<!--[if gte mso 9]><xml> <o:OfficeDocumentSettings> <o:RelyOnVML/> <o:AllowPNG/> </o:OfficeDocumentSettings> </xml><![endif]-->Der Prozeß der Rationalisierung hatte den Einsatz zahlreicher moderner Maschinen bewirkt. Das bedeutete den Einsatz von Kapital zum Kauf dieser Maschinen. Deutsche Firmen besaßen dieses Kapital nicht, liehen es also. Das bedeutete zugleich vermehrt den Einsatz qualifizierter Arbeitskräfte, die entsprechend entlohnt werden mußten. Arbeiteraristokratie. Der Prozeß erfuhr im Weltkrieg eine Beschleunigung, die nach dem Weltkrieg nicht abebbte. Die produzierten Erzeugnisse mußten verkauft werden: Konsum. Die Amerikaner und die Deutschen, die besonders intensive Rationalisierer in dieser Zeit waren, verschuldeten sich, zugleich wuchs die Spareinlage, allein im Reich von 1,7 Milliarden Reichsmark 1925 (18 Milliarden €) auf 9,3 1929 (100 Milliarden €). [1] In der gleichen Zeit verschuldeten sich die Deutschen um etwa 20 Milliarden RM. [2] Ähnlich sah es in vielen Ländern der Welt aus: die Menschen investierten in die Zukunft, kauften Aktien und nahmen Kredite auf, um ihre Konsumwünsche zu befriedigen (Auto, Elektrogeräte, Hausbau…). Daß sich die konvertiblen Währungen am Goldstandard orientierten, schlug auch nicht zum Vorteil aus. Es war bei steigender privater und betrieblicher Verschuldung, zunehmenden Produktionszahlen und damit verbundenen Preisverfällen, damit allerdings nicht standhaltender Goldproduktion nur eine Frage der Zeit, bis die Insolvenz einer größeren Bank das weltwirtschaftlich auf Pump aufgebaute System zum Einsturz brächte. Der optimistische Traum einer auf technische Entwicklungen und Erkenntnisse der Wechsellagen (das Auf und Ab in Folge der Rationalisierung und damit verbundenen zeitweiligen Arbeitslosigkeit, zudem im Reich seit 1927 durch Arbeitslosenversicherung gemildert) wirtschaftlicher Entwicklung gestützten Hoffnung auf ewige Prosperität (Wachstumsoptimismus) brach zusammen, als am 24. Oktober 1929 die Neu Yorker Börse mit einer Flut von Verkaufsaufträgen konfrontiert wurde. Die Aktionäre wollten die hohen Kursgewinne der vergangenen Monate und Jahre offenbar alle an einem Tag mitnehmen, wie es in der Broker-Sprache heißt. Eigentlich nichts Untypisches für einen Donnerstag - Gewinnmitnahmen. Der Rückbildungsprozeß, die Kurskorrektur, war in den USA längst fällig geworden. Die Teilnahme vieler Amerikaner an Börsenspekulationen war möglich geworden, weil sie nominell 10% der gekauften Aktien bar hinterlegen mußten, allerdings die Restsumme benötigten, sofern ihre Effektaktie aufgelöst resp. verkauft wurden. Nicht wenige hatten die Aktie zu einem Fixkurs X gekauft und darauf spekuliert, daß die Aktie steigen würde, waren aber das Risiko einer sinkenden Aktie eingegangen, die dann zu einem Fixkurs X ausgelöst werden müßte. Ein Beispiel: Ein Bauer kaufte am 26. März 1921 100 Aktien Schweinebäuche zum Kurs von 4,53 $. 10 % mußte er hinterlegen, also 45,30 $. Er spekulierte darauf, daß die Schweinebauchpreise steigen. Bis 1929 stiegen sie auf 9,52 $. Sein Depot war also 952 $ wert, allerdings schuldete er dem Depothalter (einer Bank oder einem Brokerbüro) noch 407,70 $ (18500 €) plus Verzugs- und Bearbeitungsgebühren von etwa 100 $. Er hätte also, wenn er am 23. Oktober 1929 seine Aktien verkauft hätte, etwa 300 $ Gewinn gemacht. Die Gier ließ ihn bislang zögern, den Verkaufsauftrag herauszugeben, denn schließlich könnten die Schweinebauchkurse doch noch weiter steigen… Weihnachten stand vor der Tür. Zu spät. Etliche kamen Ende Oktober auf die Idee, ihre Schweinebäuche zu verkaufen. Der Kurs sank auf 4,08 $. Da er unter 4,53 $ lag, mußte unser Bäuerchen, das am Tage zuvor noch 300 $ Gewinn gemacht hätte, nun 407,70 plus Verzugszinsen bezahlen: das nannte sich damals Exekution. Was tut er, er rennt zur Bank, holt sein Erspartes. Mit ihm viele andere. Die Bank hat nicht so viel Bargeld, vielleicht ist noch eine Hypothek auf seinem Land, also Ruin. Diese Oktoberwoche 1929 markierte den Wendepunkt des nachkrieglichen Aufschwungs und führte bis März 1933 zum Verfall des amerikanischen Aktienindex. 185,2 Anfang 1929 bis 43,2 März 1933. Die damit verbundene Wertvernichtung stürzte Millionen Amerikaner ins Elend, ließ Banken zusammenbrechen, verringerte den Konsum und bewirkte v.a. eine sehr hohe Arbeitslosigkeit. Amerikanische Banken griffen nach ihren außeramerikanischen Rettungsankern: Gold, nach dessen Erschöpfung nach gewährten Krediten an deutsche Banken (Folge: 670000 Konkurse und Vergleichsverfahren zwischen 1929 und 31 sechs Millionen Arbeitslose im Reich), mußten aber zahlreiche Debitorenverluste hinnehmen (wenn Schuldner nicht mehr zahlen können und auch Pfändungen keinen Gegenwert bewirken) und brachten so die ausländischen Wirtschaften ebenfalls in die Krise. Mehr als 5000 amerikanische Bankenkonkurse in drei Jahren belegen nicht nur eine Konzentration des Kapitals, sondern auch die Verarmung weiter Bevölkerungskreise.

Die Wirkung auf die deutschen Banken: zuerst schrumpften die Goldbestände (von 2,9 t 1929 auf 1,05 t 1932), was die Reichsbank dazu zwang, die Goldbindung der Reichsmark auszusetzen und zur Devisenbewirtschaftung überzugehen. Die deutschen Goldbestände reichten den Amerikanern nicht aus, also griff man nun nach den englischen. Die Bank of England mußte am 20. September 1931 die Goldbindung des Pfundes aufgeben, was das Pfund devalvierte (abwertete). Jetzt erlitten alle Einlagen in Pfund Sterling schwere Verluste, was dem Dollar, aber auch der Reichsmark und dem französischen Franken nützte, die nicht am Pfund hingen, sondern am Dollar, der sich mit Hilfe seiner eingezogenen Auslandskredite resp. außeramerikanischer Goldreserven als Leitwährung der Welt endgültig durchsetzte. Um diesen Prozeß zu beschleunigen änderte die amerikanische Regierung 1932 das Notenbankgesetz durch den Glass-Steagall-Act, wodurch die amerikanische Regierung sich das Recht aussprach, Bundesanleihen (Staatsschulden) als Notendeckung auszuschreiben, die von der Federal Reserve gern angenommen wurden, denn das war quasi eine Erlaubnis zum Gelddrucken. Die Amerikaner hatten indessen ihr Vertrauen zu den Banken verloren und horteten ihre Bargeldbestände zu Hause. Da der Dollar vorerst konvertibel blieb, war das keine unkluge Entscheidung für die einzelne Sicherheit. Es war aber keine gute Entscheidung für die amerikanische Wirtschaft, der das gehortete Geld fehlte, da es nun aus den Bilanzen war, aber jederzeit hätte gegen Gold eingetauscht werden könne.

Als Roosevelt im April 1933 Präsident wurde, griff er das auch gleich an und beendete die Konvertibilität des Dollar, was bedeutete, daß nun auch der Dollar devalviert wurde. Das lockte die Bargeldreserven der Amerikaner hervor, die es nun in die Wirtschaft pumpten, um angemessene Gegenwerte für ihr täglich geringeren Wert habendes Geld zu erhalten. Das wiederum führte zum Gold Reserve Act vom Januar 1934, das 35 $ für die Feinunze Gold festlegte, also den Dollar gegenüber 1929 um knapp 60% abwertete. Am Ende hatte die Federal Reserve die Bankenwelt in Amerika weiter konzentrieren können, was ihre Kontrollfunktion erhöhte, hatte die Amerikaner um 60% enteignet, den Dollar endgültig zur Weltleitwährung gemacht und sich zugleich die Regierung in Abhängigkeit gebracht, die mit Hilfe der Anleihen der FR den Auftrag gab, Geld zu drucken, das sie gegebenenfalls in Gold an die Gläubiger zurückgeben müßte.





[1] Die Armut der Deutschen während der Weimarer Republik wird hier besonders deutlich. 2014 betrug die Spareinlage etwa 5000 Milliarden €.

[2] An dieser Zahl läßt sich eine Mentalitätsveränderung fixieren. Aus dem biederen deutschen Kleinbürger war in nur zehn Jahren ein auf Konsum und Luxus orientierter Spießer geworden, der über seine Verhältnisse lebte. Diese Zahl läßt sich auch als Folge der Notjahre und der notwendigen Investition in Investitionsgüter lesen, v.a. aber als Ergebnis rationalistischer Weltwahrnehmung.



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