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Thema: lyrische Splitter: Wenn du wüßtest (Für C.)

  1. #1
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    Post lyrische Splitter: Wenn du wüßtest (Für C.)

    I.


    Wenn das große Leben von dir wüßte,
    wenn das gewaltige Leben von dir wüßte,
    dann hätte es dich nicht aus seiner Mitte wegbefohlen
    und hätte dich nicht ins Haus seiner Feinde gesetzt,
    und wenn du das weißt,
    dann weißt du auch von mir,
    und unsere Welt,
    die werden soll,
    die können nur wir zerstören
    durch Gleichgültigkeit.




    II.


    Wenn es keine Ungleichheit gäbe,
    so hätten wir nur eine Form,
    und wir hätten nur eine Form,
    und Gott,
    ja,
    dieses eine Lichtwesen samenstrunkener Sehnsuchtssuche,
    hätte uns beide gleichgemacht
    und dich nicht zur Frau.


    So aber stehe ich in dir,
    von dir,
    als Abbild beider Enthaltungen zur Vollkommenheit.

  2. #2
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    AW: lyrische Splitter: Wenn du wüßtest (Für C.)

    Ich trau Dir schliesslich nicht und denke, Du kennst sie wohl, die C.

    Ich erlaube mir, ein bisschen die Gedanken, wie sie mir kommen, festzuhalten. Am Schluss bleibt vermutlich nichts, nichts Fassbares. Ich weiss es bereits, ich, der unbefangene Leser, ich, der C. und H. und J.

    Warum hätte das grosse Leben das Du zurückbehalten, wenn es denn nur vom Du wüsste? Weil das Du am Ende, im Haus der Feinde, dem grossen Leben gefährlich werden könnte? Weil es am Ende das grosse, gewaltige Leben – kennt?

    Es ist nicht die Liebe zum Dichtertum, es ist die Liebe zur Philosophie, die Obiges dem luftigen Harten diktiert hat, so denke ich. Und die Liebe zur C.?

    Wenn das Du weiss, was das lyrische Ich weiss, dann weiss das Du vom Ich, weiss die Frau vom – Mann? Und dies Wissen ist wichtig, weil daraus eine Welt entstehen kann und soll. Eine Welt, die nicht entstehen kann, wenn dies Wissen nicht für wertvoll genommen, sondern mit Gleichgültigkeit behandelt wird. Keine Begründung, keine Anschauung, nur Behauptung. Nur?

    Im II. dann das Erkennen, das wiederum philosophisch daherk?mmt, letztlich: es gibt keine Gleichheit: sonst wär das Du nicht Frau, das Ich nicht – Mann?

    Der Schluss bleibt rätselhaft, selbst in seiner Deutlichkeit. Beide Enthaltungen zur Vollkommenheit heisst wohl: Nur zusammen, als ein Drittes, das sich ergibt durch Mann und Frau, wäre die Vollkommenheit gewährleistet. Das lyrische Ich vereinigt als Abbild von Mann und Frau diese beiden Enthaltungen zur Vollkommenheit. Aber was, wer ist dies lyrische Ich? Kann es denn Mann sein, nur Mann, wenn es Abbild beider Enthaltungen ist?

    Er verwirrt, je länger ich über ihn nachdenke, der Splitter. Ist mir ein Splitter im Auge. Man muss sich mit ihm beschäftigen. Das ist seine Stärke.

    Was ist mir unklar, wo kommt mein Denken nicht mehr mit?

    Da ist der letzte Satz, der mir das lyrische Ich verschleiert.
    Da ist die Schlussfolgerung: und wenn du das weißt,
    dann weißt du auch von mir. Warum?

    Letztlich hinter der Aussage des Ganzen: Ein Fragezeichen gehört da schon gesetzt.
    Na ja. Mir gefällt er jedenfalls, der lyrische Splitter. Trotzdem und deswegen.

    Natürlich hätt ich gern, aber... Ich nehme nicht an, dass der luftige Harte genug Exhibitionist ist, um seine Absicht mit Obigem glasklar zu erläutern, um zu erklären, was wie wo? Damit ich ihm dann sagen kann, inwiefern er was wie wo eingelöst hat, und inwiefern nicht?

    So. Und man verzeihe mir meine vielleicht etwas wirre Ausdrucksweise: denn ich weiss nicht, was ich sagte.

    greetings,
    Mr. Jones

  3. #3
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    AW: lyrische Splitter: Wenn du wüßtest (Für C.)

    Das sind ein paar ausgesprochen freundliche Worte,lieber Jonathan. Vielen Dank hierfür.


    Ich glaube, der Schluß ist das Vordirstehen, kein Vondirstehen. Ich bitte um Entschuldigung. (Wenn dieser Lapsus jetzt einem Gastdritten geschehen w?re, so hätt ich laut gejault und mich betrogen gefühlt.)


    Ich habe über die eigentliche Bedeutung der Vereinigung von Mann und Frau in der letzten Zeit ein wenig mehr als sonst nachgedacht. Nennen wir diese Zeit des Frühlings die Zeit dieses Grundverlangens, sich eben zu vereinigen, zu suchen, was der Winter nicht zuläßt, vielleicht zuläßt, zumindest aber nicht befördert - obwohl, wenn ich da an ein Rendezvous im Jänner 1987 denke, da konnte es nicht kalt genug sein, die Herzen waren heiß und ein stilles Örtchen fand sich -; also: Jetzt bin ich älter geworden und reiß einer Frau nicht gleich die Wäsche vom Leib, wenn ich sie begehre. Ich spiele erst ein Weilchen, will wissen, ob sich die Kraftanstrengung auch lohnt. Aber dann - einmal verloren, will ich mich fortbewegen wie ein Tier... (Doch dazu jetzt nichts.) Und welche Spielwiese ist die schönste? Ich glaube, die des Geistes, die der mutmaßlich zweitinstanzlichen Vereinigung, die kaum einer erreicht, wenn er den schnellen Ofenschuß getan. Ich will die Sehnsucht wissen, will das Lächeln bis in den Schoß verfolgen können, will das zarte Pflänzchen pflücken, um es vom dunklen Bodensatz zu befreien. Es ist allerliebst, einen wippenden Fuß im Gleichtakt mit den Knospen hinlänglicher Bereitschaft zu folgen, aber noch schöner ist es, den Lauf verwobener Schenkel zu folgen, am allerschönsten ist es, dem Laufe des Wortes zu folgen, denn dem rechten Wort folgt die Geste, das Lächeln, der Kuß. Das stehende Jetzt der Begierde ist der Kuß.


    Ja, so in der Art wollte ich Mitteilung geben.

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: lyrische Splitter: Wenn du wüßtest (Für C.)

    Etwas das anders ist anschauen, bewundern, lieben können.
    Das Anderssein aushalten wollen und können.
    Vollkommenheit im Anderssein, im Anderen sehen, ohne sich unvollkommen zu fühlen. Nicht Gleichgültigkeit - Ungleichheit lassen können.
    Nicht Enthaltung - aushalten, lassen...

  5. #5
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: lyrische Splitter: Wenn du wüßtest (Für C.)

    einer meiner wenigen lyrischen versuche, meist geboren aus dem verlangen für etwas unerreichbares

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