Die Basis der Verflechtung: die Annahme, daß es eine Notwendigkeit gäbe, die wachsenden Konsumbedürfnisse der Menschheit nur mit Hilfe weltweiter Verzahnung der Volkswirtschaften erreichen zu können. Die zwei wichtigsten Argumente für globalisierte Warenströme lauten nach Adam Smith und David Ricardo:


  • Standortunterschiede führen zu besseren oder schlechteren Eignungen bestimmbarer Produktion;
  • Zollfreiheit und freie Warenströme garantieren Güterversorgung aller.


Ein Fehlschluß, aber ein mit Bedacht gewählter. Der freie Warenstrom nützt dem, der die militärische Macht besitzt, dem, der über die wirtschaftlichen Möglichkeiten verfügt, sehr viel mit sehr wenig Aufwand vom Punkt A zum Punkt B zu bewegen. Da hier aber ungleiche Voraussetzungen bestehen, wird nicht die Freiheit erhöht, sondern die Abhängigkeit, die Schuldknechtschaft, denn jedes Mal, wenn Waren von einem weniger lukrativen Ort zu einem mit besseren Produktionsfaktoren transportiert wird, verliert der nachgeordnete Produktionsstandort gegenüber dem höhergestellten, gerät in eine höhere Abhängigkeit. Der westliche Imperialismus verkauft das apostrophierte Recht des Stärkeren als Freiheit. Die Reaktion der Schwächeren: Der nachgeordnete Produktionsstandort behilft sich mit Schutzzöllen (Protektionsmaßnahmen), die oft einen Kriegsgrund für die „Freiheitsliebenden“ abgeben.
Kapitalisten sind an Bedürfnisbefriedigung der Massen nicht interessiert, sondern an Kapitalvermehrung. Plutokratie. Bedürfnisbefriedigung ist ein Mittel, das keine Verwendung findet, wenn sie nicht zur Ertragssteigerung führt. Produktionsziffern werden nur dann erhöht, wenn sie profitabel sind, andernfalls werden Nahrungsmittel (Butterberge, Milch, Getreide) oder Spielzeug vernichtet, damit die Preise steigen und somit die Profite wachsen. Ertragssteigerung kann finanzieller, wirtschaftlicher oder politischer Natur sein.
Wenn diese Profite nicht friedlich gewonnen werden können oder mutmaßlich bedroht sind, werden aus dem System des freien Warenverkehrs ausscherende Nationen mit Krieg überzogen, meist unter politisch-moralischen Deckmäntelchen.
Handel ist so alt wie die Menschheit, auch globaler Handel. Es wurden schon zu Zeiten der Himmelsscheibe von Nebra im mitteleuropäischen Raum Erzeugnisse aus dem Kaukasus gehandelt, ebenso verbrachten Karawanen das bei Halle gewonnene Salz bis ins entfernteste Asien - und wahrscheinlich noch weiter. Auch im pazifischen Raum ist der Handel uralte Gewohnheit. Die Besiedlung Amerikas erfolgte nicht nur über die Meerenge der Beringstraße, sondern auch in weiten Fahrten der pazifischen Völker Ozeaniens oder Ostasiens. Die Gier als Basis des Handelns ist unabdingbar für Kulturaustausch, damit die Entwicklung der Menschheit. Globalismus ist also keine Erscheinungsform der Postmoderne. [1] Aber es sind die technischen Möglichkeiten der Moderne, die aus dem Handel mehr machten als Güteraustausch zum gegenseitigen Gewinn. Der antike Handel schuf keine andauernden Abhängigkeitsverhältnisse, sondern war Luxusbefriedigung. Der regionale Wirtschaftskreislauf agierte weitgehend autark und bedurfte des Handels nur im binnenländischen Bereich, nicht aber des weitläufigen mit dem Ausland. Das lag v.a. an den technischen Unzulänglichkeiten der Prämoderne: schlechte Straßen, langsame Transportmittel, Wetterunbilden, Räuber und Piraten, unsichere Rechtsverhältnisse, Krankheitsgefahr in unbekannten Weltgegenden für Zureisende.
Moderne Transportmittel, verbesserte Hygiene, sicherere Rechtsverhältnisse, zahlreiche Erfindungen und die wachsende Bevölkerung ließen den Handel und Geldverkehr stark steigen. Die weltwirtschaftliche Verflechtung war die Folge. Rohstoffe importieren, Fertigteile exportieren. So die einfache Gleichung. Das Mehrprodukt entstand durch Wissensvorsprung vor der Konkurrenz. Das gesellschaftlich erwirtschaftete Mehrprodukt eigneten sich die Unternehmer an, partizipierten den Staat, der sie dafür schützte (Funktion des Rechts, der Armee, der Schutzzollgesetzgebung). Erst der Weltkrieg ließ dieses System auseinanderbrechen, jedenfalls im Reich. Aber zu diesem Zeitpunkt war aus dem Handel als einem Lösungsmittel zur Befriedigung von Luxusbedürfnissen einzelner längst ein necessus für jeden Staat der Welt geworden. Kein wichtiger Staat der Welt war in der Lage, seine Finanzen ohne Handel im Gleichgewicht zu halten. Der Kriegsbeginn 1914 machte das den deutschen Industriellen sofort klar. Ihr Proponent Rathenau formulierte schon im ersten Kriegsmonat zwei Programme zur Umstrukturierung der deutschen Wirtschaft. [2] Das Reich mußte sich notgedrungen aus der Weltwirtschaft herausnehmen und autark wirtschaften und den Weg des Privatwirtschaftlichen zugunsten eines Staatssozialismus [3], also einer Mangelwirtschaft, verlassen. Die Überseepartner der deutschen Wirtschaft (v.a. die Südamerikaner) hingegen verloren ihre reichsdeutschen Lieferadressen für Salpeter, Bauxit, Silber oder Erze, also wurden viele Arbeiter entlassen, was in Südamerika um 1930 zu zahlreichen faschistischen Putschen führte. Die Lücken im Welthandel füllten v.a. amerikanische Produkte, wodurch aus der amerikanischen Wirtschaft eine Fertigprodukte herstellende erst wurde. Nach dem Krieg gaben die Amerikaner die gewonnenen Marktanteile nicht heraus - natürlich nicht -, aber sie betteten die deutsche Wirtschaft in ihr System ein, meist durch Übernahme oder Teilübernahme der billiger produzierenden deutschen Firmen. Zugleich gab das einheimischen südamerikanischen Entwicklern die Möglichkeit, Produkte (Investitionsgüter, Maschinen) zu entwickeln, die die einheimische Wirtschaft benötigte. Das wiederum führte zu einer verstärkten Investition in die Ausbildung. Allerdings ein Strohfeuer, denn nach dem Krieg wurde dieser Weg zugunsten bekannter Wege wieder verlassen.


1. Japans Einbindung in die Weltwirtschaft

Der rasche wirtschaftliche Aufschwung in der Meiji-Periode begann mit dem Aufbau der Großindustrie, die der Staat mit Hilfe v.a. deutscher Ratgeber vornahm. Dann versilberte der Staat die Betriebe und führte sie Privatbesitz zu, womit er seine gemachten Schulden begleichen konnte und das erworbene Geld in den Aufbau der Infrastruktur investierte, zugleich aber die Kontrolle über wichtige Bereiche der Volkswirtschaft behielt (Telephongesellschaft, Bahnverkehr, Post). Konjunktur bis 1918, dann eine Nachkriegskrise mit einer notwendigen Richtungsentscheidung der japanischen Wirtschaft und Politik: Expansion (aggressive Eroberung der Rohstoffgebiete) oder Intensivierung des Vorhandenen, also wirtschaftliche Durchdringung (friedliche Partnerschaft)?
Mit der Zuführung staatlicher Betriebe in Privatbesitz und der parallel dazu wachsenden japanischen Wirtschaft für alle Bereiche des täglichen Bedarfs entstand auch ein neuer Typus: der japanische Geschäftsmann. Dieser Geschäftsmann war nicht nur auf die japanische Wirtschaft fixiert, sondern dachte an weltweite Verbindungen. Er wurde von den privaten Großbetrieben gebraucht, die diesen Typus auch vermehrt hervorbrachten und seine Entwicklung förderten, das bedeutet, ihn allseitig ausbildeten. Rationalisierung der Produktionsabläufe, Rationalismus beim Menschen. Rationalisierung und Fokussierung auch bei der Konzentration des Kapitals: Zaibatsu, eine japanische Form des Konzerns, der mehrere Branchen miteinander verband. Die vier wichtigsten um 1920 waren Mitsui, Mitsubischi, Sumitomo und Yasuda. Mitte der 20er Jahre kontrollierten diese vier Konzerne den größten Teil der japanischen Finanzwirtschaft und Industrie und nahmen Einfluß auf die japanische Politik, indem sie die verschiedenen Parteien unterstützten und damit auch die Gewerkschaftsbewegung in ihren Firmen beeinflussen konnten. In dieser Zeit entwickelte sich das symbiotische Verhältnis des japanischen Arbeitnehmers zu seiner Firma (ganz anders als in Amerika oder anderen westlichen Staaten), was zugleich den Staat aus der Versorgungspflicht herausnahm, die Parteien eher zu Lobbyvertretern der Zaibatsu machte und die politischen Ränder weitgehend schwach bleiben ließ, wobei Korruption als ein in Japan keineswegs unmoralisches Mittel der Politik verstanden wurde und damit die neue Gesellschaftsform der Demokratie depravierte. Die Japaner hatten zwar etliche Formen des Reiches übernommen, sich nach 1918 auch an westlichen Mustern orientiert, hatten aber nicht den metaphysischen Grund dieser Formen durchdacht oder durchdenken wollen, denn bekannt dürften sie ihnen gewesen sein. Sie kopierten.
Die Zaibatsu ihrerseits verfolgten uneinheitliche Ziele: Einige wollten auf den asiatischen Kontinent expandieren, also China erobern, andere setzten auf eine Beschränkung des japanischen Militarismus. Dieser Militarismus erfuhr nach der brüsken, rassistischen Zurücksetzung der Japaner seitens der „demokratischen“ Entente [4] (v.a. durch Amerika) mehr Aufmerksamkeit in breiten Bevölkerungskreisen, auch bei den Intellektuellen. Die japanische Avantgarde wandte sich vom (westlichen) Liberalismus ab und dem Nationalismus zu. Das war nur ein Schritt von der Verbindung zu den Militärs entfernt, die auf eine japanische Autarkie drängten, welche nur erreicht werden konnte, wenn man die rohstoffreichen asiatischen Festlandsgebiete von der Mandschurei (Kohle und Erze) bis nach Singapur (Gummi) beherrschte.
Die Grundsatzentscheidung fiel gegen ein strategisches Bündnis mit Amerika, das Japan zum Junior-Partner gemacht hätte. Japan wollte Gleichberechtigung. Da es die nicht bekam, nahm es sich aus dem westlichen Wirtschaftskreislauf weitgehend heraus, damit auch aus der Finanzwelt des Westens. Das bedeutete Krieg - früher oder später.
Man traf sich 1921 in Washington, um die Situation zu entspannen. Das Fünfmächte-Flottenabkommen von 1921 beschränkte Japan auf ein Schlachtschiff-Verhältnis von 3:5 gegenüber Britannien und Amerika. Damit war die Kriegsgefahr scheinbar beigelegt, zudem konnte man im Pazifik eine Pufferzone aushandeln, etwa von den japanischen Kurilen im Norden, über die amerikanischen Philippinen bis zum britischen Hongkong reichend. Man garantierte einander Besitzstände. Doch das wichtigere Ergebnis dieser Verhandlungen lautete: Japan schied aus der Entente aus, v.a. aus dem Bündnis mit Britannien. Es stand nun allein da, umgeben von Feinden (China, Korea, Rußland) oder mutmaßlichen Feinden (Britannien und Amerika). Wenn aber Britannien und Amerika verbündet sein sollten, würde ihre Kapazität für einen Angriffskrieg ausreichen. Japan brauchte neue Verbündete. Aber die gab es nicht - jedenfalls nicht in Fernost. Ein Neunmächteabkommen europäischer (Holland, Italien, Britannien, Belgien, Frankreich, Portugal) und pazifischer (Amerika, Japan, China) Staaten sollte Chinas Unverletzlichkeit garantieren und jedem Staat zugleich freie Hand lassen - die Politik der „offenen Tür“. 1922. Für Japan sollte allerdings nicht das für den ostasiatischen Raum gelten, was sich die Amerikaner mit der Monroe-Doktrin für den gesamten amerikanischen Kontinent vorbehalten hatten, die von allen anderen (Nichtasiaten) akzeptierte Vormachtstellung der faktisch stärksten Regionalmacht. Japan unterschrieb diesen Neunmächtevertrag zwar, fühlte sich aber erneut ohnmächtig und gedemütigt. Doch wichtiger ist hier, was nicht im Vertrag stand: Japan behielt seine Machtstellung in der Mandschurei, zumal sich Rußland nicht an den Vertragsverhandlungen beteiligt hatte. Das war für die japanische Industrie entscheidend. Die Rechnung war einfach: China war uneins, im Bürgerkrieg. Die Mandschurei war ein schwacher Pufferstaat zwischen Rußland und China, mit dem sich Japan gutstellen konnte. Das Neunmächteabkommen garantierte letztlich eine japanische Vorherrschaft, denn räumliche Nähe, die innere Unsicherheit in den Ländern ringsum und die auf Frieden sich umstellende japanische Wirtschaft sicherten Wachstum. Trotz Abrüstung Japans (vier Divisionen weniger und eine Reduzierung der Militärausgaben von 42 auf 27% des Staatshaushalts) war die militärische Macht immer noch groß genug, um sowohl auf das instabile China, als auch auf Rußland (seit 1925 gab es diplomatische Beziehungen und eine Übereinkunft hinsichtlich der Einflußsphären: Rußland gab die Expansion auf, Japan seinerseits gab Ansprüche auf russische Gebiete auf) und die Mandschurei Druck ausüben zu können, der japanischen Wirtschaftsinteressen den entscheidenden Vorsprung gegenüber den Konkurrenten aus Übersee verschaffen müßte.
Die Wirtschaft Japans florierte bis 1929. Im Soge der Weltwirtschaftskrise betrieb die Regierung eine erfolglose Deflationspolitik (sinkende Löhne, Leitzinssenkungen), die auf sie zurückfiel und konnte auch bei der Londoner Flottenkonferenz 1930 keine Veränderung der Verhältnisse (3:5 gegenüber der angelsächsischen Konkurrenz) erreichen. Die japanische Wirtschaft, exportorientiert, litt unter der Dollarbindung und war willens, diese Bindung zu lösen und einen asiatischen Markt zu schaffen - mit dem Yen als Leitwährung. Die Reaktion war dazu bereit (Toyoma Mitsuru), schlug zu und tötete den erfolglosen Regierungschef. Unruhe im Land. Die Japaner trauten ihren demokratischen Regierungen nicht mehr; ihre Hoffnung lag in der Klarheit militärischer Hierarchie, die sie frei von Korruption und Eigeninteressen glaubten. Das Militär hatte einen einfachen Lösungsvorschlag, er lautete: Expansion. Diese würde sämtliche Japaner zu den Herren der umliegenden Völker machen, die Rohstofffrage lösen und der Wirtschaft extensives Wachstum ermöglichen. Das war unter Parteigezänk nicht möglich, wie die Jahre nach 1918 gezeigt hätten, wohl aber unter einer straff organisierten Militärregierung, wie sich zeigen würde. Die Zeit drängte: dreizehn Jahre Untätigkeit in der Mandschurei gegen dreizehn Jahre Machtzuwachs bei National-Chinesen und russischen Bolschewiken.


2. Das Reich in weltwirtschaftlicher Hinsicht zwischen 1914 und 1939

Die während des Kriegs notwendig vorgenommene Nivellierung der Geschlechterrollen - Genderismus im Kaiserreich! -, die Aufhebung vor dem Krieg errungener Rechte der Arbeiterschaft, die Einbindung Adliger in Produktionsprozesse, die Lenkung der Wirtschaft durch den Staat: all das wurde nach Kriegsende nicht in allen Lebensbereichen wieder rückgängig gemacht. Frauen erhielten auch wegen ihrer Leistungen im Krieg das Wahlrecht[5]; zahlreiche vom Staat bewirtschaftete Betriebe blieben auch nach Kriegsende in staatlichem Besitz oder Teilbesitz (AG), stellten sich aber auf Friedensproduktion um. Stand das Reich bis 1918 auf eigenen Beinen und war Herr über seine wirtschaftliche Ausrichtung, so änderte sich das nach dem Krieg. Nach den unruhigen Jahren und dem damit einhergehenden Konzentrationsprozeß in der deutschen Industrie, drang nach Einführung der Rentenmark 1923 amerikanisches Kapital nach Deutschland - meist in Form von Erwerb (Immobilien, Beteiligungen, Kauf) oder als Kredit.
Die deutsche Wirtschaftsweise war korporativ (Versorgung der Beteiligten steht im Vordergrund), die amerikanische ist plutokratisch (Erzeugung von Geld) ausgerichtet. Das überbewertete amerikanische Geld kaufte sich billig in die deutsche Industrie ein und traf auf ein ausgehungertes und kreditunerfahrenes Volk, auf eine investitionsbereite Industrie und Landwirtschaft, die den Verlockungen des Konsums nicht widerstehen konnten und sich in wenigen Jahren verschuldeten. Die deutsche Industrie kannte das westliche Finanzierungssystem nicht: sie wirtschaftete langfristig, auf Naturalbasis, weitgehend nicht fiskalisch. Das Paradigma der alleinigen Schuld des Reiches deduzierte die westliche Ausbeutung des Schuldners. Legitimation durch Formulierung einer unbewiesenen Behauptung. Dazu mußte das induktive Schuldbewußtsein treten, um zum einen den Willen der Besiegten zu brechen und sie ins eigene Wertebewußtsein zu integrieren, sie mit eigenen Wertvorstellungen so lange zu affizieren, bis sie Auflehnung dagegen als Auflehnung gegen sich selbst begreifen würden. Parallel dazu arbeitete man an der Vorbereitung des zweiten Krieges, mit dem das Werk vollendet werden würde und unterstützte die Kräfte im Reich, die diesen Krieg am ehesten herbeiführen würden. Es mußte in wirtschaftlicher Hinsicht eine Verflechtung der deutschen Wirtschaft erfolgen, am besten durch Verschuldung und Besitzergreifung wichtiger Bereiche derselben; in politischer Hinsicht mußte die Vorkriegswirtschaftsweise nur für die Bereiche ausgebaut werden, die das Reich in weltwirtschaftliche Funktion bringen würden; in jedem Fall mußten autarke Bestrebungen unterbunden werden. - Das sind die grobstrukturellen Kämpfe jener Tage.


Land Anteil Welthandel 1913 Anteil Welthandel 1925 Industrieproduktion 1925 im Vergleich zu 1913
Japan
2,2% 4,5% 2,22
das Reich 13,2% 9,1% 0,95
Frankreich 7,2% 6,5% 1,14
Britannien 13,9% 11% 0,86
Amerika 12,5% 30% 1,48

Zur Binnenstruktur: In den deutschen Betrieben hatten sich konkurrierende Mitstimmungssysteme herausgebildet. Neben den bereits vor der Novemberrevolution aktiven Gewerkschaften waren Betriebsräte entstanden, dazu die Betriebsleitung, gegebenenfalls Aktionärsversammlung oder Familienrat, Aufsichtsrat und gegebenenfalls staatliche Kontrollgremien vervollständigten die Gruppe der Mitbestimmer. Die Sozialdemokratie als die stärkste politische Kraft der Jahre bis etwa 1929 war immer für rationalisierende Investitionen (Taylorismus, für technischen Fortschritt, denn sie hoffte, daß aus der erhöhten Quantität der Produktion auch qualitative Verbesserungen, eine höhere betriebliche Ertragslage, erhöhte Steuern und damit auch ein gesamtgesellschaftlicher Fortschritt erreicht werden könnten.


3. Das Konzept des Nationalstaats im Kontext der weltwirtschaftlichen Verflechtung

Das Konstrukt k.u.k.-Monarchie galt seinerzeit als überholt. Die Bildung der osteuropäischen „Nationalstaaten“, von denen keiner ein Nationalstaat im klassischen Sinne war, war in wirtschaftlicher Hinsicht kein Fortschritt, sondern bildet bis heute einen Grund für die Rückständigkeit dieser Gebiete. Das wirtschaftliche geschlossene Österreich-Ungarn mit seiner deutschen Elite wurde in zahlreiche kleinere Herrschaften zersprengt, jedesmal durch eine Zollgrenze und neue nationale Gesetze in seiner wirtschaftlichen Gesamtentwicklung gehemmt. Die Deutschen wurden in ihren neuen „Nationalstaaten“ zu Bürgern zweiter Klasse, egal ob in Polen (20% Deutsche), Südslawien (5% Deutsche), Ungarn (5% Deutsche), der Tschechoslowakei (30% Deutsche), im Baltikum (20% Deutsche) oder Rumänien (10% Deutsche). Elitenbashing würde man das heute nennen. Die Reichsidee war zugunsten des Selbstbestimmungsrechts der Völker zerstört worden, aber die Völker profitierten nicht davon, nur eine kleine neue politische Elite und die großen Konzerne (des Westens), die schon aus Gründen unzureichender Arbeitsteilung in den neuen Staaten Osteuropas dort ihre Produkte kostengünstiger verkauften und noch jeder Schutzzollpolitik über Lobbyarbeit in Washington begegneten, was bedeutete: der amerikanische Präsident rief bei seinem osteuropäischen Kollegen an und sagte Bescheid, was ihm nicht paßte. Schlimmstenfalls kauften die überreichen Konzerne die osteuropäische Konkurrenz einfach auf und legten die Betriebe still.

wichtige Skandale der Zeit:


  • Hawtry-Skandal 1929
  • Konkurs der Frankfurter Allgemeinen Versicherungsanstalt 1929
  • Österreichische Creditanstalt
  • Lahusen-Brüder (Nordwolle-Konzern)
  • Oustric-Skandal
  • Stawisky-Skandal


Notiz für mich: die Skandale müssen noch im einzelnen erforscht und im wiki philosophica erklärt werden

[1] Europa begegnet sich während seiner globalen Ausdehnung überall selbst, meinte der Soziologe Freyer. „Das 19. Jahrhundert ist ein planetarischer Prozeß: zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit hat dergleichen stattgefunden.“ (Freyer II, S. 971.)

[2] siehe das August- und Septemberprogramm Rathenaus im wiki philosophica

[3] Hilfsdienstgesetze lenkten den Arbeitereinsatz, geringe Besteuerung der Unternehmer spornte die zu Höchstleistungen an, Anleihen schröpften das Volk und vertrösteten auf ein Später, alles Wirtschaften richtete sich auf die Erzeugung von kriegsnotwendigen Erzeugnissen, das vor dem Krieg errungene Mitspracherecht der Arbeiter wurde eingeschränkt, Planwirtschaft ersetzte das freie Wirtschaften im Reich. Die Notenpresse arbeitete unentwegt: Inflation.

[4] Die japanische Delegation kehrte 1920 aus Versailles zurück, unzufrieden, denn die Partner wollten die japanischen Eroberungen in Ostasien nicht konzedieren. Außerdem hatten die Amerikaner einen Einreisestopp für Asiaten beschlossen, der sich v.a. gegen Japaner richtete.

[5] Die SPD setzte dieses Wahlrecht für Frauen durch. Allerdings nutzte es der SPD eher wenig. Je radikaler die Parteiziele, um so weniger Frauenanteil.

Partei
Männerstimmenanteil in % Frauenstimmenanteil in %
Zentrum 41 59
DNVP 44 56
DDP 49 51
SPD 57 43
USPD 59 41
KPD 63 37
NSDAP (nur Hausfrauen) 53 47

Fehlende: andere Parteien und geringere Wahlbeteiligung bei Frauen. (Zahlen nach Möller und Borowsky) Die Zahlen bedeuten nicht, daß 59% der Frauen das Zentrum wählten, sondern daß 59% der Stimmen für das Zentrum von Frauen abgegeben worden sind. Für die NSDAP bedeutete das 1933, daß bei 39% Stimmenanteil nur 37% der Frauen für die NSDAP stimmten, also 47% der NSDAP-Stimmen von Frauen kamen.


Fortsetzung Weltwirtschaftskrise hier

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