+ Antworten
Ergebnis 1 bis 4 von 4

Thema: Das Geburtstagsgeschenk

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
    Registriert seit
    27.April 2000
    Beiträge
    26

    Post Das Geburtstagsgeschenk

    Das Geburtstagsgeschenk


    Eigentlich sollte es ein schöner Tag werden, aber das Mädchen fühlte sich müde und sehr matt. Ihr war heiß und kalt, hinter dem Ohr juckte es außerdem ganz fürchterlich. Ein geübter Blick der Mutter stellte fest: Röteln, ja, Röteln. Die beginnen immer hinter dem Ohr. Das Mädchen hatte außerdem alle anderen Rote-Punkte-Kinderkrankheiten erfolgreich durchlitten. Alle, außer die Röteln. Drei Punkte zählte die Mutter, kein Fieber, behauptete das Thermometer. Komisch, sagten alle anderen.


    Das Mädchen war traurig, denn es war ihr neunter Geburtstag und eigentlich sollte sie sich freuen. Aber alle Geschenke und auch der Kuchen, den die Oma gebacken hatte, konnten die Müdigkeit nicht fortjagen. Was war das nur für ein Geburtstag. Der geplante Besuch der anderen Kinder mußte ausfallen: Ansteckungsgefahr! Ach, wie allein fühlte sich das Mädchen. Neun Jahre war sie nun alt geworden, und sie war krank und außerdem gefährlich ansteckend für die anderen. Auch die Sonne versteckte sich hinter den Wolken.


    Das Mädchen fühlte sich schwach und sehr müde, es war ein trauriger Geburtstag.


    Bis der Opa des Mädchens eine ausgezeichnete Idee hatte. Komm, sagte er. Wir steigen auf den Kirchturm und begucken uns die Welt von oben! Und richtig, der Kirchturm war umhüllt von einem Gerüst. Das Mädchen war begeistert. Schon oft hatte sie neidisch den Bauarbeitern, die wochentags dort oben arbeiteten, beim Klettern zugesehen. Oh ja!, rief sie. Ihre Müdigkeit war plötzlich verschwunden, das Jucken hinter dem Ohr war nicht mehr da, sie fühlte sich gesund. Los!, jubelte das Mädchen.


    Die Mutter und auch die Oma guckten sich entsetzt an. Nein, sagten sie, das Mädchen ist krank und der Turm ist hoch. Das ist wirklich eine ganz dumme und gefährliche Idee. Aber es ist doch mein Geburtstag, rief das Mädchen, und an seinem Geburtstag darf man sich etwas wünschen! Auch der Opa war ganz begeistert von seiner Idee. So begeistert, daß ihn weder die Oma noch die Mutter davon abbringen konnten. Oh, wie war das Mädchen glücklich!


    Sie machten sich auf den Weg, der Opa und das Mädchen. Ach, das war aufregend. Überall waren Leitern und manchmal mußten sie sehr aufpassen, nicht herunterzufallen. Wie sehr liebte doch das Mädchen solche Abenteuer. Mit großem Vergnügen sah sie, wie die Welt dort unten immer kleiner wurde. Auch die Mutter und die Oma, die ganz ängstlich nach oben blickten, wurden immer kleiner. So klitzeklein, daß das Mädchen ihre Gesichter bald gar nicht mehr sehen konnte. Also vergaß sie auch, daß die beiden dort unten eigentlich gegen diese großartige Kletterpartie waren. Sie wurden einfach immer kleiner. Glücklich blickte das Mädchen den Opa an, der lächelte.


    Er ging vorsichtig voran und kontrollierte die Leitern, ob sie auch stabil waren. Gerne hätte der Opa dem Mädchen geholfen, doch das kam überhaupt nicht in Frage. Schließlich war sie ja schon groß!


    Oben, auf der Kirchturmspitze angekommen, blickten die zwei glücklich und ein wenig außer Atem auf die kleine Spielzeugwelt herunter. Spielzeughäuser, Spielzeugautos, Spielzeugmenschen und Spielzeugkühe konnte man dort unten sehen. Fast bis in das Nachbardorf konnte man blicken. Fast. Aber das wissen die Spielzeugmenschen dort unten ja nicht. Nach einer solchen Abenteuerreise ist es erlaubt, ein wenig zu flunkern. Darin waren sich die beiden einig. Vergnügt blinzelten sie sich an, der Opa und das Mädchen. Sie winkten den Spielzeugmenschen auf dem Kirchhof zu. Ganz klein waren sie, aber die winzigen Spielzeugmenschen winkten zurück. Und das Mädchen dachte bei sich, so ist das also wenn man neun Jahre alt ist.


    Kalt war es hier und sehr windig. Nach einer Weile hatten die zwei genug gesehen und sie begannen den Abstieg. Das war sehr viel schwieriger als das Hinaufklettern. Auch dieses Mal ging der Opa voran. Im Notfall hätte er das Mädchen auffangen können. Aber, keine Frage, natürlich konnte das Mädchen ganz alleine das Gerüst wieder hinuntersteigen.


    Müde und erschöpft, aber sehr glücklich, kamen die beiden unten an. Die Mutter und die Oma waren mächtig erleichtert. Das Mädchen fühlte nun wieder, daß sie eigentlich krank war, aber das war jetzt nicht mehr so schlimm. Schließlich war sie neun Jahre alt geworden, und sie hatte die Welt von oben gesehen.


    Lächelnd schlief das Mädchen ein. Sie träumte von Spielzeughäusern, von Spielzeugautos, von Spielzeugmenschen und von Spielzeugkühen - und vom schönsten Geburtstagsgeschenk, das der Opa ihr gemacht hatte.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    4.130
    Blog-Einträge
    35

    AW: Das Geburtstagsgeschenk

    DAS Mädchen, also mußt Du sächlich deklinieren.


    Die Geschichte selbst ist psychologisch stimmig, wenn auch voraussehbar, vielleicht eben deshalb.
    Ich würde gern mehr über den Opa erfahren, ihn nicht nur als Strukturelement der Geschichte wahrnehmen müssen, sondern als Menschen.
    Bei der Weltwahrnehmung des Kindes vermisse ich Einzelheiten, ZAUBERELEMENTE. Vermischung von Wirklichkiet und Phantasie!

  3. #3
    strip
    Laufkundschaft

    AW: Das Geburtstagsgeschenk

    Find ich traurig. Warum mußt Du hier so den Verlust des Normalseins thematisieren?

  4. #4
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Das Geburtstagsgeschenk

    Ich glaube, das nennt man eine banale Geschichte. Sie dürfte ihr Publikum bei denen finden, die nie einen Opa hatten.

+ Antworten

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Ja
  • Themen beantworten: Ja
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •