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Thema: Gesprächsfetzen mit einem Psychologen

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Post Gesprächsfetzen mit einem Psychologen

    Sie war allein im Raucherzimmer. Die Station war leer. Sie zündete sich eine Zigarette an und blickte aus dem Fenster. Der Balkon befand sich direkt davor. Der erste Stock. Ihr Blick ging weiter. Das Grau des Hauses, wo sie ihn vermutete. Sie das Radio an: "Ich wanna stand with you on a mountain. I wanna bath with you in the sea." Sie war nicht verrückt. Sie fühlte sich nur so. Sie war verliebt. Wie in ihren Exmann damals. Gleich nach dem ersten Gespräch ist es geschehen. Seine weißen leuchtenden Haare. Seine tiefen blauen Augen. Sein gewinnendes Lächeln und die nette Art, sie immer ein wenig ironisch anzuschauen, als fiele es ihm schwer, ihre Krankheit ganz ernst zu nehmen. Sie drehte sich vom Fenster weg zum Radio und drehte es eine Stufe lauter. "Ausgerechnet mein Psychologe!" dachte sie und lachte über sich selbst.


    Sie saß beim Essen. Linda, die magersüchtig war, schob ihren Teller vor sich her. Die Magersüchtigen auf der Station waren ihr ein Graus. Sie hatten nichts besseres zu tun, als nur an das Essen zu denken. Plötzlich sagte Linda:
    "Ich habe ihn gesehen, deinen Psychologen. Kein Wort würde von meinen Lippen kommen, wenn solch ein Mann mir gegenübersäße. Er sieht viel zu gut aus."
    Elisabeth blickte aus dem Fenster. Es goß in Strömen.


    Und da kam er herein. Linda starrte mit offenem Mund auf ihn. Auf ihren Psychologen.
    Er sagte:
    "Ich dachte, ich hole sie heute ab."
    Sie stand auf mit wackligen Beinen. Als sie nach draußen traten, durfte sie unter seinem schwarzen Schirm Platz nehmen. Er führte sie in das graue Gebäude gegenüber von ihrer Station. Sie nahm die Stufen und dachte, daß es nach Schule rieche. Wahrscheinlich war es der Linoleumboden, auf dem ihre Schritte hallten. Er führte sie in das kleine Zimmer und während er einen Tee zubereitete, schaute sie auf das Gemälde in dem Zimmer. Warum mußten bei Psychologen und Psychatern immer Bilder hängen? Damit die Patienten etwas zu tun hätten, während die Götter abwesend waren? Sie schaute immer nur auf einen schwarzen Fleck des Bildes. Bis er kam und ihr den Tee hinstellte.
    Sie trank den angebotenen Schwarztee so, als ob es ihr verboten wäre, aus der Tasse zu trinken. Bis sie schließlich sagte:
    "Ich kann den Tee nicht trinken."
    "Warum?" Seine blauen Augen leuchteten verschmitzt.
    Sie wand sich auf dem einfachen Holzstuhl.
    "Jede Nahrungsaufnahme bedeutet Sexualität. Ich kann nicht einmal mehr unbefangen Essen."
    "Warum bedeutet Nahrungsaufnahme Sexualität?"
    "Essen im Traum ist Sexualität."
    "Wir reden hier nicht von ihren Träumen. Es ist schon einmal übergekocht, oder? Schließen Sie den Deckel."
    "Also keine Traumanalyse?"
    "Nein."
    Sie seufzte erleichtert.


    Sie ging schnell, dabei wollte sie fast tanzen durch den kleinen Park des Klinikgeländes. Er war nicht einmal so groß, daß ein Hund darin seinen Auslauf gefunden hätte. Sie jubelte innerlich. Sie hatte sich in an den Lehnen ihres Holzstuhls verkrallt. Irgendetwas sagte ihr, jetzt mußt du es ihm entgegenschreien. Am liebsten hätte sie sich eine Zigarette angezündet, um der Spannung zu entgehen. Da entfuhr ihr und schon war es passiert: "Könnten Sie mich lieben?" Sie nahm auf der Bank Platz und zündete sich eine Zigarette an. Er hatte kurz gestutzt, dann gelächelt. Im gleichen Zug hatte sie ihn gefragt, ob er sie nach der Zeit in der Klinik übernehmen werde. Er hatte sich leicht vorgebeugt und sie fragend angeschaut. Dann sagte er:
    "Um sich ein paar manische Kicks abzuholen?"
    "Ich bin an Sie gebunden und erst wenn ein neues Objekt auftaucht, kann ich mich von Ihnen lösen."
    "Objekt?"
    "Mann."
    "Gut, ich werde sehen, ob ich noch Termine für Sie freihaben werde."
    Sie zog an der Zigarette und dachte über seinen Satz nach. Waren Verliebte nicht allesamt manisch?




    "Ich hatte wieder einen Alptraum."
    "So? Erzählen Sie."
    "Ich bin ja in eine neue Wohnung eingezogen, kürzlich. Und da hab ich geträumt, in der ersten Nacht, ich habe also geträumt, ...ich befand mich in einer Erdgeschosswohnung. Es war nicht meine, glaub ich, aber sie glich ihr, meiner neuen Wohnung. Jedenfalls, alle Türen standen offen. Und plötzlich begann dann ein unsäglicher Lärm, wie von Preßlufthämmern.... aber so unmittelbar, als wären diese in meiner Wohnung, nein, an meinem Bett, dort, wo ich lag. Es war nicht auszuhalten."
    Sie seufzte.
    "Als ob jemand mir dort den Boden aufreissen wollte. Ich habe auch einen Schwan gesehen. Aber er ist verschwunden, als er die Geräusche hörte. Ich bin erwacht mit wahnsinnigem Herzklopfen und hatte schreckliche Angst."
    "Der Schwan..."
    "Ich glaube, das waren sie, der Schwan."
    Kurzes Schweigen. Dann sagte er:
    "Wenn Sie nocheinmal sowas träumen, dann gehen Sie durch die Wohnung. Das hilft."


    Seine kleine Praxis, eine Altbauwohnung, befand sich im Westen der Stadt. Sie setzte sich auf einen schwarzen Stuhl. Daneben ein kleiner Beistelltisch. Sie sah sich um. An den Wänden hängen Gemälde von Mark Rothko. Sie strahlen Ruhe aus. Auf dem Boden steht ein Korb, darin Stofftiere. An der Wand steht eine Liege mit einem bunten Überzug in Rottönen. Genauso hatte sie sich es vorgestellt. Er hatte erwähnt, daß er nur ein kleines Zimmer in einer Praxis mit anderen Psychologen angemietet hatte.


    "Wollen Sie Tee?" fragte er.
    "Ja, bitte, danke."
    Sie fühlte sich ständig in der Schuld gegenüber anderen. Daß sie sich immer für alles bedanken mußte. Sie schlang die Beine übereinander, verkrampfte die Hände ineinander, überlegte, was sie sagen würde. Er kam zurück.
    "Zucker?"
    "Ja bitte." Sie verkniff sich das Danke. Er stellte die Tasse mit dem Schwarztee auf den Beistelltisch. Sie hatte Hemmungen ihn zu trinken. Am liebsten hätte sie den Tee vor der Sitzung in sich hineingegossen. Sie setzte vorsichtig die Lippen an. Er war noch zu heiß. Sie sagte sich, er helfe ihr. Er ist eine Beschäftigung, eine Ablenkung. Du vergisst, dich selber zu beobachten, sagte sie lautlos zu sich. Doch es half nichts, es war wie eh und je. Sie konnte diesen Tee nicht trinken.
    "Wie geht es Ihnen?"
    Während er sprach hatte er sich ein Stück weit nach vorne gebeugt. Sie dachte kurz nach, dann sagte sie.
    "Der Kleine macht mir Probleme. Ich ertrage sein Geschrei nicht. Und wenn ich mit ihm spazierengehe, ihn an der Hand halte, kommt es mir so vor, als ob ich selber das Kind wäre, das da liefe."
    "Was glauben Sie, woher kommt die Entfremdung zu ihrem Kind?"
    Sie überlegte lange, hatte ihren Kopf auf den Arm gestützt.
    "Es war er. Mein Exmann. Klaus."
    "Sie geben ihm die Schuld?"
    "Ja. Er hat sich immer nur um das Kind gekümmert.
    "Sie waren eifersüchtig?"
    "Alles, was ich machte, war falsch."
    Er schaute sie fragend an.
    "Er machte mich verantwortlich für die Asthmaanfälle von Kim. Weil ich geraucht hatte während der Schwangerschaft, gab er mir die Schuld."
    "Erzählen Sie mir von ihrem Exmann. Wo haben Sie ihn kennengelernt?"
    "Im Schwimmbad. Er trug eine Badehose im selben Blau wie mein Badeanzug. Auch unsere Handtücher waren beide blau."
    Sie lachte nervös.
    "So kamen wir miteinander ins Gespräch. Wegen dem Blau unserer Badehosen und Handtücher."


    "Was haben Sie sich von der Ehe erwartet?"
    "Gar nichts. Ich bin da ganz blind reingelaufen."
    "Und wie war die Hochzeit?"
    Sie zuckte die Achseln und sagte: "Was weiß ich?"
    "Eine Familienfeier in einem pikfeinen Restaurant. Ich war im vierten Monat schwangerund fühlte mich unwohl, da ich so dick geworden war. Ich trug einen langen schwarzen Rock, darüber eine schwarze ärmellose Weste, darunter eine weiße Bluse. Auf dem Kopf hatte ich einen kleinen weißen Hut. Ach ja, der Hut. Das war echt lustig. Jeder hat ihn sich einmal aufgesetzt beim Essen."
    "Gibt es Bilder von der Hochzeit?"
    "Ja, es gibt ein ganzes Album. Aber er hat die Bilder zerschnitten."
    "Wer?"
    "Wer schon, mein Ex. Weil er die Art, wie meine Mutter fotografierte nicht mochte. Ich habe noch ein paar Schnipsel bei mir daheim. Das ist alles, was ich von der Hochzeit noch habe. Das und die Erinnerung."
    "Wie ist das Verhältnis zu Ihrem Exmann heute?"
    "Es ist das gleiche wie immer. Er versucht mir ein schlechtes Gewissen einzureden."
    "Wie macht er das?"
    "Er benützt das Kind dafür. Neulich sagte er, die Kleider von Kim würden nach Rauch riechen. Meistens kommt es mir erst hinterher, wenn er gegangen ist, wie fies er sich mir gegenüber verhält. Ich renne dann durch die Wohnung und fühle mich so, als ob mich jemand in den Arsch gefickt hätte."


    Er schaute auf die Uhr, dann zückte er seinen Terminkalender. Die fünfzig Minuten waren also um. Er sagte:
    "Ich gebe Ihnen eine Hausaufgabe für das nächste Mal. Überlegen Sie sich, was Ihre Mutter und Ihr Exmann gemeinsam haben."
    Sie schaute ihn leicht verwundert an.
    Er sagte:
    "Sie werden sehen, wir kommen zu einem zentralen Punkt."
    Sie machten den nächsten Termin aus. Dann stand sie auf und gab ihm die Hand.


    Das gleiche Setting. Sie saßen auf den schwarzen Stühlen, ihre Beine waren übereinandergeschlagen.
    "Sie fragten mich, was meine Mutter und mein Exmann gemeinsam haben. Ich glaube, das verhält sich so. Meine Mutter hat immer die Macht über meinen Vater gehabt. Mein Vater war das kleine Würstchen und sie war wie eine Matrone. Allmächtig, kontrollierend. Sie hatte nicht diese fiesen Züge, die mein Exmann trug. Das möchte ich ihr absprechen."
    "Wie äußert sich diese Allmacht?"
    "Wenn mein Vater zu viel Alkohol trinkt, schreitet meine Mutter sofort ein. Sie kontrolliert seine Flaschen. Das gleiche macht sie auch mit mir, wenn ich dort zu Besuch bin. Sie hat noch nie annähernd eine der Freundinnen meines Bruders passabel gefunden. Sie zog immer lästernd über alle her. Über meinen Exmann hat sie einmal gesagt, ich wußte gleich, daß er ein fieser Hundling ist. Womit sie wahrscheinlich recht hat, aber kann sie nicht einmal ihre Klappe halten?"
    "Wie war das Verhältnis zwischen ihrer Mutter und ihrem Exmann sonst?"
    "Sie haben sich gegenseitig gehaßt."
    "Vielleicht, weil sie sich zu ähnlich waren. Kann das sein?"
    "Kann sein."
    Mir wurde das ganze zuviel. Wenn sollte ich jetzt mehr hassen? Meinen Exmann, meine Mutter? Ich starrte ihn wütend an und sagte dann:
    "Sind Sie verantwortlich für meine Psychose?"
    "Das kann man so nicht sagen. Sie sind bestimmt auch nicht ohne."
    Dabei lächelte er.
    "Was heißt, ich bin auch nicht ohne?"
    "Sie haben bestimmt auch Elemente von Ihrer Mutter übernommen, oder liege ich da falsch?"
    Sie schaute aus dem Fenster. Am liebsten wäre sie aufgestanden und hätte sich dorthin mit dem Blick auf die Straße gestellt. Aber sie saß wie angewachsen.
    "Aber warum bekomme ich die Psychose? Vielleicht, weil mein Exmann sagte, ich müßte mit ihm das gleiche Toilettenwasser benützen, um Wasser zu sparen? Und nebenbei einen Ferrari fahren?"
    Er hatte die Beine gespreizt und sich zu ihr vorgebeugt.
    "Vielleicht war das zuviel für Sie. Sie haben keine Luft mehr bekommen und dann haben sich die Atemwege einen anderen Ausweg gesucht. Eine Armee ist in Sie einmarschiert und hat die Kontrolle übernommen."
    Warum mußte er immer mit solch blöden männlichen Vergleichen kommen! Sie haßte ihn dafür. Dabei liebte sie ihn. Und gerade so, wie er jetzt dasaß, wußte sie, daß er sie vielleicht insgeheim auch liebte.


    "Was affektiert Sie so, wenn Sie Virginia Woolf lesen?"
    Es sind die Bedeutungen. Ich habe "Die Wellen" gelesen. Am Anfang eines jeden Kapitels beschreibt sie das Meer zu unterschiedlichen Tageszeiten. Das Meer ist für mich das Symbol des Weiblichen..."
    Sie rang nach Worten, konnte sie nicht zuordnen.
    "Ich weiß nicht, was das ist. Jedenfalls, dann im Verlauf der weiteren Kapitel beschreibt sie Stimmen von Leuten. Ich glaube, es waren die Stimmen in ihrem Kopf, ihre Geschwister."
    "Hatten Sie schon einmal eine Situation, wo sie dachten, sie wären Virginia Woolf?"
    "Nein, affektiert ja, aber ich bin nie sie gewesen. Ich sah mich einmal schon mit Steinen beschwert in die Donau gehen. Ich saß am Wasser auf den Steinen und schaute in den dunklen reißenden Fluß. Etwas zog mich magisch an. Aber es war nicht vorsätzlich. Sie wissen, daß Virginia Woolf in den Fluß ging, weil sie wieder Stimmen hörte, ja?"
    Er bestätigte mit einem Nicken. Mit wem sonst konnte sie sich so gut über Literatur unterhalten, als mit ihm? Sie hatten eine gemeinsame Liebe. Warum sollte diese Liebe sie nicht irgendwann zusammenführen? Sie rang um seine Bestätigung.
    "Aber dann kam mein Vater, sah mich sitzend am Fluß und hat mich nach Hause geführt. Einmal, als ich den Selbstmordversuch unternommen hatte mit den Neuroleptika, bin ich im Krankenhaus erwacht. Neben mir lag eine alte Frau. Da dachte ich, daß sie Virginia Woolf sei. Aber selber sie sein? Niemals."
    Wenn sie doch nur einmal ihm etwas Geschriebenes zeigen könnte, um sich bestätigt zu wissen, daß sie gut war. Aber, es war zu früh. Was sie in der letzten Zeit geschrieben hatte, handelte nur von ihm.


    Sie hatte ihn um einen außerordentlichen Termin gebeten. Es fing wieder an.
    "Ich hatte einen schrecklichen Traum. Virginia Woolf kam mir an einer Glastür entgegen. Ich glaube, es war in einem Krankenhaus. Ihre Arme endeten in verkohlten Stümpfen und in der Hand hielt sie einen Tropfgerät. Ich glaube, ich habe mich da selber gesehen."
    "Wie kam es zu diesem Traum?"
    "Ich war in Island. Ich wollte dort eine Geschichte schreiben über das Geteilte. Die Insel mit ihren Vulkanen und Gletschern wollte ich als Metapher für Schizophrenie benützen. Die Insel wird irgendwann auseinander reißen, da die tektonischen Erdplatten aneinanderreiben. So wie es mich immer zerreißt. Ich habe ständig angehalten und die Natur beschrieben."
    "Mit wem waren Sie dort?"
    "Mit einer Patientin, die ich im Krankenhaus kennengelernt habe. Sie ist schizophren."
    "Dann fahren Sie also mit einer Schizophrenen nach Island, um die Schizophrenie zu beschreiben? Da müssen Sie sich ja wohl nicht wundern, daß es Ihnen schlecht geht. Und die Tabletten haben Sie doch auch abgesetzt, oder?"
    Sie nickte kleinlaut. Dann sprach sie.
    "Ich habe die ganzen Naturbeschreibungen abgetippt, dann auseinandergeschnitten und jetzt hängt meine Wand voller Schnipsel. Ich habe mich selber zerschnitten."
    "Ich empfehle Ihnen das ganze abzuhängen und die Tabletten wieder zu nehmen. Merken Sie nicht wie perforiert Sie sind?"
    "Und was ist mit meiner Geschichte?"
    "Die lassen Sie jetzt ruhen."


    "Sie sind monopolar manisch."
    Er blickte sie mit seinen blauen Augen an und in seinem Gesicht sammelten sich die Lachfältchen.
    Sie hätte ihm um den Hals fallen können, als er diese Diagnose für sie in den Raum warf.
    "Sie hatten niemals eine Depression."
    "Und was ist mit den Sebstmordabsichten? Und das, daß ich mein Kind in Erwägung zog zu töten?"
    "Da waren Sie im Wahn, aber ihr Ich hat immer noch als Kontrollinstanz funktioniert. Sie haben da eine Ich-Stärke."
    Er sprach nicht weiter und lächelte.
    Sie lächelte zurück. Ihre Hände waren feucht geworden während des Gesprächs. Er gefiel ihr. Er hatte so eine Art einen wahrzunehmen, die sie sonst nie irgendwo gespürt hatte. Er lud einen ein, immerfort zu lächeln.
    Sie stand auf. Kleidete sich in ihren dunklen Mantel. Sie kam sich geschützt vor in dem Kleidungsstück, nachdem er ihr seine Offenbarung kundgetan hatte.


    "Ich habe einen Mann kennengelernt."
    Zuerst schaute er sie schief an. Dann sah er auf die Seite.
    Es tat ihr selber weh. Sie verkrampfte die Hände ineinander und blickte in ihren Schoß. Es bedeutete ein Abschied von ihm. Dann wagte sie es, ihn anzusehen. In seinen blauen Augen sammelte sich das Wasser.


    Sie stellte sich vor, wie sie zu einem neuen Psychologen ging. Sie würde ihm das neu verlegte Buch auf den Schreibtisch knallen und dann sagen:
    "So, jetzt analysieren Sie mich."

  2. #2
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    AW: Gesprächsfetzen mit einem Psychologen

    Ein Bowle-Text. Den Klammerer wird es erfreuen, endlich mal wieder ein bißchen Prosa. Und selbst Behle im fernen Timbuktu maunzt zufrieden und schleckert am Bildschirm... Ich lehne mich erst einmal zurück und frage mich, inwiefern Du hier eine Geschichte erzählst? Erzählst Du?


    Das ist zu knapp beschrieben. Sie sitzt im Raucherzimmer und könnte dort - was sucht sie dort? Ruhe! - auch ruhig beginnen. Deine Anfangssätze sind staccato. Du bist so in Eile, daß Du sogar mal ein Verb vergißt:
    Sie das Radio an...
    Dann wieder ganz kurze Sätze. Sie treiben etwas voran. Ist dieses Etwas schon da? Ich find es nicht. Sitzt es und raucht? Das Ende des ersten Abschnitts liest sich dann wie ein Anfang. Daraus zieh ich einen Gedanken, ueber den sich eine Geschichte aufbauen könnte.


    Bis hierhin erst einmal.

  3. #3
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    AW: Gesprächsfetzen mit einem Psychologen

    Lieber Robert,


    das vergessene Verb ist ein Flüchtigkeitsfehler meinerseits. Die kurzen Staccatosätze sind wiederrum gewollt. Der Text gehört in den Abschied rein, läßt sich aber, so finde ich, auch unabhängig davon lesen. Ich habe noch ziemlich viel dazu geschrieben. Ich werde diese Abschnitte demnächst hier reinstellen. Alles ein Resultat aus der Arbeit mit Jonathan.


    lg Patina

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