+ Antworten
Ergebnis 1 bis 6 von 6

Thema: Textarbeit zu "Opa Pscht"

  1. #1
    kls
    Laufkundschaft

    AW: Textarbeit zu "Opa Pscht"

    Dat Lepen is härrlich
    dat Lepen is schön,
    manchmol gefährlich
    manchmol zum Gähnän...


    Das müsst ihr Euch vorstellen, wie mit einer selig-brummigen Balu Bär Stimme vorgetragen. In einem kleinen aber einwandfreien Badezimmer, zur Melodie von: "Und auf dem Berge, da steht ein Karton..." - nur nicht ganz so schön...




    DIE HEIMKEHR


    ?Klau-haus!?


    Klaus-Lutz beschleunigte negativ und drehte sich langsam in dieser, ihm eigenen ?Ist-mir-doch-egal? Haltung um. Der Mercedes bremste auf gleicher H?he ab und Rudi beugte sich etwas aus dem offenen Fenster.


    ?Wie kann man denn nur so bl?de sein??


    Rudi schien wirklich sehr ver?rgert. Klaus ging vor dem Fenster in die Hocke und n?herte sich dem Gesicht auf gleicher H?he. Rudi hatte kleine rote ?derchen in den Augen, ob postalkoholischer Natur oder vor Zorn, spielte eine, wohl eher untergeordnete Rolle. Augen wie frisch transplantiert in einer extrem abgenervten Mimik. Dieser Blick in Kombination mit dem markanten Eisenfresserkinn konnte schon angsteinfl??end wirken. ?Dem str?uben sich ja echt die Augenbrauen.?, dachte Klaus. Dann warf er den Ball zur?ck.


    ?Ich habe lange ge?bt. Gibt es denn schon n?here Erkenntnisse dar?ber, wie es bei Dir zu dieser Eingebung kam??


    ?Oh Klaus, Du bist einfach nur ein Bl?dmann. Seit wann kennen wir uns nun? Richtig. Seit fast 30 Jahren, gelle? Zu MIR mu?t Du kommen. Zu MIR! Mit MIR mu?t Du reden, wenn Du Dein Wohnungsproblem gel?st haben willst. Nicht mit den anderen Affen. Mit MIR!!! Gottchen, wie kann man nur so bl?de sein.?


    Klaus war nach Grinsen. Aber nat?rlich zog er ein betroffenes Gesicht vor. Es hatte also geklappt. Der Proze? wurde von einer Lobby protektioniert und beschleunigt. Vier Leute hatte er auf Rudi angesetzt. Mindestens zwei davon mu?ten die Dringlichkeit seines Anliegens so formuliert haben, da? Rudi nun in Bewegung geriet.


    ?Aber ich HABE mit DIR geredet. Und Du hast mir unaufgefordert angeboten, wieder aufs Gel?nde zu ziehen. Gut! Knorke auch und mit Fransen dran. Aber in absehbarer Zeit will hier niemand aus einer ?unter 300 EU Einheit? ausziehen. Du kannst ja schliesslich auch keine Wohnungen schei?en. Oder? Ich habe nichts hinter Deinem R?cken angestellt. Ich habe mich nur ein wenig mit den Leuten hier unterhalten und etwas schlauer gemacht. Einige der Gel?ndebewohner kenne ich doch auch schon `n paar Tage l?nger. Ich liege ab morgen, ach was, eigentlich schon ab heute mit dem Arsch auf der Stra?e, aber das wollte ich nicht so sehr plattwalzen. Und als Du mir sagtest, ich solle eine Telefonnummer hinterlassen...?


    ?Du bist doch so was von Bl?de. Ich bin Vermieter. Ich habe ein Interesse daran zu vermieten.?


    Rudi klopfte Klaus mit dem kr?ftigen Zeigefinger vors dritte Auge.


    ?Noch mal. Du m??test es doch allm?hlich durchschaut haben: Wer kontrolliert denn hier die komplette Struktur? Wer ist der Boss! Wer ist unter anderem auch der Vermieter? H?? ICH! Genau?? Genau!!! Und ICH l?se jetzt Dein kleines Problem. Steig ein. Wir fahren zur?ck. Ich habe da auch schon eine Idee. Probleme zu l?sen ist schlie?lich mein Job.?


    Ein aufmerksamer Beobachter h?tte vielleicht einen ger?hrten Zug im Gesicht von Klaus monieren k?nnen, aber Rudi war ja immer noch schwer gekr?nkt. Rudi war ein Mann, der den Wert von Zeit bemessen konnte. Unprofessionalit?t, ?berhaupt, jegliches uneffektive Handeln, machte ihn erstmal sauer. Au?erdem sa? da ein Kunde im B?ro, doch er mu?te hier schon wieder den ?berpappa spielen und drei Kilometer hinter einem Vollidioten her d?sen.


    ?Du gehst jetzt r?ber in mein Haus und wartest, bis ich den Kunden wieder vom Scho? runter lassen darf. Handelt sich ja auch blo? um ganz viel Geld. Wie eine Espressomaschiene funktioniert, kann Dir meine Tochter erkl?ren. Dann setzt Du Dich in die Kifferecke, wenn Du Nix haben solltest, was ich kaum annehme, fliegt im Kinderzimmer meistens etwas von dem Zeugs rum. H?re ein wenig Chopin - geile Musik, liegt im Player, lese den neuesten Spiegel oder Gernhardt. Spiel Klavier, entspann Dich und sei nicht so verdammt kleinlaut. Was ist denn los mit Dir. Wo ist Dein gro?es Maul geblieben? Seit wann hast Du Angst vor einem Machtmenschen? Ich dachte immer, Du findest Machtmenschen putzig.?


    ?Dein Vorzimmerdrachen schreckt mich ab. Nein, im Ernst: Wenn Dir der Arsch richtig auf Grundeis geht, so, dass Du in ein Position ger?tst, aus welcher heraus Du nicht mehr verhandeln kannst, dann wirst Du automatisch etwas kleinlauter. Das schl?gt n?mlich wirklich aufs Selbstbewu?tsein. Meinst Du nicht auch, ich w?re viel lieber als Gewinner zur?ckgekommen? Ich habe gek?mpft und verloren, daran soll ja nur theoretisch nichts Ehrenr?hriges sein. Au?erdem ist mir meine Freund-Feindkennung in der T?rkei abhanden gekommen.?


    Rudi kaute an seiner Oberlippe, was seinem Kinn ein nussknackereskes Design vermittelte.


    ?Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Wie lange warst Du ohne Unterbrechung da unten? Anderthalb Jahre? Zwei? So, wir sind da. Ich mu? in die Firma r?ber, wir sehen uns nachher.?


    Klaus stieg aus und ging langsam in Richtung Herrenhaus. Der Hund war zwischenzeitlich fast erblindet und regte sich f?rchterlich auf; als er aber ein beruhigendes: ?Na, Du Mistt?le? Halt die Schnauze, sonst fresse ich Dich auf? h?rte, erkannte er sofort die Stimme und verlangte nach gr?ndlichster Bestreichelung. Das Problem war jetzt in der L?sungsphase. Rudi war ein Mann, der sein Wort nicht leichtfertig vergab und - viel wichtiger - ein gegebenes Wort ganz bestimmt nicht leichtfertig brach. Einmal erst hatte er eine Zusage nicht eingehalten, da ging es aber auch wirklich bloss um eine Suffidee, n?mlich um eine Waffe, mit welcher er sich erschie?en wollte, weil sein System kollabierte. Das ?bliche: Frau nimmt sich einen anderen Bezirksbesamer, die Firma droht zeitgleich den Bach runter zu gehen, der Wein soll es ertr?glicher machen, aber das klappt ja auch nie. Doch als Klaus die versprochenen 1.000,00 DM Provision einheimsen wollte, hatte Rudi es sich schon wieder anders ?berlegt. Er zeigte gar kein Interesse mehr an diesem Schei?ding, wie es denn da so vor ihm lag. Das Ganze hatte seine Fortsetzung in einer netten Pr?gelei und endete mit einem w?sten Bes?ufni?, Garnuffel aber auch!


    Rudis j?ngste Tochter fiel ihm um den Hals.


    ?Lutz, la? Dich knuddeln.?


    ?Aber nur ein ganz bi?chen, Nadine. 18??


    ?Nein, 19! Sch?n Dich mal wieder zu seh?n?


    Jahre hatte er hier gelebt, im Geb?ude gegen?ber, das Gel?nde, eine runtergekommene ehemalige Konservenfabrik, mit aufgebaut, - urbanisiert sozusagen, anfangs alleine, sp?ter mit Freundin. Dann mit Frau, anschlie?end mit Frau und Tochter, Sohn aus erster Ehe, Meerschweinchen, Kaninchen, Katzen, Klavier und zuletzt wieder alleine. Wegen dem daraus, fast automatisch sich entwickelnden, v?llig ?berboardemden Drogenkonsum wurde seinerzeit von R?cktritt gesprochen - wohl zu Recht, wie er sich selber eingestehen musste, und ging lieber freiwillig. Seine kleine Softwarefirma hatte er dann in Indien auf den Kopf gehauen, danach fand er nirgendwo mehr ein Gef?hl f?r Heimat. Er entspannte sich. Nadine brachte einen Espresso und Klaus las ein wenig im M?rchenbuch des Chin-Wa.


    ?Was macht die Liebe??


    Rudi kam zur Haust?r rein und zog sich die Jacke aus.


    ?Nix. Der Begriff Liebe kommt in meinem Wortschatz nicht mehr vor. Ich habe abgeschworen.?


    ?Das kannst?e Deinem Psychiater erz?hlen.?


    Rudi fing an in der integrierten K?che rum zu klappern. Er kochte gerne und gut, obwohl Klaus-Lutz mehr den Eindruck hatte, dass Kochen, Golf spielen, Rasen m?hen, klassischer Musik lauschen, gehobene Literatur lesen etc. bei Rudi eher zu einem locker organisierten Freizeitprogramm geh?rten, eben, weil man das nunmal so macht.


    ?F?r einen Obdachlosen siehst Du eigentlich immer noch ziemlich fit aus.?


    ?Vornehm geht die Welt zu Grunde.?


    ?Deine Welt geht aber komischer Weise nicht zu Grunde. Die Anderen kratzen ab. Christian, Buckowski, Michelson, mein Bruder... Irgendwie bist Du ein ?berlebensk?nstler, ein Erfolgsmodel.?


    ?Ich habe noch einen Job zu erledigen. Einen Backstein im Regal mit meinem Namen drauf.?


    ?Wir haben nun auch einen Humanmediziner hier wohnen. Nebst Tier?rztin und einem Doktor der Psychologie. Also alles da, was Du brauchst? Ein Junkie hat sich eingemogelt, aber den bei?e ich demn?chst wieder weg. Zwei-drei Musiker in der pr?prominenten Phase, wie ?blich einige alleinerziehende M?tter und beziehungsgesch?digte Singles - gute Mischung. Ein erfolgloser Poet fehlte uns gerade noch. Erz?hle mal ein wenig. Hattest Du eine Wohnung? Wie lief es beruflich??


    ?Nein, ich habe im Hotel gelebt und mir den Arsch hinterher tragen lassen. Und ?ber meinen Job darf ich Dir nur wenig erz?hlen. Restloyalit?t. Verstehst??


    ?Ich habe nicht vor in der T?rkei zu produzieren.?


    ?Warum eigentlich nicht? Man kann dort prima Kneipenkulissen bauen.?


    ?Ich mu? die Produktion kontrollieren. Das geht nur, wenn sie direkt nebenan steht. In der T?rkei m?chte ich nicht leben.?


    ?Viele T?rken.?


    ?Hmmm. Stell Dir doch mal die selbe Menge Thail?nder vor...?


    ?Ja, stimmt. T?rken sind nicht besonders sensibel. Aber ich bin da ja einfach reingetaucht. Man sah mich nicht als Ausl?nder. Dennoch, manchmal war es etwas sehr anstrengend.?


    ?Es ist Vollmond, Klaus. Ach, und wo ist Deine Herzensdame??


    ?Wir Krebse glauben nicht an so einen Quatsch.?


    ?Hihi. Also, ich bin mit meiner Freundin sehr zufrieden. Man mu? sich dann keine mehr suchen und das beruhigt doch auch ungemein. Siehst Du das Haus da??


    Rudi zog Klaus zum Fenster.


    ?Das mit dem Ger?st??


    ?Genau. Da ist die bl?de Pappel einfach mal so draufgefallen. Die Familie oben habe ich umquartiert, aber einige Zimmer sind heile geblieben. Such Dir eins aus. Bad ist in Ordnung, nur in der K?che ist es etwas ungem?tlich. Dort bleibst Du, bis ich eine kleine Wohnung f?r Dich ausgebaut haben werde, oder etwas Passendes frei wird. Ich habe, glaube ich, f?nf St?ck, die f?r Dich in Frage k?men. Hast Du Bett, Kaffeemaschine, Kochplatte, Geld??


    ?Alles kein Problem. Matratze habe ich, Computer und Gitarre sind bei Bekannten eingelagert, Geld reicht noch bis nach Ostern.?


    ?Was macht Deine Krankheit??


    ?Bin recht erfolgreich am Verdr?ngen.?


    ?Eine kleine Feinheit noch...?


    ?Herrjemine, jetzt kommts.?


    ?Nur eine private Abmachung zwischen uns beiden: Wenn Du wieder in Sachen Drogen abtriggerst, machste unaufgefordert `nen Abflug.?


    ?Das hatten wir doch schon. Das musstest Du nicht thematisieren.?


    ?Ein Glas Wein??


    ?Ich trinke seit einem Jahr keinen Alkohol mehr. Ich versuche mein Laster ?Schreiben? zu kultivieren. Reine Suchtverlagerung.?


    Rudi f?llte sich ein Glas. Wie es aussah war das wohl kaum ein Lambrusco aus dem Aldi.


    ?V?gelst nicht mehr, s?ufst nicht mehr, wo bleibt denn da der Spa???


    ?Ach, glaube mir, ich habe genug gev?gelt und gesoffen in meinem Leben. Puh, da f?llt mir doch gerade ein halbes Himalaja vom Herzen? Danke f?r Dein Verst?ndnis.?


    ?Das war rein gesch?ftlich.?


    ?War auch nur ?ne Floskel.?


    ?In drei Tagen machen wir ein grosses Osterfeuer. Aus traditionellen Gr?nden erscheinen da fast alle Gel?ndebewohner. Du auch??


    ?Weiss noch nicht. Mir ist momentan nicht nach neuen Bekanntschaften.?


    ?Du wirst sowieso in absehbarer Zeit weiterziehen, auf Deiner bescheuerten Suche nach dem heiligen Gral.?


    ?Verlass Dich nicht zu sehr auf darauf...?


    Klaus telefonierte 5 Minuten lang und keine drei Stunden sp?ter lag er auch schon frischgebadet im Bett. Die Gitarre stand an die Wand gelehnt, ein uralter 386`er Siemens mit Kaiser Wilhelm Certrifikat, vermutlich aus Gusseisen war aufgebaut, Kaffeemaschine betankt f?rs Fr?hst?ck. Er ?berlegte. Klar, die dumpfen Kritiker w?rden nun bestimmt wieder etwas von Schei? Selbstfindungsliteratur zetern, aber aufschreiben sollte man es dennoch. Ein Gang nach Canossa war es doch auch nicht gewesen. Er hatte niemanden um nichts gebeten. Also vermutlich reiner Zufall. Oder das Unterbewusstsein hatte mal wieder rumgezaubert. Na gut, er hatte vielleicht etwas manipuliert, aber selbst wenn, was war denn so schlimm daran? Nur das Ergebnis z?hlt. Oder? Rudis Worte fielen ihm wieder ein: Heiliger Gral! So ein Bl?dmann. Es war gar nicht der heilige Gral, es war die Banalit?t des Seins vor dem Horizont, die ihn immer wieder veranlasste nachzugucken, was wohl dahinter weniger banal sein k?nnte. Egal. Er war endlich wieder zu Hause.


    Er wedelte sich einen von der Palme und schlief friedlich weg, wie eine Katze, die den Sahnetopf gefunden hatte.


    So, das war der sechste, aber letzte Teil meiner Trilogie: ?Auf der Flucht.? In Zukunft schreibe ich dann wieder Erbauungsliteratur. C?est la Vie. Ich glaube, wir bekommen einen geilen Sommer dieses Jahr.




    Der Jungbrunnen (Teil drei)


    Markus war frustriert. Knatschig blickte er von seinem Schlafsofa auf leere Bierflaschen, ?berquellende Aschenbecher und die E-Gitarre. Ein CLP-50 war am PC angeschlossen, somit hatte er ein komplettes Tonstudio.


    ?Ein Genie,? hatte der Dorfreporter geschrieben, ein ehemaliger Schulfreund. ?Der neue Mike Oldfield.?


    Markus bewohnte die modernisierte ehemalige Souterainwohnung von Opa Pscht, der schon lange als verschollen galt und n?chstes Jahr f?r tot erkl?rt werden sollte. Nach 10 Jahren will es so das Gesetz, aber das interessierte Markus kein bi?chen. Er wusste, dass Opa Pscht nicht tot war. Gar nicht tot sein konnte. Die gemeinsamen Stunden mit Opa waren immer noch frisch in seiner Erinnerung - eigendlich ein sehr erstaunliches Ph?nomen in diesen Zeiten. Zwar hatte er nie wieder nach Absurdistan gefunden und als als er einmal unter den Bodenbrettern nachsah, befand sich ?berhaupt gar kein Brunnendeckel mehr darunter, aber er wusste, dass die Wirklichkeit eine Informationsreduzierung bedeutet.


    ?Genie sein ist Schei?e.? Markus warf die Kaffeemaschine an und drehte sich eine Zigarette. ?Mir h?ngt meine Musik aus dem Hals raus. Sie hat mich immer begleitet. Ich kannte sie schon als Kind, ich erlernte nur die Instrumente zu bedienen. Seitdem herrscht z?her Stillstand. Ach, labere es Dir nicht interessant, aber etwas fehlt hier eindeutig. Nur was??


    Das Klappern der Wohnungst?r riss ihn aus seinen tr?bseligen Gedanken. Er trat auf den Flur und blieb verdutzt stehen. Ein etwa 3-j?hriges Kind stand im Gang und starrte ihn mit gro?en Augen an, w?hrend es den Daumen im schmutzumrandeten Mund stecken hatte. Das Kind wirkte seltsam bekannt.


    ?Warum schlie?t Du auch nicht ab??


    Eine klangvolle Stimme dr?hnte Markus an, irgendwie genau zwischen den Ohren. Dann etwas ged?mpfter:


    ?Ich habe mich in der Dosis versch?tzt. Klar, wenn die erste H?lfte Tote erwecken kann, ist die zweite H?lfte f?hig Dich zur?ck in den Uterus zu schiessen, meine Mutter w?re entsetzt. Glotz nicht so bl?de. Was glaubst Du wohl, wie ?tzend es ist in einem K?rper zu leben, der gerade voll in der oralen Phase steckt. Und die anale Phase letztes Jahr erst. Ausser S?tzen mit ?Hammama und Hattatta? kann dieser K?rper auch noch nicht sprechen.?


    ??h, Opa Pscht?? Markus war n?mlich ein ziemlich pfiffiges Kerlchen, auch wenn es gerade nicht so aussah.


    ?Jau.?


    ?Aber was soll das? Wo kommst Du her? Was willst Du hier??


    ?Aus Absurdistan und ich wohne hier.?


    ?Aber hier wohne doch schon ich.?


    ?Ich habe einwandfreie Papiere, die belegen k?nnen, dass ich der rechtm??ige Erbe bin.?


    Nat?rlich sprach nicht das Kind. Opas Geist in dem kleinen K?rper hatte die praktischen Anwendungsm?glichkeiten der Hyperempathie verfeinert und beherrschte geistiges Bauchreden, die Kommunikationsexperten w?ren ausgeflippt, wenn sie je davon geh?rt h?tten. Das Kind selber gab gutturale Laute von sich und setzte sich dann mit einem Plumps auf den zugeschissenen Arsch.


    ?Sag mal Opa, musst Du so stinken??


    ?Sag mal Opa, musst Du so stinken?? Opa Pscht ?ffte anscheinend zornig nach. ?Wie w?re es mit einem Gang zum Supermarkt? Windeln und Babynahrung? Lauf schon los, Du Rotzbengel.?


    Eine Stunde sp?ter, frisch gebadet und gewickelt, spielte das Kind auf dem Fu?boden und Opa Pscht hatte alles erz?hlt. Wie er sich sieben Jahre lang mit Hilfe des Zauberbrunnenturmes auf 64 Jahre hielt, wie er vor drei Jahren den Restinhalt der Wasserpistole mit dem Lebenswasser auf einmal schluckte und wie es dann leider zu einer unkontrollierten Reaktion zwischen diesen beiden Zaubern kam, wie er pl?tzlich in einen Babyk?rper geriet und wie er den Weg zur?ck schaffte.


    ?Und wie solls jetzt weiter gehen?? Markus dachte nach. Man w?rde sehr schnell mitbekommen, dass hier ein kleines Baby lebt...


    ?Das habe ich schon l?ngst gecheckt. Morgen gehst Du zum Jugendamt. Du legst einen von mir vorbereiteten Brief hin. Hat mir die Frau vom Wirt in Absurdistan geschrieben, des Inhaltes, dass Du Schwein mein Vater w?rest und Dich gef?lligst um mich k?mmern sollst. Unterschrift: Dein One Night Stand Elke aus Kirgirgistan. Ein gedeckter Scheck ?ber 300.000,00 Euro liegt bei, ausgestellt f?r ein Nummernkonto auf Kayman. Eventuelle Genvergleiche w?rden eine Verwandschaft zwischen uns best?tigen. Und wehe Du fragst jetzt warum. Du stellst ein Kinderm?dchen ein und fertig.?


    ?Opa! Das ist v?llig unm?glich.? Markus kratzte sich am Hintern. ?Meine Freundin w?rde mir den Kopf abreissen. Wir sind seit 5 Jahren zusammen.?


    ?Oh...? Opa Pscht schluckte mental so, dass Markus beinahe den Kloss sehen konnte. Wie machte Opa Pscht das nur? Deutlich h?rte er den Bart rascheln, den Opa nie trug.


    (Heftigstes Gr?beln)


    ?Wenn es Jungbrunnen gibt, dann gibt es vielleicht auch Altersbrunnen??


    ?Ne-ne, das Altern passiert schon von selber. Da war bislang kein Brunnen f?r n?tig, nur etwas Geduld.?


    ?Und wenn Du den Brunnenturm...?


    Opa schien zu schnauben:


    ?Der Sausack hat doch schuld an diesem Elend.?


    ?Komm, gibs zu Opa. Wenn die Wahrscheinlichkeit seinen Jungbrunnen zu finden 1 zu 7 Milliarden steht, also fast null, ist die Wahrscheinlichkeit zus?tzlich noch einen Zauberbrunnenturm zu finden 7 Milliarden hoch 7 Milliarden und dann noch gleichzeitig den Jungbrunnen eines 11-j?hrigen Kindes in der Tasche? Das ist mindesten 7 Milliarden hoch 7 Milliarden hoch 7 Milliarden. So viele Elementarteilchen gibt es gar nicht im Universum. Es bestand bislang keine Notwendigkeit einer Absicherung.?


    ?Sausackbrunnenturm mistiger!!!? Opa mochte keine Wahrscheinlichkeitsrechnungen. 7 Milliarden hoch 7 Milliarden hoch 7 Milliarden erschien ihm sehr hoch. Aber das machte die Sache nur noch pers?nlicher.


    ?Zement ma. Opa, denke doch mal nach. Mein Zauberwasser hat Dich zum Baby gemacht. Wir wissen beide, dass sich Jungbrunnen und Jugend gegenseitig abstossen, wie gleiche Magnetpole. Was w?rde Deiner Meinung nach geschehen, wenn Du nochmal von Deinem eigenen Brunnenwasser trinken w?rdest??


    ?Ich w?rde: Altern? Verbl?den? Verdampfen? Unsichtbar werden? In die Vergangenheit fallen? Oder in die Zukunft? Woher soll ich das denn wissen??


    ?Wer ausser Dir k?nnte es denn wissen??


    ?Stimmt ja nun auch wieder. Moment, hum, huum, huuum... ich habs. Da der Mensch mit 24 Jahren anf?ngt zu altern, w?rde mich mein eigener Jungbrunnen ca. 24 Jahre alt machen.?


    Und so geschah es auch. Beim n?chsten Vollmond. Und Opa Pscht wurde auf 24 Jahre hoch gebeamt, er lebte mit Markus 4 Tage in einer Wohngemeinschaft, zog seine W?sche an, a? den K?hlschrank leer, soff das Bier weg, spannte ihm seine Freundin aus und setze ihn am f?nften Tag auf die Strasse, die Anlage behielt er dann als Sicherheit f?r 7 Jahre Mietschulden und Markus lernte bei dieser Gelegenheit viel ?ber das Leben und die Problematik, ein netter Kerl zu sein...

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    13.May 2000
    Ort
    Köln
    Beiträge
    670
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Textarbeit zu "Opa Pscht"

    Wie wunderbar, Dir geht es gut
    Aber gehört der 2. Teil nicht zur Brunnengeschichte?


    Mir fällt ein Stein vom Herzen!

  3. #3
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Textarbeit zu "Opa Pscht"

    Es kalauert wieder. Wie stehst Du zum sauren Regen? Welche Farbe hat Deine Lieblingsherdplatte? Diese Fragen sollten in Deinem nächsten Text unbedingt behandelt werden.


    Ist hier ein wenig Textarbeit gefragt?

  4. #4
    kls
    Laufkundschaft

    AW: Textarbeit zu "Opa Pscht"

    Hey, das ist authentisch - nur ein wenig verdichtert.

    WER kalauert hier?

    Textarbeit? Du weisst, dass ich Deine Fertigmachungen schätze.

  5. #5
    kls
    Laufkundschaft

    Post Textarbeit zu "Opa Pscht"

    Arbeitsergebnisse der Zusammenarbeit mit Robert:


    Kapitel I, in welchem ein gewisser Markus ein erstaunlich hochentwickeltes stochastisches Talent zeigt.

    Opa Pscht wurde von allen Kindern in der Umgebung so genannt, weil man in seiner Gegenwart besser den Mund hielt und war eigentlich auch schon immer dagewesen.

    unglückliche Folge von Konjunktionen; WEIL - UND à UND muß sich auf WEIL beziehen, was aber hier keinen guten Sinn ergibt; andererseits ist das natürlich auch Deine sprachliche Erkennung, die Erkennung Deiner verqueren Denke, die Du dem Leser schon anfangs aufbürdest
    Folglich die Erwachsenen einst selber jung waren, konnte sich niemand mehr an seinen tatsächlichen Namen erinnern.
    Auch so ein Unsatz. Worauf bezieht sich FOLGLICH? Ein WEIL kann hier nicht stehen. Der Satz muß in klarem S-P-O aufgebaut werden. Andererseits kannst Du die beiden ersten Sätze durch die Einleitungskonjunktion als zusammengehörige markieren.
    Selbst die Post akzeptierte Briefe mit der Anschrift: „Opa Pscht – Deutschland“ und stellte diese anstandslos zu. Die Väter der Väter noch hatten seinerzeit den Geschichten gelauscht, die aus einem schier unerschöpflichen Fundus hervorgekramt wurden, wenn die Stimmung gut war und der Zuhörer aufmerksam. Dann flözte Opa sich in seinen Lieblingssessel aus gepunztem Saurierleder, schlug die Füße über Kreuz auf den Rand eines Beistelltischchens und betonte seine Monologe mit eigentümlichen Ungestüm. Dabei strich er sich regelmäßig über das Kinn, so, daß man überzeugt war, ein leises Rascheln zu vernehmen, grinste feist an Stellen, wo der Zuhörer beim besten Willen nichts Lustiges zu entdecken vermochte - konnte aber auch todtraurig blicken, selbst wenn die Kalauer wie aufgeschreckte Tauben durch das Zimmer flogen.
    Derb. BLICKEN verdiente eine Vorsilbe im Stile von DREIN- oder so.
    Manchmal verlor er sich in längerem Schweigen - der Zuhörer schwieg dann besser mit. Opa Pscht haftete etwas Unvergängliches an. Die Gesetze der Zeit schienen ihn nicht zu beeindrucken. Noch nie hatte ihn ein Arzt untersucht, andernfalls wäre dieser bestimmt auch ausgeflippt.
    Rückbezug zum Opa. Dem Leser wenigstens eine Ahnung geben, warum ein untersuchender Arzt "ausgeflippt" wäre.
    Markus liebte Opa Pscht mit der Hingabe eines frisch konvertierten Jesuitenzöglings. Er hatte vor, demnächst genau so ein Held zu werden wie Opa Pscht. Was hatte der nicht schon alles an Abenteuern erlebt: Weiße Kannibalinnen mit zwei Mündern, schwarz umrandete Einschußlöcher im Unterhemd, immer Sieger beim Gelage, muß wohl heißen Symposium (das ist ein Rhetorik-Festival unter Meistern des perfekten Wortes), mit einem Tremens Dämonen gekämpft, sein Name war Del-Irium und Anakondas und und und... Erst gestern hatte Opa von einer geheimnisvollen Zisterne gesprochen, die sich dem Auserwählen manchmal bei Vollmond präsentiert. Und das Beste daran war, daß sich dieser mysteriöse Born nicht hinter dem Himalaja oder den Galapagos Inseln befand, sondern direkt unter Opas Bett. Man mußte nur die Dielenbretter lösen und einen darunter liegenden Holzdeckel anheben. Und wenn man jetzt noch ausreichend berufen war, konnte man sein Gesicht auf der Wasseroberfläche eines eleusinischen Brunnens widergespiegelt finden.
    Der letzte Satz ist ein wenig verschnörkelt. Ein Verb oder Hilfsverb streichen. Markus verdiente es, anfangs mit einem kleinen Satz noch vorgestellt zu werden.
    Und falls nun zusätzlich auch noch der Wandspiegel im richtigen Winkel hing, so daß sich das Mondlicht auf der Wasseroberfläche spiegelte, dann, ja dann hatte man doch glatt seinen ganz privaten Jungbrunnen gefunden. „Oder was glaubst denn du, Rotzbengel, warum ich nicht altere?“ Markus zielte mit einer kleinen roten Wasserpistole auf den alten Mann: „Aber Opa, du bist doch alt?“ „Steck das Ding da weg! Ich mag keine Waffen, noch nicht einmal Spielzeugpistolen. Ja, Markus, stimmt, ich entdeckte den Jungbrunnen erst mit 64 Jahren, aber seitdem altere ich nicht mehr. Der Jungbrunnen ist zwar wirklich ein mächtiger Zauber, doch die Zeit zurückdrehen, das kriegt er einfach nicht gebacken. Stillstand klappt aber schon, immerhin.“
    Ein Brunnen bäckt nicht. Findest Du hier ein passenderes Verb?
    Nach dieser umfassenden Auskunft mußte Markus erst einmal nachdenken. „Wenn ich nun von diesem Brunnen trinken würde, bliebe ich also immer 14 Jahre alt?“ „Irrtum! Ein Jungbrunnen funktioniert nur bei alten Menschen. Wie bei Magneten, verstehst du? Gleiche Pole sto?en sich ab. Du bist jung, der Brunnen hat’s auch mit jung, vielleicht solltest du es besser gar nicht erst antesten. Hum..., huum..., huuum...“ Opa rieb sich über seinen nicht vorhandenen Bart und dieser schien dabei sogar zu rascheln. „Du könntest schneller altern... Oder... Hum..., huum..., huuum... verblöden? Ach, ich weiß es auch nicht ganz genau. Aber ich verbiete dir hiermit ausdrücklich, an meinen Dielenbrettern rumzufummeln.“ Das machte Markus nun sehr sauer. Endlich konnte er einen Beweis liefern, der auch seinen Vater überzeugt hätte, und dann so ein bescheuertes Verbot. „Ich glaub’ dir kein Wort mehr. Mutti meint auch, daß bei dir etwas unrund läuft.“ Er rannte trotzig hinaus und Opa Pscht mußte leise in sich hineinkichern. Das war erst gestern gewesen. Heute saß Markus auf einer weißlackierten Bank am Ende eines langen, bedrückend spärlich dekorierten Korridors vor der Doppeltür „Intensivstation. Zutritt verboten!“ Und heulte Rotz und Wasser. Hinter dieser Tür starb gerade Opa Pscht. Ein betrunkener Autofahrer hatte ihn vom Bürgersteig gefegt, als Opa Pscht sich die Schnürsenkel festbinden wollte. Oh, verdammt, was fühlte sich Markus doch mies. Wie konnte er nur an Opa zweifeln, bloß weil sich die anderen Erwachsenen andauernd lustig machten. Nach langen Minuten öffnete sich die Tür zur Unfallchirurgie und eine grün maskierte Gestalt winkte Markus heran. Bitte, lieber Gott, laß es nicht wahr sein! Mit weichen Knien näherte sich Markus der Gestalt. „Der alte Mann da drinnen verlangt nach einem gewissen Markus. Bist du das?“ „Du mußt jetzt sehr stark sein. Er hat wohl etliche innere Verletzungen, aber die könnten wir vermutlich reparieren, wenn er uns nur ließe. Im Moment hat er keine Schmerzen, leider verweigert er jegliche Kooperation. Vielleicht kannst du ihn überzeugen. Und du mußt natürlich auch erst einen Kittel überziehen.“ Heftig nickend wollte Markus in die Station stürmen, doch die vermummte Gestalt hielt ihn an den Schultern fest. Ein hellgrün plastikbehandschuhter Finger deutete auf eine unscheinbare Schleusentür neben dem Eingang: „Desinfektion – Sterilisation“. Kurz danach beugte sich Markus über Opa Pscht. Opa sah gar nicht gut aus. Spitze Nase über einem spitzen Kinn in einem blassen Gesicht. Nein, Opa sah beim besten Willen gar nicht gut aus. Es tat sauweh, seinen Helden gebrochen und besiegt daniederliegen zu sehen. Opa Pscht bewegte schwach die Lippen. Aber die Worte kamen klar und deutlich. „Heute Nacht, Vollmond, Brunnen.“ Markus antwortete ohne Zögern: „Ja, ich habe verstanden. Du willst, daß ich dir heute nacht etwas Wasser aus deinen Brunnen unter dem Bett hole, während sich der Mond in ihm spiegelt.“ Markus rannen die Tränen, aber er blickte dem alten Mann standhaft in die Augen. „Klar! Mach ich! Kein Problem.“ „Operation erst, wenn du zurück bist.“ Die Oberschwester näherte sich mit dem Narkosearzt: „Wir müssten jetzt anfangen.“ Markus blickte verstört auf: „Nein, er will noch nicht operiert werden.“ Und Opa Pscht wiederholte mit fester, lauter Stimme: „Operation erst, wenn der Junge zurück ist. Lauf, du Rotzbengel, lauf!“ Opa Pscht schloß die Augen, und nun konnte man doch tatsächlich ein leises Schnarchen vernehmen? Der Chefarzt wechselte einen Blick mit der Oberschwester und dem Assistenzarzt. Dann murmelte er mit müder Stimme: „Wir könnten den Zustand für einige Stunden stabilisieren. Solange dein Opa den Willen bekundet, nicht operiert zu werden, dürfen wir ihn nämlich gar nicht behandeln. Ich weiß zwar nicht genau, um was es hier geht, aber ich bin auch nicht bereit, mich auf eine Anzeige wegen Körperverletzung einzulassen. Also lauf, Junge, lauf und erledige, was immer dir dein Opa auch auftrug.“ Die letzten Worte trafen auf die Stelle, wo gerade noch ein Junge stand, hingen noch eine kleine Weile arbeitslos in der Luft herum und lösten sich dann ohne weitere Probleme auf. Die Straßenlaternen waren schon eingeschaltet, als Markus nach fast 20minütigem Dauerlauf in der Souterrainwohnung eintraf, doch nun fingen die Sorgen erst richtig an. Alle Nachbarn und Verwandten hatten sich in der engen Wohnschlafküche seines Opas eingefunden. Das war wohl die unvermeidliche Folge des absichtlich gestreuten Gerüchtes über einen großen Schatz, womit sich Opa die Freundlichkeit und den Respekt derjenigen Menschen sicherte, die eine kindische Vorstellung von Reichtum haben... Wenn er nun anfangen würde, die Fußbodenbretter rauszureißen, gäbe es bestimmt viele zeitraubende Fragen und Verzögerungen. Markus war zwar in gewissen Dingen naiv, aber daß die meisten Erwachsenen Angst vor dem Unbekannten haben und immer alles ganz genau wissen wollen, damit sie weiterhin an die Richtigkeit ihrer überzeugungen glauben können, das hatte er schon herausgefunden. Eine leise Stimme wisperte ihm etwas zu. Großvater schlief offenbar doch nicht wirklich, oder lag gar im Koma, Opa war bei ihm, zumindest in seinen Gedanken. Erleichtert lauschte er nach innen. „Du mußt manchmal um der Wahrheit willen lügen. Wenn das Resultat einer Lüge schöner, also wahrer ist, dann kann die Lüge gerechtfertigt sein. Das mußt du allerdings jedes Mal aufs Neue entscheiden, aber bitte übe diese feinen Unterscheidungen ein anderes Mal.“ Ohne weiter nachzudenken brüllte Markus plötzlich los: „Ich komme gerade aus dem Krankenhaus. Opa will sein Testament machen. Ihr sollt alle ruckartig dort erscheinen.“ Die sofort eintretende Stille wurde kurz darauf von eiligen Schritten und Stimmgewirr in Richtung Wohnungstür gestört, versteckte sich unter der Treppe und versuchte es später noch einmal. Wieder instinktiv zog Markus die Jacke aus und breitete sie über der Vitrine aus.
    Hier erzählst Du schön flüssig. Ein AUS könnten wir hier streichen. Aber ZEUGMA, so nennt man diese Figur, die dann entsteht, ist nicht unbedingt mein Ding. Vielleicht formulierst Du um!?
    Er vergeudete keine Zeit mit Öffnungsversuchen, denn er wußte, daß der Schlüssel schon lange als verloren galt. Den Werkzeugkasten unter der Spüle fand er sofort. Dann schlug Markus mit dem Hammer auf die Jacke und somit die Scheibe der abgeschlossenen Vitrine ein, schnappte sich das Zollsiegel, welches unter dem Glas ausgestellt gewesen war, kletterte durchs Fenster hinaus und befestigte es an der Türklinke. Dann schlüpfte er zurück, schloß die Läden, ließ die Blenden runter und schlug zwei dicke Nägel in die Schwelle, so, daß die Tür beim besten Willen nicht mehr von außen geöffnet werden konnte. Nachdem er auch die Rolläden geschlossen hatte, näherte er sich eilig, aber vorsichtig dem Bett. Das Bett war zwar wesentlich schwerer als angenommen, die Planken selbst jedoch ließen sich dann sehr leicht anheben. Darunter erschien tatsächlich ein runder Holzdeckel mit Griff. Nun endlich würde er den lang ersehnten Beweis für die Ehrenhaftigkeit von Opa Pscht bekommen. Heftig hob er den Deckel hoch. Mit offenem Mund starrte er auf die unterliegende Ernüchterung und die Stimme seiner Mutter flüsterte ihm höhnisch zu: „Bei Opa Pscht läuft etwas unrund. Hatte ich es dir nicht gesagt?“ Sand! Nichts als trockener Sand. Opas Jungbrunnen war versiegt oder noch schlimmer, Opa war wirklich nur ein Spinner, und Mutti und Vati hatten doch recht!
    Kurze und knappe Sätze wie peitschenhiebe. Kein Oder, kein Komma!
    Traurig blickte er um sich. Was war bloß schiefgelaufen? Ob er vielleicht etwas Wasser in das Sandloch schütten sollte? Oder tiefer graben? Was hätte Opa jetzt an seiner Stelle getan? Die leise Stimme meldete sich wieder in seinem Kopf: „Natürlich kannst du nicht aus meinem Brunnen schöpfen, da hatte ich wohl nicht richtig nachgedacht. Aber ich verspürte solche Probleme mit dem Weiterleben, daß ich nicht klar denken konnte. Lauf, Rotzbengel, lauf und finde deinen eigenen Jungbrunnen...“ „Wie? Was? Spinnst du etwa komplett?“ Markus jammerte laut auf. „Wo soll ich denn jetzt auf die Schnelle einen Jungbrunnen herzaubern?“ Und wieder dieselbe Stimme: „Keine Zeit für Wehklagen! Das weißt ich doch nicht! Das kannst nur du wissen. Aber der Trick ist es, sich so lange einen vor zu spinnen, bis es wahr wird. An den Grenzen wird die Wirklichkeit manchmal unscharf. Du bist noch nicht komplett euklidisch konditioniert und könntest über einen Kausalitätenabri? in dieses geheimnisvolle Land der praktischen Magie schlüpfen. Die meisten Menschen halten sich in dem auf, was sie gro?kotzig „Wirklichkeit“ nennen. Du noch nicht ganz. Folge deinem Herzen, glaube an Wunder, und mit etwas Glück hast du dann auch Glück. Aber tu etwas! Und zwar schnell! Mir geht es nämlich nicht so berauschend, und ich will mit 114 Jahren nicht so einen banalen Abgang machen.“
    Das muß er hören, daran KANN er sich nicht erinnern, weil er es nicht verstehen dürfte, hier, zu diesem Zeitpunkt der Geschichte.
    Verzweifelt blickte Markus um sich. Wo würde sich logischer Weise so etwas Unlogisches befinden wie etwa ein ganz privater Zauberbrunnen? Ohne sich weiter um die angerichtete Unordnung zu bekümmern, öffnete er das Fenster und sprang hinaus in die milde Nacht. Opas Fahrrad stand wie immer unverschlossen neben der Pforte. Alle in der Gegend kannten das Fahrrad, deswegen würde jeder potentielle Dieb garantiert einen großen Bogen darum schlagen.
    Letzten Satz streichen; man verliert mehr, als man dadurch gewinnt.
    überhaupt hatte Großvater etwas gegen Schlösser und Schlüssel. Er sagte immer, daß eine offene Türe besser schütze als eine verschlossene. Außerdem könne ein Schlüssel verlorengehen oder in falsche Hände geraten. Die alte Rotbuche im verlassenen Steinbruch mußte es sein. Es gab keine andere Möglichkeit. Er konnte förmlich ihren steten, sanften Sog in Richtung Stadtrand spüren.
    Stet im Sinne von stät oder stetig oder steht?
    ‚Na, immerhin haben wir Vollmond’, dachte er, während er kräftig in die Pedale trat. ‚Ist doch ganz einfach. Ich klettere auf den Baum. In der ersten Gabel befindet sich stets etwas Regenwasser. Ich fülle also meine Wasserpistole mit diesem Wasser und radele zurück. Und dann wird Opa... ja? Was wird dann wohl geschehen?’ Opas Stimme in ihm gab keine Antwort mehr. Die kleine Wasseransammlung in der Baumgabel spiegelte selbstvergessen den Mond. Dann schob sich ein Gesicht dazwischen. Das Pfützchen erschrak sich ein Stück weit. Die eintauchende Wasserpistole wiederum verursachte Wellenringe und diese zerstörten Markus? Ebenbild.
    Geheimnisvoll bleiben.Leser muß nicht ausdrücklich WISSEN, daß es MArkus? Gesihct ist, das sich spiegelte.
    Gleichmütig beschien der Mond diese völlig unromantische Szene, und die kleine Pfütze beruhigte sich ein wenig. Für einen kurzen Moment flackerte etwas auf und verschwand unerkannt schweigend. Pfützchen fühlte sich sehr sonderbar... Tut uns leid, mein Junge.“ Der Chefarzt hielt Markus an den Händen. „Vorhin waren ganz viele Leute hier, die etwas von deinem Opa wollten. Doch als wir das Zimmer betraten, war dein Opa tot. Seltsam. Sehr seltsam. Mein Beileid...“ Kopfschüttelnd verschwand der Chefarzt in den Tiefen der Chirurgischen Abteilung. Die Oberschwester trippelte hinterher und Markus konnte noch genau hören, wie sie etwas von Apparaten erzählte, die gar keinen Alarm geschlagen hätten und der Chefarzt ihr zuzischte, ob sie denn noch alle Tassen im Schrank hätte, so etwas auch nur zu flüstern, und dann stand Markus allein auf dem Flur. Opa Pscht sollte tot sein? Das war unmöglich! Die ganze Magie und Telepathie nur ein Hirngespinst? Er hatte zwar den Jungbrunnen gefunden, aber alle Mühe für die Katz? Nein, das konnte es nicht sein, so durfte es nicht enden! So nicht!! - Er huschte in die Station. Neben dem Fahrstuhl stand eine Bahre auf Rädern. Unter dem grünen Laken da, das mußte Opa sein. Kam er wirklich zu spät? „Nein, du Rotzbengel. Du kommst nicht zu spät. Ich habe mich nur in die hinterste Ecke meiner Lebensäußerungen verkrochen, um Energie zu sparen. Man kann es auch scheintot nennen. Wo warst du denn so lange?“ Die Stimme in Markus seinem Kopf war nur sehr schwach vernehmbar. Markus rannte zum Bett. Er wußte plötzlich sehr genau, was zu tun war. Er zog die kleine Wasserpistole hervor, spritzte einige Tropfen Pfützchenwasser auf Opas fahl-graublaues Gesicht und verrieb sie sanft. Als sich die Farbe wie im Zeitraffer in ein wesentlich dekorativeres Rosa verwandelte, zog auch der letzte, leise kläffende Zweifel in ihm den Schwanz ein und löste sich ersatzlos auf. Die Gesichtshaut
    wessen? Muß sich hier auf Markus beziehen.
    straffte sich in Sekundenschnelle und die Lippen öffneten sich einen kleinen Spalt. Ohne weitere Umstände spritzte Markus nun den halben Inhalt der Pistole in Opas Mundraum, als ihm plötzlich eine harte Hand ins Genick fuhr und ihn um seine eigene Achse wirbelte. Die Oberschwester funkelte ihn böse an: „Was machst du denn da?“. Markus stammelte die vorgeschriebenen Ähs und Ohs, während ihm ein kleines, albernes Kichern den Hals hoch gekrabbelt kam. Er malte sich eine mögliche Antwort aus, aber davon wurde ihm nur noch mehr nach Kichern. Außerdem sah die Oberschwester mit dem halb runtergerutschten Mundschutz tatsächlich aus, wie eine weiße Kannibalin mit zwei Mündern. Die Anspannungen der letzten Stunden bahnten sich einen Weg nach oben. Er prustete los und er kicherte, und kicherte und nach einer angemessenen Weile, wie um die Spannung zu steigern, hörte er eine geliebte, sonore Stimme laut auflachen. Das war eindeutig Opa Pscht! Während die Schwester davoneilte, den wachhabenden Oberarzt zu suchen (Ihr wißt ja, daß so etwas ca. 45 Minuten dauert), zog sich Opa Pscht wieder an, seine Kleider waren Gott sei Dank nur wenig beschmutzt, und die zwei verließen das Krankenhaus, ohne vorher diese Erklärung „Gegen ärztlichen Rat“ zu unterschreiben. Der Professor ordnete eine komplette Vernichtung der Krankenblätter an; „postmortale Spontanheilung von Unfallopfern“ kam in seinem Wortschatz nicht vor. Die Nachbarn reagierten achselzuckend auf Opas Wiederauferstehung - sie waren schließlich ganz andere Schoten gewohnt.
    Die veränderte Version stellst sie hier ein. Bitte aber kopier den Text hier heraus, denn ich habe doch noch einige Rechtschreibfehler gefunden und bereits korrigiert

  6. #6
    Resurrector Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    4.433
    Blog-Einträge
    35
    Renommee-Modifikator
    25

    AW: Textarbeit zu "Opa Pscht"

    Das war eines der Projekte, das ich gern zu einem Ende geführt hätte. Doch manche Autoren wollen zwar schreiben, nicht aber arbeiten.

+ Antworten

Ähnliche Themen

  1. Christoph Hein: "Meine Figuren haben Rechte!"
    Von aerolith im Forum Buch- und Autorenforum
    Antworten: 7
    Letzter Beitrag: 21.08.18, 22:40
  2. Carlos Castaneda "Tensegrity" Die magischen Bewegungen der Zauberer
    Von Michael im Forum Buch- und Autorenforum
    Antworten: 9
    Letzter Beitrag: 26.07.18, 18:52
  3. Antworten: 42
    Letzter Beitrag: 26.03.18, 17:15
  4. Zwischen den Welten - Szene "Berliner Spätlese 1988"
    Von aerolith im Forum Forum für das geschriebene Wort
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 05.05.07, 08:27
  5. Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 10.09.01, 18:20

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Ja
  • Themen beantworten: Ja
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •