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Thema: diE KuNst dEs GEdicHts

  1. #26
    Kurzvormabschussiger
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    AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    he, das Thema dieses "arbeitsordners" ist mit- und weitermachens-würdig ... lasst ihn nicht in der ablage verschwinden ...

  2. #27
    Tochter aus gutem Hause
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    Post AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    Die Kunst des Gedichts
    ________________________________________




    ich habe schnur und drahtseil
    telefon und antennenkabel
    zahnseide galgenstricke schn?rsenkel
    nähfaden kausalketten und den faden der ariadne


    und alles verknote und verflechte ich
    miteinander zu einem strang
    mehr als tausend kilometer lang
    denn damit hänge ich alles zusammen
    anfang und ende und gott und die welt


    verknüpfe also das höschen meiner geliebten
    mit der kirchturmspitze von krinau
    und diese mit einer büste von marx
    diese mit schwarzen wolkentieren
    diese mit dem regenwald
    und diesen mit alaska mit hollywood
    mit gelbroten rosen mit ungeduld
    mit sirius im all
    mit einer toten amsel am strassenrand
    und meinetwegen mit dem spruch irgendeines orakels
    aus dem antiken griechenland


    warum, fragt ihr, warum das alles?
    was steckt dahinter? wo ist der sinn darin?


    aber zur antwort kriegt ihr nichts von mir
    als ein stilles, wissendes lächeln
    während ich den rauch meiner zigarette inhaliere
    um ihn euch dann ins gesicht zu blasen




    ________________
    Mr. Jones

  3. #28
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    welt
    willst du
    mir zeigen


    ich will
    mich nur
    von ihr
    an deinem bauch
    ein wenig
    verschnaufen




    weil: es mir manchmal gerade darum bei einem gedicht geht: um ein verschnaufen. um ein innehalten. um ein sich in sich selbst einen augenaufschlag lang zu halten. sich als resonanz auf ein paar worte genügen.


    dazu atme ich ein und aus als ob das selbstverständlich wäre und staune ob meinem fehlenden staunen als ob die durch das tal ziehenden nebelschwaden eine selbstverständlichkeit wären. nur immer wieder ein leichtes stechen in der herzgegend. ich denke, mein grossvater hätte das verstanden. und auch das ist keine selbstverständlichkeit.


    b.

  4. #29
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    AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    Kinners, mensch, in der dichte der zeit, hab ich selbige nicht, das alles durchzulesen - wann soll man da noch gedichte schreiben, wenn man nur noch vor dem pc sitzt??? -


    beim überfliegen (so wie es die adler tun... ) las ich von uis:
    Gedichte schreiben ist sterben und werden.
    bin ich mal wieder vom hocker gefallen! wunderbar! wird zeit, da? ich mir mal einen sicherheitsgurt zulege hier... -


    Blixa Bargeld, der alte Tonklempner, sagte einmal in einem Interview:
    Dichtung muß man da anbringen, wo's tropft!
    Das klingt einleuchtend.


    Meine Lieblingsgedichte wechseln, so wie die Jahreszeiten oder auch manchmal nur die Unterhose... - zum festen Stamm gehören jedoch z.B.: "der Panther" von Rilke und "ecce homo" von Nietzsche. Ist "Anna Blume" von Kurt Schwitters auch ein Gedicht? Wenn ja, dadas auch...

  5. #30
    rodbertus
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    AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    Jones, Er ist ein Schnösel. Den Rauch einer Zigarette willst Du jemandem (!), einem Fragenden, einem Suchenden, einem Menschen, einem Sachensucher ins Gesicht, will heißen in die Offenheit eines Augenblicks blasen. Dann bist Du auf der Seite der Sachzerstörer, der Bittlosen, der Nichtgedemütigten, der Offenlasser und Verdrahter. Fuck off!


    bernouilly, der Gedanke des Verschnaufens ist gewaltig, beinahe ein bißchen zu. Daß Du ihn mit einer Zeitlosigkeit konterkarierst, will mir da schon als contradictio in adiecto gefallen.


    Paul, steh wieder auf und binde Dir ein Wort ums Maul! Klarerweise ist Dada Dichting.

  6. #31
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    Still, still, still
    und dunkel
    ist diese Stunde nach Mitternacht,
    und er schloss die Augen und sagte zu mir:
    Ich warte.


    Er sagte:
    Zeig mir den Menschen.
    Irgendeinen Menschen.


    Zeig mir, sagte er,
    wie er lebt,
    wie er denkt,
    und auch das,
    was er hütet wie seinen Schatz:
    sein Geheimnis.


    (Ich gab mein Bestes und schrieb mein erstes Gedicht.)



    Wir reisen im Regen und im Schweigen. Und zweimal das gleiche ist noch lange nicht dasselbe.

    Ein Gedicht, was ist das? Verdoppelung oder Spaltung des Ich?


    Eine Reise, sagst du.


    Diese Reise hat kein Ziel, ebenso wenig wie sie jemals begonnen hat. Als gäbe es nichts anderes als unterwegs zu sein. Als wäre die Idee hinter allen Dingen - diese Reise.

  7. #32
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    AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    ist nicht das auch die kunst des gedichts:
    den Augenblick erhaschen, quasi mit dem schmetterlingsnetz...? - wobei man als alter buddhist latürnich weiß, daß es nix bringt, den schmetterling zu fangen (oder den panther...), die erkenntnis ruht darin, selbst zum schmetterling zu werden - aba das is eine andere geschichte...

  8. #33
    Kurzvormabschussiger
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    AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    Indianer Jones,


    jene Kunst des Gedichts ist auf witzig-verschmitzte Provokation angelegt, was nicht das schlechteste der Stilmittel. Entscheidend, was am Ende rauskommt, und das schmeckt arg nach Überheblichkeit. Selbst wenn du so weise bist, wie dein Lächeln vermitteln soll, wird durch die heilige Wertschätzung des Gegenübers Diplomatie geboten. Yep, Scheisz-Ethik.
    Entsprechend entgleist etwas, wenn du dem Leser den Rauch ins Gesicht bläst: Sachliche Provokation in Ehren, doch gegen die Person gerichtet ist sie anzuprangern. Nebel auf den Stift zu husten wär besser, Suchtbolzen.

  9. #34
    liebe Frau
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    AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    - aber zur antwort kriegt ihr nichts von mir
    als ein stilles, wissendes lächeln
    während ich den rauch meiner zigarette inhaliere
    um ihn euch dann ins gesicht zu blasen -




    ich nehm dir den rauch weg auch den duft deines körpers,
    des augenblicks und des begehrens
    gänseblümchenaroma und rosengeruch, den
    dunst der mandragore, den nebel von straßen und den tau von liebesgewort, moder aus weingrotten und algengestank, vertröpfelte hirne und der schweiß der alpen,
    ausdünstung der welt und der verhallende reif
    alles gewesenen.


    dies gehauch mach ich bereit, fülls in flaschen, es soll gären, kornig


    trinken werden wir, herz, bis kein duft mehr
    bleibt. bring zeit mit

  10. #35
    schreibt hier hin und wieder
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    Post AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    hi,


    fasse mal den mut etwas beizusteuern (habs wenigen gezeigt, aber weil ihr so unkritisch seid ). dies ist NICHT mein lieblingsgedicht, aber es passt glaub ich hierher:


    was m(ich)...


    was m(ich) berührt
    was m(ich) bewegt
    was m(ich) zerstört
    was m(ich) belebt


    was ich verwische:
    die grenzen
    was ich vermische:
    nähe mit distanz
    was ich auftische:
    ein gedicht


    ich bade im kot
    ich bin eingedöst
    ich bin nun tot
    ich bin erlöst


    was m(ich) überlebt:
    mein gedicht

  11. #36
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    Post AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    Wißt ihr,
    weshalb?


    Das Mondkalb
    verriet es mir
    im Stillen:


    Das raffinier-
    te Tier
    tats um des Reimes willen.


    (Tratschke fragt:wer war's?)...

  12. #37
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    Post AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    ---ich we-heisz, ich we-heisz! Ich weisz ein Nocturno für Wiesel auf Kiesel mit Mondkalb:


    In meiner Stube kehrte heute ein: Ein neuer Gast
    nahm Platz und dann entleerte er die Tasche ohne Hast.
    Was sich alsbald auf meinem Tische fand, war eines Teils zu meiner Freude
    den andern nahm ich wägend in die Hand, prüfenden Blicks weil ich nur ungern was vergeude.
    Lang blieb mein Gast, erzählte mir Geschichten, als seien wir uns lange schon verbunden
    Ich hörte lange zu und wußte wenig zu berichten. So vergingen Stunden.
    Zum Abschied gaben wir uns nicht die Hand, obwohl wir uns zum letzten Male sahen.
    Mein Gast, vergangner Tag, verschwand. Des nächsten Schritte nahen.


    Ob's lächelt, das Mondkalb? Oh, es hat gegähnt.

  13. #38
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    Post AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    ich grübelte
    und grübelte
    und grübelte
    die ganze Nacht -
    da errötete der Morgen
    und ich lächelte...

  14. #39
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    AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    Vielleicht wird das ein sehr umfangreicher Ordner, ja. Vielleicht wird es auch ein wunderbarer Ordner. Voll Musik und Leben und Poesie. Wie ein Gedicht halt...


    ...schrieb Mr. Jones per 1. Juli 2001.

  15. #40
    schreibt hier hin und wieder
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    Post AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    Ausflug


    Von, flieg
    immerwährend
    Mövenwort.
    Bis,
    seltsam Kind,
    komm.


    Ja, so isses.

  16. #41
    Kurzvormabschussiger
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    Post AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    ich habe die grippe...


    Hilf mir heraus.
    nur eine hand überm wasser. ein sanftes segel. eine haifischflosse. ein schmaler schlitz im silberweichen tuch. ich laufe am ufer des flusses entlang. als ich hineinsteige sinke ich knietief ein. der schlamm schlürft gierig an meinem bein. ich greife das gras des ufers und klettere hinaus. die haifischflosse segelt. segelt flussabwärts. still. sanft. beharrlich. ich muss mich lösen. drehe mich um und gehe. halte mich. halte mich an einem baum. ein dunkler schmaler baum. schnell kommt die nacht und umfängt mich. ich schreie. die nacht trägt mich davon. ich sitze am fenster. nur dunkel. dann ein trippeln. kleine zierliche schritte. etwas nimmt mich an die hand. zieht mich. führt mich zum fluss. ich knie nieder und halte die hand ins wasser. dann tauche ich ein. kühl und klar umgibt mich das wasser. grausilbern. ich schwimme unter wasser. wie ein fisch. flirrendes licht. zärtliche kleine wellen. aber kein ausblick. nur grau und silbern. ich will etwas sehen. entschlossen versuche ich eine wende nach unten zu machen. kauere mich zusammen. stoße mich ab. strecke die hände weit vor. ich bin ein pfeil. und wirklich treffe ich auf sand. kleine pflanzen. steine. dann eine bewegung im wasser. etwas großes kommt auf mich zu. wie eine gewölbte wand. stößt mich zurück. zieht mich vor. umkreist mich schließlich. drückt mich zu boden. als ich es endlich schaffe die augen zu öffnen steht ein fisch über mir. sehr groß. mit glänzend glatter haut. ich versuche zu entkommen. aber er ist schneller. schwimmt immer an meiner seite. ich bin doch kein fisch. das wird schon werden. sagt er. wir schwimmen lange zusammen durch den fluss. als wir einen wasserfall erreichen nimmt er meine hand und steigt mit mir aus dem wasser. wir gehen hinter den wasserfall. ich wundere mich dass er laufen kann. da betreten wir eine grotte. sie ist sehr groß. ein wenig düster. der fisch geht zu einem tisch aus stein und setzt sich auf einen steinblock der sich daneben befindet. er deutet auf einen anderen block und heißt mir mich zu setzen. als ich ihm folge blickt er lange auf den tisch als würde er lesen. schließlich hebt er die augen und spricht mich an. er spricht und spricht aber ich verstehe kein wort. langsam lege ich mich zurück auf den steinblock. strecke mich aus. mir fallen die augen zu. mir wird kalt. als ich aufwache sitze ich unter einem baum. am fluss. er fließt silbern und ruhig. auf dem wasser schwimmt ein kleines segel aus kork. ein stückchen holz scheint es zu tragen. meine kleider sind feucht. ich sehe dem schiffchen nach. dann steige ich hinein und versuche es zu fangen. aber es entzieht sich.

  17. #42
    Tochter aus gutem Hause
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    Post AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    LETZTES GEDICHT


    Wie in einem Alptraum,
    die Wände stehen in Flammen,
    ich sitze am Küchentisch und schreibe
    meine letzten Worte nieder,
    während die Hülle wütet
    überall
    um mich.


    Ich schreibe
    gegen den Tod,
    der auf dem Papier klebt:


    eine zerquetschte Fruchtfliege, die mich anstarrt
    durch schale Dimensionen
    voll Rauch und Schall,
    aus Augen
    wie saftlose Orangen,
    ausdrucksleer.


    Wie in einem Alptraum,
    mein letztes Gedicht,
    es wird mit mir verbrennen.

  18. #43
    up
    Status: ungeklärt

    AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    es gilt, das gedicht, die poesie, im unterschied zur prosa zu charakterisieren. dies ist in diesem ordner (noch) nicht geschehen...
    einer von vielen guten gründen, um das ding raufzuholen aus der versenkung.

  19. #44
    Tochter aus gutem Hause
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    Post AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    Neue Schrecken, noch'n Gedicht?


    Schrecken
    erneut zu entdecken
    macht heiß.


    Furcht
    zu erwecken
    aus vergessenen Ecken
    der Preis.

  20. #45
    Sappho
    Status: ungeklärt

    Post AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    "Ich möchte Dir etwas sagen,
    aber mich hemmt die Scham."
    "Trägst Du Verlangen nach Gutem und Schönem,
    rührte auch Deine Zunge nichts Häßliches auf,
    nun, dann würde nicht Scham die Augen Dir fesseln,
    nein, Du sprächest über das Rechte."

  21. #46
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    Ein Laubblatt sagt es
    dem anderen: "Es wird ein
    Gewitter geben!"


    Nicht von mir, aber immerhin selbst gelesen.

  22. #47
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    Im Unterschied zur Prosa, die ein Ziel verfolgt, ist ein Gedicht immer ein sprachspielerischer Text. Verschreibt es sich dem Reim, lässt es sich von ihm mitlenken, nur dem Rhythmus, auch von diesem. Ein Gedicht beginnt meist nicht mit einem inhaltlichen Einfall, sondern mit einem Gefühl und einem (rhythmischen) Pochen. Dieses Pochen fehlt der Prosa. Oder wenn es sie erfüllt, wird Poesie draus - lyrische Prosa.

  23. #48
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    AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    Da hat der Quoth hier etwas sehr Dummes gesagt, und ich nicht weniger dümmlicher, dafür aber oberflächlicherer Mensch lasse das unkommentiert.
    Original erstellt von Quoth:
    Im Unterschied zur Prosa, die ein Ziel verfolgt, ist ein Gedicht immer ein sprachspielerischer Text.
    Aufgepaßt: Manche Gedichte sind vor allem Sinngedichte, die die Form nur als Vehikel benutzen. Und manche Prosa ist vor allem gute oder schlechte Launeverarbeitung, die gar nichts mitteilen will als das HALLO, ICH LEBE! Und manchmal nicht einmal das, will ich der jungen Dame von gestern glauben, die eben behauptete, für nichts und niemanden zu schreiben, eben so.


    Die Kunst des Gedichts besteht also nicht darin, zuvörderst eine Form zu finden, aus diesem Zeitalter der Regelpoetiken sind wir heraus, aber wer etwas von sich hält, der gibt seinem Denken eine Form, weil er sich über die Formentschlüsselung mitteilen kann, Muster hin oder her.

  24. #49
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    treffende Worte vom Meister:
    erstellt von Gottfried Benn:
    Die Öffentlichkeit lebt nämlich vielfach der Meinung: da ist eine Heidelandschaft oder ein Sonnenuntergang, und da steht ein junger Mann oder ein Fräulein, hat eine melancholische Stimmung, und nun entsteht ein Gedicht. Nein, so entsteht kein Gedicht.
    Ein Gedicht entsteht überhaupt sehr selten - ein Gedicht wird gemacht. Wenn Sie vom Gereimten das Stimmungsmäßige abziehen, was dann übrigbleibt, wenn dann noch etwas übrigbleibt, das ist dann vielleicht ein Gedicht.

  25. #50
    Sternchen
    Status: ungeklärt

    Post AW: diE KuNst dEs GEdicHts

    Ein Gedicht,
    das noch so schöne Worte führt
    doch meine Seele nicht berührt,
    das sage ich ganz unbeschwert,
    ist nicht des zweiten Lesens wert.
    Und rührt es meine Seele an
    zieht gänzlich mich in seinen Bann,
    geniess' ich es, so oft ich kann.
    (G.M.)

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