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Thema: Die alten Frauen

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Post Die alten Frauen

    Imgrunde lebt alles vom Weglassen. Alles Schöne und das andere unterscheiden sich deswegen durch ihr Mehr und somit ihr jeweiliges Zuviel oder Zuwenig.
    Hier sitzen sie, die übriggelassenen Königinnen, die ihr eigenes Vergessen feiern; hoch oben, wo sie hingehören, und ihre Haare nehmen jetzt jede Farbe an. Hier füttern sie sich zu Ende im SB-Cafe mit Donauwellen und Diät-Eis, und ihre Körper erobern sich die Sitzmöbel. Sie werden zu Amöbeln und vergessen ihre abgenutzten Knie.
    Ob sie wohl noch von dir träumen, von deinen schönen Armen, deinem Gehen in ihre Richtung, sie zu sehen? Und das Schöne ist es: erstickt in den Torten des Vergessens, ertrunken im Earl Grey ohne Milch, dafür mit Süßstoff, abgeschubbelt am Zurechtzupfen der geblümten Polyesterpullover. Was ist es noch mal wert, das alles nicht so leicht aufzugeben? Sehen sie das Schöne noch in ihren eigenen alten Augen? Ein Heer alter menschenfrauen, zu satt, zu verführt, zu gläubig, um im Rudel loszuziehen und uns das Dumme zum Bestaunen dazulassen. Auf! Dorthin, wo ihr Blut über die Jahre zusammengeflossen ist, das sie gegeben haben, um unsere Brut zu schaffen.
    Sich baden.
    Sie sind die Drachen. Es ist ihr Blut!!
    Und ich träume manchmal noch, daß wir die Drachenkinder sind - daß wir es immer waren.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Die alten Frauen

    Das gefällt mir. Es athmet. Ich seh aber auch eine Wut, die ist nicht gut. Sie kann Dich auszehren. Du hast den dogmatischen Blick, Anja. Das ist eben gut, weil es Dir die Welt nicht relativiert, Du intensiver wahrnimmst als die allermeisten, nicht erst nach einem Kontext fragst, um für Dich zu urteilen. Das ist weiser als das andere. Und ich mag das an Dir.
    Ich möchte allerdings darauf drängen, daß Du die einmal erfaßten Muster ausformulierst. Die Frauen haben Unterschiede. Ich kann sie hier nur als Gruppe wahrnehmen. Nun erwarte ich nicht, daß sie einzeln beschrieben werden - nichts kann langweiliger sein -, aber Du mußt hier den Kontrast schärfer herausarbeiten. Das Ich und das Du (Sie). Du könntest hier auch eine kleine Geschichte erzählen, wie das Ich selbst zum Du wurde und sich löste durch eine innere Wandlung, die über äußere Dinge Gestalt gewann.

  3. #3
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    AW: Die alten Frauen

    Ihr solltet die ehrwürdigen Damen besser füttern, bevor ihr sie zu Soilent green verarbeitet..


    Und überhaupt mal die Augen aufmachen - 80% der Klamotten sind aus Polyester und mit Blümchen drauf - sinnlose Stereotypen.


    Bei sowas kommen aber keine Drachenkinder raus, sondern kleine Schweinchen - Süßstoff wird in der Schweinemast verwendet - ich würde mir einfach komplett andere Bilder überlegen an deiner Stelle. Ich wohne in einem Haus voller alter Damen, und einige davon haben mehr Stil als man zunächst vermutet.

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Die alten Frauen

    Imgrunde lebt alles vom Weglassen.


    schön, daß wir uns so schnell einig werden!

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Die alten Frauen

    Undifferenzierter Haßgesang.

  6. #6
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Die alten Frauen

    Haß konstatierst Du hier. Empfinde ich auch; also, ich empfinde, daß da jemand mit einer gehörigen Portion Verachtung beschreibt, undifferenziert auch.
    Allerdings möchte ich auf die Distinktion des Textes hinweisen. Wenn es denn Haßgefühle, ohnmachtgeborene Verachtung für andere Lebensformen, sein sollten, die den Text "tragen müssen, dann können die nur undifferenziert daherkommen. Wie sonst, bitte schön?
    Es ist das Wesen des Hasses, daß er (vom Hassenden) nicht differenziert betrachtet werden kann. Haß ist zudem ohnmachtsteigernd und tathemmend. Manch einer behauptet, er habe zum Vorhof der Hölle gezählt erden müsse, aber wenn er das ist, dann ist er nur die Voraussetzung für grausame Taten, nicht aber die Ursache derselben.
    Literarisch ist das Thema "Haß" von großer Bedeutung, denn nicht nur die sieben Todsünden nennen den Haß als eine der ihren.

    Ich zähle den Haß, die Bildung desselben, zu einer der sieben Grundwahrheiten des Menschseins. Haß gehört zu ihm. Aber wohin mit dem Haß? Wie damit umgehen?

  7. #7
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    AW: Die alten Frauen

    ich kenne natürlich eure alten insider nicht mehr und verstehe deshalb auch nicht, warum man in diesem text hass sehen kann.
    ich finde ihn ziemlich genial, aber zu kurz noch.


    die alten frauendrachen, in deren blut man baden kann, um offenbar unverletzlich zu werden - das habe ich noch nie gehört oder gelesen.

  8. #8
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Die alten Frauen

    xeni, du unermüdliche textarchäologin! da hast du ja zwei komplemenäre textknollen aufgetan! gratulation!

  9. #9
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Die alten Frauen

    das lob muß ich zum system weiterleiten (ich kann ja gar nicht suchen), welches, scrollst du ganz nach unten, dir assoziative texte vorschlägt


    ich liebe das, weil auf diese weise nichts im archiv verloren geht und immer wieder überraschungen möglich sind und ganz tolle schätze wieder luft schnappen

  10. #10
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Die alten Frauen

    xeni/ala fand seinerzeit diese "perle", die doch für manche recht blaß blieb. mir hätte der etxt seinerzeit zur perle werden können, wenn da nicht diese kleine semantische unausgegorenheit wäre, die den haß apostrophiert, seinem pendant, der liebe, aber keine entfaltungsmöglichkeit läßt.

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