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Thema: Qual

  1. #1
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    Post Qual

    Qual


    Sie ist so schön. So wunderschön. Denn sie quält sich gerade. In ihrer Qual ist sie Anmut pur. Ein Wesensanteil von ihm leidet dann mit. Ein anderer ist fasziniert. Schaut. Stumm. Sie muss sich quälen. Sie glaubt unerschütterlich an die Qualität ihrer Qual. Ohne Qual kein Wachstum. Dies ist der Hauptglaubenssatz, der ihr Leben bestimmt. Sie weiß, wie schön sie ist in ihrer Pein.


    Der Spiegel, in den sie schaut, bestätigt ihrer Vermutung. Nur in der tiefsten Qual wird die Frau zur Göttin. Damit die Göttin sie spiegeln kann, benutzt sie ihr Gewissen als Hilfsmittel und Motivation. Es ist ein immerschlechtes. Sowieso und täglich. Aber in den Stunden der Qual wird es unerträglich. Während andere Geschlechtsgenossinnen sich unbewusst für den Faltenwurf im fahlen, ergrauenden Teint entschließen, strahlt sie in solchen Stunden. Er versteht nicht, wie das sein kann. Keine Tränen fließt. Ruhig und klar und unbewegt schauen große Augen aus dem zarten Gesicht. Kein Gejammere über diese oder jene Unvollkommenheit, die sie als mächtige und wirksame Krücke für ihre Gewissensbisse nimmt. Nur stilles Seelenleiden. Nichts an ihr ist dann noch veräußerlicht. Hinge man ihr einen Jutesack um, die Männer würden reihenweise tief verzückt in Wunschträume fallen. Der Göttin huldigen. Sie nehmen, wenn sie könnten. Wenn sie den Mut dazu hätten, diesen Liebreiz auch nur zu berühren. Ihr Strahlen wirkt mariengleich von innen nach außen.


    Er lässt sie in Ruhe. Nicht nur um sich an der Schönheit des Augenblicks zu weiden, sondern aus der Erkenntnis der Ohnmacht heraus. Sie will sich adeln. Nur Qual adelt ihre reine Seele. Das glaubt sie. Der Versuch eines zarten Trostes ist eine Beleidigung ihres Zustandes. Verschlimmert ihn bestenfalls noch. Zuspruch ist zwecklos. Sie will da durch. Ganz alleine. Ohne ihn. Er darf zuschauen. Ihre Qual zu schmälern würde ihre Beziehung in höchste Gefahr bringen. Nach jeder neuen Qual erscheint sie ihm noch schöner. Sie quält sich nur zu einem Zweck. Sie nennt es bescheiden: Am Leben lernen. Manchmal auch nur Lebenlernen. Auf unstillbare Art ist die in diesen Glaubenssatz verliebt.


    Die Zeiten der Qual sind unterschiedlich lang und unterschiedlich häufig. Manchmal hat er Angst, dass sie alt wird. Und er noch am Ende mit. Dann muss er lange mit ihr gemeinsam leiden an ihrem selbstbeschlossenen Credo. Manches mal hat er auch Angst, dass sie jung stirbt und er nicht. Wer wird dann je diese Grazie ersetzen? Ihre Seelenqualitäten will sie entwickeln durch dieses Quälen. Alternativen für solche Entwicklungen aufzuzeigen empfindet sie als Anmaßung und Einmischung. Ein guter Mensch sein, versuchen viele. Und? Wie sehen sie aus? Sind sie deshalb schön? Nein, sie sehen angestrengt dabei aus. Sie aber schön. Sie optimiert ihre Lebensart. Ist sparsam mit den Gesten. Sie geht nicht durch Räume, sondern schreitet. Und auf dem Höhepunkt der Qual scheint sie zu schweben. Behutsam und leise werden die Worte gesprochen, gehaucht, geflüstert. Sie braucht den Ritus des stillen Schmerzes, der tränenlosen Aufopferung für ihre Schönheit. Sie ist eine Radikale. Eine von der neuen Sorte, die subtil foltern. Mit Schmerz an sich selbst. Mit Belohnung durch Strahlen und Schönheit. Nie wird sie abschwören. Sie ist so schön. Sie ist so wunderschön.

  2. #2
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    AW: Qual

    Weil er die Qual, hat er kaum eine Wahl. Scheiße aber auch! Noch nicht mal freie Liebe, die Qual ist auch Eifersucht.


    Das wäre was für Obernberg. Mußt Du aber ausdrucksstark lesen und dabei mit qualvollen Augen die Gequälten fesseln. Schaffst Du locker, so wunderschön Du leidest.

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Qual

    die bereitschaft zu leiden, kann er nicht als zeichen ihrer liebe sehen, sie leidet auch ein wenig an ihm vorbei. erscheint mir überhaupt eine ziemlich bunt zusammengewürfelte intimitätsexpeditionstruppe zu sein.


    der mangel an einlassungsbereitschaft bei beiden ist nicht zu übersehen.


    ja und natürlich blickt auch die alte frage um die ecke: leidet der, der leidet, um sich zu adeln?


    das als SMarte frage abzutun, wäre zu kurz, hätte mir zuwenig körper.


    das optimieren hat mich gestört in diesem text, das ist streugut aus der wirtschaftswelt und die alternativen. die gibt es nämlich nur als einzahl, rübenzahl gibt es ja auch nicht.


    dein stil ist klar und lässt räume zum weiterdenken.

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Qual

    Die Sache ist einfach. Zwei Psychopathen. Er letztlich mehr als sie. Sie die scheinbar offizielle. Er aber in Wirklichkeit noch mehr. Mehr als er selbst ahnt. Das ist die Botschaft.

  5. #5
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Qual

    Das ist ein sehr disparater Text. Er findet keinen Mittelpunkt. Wenn ich einen benennen müßte, dann würde ich LEIDENSBEREITSCHAFT sagen. Aber ist diese das Thema?
    Zur Sprache finde ich mich hier nicht durch. Das liegt an der wechselnden Perspektive, die unmotiviert wechselt. Schau Dir nur einmal den ersten Abschnitt an! Das DENN im dritten Satz ist sehr problematisch in bezug auf die Erzählperspektive.


    Dennoch glaube ich, daß sich hier Textarbeit lohnen könnte.

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Qual

    Nein, die Leidensbereitschaft wird nur benutzt! Sie ist äußerlich. Eigentlich geht es mir dabei um ein desaströses Verhältnis zu sich selbst, dass einmal in Form falscher Glaubenssätze in der Kindheit als Prägestempel aufgedrückt wurde. Da "sie" aber nicht sonderlich intelligent ist, das Ganze zu durchschauen, hat sie zwangsneurotische Muster entwickelt. Die Tatsache, dass der Gatte dies ebenfalls nicht wirklich durchschaut, sondern an der Oberfläche von Schönheit und Leiden bleibt, weist ihn in besonderem Maße als Psychopathen aus, weil er - nicht wie sie schon zwangsneurotisch ins Handeln verstrickt - seine Hilflosigkeit, seine Phantasielosigkeit und damit auch den Umfang seiner Krankheit des "Nichtdurchblickens" voll auslebt. Auf Kosten seiner selbst und der "eigentlich offiziell Kranken"...


    Ich wollte die Psychomotive eigentlich im Hintergrund lassen und den Text nur "so" wirken lassen... Dass er jedoch Fragen aufwirft, verstehe ich schon, da meine kryptischen Gedankensprünge vielleicht tatsächlich nicht mehr ortbar sind.


    Textarbeit wäre schön. Würd mich freuen.

  7. #7
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Qual

    Liebe Gegenströmung,


    ich meine auch, dass sich Textarbeit hier sehr lohnen würde. Ich wäre gespannt was du gemeinsam mit Robert aus ihm herausholen könntest. Das ist ein gutes Thema, es springt mich an.


    Lieben Gruß von
    Trist

  8. #8
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Qual

    Qual
    Sie ist so schön. So wunderschön. Denn sie quält sich gerade.
    denn?
    In ihrer Qual ist sie Anmut pur. Ein Wesensanteil von ihm leidet dann mit.
    ihm?
    Ein anderer ist fasziniert. Schaut. Stumm. Sie muß sich quälen. Sie glaubt unerschütterlich an die Qualität ihrer Qual. Ohne Qual kein Wachstum. Dies ist der Hauptglaubenssatz, der ihr Leben bestimmt. Sie weiß, wie schön sie ist in ihrer Pein.
    ein wenig zu abstrakt
    Der Spiegel, in den sie schaut, bestätigt ihrer Vermutung. Nur in der tiefsten Qual wird die Frau zur Göttin.
    Wenn Du das so schreibst, dann verzichtest Du auf die wirklichen Handlungen und bleibst in einem stehenden Jetzt. Geht. Du kannst Dir Übergänge und Bewegungsabläufe sparen, mußt das dann aber durchhalten, wenn es um die Strukturierung von Geschehen geht. Setzt Du im laufenden Text einen Bewegungsablauf, so bedeutet das ein Herausgehen aus dem Eigentlichen.
    Damit die Göttin sie spiegeln kann, benutzt sie ihr Gewissen als Hilfsmittel und Motivation. Es ist ein immerschlechtes. Sowieso und täglich. Aber in den Stunden der Qual wird es unerträglich. Während andere Geschlechtsgenossinnen sich unbewußt für den Faltenwurf im fahlen, ergrauenden Teint entschließen, strahlt sie in solchen Stunden. Er versteht nicht, wie das sein kann.
    Schon wieder ein Er. Kömmt wie Kai aus der Kiste. Hier vermengst Du zwei Aspekte: die anderen Frauen und IHN. Beide bleiben oberflächlich, bestenfalls angeleuchtet.
    Keine Tränen fließt. Ruhig und klar und unbewegt schauen große Augen aus dem zarten Gesicht. Kein Gejammere über diese oder jene Unvollkommenheit, die sie als mächtige und wirksame Krücke für ihre Gewissensbisse nimmt. Nur stilles Seelenleiden. Nichts an ihr ist dann noch veräußerlicht. Hinge man ihr einen Jutesack um, die Männer würden reihenweise tief verzückt in Wunschträume fallen. Der Göttin huldigen. Sie nehmen, wenn sie könnten. Wenn sie den Mut dazu hätten, diesen Liebreiz auch nur zu berühren. Ihr Strahlen wirkt mariengleich von innen nach außen.
    Das ist sehr hübesch. In der Tat ist das eine Männerphantasie. Wir lieben Frauen ohne Schminke und Tüll. Frauen machen sich nicht für Männer schick, sondern für andere Frauen. ich weiß. - Wo bleibt das Böse?

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