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Thema: Zerrissene Texte - Manchmal

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Post Zerrissene Texte - Manchmal

    Manchmal




    Manchmal möchte ich ihn anrufen. Einfach so. Obwohl ich weiß, dass er nicht abheben würde. Ich stelle mir vor, wie sein Handy klingelt, sein Blick - auf das blauleuchtende Display gerichtet. Meine Nummer. Keine Reaktion. Früher war alles anders. Bilde ich mir gerne ein. Und jetzt, wo es vorbei ist, mag ich die Vergangenheit. Manchmal wollte ich ihn küssen. Einfach so. Wenn wir in einer Bar saßen. Ich beugte mich nach vorne, aber die Distanz zwischen uns blieb. Wie eine Wand, die nicht dünner wird, nur weil man näher an sie herantritt. Ich preßte meine Stirn gegen seine kühle Unerreichbarkeit. Und lächelte dabei.
    Wäre er mir nicht so fern gewesen, nie hätte ich seine Nähe gesucht. Vielleicht ahnte er das. Manchmal. Wenn sich Schweigen in unsere Gespräche mischte, unsere Worte lähmte und einschüchterte, so dass sie nicht mehr ausgesprochen werden wollten und sich voreinander versteckten. Wie Kinder. Nur war es kein Spiel. Das wußten wir. Wir waren zu alt, um einander zu suchen. Oder zu jung. Jedenfalls gab es für uns keine Zeit mehr. Vielleicht gab es sie nie. Bilde ich mir gerne ein. Aber sein Bild verfolgt mich. Wie ein seltsamer Traum, den man nicht deuten kann. Weil man sich nicht kennt. Und es auch nicht möchte.
    Manchmal weht mir sein Geruch auf offener Straße entgegen. Einfach so. Als sei er ein ganz normaler Teil meiner Welt. Und ich erinnere mich an unsere Abende. An meine leise Verzweiflung. Ich schließe die Augen und schaue in sein Gesicht. Wie in einen Spiegel, in dem man sich nicht sehen kann. Und dann, nur einen flüchtigen Augenblick lang möchte ich glauben, wir wären uns ganz nah. Als würden alle Mauern zwischen uns zusammenstürzen und wir könnten endlich die Haut des anderen sehen. Einander berühren. Schutzlos. Als hätten wir keine Angst. Dann möchte ich ihn anrufen. Manchmal.

  2. #2
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    AW: Zerrissene Texte - Manchmal

    Dein Text ist ein zufälliger Fund. Was besagt, daß Leben oft gleiche Bahnen beschreitet. Was Dir geschah, geschieht jeden Tag an hundertundzwei Orten auf der Welt gleichzeitig, vielleicht allein nur in Deutschland. Wenn ich nicht wüßte, daß eine gewisse junge Dame meines Herzens hundertundfünfundsiebenzig Meter von hier entfernt derzeit streunt, so könnte ich meinen, daß sie es geschrieben habe. Sogar das blauleuchtende Display stimmt, imgleichen die feine Beschreibung von Distanz, die nur den einen Fehler besitzt, daß Du dieses Wort benutztest: Distanz.
    Das mit dem verfolgenden Bild erkläre mir! Der Geruch auf der Straße verfliegt. Ich kenne eine Lebenssituation, in der sieht das Auge nur die Sehnsucht, an jeder Ecke steht sie und lächelt böse. Und gebiert Hoffnung, dieses Elend Gottes, womit er uns foppt. Da wirst Du in Deinem Text merkwürdig fahrig, verläßt die Dichte, die er anfangs noch besitzt, als Du in der Bar die bröcklige Distanzierung beschreibst. Er, der distanzgesetzte Mann, ist im übrigen sehr blaß: Gibt es denn nur Dich? Und was sucht das MAN in Deinem Text? Ich hasse diese Mans, mehr noch als die foppende Sehnsucht. Such sie raus und wirf sie in mein Gesicht!

    Dann lächle! Und komm!

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Zerrissene Texte - Manchmal

    Lieber Robert,
    wie nett, nach so langer Zeit erneut von dir hier empfangen zu werden.
    Was interessiert mich, ob das, was in dem Text beschrieben wird, jeden Tag an hundertundzwei Orten gleichzeitig geschieht? Kann man überhaupt über etwas schreiben, was noch nie ein anderer empfunden hätte? Und - selbst wenn dies möglich wäre, würde es dann jemand lesen? Diese Nacht gab es allen Anschein nach jedenfalls nur einen, dessen Dame seines Herzens hundertundfünfzig Meter von ihm entfernt streunte, und der meinte, Sehnsucht zwischen den Zeilen zu lesen...

    Der Text ist allgemein gehalten, daher die vielen Mans. Nur eins würde ich streichen und daraus Wie in einen Spiegel, in dem ich mich nicht sehen kann machen. Auch der distanzgesetzte Mann bleibt nur eine Idee, ein Objekt, auf das sich die Sehnsucht (?) bezieht, die sie aber nicht ausmacht. Er ist nicht wichtig. Es geht nur um die Erzählerin. Sie dreht sich um sich selbst.
    Das verfolgende Bild erklärt sich durch den nachfolgenden Satz. Vielleicht auch durch den vorherigen. Und was die Distanz betrifft - ich mag dieses Wort. Es hat so eine nüchterne Kälte, die sich sämtlichen kitschigen Regungen, zu denen sich der Text hinneigt, entgegenstellt. Außerdem baut der nachfolgende Satz darauf auf. Da müßte dann entweder ein ganzes Stück wegfallen oder komplett neu formuliert werden:

    1) Manchmal wollte ich ihn küssen. Einfach so. Ich preßte meine Stirn gegen seine kühle Unerreichbarkeit und lächelte dabei.
    2) Manchmal wollte ich ihn küssen. Einfach so. Ich beugte mich nach vorne und preßte meine Stirn gegen seine kühle Unerreichbarkeit. Wie gegen eine Wand, die nicht dünner wurde, nur weil ich näher an sie herantrat. Und dabei lächelte.


    Hm?

  4. #4
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Zerrissene Texte - Manchmal

    Das hat Dich zu interessieren, Verehrteste, ob DEINE Geschichte eine allgemeine oder eine besondere ist, ob die Figuren in Deinem Wortgeflecht als Repräsentanten oder als Charaktere dargestellt werden müssen. Was nützt hier Textarbeit, wenn diese Voraussetzung des Grundcharakters Deiner Geschichte nicht klar ist.


    Ich würd mich auch freuen, wenn Du Deine Storchperspektive aufgäbest; sie verschafft dem Text einen kurzen Atem.

  5. #5
    Kurzvormabschussiger
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    Post AW: Zerrissene Texte - Manchmal

    B?h! Du bist einfach eklig.
    es gibt doch diese tolle Werbung: "Weil das Besondere ganz normal ist." Manchmal sind Geschichten halt allgemein. Soll ich mir etwa was aus den Fingern ziehen? Naja, da meine Textchen eh nur Experimente sind, kann ich ja mal einen kleinen Angriff wagen. Ist auch eine gute Ausrede, um meine ?tzende Hausarbeit links liegen zu lassen.
    Vielleicht ist dir das ja ein wenig Textarbeit wert:

    Manchmal


    Manchmal möchte ich ihn anrufen. Einfach so. Obwohl ich weiß, dass er nicht abheben würde. Ich stelle mir vor, wie sein Handy klingelt, sein Blick - auf das blauleuchtende Display gerichtet. Meine Nummer. Keine Reaktion. Früher war alles anders. Bilde ich mir gerne ein. Und jetzt, wo es vorbei ist, mag ich die Vergangenheit. Oder meine Erinnerungen an sie. Manchmal saßen wir auf seiner Terrasse. Nachts. Einfach so. Mit einer Flasche Wein und roten Goulloise. Ich redete in die Dunkelheit seines Gartens, während er schwieg. Und mich nicht ansah. Ich fand ihn schön wenn er das tat. Er wußte das. Manchmal wollte ich ihn küssen. Einfach so. Wenn wir in einer Bar saßen und uns anschrien. Weil die Musik so laut war. Und weil wir uns nicht leiden konnten. Ich beugte mich vor und preßte meine Stirn gegen seine kühle Unerreichbarkeit. Wie gegen eine Wand, die nicht dünner wird, nur weil man näher an sie herantritt. Und dabei lächelt. Oder schreit.
    Wäre er mir nicht so fern gewesen, nie hätte ich seine Nähe gesucht. Vielleicht ahnte er das. Manchmal. Wenn sich Schweigen in unsere Gespräche mischte, unsere Worte lähmte und einschüchterte. Wie Kinder. Nur war es kein Spiel. Das wußten wir. Wir waren zu alt, um einander zu suchen. Oder zu jung. Jedenfalls gab es für uns keine Zeit mehr. Vielleicht gab es sie nie. Dafür kannten wir uns schon zu lange. Waren zu gute Freunde. Bilde ich mir gerne ein. Manchmal. Wenn ich mich an ihn erinnere. Wie er am Bahnsteig steht. Die Hände in den Jeanstaschen vergraben. Das braune Haar wirr im Gesicht. Naß vom Regen. Keine Tränen. Warum auch. Ich winke nicht. Fahre einem Leben entgegen, in dem er keinen Platz finden wird. Hoffe ich. Aber sein Bild verfolgt mich. Wie ein seltsamer Traum, den ich nicht deuten kann. Weil ich mich nicht kenne. Und es auch nicht möchte.
    Manchmal weht mir sein Geruch auf offener Straße entgegen. Einfach so. Als sei er ein ganz normaler Teil meiner Welt. Und ich erinnere mich an unsere Abende. An meine leise Verzweiflung. Ich schließe die Augen und schaue in sein Gesicht. Wie in einen Spiegel, in dem ich mich nicht sehen kann. Weil ich ihm zu ähnlich bin. Und dann, nur einen flüchtigen Augenblick lang möchte ich glauben, wir wären uns ganz nah. Als würden alle Mauern zwischen uns zusammenstürzen und wir könnten endlich die Haut des anderen sehen. Einander berühren. Schutzlos. Als hätten wir keine Angst. Dann möchte ich ihn anrufen. Manchmal.

  6. #6
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Zerrissene Texte - Manchmal

    Das ist schon viel besser und enthebt Dich jeden Zweifels, daß Du es sein könntest, die mich schon eine kleine Ewigkeit quält.

    Also, Nichte Zuz, wir wollen jetzt unsere großen Hirne zusammenlegen und um ein Ergebnis betteln. Stell Dir vor, Dir begegnet ein Mensch, der Dich durch seine Art, seine Bewegung, seine körperliche Ausstrahlung und durch die Ähnlichkeit (in bezug auf Dich selbst) seines Augenlichts sofort als bekanntes Wesen gefangennimmt. Du siehst Dich selbst, aber dann kommt da noch etwas dazu, etwas Fremdes, etwas anderes, etwas nicht so genau zu Umreißendes. Es ist jedenfalls genug, um Dich neugierig zu machen, Deinen Jagdinstinkt (nicht im Sinne von erlegen, vielmehr zu erhaschen meine ich hier) zu wecken, den Wunsch zu entwickeln, diesen anderen und Dir doch gleichen Menschen in Dir aufzunehmen und ihn zu stellen, so von Angesicht zu Angesicht die Stirnen aneinander zu legen und darauf zu wetten, daß es Funken schlägt. Du weißt es, der andere Mensch weiß es. Und das geht dann eine ganze Weile so; man umlauert einander, DENN der andere Mensch weiß das alles ja auch, schließlich ist er wie Du selbst. Was Du vermutest, vermutetest und wissen wirst. Du bist nicht jung genug, um das nicht zu wissen, nicht alt genug, um sich nicht mehr dafür zu interessieren. Es interessiert Dich, Du bist neugierig, der andere Mensch ist neugierig.
    Und dann machst Du einen Fehler. Du hältst die Spannung nicht mehr aus und willst eine Entscheidung, willst wissen, ob es mehr ist als Tändelei, mehr ist als ein freundliches und allzeit bereites Erwarten des Künftigen. Und zerschlägst die Spannung, indem Du eine Entscheidung willst: Sie würde von dem anderen verlangen, daß er sein Suchen vorerst aufgibt und bleibt.
    Die Antwort darauf könnte lauten:


    ... --> jetzt Du

  7. #7
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Zerrissene Texte - Manchmal

    Wußt ich's doch, dass da ein Haken sein muß. Zurücklehnen und und mit großen Augen lauschen gibt es bei dem bösen Onkel nicht. Und überhaupt - das hört sich vielmehr nach ner Bravo-Foto-Love-Story an, was du da beschreibst. Oder nach der berühmten Ankreuz-Frage: "Willst du mit mir gehen? ja/nein/vielleicht." Im Ernst. Meine Antwort würde lauten: "Hilfe."
    Würde der andere bleiben, dann wäre die Geschichte vorbei. Gäbe es eine Entscheidung, wäre ich eine andere. So wie der andere. Und wir uns nicht mehr ähnlich. Der Spiegel würde zerspringen. Und hinter ihm würde ein fremdes Gesicht auftauchen. Wie eine nepalesische Maske aus Pashupatinath.
    Was willst du? Ein neues Thema? Davon schreibst du nämlich.

  8. #8
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Zerrissene Texte - Manchmal

    Ich schreib von einem anderen Thema? Aber geh! Ich schreib von dem, was mir durch den Kopf ging, als ich Deine Zeilen las. Das nennt man Rezeption, denke ich. Oder Mauschelrauschel. Ist das gleiche.
    Das Bild vom zersprungenen Spiegel rechne ich Dir hoch an. Aber das Schülerhafte steck Dir in den Asch. (würde Lessing sagen) Weißt, wovon ich spreche?
    Wer spricht hier von Miteinandergehen? Das steht doch noch gar nicht an. Wer weiß, wie's kömmt. An einem gewissen Punkt fragt man sich das gar nicht. Dann geht man oder nicht. Man geht.
    Wenn der Gedanke der Selbstbefragung erst einmal gereift ist, dann ist sowieso alles zu spät. Dann hilft noch was von außen, ein Eingriff oder ein Eingreifender.


    Okay, Thema ist erledigt, Thema der Selbsterkenntnis im dato Fremden. Reden wir über Löcher im Käse!

  9. #9
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Zerrissene Texte - Manchmal

    Und du spar dir das Lehrerhafte. Kotzt mich auch an. Und das literarische Um-den-heißen-Brei-reden sowieso. Ich kann halt keine Gedanken lesen. Und seltsam tausenddeutige Deutungen des Geschriebenen schreiben. "Wer spricht hier von Miteinandergehen"? Das frage ich mich allerdings auch. Selbstverfragung - was soll das? Könntest du von deiner giftgrünen Lektorenwolke heruntersteigen und dein großes Hirn an ein kleines legen und um ein Ergebnis betteln? Du treibst mich umher und in jeder Ecke stehst du und lächelst böse. Und gebierst Hoffnung, dieses Elend, womit du mich foppst. Manchmal. Du. Der distanzgesetzte Mann. Blaß. Mit einem Glas Wein und einer Zigarette, die nicht schmeckt. Wie dein Wort. Wenn es dämmert. Und das Licht des Monitors graue Schatten auf dein Gesicht wirft. Weil dein Handy nicht blau leuchten mag. Und sie nicht bei dir ist. Sondern streunt. Manchmal. Wenn ich will, male ich dein Gesicht auf weißes Papier. Einfach so. Male mit rauhen Pinseln um deine Augen, den Mund, auf den Hals. Geschichten. Die sich tief in deine Haut gebrannt haben. Ohne, dass sie entdeckt werden könnten. Von ihr. Die mit spitzen Fingern durch ihre Schluchten führt. In Abgründe greift. Und dabei lächelt. Oder schreit. Manchmal. Wenn du fortgehen möchtest. Einfach so. Aber nicht kannst. Weil sie nicht da ist. Oder weil du die Entscheidung fürchtest. Wie die Scherben eines Spiegels. In dem du dich nie sehen konntest. Nur sie. Und mich. Zu nah. Blaß. Ohne Wein und Zigaretten. Nur mit einer Nummer. Von ihm. Den ich anrufen möchte. Aber nicht kann... usw.


    Na, dann geh ich halt. Und du - komm!

  10. #10
    rodbertus
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    AW: Zerrissene Texte - Manchmal

    Gut gebrüllt, Löwin.
    Ich habe mich über Deine Zeilen gefreut. Du hast Witz. Und wenn Du eine Frau bist, dann ist das eine seltsame Kombination, die mir nicht oft begegnete.


    Ergebnis muß nicht sein. Halten wir doch alles in der Schwebe, das ist spaßiger. Und um Ergebnissicherung ist es mir noch nie gegangen. Wie langweilig. Aber eine Zigarette danach könnten wir rauchen, nennen wir sie Friedenspfeife. Oder rauchst Du mit keiner Pfeife eine Pfeife? Böse lächeln gehört zu mir, aber ich meine das nicht so, nicht wirklich, sondern nur der oberflächlichen Betutung nach, ist ein Test; nur die Bunten fallen durch, die Fleischeßverweigerer, die Milcheiweißnegierer und die E-Nachgucker...


    P.S. Das Wichtigste bei allem irdschen Ding sind Ort und Stunde: Also gib mir kund, wo ich wann zu sein habe, wenn ich meine männliche Stirn gegen Deine weibliche drücken will.

  11. #11
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Zerrissene Texte - Manchmal

    Du führst mich in Versuchung, mein Guter. Dabei habe ich das Rauchen schon längst aufgegeben. Und auch, wenn ich dich gerne eine kleine Ewigkeit lang quälen, und meine Stirn an deiner unterkühlen lassen würde, so wartet doch neben mir ein kleines Sutra auf seine Übersetzung... vielleicht später. Wenn dir was nettes einfällt.


    p.s.: Eine Beute, die sich selbst anbietet, weckt nur selten Jagdinstinkte. Da muß man schon verdammt hungrig sein.

  12. #12
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Zerrissene Texte - Manchmal

    Das hab ich mir doch gedacht, daß ich als Beute schlecht tauge. Zumal ich stinke, schlechte Manieren habe und die Zeche immer die anderen bezahlen lasse. Und das bei maßlosem Verzehr! Außerdem komme ich immer zu spät, weiß alles besser und pöble fremde Leute an.

    Aber Du hast die Finger nicht stillhalten können und schon nach wenigen Minuten geantwortet. Dein Desinteresse solltest Du besser zu verstecken lernen.




    An einem funkensprühenden Stirnenschlag hätt ich mich gern laben wollen. Es soll nicht sein. Erledigt. Bekümmern wir uns um Wesentliches, Dein Denken und das daraus resultierende Schreiben.

  13. #13
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Zerrissene Texte - Manchmal

    Denken und schreiben? Du meinst doch nicht etwa beides gleichzeitig? Nun ja, der gute Mahasattva hat seinen Körper der Tigerin bereits hingegeben und wurde bei den Göttern wiedergeboren. Ich finde, ich war fleißig. Also kann ich mal ein wenig meine Zeit mit dem weltlichen Tun vertrödeln...
    Stirn wegziehen is' nicht, VEREHRTESTER. Ich habe mir schon längst einen kleinen Funken in die Hosentasche gesteckt. Mal sehen, was sich damit so anfangen läßt. Und wie das bei allem irdischen Ding so ist, nenn ich dir die Stunde - hm... sagen wir so 23 uhr (30). Dann gibt es ne kleine Märchenstunde mit Tante Zuz - und Fünkchen Robert.

  14. #14
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Zerrissene Texte - Manchmal

    (Ich les hier gerne mit, wollte ich eben - nebst Gruß an Tante und Fünkchen - hinterlassen!)

  15. #15
    Kurzvormabschussiger
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    Post AW: Zerrissene Texte - Manchmal

    Wie schön, Trist. Mal sehen, ob es so bleibt.
    Momentan schreibe ich hier ganz nach dem Motto: "Gib mir einen Satz und ich male dir ein Bild. Wie Kinder es tun. Wenn niemand zuschaut. Keine Kunst. Nur Papier und Farbe."

    Mein Schreiben resultiert grundsätzlich nicht aus meinem Denken. Schließlich bin ich kein Autor. Oder Lektor, was wohl noch schlimmer ist. Würde ich an einen Gott glauben, würde ich ihm dafür danken. Es lebt sich doch viel leichter, wenn man kein Buch schreiben will. Und keinen haarigen ausgeleierten Beutel voller verkrüppelter Helden mit sich schleppen muß. Da lobe ich mir einen flachen Bauch. Und gesunden Rücken.
    Ich kannte einen Menschen, der ist am Wort verzweifelt. Nicht, weil es ein tiefgründiges war. Es war seine Natur, an ihm zu verzweifeln. Er nannte sich Schriftsteller. Eines Tages rief man mich an und sagte, er läge im Sterben. Gehirnschlag. Ich ging ins Krankenhaus, betrachtete sein aufgequollenes rechtes Auge, das man hatte zunähen müssen, berührte seinen Arm, redete ein wenig und fand, dass Gehirnschlag ein angemessener Tod sei. Für jemanden, der immerzu am Wort verzweifeln mußte. Eine Woche später lachte ich laut vom Rednerpult in eine Ansammlung von alten Gesichtern, schwarzen Hüten und Mänteln. Ein Sakrileg. Es war mir scheißegal.

    Man faßt keine Bücher an, wenn man noch nicht des Lesens mächtig ist

    Er sagte mächtig und ich schob voller Ehrfurcht die Bücher zurück ins Regal, die ich so gerne als Wände für mein Haus verwendet hätte. In seinem Haus war Stille erwünscht. Erwünscht. Nicht befohlen.

    Es ist deine freie Entscheidung, mein Sohn. sagte er und strich mir über mein sorgfältig gescheiteltes Haar. Ich nickte. Und fühlte mich ein wenig wichtig. Abends aber saß ich stundenlang auf der Treppe, die in seinen Arbeitskeller führte. Weil ich Angst vor ihm hatte. Und nicht hinunter durfte. Ganz leise lauschte ich seinem gleichmäßigen Tippen auf der Schreibmaschine. Manchmal waren es auch die Absätze meiner Mutter im Flur. Wenn sie das Haus verließ. Oder wiederkam. Ich war mir nie sicher.
    Vor dem Haus war ein großer Garten. Mit einem kleinen japanischen Teich in dem weiße Koi schwammen. Dort saß ich, trieb die häßlichen Fische mit Stöcken in eine Ecke und ließ Steine auf sie fallen. Sie aber blickten mich nur mit ihren großen wäßrigen Augen an und starrten noch weiter, wenn ich abends vor meinem Bett niederkniete. Wenn er mich ansah. Manchmal.

    Sie fragte mich nicht, ob sie mich küssen dürfe. Sie tat es einfach. Ich sagte ihr, dass ich nicht interessiert sei. Das reizte sie noch mehr.
    Ich bin eine Jägerin! sagte sie trotzig, warf das rote Haar in den Nacken, bleckte die Zähne und erinnerte tatsächlich an eine Löwin. Wenn sie weiß, dass die Beute schon zu nahe gekommen ist. Sie sagte, sie sei Schriftstellerin.

    Wenn ich will, male ich dein Gesicht auf weißes Papier. Einfach so. Male mit rauhen Pinseln Geschichten um deine Augen, den Mund, auf den Hals. Und lächle dabei.

    Und ich sagte, dass mein Gesicht nicht für Geschichten tauge, zumal ich schlechte Manieren habe, immer alles besser wüßte und fremde Leute anpöble. Sie kam mit zu mir nach Hause. Setzte sich an meinen Computer, trank meinen Wein, rauchte meine Zigaretten und meinte wichtiges zu schreiben. Ich war müde. Fühlte mich blaß.
    Komm! sagte sie. Ich wollte, dass sie geht.
    Warum? fragte sie und ich sagte, dass man sich das an einem gewissen Punkt gar nicht frage.
    Dann geht man oder nicht. Man geht.
    Sie blieb. Mit ihrem Wort. Zog meine Bücher aus den Regalen. Ließ sie liegen und kümmerte sich nicht um die Löcher in den Wänden. Nachts träumte ich von wäßrigen Augen die aus der Dunkelheit eines Kellers tarrten, meinte, eine Frau über das Parkett meiner Wohnung laufen zu hören und fand keine Ruhe. Wenn ich Morgens aufwachte, wollte ich ihn anrufen. Manchmal... usw.


    Ja, ja... müde bin ich jetzt auch... werde schon ganz pathetisch.

  16. #16
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Zerrissene Texte - Manchmal

    sehr pathetisch, beinahe rührselig - was aber Grund fürs Schreiben genug abgibt


    dein schmerz wurde nicht transparent, zwar hab ich da ahnungen, aber die trugen sich mir nicht an, die hab ich quasi mitgebracht - also, mach weiter so, ich hör dir zu

  17. #17
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Zerrissene Texte - Manchmal

    jaaa... pathos ist meine profession. rührselig mein name. es geht also weiter. mit deinem thema:


    Sie war natürlich viel zu jung. Das wußte ich. Wer hält sich schon eine Löwin. Noch dazu eine hungrige. Vor allem, wenn man sich bereits Raubtier genug ist. Oder es wenigstens glauben möchte. Sie fand mich langweilig. "Du bist so langweilig, dass du dich selber nicht ertragen kannst. Und andere sowieso nicht." Derartige Kommentare nahm ich nicht ernst. Warum auch. Ich lächelte allenfalls. Müde. Und holte mir ein Bier aus dem Kühlschrank. Oder Wein. Was gerade da war. Während sie im Kreis lief, fauchte, ihren Mantel nahm. Und ging. Ich ließ sie streunen und trank so lange, bis ich mir sicher war, dass es mich nicht interessierte. Schließlich ließ ich mich in einen tiefen, traumlosen Schlaf fallen, aus dem ich auch dann nicht erwachte, wenn sie zurückkam und mir mit ihren spitzen Fingern durch das Gesicht fuhr. Oder in Abgründe griff. Morgens war sie meist vor mir auf. Zerfledderte meine Zeitung. Trank meinen Kaffee. Setzte sich an meinen Computer und meinte, Wichtiges zu schreiben. Oder zerrte Schubladen aus Schränken, wühlte in alten Briefen und Photos. Fragte mich nach meinem Leben. "Deine Geschichte ist ein zufälliger Fund. Nichts besonderes. Was Dir geschah, geschieht jeden Tag an hundertundzwei Orten auf der Welt gleichzeitig, vielleicht allein nur in Deutschland", sagte sie. Und meinte es nicht einmal böse.


    Er hat mich nie geschlagen. Bis auf einmal. Allerdings mit Vorwarnung. Und auch nicht ins Gesicht. Das war nicht seine Art. Nur sein Wort war gewaltig. Oder seine Stille. Wenn er mich ansah. Manchmal. Und ich ihn nur hören konnte. Wie er atmete. Langsam. Schnell. Ich war mir nie sicher. Er konnte auch witzig sein. Am Frühstückstisch. Wenn er sein Ei bereits sorgfältig ausgehöhlt hatte und dann, mit der unberührten Seite nach oben, vor mich stellte. Jeden Morgen. Ich klopfte auf die Schale. Und wunderte mich. Und er freute sich über meine Einfältigkeit. Und ich freute mich, dass er sich freute. In dieser Reihenfolge. Dann nahm er die Zeitung, stopfte seine Pfeife. "Du darfst jetzt gehen." Stille. Erwünscht. Nicht befohlen. Ich setzte mich an den Teich. Quälte die Koi. Und fürchtete den Abend. Wie man den Schlaf fürchtete. Oder einen Traum, von dem man weiß, dass er sich wiederholen wird.


    "Ich hasse deine Mans", schrie sie. Wenn wir uns unterhielten. In einer Bar. Weil die Musik so laut war. Und sie mich nicht leiden konnte. Für mich machte das keinen Unterschied. Schließlich waren es nur Worte. "Du solltest dir überlegen, ob dein Wort ein allgemeines oder ein besonderes ist. Was nützt da ein Gespräch, wenn diese Voraussetzung nicht klar ist." Und sie preßte die Lippen fest zusammen. Beugte sich nach vorne. Meinte mir zu trotzen. Während ich schwieg. Mich zurücklehnte. An ihr vorbeischaute. Weil sie es so gewohnt war. Das wußte ich. Nachts aber riß sie mir ein Stück Fleisch aus der Lende. Und lächelte dabei. Manchmal. Wenn ich bereits schlief. Obwohl ich es nicht wollte. Da ich fürchtete, eine Frau über das Parkett meiner Wohnung laufen zu hören.


    "Leider bist du noch zu jung, um das zu verstehen. Mein Sohn" sagte er. Und wußte, wovon er sprach. Im Gegensatz zu vielen anderen. Die ihm seine Zeit raubten. Unordnung in seine Bücher brachten. Sein Wort nicht verstanden. Meine Mutter nahm mich bei der Hand. Verließ sein Haus. Und meinte, dass sei normal. Sie kaufte mir ein Aquarium mit gelben Schleierschwänzen, die ich so lange nicht fütterte, bis sie mit aufgedunsenen Bäuchen an der Wasseroberfläche trieben. Und mich nicht mehr anstarren konnten. Abends aber kniete ich immer noch vor dem Bett nieder und glaubte sein Tippen auf der Schreibmaschine zu hören. Oder sein Atmen. Nah. Fern. Ich war mir nie sicher.


    "Ich höre dir zu", sagte sie. Wenn sie nach einem Wort suchte. Das ich ihr nicht geben konnte. Weil ich müde war. Und blaß. Sie aber ließ nicht von mir ab. Lauerte mir auf. Verfolgte meine Blicke. Wenn ich sie nicht ansah. Weil ich es so gewohnt war. Das wußte sie. Wenn wir auf meiner Terrasse saßen. Einfach so. Mit einer Flasche Wein und roten Goulloise. Weil es die Zeit erlaubte. Mein Haus wurde nicht leer von ihr. Immerzu saß sie an meinem Computer. Mit ihren Bildern. Die ich nicht haben wollte. Und ihrem Hunger. Den ich nicht mehr kannte. Oder kennen wollte. Weil ich wußte, dass es eine Lebenssituation gab, in der er an jeder Ecke stand und böse lächelte. Und Hoffnung gebar. Wie sein Wort. Das nach Entscheidungen verlangte. Und Fehlern.


    "Dein Schmerz wurde für mich nicht transparent. Zwar habe ich da Ahnungen. Aber die trugen sich mir nicht an, die habe ich quasi mitgebracht", sagte sie und ich schlug mit der Faust an ihrem Gesicht vorbei. In den großen Spiegel, der im Flur an der Wand lehnte. Und sagte, sie solle gehen. Was sie auch tat. Nachts aber kratzte sie an meiner Tür. Raubte mir meinen Schlaf. Weil sie mich kannte. Morgens brachte ich sie zum Bahnhof. Ich hatte keine Tränen für sie. Warum auch. Es regnete. Und ich fand, dass Regen ein angemessener Abschied sei. Für jemanden, der mich langweilig fand. Manchmal. Sie aber schickte mir ein kleines Päckchen. Von irgendwoher. Mit einem Handy, dessen Display blau leuchtete. Und schrieb, dass ich sie mal anrufen könnte. Oder ihn. Denn sie ahnte bereits, dass er an seinem Wort verzweifeln würde.

  18. #18
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Zerrissene Texte - Manchmal

    ... sehe ich hier auch. und egal, ob zugenäht oder wäßrig - es scheinen mir doch nur zwei zu sein, die zudem noch unter derselben stirn hervortreten. selbstgespräche? midlife crisis? jeder wünscht sich, mal wieder jung zu sein. und wenn im forum sonst nichts los ist, muß man(n) schon mal monologisieren. trotzdem habe ich hier gerne gelesen. dieser stil hat auch was.

  19. #19
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Zerrissene Texte - Manchmal

    Das ist ein nettes Spiel, Zuzana, das wir hier betreiben. Du kompilierst.


    Ich will Dir auch sagen,was mir hier nicht gefällt: Du bist mir zu schnell: Preußischer Kirchgang. Rein - raus - danke schön! Ich bin zu alt für diese Scheiße. Ich will es schön langsam und intensiv, nicht so ratzbatzschmiergelwirgel. Und wenn die erste Unpäßlichkeit kömmt, dann regnet's Tränen auf dem Wege zum Bahnhof. Geb ich Dir hier ein paar Vorlagen? Dann will ich Dir noch ein paar geben: Ein Abschied findet nur zwischen Menschen statt, die sich satthaben. Scheidung, sich scheiden, trennen... Wie soll das zwischen liebenden Herzen gehen. Trennung? Klingt sehr viel brutaler und ehrlicher. Aber Scheidung hat etwas Gewaltsames, etwas Gemachtes, nichts so Innerliches. ich will mich von Dir nicht getrennt wissen, noch gehst Du mir nicht auf die Nerven. Ich Dir dafür.
    Sah gestern jemanden, der mir gefiel. Sie hatte das auch, dieses Vorabtrennungsgesicht. Oh oh! dachte ich, warum ist nie alles beieinander? Das hielt mich schon vorab ab. ich will das nicht testen, ob ich recht habe. Und Du willst einen Test auf dem Butterbrot, willst den Gedanken gezogen haben, damit Du ihn zerren und zutschen und zernichten kannst. Löwin!, sagt man zu Dir. Löwen fressen Aas.

  20. #20
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Zerrissene Texte - Manchmal

    Ich bin dir zu schnell. Das paßt doch wunderbar zu dem Medium, welches wir hier benutzen. Ich verweise auch gerne noch mal auf den Namen diese Ordners. Du gibst mir interessante Vorlagen. Und bist dabei so unschuldig in deinen Gedanken. Leider habe ich momentan keine Zeit, ihnen nachzugehen. Mit einem Wort. Aber ich höre dir gerne zu. Und - ja, alte Löwen fressen Aas. Und sterben daran. Ganz langsam. Und sehen wunderschön aus, wenn sie es tun.

  21. #21
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: Zerrissene Texte - Manchmal

    Einer jener merkwürdigen Ordner, in denen keiner so recht wußte, was Fiktion, was Mimesis und was therapeutisches Schreiben gewesen.

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