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Thema: Mairegen

  1. #1
    Sonja
    Laufkundschaft

    Post Mairegen

    Wie sanft die Tropfen auf des Flusses
    Bettes ihre Kreise ziehen
    Und langsam untertauchen im Meer
    Der leisen Wogen


    Wie sacht die grünen Blätter
    Der Bäume mit dem Winde spielen
    Und ein ganzes Orchester
    Der Ruhe sich erhebt


    Wie zärtlich sich die Schwäne
    Am Ufer heimlich treffen
    Und ihre eigne Sprache
    In alle Welten schweigen


    Wie hektisch sich die Menschen
    Unter Schirmen vor der Nässe retten
    Und all das warme Prasseln
    Von ihrem Haupt abwenden


    Wie ruhig die Wege
    Am Ufer heute sind
    Wie leer die Straßen werden
    Denn keiner will's erleben


    das tiefe, weiche Klagen
    das leise, zarte Schlagen
    des betrübten Herzens


    und keiner kann verstehen
    dass auch Gott manchmal weint
    wenn er hinuntersieht.

  2. #2
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Mairegen

    Liebe Sonja! Ich würd gern wissen wollen, wie alt Du bist - ungefähr (+/- 20) -, wie lange Du schreibst und ob Du Vorbilder besitzt. Schließlich will ich das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Mairegen

    Der Volksmund sagt: "Mairegen bringt Segen." Für mich ein Schlüssel zur letzten Strophe, womit ich auch den Kreis zum Titel mir geschlossen hätte. So ganz so weit wie Robertrodbertus würde ich ja nicht gehen bezüglich meiner Wünsche, sonst kämen ja womöglich noch Kontonummer, Telefon- und Kreditkartennummer dazu. Aber, liebe Sonja, zur Beurteilung Deines Schreibens wären ein bis zwei weitere Texte hilfreich, dann gehe ich hier noch mal dran und versuche herauszufinden, warum der liebe Gott angesichts schweigender Schwäne weint, ab und zu.


    herzlichst uis

  4. #4
    Sonja
    Laufkundschaft

    AW: Mairegen

    Bin 17 und schreibe seit ca 3 jahren
    keine vorbilder

  5. #5
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Mairegen

    Danke. Dann so: Deine Tropfen führen ein Eigenleben. Sollen sie. Dann mach sie zum Deinem Agens, zu dem treibenden, antreibenden Moment Deines Textes. Das wäre spaßig, deren Faxen gleichsam in einem gröberen Zusammenhang Deinem Leser vors geistige Auge zu zaubern. Würdest Du das wollen?
    Ich habe Tropfen tanzen sehen, ich habe sie untertauchen, aber nicht untergehen sehen, aber Kreise zogen sie nicht. Man gab sie ihnen, sie selbst können das nicht. Wenn Deine Tropfen das können, dann haben sie es verdient, hier Antreiber zu sein, nicht nur dem drögen Trägheitsgesetz sich unterordnen zu müssen.
    Aus Deinen Tropfen werden Wogen. Ein Tigersprung.
    Aus dem Sanften der ersten Strophe wird ein Sachtsein. Zuviel des Guten. Ich bitte um dynamische Aspekte.


    Aber Du hast eine Beziehung zur Sprache, keine Frage, alliterierst ganz zwanglos (die sinntragenden Verben beginnen bei Dir vornehmlich mit einem stimmhaften s), ohne dabei zu kalauern, wie dies minderbegabte Sprachteilnehmer dann gern tun. Das gefällt mir. Aber es ist alles ein wenig seicht, zu wenig Härte, zu wenig Auswuchtung, das Gegensätzliche, wodurch uns Lesern erst bewußt wird, was Sanftheit ausmacht. Es fehlt an innerer Spannkraft, an einem antithetischen Weltverständnis. Vorbilder könnten hier helfen.

  6. #6
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Mairegen

    Hallo Sonja,
    ich möchte Einiges zu Deinem Text sagen, sicherlich. Vorerst aber nur das: Das, was Robert sucht, mag er in den letzten zwei Strophen finden. Sie stehen durchaus in einem Kontrast zum vorher Gesagten. Da komm ich wieder auf den weinenden Gottvater, das ist klar. Aber grundsätzlich gefällt mir Dein Umgang mit der Sprache. Du fühlst den Worten schon ein wenig nach. Aber "des Flusses Bettes" geht so beileibe nicht. Und noch was zu den Tropfen. Sie ziehen gar nichts, die Kreise gehören dem Fluss. Aber es ist grad dieses Einverleiben, das den Reiz Deiner Sichtweise ausmacht. Es gefällt mir auch, dass Du sparsam mit rhetorischen Mitteln wie der repetitio beim Satzbau umgehst in der vorletzten Strophe, das ist nahezu gehaucht. Das, was mir nicht so gefällt, sag ich Dir jetzt und hier noch nicht, weil Du ja noch andre Texte einstellen wirst. Dann sag ich auch, was mir nicht gefällt, ganz bestimmt sag ich das dann.


    herzlichst uis

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