit Nachdruck.
    Ich verzog mich mit meinem Pappbecher auf einen Sitzplatz weit weg von den Fenstern in die Raucherecke.war's das schon? keine beschreibung des bezahlvorgangs mit ein paar augenkontakten zu sharon? was ist mit dem flickenclown? warum wird er eingeführt, wenn er sich jetzt in luft auflöst?


    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  12. #12
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Rosenmontag

    Ich glaube, es liegt an diesem Satz, der besagt, daß da nichts an irgendwas erinnert. Ich glaube, dieser Satz sollte sterben, nicht aber das Gefühl des Lesers, da? da eben nichts ist, was an Fasching (öhem, Karneval) erinnert.


    Und jetzt will ich nicht verallgemeinern. Ich lese anders als manch einer. Mir ist es immer noch zu hastig. Ich hab's gern breit. Streichen läßt sich dann immer noch.

  13. #13
    nemo
    Laufkundschaft

    AW: Rosenmontag

    Hallo,
    ganz lieben Dank für den zweiten Teil, allerdings bin ich im Augenblick ein wenig im Stress, da es Anfang April beruflich nach Moskau geht, was vorbereitet sein will.
    Ich sehe zu, dass ich den zweiten Teil so schnell als möglich überarbeitet bekomme, vielleicht klappt es dieses Wochenende noch.


    Gruß,
    N.

  14. #14
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Rosenmontag

    Und wieder eine von den vielen, die in die Weiten Rußlands aufbrach und nimmer wiedergesehen ward...

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