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Thema: Es gibt kein Wir

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Post Es gibt kein Wir

    Variante A

    Du würdest mich opfern
    Jederzeit noch mal
    Deiner Unruhe zu entkommen


    Du würdest den Vogel da abknallen
    Um den anderen singen zu hören


    Und Du würdest immer auflegen
    Um es nie wieder zu hören:


    Es gibt kein Wir




    Variante B


    Du würdest mich opfern
    Jederzeit noch mal
    Deiner Suchsucht zu entkommen


    Du würdest einen Vogel abknallen
    Um einen anderen singen zu hören


    Und du würdest immer wieder anlegen
    Um es dann doch zu hören:


    Es gibt kein Wir!

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Es gibt kein Wir

    Liebe Anja,
    ich lauschte gern Deinen Zeilen...
    Wenn Du das Wort "abknallen" so meinst, wie es da steht und auch beim Schreiben nicht eines gesucht hast, das ein wenig "lyrischer", "poetischer" zu klingen imstande ist, dann... Dann offenbart sich hier in diesen Zeilen insgesamt eine Radikalität, die den ersten drei Zeilen eine andere Bedeutung im Nachhinein verleihen kann. Um es platter zu sagen: das Wort "abknallen" stellt hier einen unvermittelten Stilbruch dar, der eventuell zu einer unfreiwilligen Komik beitragen könnte. Sicherlich mag das nicht Deine Absicht sein, Deine Absicht war schon ein gewisses "Abschießen" des angeredeten Du. Kannst Du Dir noch eine andere Wendung als "abknallen" vorstellen?

    herzlichst uis

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Es gibt kein Wir

    also das "kein wir" gedicht ist mir so radikal am wahrsten. variante b hilft mir da auch nicht und die alberne abknallen-nummer gefällt mir, und sie ist so gemeint.

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Es gibt kein Wir

    Diktion gefällt mir. UM maßt sich zuviel an. Wir führen in Trists Ordner gerade die Diskussion ums WIE. Ich würd gern eine Liste anfertigen, in der alle Wörter gelistet sind, die ein Gedicht schlecht machen (könnten).


    WIE und UM würd ich aufnehmen wollen.


    Das drastische ABKNALLEN ist okay, denke ich.

  5. #5
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Es gibt kein Wir

    Dann bleibe ich dabei, dass durch "abknallen" eine Spannung entsteht zwischen einem durchaus erhabenen Ton in den ersten Zeilen und einem niedrigen Beweggrund in den folgenden. Dieser Unterschied bewirkt Komik. Deshalb ist das Gedicht schlecht, mehr oder weniger unfreiwillig. In dieser Hinsicht erscheint auch der Kommentar von "A" glaubwürdig, der das Wort "albern" enthält. Wir aber wollen hier nicht herumalbern, dazu sind andre Foren da.


    herzlichst uis

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Es gibt kein Wir

    'Suchsucht', na ja. Aber die erste Zeile, was ist mit der ersten Zeile: 'opfern' steht da. Opfern? Was ist ein Opfer, ich sehe den Opferaltar vor mir....passt das in den Kontext?, und dann gleich mehrfach. Kann man jemanden öfter als einmal opfern? 'Du würdest mich opfern / jederzeit noch einmal' hei?t: du hast mich bereits geopfert. Opfer tun weh. Beiden. Jedenfalls dem Gemüt des Opferers. Oh je. Abknallen ist das Gegenteil, hartherzig ist das. Beides in einem Gedicht?

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Es gibt kein Wir

    Wie, tut es dem Priester weh, wenn er dem Widder die Schlagader aufreißt? Glaube ich ja eher nicht. Ich finde es passend.

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Es gibt kein Wir

    ..ja es tut ihm weh, hoffentlich, das ist der Sinn (und die Definition) eines Opfers: es muß wertvoll sein, dasz es schmerzt, wenn man es hergibt, schlachtet, was weiß ich.
    Heilixblechle.

  9. #9
    rodbertus
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    AW: Es gibt kein Wir

    Na ja, leicester, das mit dem Opfern ist in diesem Text so eine Sache. Da steht ein Konjunktiv. Ich setze dem ein Geschehen voraus. Also, ich improvisiere jetzt: Gesetzt den Fall, Mensch, du, ich käme zu dir zurück und du würdest mich haben wollen und pflegen und glücklich mit mir sein... Dann würde es sehr wahrscheinlich wieder geschehen, daß Du mich bei der erstbesten Gelegenheit WIEDER opfern würdest. Irrealis. Somit tätest du mir weh, weil du reagierst auf mich, weil WIR in Wirklichkeit nicht zusammenpassen. Es gibt eben kein Wir.


    Brutal ist das wohl, brutal ehrlich, was immer dahin führt, auch sich selbst Schmerz zuzufügen. Der brennt sich so aus. Und dann geht es weiter.
    Wahrscheinlich ist das eine Anleitung zum Unglücklichsein, um den guten alten Watz. mal wieder ins Spiel zu bringen; vielleicht aber ist dies auch das ganze Gegenteil: f-a-e hör ich da im Hintergrund leise wimmern: Frei Aber Einsam.


    Suchsucht ist in der Tat ein schlechtes Wort, nur beim ersten Gedanken ist es annehmbar. Wir wollen es ganz schnell vergessen.


  10. #10
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Es gibt kein Wir

    Mag sein, dass solch ein Text hilft, des Schreibers Schmerz auszubrennen, er richtet sich ja so gegen den Leser, der hier wohl EIN einzelner Adressat ist, nämlich der, der den Schmerz verursacht hat.
    Ein Beziehungsgedicht, wenig kunstvoll, wenig allgemein gültig, wenig poetisch.
    Sowas gehört per Post geschickt!


    Lieben Gruß von
    Trist

  11. #11
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Es gibt kein Wir

    Ötzi hat in seiner Diktion was von Else L., wenn da Suchsucht nicht wäre. Aber das Ganze, alles, was auch damit zusammenhing, ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben und läßt mir ein flüchtiges "Schade!" entschlüpfen.

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