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Thema: Julimond

  1. #1
    Anna
    Laufkundschaft

    Post Julimond

    Am Ende eines
    tiefen
    Tages


    flicht der Hibiskus
    seinen letzten
    Duft
    blauviolett
    ins
    Haar
    der Nacht


    und Spinnen
    legen
    blasse Seidendecken
    auf die
    Zeit


    hell über allem
    fern und
    immer


    Julimond


    in mir

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Julimond

    Da kann ich, liebe Anna, Vieles denken und Vieles sagen, doch wenn ich es genau nehme...: Wenn man ein bestimmtes Gefühl ausatmet und auf die Zeilenumbrüche des eignen Atemstromes achtet, dann kommt das heraus, was Du geschrieben hast. Ein Gedicht will es nicht sein hier. Aber was ist schon ein Gedicht? Ein Text eben. Hier schwingt ein klein wenig mehr mit. Du schaffst es anscheinend immer irgendwie, die rein textuelle Ebene zu verlassen. Das ist schön, gewiss. Was dann aber nicht ganz so schön ist, das sind anscheinend wilkürliche Zeilenumbrüche, die Länge entstehen lassen, wo keine ist. Setzte man diese Zeilen anders, dann bliebe der Inhalt derselbe, dichter würde es dann aber schon und zwei, drei starke Bilder blieben beim Betrachter.


    herzlichst uis

  3. #3
    Anna
    Laufkundschaft

    AW: Julimond

    Über solche Zeilenumbrüche kann man sich auch nur wundern, uis!
    Geht mir selbst nämlich ganz genauso, wenn mir dieser Text begegnet und ich frage mich dann, was mich wohl mal zu dieser Form bewogen haben könnte ... wundere mich wieder - und ändere nichts. Vermutlich werde ich wunderlich ...


    Nun werde ich die Form aber wirklich mal in Angriff nehmen! Dabei schwebt mir vor, Anfang und Ende so zu lassen, weil mir das die jeweilige Aussage auf die "richtige" Weise rüberzubringen scheint, und das ganze Mittelteil wird komprimiert.
    Ich zeig es dann hier noch mal.


    LG, Anna

  4. #4
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Julimond

    Gerad heut und gestern glänzt seine gelbe Vollheit am Himmel, Julimond. Trunkenheit, besoffner Sphärengesang. Ich liebe dieses Gelb, es macht auch mich so unruhig. Und dann träum ich durcheinander, von Gewesenem, Gewesenen und Unbekanntem. Das müssen dann die kommenden Tage sein, Menschen aus dem Mond. Bin selber einer, der aus diesem fiel.


    In Deinem Text kommt das vor, nicht so recht explizit, aber mittenmang, wie der Magdeburger sagt.


    Mich stören Worte wie AM ENDE EINES TIEFEN TAGES - das hat zwar einen schönen Anstrich, doch mit dem Mond bindet sich der Tag nicht, auch nicht ans Ende läßt der sich den Tag binden. Was ist das? Feierabendmond?


    Fangen wir so an, Anna, nähern uns Deinem Schreiben.

  5. #5
    Anna
    Laufkundschaft

    AW: Julimond

    Hallo Robert,


    der tiefe Tag bindet sich hier ja auch nicht unmittelbar an den Mond, sondern ist vorrangig zeitliche Bestimmung. Das, was diesen Tag ausmachte, wird vom Hibiskusduft mit in die Nacht genommen.
    Der Mond ist dabei Beobachter, Begleiter, Aufnehmender - und Bleibender.
    Wann sonst, wenn nicht am Abend, am Ende eines Tages, sollte man ihn in dieser Form wahrnehmen?

  6. #6
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Julimond

    Ich nehme den Mond am Abend als Friedensstifter, in der Nacht als Unruhestifter wahr. Wenn ich spazieren geh, dann erfreut er mich, stiftet mich an, mich in mir auszuloten, weil ich dann Teil einer Bewegung, eines Gesangs bin; wenn ich des Nachts allein in meinem Bett liege, dann weckt er meine Sehnsüchte. Und das ist manchmal ganz schön schlimm.
    Am Tage nehme ich ihn gar nicht wahr, dann ist er etwas unter vielem, nicht weiter bedeutsam.

  7. #7
    schreibt hier hin und wieder
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    Post AW: Julimond

    am anfang eines
    flachen
    erguß'
    flicht notorius
    seinenm letzten
    gruß
    leichenblass
    in den rinnstein
    der macht


    besoffen liegen
    reime in den ecken


    und beten
    gebt ihm
    keine macht




    amen!!!!!!!!

  8. #8
    Anna
    Laufkundschaft

    AW: Julimond

    Auch daran sollten wir gemeinsam noch etwas arbeiten, Schwarzes Pferd.
    Bist neu hier, gell?!

    Als erstes solltest du dir Gedanken machen - das wird auch Robert dir bestätigen - ob sich dein amen! wirklich an den anfang (d)eines flachen Erguß bindet. Oder macht (s)ein flacher Erguss den notorius generell so demütig?
    Diese apostrophierte Form wirkt zudem arg gezwungen, soll sich aber wohl auf den folgenden gruß reimen. Tut sie aber eh nicht. Also hinfort mit diesem Wort! Mir würde da spontan am besten gefallen:

    flicht notorius
    seinen (ohne m) letzten
    stuss

    Ach nein, nicht flicht, lieber flennt. Dann hättest du auch einen direkten Bezug zum Rinnstein.

    Aber es ist ja dein Text, Schwarzes Pferd. Mach was draus, du kannst das! Das spürt man! Und lass dich hier von niemandem entmutigen, hörst du!?

    Mensch, Robert, wenn dir zu der Sache mit dem Mond nix Ordentliches mehr einfällt, hättste das aber doch auch ganz einfach sagen können ...

    Gern geschehen.
    Anna

  9. #9
    Administrator
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    22

    Post AW: Julimond

    Ordentliches, Anna?
    Das war schon ganz konstruktiv, denke ich. Besser kann ich's nit... Halt! Moment, ich hab zum Mond mal was geschrieben:

    "Wo warst du, Satan?" Edgar stand am rebenrankenumwundenen Fenster und hatte es hinausgeschrieen. Es war dunkel geworden, und der Schrei hallte in der Nacht. Niemand bekümmerte sich darum. Vielleicht lag es daran, daß sein Fenster zum Garten hinausging, den riesigen Garten seiner Väter. In mondhellen Nächten wie dieser verschwammen die Arithmetiken des ungenauen Verhältnisses und die kleinen Differenzen zum "Großen Umlauf" wurden ihm schmerzliche Gewißheit, ließen diese Ungenauigkeiten zu größeren werden.
    Tagverschloßne Höhlung weckt der Mond!
    Edgars traurig abgeschiedene Seele wurde durch die wehmütig singenden Gefährten der Nacht weit verschlagen. Der doppelte Schatten von Mondlicht und Kerzenlicht fiel zusammen, der des Mondes wurde durchs Kerzenlicht gebrochen, und er blinzelte dem goldgelben Licht zu, dann drehte er die Perspektive, ließ den Kerzenschatten vom Monde bescheinen, ein königliches Blau schimmerte zart. Jetzt wußte er, warum der Mond hierzulande männlichen Charakters war. Er ging auf und ab, rätselte, räsonnierte zwischen Schreibtisch und Rebengeländer. Seine Gedanken schwirrten umher, unrein verwischt durch Einlassung mit den verbotenen Bereichen. Er erinnerte sich's Kaki, die ihn einst davor gewarnt hatte, Gott durch Bestimmungen seiner selbst zu versuchen. Edgar hielt ein neues Blatt in den Händen.
    Ich gehe eine Bindung ein und friere dennoch im Winter, erfriere. Das ist nicht schön. Ästhetisch dagegen ist die Vorstellung eines im Hochsommer erfrierenden Teufels, dem nur die unschuldige Seele Wärme für das kalte Herz versprechen könnte. Ja, das ist schön, aber irrsinnig: ein Teufel, dessen Seele Linderungen verspüren könnte. Es gibt keine Sätze ohne subiectum! Der Teufel ist kein SUBJEKT, kein sich Unterordnendes. Dann wäre er nicht mehr. Aber obwohl es keine Sätze ohne subiectum gibt, werden sie gelehrt.


    Das ist das, was mir zum Thema "Mond" einfällt. - Dem Pferd, Anna, gib die Sporen, det braucht det.

  10. #10
    Anna
    Laufkundschaft

    AW: Julimond

    Ach, Robert, wenn ich doch nur erkennen könnte, worauf du konkret hinaus willst ...

    Ist dir der "Julimond" hier zu unbestimmt?

    Wie viel Monde hat eine einzige Nacht für nur einen einzigen Menschen?
    Unzählige gegebenenfalls. Den Feierabend-Mond, den Um-Mitternacht-auf-der-Terrasse-sitz-Mond, den Um-drei-Uhr-fünfundzwanzig-aus-dem-Fenster-guck-Mond, den 5-Uhr-Frühschicht-Mond ...
    Aber interessiert das hier? Interessieren Datum oder Ort des Geschehens?
    Sommer ist es. Juli.

    Der Mond ist hier ein Bild, ebenso wie der Tag, der flechtende Hibiskus, das Haar der Nacht, die blassen Seidendecken der Spinnen.
    Ein Empfinden, ein Erleben wird hier in Bilder, in Worte gebracht.
    Das Empfinden lässt sich nicht kritisieren. Das bin ich auch nicht bereit, zur Diskussion zu stellen. Nur den Rest.

    Stimmt nach deinem ureigenen Eindruck etwas nicht mit den von mir gewählten Bildern? Erscheinen sie dir nicht schlüssig?
    Zu abgedroschen? Sag an.
    Kannst du mit diesem Gedicht überhaupt irgendetwas anfangen?

    Was das Pferd angeht, so hab ich über seinen Erguss herzlich lachen müssen. Das verdiente, honoriert zu werden.
    Ansonsten: soll es doch in den Rinnstein flennen, wenn es ihm ein Bedürfnis ist ...

    Gruß, Anna

  11. #11
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Julimond

    Wahrscheinlich hatte Uis anfangs den Nagel auf den Kopf getroffen, denn dies ist KEIN Gedicht. Eine poetische Stimmung, eine schöne Stimmung, aber kein Gedicht. Es fehlt an Verdichtung, sowohl formal als auch inhaltlich.

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