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Thema: Der Autor, der meine Sprache spricht

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
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    Post Der Autor, der meine Sprache spricht

    Geht es Euch auch so, dass es immer einen Autor gibt der Eure Sprache der Seele schreibt? Ich meine den einen wirklichen, nicht all diejenigen die man liest und gut findet. Das kann sich durchaus mal ändern im Laufe der Jahre, bei mir hat es mit D.H. Lawrence angefangen als ich 20 war (obwohl das sicher nicht nur von der Sprache bestimmt war sondern auch von dem samenschweißigen Inhalt), später Thomas Mann, lange Zeit Martin Walser, jetzt seit vielen Jahren Proust.
    Oder geht es Euch nicht so? Ein Autor dessen Sprache Heimat ist?
    Neugierig


    Kyra




    PS. ich schreibe z.Zt. nicht weil meine Vorstellungskraft viel schneller genau geworden ist, als meine Sprache. Nichts ist gut genug , darum lese ich auch wieder intensiver.

  2. #2
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Der Autor, der meine Sprache spricht

    viele sind's bei mir, Kyra, die meine Sprache sprechen


    Das Schöne am Lesen und Leben gleichermaßen ist der Wechsel, der mit dem gefallenen Hochmut daherkömmt. Das macht's aus. Ich trete selten auf der Stelle, muß immer werden. Also lieb ich Schreiberlinge, die auswerfen, die bohren, die dem Verharren nicht gewachsen sind, die unruhig sind.

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Der Autor, der meine Sprache spricht

    erstellt von Kyra:
    PS. ich schreibe z.Zt. nicht weil meine Vorstellungskraft viel schneller genau geworden ist, als meine Sprache. Nichts ist gut genug, darum lese ich auch wieder intensiver.
    Das kenne ich ein bisschen aus der Musik, denke ich. Mit der Zeit entwickelte sich mein Gehör immer weiter, wurde besser und besser, womit ich auch mein eigens Spiel immer genauer hören und analysieren konnte. Und das war überhaupt nicht gut genug.

    Ich war zu faul zu üben - das Gehör verbesserte sich durch hören, das Spiel nicht. Dann habe ich es aufgegeben.

    Dir möchte ich wünschen, weiter zu üben - auf keinen Fall aufhören!

    Wolfgang

    P.S.: es handelte sich übrigens nur um Rockmusik auf leicht gehobenem Garagenband-Niveau.

  4. #4
    Kurzvormabschussiger
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    Walser und Reich-Ranicki

    Es gab wohl noch woanders die Diskussion um Walser, habe sie aber auf die schnelle nicht gefunden. Wollte hier nur hinzufügen, was Kollege Grass zur Walser-Debatte beigetragen hat (wertvolle Hinweise, wie ich meine - und ich bin definitiv kein Fan von Grass): Es wundert mich, wie widerstandslos ein übler Verstoss gegen jede Regel des vertrauensvollen Umgang hingenommen wird. Was sich Frank Schirrmacher von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung da geleistet hat, ist unsäglich. Er hätte ja auch Nein zu dem Roman von Walser sagen können. Aber damit an die Öffentlichkeit zu gehen, bedeutete eine Vorverurteilung. Inzwischen ist daraus eine regelrechte Rufmordkampagne geworden, gegen die sich Walser kaum wehren kann. Man kann gegen Walser eine Menge einwenden, und ich streite mich dauernd mit ihm. Aber er ist kein Antisemit. Er hat zum Beispiel gefordert, die Klemperer- Tagebücher zu veröffentlichen. Ich habe den Roman "Tod eines Kritikers" noch nicht gelesen. Und ich bin auch nicht sicher, ob ich ihn lesen will. Aber die Stellen, die antisemitisch sein sollen, sind es nicht. Ich halte es für eine bloße Behauptung und nicht für einen Nachweis. Immerhin hat Reich-Ranicki als Kritiker über Jahrzehnte oft genug zugeschlagen. Ich kenne eine Menge Autoren, die sich schwer getan haben, das zu überleben. Ich hatte auch unter ihm zu leiden, bin da aber weniger empfindlich. Als er sich erfrechte, meinen Roman "Ein weites Feld" auf dem Spiegel-Titel zu zerreisen, habe ich den Kontakt abgebrochen. Dabei bleibt es auch. Aber das hat mit ihm als Jude nichts zu tun. Ich hätte Walser geraten, einen scharfen Essay über den Zustand der Literaturkritik zu schreiben, aber niemals einen Roman. Denn Reich-Ranicki füllt keinen Roman, da er ohne Geheimnis ist. Auch eine Satire fällt schwer, denn er wirkt oft wie eine Karikatur seiner selbst, wie die Auftritte im Fernsehen zeigen. Allerdings erntet ein Roman mehr Aufmerksamkeit, erst recht ein Schlüsselroman - eine Form, die ich übrigens ablehne.

  5. #5
    Moderator
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    Renommee-Modifikator
    16

    AW: Der Autor, der meine Sprache spricht

    Interessante Frage. Hat da noch jemand ne Antwort parat?

  6. #6
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Der Autor, der meine Sprache spricht

    Zu meiner einstigen Antwort möchte ich noch ergänzen: Da wir uns in einem Lebensprozeß befinden, gewinnen wir bei Autoren nur Momentaufnahmen. Also, aufgepaßt: Die wir einst liebten, müssen nach Jahren noch einmal auf den Prüfstand! Und wenn wir sie nach Jahren immer noch lieben, dann sind das wohl Gefährten fürs Leben.
    Bei mir ist das bei Schiller und Nietzsche so. Die liebte ich vor zwanzig Jahren. Die liebe ich heute, heute anders, aber immer noch genauso herzlich.
    Und wenn ich mir einen Autoren wie Fontane anschaue, den mochte ich als junger Mann gar nicht. Als ich gezwungenermaßen kürzlich das einst bestgehaßte Buch "Effi Briest" las, wurde mir beim Lesen ganz warm ums Herz.
    Anders dagegen Christian Morgenstern, den ich witzig fand. Kürzlich gähnte ich, als ich in seinen Gedichten blätterte.

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