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Thema: Der Meteoriteneinschlag

  1. #26
    Tochter aus gutem Hause
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    Post AW: Der Meteoriteneinschlag

    "Elisabeth"
    Sie hatte mich im Gang erwischt und am Ärmel gezupft. Mein Gehirn gefror unter ihrer Berührung, während mein Herz hüpfte. Ihre Hand auf meinem Ärmel! Die Berührung war nur kurz gewesen, ein Hauch, als ob jemand in jenem Moment eine Kerze ausgeblasen hatte. Dann der abgebrannte Docht. Eine Rauchsäule, die an die Zimmerdecke stieg. Ich spürte diesen Hauch ihrer Hand noch auf mir. Die Berührung hatte einen Abdruck auf meiner Haut hinterlassen. Ich war tätowiert. Tätowiert von ihr. Gebrandmarkt. Innerlich jauchzte ich.
    *Aber eigentlich will ich sie doch gar nicht. Ich mag ihren Hintern nicht. Aber doch. Nein. Ich will nicht.*
    Mein Lächeln wurde leblos.
    "Elisabeth, heute abend bei mir. Eine Party. Du kommst doch. Semesteranfangsparty."
    Ich starrte auf ihre vollen mit Lippenstift beschmierten Lippen.
    *Wie konnte heutzutage noch jemand Lippenstift auftragen? Das war doch völlig out.* Als sie lachte, zeigten sich rote Ränder auf ihren Zähnen. Das hatte sie davon. Die roten Ränder waren doch zu eklig. Verwirrt sagte ich:
    "Ja, ich komme. Wann?"
    "Ab acht?"
    Sie schaute mir mit diesem Grinsen, das so aufgesetzt wirkte, ins Gesicht.
    "Gut"
    Sie wandte mir ihren Buckel zu, darüber das lange dünne rote Haar. Ja, sie hatte einen Buckel, fast wie Rumpelstilzchen.
    *Herrgott Elisabeth, reiß dich zusammen, such dir jemand anderen. Hast du das nötig? Kannst du dir vorstellen, mit Rumpelstilzchen ins Bett zu gehen? Am liebsten hätte ich ihr hinterhergeschrien. "Dumme Sau, was fällt dir ein, dich in meine Gedanken einzuschleichen?"*


    Ich stand vor dem Spiegel, während mein Magen knurrte. Betrachtete mich von vorne. Meine dürren Beine in der beigen 501-Jeans. Oben meine große Brust. Sie war immer noch zu groß. Sie mußte noch kleiner werden. Aber wer weiß, vielleicht stand sie auf große Brüste. Ihre waren mittelgroß. Dann das Hinterteil. Mein Arsch winzig, ein kleiner Pflaumenhintern. Darüber die breiten Schultern. Fast männlich. Während ich mich betrachtete, schlürfte ich den ersten Weißwein. Dann ging ich nocheinmal in die Küche und starrte in den Vorratsschrank. All die Thunfischdosen. Ich hatte wirklich Hunger, aber ich klappte den Schrank wieder zu. Er schloß mit einem leichten Knarren.


    Als ich ankam, war die Party schon in vollem Gang. Ich kam immer zu spät. Ich haßte es, als erste aufzutauchen, zumal ich nie einen Salat oder sonstiges beisteuerte. Ich zahlte immer nur brav meinen Anteil. Ich haßte Küchenarbeiten. Das konnten die Anderen erledigen. Ich für meinen Teil fand es ok, daß ich nur bezahlte. Andre war gerade im Vorraum, als ich eintrat. Er jammerte mit entgegen:
    "Oh je, wo werde ich heute schlafen?"
    Ich strich ihm über die Schultern.
    "Keine Angst, irgendwann werden sie gehen."
    Ich stolperte zugleich über einen Haufen Mäntel und Taschen. Dann ging ich weiter, wollte sie sehen. Sie unterhielt sich mit den schwulen Brüdern aus Amsterdam. Bekannte Grafiker. Die roten Haare der Brüder leuchteten vor der weißen Wand. Wie oft hatte sie mir schon erzählt, daß sie es nicht in Deutschland aushalte und viel lieber in Amsterdam wohnen wolle?


    Natürlich traute ich mich nicht, zu ihr zu gehen. Statt dessen stellte ich mich mit einem Glas Weißwein bewaffnet in die Küche zwischen all die Leckereien. Was würde der Kalorienzahl einer Thunfischdose entsprechen? Vielleicht ein wenig Salat. Ich häufte auf meinen Teller ein paar Salatblätter. Das müßte reichen. Ich fraß sie gierig. Gerade als ich fertig war, tauchte sie in der Küche auf. Ich war froh, daß sie mich nicht Essen gesehen hatte. Ich fand es immer peinlich, wenn ich in jemand verliebt war und derjenige mich dann essen sah. Ich war schon leicht betrunken. Ich schaute ihr tief in die Augen, als ob ich darin etwas lesen könnte. Statt dessen stellte sie sich mit ihrem Rumpelstilzchenrücken hinter mich und begann, sich mit jemand anders zu unterhalten. Immer wieder stieß mich ihr Rücken an, wenn sie lachte. Und das tat sie oft. Ich hatte mir noch ein weiteres Glas eingeschenkt und genoß es, wie immer ihr Rücken mich anstieß. Haut an Haut. Nein, Pulli an Pulli.
    *Ich will deine Poren ermessen. Laß mich hinübergleiten in ein Land von Wärme. Bist du bereit?*


    Ich drehte mich um. Sie strich mir eine Haarsträhne aus meinem Gesicht.
    "Elisabeth, die stört."
    *Es war wieder nur ein kurzer Moment. Anhalten. Schreien. Seufzen.*
    Sie hatte sich schon wieder umgedreht. Einer der Amsterdambrüder war aufgetaucht. Auch ihm strich sie das Haar zurecht. Vielleicht machte sie das, wenn sie betrunken war! Dazu immer noch das Stoßen ihres Rückens, immer wenn sie lachte, immer gegen mich, gegen meinen Rücken.


    *Sie mit sechzig. Ein fauliger weiblicher Rücken an meinem, während wir uns das Bett teilten. Wollte ich das? Nein. Elisabeth besinne dich auf deine Reize und suche dir einen schönen Mann.*


    Gerade in jenem Moment trat einer ein. Das wärs doch. Trotzdem starrte ich zu ihr hinüber. Wie wärs, sie eifersüchtig zu machen? Tatsächlich, er kam auf mich zu. Er hatte elfenhafte lange blonde Haare. Wie Legolas in "Herr der Ringe". Ein richtiger Schönling. Er lächelte, als er auf mich zukam. Er verwickelte mich in ein tamtam. Tamtam. Ich konnte nur tamtam reden. Wir verschlossen in einem Raum, wo nur noch tamtam herrscht. Aber sie, sie dürfte zusehen. Kurz kam ein rosanes Wölkchen angeflogen, aber dann schaute ich wieder auf sie, ihr runder Rücken an meinen breiten Schultern geborgen.
    *Rumpelstilzchen reib mich, rob an meinem Rücken.*

  2. #27
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    Post AW: Der Meteoriteneinschlag

    Ich tauchte meine Hände in Spülwasser. Draußen im Vorraum herrschte Abschiedspoltern. Sie gingen alle und ließen mich mit diesen Geschirrbergen alleine. Ich wollte ihr unbedingt noch etwas gutes tun. Mein Kopf war benebelt von mindestens zwei Flaschen Wein. So konnte ich nicht mehr fahren. Kurz dachte ich, wie ich mich hinter das Lenkrad schwingen würde. Dann konzentrierte ich meinen krankes Gehirn wieder auf die Gläser, Tassen, Teller, die sich vor mir auftürmten. Das Wasser wurde immer ekliger. Je mehr ich darin eintauchte. Gerade als ich das Wasser abließ, betrat Andre die Küche. Er wankte leicht.
    "Und zufrieden? Sie sind am Gehen. Jetzt findest du doch noch etwas Schlaf."
    "Weißt du wie spät es ist, Lissy?"
    "Keine Ahnung."
    "Fünf Uhr morgens. Laß den Scheiß stehen. Den machen wir morgen."
    Aber nein, ich beharrte auf meine Spültätigkeit.
    "Willst du noch heim oder willst du hier schlafen?"
    "Ich glaube, ich kann nicht mehr fahren."
    "Ich mach dir ein Matratze zurecht."
    "Danke."
    Ich spülte weiter. Ich fragte mich, wo er die Matratze hinlegen würde. Es gab nur zwei Zimmer, seines und das von ihr. Sie kam herein und schaute entsetzt auf die Berge von Geschirr. Sie war blaß wie ein Rauhfasertapete. Im Gesicht herrschte Müdigkeit und eine Spur von Abgespanntheit.
    "Elisabeth, laß das. Wir machen das morgen."
    "Nein, ich zieh das jetzt durch."
    "Schläfst du hier?"
    "Ja, Andre macht mir eine Matratze zurecht."
    "Du kannst bei mir schlafen, wenn dich das nicht stört."
    Scheinbar arglos sagte ich:
    "Ja, warum nicht?"
    Sie ging hinaus und verhandelte mit Andre wegen der Matratze.
    Ich nahm einen Teller und tauchte ihn ein. Mein Blick verschwomm in dem Spülwasser.
    *Hör mal, Elisabeth, was willst du jetzt von ihr? Willst du dich mit ihr in ein Bett legen und mit ihr schlafen? Willst du das? Nein, will ich nicht. Aber was willst du dann? Sie streicheln. Sie über das kranke Bein streicheln. Aber sie hat doch gar kein verdammtes krankes Bein. Vielleicht der Rücken? Der kranke Rücken? Aber sie lebt doch verdammt gut damit.*
    Ich nahm den Teller und stellte ihn in den Geschirrkorb. Mechanisch wie in Trance spülte ich weiter und immer weiter, während meine Gedanken immer zu dieser verdammten Matratze huschten. Wie es wäre, wenn ich neben ihr läge. Ob sie auch nicht schlafen können würde? Schließlich war ich fertig. Ich hatte die Teller der gesamten beschissenen Party gespült. Dabei wollte ich das doch gar nicht. Ich haßte Küchenarbeiten. Ich trocknete meine Hände, dann ging ich hinaus in den Gang. Die beiden Türen. Ich wu?te, wo Andre schlief. Ich schaute kurz zu ihm hinein. Aber er schlief schon. Leise, wie ein Dieb, zog ich die Tür wieder hinter mir zu. Ich öffnete die andere Türe. Ein schwaches Licht.
    *War sie noch wach? Bitte, laß sie noch wach sein. Vielleicht könnten wir reden. Irgendwas, aber laß sie verdammt nochmal nicht eingeschlafen sein.*
    Ich sah das rote Haar auf den weißen Kissen. Wie ein Blutfleck, der sich langsam über einen Körper ausbreitete. Es war nicht ersichtlich, ob sie schon schlief. Ich tapste in das Zimmer auf leisen Sohlen. Dann zog ich mir die 501-Jeans aus, die Socken, den Rest ließ ich an. Ich haßte es zwar im BH zu schlafen, aber heute war sowieso alles anders. Dann drehte ich mich zu ihrem Bett um. Sie schaute mir zu. Ich biß mir auf die Lippen. Das war ja wie in einer billigen Peep-Show.
    *Mensch sag was. Ich hab sowas noch nie gemacht. Einen Ton von deinen Lippen. Ich habe verdammt nochmal noch nie mit einer Frau...*
    Sie schaute und schaute nur und sagte nichts.
    *Das kann nicht sein. Ich bin in einem schlechten Film. Was soll ich jetzt machen? Soll ich mich zu ihr legen? Oder soll ich meine dumme Matratze besteigen. Mensch, sag doch endlich was! Sonst bist du auch nie um ein Wort verlegen.*
    Kurz meinte ich, ich hätte ein Winken von ihrer rechten Hand vernommen. Aber da ich nicht mehr so ganz klar war, hätte es auch reine Einbildung gewesen sein können. Ich wußte auch nicht, wie ich sie hätte ansprechen sollen. Prof. Hahn wäre in jenem Moment wahrscheinlich falsch gewesen. Ich wußte zwar ihren Vornamen. Melanie. Ja, sie hieß Melanie. Aber sollte ich jetzt Melanie zu ihr sagen? Bloß weil wir zufälligerweise in einem Raum schliefen?


    Dann breitete sie ihre Arme aus und sagte:
    "Lissy, kommst du jetzt?"
    *Die war nun bestimmt keine Einbildung mehr. Das war real.*
    Ich trat auf das Bett zu in meinem schwarzen T-Shirt bekleidet und legte mich zu ihr. Und dann fing es an. Mein Herz pochte bis zum Anschlag. Ich wußte nicht, wie ich umgehen sollte mit dieser Situation. Sie begann, an meinem T-Shirt herumzufummeln. Ich konzentrierte mich auf ihr linkes Bein. Es war verdammt nochmal durchblutet. Ein normales Bein. Ich zwickte sie. Sie schrie:
    "Lissy, was machst du?"
    "Och, ich wollte nur dein Bein testen."
    "Warum machst du das?" raunte sie.
    "Ach nur so."
    Sie zog mir das T-Shirt aus und betastete meine Brüste.
    *Willst du das wirklich? Willst du, daß sie dir an die Brust geht? Soll ich sie jetzt ficken? Soll ich ihr meinen Finger reinstecken?*
    Ich tat es wirklich. Und sie kam auch.
    *Aber jetzt, laß mich verdammt nochmal in Ruhe. Ich will kein Getapse mehr auf meinem Körper. Andere haben schon zu viel kaputt gemacht.*
    Sie schlief auch tatsächlich ein. Und ich daneben pulsierte auf und ab.
    *Was war das? Ein geiler Fick? Was willst du von dem Menschen, der neben dir liegt. Das ist kein Mann, das ist eine Frau.*
    Ich strich ihr über die weiße Schulter. Aber mir fehlte jedes Gefühl von Zärtlichkeit. Es war nur eine Ausrede. Wie konnte ich nur? Ich sehnte mir den Morgen herbei und hoffte auf ein schales Etwas. Nur nicht das. Ich rollte mich weg von ihr und fiel auf meine Matratze.
    *Mensch Elisabeth, was ist mit dir los. Jetzt hast du es erreicht und nun das.*
    Ich schlug mich von einer Seite auf die andere, hoffte Schlaf zu finden, aber er war mir nicht vergönnt. Irgendwann gegen Morgen mußte ich doch eingedämmert sein. Denn als ich erwachte, war ihr Bett leer. Leiser Operngesang drang aus der Küche in das Zimmer.

  3. #28
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    Post AW: Der Meteoriteneinschlag

    Ich wälzte mich in dem Bett. Ein pfundschwerer Kopf auf meinem kleinen Körper. Ich lauschte der Stimme. Sie kam immer näher an mein Bewußtsein. Das war ihre Stimme. Sie sang und ich lag hier klebrig gehüllt in das dünne Laken. Sie sang, während ich hier lag und meinem Körper einen Peitschenhieb geben könnte. Mein Körper geschmolzen zu siedendem Blei.
    *Das kann nicht sein. Sie singt und du liegst hier. Ich habs ihr gegeben und nichts zurückbekommen. Sie ist einfach eingeschlafen. Und hat sich dann davongestohlen, ohne zu erwarten, daß ich erwache. Aber sei doch froh. Du willst sie doch gar nicht wirklich. Sie ist ein Phantom, dem du hinterher jagst. Sie ist ein Urtier. Ein Instinkt in dir. Irgendwo begraben in deiner Scheiß-Kindheit.*
    Ich hätte wimmern wollen, meinen Kopf in die Arme legen und mich weggeben wollen, aber es kam nur ein trockenes Etwas. Wie abgestorben. Ein toter Baum. So ein Art Kloß im Hals, der sich nicht lösen will. Ich schien ewig zu lauschen. Plötzlich erwischte sie einen falschen Ton. Ich schmiß mich in meine Hose, nahm die Türklinke, schoß in die Küche und sagte:
    "Der Ton war falsch."
    "Ich singe wegen meinem Rücken."
    *Welch nette Entschuldigung. Hast du verdammt nochmal keine nettere Ausrede parat? Ich werde mich solange an dir reiben, bis du gestehst, was das soll.*
    "Ach so, der Rücken, ich vergaß."
    *Ich hätte ihr am liebsten entgegengeschrien, daß das halbe Semester sie Rumpelstilzchen taufte.*
    Die Begleitmusik sang weiter, während sie sich die Beine rieb. Ich stand wie verhext im Türrahmen. Dann wandte ich mich ab, packte meine Tasch und ging, ohne ein weiteres Wort. Vielleicht hätte ich damals nicht so gehen sollen, aber mir war danach. Ich setzte mich in den Park und lauschte den Vögeln. Ich vermißte die Brotkrummen, die meine Mutter immer den Vögeln zuschmiß. Ich fühlte mich alleine.


    Als ich zuhause ankam, fand ich dieses weiße leere Blatt. Es starrte mich so an wie ein hohläugiges Kind, wenn Kinder überhaupt so schauen können. Vielleicht war es die unbefleckte Empfängnis Marias, die mich in jenem Moment berührte. Vielleicht war es auch die Hand von Gott, die mich leitete. Ich war sichtlich entrückt, als ich begann das Papier vollzuschreiben. Es handelte von Zerissensein, Zerwürfnissen, ewigem Kreisen von Gedanken. Ich könnte das nie jemandem zeigen. Wahrscheinlich würden sich die Leser den Bauch halten vor Lachen, wie viele Möwen dort am Himmel geflogen sind und dann abgestürzt sind. Immer sind sie abgestürzt in eine schwarze Masse, bis sich dann wieder ein neuer Vogel in den blauen Himmel erhob und erneut abzustürzte. Ich hatte mindestens 10 Seiten vollgeschrieben. Dann las ich das ganze nocheinmal. Mir wurde komisch zumute. Ich zeriss die Seiten und kippte sie in den Müll.


    Dann legte ich mich ins Bett. Ich war nicht müde, aber mir war klar, daß ich schlafen sollte. Ich dachte an ihr Herz. Ihr pulsierendes Etwas. Ich hatte es versäumt, die Hand an diese Stelle zu legen. Ich hatte versäumt, sie leben zu spüren. Ich konnte mich auch nicht an einen schweren Kopf erinnern, der im Schlaf auf meiner Brust lag. Ein schwerer Kopf, der einen selbst schwer machte und einen schlafen ließ. Ich war hellwach. Hatte meine Chance verpaßt. Schlaflosigkeit, das war das einzige, was die nächste Zeit zu überdauern schien.


    Ein kurzer Traum. Sie hatte einen einzigartigen Anzug an. Er ließ die Dinge dreidimensional sehen. Sie lieh in mir. Ich hatte ihn an, wollte ihn ihr zurückgeben. Ich fuhr mein Auto durch viele Straßen. Ich wußte nicht, wo ich vorher gewesen war. Ich konnte sie nicht mehr finden. Ich behielt den Anzug an. Dann schreckte ich aus dem Schlaf hoch.


    Erneut diese rote Brille. Frau Dr. Wagner schaute mich herausfordernd an.
    "Sie schlafen also schlecht. Können Sie mir den Grund sagen?"
    "Ich, ähh, ich weiß es nicht."
    *Das gab ihr Anlaß zu bohren. Ich war mir sicher. Ein anderer Therapeut hätte sich ausgelassen darüber, wie es war bockig zu sein. Aber sie, ja, sie würde beharren auf meine Schlaflosigkeit und versuchen den Grund herauszubekommen. Welch ekelhaftes Monster saß mir gegenüber.*
    "Sie hatten beim letzten Gespräch diesen verheirateten Mann erwähnt. Gibt es jemandem jetzt in Ihrem Leben, der ihm vergleichbar wäre?"
    *Sie hatte mich erwischt, die Alte. Sie wollte mir das Blut aus den Rippen saugen. Ich wurde rot wie ein verdammter Granatapfel. Auch wenn ich auf meinen rationalen Geist beharrte, ich war feuerrot.*
    "Sie sind ja rot geworden, Frau Wolf. Hat das einen Grund? Erzählen Sie mir jetzt endlich, wie es Ihnen geht?"
    *Niemals, niemals würde ich ihr ein Wort erzählen. Nicht dieser alten Giftspritze. Ich stellte mir vor, wie Prof. Hahn ihr gegenüber saß und was sie ihr erzählt hatte. Ich fragte mich, was Prof. Hahn an diesem Etwas gefunden haben mochte. Da mußte doch irgendwas sein. Aber wie kam ich jetzt aus dieser Situation heraus?*
    "Irgendwas hat meinen Kopf versengt. Ich weiß nicht was, da war irgendwas, aber das kann man nicht erzählen. Ich habe geschrieben."
    "Es interessiert mich nicht, was Sie geschrieben haben. Können Sie mir davon erzählen?"
    *Ich wand mich wie ein Gummi. Mein Kopf stand auf dem Schlauch.*
    "Erzählen, nein, vielleicht werde ich das irgendwann aufschreiben. Geben Sie mir noch etwas Zeit?"
    "Wir haben keine Zeit, wenn Sie nicht schlafen können."
    "Vielleicht sind es die Träume, die mich wachhalten. Sie, ja Sie haben mir die Aufgabe gegeben, meine Träume niederzuschreiben. Das Ganze kocht über. Merken Sie das nicht? Vielleicht sollte man lieber den Deckel auf den Topf setzen und ihm etwas Ruhe gönnen."
    "Das ist keine Therapie."
    "Ich scheiße auf Ihre Therapie!"
    Ich stand wutentbrannt auf und ging. Ich machte nichteinmal mehr den nächsten Termin aus.

  4. #29
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Der Meteoriteneinschlag

    Da hat jemand seinem Affen Zucker gegeben. Belangloses Geplapper, das eher an die Thematik "Schreiben als Therapie" erinnert denn künstlerisch genannt werden kann. Es fehlt an Verdichtung, der systematischen Entwicklung eines Erzählstranges und der Ausgestaltung.

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