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Thema: Antilopen

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    Antilopen


    ERSTER AKT. ERSTE SZENE: DAS LOKAL. WEIß WÄRE EINE GUTE FARBE, ES KANN AUCH EINE ANDERE SEIN, ABER SIE MUSS DEZENT WIRKEN. SIE MUSS UNBEDINGT DEZENT WIRKEN. DIE EINRICHTUNG. KLEINE TISCHE UND STÜHLE, WENIGE PFLANZEN, TEILWEISE VERTROCKNET. POSTMODERN (WAS IMMER DAMIT GEMEINT IST), KNAPP AN DER GRENZE ZUM KITSCH. AN DER WAND HÄNGEN BILDER, DENEN NUR EIN LAIE ABKAUFT, DASS SIE VOLL GEFÜHL, DASS SIE KUNST SIND (RICHTUNG ERNST FUCHS). DIE BILDER TRAGEN NUMMERN, SIND VERKÄUFLICH. DIE KELLNERIN TRÄGT MINIROCK, WIRKT AUFREIZEND, DUZT ALLE, KENNT ALLE, TRÄGT ABER KEINE NUMMER. DIE GÄSTE. QUER DURCH DIE BANK, HALT PUBLIKUM, ABER FAST ALLE UNTER 25. (KLAR, WER HÄNGT SONST IN SO EINEM CAFE AB?) VIELE WIRKEN INTELLEKTUELL GESCHEITERT. DIE MUSIK. SCHNULZIGE OLDIES (HEY SAINT PETER - A WHITER SHADE OF PALE - NIGHTS IN WHITE SATIN - SAILIN, USW, DIE RICHTUNG ETWA), LAUT GESPIELT, SIE MUSS VON DEN GÄSTEN ÜBERSCHRIEN WERDEN. ANTON ich sitze. BERND verstehe nicht. ANTON weißt du, ist eh alles blond. die leute und so. das ist alles mist. ich bin auch blond. als ob ich verstehe. verstehst du? nein, du hast gerade gesagt. egal. ich rede auch nur. die Luft muss in bewegung bleiben. was sagt man, wenn man nichts. ich wiederhole. egal. mein vater sammelt pornohefte. ich habe sie ihm früher geklaut. weißt du, ich kann mir nichts geiles im kopf vorstellen. da ist schwarz. ich muss etwas sehen, sonst kommt es mir nicht. meine mutter hat mich erwischt und gemeint, die hefte wären von mir. er war fein raus, der vater. BERND tragisch. ANTON ich wusste auch nie, was ich mit den. unterm bett. war blond. ZUR KELLNERIN, DIE NEBEN IHM STEHT kaffee. BERND dasselbe mit milch. ANTON wie geht's?, fragte er und lachte. LACHT. BERND verwirrt über die plötzliche frage sah er sich hilfesuchend um. SIEHT SICH HILFESUCHEND UM dann sagte er: ich lebe. das ist verdammt viel. mehr, als ich erwarten kann. ANTON geschwätz. BERND er ist entrüstet. sagt,. tiefere gedanken waren dir schon immer ein greuel. wie schaffst du es? viele halten dich für klug. ANTON mimikri. perfekte anpassung. fällt nicht auf. ehrlich, iq unter neunzig. aber immer eine auswendig gelernte antwort, die zwar wahllos fällt. die trefferquote aber ist hoch. danke, wahrscheinlichkeitsrechung. meist ist es richtig. vielen danke für die aufmerksamkeit. BERND tust du noch etwas anderes, als dich über mich lustig zu machen? ich meine irgend etwas menschliches? ANTON ich kann unglaublich gut scheißen. BERND wenn du ordinär bist, bist du einfallslos. ANTON ich bin nicht ordinär. wie schreibt man das? meine verdauung ist nur in ordnung. ich versuche. das beschäftigt mich eben. jetzt kenn ich mich. ordinär, ha. erhaben. BERND erzähle. ANTON SCHWEIGT okay. dann ich. eine klare antwort. zwei sätze bilden einen. heute war ein harter tag. obwohl ich nicht in der uni war. trotzdem. so ein haushalt macht eben viel arbeit. möchte wissen, wann ich lernen soll. ich habe heute für vierzig € eingekauft. der kühlschrank ist voll. ob das reicht? heute ist Donnerstag. das wochenende ist lang. und weit. ich habe brot, käse und butter. und schokolade. die war billig. im sonderangebot. egal, was sie kaufen. sie liegen immer richtig. sie können gar nicht falsch. greifen sie zu. occassion. ich bin so drin im kreislauf. ich kaufe schokolade. ich mag schokolade gern. mit nüssen. sie ist wie regen im winter, wenn du weißt, was ich meine. halt schokolade. das wort drückt alles aus. ich werde das ganze wochenende schokolade essen. ANTON ich habe erst gestern. BERND ich freue mich auf das wochenende. ANTON onaniert. BERND dein thema nummer eins. ANTON thema zwei. zuerst kommt meine verdauung. BERND bei mir frauen. noch vor schokolade. ANTON sag. was sind frauen? manchmal frag ich mich. nötig. meine mami war ein mann. DIE KELLNERIN BRINGT DIE GETRÄNKE, KLOPFT ANTON AUF DIE SCHULTER. KELLNERIN Wie geht's? ANTON die scheibenwischanlage war kaputt. BERND was? ANTON die falsche antwort, entschuldigung. manchmal habe ich die falsche antwort auf der zunge. KELLNERIN IST SCHON WEG BERND du bist schon ein selten blöder hund, behauptete er. ANTON ich hätte noch einmal eine falsche antwort, antwortete er trocken.


    ZWEITE SZENE: ZWEI MÄDCHEN KOMMEN HEREIN, HALTEN SICH ZU ANFANG AN DEN HÄNDEN. SETZEN SICH DANN AN EINEN LEEREN TISCH. STEFFI mir ist langweilig. GITTE wem nicht? STEFFI mir ist BUCHSTABIERT l-a-n-g-w-e-i-l-i-g. GITTE gehen wir zu mir. ich habe eine cd von cohen, eine neue. der ist nicht tot zu kriegen. wie lou reed. immer wenn ich cohen höre, kriege ich eine total miese stimmung, dann ist mir weltschmerz, dann bin ich geknickt, traurig. nur wer die großen gefühle kennt. ich mag das. und kid rock. ich lache gerne. ich bin volljährig und. du hast recht. langweilig. SCHWEIGEN ich bin rothaarig. rotblond eigentlich. ist dir das schon aufgefallen? das ist in. ich brauche mir die haare nicht zu färben. mach ich eh nicht gern, macht die haare kaputt. und dann muss ich mir die spitzen schneiden lassen. ich hasse das. als ich das letzte mal war. ich denke mir, da stimmt was nicht. ich nehme ein lineal. messe vom scheitel aus nach. drei zentimeter. sauerei. mein gott, was fällt denen ein. links zu kurz. die erlauben sich alles. dafür zahl ich 25 €. SCHWEIGT KURZ ich habe beim ersten mal geblutet wie ein schwein. wir mussten die laken waschen, damit es meine eltern nicht merkten. kochwäsche, neunzig grad. aber der fleck in der matratze blieb. ging nicht raus. meine mutti hat nichts gesagt. der andi ist ein freund von mir. immer noch. manchmal treffe ich ihn. STEFFI mir ist langweilig. l-a-n-g-w-e-i-l-i-g. GITTE sprich doch die jungs da an. schauen eh dauernd her. ach so, heute ist Donnerstag, nicht. okay, aber man kann ausnahmen machen. ich rufe daheim an. die verstehen das. dann probiere ich es mit den jungs. oder lieber vorher. STEFFI langweilig. GITTE ja. findest du? ich bin schwer in ordnung. viele mögen das, wie ich bin. mein gesicht ist auch in ordnung, irgendwie. nicht. die nase. ja, die wirkt. komm, ich habe erfolg. ich bin rotblond. das kommt an. STEFFI lall-langweill-lall- langwie? Lang-weilig. GITTE mein problem sind die hüften. die könnten. ein bisschen weniger wäre. du weißt. die hüften. die habe ich von mutti, was soll ich machen? die sind so hässlich. was soll ich tun? ich mag meine hüften nicht. sie sind dick. STEFFI ja. SIE SIEHT AUF. GITTE richtig dick. STEFFI ja. GITTE fett. STEFFI ja. GITTE widerlich STEFFI ja. GITTE ordinär. STEFFI ja. GITTE geil! STEFFI SCHREIT ja! GITTE nicht so laut. braucht nicht jeder zu wissen. STEFFI ich liebe dich. STREICHT GITTE ÜBER DAS HAAR. GITTE ich weiß. fettig, nicht? ich muss es ständig waschen. aber trotzdem. nach nur einer stunde. fettig, wie meine hüften. STEFFI lang, lang, lang. langweilig.


    DRITTE SZENE: BERND TRITT AN DEN TISCH DER MäDCHEN. BERND dir ist langweilig. GITTE setz dich doch. ANTON RUFT HERÜbER ich sitze. BERND achtet nicht auf den. der spinnt. der ist blond. ANTON ich höre zu. STEFFI ja. GITTE ich bin heute gut drauf. setz dich doch. ich heiße gitte. BERND und du? STEFFI igitte. ja. BERND was ist dein sternzeichen? SETZT SICH. GITTE ich bin widder. mein horoskop für diese woche: ich habe mich in den vergangenen monaten so überanstrengt, dass gesundheitliche störungen nicht ausbleiben können. nur mit eiserner disziplin und einer umstellung meiner lebensweise komme ich wieder auf die beine. in der partnerschaft setze ich alles auf eine karte und mache aus meinen gefühlen kein geheimnis. im beruf bleibt die woche ohne probleme. BERND und du? STEFFI ich bin antilope. ANTON ich bin antilope. KOMMT DAZU, SETZT SICH ZU DEN ANDEREN, LäCHELT GEWINNEND. antilope ist ein gutes sternzeichen. ein feuerzeichen. das beste. GITTE du willst mich doch verarschen. BERND ich will leben. das ist das einzige, was ich will. das ist schwieriger, als man glaubt. GITTE erzähl. STEFFI mir ist langweilig. ANTON das gegenteil von langweilig ist kurzgehig. LACHT das ist grotesk. ein schönes wort: kurzgehig. BERND GLEICHZEITIG ich will leben. nicht zum bund oder so, nicht geld verdienen, den scheißkram, heiraten. so ein mist, das ist blond. das alles. davon habe ich genug. das ist so kompliziert. leben ist viel einfacher, viel besser. denke ich. GITTE bist du künstler? BERND ja. ANTON LACHT. GITTE und du? ANTON ich züchte joghurtkulturen. STEFFI ja. ANTON und dann verkaufe ich sie. STEFFI langw... ANTON sehr. GITTE ZU BERND du bist nett. so ruhig und seltsam. magst du kid rock? BERND ich sage ja, weil ich will, dass du nett bist. Aber eigentlich finde ich ihn zum kotzen. GITTE das ist das, was mir an ihm gefällt. KELLNERIN TRITT HERAN sitzt ihr jetzt hier? ANTON ich sitze. BERND witze werden nicht besser, wenn man sie oft wiederholt. KELLNERIN soll ich noch etwas bringen? STEFFI salomes kopf. KELLNERIN was ist mit euch los? spinnt ihr? ANTON quatsch. anmache. KELLNERIN NICKT WISSEND, GEHT. BERND erst gestern habe ich einen alten dokumentarfilm über den ingeborg-bachmann-Preis gesehen. klagenfurt. da komme ich auch mal hin. war echt. die armen autoren. die. verstehst du. eine harmlose geschichte. gutgläubig. dann kommt der verriss. schrecklich. ich hätte mir nicht die stirn aufgeschnitten, ich hätte den kerl vergewaltigt. GITTE tragisch. was sagst du? ANTON ich bin inzwischen so weit, dass ich zufrieden onanieren kann. wenn ich jetzt mit einer frau schlafe, habe ich immer das gefühl, ich würde jemanden betrügen. wahrscheinlich mich. als ob ich mit einer festen freundin liiert wäre.GITTE du liebst dich zu sehr. STEFFI INTERESSIERT wie ist das? BERND bitte. sei still. ANTON ZU STEFFI ich meine, er ist nicht groß, eher mittel, ach, eigentlich genau richtig für mich. ich lange ihn gerne an. das ist ein gutes gefühl. fähig. total. ich erleb den orgasmus auch intensiver allein. das ist ehrlich wild. total. BERND halt dein maul. STEFFI ZU BERND du bist langweilig. ANTON verstehst du? klar, verstehst. das ist einfach wilder. ehrlicher. es gab mal. es war. einmal. machmal. es ist eben gut. aber dazu muss ich pornohefte kaufen. ohne ist es zum kotzen. GITTE möchtest du gerne zuschauen? ANTON nein, das ist es nicht. ich muss allein sein. und ich brauche die glänzenden, geruchsfreien fotos. stille. die brauche ich. bewegungslosigkeit. zur konzentration. die dürfen sich nicht bewegen. ich darf mich nicht ablenken. durch geräusche. licht. schlimm. STEFFI wann hast du dich zuletzt betrogen? BERND interessiert euch das? ehrlich? ich finde es zum kotzen. hinlegen und kotzen. aber immer noch besser, als wenn er von seiner verdauung spricht. STEHT AUF entschuldigt mich. GITTE STEHT AUF wir haben den gleichen weg. BERND VERWIRRT ich muss aufs klo. GITTE HAKT SICH BEI IHM UNTER ein stück weit. ANTON ZU BERND wenn du nicht ständig schlucken würdest, liefe dir der speichel aus den mundwinkeln. BERND depp, blonder BERND UND GITTE GEHEN. SCHWEIGEN.


    VIERTE SZENE: ANTON jetzt kommt das loch. STEFFI loch? ANTON das verlegenheitsloch. weißt. das kommt. immer. gehört zum spiel. STEFFI erzähl mir doch vom onanieren. ich lang... ANTON so. ich bin ein guter erzähler. aber was. habe ich denn nicht alles gesagt? STEFFI ist das wild? ist das ehrlich? ANTON koketterie. sollte man mit c schreiben: cocetterie. ich bin selten. ehrlich, meine ich. ich gebe nur antworten. manchmal ohne fragen, manchmal die falschen. ich reagiere. ehrlich. du sagst es: langweilig. STEFFI ich hasse dich. ANTON KüSST STEFFI AUF DIE WANGE entschuldige. ich mag dich. das ist wichtig. vergiss den rest. ich habe mich entschlossen, ehrlich zu sein. das ist der punkt. ab jetzt. alles, was vorher war, vergiss es. STEFFi jetzt bist du auch noch langweilig. ANTON ich sag dir was. du willst es hören. du wartest drauf. du sitzt nur deshalb hier. sitzt da und wartest drauf. aber keiner hat es dir gesagt. bis ich kam, ehrlich, wie ich bin. also. du. du bist es. du bist langweilig. GENIEßERISCH Ster-bens-lang-wei-lig. gut. ich. hör auf, vergiss es. bist auf der miesen tour. ich mag dich, aber jetzt geh ich zum scheißen. ANTON GEHT. SCHWEIGEN.


    FüNFTE SZENE: STEFFI ich bin allein. jetzt erzähle ich. sie musste reagieren. wenn sie es jetzt nicht tat, würde sie bald tot sein. das gesicht ihres gegenübers verzog sich zu einem hässlichen grinsen. der kleine lauf seiner pistole starrte wie ein spanner auf das piercing in ihrem bauchnabel. eine unachtsamkeit. darauf wartete sie. wenn er nur eine unachtsamkeit behen würde. sie würde ihre chance packen. die tür knarrte, sein kopf zuckte aufgeregt zur seite. jetzt, dachte sie, jetzt. sie riss ihr bein hoch, schlug seine waffe zur seite. ein schuß pumpte aus dem lauf, bohrte sich gipssprühend in die wand. die pistole flog durch die luft. das andere bein in die höhe, in die eier. ein tritt und es ist vorbei. er sackte zusammen, keuchend, schaum vor dem mund, das fette schwein. er ist hilflos. verdammt, er japst. sie trat nach, in sein gesicht. die nase platzte. seine waffe, dachte sie plötzlich. ein schritt, ein bücken, sie war schnell. und bevor er wieder zur besinnung kam, hatte sie das ganze magazin geleert.dann war ruhe, sie hatte sich befreit. penibel untersuchte sie die gelochte leiche, aber den brief fand sie nicht. er hatte ihn nicht, er war der falsche. die suche ging weiter. und ich sitze hier in einem cafe. ja, hast recht. ich bin langweilig und mir ist. alles. das. es ist blond. wo passiert es? kann heute noch etwas kommen? oder morgen? oder überhaupt? ich. erdrück mich selbst, aber ich kann. was soll? zum. weil alle so ich sind. fragen, weil nur die frage, nicht die antwort zählt. man stellt fest. sich fest. langweilig. ich sagte es schon. selbst das ist langweilig. BERND UND GITTE KOMMEN HEREIN. SIE HALTEN SICH UMARMT, BLEIBEN VOR STEFFI STEHEN, KüSSEN SICH. ist das alles. mein. so ist alles. morgen wollen sie sich nicht mehr kennen. ich liebe dich. oh, oh. nur diese nacht. mir ist LAUT zum sterben! BERND na. noch immer das gleiche thema? wird es dir nicht langweilig? GITTE machte es dir was aus, wenn wir. ich meine gehen? BERND ZU GITTE zu dir. GITTE spinnst du? meine eltern. BERND ich... hab auch eltern. GITTE ja, dann. STEFFI LACHT. BERND wo ist anton? STEFFI beim scheißen. BERND seine lieblingsbeschäftigung. er hat eine bude allein. vielleicht. ich meine, bei ihm. das müsste, auch wenn der das nicht mag. ich muss ihn fragen. dem schmiert man um den bart, das geht. anton ist eitel. GITTE ich werde ganz lieb zu ihm sein. weißt du, ich bin eine ganz liebe. mein betragen ist tadelsfrei. BERND habe ich bemerkt. GITTE ZU STEFFI oder versuchst es du? ich glaub. da. STEFFI der anton ist ein arsch. GITTE gut. STEFFI ja. GITTE du hast geschmack. STEFFI eben. BERND verstehe ich das? STEFFI er ist ein arsch, aber du, du bist blond. klar bin ich nett zu ihm. wie kommst du zu so einem tollen freund? BERND so toll ist er auch nicht. alles tünche. und vieles von mir abgeschaut. ne kleine nummer. STEFFI du bist clark kent. BERND wie ich ihn. mein gott, er saß, ich daneben. gemeinsame bekannte. so geht das. wir mögen uns. weil wir uns mögen. einfach. ANTON KOMMT HEREIN. ER SETZT SICH AN EINEN ANDEREN TISCH, REDET MIT BEKANNTEN. GITTE, STEFFI UND BERND BEOBACHTEN IHN EINE WEILE, LAUERN. BERND anton LAUTER anton! ANTON gleich. BERND sofort. ANTON entschuldigt. meine frau wird eifersüchtig. KOMMT AN DEN TISCH. also, wo brennt‘s? BERND setz dich. GITTE du bist ja einer. STEFFI wie war‘s beim scheißen? ANTON ihr wollt was. ich merk das. falsche antwort. nein.
    VORHANG


    ZWISCHENSPIEL: DIE KELLNERIN KOMMT NACH VORNE, SCHLüPFT WIE EINE TäNZERIN DURCH DIE VORHANGFALTE, ZWINKERT DEN GäSTEN ZU ursprünglich hatten die berge große flügel. sie flogen über den himmel und landeten auf der erde, wo es ihnen passte. die erde erzitterte dann und schwankte. gott hatte dann von den erdbeben genug und schitt ihnen die flügel ab. er machte die berge an der erde fest, damit diese endlich zur ruhe kam und die menschen nicht mehr erschraken. die flügel warf gott hoch hinauf in die luft. aus ihnen wurden wolken. seit diesem fernen tag sammeln sich die wolken um die gipfel der berge und weinen. SCHWEIGT UND übERLEGT auf der dokumenta hat ein künstler die zeit zu seinem thema gemacht. BERNDS STIMME VON HINTEN on kawara KELLNERIN klugscheißer. als ob. irgendjemand hier. BERNDS STIMME one million years (past and future) um genau zu sein. KELLNERIN ja! one million years. so lange ist das. aber das ist mein monolog. mensch! es ist der einzige, den ich. im zweiten akt. verstehst du, komme ich nicht mehr vor. LAUSCHT IN DIE STILLE also. da haben zwei leute jahreszahlen vorgelesen. auf der dokumenta. abwechselnd. jahreszahlen BERNDS STIMME beliebige zwischen neunhundertachtundneunzigtausendeinunddreißig vor christus und eine million und eintausendneunhundertfünfundneunzig. der eine hatte die zahlen vor 1970, die andere die danach. 197 war der knackpunkt. warum. frag ich mich. KELLNERIN bernd! du arsch! lass mich erzählen BERNDS STIMME 230.354 vor christus. ANTONS STIMME 67.987 GITTES STIMME 1983 STEFFIS STIMME 654.744 GITTES STIMME LACHT 1983, in dem Jahr bin ich geboren. KELLNERIN dabei geschah etwas interessantes. manche jahreszahlen stoßen das gedächtnis an. sie sind eine markierung in der zeit. wie ein berg. ANTONS STIMME 1492 KELLNERIN ja. ein künstler und seine zeit. die zeit fliegt dahin. heißt es. aber das ist falsch. der standpunkt ist falsch. es ist nicht die zeit, die sich bewegt. sie ist ein monolith STEFFIS STIMME 654745 KELLNERIN ein beispiel. du sitzt in einem zug. der zug neben dir fährt an. kennst das schon. du glaubst, du fährst, aber es ist der andere zug. anders. BERNDS STIMME 230.353 vor christus KELLNERIN anders. du siehst an einem kamin hinauf. die wolken bewegen sich hinter ihm. du meinst, der kamin fällt um. doch nicht er bewegt sich. das ist nur einbildung. wie dein zug. er steht still. wie die zeit. GITTES STIMME 1984. Orwell. KELLNERIN SCHREIT ist gut. sie habens kapiert. WENDET SICH AN DIE GäSTE ihr habt es doch? kapiert, meine ich? gut. gut. weiter. die zeit ist ein monolit. wie eine lange mauer. du wirst an der mauer vorbeigezogen. ein stückweit. glaubst, die mauer bewegt sich, aber dein standpunkt ist falsch. die mauer ist sich gleich, sie bewegt sich nicht, sie verändert sich nicht. die zeit ist sich gleich, sie bewegt sich nicht, sie verändert sich nicht. du bleibst nicht gleich, du bewegst dich und du veränderst dich. die zeit verharrt. BERNDS STIMME ist gut. sie haben es ja kapiert. die zeit steht still. na und? KELLNERIN UNBEIRRT zeit heißt ortsveränderung. wir gehen. von hier nach dort. nicht die zeiten ändern sich. wir ändern uns in der zeit. BERNDS STIMME na und? KELLNERIN na und. bald bin ich alt. STEFFIS STIMME gehen wir jetzt. oder was? 654.746. 654.747. 657.748. ANTON SINGT in the year twentyfive-twentyfive. BERND FäLLT EIN when man is still alive. KELLNERIN wir sind die flügel. die zeit ist der berg. um den wir kreisen. und weinen. AB. WINKT NOCH EINMAL.


    2. AKT. ERSTE SZENE: ANTONS BUDE. WOHNZIMMER. ODER, GENAUER GESAGT, EINE ABSTELLKAMMER, DIE ANTON ZUM WOHNZIMMER ERKLäRT HAT. AN DEN WäNDEN HäNGEN DIE GLEICHEN BILDER WIE IM LOKAL. SIE VERDECKEN NOTDüRFTIG EINE SCHäBIGE SCHNöRKELTAPETE, DIE WAHRSCHEINLICH VON DEN VORMIETERN STAMMT. ANTON HOCKT IM HINTERGRUND VOR EINER ANLAGE UND DURCHWüHLT AUFMERKSAM SEINE CD-SAMMLUNG, SCHEINT ABER NICHTS PASSENDES ZU FINDEN. MANCHMAL ZöGERT ER BEI EINER PLATTE, LEGT SIE DANN ABER WIEDER ZURüCK. DIE MäDCHEN SITZEN AUF DEM BODEN. SIE HALTEN SICH WIEDER AN DEN HäNDEN. BERND STEHT VORNE. ER LIEST EINEN TEXT VON EINEM BLATT AB.
    BERND SPRICHT WIE EIN SCHMIERENSCHAUPIELER so stehe ich vor euch, mich zu rechtfertigen und muss doch vorsicht walten lassen, damit mir meine rede nicht zur klage wird. ihr habt recht. wir achteten unserer väter wenig: spotteten über die worte, die ihnen die weisheit riet. wir belachten sie, die wir ehren sollten. waren überzeugt, allein zu wissen, wie man richtig lebt. dies war aber kein verbrechen. nur eine schuld, die zu tragen uns unser gewissen zwang. ja. wir waren jung und stolz. roh oft. eros pfeile trafen uns so achtlos, dass die scham mir stille auferzwingt. die werte der väter galten uns gleich. wir schufen eigene. wohl andere. aber genau so tiefe und ehrfürchtige. wir erkannten. die götter waren tot. deshalb war unsere ehrfurcht nicht ihrem grabe. wir hatten nicht sorge um die toten. ihrer ist der himmel. wir kümmerten uns um die lebenden. das war unser ziel. es kann sein. wir haben versagt. es ist wahrscheinlich. aber dies ist kein verbrechen. nur eine schuld. ANTON bernd bernd bernd SCHüTTELT DEN KOPF. BERND HEBT WARNEND DIE HAND wenn ihr uns aber verbrecher nennt. weil wir zusahen, wie die welt zugrunde ging. die welt, die ihr uns überreicht habt. so lasst euch sagen. ihr hattet sie schon dem untergang geweiht. nie hätten wir unmündige kinder die erde von dem fieberwahn, der sie schüttelte, heilen können. vielleicht aufhalten. heilen? nein. gut. wir haben versagt. wir waren jung und unerfahren. aber das ist kein verbrechen. nur eine schuld. ANTON geht das. noch lang so. meine ich. ach je. BERND ZORNIG wir hätten den mächtigen, die eurer welt entsprungen waren und die welt sklavten, unsere stirn bieten sollen. wir hätten unseren widerstand brüllen sollen. aber der zorn hatte unsere stimmen heiser gemacht und eure schulmeister hatten uns gelehrt, die stirn zu senken. aber das ist kein verbrechen. das ist unsere schuld. BERND VERSTUMMT MIT EINER DRAMATISCHEN GESTE. ER WARTET AUF BEIFALL. ANTON der künstler hat sich für vierzig - den kühlschrank gefüllt. das ist deine kunst? BERND NICKT. weißt du. das ist keine kunst. das ist blond. das ist. das ist. BERND musst es nicht aussprechen. hat mit deiner verdauung zu tun. stimmts. spar es dir auf. für deinen monolog. der fehlt noch. GITTE STEHT AUF, NIMMT BERND AN DER HAND komm. du künstler. mir gefällt das. ich mag volle kühlschränke. SIE ZIEHT IHN DURCH EINE TüR INS NäCHSTE ZIMMER. ANTON UND STEFFI SEHEN DEN BEIDEN NACH. BERNDS STIMME hat doch. genau was ich will. und da sage noch einer. brotlose kunst. frauen und schokolade. GITTES STIMME sei still. TüR FäLLT ZU. STEFFI ich liebe dich nur diese nacht. oh, oh, oh. i-gitte. hab ich schon gesagt.


    ZWEITE SZENE: ANTON SPIELT EIN STüCK VON PEARL JAM AN. gefällt dir das. LAUTER gefällt dir das. SCHREIT gefällt! dir! das! STEFFI nein. ANTON oh. was dann. STEFFI hm. ANTON STELLT DIE ANLAGE AB was dann. STEFFI nein. und da sage einer. ich hätte keinen geschmack. ANTON nein. STILLE. STEFFI und du? schreibst du? ANTON wie bernd? nein. na ja. ab und an ein gedicht. so ein paar wörter, die nur mir sinn geben. ich nicht. berd schreibt. ich habe geilen stuhlgang. ist das gleiche. vom ergebnis her. abwischen. runterspülen. man befreit sich. der darm wird leer. ein schönes gefühl. kennst du das? du hast am abend bier getrunken. das geht nur mit bier. viel bier. dunkler doppelbock. fettes essen, reichlich bier. aber keinen schnaps. der rausch muss allein vom bier kommen. das muss man können. die meisten nuckeln an ihrer halben ewig rum. dann schaffst du es nicht. du musst es auf den punkt bringen. schaum wegblasen. ansetzen. nicht schlucken, laufen lassen. du musst ganz entspannt sein. eins mit dir. das glas an die unterlippe. gemeinsam mit dem kopf hoch. in den nacken. das bier schwappt über. es fließt die speiseröhre runter. gleitet. ein zenmoment. STEFFI nein. zen. war mal. als wir alle buddisten waren. ist langweilig. ANTON also gut. STEFFI nein. zen. nein. ANTON habs. kapiert. mein ich. aber es ist wichtig. du darfst dich von nichts ablenken lassen. erst fett essen. dann saufen. vier liter. eine viertel stunde. mindestens. geh dann sofort ins bett. bevor dich der rausch wachhält und du den rest des abends beim pissen bist. am nächsten morgen wachst du auf. hast ein riesen ding. einen ständer in der hose. meine ich. weißt ja. die männer. STEFFI zen. ob buddha? oder jesus? eine morgenlatte? ANTON egal. das bier drückt jetzt nach vorne. das essen nach hinten. du darfst dich nicht eilen. stehe langsam auf. geh langsam aufs klo. setz dich. das ist der moment. die scheiße ist ganz weich. wie schokoladenmus. flutscht es. raus damit. das ist befriedigung. der absolute stuhlgang. keine anstrengung. es geht einfach. so stelle ich mir das unbewusste schreiben vor. es läuft. und ist gut. du weißt. es ist gut. da brauche ich sonst nichts. nichts mehr. aber perfekt ist nichts. das problem ist der ständer. wenn du auf der schüssel sitzt. er ragt. darüber hinaus. schmerzt. aber erst pissen und warten. das geht nicht. STEFFI mach lieber wieder musik. ANTON LEGT NICK CAVE AUF. STEFFI SAGT ETWAS, SIE IST ABER NICHT ZU VERSTEHEN. ANTON GEHT ZUR TüR, öFFNET SIE EINEN SPALT. SPäHT HINEIN.


    DRITTE SZENE. DIE MUSIK WIRD PLöTZLICH SO LEISE, DASS MAN STEFFI HÖREN KANN ich muss es nicht sehen. ich stell es mir vor. kaum hatte sie ihre beine geöffnet, sprang er schon auf sie. drängte sich keuchend heran. mit geschlossenen augen. zog die oberlippe bis zur nase hoch. bleckte seine vorstehenden zähne. grotesk. er sah wie ein fickendes kaninchen aus. sie hatte den eindruck, er hat sogar die ohren angelegt. sie biss sich fest auf die zunge, um nicht zu lachen. MUSIK WIRD WIEDER LAUTER. STEFFI IST KAUM ZU VERSTEHEN sein plan war es offensichtlich, ihren körper zu ignorieren und sich ausschließlich um ihre möse zu kümmern. er nahm sich nicht einmal die zeit, ihre titten zu bewundern. schon ist sein schwanz in ihr. und der kerl fast hinterher. DIE MUSIK ENDET ABRUPT ich könnte einen sack über dem kopf haben. ach was. wenn ich in leinwand eingenäht wäre. bis auf dieses kleine loch. er wäre genau so glücklich. STEFFI ZöGERT. SETZT NOCH EINMAL AN sie könnte einen sack über dem kopf haben. wenn sie in leinwand eingenäht wäre. sie bewegt ihren unterleib kaum, lässt ihn wählen. unterstützt ihn nicht. aber sie klammert ihre beine um ihn. packt ihn mit einer hand am haarschopf. fest. zieht ihn gewaltsam zwischen ihre brüste. mit der freien hand tastet sie nach dem nachttisch. öffnet die schublade. greift hinein. umsonst. auch hier ist kein brief. der kerl verkrampft sich. atmet zischend aus. kippt zur seite. sie spürt feuchte wärme. umsonst. EIN SCHUSS FäLLT. ANTON SPRINGT ZURüCK. ANTON herr. schaft. nein. STEFFI DEUTET MIT DEN FINGERN EINE PISTOLE AN zwischen die augen. ich stelle es mir vor.


    VIERTE SZENE: GITTE KOMMT HEREIN. SIE TRäGT NUR UNTERWäSCHE. IN IHRER HAND HäLT SIE EINE PISTOLE. GITTE ich war ganz in ordnung. ich habe feuer. schau mich an. die mögen das. ich habe figur. esse gesund. gehe ins studio. zweimal. mit steffi spiele ich squash. einmal. in der sauna schwitze ich. regelmäßig. schau doch. das geht. ich bin in ordnung. ich bin hübsch. ich komme an. meine hüften. na. die kann man sich absaugen lassen. und dann gleich den busen ein wenig größer. nicht viel. eine körbchengröße reicht. SETZT SICH NEBEN STEFFI ich spare geld dafür. für mich. den jungs ist das egal. die interessieren sich nicht für meine hüften. die interessieren sich. aber mein bauch. fühl mal wie fest. STEFFI ja GITTE fest und warm STEFFI ja GITTE lebendig STEFFI ja! GITTE geil! STEFFI geil. ja. GITTE aber die jungs. die wollen. ja. ich bin in ordnung. ANTON die waffe. GITTE SIEHT AUF DIE PISTOLE IN IHRER HAND. DEUTET DANN MIT DEM LAUF AUF ANTON. GITTE die lag unter deinem bett. in einer schachtel. ich habe eigentlich deine pornos gesucht. ANTON MACHT EINEN SCHRITT ZUR SEITE die lag. die ist ein erbstück. gut eingeölt. mein großvater war im krieg. ostfront. standardausrüstung der wehrmacht. STEFFI erzähl. ANTON es ist eine p38. sie wurde von der firma carl walther entwickelt. die ersten waffen wurden im august 1939 an das heer ausgeliefert. Die waffe ist 215 millimeter lang. besitzt einen 125 millimeter langen lauf. sie wiegt 0,94 kilogramm. leer. GITTE das ding ist sauschwer. STEFFI nicht. dein großvater. krieg. der hat gelebt. erzähl. hat er juden ermordet? ANTON UNBEIRRT die p38 war viel einfacher zu fertigen. unempfindlicher gegen schmutz im einsatz als die p8. das vorläufermodell. die kugel hatteam lauf eine geschwindigkeit 355 metern in der sekunde, das magazin fasst acht schuß. für die waffe wurde auch ein schalldämpfer geliefert. den hab ich aber nicht. GITTE der revolver ist geladen ANTON pistole. es ist eine pistole. STEFFI gib NIMMT GITTE DIE WAFFE AUS DER HAND. GITTE und entsichert. leichtsinnig. ANTON hab ich nach dem reinigen vergessen. aber wer ahnt schon. GITTE gefährlich. knallt ganz schön. STEFFI die ist schwer. macht löcher. STEHT AUF, STRECKT WIE IN EINEM KRIMI DIE WAFFE MIT BEIDEN HäNDEN VON SICH. jetzt war sie am zug. sie sah die hoffnungslosigkeit in seinen augen. DREHT DIE WAFFE AUF ANTON er hatte seine chance gehabt. er hatte sie verspielt. ANTON du. die ist entsichert. und der abzug geht ganz leicht. GITTE ich wollte gar nicht schießen. ich wollte ihn nur erschrecken. wie heißt er? ANTON bernd? GITTE bernd. ja. STEFFI an ihn hatte sie jahre verschwendet. immer war er ihr entwischt. jetzt stand er vor ihr. und machte sich in die hose. ANTON TRITT VORSICHTIG AUF STEFFI ZU hör zu. jetzt wird der witz blond. STEFFI einfach so in die hose. ANTON ein gedicht. habe ich geschrieben. das letzte mal. auf dem klo. willst du es hören - STEFFI er stank und wusste. es war das letzte. was er in diesem leben tun würde. ANTON komm. ein gedicht. wir lernen es auswendig. NOCH EIN SCHRITT. WENN ER JETZT DEN ARM HEBT, KANN ER STEFFI BERüHREN. GITTE das ging einfach los. ich fuchtelte rum. bernd. ja. ein netter name. STEFFI ZIEHLT AUF ANTONS STIRN. merkwürdig. denkt sie. so ein kleines stück metall kann einen menschen wie ihn töten. ich muss nur den finger krümmen. wieviele muskeln bewege ich da? wieviele kalorien werden verbraucht? ein zucken. er ist tot. ANTON es ist ein schönes gedicht. ER HEBT LANGSAM DIE HAND. es handelt von liebe. STEFFI sie hat ihn einmal geliebt. dachte sie. aber es war eine lüge. in dieser welt gibt es so etwas nicht. gefühle aus zweiter hand. nur der tod ist echt. man kann ihn nicht wiederholen. üben. er ist nur einmal. er ist wirklich. er ist nicht langweilig. STEFFI DRüCKT DEN LAUF AUF ANTONS STIRN. GITTE ich muss was mit meinem haar machen. ANTON FLüSTERT STOCKEND seht. die blinden narren. auf den wiesen des mondes. sie tanzen. ihr leben hinweg. STEFFI peng.


    LETZTE SZENE. BERND KOMMT ZUR TüR HEREIN. ER IST ANGEKLEIDET. HAT ABER SEINEN PULLI VERKEHRT HERUM AN. BERND. na, was steht ihr hier. na. STEFFI SENKT DIE WAFFE, GIBT SIE ANTON IN DIE HAND father. ANTON yes son. STEFFI i wanna kill you. GITTE mother. STEFFI I wanna fuck you. BERND SINGT this is the end. ANTON hab ich irgendwo. auf einer best of. GEHT ZU SEINER ANLAGE, BEGINNT ZU SUCHEN. BERND ZU GITTE du hast ihm ein loch ins kopfkissen geschossen. ich bin allergisch gegen federn. aber es war nett. mal was anderes. du bist in ordnung. und ich auch. ich werde dir eine geschichte widmen. wie heißt du? STEFFI SETZT SICH WIEDER. SEUFZT. und? jetzt. was? jetzt. und. jetzt. was. ANTON das geistige allein ist das wirkliche. der papst hat angst. vor. BERND mal wieder. die falsche antwort. gehen wir tanzen. ja? VORHANG. DIE ANFANGSKLäGE DES DOORS-TITELS SIND ZU HÖREN. GITTE 1968. Das war ein gutes Jahr.


    ENDE




    [Diese Nachricht wurde von Klammer am 21. Februar 2003 editiert.]
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  2. #2
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    AW: Antilopen

    lieber klammer.

    "DIE KELLNERIN TRÄGT MINIROCK, WIRKT AUFREIZEND, DUTZT ALLE, KENNT ALLE, TRÄGT ABER KEINE NUMMER."

    duzt: ohne tz, denk ich.
    "trägt aber keine nummer": ist unnötig, tät ich streichen, es wirkt gewollt, fast erzwungen 'lustig'.

    ist nicht schlecht bisher, mein guter. die figuren sind ziemlich reduziert auf ein zwei punkte, von denen sie nicht mehr los kommen, etwa anton aufs scheissen und onanieren, oder die steffi aufs langweilig, doch ist das offensichtlich ganz bewusst so gehalten, und ich glaub fast, das ist die eigentliche stärke im fall dieses teckstleins. aber eben, überzeugen musst mich diesmal mit dem ganzen. dann mehr von meiner seite, jedenfalls. wie einseitig abgemacht.

    Mr. Jones

  3. #3
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    AW: Antilopen

    Lieber Klammer,


    ich mag ANTON, nicht nur weil er blond ist. Ich mag den Text, wobei es wirklich schwierig ist, ihn zur Wirkung zu bringen, hier vor dem PC. Ausdrucken und erneut lesen, lautet bis hier her mein Kommentar.




    Lieben Gruß von
    Trist


    p.s. Weiß ist keine Farbe!

  4. #4
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Antilopen

    ...ich danke für die ersten Kommentare... Mir ging es gerade wie Anton: Ich war die letzten zwei Tage thematisch etwas eingeschränkt, da ich mir einen ekelhaften, kleinen Virus eingefangen habe und mich auf das Problem reduzierte, welche Körperöffnung ich zwecks Entleerung zuerst ins Klo hängen soll.
    Heute geht's mir zwar wieder besser, aber ich bin körperlich und mental noch etwas geschwächt. (Außerdem habe ich morgen meine große Vierzigjahrfeier und muss noch vorbereiten.)
    Daher muss ich mir etwas Geduld ausbitten, dickes B.


    Gruß, Klammer


    @trist: ob weiß eine Farbe ist, darüber wird schon lange gestritten, zumindest ist es eine Eigenschaft von Dingen: Schnee ist weiß, er spiegelt Lichtwellen im sichtbaren Spektrum ab, die wir als weiß sehen. Und wenn er weiß ist, ist er eben nicht grün. tja... was also ist weiß, wenn keine Farbe? Die Gesamtheit aller Farben? Ihre Vollendung? Oder ihr Fehlen. So, wie der Gipfelpunkt der Ordnung nicht ein möglichst geometrisches Anordnen von Gegenständen ist, sondern ihr Wegräumen.
    Aber ich merke schon, ich bin heute noch nicht auf der Höhe.
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  5. #5
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Antilopen

    kurze nichtigkeit am rande, um den ordner zu füllen, bis der klammer seine auf klopapier gekritzelten, wohlgemerkt literarischen, ausscheidungen in den computer gespiesen hat:




    dutzt mit tz kommt von 'dutzend' und du meinest hier, die kellnerin betrachte die gäste als dutzendgäste, als nummern halt.


    verdutzend eigentlich. ich bin verdutzt. als analogie zu obigem.


    Mr. Jones

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Antilopen

    Lieber Klammer,


    ich finde Anton noch immer wunderbar. Mein Sympathieträger der Szenerie. An wen hast du gedacht als du ihn erfunden? Die Mädels bleiben noch ein wenig flach, beide. Die Männekens kommen besser an hier. Deine Bedenken, Teile wäre zu hart, kann ich nicht teilen, aber ich kenne ja auch nur die zensierte Fassung. Passend hier: Die Musikauswahl. Das MUSS gelesen, besser noch gespielt werden, mit der Musie. Königsstein?


    Lieben Gruß von
    Trist

  7. #7
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Antilopen

    Liebe Trist,


    zwei von Robert Schumanns Carnavals-Stücken (op.9) heißen Florestan, der Wilde und Eusebius der Milde. In beiden hat er sich selbst dargestellt, sie sind beide Aspekte seiner Person (weißt schon, diese Linie: Romantik - Doppelgänger - E.T.A. Hoffmann, Poe bis hin zu Jekill und Hide).
    Ähnlich ist das bei Anton und Bernd, sie sind wie ich - vor zwanzig Jahren - mal wild, mal mild. Ich habe mich einfach an die Zeit erinnert, als wir in Cafehäusern die Zeit totschlugen, uns genial fanden und eigentlich nur die Libido unsere Handlungen diktierte ("...so achtlos, dass die Scham mir Stille auferzwingt". Ich gebe es zu, das ist ein Ausschnitt aus einem Text von mir aus jener Zeit und ich meinte ihn ernst - damals.)
    Wenn dir dir Mädchen zu flach und zu wenig ausgearbeitet sind, dann liegt das wohl daran, dass ich sie mit Zwanzig genau so sah: flach und doof. Aber Kyra hat mir das mehr als einmal bewiesen: Ich kann mich nicht in Frauen eindenken.
    Auf der anderen Seite ist dies die erste Fassung. Ich werde das "Stück" sicher noch einmal überarbeiten, wenn erst alle Kritiken da sind.


    Gruß, Klammer
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  8. #8
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    AW: Antilopen

    Antilopen
    ERSTER AKT. ERSTE SZENE: DAS LOKAL. WEIß WÄRE EINE GUTE FARBE, ES KANN AUCH EINE ANDERE SEIN, ABER SIE MUSS DEZENT WIRKEN. SIE MUSS UNBEDINGT DEZENT WIRKEN.
    Warum diese Bescheidenheit. Dann schreib: Dezent in Farbe und Ausstattung... oder dergleichen. Regieanweisungen präzise. Oder bewußt akkomodabel.
    DIE EINRICHTUNG.
    überflüssig, das hier zu nennen
    KLEINE TISCHE UND STÜHLE, WENIGE PFLANZEN, TEILWEISE VERTROCKNET. POSTMODERN (WAS IMMER DAMIT GEMEINT IST), KNAPP AN DER GRENZE ZUM KITSCH. AN DER WAND HÄNGEN BILDER, DENEN NUR EIN LAIE ABKAUFT, DASS SIE VOLL GEFÜHL, DASS SIE KUNST SIND (RICHTUNG ERNST FUCHS). DIE BILDER TRAGEN NUMMERN, SIND VERKÄUFLICH.
    Keine Kommentare vom Autoren, nur eine knappe Beschreibung. Oder aber: Du benutzt die Klammertexte (sic!) dazu, das Genre DRAMA zu konterkarieren. What ever!
    DIE KELLNERIN TRÄGT MINIROCK, WIRKT AUFREIZEND, DUZT ALLE, KENNT ALLE, TRÄGT ABER KEINE NUMMER. DIE GÄSTE. QUER DURCH DIE BANK, HALT PUBLIKUM, ABER FAST ALLE UNTER 25. (KLAR, WER HÄNGT SONST IN SO EINEM CAFE AB?) VIELE WIRKEN INTELLEKTUELL GESCHEITERT. DIE MUSIK. SCHNULZIGE OLDIES (HEY SAINT PETER - A WHITER SHADE OF PALE - NIGHTS IN WHITE SATIN - SAILIN', USW, DIE RICHTUNG ETWA), LAUT GESPIELT, SIE MUSS VON DEN GÄSTEN ÜBERSCHRIEN WERDEN.
    Nun ja. S.o.
    ANTON ich sitze. BERND verstehe nicht. ANTON weißt du, ist eh alles blond. die leute und so. das ist alles mist. ich bin auch blond. als ob ich verstehe.
    Konjunktiv? Frage hier: Grammatikalische Fehler als umgangssprachliche oder die Person charakterisierende Stigmata benutzen? Vielleicht solche Konstruktionen umgehen, damit die Frage erst gar nicht aufkommen kann.
    verstehst du? nein, du hast gerade gesagt. egal. ich rede auch nur. die luft muss in bewegung bleiben. was sagt man, wenn man nichts.
    Aussparungen/Elitiertes auch nur, wenn damit eine Phatie angezeigt werden soll. Oder aber: Die Person will unterbrochen sein, wartet auf Entgegnung...
    ich wiederhole. egal. mein vater sammelt pornohefte. ich habe sie ihm früher geklaut. weißt du, ich kann mir nichts geiles im kopf vorstellen. da ist schwarz. ich muss etwas sehen, sonst kommt es mir nicht. meine mutter hat mich erwischt und gemeint, die hefte wären von mir.
    Er schwatzt. Zu viel des Guten. Zu breit. Zu anstrengend. Einwände bringen. Den Mann unterbrechen.
    er war fein raus, der vater. BERND tragisch. ANTON ich wusste auch nie, was ich mit den. unterm bett. war blond. ZUR KELLNERIN, DIE NEBEN IHM STEHT kaffee. BERND dasselbe mit milch. ANTON wie geht's?, fragte er und lachte. LACHT. BERND VERWIRRT ÜBER DIE PLÖTZLICHE FRAGE, SIEHT SICH HILFESUCHEND UM. ich lebe. das ist verdammt viel. mehr, als ich erwarten kann. ANTON geschwätz. BERND er ist entrüstet. sagt,.
    ?
    tiefere gedanken waren dir schon immer ein greuel. wie schaffst du es? viele halten dich für klug. ANTON mimikri.
    Das eben ist hier die Frage, welche Sprache die Leute sprechen. Halbgebildetes Kauderwelsch oder eben klare Dialekt- oder Sozialzuweisungen. Einbindung in zweihundert-Wörter-Sprache oder Studenten oder... Anfangs schreibst Du was von Halbgebildeten o.ä. Dann oben deutlicher absetzen.
    perfekte anpassung. fällt nicht auf. ehrlich, iq unter neunzig. aber immer eine auswendig gelernte antwort, die zwar wahllos fällt. die trefferquote aber ist hoch.
    Eigentlich sind das Nebensätze. Wirkt hier ein wenig manieriert, zumal die Denke deutlich gerichtet und vollständig ist. Einsprengsel wären schön. So ein abgehacktes und unterbrochenes Denken mit mehreren Ansätzen. Der Mann kann sich nicht konzentrieren, der andere hat nur das Eine im Kopf...
    danke, wahrscheinlichkeitsrechung. meist ist es richtig. vielen danke für die aufmerksamkeit. BERND tust du noch etwas anderes, als dich über mich lustig zu machen? ich meine irgend etwas menschliches? ANTON ich kann unglaublich gut scheißen. BERND wenn du ordinär bist, bist du einfallslos. ANTON ich bin nicht ordinär. wie schreibt man das? meine verdauung ist nur in ordnung. ich versuche. das beschäftigt mich eben. jetzt kenn ich mich. ordinär, ha. erhaben. BERND erzähle. ANTON SCHWEIGT okay. dann ich. eine klare antwort. zwei sätze bilden einen. heute war ein harter tag. obwohl ich nicht in der uni war. trotzdem. so ein haushalt macht eben viel arbeit.
    Das muß weiter oben stehen. der Leser muß die Figuren schon am Anfang einordnen können. Kleidung, Auftreten, Gestik, Sprache.
    möchte wissen, wann ich lernen soll.
    Unklar. Was ist das für ein Mensch, frage ich mich gerade.
    ich habe heute für vierzig € eingekauft. der kühlschrank ist voll. ob das reicht? heute ist Donnerstag. das wochenende ist lang. und weit. ich habe brot, käse und butter. und schokolade. die war billig. im sonderangebot. egal, was sie kaufen. sie liegen immer richtig. sie können gar nicht falsch. greifen sie zu. occassion. ich bin so drin im kreislauf. ich kaufe schokolade. ich mag schokolade gern. mit nüssen. sie ist wie regen im winter, wenn du weißt, was ich meine. halt schokolade. das wort drückt alles aus. ich werde das ganze wochenende schokolade essen. ANTON ich habe erst gestern. BERND ich freue mich auf das wochenende. ANTON onaniert. BERND dein thema nummer eins. ANTON thema zwei. zuerst kommt meine verdauung. BERND bei mir frauen. noch vor schokolade. ANTON sag. was sind frauen? manchmal frag ich mich. nötig. meine mami war ein mann. DIE KELLNERIN BRINGT DIE GETRÄNKE, KLOPFT ANTON AUF DIE SCHULTER. KELLNERIN Wie geht's? ANTON die scheibenwischanlage war kaputt. BERND was? ANTON die falsche antwort, entschuldigung. manchmal habe ich die falsche antwort auf der zunge. KELLNERIN IST SCHON WEG BERND du bist schon ein selten blöder hund, behauptete er. ANTON ich hätte noch einmal eine falsche antwort, antwortete er trocken.
    Der Schluß ist klasse.

  9. #9
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Antilopen

    Lieber Robert,


    ich danke für die prompte Bedienung. Damit kann ich arbeiten. Du hast ja auch schon deine Finger auf zwei Wunden gelegt: Zum einen bin ich mir jetzt noch nicht sicher, ob das ganze ein Theaterstück, Hörspiel, oder ein Prosatext ist. Dahier die "literarischen" Regieanweisungen, die eigentlich auch weggelassen werden könnten.
    Zum anderen wusste ich zu Beginn des Textes selbst noch nicht, welche Sprache ich meine Protagonisten sprechen lassen wollte. Mir war von Anfang an klar, dass es eine Kunstsprache sein sollte, die mehr verschweigt, als sie ausformuliert. Die Punkte sollten dabei für den Leser oder Sprecher Pausen sein, Pausen, in denen etwas unausgesprochen bleibt; also eher Vorleseanweisung als Satzzeichen. Am Anfang ist die Sprache aber noch zu schnoddrig, das werde ich ändern.


    Gruß, Klammer
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