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Thema: Griechenland - die Anfänge

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Griechenland - die Anfänge

    Der Amerikaner Blegen grub kurz vor dem zweiten Weltkrieg in Messenien nach dem Palast des sagenhaften Nestor. Er fand etwas und rekonstruierte die Architektur und Malerei an der Palastdecke. Wie man sehen kann, kannten auch die Griechen das Hakenkreuz, in welcher Bedeutung auch immer:

  2. #2
    Kurzvormabschussiger
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    Apollontempel

    im apollotempel zu dijima findet sich folgendes:


  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Griechenland - die Anfänge

    Die Historie beginnt mit dem Einsatz einer Schrift, einer Rechtfertigung übers eigene Tun. Das Dunkel der Prähistorie, aus der wir nur Tonscherben, Gräber oder architektonische Leistungen, manchmal auch künstlerische Produkte besitzen, denen wir mit naturwissenschaftlichen Methoden Informationen über Leben, Tod und Religion entreißen können, endet mit dem wichtigen Entwicklungsschritt zur Schrift. [1] Bei den Griechen vollzog sich dieser Schritt im 8., vielleicht schon im 9. Jahrhundert v.Chr., mit der Annahme des phönizischen Alphabets, dem ersten abstrahierten Darstellen von Konsonanten, das über die einfache Form von Ideogrammen (Bildschrift) oder Silbenkurzschrift hinauskam. Die Griechen fügten sieben Vokalzeichen a (a), e h (kurzes und langes e), i (i), o w (kurzes und langes o), u (u) hinzu und besaßen ein vollständiges Alphabet. Seit 755 v.Chr. zeichneten sie mit dieser Schrift in Sparta die Namen ihrer politischen Führer auf, nach 682 v.Chr. benutzten es die Athener zur Nennung der ihren. Das sind Anfänge historischen Bewußtseins. Auch Homer und Hesiod sind zu nennen, die schon ein wenig eher lebten, wahrscheinlich um 800 v.Chr., und die wahrscheinlich dieses Alphabet benutzten. Und hier wollen wir den Anfang des historischen Griechenlands setzen, die Zeit davor bleibt dunkel (keine Aufzeichnungen, fehlende keramische Artefakte), darum nennen viele die Zeit zwischen dem Fall von Troja um 1200 v.Chr. und den ersten Aufzeichnungen auch das „Dunkle Zeitalter“ [2] der Griechen. Mit den ersten Vasen im protogriechischen Stil um 900 v.Chr. endet die dunkle Zeit. Eine Stilrevolution. Griechische Töpfer verwendeten Schmuckformen für Gebrauchsgegenstände im Verhältnis zur jeweiligen Gestalt und schufen damit ein harmonisches Ganzes. Klarer Ausdruck bei für Griechen wiedererkennbaren Motiven (also verkaufsträchtig), was auch Handel bedeutet, was auch wiedererzählten Mythus bedeutet. Die Griechen traten heraus aus der analphabetischen Dunkelheit und ergriffen ihre Lebensumwelt.
    Die Griechen sind durch Sprache, Religion und Sitte einheitlich zu bestimmen; in politischer Hinsicht sind sie in selbständige Einheiten, poleiz (Poleis), einzuteilen. Ionier, Äoler, Achäer und Dorier bilden die vier Stämme der Griechen. Sie nennen sich Hellenen, Homer bezeichnet sie in der Ilias (II, 530) als Achäer. Die Römer nannten sie graeci, wonach wir sie Griechen zu nennen gewohnt sind.
    Die Zeit der ersten Schriftbenutzung, in die wir den Anfang des historischen Griechenlands setzen wollen, nennt man auch das griechische Mittelalter. Der geometrische Stil bildete sich aus und ersetzte den archaischen, verdrängte mykenische und kretische Ideale.
    Die Griechen bildeten kein Großreich aus: Sie besaßen keinen Großkönig, keinen Pharao, keine Staatsordnung, die für alle Griechen galt. Die griechische Geschichte war geprägt vom Kampf aller untereinander, bei der die eine oder andere Macht zeitweilig eine Hegemonie erreichen konnte, letztlich aber nichts von Dauer.
    griechisches alphabet.JPGDas alle Griechen verbindende Band ist seit jeher die Religion gewesen, die eine Tendenz zur Vielgötterei besaß. Jeder Grieche betete zu mehreren Göttern. Man hat in den letzten Jahren erkannt, daß diese Tendenz sich im Laufe der Jahrhunderte eher noch verstärkte, es also keine schleichende Entwicklung zum Monotheismus gab. Entscheidend ist: In Griechenland war das öffentliche Leben aufs engste mit dem religiösen vermischt; die Griechen kannten kein Wort für Religion. Diese gehörte zu ihrem Lebensalltag. Jede Stadt besaß eigene Götter, einer wichtiger als der andere. Jede Stadt besaß einen eigenen Kalender, feierte eigene Feste, huldigte Göttern mit eigener Mythologie. Es gab Ähnlichkeiten, aber keine für ganz Griechenland feststehenden Festtage oder gar einen allgemeinen Kultus, keine festgelegte Zeremonie. Die Griechen besaßen nicht einmal eine Staatskirche. Gottesdienst blieb jedem Bürger selbst überlassen. Vergleichen wir es mit der heutigen Initiation Jugendlicher: Erwachsenenfeiern, Feten, feierliche Schlüsselübergaben, Festreden, Hochzeiten usw., all das sind auch heute religiöse Vorgänge, einem tiefen inneren Bedürfnis nach Struktur des Daseins geschuldet. Die Griechen nannten das ihroz (hieros), d.i. das in dem Individuum abgeschlossene Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit vom Willen Gottes, dem man sich nur unterwerfen könne. Im Gegensatz dazu bezeichneten sie das vom Staat geforderte religiöse Engagement als osioz (hosios), d.i. mit Abgaben, kultischen Handlungen und einer von der Öffentlichkeit geforderten gottgefälligen Lebensweise verbunden, die aber regional differenziert blieb.
    Atheismus gab es nicht. Alltagsbewältigung war ohne Zutun der Götter undenkbar. Die Stadt bestimmte über die wichtigste(n) Gottheit(en), allerdings wählte sich jeder seine Favoriten. Er nahm an den öffentlichen Huldigungen teil, darüber hinaus nahm er die eigenen vor. Als die Athener anfingen, ihre Gottheiten anderen aufzwingen zu wollen, war das der Anfang vom Ende ihres Aufstieges. Sparta besiegte Athen auch deshalb, weil es die militärisch eroberten Gebiete sich selbst überließ, v.a. in religiöser Hinsicht.
    Es gab Priester, die Einfluß auf die griechische Politik nahmen. Delphi sei hier genannt, auch Dodona oder die Priesterinnen der Hera in Argos. Aber sie herrschten nicht. Sie nahmen Einfluß, der nicht selten nivelliert wurde, da ein kluger Herrscher sich meist Rat von mehreren Orakeln oder Priestern holte, die miteinander in Konkurrenz standen. Und weil das griechische Priesterwesen keine wie in Ägypten oder anderswo noch heute politische Macht besaß, konnte es sich freier entwickeln und nahm viele Entwicklungen auf; es befreite sich vom Götzendienst, behandelte Götter anthropomorph, versah sie mit Fehlern oder steigerte menschliche Eigenschaften, so daß die Identifikation sehr viel höher war als bei einem im Kult erstarrten Gottesdienst. Die Griechen sind sehr poetisch in ihrem Gottesdienst; sie sind so frei, ihren Göttern nicht nur innere und äußere Menschengestalt zu geben, sondern sie sogar wegen ihrer Fehler zu lieben.
    griechenland_archaisch.jpg
    Daß Zeus zwar der höchste, nicht aber der am meisten verehrte Gott der Griechen war, ist unumstritten. Er besaß Orakelstätten, d.s. Orte, wohin der Grieche pilgerte, um in wichtigen Angelegenheiten um Rat zu bitten, was bedeutete, daß er den Priestern der Orakelstätte ein Geschenk (Opfer) mitbringen mußte und dafür ihren Ratschlag erhielt, den die selber aus einer beim Heiligtum fließenden Quelle als Gotteswillen lasen. Am berühmtesten wurden Delphi (Apollon) und Olympia (Zeus).
    Das Heiligtum Apolls liegt am Parnaß, einem Höhenzug. Es ist uralt. Apolls Jünger übernahmen dieses Heiligtum und das darin wesende Orakel namens Python von der Mutter Erde. Delphi war von allen Heiligtümern das begehrteste und somit auch reichste. Die Weissagungen der Apollonpriesterin, die bald den Namen Pythia erhielt, waren stets von doppeldeutiger Weisheit, so daß später immer behauptet werden konnte, sie hätte es richtig vorhergesagt. Aus einer Erdritze (Omjaloz, der Nabel der Welt) waberten Dämpfe, die die Sinne verwirrten und benommen machten. In diesem Delirium-Zustand mußte die Priesterin einen klaren Kopf bewahren, um auf die Fragen ihrer „Kunden“ gute Antworten zu geben. Ein Beispiel:
    Die Ausprägung des griechischen Pantheons erfolgte um 700 v.Chr.: An Stelle der homerischen Vorstellung [Homer war Assyrer], der tote Held sei ein ruhmvoller Name, darüber hinaus aber ein wesenloser Schatten, wird der alte [indogermanische] Glaube wieder stark, daß er in seinem Grabe gegenwärtig und unter den Lebenden wirksam ist. [Wiedergänger-Glaube] Den Kult der Toten zu versäumen, wohl gar sie unbestattet zu lassen, wird nun wieder unsühnbare Schuld.
    Die Pflicht des Ahnenkultes liegt den Geschlechtern ob. Auch die Demen und Phylen tragen vielfach patronymische Namen [nach einem Heros] und sind um ihre Heroen geeint. Den Heros Archegetas [meist Stadtgründer oder -retter] aber verehrt die ganze Stadt. (Freyer I, S. 344.)
    Als der lydische König Krösos einen Krieg gegen sein Nachbarland plante, schickte er eine Gesandtschaft nach Delphi, um Rat einzuholen. Die Pythia sagte: „Wenn du Krieg führst, wirst du ein großes Imperium zerstören.“ Krösos dachte, es sei das seines Feindes und marschierte los. Pech gehabt. Es war sein eigenes.
    Delphi war der geistige Mittelpunkt Griechenlands bis ins dritte Jahrhundert nach Christi. Alle vier Jahre wurden zu Ehren der Gottheit zuerst musische, später auch Sportwettkämpfe durchgeführt, die von Künstlern und Athleten aus Griechenland besucht wurden, die sich für dieses Ereignis zuvor mit Trainern vorbereiteten. Trainer durften bekleidet bleiben, Sportler trainierten und wetteiferten unbekleidet.
    Neben Delphi ist bis heute Olympia bedeutend geblieben. Zeusens Orakelstätte lag in einem Bergtal. Dort hatten Zeuspriester ein Heiligtum angelegt und lasen aus einer Quelle die Weissagungen und Ratschlüsse Gottes. Von hier wurden alle vier Jahre Boten in griechische Lande ausgeschickt und dazu aufgerufen, alle kriegerischen Handlungen einzustellen und nach Olympia zu pilgern, um Zeus mit Spielen und Wettkämpfen zu ehren. Den Griechen war das Ehrensache. Von 776 v.Chr. bis ins vierte Jahrhundert nach Christi wurden diese Spiele vor bis zu 50000 Zuschauern abgehalten und 1896 für die Neuzeit neu entdeckt.


    Aufgaben:


    1. Vergleiche die Weltkarte Herodots mit heutigen. Formuliere Gemeinsamkeiten und Unterschiede! (I)
    2. Erkläre die Funktion und Bedeutung der Religion bei den Griechen! Arbeit zu der These: „Eine Trennung religiöser Vorstellungen vom Alltag hätte den Tod jeder griechischen Polis bedeutet.“ (III)
    3. Fasse das Volkstum der Griechen in drei Sätzen zusammen! (II)



    [1] Die frühe zivilisatorische Hochzeit Kretas bis zur Zerstörung um 1350 v.Chr. entweder wegen eines Erdbebens oder des Einfalls der Streitwagen – oder beides – war gekennzeichnet durch eine offene Lage der Paläste in unmittelbarer Nähe von Wohnsiedlungen, was nur den Schluß erlaubt, daß die inneren Verhältnisse der Insel über Jahrhunderte hinweg stabil gewesen sein dürften: die Stellung des Staatsoberhaupts war offenbar nicht bedroht. Das Fehlen von Schutzvorrichtungen nach außen findet seine Entsprechung in mangelnder repräsentativer Raumanordnungund Raumgestaltung im Inneren der Paläste, wo die Herrschaft des Priesterkönigs (wahrscheinlich –königin!) mittels eines Thronsessels angezeigt wird, dem seitlich Bänke zuzuordnen sind (Gerhard Zinserling: Abriß der griechischen und römischen Kunst. Leipzig 1988. S. 17.), was auf eine aristokratische Staatsordnung hindeutet. Kreta hat sich von dieser Zerstörung um 1350 v.Chr. nie wieder erholt, allerdings wirkte die kretische Kunst über Jahrhunderte hinweg auf die Griechen ein.

    [2] In vielen Gegenden der Welt kennt eine Einteilung der Menschheitsgeschichte in Weltalter, immer deszendent, also vom Besseren zum Schlechteren verlaufend. Am Anfang steht der ein goldenes Zeitalter, dann abfolgend silbernes, bronzenes und eisernes. Jedes ist in etwa gleichlang, jedes dauert etwa 4000 Jahre. Der Inder hatte diese Vorstellung, yuga, der Perser kannte sie, zendavesta, die Juden, bei denen alles mit der Vertreibung aus dem Paradies begann, und auch die Maya kannten diesen Begriff und verbanden ihn mit dem Zyklus des Lebens. – Heute wird als Zeitalter ein kürzerer Zeitraum bezeichnet, der länger als ein Menschenleben (ca. zwei Generationen) dauert und meist mit einschneidenden historischen Ereignissen, Epochen, beginnt oder endet.
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