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Thema: In Portugal

  1. #1
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    Post In Portugal

    In Portugal
    (eine Eichengeschichte)


    Trockenheit herrschte.
    Als der Bauer und sein Messer
    an ihrer Haut fingerten
    dachte sie an die Sonne.


    Kaum stand sie nackt
    Stürzte Durst hinab
    Zum nächsten Brunnen.


    Die Krone blieb ihr
    Immergrüne Einladung
    Unter eigenem Schatten.


    Sie trank für Jahre dort
    der Trockenheit.

  2. #2
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    AW: In Portugal

    Hallo Trist!

    Heterogen, mein Eindruck zunächst. Da ist die Betitelung, meiner Meinung nach viel zu episch. Ich mag keine Klammern. Was man in Klammern sagt, kann man auch "richtig" sagen, oder man sagt es gar nicht. Bei "In Portugal" denke ich an eine Milieustudie, Reiseskizze oder eben an flachen, getrockneten Fisch oder eben an gegrillte Sardinen am offenen Feuer am Strand... oder naja...eben vielleicht auch an Korkeichen, obwohl die neuesten australischen und südafrikanischen Rebensaftabfüllungen bereits mit ach so originellen Verstopfungen aus Plastik aufwarten, denn Korken kann man das ja nicht mehr nennen. Wäre aber ganz gut für Deine Eiche und ihre Kindeskinder dann, denn dann müsste der arme Korkbauer, gibt es den noch?, nicht mehr unbeholfen mit einem Taschenmesser an ihr herumfummeln.
    Die erste Strophe erscheint dicht von der Atmosphäre her und lässt einen die kleine sprachliche Unlogik schnell überlesen. Hier liegt ein durchaus beabsichtigter theatralischer Effekt vor: Der Bauer und sein Messer. Pah! Alle beide. Klar, der Bauer mit seinem Messer, das hörte sich zu sehr nach gewohnheitsmäßigem Handeln an. Aber dann passt das "fingerten" nicht mehr, denn ein Messer "fingert" nicht, es schneidet, es hat keine Finger, es schneidet höchstens in ebensolche. Rinde und Haut...mag ich...guter Vergleich. Aber fingert man an der Haut? Weiß ich nicht. Zweite Strophe: Bildlichkeit nachvollziehbar: Nacktsein gleich ausgeliefert sein der Sonne gleich Durst wenn trocken.
    Nächste Strophe: Die Krone blieb ihr, weil der Bauer... usw. deshalb das "blieb". hat sie also Schatten...aber Moment mal...eben hatte sie doch noch Durst, weil der Bauer...usw. Jetzt bin ich verwirrt.
    Letzte Strophe: Will ein Ende sein, eine Rundung, ein Wiederbeleben des Wortes Trockenheit aus der ersten Strophe.

    Fazit: Eine Eichengeschichte wie sie in Portugal passieren kann. Ich frage mich, was dieser Text mir bewirken soll? Gelesen habe ich ihn mehrmals, finde aber nur die Botschaft eines verstreuten Ich, das eine Beziehung zu einer Korkeiche aufbauen will, bei der ein Bauer zu Beginn stört, weil er mit seinem Messer fingert. Aber irgendwo hat dieses Gedicht etwas einschmeichelnd Anheimelndes, ich weiß es genau, ich kann es mir nur nicht erklären, weil wenn ich anfange zu erklären, dann...s.o.
    Muss man denn immer alles erklären und analysieren? Muss man denn immer alles zer-reden? Kann man nicht manchmal auch den Eindruck der Worte wirken lassen und dann sagen: War gut? Warum eigentlich nicht?

    herzlichst uis

  3. #3
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    AW: In Portugal

    liebe trist
    ich glaube,in diesem text steckt sehr,sehr viel drin. manchmal ahnbar nur.uis hat es angedeutet. die eiche vermenschlicht.worum geht es? um eichen? um menschen? der untertitel eine ablenkung und irreführung?
    eiche ist auch ein symbol für stolz und unbeugsamkeit.
    ich lese etwas ganz anderes in deinem text,als uis es tut.aber ich möchte es nicht benennen.
    ich sage nur,dass du - für mein empfinden, etwas in diesen text sehr verschlüsselt vergraben hast. unter der eiche quasi.


    mein kompliment.dieses gedicht ist eines mit unendlich viel tiefe und ausdruck.
    allerdings muß der leser sich mühen,will er denn verstehen. und ich denke,dass ist so gewollt...


    gruß .... decariot

  4. #4
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    AW: In Portugal

    Dieses Gedicht birgt ein menschliches Drama.
    Frauen wissen es.
    Es ist unglaublich geschickt verpackt!!
    Subtil bis an die Schmerzgrenze...
    Aber vielleicht lesen Frauen auch anders (decariot hier jedoch ausgenommen, der ja auch ähnliches offenbar empfindet).


    Starker Text!

  5. #5
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    AW: In Portugal

    Gut dem Dinge. Decariot und Gegenströmung haben ganz im Freudschen Sinne reagiert auf das Textlein. Dürfen sie ja auch. Für eine solche Reaktion ist mir der Text aber wesentlich zu plump angelegt, weil bei dem Wort "fingern" jeder drauf kommen kann. Was hier nicht unbedingt stimmig ist, das ist das Bild der Eiche, das Bild eines dürstenden Baumes in Portugal. Dort gibt es genug Regen und solange der Baum eine solch prachtvolle Krone hat, wird er nicht verdursten. Wozu sind Baumkronen da? Darwin lässt grüßen auch im Reich der Pflanzenwesen. Insgesamt ist die Bildlichkeit nicht stimmig durchgehalten, sie ist den von Robert an andrer Stelle beschriebenen brachial-romantischen Trieben zum Opfer gefallen.

  6. #6
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    AW: In Portugal

    Lieber Uis, du magst mit manchem Einwand richtig liegen, mit deiner Kritik an Stilistik zum Beispiel. Inkonsequenz im Bild jedoch sehe ich hier nicht. Darwin hat nicht mit Bauern und Messern gerechnet, Uis.


    Die Korkernte erfodert sensible Regeln, die ich durchaus vorher recherchiert habe.


    Geerntet wird in den Korkeichenwäldern von Anfang Juni bis Ende August, also in der heißen Jahreszeit, bevor der Saftstrom in den Bäumen versiegt. Zum Schälen der Korkrinde braucht man viel Erfahrung, um den Baum dabei nicht zu ruinieren. Korkeichen haben eine Lebenserwartung von ungefähr 165-200 Jahren. 30 Jahre dauert es vom Pflanzen des Baumes an, bis eine Eiche zum ersten mal geschält werden darf. Alle 9 Jahre kann man den Baum wieder ernten; diese Zeit ist erforderlich, damit sich eine neue Korkschicht bilden kann. Natürlich schält man nicht bis auf das Holz herunter; eine dünne rötliche Mutterschicht sollte erhalten bleiben. Unter ihr wächst wieder neuer Kork. Der Kork wird nur vom Stamm und den Ästen eines bestimmten Umfangs geerntet. 20 % der Rinde muß stehen bleiben, damit der Baum nicht austrocknen kann. Die Mutterschicht, die den Baum vor dem Vertrocknen und vor Infektionen bewahrt, ist einen guten halben Zentimeter dick. Jetzt regeneriert sich die Korkschicht und wächst jährlich eineinhalb bis 4 mm nach; je nach Standort, Boden, Klima und Alter des Baumes.

    Lieben Gruß von
    Trist

  7. #7
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: In Portugal

    Nicht gelungen, aber ausgesprochen verdichtet. Und diese Tendenz Deines Schreibens gefällt mir.
    Ich glaube - im Gegensatz zu Uis - hier schon, daß Du eine Geschichte erzählst. Und der Lyriker in mir folgte Dir und trat in diese Spuren, die er fand im Verwehten.
    Nicht nur Frauen wissen um Trockenheit und dieses Ritzen, was doch immer Suche nach dem Enttrocknen ist.
    Nur der Bezug zu PORTUGAL will mir nicht recht einleuchten. Dieser Ort ist eben nur das, kein Topos. Doch noch eine Strophe? Weiß nit.

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: In Portugal

    Lieber Robert, danke für dein Geschichtenlesen hier.


    Vergesst den Titel, bitte. Er ist noch nicht der Passende. Ebenso war der Untertitel lediglich Hinweis auf eine Reihe von Eichentexten, an denen ich schreiben möchte.


    Nebenbei: Es gibt ja bekanntlich kein Wort für "keinen Durst mehr haben". Fanta oder so hat mal einen "Kreativwettbewerb" für eine Wortschöpfung ausgeschrieben. Als Sieger kam das Unwort "sitt" heraus. Enttrocknung gefällt mir besser. Aber dennoch frage ich mich, warum es in unserer geliebten Sprache kein Wort gibt, das diesen schönen Zustand beschreibt. Haben wir immer Durst?


    Lieben Gruß von
    Trist

  9. #9
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    durstsatt

    Durstsatt, ganz einfach.


    Der Zustand heißt durstsatt,
    wenn Mann keinen Durst hat.

  10. #10
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    durstsatt

    Keinen Durst mehr haben. Wie wäre es mit "glücklich"?

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