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Thema: Als die Bäume

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Post Als die Bäume

    Die Glockenblumen, die blauen,
    mußten das Schlimmste erleiden.
    Zertreten wurden die einen,
    die anderen völlig geknickt.


    Einst, als die Bäume noch laufen konnten, stob ein weiß glühendes Einhorn vor der Dämmerung einher. Von ihm barst das Licht in Funken, floß und fiel, als bräche die Milchstraße auf, und mit seiner Mähne schüttelte das Elfenwesen güldenen Lachstaub über den Wald.
    Am frühen Morgen schon war der Forst Ort überschäumenden Durcheinanders. Lärchen hüpften und trällerten in höchsten Tönen Juchheißassa, Fidirallala!. Eichen und Buchen tanzten eng umschlungen. Unter ihren hölzernen Schritten zitterten Erde, Himmel und an wenigen Pfaden selbst noch die Pappeln. Kastanien spielten mit ihren Früchten Ball, die Birken springginkerlten wild umher, strichen mit kräftigen Zweigen und Blättern die Wiesen grün. Kiefern, Föhren und Fichten wälzten sich aus purer Lebenslust auf der Erde, zerknickten übermütig Glockenblumen und Klee, Nahrung der verschreckten Tiere des Waldes. Nur die Tannenbäume standen still, sahen dem fröhlichen Treiben zu und schwiegen.
    Den ganzen Tag ging es den Tieren schlecht, nicht nur weil die hin- und herrennenden, auf- und abspringenden Bäume jeden saftigen Halm zertrampelten, jedes kleinste Samenkörnchen mitleidslos in den Boden stampften, sondern auch noch hier ein Reh umstießen, dort dem Hasen auf die Zehen stiegen und die Nester der Vögel mit Hopsassa aus ihren Ästen schüttelten. Genug: Hirsch, Wildschwein und der große Uhu beriefen um Mitternacht, als die Bäume gerade ein wenig schliefen, eine Versammlung aller Waldbewohner in der Tannenschonung ein, wo sie sich noch einigermaßen sicher wähnten.
    "Was sollen wir nur tun?"
    Die Tiere beklagten sich bitterlich.
    "Die spinnen, die Bäume! Wenn sie so weiter toben, sind wir bald alle platt!"
    "Stellt euch vor", fiepte ein Backenhörnchen, "so ne dicke Eiche setzt sich auf meinen Bau und lacht sich obendrein noch einen Ast!"
    "Und ich", schrie der Biber aufgebracht, "vermag sie nicht mehr zu nagen, sie laufen alle davon!"
    "Ohjemineh, ohjemineh, wir kommen alle noch dran!" klopften die Spechte.
    "Und wer trägt die Schuld?" frug der Fuchs. "Ich sage es euch, dieses weiß glühende Einhorn ist schuld. Also kann nur es uns helfen aus unserer Not. Wir müssen es rufen, sein Horn durch unsere Klagen erschallen lassen!"
    Vielstimmiges Jammern weckte das Einhorn, schon stand es im Tannengrund mit wallender Mähne und Ehrfurcht gebietendem Blick, die Asche unzähliger Zeitalter auf seinem Haupt, doch auch den Schalk im Nacken. Das Horn tönte: "Ihr wollt Hilfe von mir? Gut, ich werde sie euch gewähren! Wählt den säbelzahnigen Papiertiger zu euren Anführer, er ist ein gar furchtbarer Geselle und wird die Bäume schon bändigen. Nehmt ihn, denn er ist einer aus eurer Mitte!? Sprach's und verschwand zwischen dichten Büschen, doch nicht ohne noch schnell eine weitere Prise des Lachstaubs auszuschütten.
    Die Tiere des Waldes blickten sich um, und wahrhaft, mitten unter ihnen saß riesengroß ein gelb-schwarz gestreifter Tiger, welcher bisher nichts gesagt, weil er sich seiner großen Säbelzähne so schämte.
    "Ja, seht ihn euch an, wie schrecklich er ausschaut! Der Papiertiger ist genau der richtige, die Bäume zu zähmen!" krächzten die Krähen, und alle Tiere stimmten zu.


    Es glühte der Osten, doch noch war nicht Tag. Die Bäume erwachten, begannen sich zu regen, spürten Lust auf Tanz und Leben. Die Buche zuckte schon mit den Wurzeln.
    "Hallo, ihr guten Bäume", murmelte der Tiger schüchtern aus dem linken Mundwinkel - er schämte sich immer noch, seine gewaltigen Säbelzähne zu zeigen. "Könntet ihr vielleicht so lieb sein und still stehen. Es wäre irgendwie besser für die natürliche Ordnung. Glaube ich wenigstens... oder so."
    Als die vielen gewaltigen Bäume den aus ihrer Sicht winzigen Papiertiger erblickten, sein zaghaftes Gemurmel hörten, brachen sie in infernalisches Gelächter aus - der Lachstaub wirkte. Höllische Tränen aus Harz liefen über ihre Rinde, und vor lauter Übermut zertrampelten sie noch die letzten blauen Blumen.
    Da glühte verzehrendes Feuer in der Brust des Tigers, Verehrer der Glockenblumen. Wütend riß er sein Maul auf - die gewaltigen Säbelzähne drohten gar schauerlich - und brüllte mit solchem heiligen Zorn, daß sich die Äste der Bäume bogen: "AAAAAHHH RUUAAAHHH!!!" Es war ein bayrischer Papiertiger. "Ihr Hurenbahm, ihr hundsmiserabligen Hoizstämm, wann ned glei a Ruah is, zareiß I eich oisam midanand in Stügge und mach aus eich Bücha!"
    Alles, nur das nicht, Bücher! Schock: Starr vor Schrecken wagten sich Eiche, Fichte, Lärche und Buche nicht mehr zu rühren. Wo sie gerade standen, krallten sie sich in den Boden, wurzelten tief in der Erde, und ihr Lachen verhallte im Wind auf immerdar. Alles, nur keine Literatur!

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Als die Bäume

    Lieber Hannemann,


    ein neuer Text? Ich freue mich
    Ich nehme ihn mir heute abend vor. Für jetzt (ich habe ihn nur überflogen, denn die Arbeit ruft) kann ich schon mal sagen:
    Ein typischer Text aus deinem Baukasten.
    "Wir basteln uns eine Hannemanngeschichte".


    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Als die Bäume

    Lieber Hannig, gut! Gut, dass dich dieses Thema nicht loslässt. Vorerst scheint es mir Ideensammlung zu sein. Trotz auch ein wenig? Aber warte ich mal ab, in Spannung, wie es weitergeht im Thema.

    Lieben Gruß von
    Trist

  4. #4
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Als die Bäume

    Anlaß zu dieser Fingerübung war die Erzählung eines uralten indianischen Schamanen, in welcher er voller Überzeugung behauptete, seine Vorfahren wären den Regenbogen hinabgestiegen zu einer Zeit, als die Bäume noch laufen konnten.

  5. #5
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: Als die Bäume

    Nicht gelungen. Für einen Witz zu lang, für eine Parabel zu zerfasert und für eine Geschichte schlichtweg ohne klare Motivation ihrer Handlungsträger.

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