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Thema: Nacht

  1. #1
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    Post Nacht

    Nacht


    Geschlossen, sagt das Schild
    Im Fenster ihres Lächelns.
    Es wendet sich ein letzter Kunde,
    Klopft nicht einmal an.
    Er wirft der Alten vor der Tür
    Noch einen Taler zu: für Brot!
    Und nimmt das letzte Helle
    Mit sich auf den Weg.


    Drinnen kehrt ihr Blick zur Zeit zurück.
    Die langsam geht durch diese Nacht, wie sie.
    Warm ist die Kachel in der Küche.
    Die Stunden kauern sich in ihre Nähe
    Und lassen Duft zurück.


    Die Alte schläft. Hat Brot gegessen.
    Ein Lächeln blüht aus ihrem Mund.

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Nacht

    lass mich, trist, so im vorbeigehn, dir dies kurz zusagen, wie ein hallo fast:


    Geschlossen, sagt das Schild
    Im Fenster ihres Lächelns.


    >>>ihres lächelns. aber wer ist sie? nicht die alte jedenfalls... aber was ich ja eigentlich hierzu loswerden wollte: mit dem satz hast mich.

    Es wendet sich ein letzter Kunde,
    Klopft nicht einmal an.


    >>>auch hierzu, ab und an eine klitzekleinigkeit: der kunde wendet sich ab, und dies ab vermiss ich, vermiss ich im hinblick aufs kommende an.


    Er wirft der Alten vor der Tür
    Noch einen Taler zu: für Brot!
    Und nimmt das letzte Helle
    Mit sich auf den Weg.


    Drinnen kehrt ihr Blick zur Zeit zurück.
    Die langsam geht durch diese Nacht, wie sie.
    Warm ist die Kachel in der Küche.
    Die Stunden kauern sich in ihre Nähe
    Und lassen Duft zurück.


    >>>gefällt mir. irgendwie. vor allem die zweite. aber irgendwie wirkts dann auch nicht sehr einheitlich. "warm ist die kachel in der küche." ein sätzlein, das ich nicht missen möcht hier. gleichzeitig ists das einzige sätzlein, das nichts mit zeit zu tun hat in dieser strophe, recht eigentlich: eine achse zwischen den zeiten dieser strophe.
    eine frage bleibt. ein bild, das mir nicht ganz logisch scheint: wenn doch die küchenkachel warm ist, weshalb kauern dann die stunden sich in ihre nähe, als wär ihnen kalt?


    Die Alte schläft. Hat Brot gegessen.
    Ein Lächeln blüht aus ihrem Mund.


    >>>über den schluss muss ich noch nachdenken, besonders über das allerletzte sätzlein. weil gefallen tuts mir, aber nicht im zusammenhang mit diesem gedichtelein, hier würd ich am liebsten dich bitten, es einfach und ersatzlos zu streichen. weils zu blumig klingt? aber vielleicht brauchts das lächeln am schluss ja nochmal? als abrundung und sinngebung?


    bin noch zu weit entfernt vom kern der aussage, deshalb halt ich mich noch zurück.


    ich bitte obiges als ersten eindruck eines vorbeigehenden spaziergängers aufzufassen, also ohne gewähr, liebe trist.


    Mr. Jones

  3. #3
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    AW: Nacht

    Liebe Trist
    Einiges deiner Werke schon ward gelesen von mir. Doch nie nahm mich ein Text deinerselbst mich so gefangen. Er strotzt nur so vor gebündelter Aussage, vermittelt eine sehr nahegehende Stimmung. Und das ist es, was gute Lyrik ausmacht. Jeder Satz, jede Zeile ein Leckerbissen. Besonders stark in diesen Zeilen:


    Drinnen kehrt ihr Blick zur Zeit zurück.
    Die langsam geht durch diese Nacht, wie sie.
    Warm ist die Kachel in der Küche.
    Die Stunden kauern sich in ihre Nähe
    Und lassen Duft zurück.


    Da ist alles stimmig. Ich danke dir für diesen Text, der für mich wegweisend ist. Im eigenen Tun. Lass dir diesen Text nicht kaputtkritisieren!

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Nacht

    Lieber Mister Jones,

    so ein Hallo im Vorbeigehen lass ich mir gefallen.

    Zu deinen Gedanken, auch ohne Gewähr:

    "der kunde wendet sich ab, und dies ab vermiss ich, vermiss ich im hinblick aufs kommende an."

    Aber es ist doch da, das ab. Mitgedacht, unausgesprochen. Stünde es da, würde es sich zu sehr vordrängen.

    "eine frage bleibt. ein bild, das mir nicht ganz logisch scheint: wenn doch die küchenkachel warm ist, weshalb kauern dann die stunden sich in ihre nähe, als wär ihnen kalt? "

    Am Ofen sitzen, weil ER warm ist. Würde man sich entfernen, würde es kalt. Frag die Katzen...

    Die anderen Gedanken, besonders zum letzten Satz lasse ich noch etwas liegen, wenns recht ist. Vielen Dank!

    Lieber decariot,

    dein Lob freu mich sehr. Aus welchem Munde es kommt, vermag ich nicht einzuschätzen, ist auch nicht wichtig. Vielleicht magst du mir auch einen Text von dir zum Lesen anbieten? Damit ich weiß, welchem Weg ich ein Stücklein wies. Und kaputt kritisiert hier niemand. Jeder Gedanke zum Text ist willkommen, wird bedacht und mag einfließen in Heutiges oder Kommendes. Dir auch vielen Dank.

    Lieben Gruß von
    Trist

  5. #5
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    AW: Nacht

    ich denk, dear trist, jetzt bin ich dem gedichtelein nahe genug gekommen, um sagen zu können: jetzt kenn ich es. und das wollt ich noch schnell loswerden. yepp, ist dir gelungen, trist, diese nacht. der inhalt ist gar ein bisschen verwandt einer geschichte, die ich mal schrieb...


    eine unschönheiten noch, nichts von belang, aber gesagt sollts werden, ist das "ihre" im sätzlein "die stunden kauern sich in ihre nähe". weil unklar bleibt, grammatikalisch zumindest, auf wen sich dies "ihre" bezieht.

    mit dem "blühenden lächeln" am schluss hab ich weiterhin so meine m?he. aber hier ist die angelegenheit rein subjektiv, eine geschmacksfrage, die sich dir so gar nicht stellen muss.


    doch doch, schön hasts hingekriegt!


    greetings.
    Mr. Jones

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Nacht

    Dank nochmals, Mister Jones. An der Geschichte zum Thema hätte ich Interesse. Wenn du magst, stell sie doch hier her. Oder per Mail, wie es beliebt.


    Lieben Gruß von
    Trist

  7. #7
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Nacht

    Nachdem Trist sich im Ordner feuerfrei als Replikator geoutet hatte, wollte ich ihre Texte nicht mehr so recht ernstnehmen. So konnte ich auch in diesem Ordner nur daran denken, wie es wohl Wolfgang B. ergangen sein würde, hätte er diesen Text hier gelesen und dann auch noch Jonathans Wort vernommen, die Geschichte erinnere ihn an eine seiner eigenen Geschichten.

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