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Ergebnis 1 bis 4 von 4

Thema: Wipfelträume

  1. #1
    Dunkler Wald
    Laufkundschaft

    Post Wipfelträume

    Der Hirschkuh Redlichkeit




    Eines Tages entfernte sich die Hirschkuh von ihrer Höhle im Moos und schritt an das Ufer eines kleinen grünen Waldsees, das Wasser zu trinken. Als sie am Weiher Spitzen von Schilf, Blüten der Dotterblumen und zarte Brombeerblätter fand, begann sie, die Schätze abzuweiden. Sie äste, bis die Nacht hereinbrach, bedachte das und machte sich auf den Weg zu ihrem Heim. Während sie dahinlief begegnete ihr der Drache, welcher im tiefen, dunklen Wald haust und gerade gewaltiges Knurren von Hunger in seinen Gedärmen verspürte. Der Drache sprach zu der Kuh: "Ei, du fällst mir als Speise zu. Ich werde dich verschlingen!"
    Da fing sie an, in ihrem Hirschkuhgeiste zu überlegen: Wie nur konnte ich diesem Unhold in die Tatzen fallen? Der lässt mich nicht ungeschoren gehen. Soll er, doch meine Unschuld, meine Redlichkeit laß ich mir nicht rauben. Denn es steht im Himmel über dem dunklen Wald geschrieben:


    Handelt die Kuh redlich, so stellt sich Glück und langes Leben ein. Wohl an! Die ganze Redlichkeit erweist die Kuh, wenn sie ihre Unschuld opfert.


    Darum ist mein Tod unvermeidlich. Es ist nur angebracht, mein Schicksal, wenn ich schon sterben muß, meinen Leib zu verschenken.
    So dachte die Hirschkuh und sprach zum knurrenden Drachen: "Komm zu mir und nimm mich zum Mahle! Du hungerst und auch darin besteht der Kühe des dunklen Waldes Redlichkeit, daß ihr Fleisch die Hungrigen speist. Damit gewinnen sie große religiöse Verdienste und ewigen Platz im Klee des Paradies. Nur, großer Drache, gewähre mir eine demütige Bitte."
    Der Drache sprach: "Rede!"
    Und die Hirschkuh sagte: "In meiner Höhle ruht ein Kalb. Das ist sehr jung, vermag noch kein grünes Gras zu fressen, sondern trinkt nur meine Milch. Es wird gleichfalls hungrig sein. So laß es mich mit Milch säugen, und ich werde wiederkommen. Muß ich aber gleich mein Leben lassen, so wird meine Milch ebenso nutzlos vergeudet wie die Blüten eines Baumes, der im dunklen Wald steht. Nur das aber erfüllt einen vom Himmel über dem Wald gewollten Zweck, was irgendeinen Nutzen stiftet!"
    Da antwortete der Drache: "Deine Gedanken wären schon gut und richtig. Aber du wirst nicht zurückkommen. Wie also könnte ich daran denken, dich nicht sofort zu verspeisen?"
    Die Hirschkuh entgegnete wiederum: "Ich gebe dir mein Wort, das Ehrenwort einer frommen Kuh: Komm ich nicht zurück, so soll ich in der Hölle schmoren!"
    Damit gab sich der Drache zufrieden, und die Kuh rannte in einem Atem zu ihrer Höhle und rief ihr Kalb: "Komm schnell, mein Sohn, und trinke deine Milch!"
    Das Kalb betrachtete die Mutter, bemerkte ihre Sorgen. "Mutter Kuh, was ficht dich an? Verrate es mir auf der Stelle oder ich sauge die Milch nimmermehr!"
    Die Hirschkuh sah ein, der Eigensinn des Kalbes war nicht zu brechen. Wohl oder übel berichtete sie, was ihr geschehen und ermahnte den Sohn: "Sauge schnell! Ich habe dem Drachen mein Ehrenwort gegeben!"
    Das Kalb mochte nicht gehorchen. "Mutter, ich bin durch das dir Widerfahrene so betrübt, daß mir deine Milch nicht schmeckt. Ich will, werde dich begleiten. Sonst muß ich aus Kummer gleichfalls sterben. Denn es steht auch geschrieben:


    Es ist gut, wenn der vergüngliche Leib der Kuh irgendeinen Nutzen bringt.


    Was aber, ich frage dich, ist der Wert deines Körpers, wenn er für mich nutzlos wird?"
    Nach dieser Überlegung gingen beide, Hirschkuh und Hirschkalb, zum Drachen und sprachen: "Greif nur zu, Drache, du bist hungrig. Verzehre uns! Seinen Leib zu opfern und durch Hingabe eines Anderen Nutzen zu fördern, das ist die Pflicht unserer Gattung."
    Als der Drache diese zu Herzen gehende Kunde vernahm, standen ihm Tränen des Mitleids in den Drachenaugen. "Liebe Freunde! Gepriesen seid, die ihr unter Hingabe eures Leibes Wort haltet, nicht aber eure Redlichkeit preisgebt. Geht hin in Frieden! Du, Kuh, bist von nun an meine Schwester, und du, Kalb, mein Schwesternsohn. Ich werde euch niemals verschlingen!"
    Daraufhin kehrten beide in Frieden zu ihrer Höhle zurück, und das Kalb stillte seinen Hunger. Vor dem Schlafengehen faßte die Hirschkuh noch einen letzten Gedanken: Auf ewig siegt das Fromme im dunklen Wald, und auch im Himmel darüber!

  2. #2
    Mitgestalter
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    AW: Wipfelträume

    hm, was sagt man dazu?
    über allen wipfeln die kuh... -


    weihnachtlich weiß und toll
    freut sich verschmitzt ein kleiner troll...

  3. #3
    Dunkler Wald
    Laufkundschaft

    AW: Wipfelträume

    Läd ab der Mensch im Wald den Mist,
    die Hirschkuh in den Brunnen pißt,
    aus dem der Dichter alsbald ißt.

    Schnüff, mich mag wohl niemand.


    RETTET DEN WALD!

  4. #4
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Wipfelträume

    Zu wenig für eine Adaption der "Bürgschaft", zu deftig für eine ernstzunehmende Parodie und zu krude, um wenigstens sprachlich interessant zu sein.

    ein früh abgestürzter Versuchsballon

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