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Thema: Heimatlos

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  1. #1
    kls
    Laufkundschaft

    Post Heimatlos

    "Ich bin in mehreren Kulturen zu Hause. Der Negativschluss ist naheliegend: Ich bin eine Heimatlose."


    Trübe starrte Nadia in ihre Teetasse. Die Gebetsrufe des Muezzin wurden von der nachmittäglichen Sonne über Istanbuls Dächer getragen. Von ihrem Penthouse in einem eingezäunten und bewachten Superreichenviertel herab ließen sich die Dinge etwas tiefer betrachten.


    "In Amerika ist alles so Plastik, deswegen liebe ich die Unverfälschtheit der Türken. Sie sind noch nicht durch übertriebenen Konsum ihrer Erde fremd geworden. Die Türkei ist heute da, wo Deutschland in den 60er Jahren stand. Eine ganze Kultur wird hier gerade amerikanisiert, so wie es vorher mit der Deutschen geschah."


    Heinz wartete auf etwas.


    "Wir tragen eine Verantwortung diesen einfachen Menschen gegenüber. Wir dürfen sie nicht mit den Ideen von Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit konfrontieren, sie würden diese Begriffe missdeuten und alle leben wollen so wie ich." Mit einer ausladenden Armbewegung unterstrich sie die Bedeutung ihrer Aussage.


    Heinz und Nadia waren Halbgeschwister.


    Verdrießlich rührte Nadia in ihrem Tee und war versucht mit einem weiteren Stück Zucker nachzusüßen. Dann überlegte sie es sich anders und zündetet sich eine Zigarette an.


    "Ich beneide diese einfachen Menschen. Sie sind der Erde verwurzelt und ihr Erleben ist direkt und mittelbar. Sie sind zu Hause. Ich fliege zwischen Berlin, Boston und Istanbul hin und her, doch komme ich nirgends zur Ruhe. Ich besitze den Master in Betriebswirtschaft. Ich war die Zweitbeste meines Jahrganges." Plötzlich mit lauter Stimme: "Fatma!"


    Das Dienstmädchen erschien, ein einfaches Kind vom Lande. Es war ihr anzumerken, dass ihre Bereitwilligkeit auf Angst beruhte, das Wohlwollen ihrer "Abla" zu verlieren und somit auch den Job.


    "Bringe mir einen Likör und decke den Tisch. Wir haben heute einen Gast."


    Dann wieder in Richtung Heinz: "Ich habe nie verstanden, warum Du so anders bist. Als unsere Mutter noch lebte, habe ich mich oft mit ihr darüber unterhalten. Du bist so seltsam, obwohl Du wirklich nicht dumm bist. Du bist mein großer Bruder, ich begegne Dir mit Respekt, aber warum machst Du nichts aus Deinem Leben. Fatma! Wo bleibt der Likör? Der Fahrer soll in einer Stunde bereit stehen."


    Heinz wartete vergeblich auf ein Zeichen. Der Brechsteinflügel war ausdrücklich ihm vererbt worden, am Rest hatte er damals kein Interesse gezeigt, aber bislang machte Marianne keine Anstalten, dieses Thema auch nur zu streifen. In dieser Wohnung hatte er seine Kindheit verbracht, bis auf den Flügel, einer uralten Gutenbergbibel in der Vitrine und der Bibliothek war alles umgestellt und modernisiert. Damals hatten 12 Menschen hier gewohnt, heute nutzte nur seine Halbschwester nebst Dienstmagd die Räume.


    "Was macht Zareh." Zareh war der gemeinsame Bruder, bzw. Halbbruder.


    "Dieses Schwein. Erst hat er mich aus die Firmen vergrault, dann hat er unsere Häuser auf der Insel verkauft, mir diese Wohnung davon bezahlt und eine Rente von 20.000,00 Dollar im Monat festgeschrieben. Er hat mich ausgezogen wie eine Weihnachtsgans und wenn wir in Amerika wären, würde ich ihn verklagen und wäre reich."


    Heinz bewahrte sein ausdrucksloses Gesicht, aber er spürte kleine spitze Zähne, die sich an seiner Magenschleimhaut zu schaffen machten. Er stand auf und näherte sich unruhig den schweren Eichenschränken, öffnete eine Glastür, - der Schlüssel steckte unverändert wie früher im Loch ohne Messingeinfassung, griff nach dem "Faust" in abgewetzten Ledereinband mit Goldprägung und öffnete ihn behutsam auf einer der letzten Seiten: "Wer immer strebend sich bemüht (...)"


    "Hast Du das hier irgendwann einmal gelesen?"


    "Nein."


    "Warum steht dann diese Bibliothek hier?"


    "Weil sie wertvoll sind, Du Narr."


    Das Essen war gut, der Wein wirkte - mehr gibt es von dem Besuch Heinz bei seiner Schwester nicht zu vermelden. Der Flügel steht seit 40 Jahren an der selben Stelle, - niemand spielt darauf.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Heimatlos

    Die verlorene Generation, könnte man meinen. Drei Dinge, Karlchen:

    1. Ich begrüße den Versuch, einem v.a. im Westen auftretendes Problem ernsthaft begegnen zu wollen;
    2. Identitätsstiftung ist Dein Thema nicht; es berührt Dich nur an der Oberfläche, deshalb wird dieser Versuch scheitern, weil er Dich nicht lange genug fesseln wird und
    3. Falls Du dem zweiten Punkt widersprechen möchtest, mach Dir einen PAP.

  3. #3
    kls
    Laufkundschaft

    Post AW: Heimatlos

    Es ging mir um die Idee zweier Geschwister, die einander nicht mitteilen können, obwohl sie die gleiche Sprache nutzen. Die Dialoge sind fast Wort-wörtlich. Musisch Begabter trifft jemanden, der gar nicht weiss, was damit gemeint sein könnte)


    Warte, ich streiche mal gerade die schlimmsten Fehler.


    Heimatlos


    "Ich bin in mehreren Kulturen zu Hause. Der Negativschluss ist naheliegend: Ich bin eine Heimatlose."


    Trübe starrte Nadia in ihre Teetasse. Die Gebetsrufe des Muezzin wurden von der nachmittäglichen Sonne über Istanbuls Dächer getragen. Von ihrem Penthouse in einem eingezäunten und bewachten Superreichenviertel herab ließen sich die Dinge etwas distanzierter betrachten.


    "In Amerika ist alles so Plastik, deswegen liebe ich die Unverfälschtheit der Türken. Sie sind noch nicht durch übertriebenen Konsum ihrer Erde fremd geworden. Die Türkei ist heute da, wo Deutschland in den 60er Jahren stand. Eine ganze Kultur wird hier gerade amerikanisiert, so wie es vorher mit der Deutschen geschah."


    Heinz wartete auf etwas.


    "Wir tragen eine Verantwortung diesen einfachen Menschen gegenüber. Wir dürfen sie nicht mit den Ideen von Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit konfrontieren, sie würden diese Begriffe missdeuten und alle leben wollen so wie ich." Mit einer ausladenden Armbewegung unterstrich sie die Bedeutung ihrer Aussage.


    Heinz und Nadia waren Halbgeschwister.


    Verdrießlich rührte Nadia in ihrem Tee und war versucht mit einem weiteren Stück Zucker nachzusüßen. Dann überlegte sie es sich anders und zündetet sich eine Zigarette an.


    "Ich beneide diese einfachen Menschen. Sie sind der Erde verwurzelt und ihr Erleben ist direkt und mittelbar. Sie sind zu Hause. Ich fliege zwischen Berlin, Boston und Istanbul hin und her, doch komme ich nirgends zur Ruhe. Ich besitze den Master in Betriebswirtschaft. Ich war die Zweitbeste meines Jahrganges." Plötzlich mit lauter Stimme: "Fatma!"


    Das Dienstmädchen erschien, ein einfaches Kind vom Lande. Es war ihr anzumerken, dass ihre Bereitwilligkeit auf Angst beruhte, das Wohlwollen ihrer "Abla" zu verlieren und somit auch den Job.


    "Bringe mir einen Likör und decke den Tisch. Wir haben heute einen Gast."


    Dann wieder in Richtung Heinz: "Ich habe nie verstanden, warum Du so anders bist. Als unsere Mutter noch lebte, habe ich mich oft mit ihr darüber unterhalten. Du bist so seltsam, obwohl Du wirklich nicht dumm bist. Du bist mein großer Bruder, ich begegne Dir mit Respekt, aber warum machst Du nichts aus Deinem Leben. Fatma! Wo bleibt der Likör? Der Fahrer soll in einer Stunde bereit stehen."


    Heinz wartete vergeblich auf ein Zeichen. Der Brechsteinflügel war ausdrücklich ihm vererbt worden, am Rest hatte er damals kein Interesse gezeigt, aber bislang machte Nadia keine Anstalten, dieses Thema auch nur zu streifen. In dieser Wohnung hatte er seine Kindheit verbracht, - bis auf den Flügel, einer uralten Gutenbergbibel in der Vitrine und der Bibliothek war alles umgestellt und modernisiert. Damals hatten 12 Menschen hier gewohnt, heute nutzte nur seine Halbschwester nebst Dienstmagd die Räume.


    "Was macht Zareh." Zareh war der gemeinsame Bruder, bzw. Halbbruder.


    "Dieses Schwein. Erst hat er mich aus die Firmen vergrault, dann unsere Häuser auf der Insel verkauft, mir diese Wohnung davon bezahlt und eine Rente von 20.000,00 Dollar im Monat festgesetzt. Er hat mich ausgezogen wie eine Weihnachtsgans und wenn wir in Amerika wären, würde ich ihn verklagen und wäre reich."


    Heinz bewahrte sein ausdrucksloses Gesicht, aber er spürte kleine spitze Zähne, die sich an seiner Magenschleimhaut zu schaffen machten. Er stand auf und näherte sich unruhig den schweren Eichenschränken, öffnete eine Glastür, - der Schlüssel steckte unverändert wie früher im Loch ohne Messingeinfassung, griff nach dem "Faust" in abgewetztem Ledereinband mit Goldprägung und öffnete ihn behutsam auf einer der letzten Seiten: "Wer immer strebend sich bemüht (...)"


    "Hast Du das hier irgendwann einmal gelesen?"


    "Nein."


    "Warum steht dann diese Bibliothek hier?"


    "Weil sie wertvoll ist, Du Narr."


    Das Essen war gut, der Wein wirkte - mehr gibt es von dem Besuch Heinz bei seiner Schwester nicht zu vermelden. Der Flügel steht seit 40 Jahren an der selben Stelle, - niemand spielt darauf.

  4. #4
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    AW: Heimatlos

    Hallo kls


    das ist nicht schlecht, aber mir von zu viel Bitterkeit getragen. Die übertönt alles andere, die Kleinigkeiten.
    z.B. dieser Satz, den mußt Du ummodeln (auch wenn wessen Schwester auch immer ihn genauso gesagt hat:
    "Wir tragen eine Verantwortung diesen einfachen Menschen gegenüber. Wir dürfen sie nicht mit den Ideen von Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit konfrontieren, sie würden diese Begriffe missdeuten und alle leben wollen so wie ich." Mit einer ausladenden Armbewegung unterstrich sie die Bedeutung ihrer Aussage.


    der hackt in zu simpler Form auf der Ignoranz der Reichen rum. Das geht feiner, gemeiner. Auch sollte die Bemerkung über den Flügel und vor allem über den Goethe Band nicht so hammermäßig kommen. Ihr geht es nur um den Wert des Buches, verpack es lieber in eine Bemerkung, wie sei vorsichtig, bitte zieh Dir die Handschuhe an (jeder der den "Wert" von Büchern, bzw. dem Papier schätzt, wird es nicht gerne sehen wenn man sie so anfasst, Buttersäure oder so, das hasst altes Papier.) Außerdem sind weiße Handschuhe (die dünnen aus Stoff) auch ein schönes Bild dafür, daß mit Sicherheit niemand die Bücher liest. Die Angst des Hausmädchens würde ich indirekt einfügen, vielleicht daß sie sich nicht traut das Gespräch zu unterbrechen, um etwas zu sagen...
    Es ist ein guter Text, weil der Neid der Frau echt ist, sie aber um nichts in der Welt, mit diesen bodenständigen Menschen tauschen würde. Dis ist lächerlich aber auch eine Tragik. Ich gehe wie gehabt nur auf das inhaltliche ein, mir scheinen einige Sätze der Nacharbeit wert, aber dafür wird schon Robert sorgen (hoffe ich). Es ist auch zu mager beschrieben, daß Heinz einfach nur anders ist, wie ist er denn? Gut er liest, aber sonst? Er ist mir darin zu lieb, er interessiert sich nicht für das Geld, aber für Goethe und den Bechstein. Das ist schon in Ordnung, aber konnte er nicht noch interessiert nach dem Hausmädchen sehen. Damit meine ich aber nicht als alter geiler Lüstling. Diese Situation beinhaltet sehr viel, das offenen Ende ist gut.


    soweit


    Kyra

  5. #5
    kls
    Laufkundschaft

    Post AW: Heimatlos

    So lasse ich den Text jetzt erst mal stehen. Wer nun noch Bock hat möge mir seine Meinung sagen. Ich denke, dass der Text besser wurde, ein Beweis, dass Textarbeit nicht immer schadet.




    Heimatlos


    "Ich bin in mehreren Kulturen zu Hause. Der Negativschluss ist also naheliegend: Ich bin eine Heimatlose."


    Trübe starrte Nadia in ihre Teetasse. Die Gebetsrufe des Muezzin wurden von den Strahlen einer nachmittäglichen Sonne über Istanbuls Dächer getragen. Aus einem Penthouse in einem eingezäunten und bewachten Upperclassviertel heraus ließen sich die Dinge etwas distanzierter betrachten.


    "In Amerika ist alles so Plastik, deswegen liebe ich die Unverfälschtheit der Türken. Sie sind noch nicht durch übertriebenen Konsum ihrer Erde fremd geworden. Die Türkei ist heute da, wo Deutschland in den 60er Jahren stand. Eine ganze Kultur wird hier gerade amerikanisiert, so wie es vorher mit der deutschen geschah. Vielleicht sind die Leute etwas ärmer, aber selbst in den USA gibt es Versager."


    "Armut ist auch Sklaverei und dadurch, dass den Armen die Bildung fehlt ihren Zustand zu erkennen, formulieren und ändern, wird diese Aussage sogar noch wahrer." Heinz wartete auf etwas.


    "Du und Deine kokett aufrührerischen Ideen. Wir Menschen sind nun mal nicht gleich. Wer mit 18 kein Sozialist ist hat kein Herz, wer mit 30 kein Kapitalist ist hat kein Hirn, sagte Vati immer. Wir tragen eine Verantwortung diesen einfachen Menschen gegenüber. Wir dürfen sie nicht übermäßig mit den Ideen von Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit konfrontieren, sie würden diese Begriffe missdeuten und alle so leben wollen wie ich." Mit einer ausladenden Armbewegung unterstrich sie die Bedeutung ihrer Aussage. "Hör also schon auf, - wir stammen beide aus dem selben Stall. Wir sind nun mal keine Bauern. Aber ein wenig magst Du dennoch Recht haben."


    Heinz und Nadia waren Halbgeschwister.


    Verdrießlich rührte Nadia in ihrem Tee und war versucht mit einem weiteren Stück Zucker nachzusüßen. Dann überlegte sie es sich anders und zündetet sich eine Zigarette an.


    "Ich beneide diese einfachen Menschen. Sie sind der Erde verwurzelt und ihr Erleben ist direkt und mittelbar. Sie sind zu Hause. Ich fliege zwischen Berlin, Boston und Istanbul hin und her, doch komme ich nirgends zur Ruhe. Ich besitze den Master in Betriebswirtschaft. Ich war die Zweitbeste meines Jahrganges." Nadias Stimme hatte während dieser Sätze stetig an Lautstärke gewonnen und war dann plötzlich zu einem überlauten: "Fatma!" kulminiert.


    Das Dienstmädchen huschte herbei, verharrte auf Abstand und neigte ihren Kopf ein wenig zur Seite. Vermutlich konnte es kaum lesen und schreiben, aber bestimmt war es eine gute Köchin der gehobenen türkischen Hausmannskost. Zweifellos ernährten sich 4 Kinder und ein anisschnapssaufender, ansonsten nichtsnutziger Mann von dieser Arbeit. 22 Jahre alt und schon verblüht. Heinz war bemüht nicht genauer hin zu sehen; er schämte sich ein wenig dafür, dass ihre Unterwürfigkeit offensichtlich auf der Angst beruhte, das Wohlwollen ihrer "Abla" zu verlieren und somit auch den Job. Solche Szenen der Ergebung bereiteten ihm Unwohlbehagen.


    "Bringe uns den Aperitif und decke den Tisch. Ich habe heute einen Gast."


    Nadia drehte den Kopf auf eine unvermutet bekannte Art und Weise wieder in Richtung Heinz: "Ich habe nie verstanden, warum Du so anders bist. Als Mutti noch lebte, habe ich mich öfters mit ihr darüber unterhalten. Du bist so seltsam, obwohl Du wirklich nicht dumm bist. Du bist mein großer Bruder, ich begegne Dir mit Respekt, aber warum machst Du nichts aus Deinem Leben. Fatma! Wo bleibt der Likör? Der Fahrer soll in einer Stunde bereit stehen."


    Heinz wartete vergeblich auf ein Zeichen. Der Brechsteinflügel war mütterlicherseits ausdrücklich ihm vererbt worden, dem Rest gegenüber konnte er damals kein echtes Interesse aufbringen, - was war er doch einst für ein Naivling gewesen - aber bislang machte Nadia keine Anstalten, dieses Thema auch nur ansatzweise zu streifen. In dieser Wohnung hatte er seine Kindheit verbracht, - bis auf den Flügel, einer uralten Gutenbergbibel in der Vitrine und der Bibliothek war alles umgestellt und modernisiert. Damals hatten 12 Menschen hier gewohnt, heute nutzte nur seine Halbschwester nebst Dienstmagd diese viel zu große Wohnung.


    Nadia ist wirklich die Fortsetzung des Geistes unserer gemeinsamen Mutter. Heinz gestattet sich einen abfälligen Gedanken Ein Kokongeist, lebend in einem Kokon, hat zwangsläufig Kokongedanken. Er fragte:


    "Was macht Zareh." Zareh war der gemeinsame Bruder, bzw. Halbbruder.


    "Dieses Schuft. Erst hat er mich aus die Firmen vergrault, dann unsere Häuser auf der Insel verkauft, mir dieses Appartement davon bezahlt und eine Rente von 20.000,00 Dollar im Monat festgesetzt. Er hat mich ausgezogen wie eine Weihnachtsgans und wenn wir in Amerika wären, würde ich ihn verklagen und wäre reich."


    Heinz bewahrte sein ausdrucksloses Gesicht, aber er spürte kleine spitze Zähne, die sich an seiner Magenschleimhaut zu schaffen machten. Unruhig stand er auf und näherte sich den schwarz polierten Eichenschränken, öffnete eine Kristallglastür, - die ausgebrochene Schlüssellocheinfassung aus Messing befand sich garantiert noch in der Streichholzpackung hinter den Klassikern, griff nach dem "Faust" in abgewetztem Ledereinband mit Goldprägung und schlug es geradewegs an einer Stelle auf, die mit einem Eselsohr markiert war. Ein 13jaehriges Kind, das er einst selber gewesen, hatte mit inzwischen rostrot gewordener Tinte einen wichtigen Gedanken an den Rand geschrieben: "und was ist mit dem Geist, der das Gute will, jedoch das Böse schafft?", - schnell blätterte er weiter zu den letzten Seiten: "Wer immer strebend sich bemüht (...)"


    "Hast Du das hier irgendwann einmal gelesen?"


    "Nein."


    "Was nutzen Bücher, wenn man sie nicht liest?"


    "Sie sind wertvoll, Du Narr."


    Das Essen war gut, der Wein zeigte die bekannte Wirkung, der Fahrer war pünktlich. Der Flügel steht seit 40 Jahren an der gleichen Stelle, - niemand spielt mehr darauf.

  6. #6
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Heimatlos

    Der "verbesserte" Text hat an Esprit verloren. Die linksliberalen Einlassungen schaden der Virulenz der Kernfragestellung, nämlich der Suche nach einem festen Punkt im Leben. Es fehlt zudem an einer diese Szene weitertragenden Idee.

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