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Thema: Mein Leben im Knast

  1. #1
    kls
    Laufkundschaft

    Post Mein Leben im Knast

    Was manche Leute so brauchen, um ihre hornhautüberzogenen Synapsen wieder mit Neurotransmittern zu versorgen. In einem echten Knast war ich nämlich schon mal. 1970 Siegburg, 3 Monate wegen harmlosen Kiffen. Damals dachten die Interessenverwalter unserer ach, so freiheitlich demokratischen Grundordnung noch, dass man diesem Phänomen mit Kriminalisierung beikommen könne.


    Heute kenne ich Richter und Staatsanwälte, die sich abends selber einen rollen.


    Knast ist eine seltsame Welt. Es herrschen Regeln, die man einfach nicht ernst nehmen sollte. Wenn man sich dann, so wie ich, zum Geländenarren macht, eine Rolle die ich schrecklich liebe, ist man relativ unantastbar, denn niemand vermag einen dann noch realistisch einzuschätzen.


    Ich arbeitete in der Gefängnisgärtnerei. Ein cooler Job. Schon am ersten Tag fiel mir auf, dass sich da ja echte Schlafmohnkapseln unter der Trockenflora befanden, aus denen die Grabgestecke zusammengesetzt wurden. Kam jetzt also nur noch darauf an herauszufinden, ob sie wirklich morphinhaltig waren.


    Der Geländeelektriker bastelte mir einen Tauchsieder. Im Grunde genommen sind Knasttauchsieder nichts anderes als blanke Kabel, die in die zu erhitzende Flüssigkeit getaucht und an der Stromleitung (Glühbirne) angeschlossen werden. Man muss nur etwas auf die Kabelstärke und Länge achten, denn wenn es einen Kurzschluss gibt, werden alle Zellen gefilzt und sämtliche Tauchsieder konfisziert und das wiederum gäbe dann richtigen Ärger mit den anderen Einsitzenden. Ein Tauchsieder kostet eine Packung Tabak, die gängige knastinterne Währung. Das eine Kabel wird spiralig auf ca. 1 - 2 cm Abstand um das andere gewickelt und schon kann man sich metallisch und nach Tod schmeckende heiße Getränke herstellen.


    Ich kochte mir 6 Stck. Kapseln 2 Std. lang aus und würgte mir den Opiumtee runter. Danach fiel ich um. Das war vielleicht doch ein wenig zu stark. Also in Zukunft höchstens 3 Kapseln pro Dröhnung. Und schon avancierte ich zum beliebtesten Mann im Knast.


    Nach 3 Monaten kam ich wieder frei und schwor mir, nie wieder in einen Knast zu gehen. Um mein systemkritisches Potential um- und abzuleiten fing ich statt dessen mit dem Schreiben an und ich will doch schwer hoffen, dass ihr heute etwas über das Leben und dem notwendigen "Durchmogeln" gelernt habt.


    Liebe Kinder, ich erkläre euch jetzt, wie man aus Brot und Zuckerrübensirup alkoholhaltiges Met herstellt. Falls dann irgendwann die Bombe fallen sollte, seid ihr wenigstens mit den wichtigsten Grundkenntnissen des Überlebens ausgestattet.


    (...)


    Ein Tag spaeter: Habe beschlossen Euch kein bisschen zu erklären, wie man aus Brot und Zuckerrübensirup Feuerwasser herstellt. Habe beschlossen nach der Bombe einen Biergarten zu eröffnen, also werde ich nun meine Berufsgeheimnisse selbstverständlich für mich behalten.


    Aber, dass 5 leicht angegammelte Kirschen so viel Acetylsalicylsäure enthalten, wie eine Aspirin? Wusstet ihr das etwa auch nicht? Falls euch also der Fallout Kopfschmerzen bereiten sollte; ich plane nämlich, neben dem Biergarten eine Apotheke zu eröffnen. Apotheken sollten immer neben der Kneipe stehen. Alleine schon wegen den Frauen, die plötzlich "Hurra!" ihre Tage kriegen oder ihre Pille verschlampt haben. Oder den Testosteron vernebelten Jungbullen, die sich unter Einfluss von vergorenem Zuckerrübensirup wegen eben diesen Frauen einen auf die Omme kloppen und nun an verstauchten Handgelenken leiden.


    Ja, nach der Bombe würden sich mir völlig neue Perspektiven auftun. Apotheke und Kneipe reichen ja bei weitem nicht aus. Bank und Rathaus müssten auch noch her, Gefängnis und Bordell - obwohl, das Bordell könnte man ja im Rathaus unterbringen und den Knast im Tresorraum der Bank. Und alles, alles MEIN!!! Simcitty in RL.


    Ich könnte mich ja "Karolus der Allererste" oder sogar "Karolus von Ludwikus" nennen und euch allen gar huldvoll zuwinken, wenn ihr mir aus lauter Zuneigung eine zweite Cheops-Pyramide bauen würdet. Abgemacht? Ich würde das Recht der ersten Nacht nicht über Gebühr beanspruchen, also höchstens jeweils zwei Wochen lang, und meine Steuern wären allenfalls zehnfach. Klar müssten meine Serailwächter ihre Klöten an der Pforte abgeben - ich mag nicht von diesem Gefühl der Sorge, dass ich Grund zur Eifersucht haben könnte, von meinen tagespolitischen Entscheidungen (Neue Zuckerrübenplantagen und so) abgelenkt werden.


    Kommen wir nun zu den weniger schönen Seiten eines Saligmannschen Protektorates. Die Aufrechterhaltung von Disziplin und Lebensfreude bei meinem Volke mittels gelegentlichen öffentlichen Hinrichtungen. Das finde ich nicht gut von Euch. Ich suche hier händeringend nach Landarbeitern für meine Zuckerrübenplantagen und ihr denkt wieder mal nur an euren Spaß. Das ist doch nicht euer Ernst. Nein, WIR werden UNS auf Brandmarken und Pranger beschränken und das Humankapital nicht antasten. Außerdem benötigen WIR noch Soldaten, da nebenan irgendwelche Untermenschen Schwarzbrennereien eröffnen und mit unversteuertem Falschbier aus Runkelrübensirup versuchen werden meine Volksgesundheit zu mindern. Und wie jeder wissen sollte, neigen Soldaten ja zu bösartiger Selbstentleibung mittels gegnerischer Soldaten. Und so ein Schwund kostet eh schon allerhand. Also keine Exekutionen. Katzen und Meerschweinchen quälen geht in Ordnung, werden allerdings mit hohen Gebühren belegt.


    Verschlossen und bekündet am Tag der zweiten Kerbe 2001
    Gez.: Karolus von Ludwikus der Allererste.
    Trompeten, Posaunen und ab....


    Habe eine erste Reaktion reinbekommen. Von Kyra. Schmatz! Ach wie liebe ich doch meine Kritiker, wenn sie nur ehrlich sind und mich aus vollster Brust loben.


    "Schön geschrieben, vor allem das Wasser was nach Tod schmeckt, und anderes. Da jeder normale Mensch was über echten Knast erfahren will, könntest Du da gut noch etwas einbauen. Von einer die im Knast war habe ich gehört, dass immer zum Mittagessen die Möwen kamen, weil viele Gefangene das Essen aus dem Fenster kippten. Wie war das mit Sex??? Wie waren die anderen? usw. aber musst Du natürlich nicht, es macht so noch neugieriger auf den Herren im besten Alter ) Vor allem wenn man hört wie seine Regierung aussähe. Aber mit den Eunuchen hättest Du natürlich völlig Recht, Frauen ist alles zuzutrauen"


    Wie war das denn nun mit dem Sex hinter Gittern? Onanie ist ja etwas, dessen man sich nicht rühmen mag. Aber um der Wahrheit willen: Außer Wichsen hast Du doch im Knast kaum etwas zu tun, geschweige denn Sinnvolles. Also wedelt sich der Knacki vulgaris als solcher mindestens 3 x täglich einen von der Palme. Vielleicht fühlt sich der normale Leser ja von der Vorstellung abgestoßen, wie da 1.000 Männer mittels Manipulationen von Hand ihrem Genital Ejakulat entlocken, aber das ist nun mal die Wahrheit. Gelegentlich soll es auch zu gleichgeschlechtlichen Sexualhandlungen ausarten, aber da wiederum bin ich etwas überfordert. Davon weiß ich wenig. Aber dass ich das Wichsen zu einer Kunstform erhoben hatte, daran erinnere ich mich noch ganz genau. Ähnlich wie man bei einem Geschlechtsakt den Höhepunkt gerne hinauszögert, hat gekonnte Onanie etwas feierlich-kulturelles an sich. Ist ja kein Schweinerennen und es gibt auch keinen ersten Preis. Je länger man an sich rumrüttelt, um so weniger muss man sich Gedanken machen, wie man nun die nächsten Stunden totschlagen könnte.


    Erst malt man sich eine erregende Szene aus. Bei mir waren es meisten 2 - 3 Schwesternschülerinnen (ich habe mal im Krankenhaus auf der Röntgenstation gearbeitet), die mich fragten, welche von ihnen in meinen Augen wohl die Schönste sei. Meine Antwort war daraufhin, dass ich das wohl kaum entscheiden könne, da ich sie nur bekleidet mit diesen einheitlichen, Schönheit unterdrückenden Kitteln kennen würde, woraufhin sie die Tür zum Bestrahlungsraum abschlossen und sich erst mal auszogen, damit ich ein Urteil abgeben kann, na, und so weiter. Sollte ich jemals einen pornographischen Roman schreiben, wird dieses Motiv bestimmt darin vorkommen. Das Ganze wird auf mindestens 1 Std. gestreckt, so dass man insgesamt ca. 3 Std. täglich mit seinem Ding-Dong beschäftigt ist. Das und Laudanum Opii nebst Zuckerrübenschnaps. Mehr gab es nicht an Spaß, denn das Essen war wirklich nicht Michelin verdächtig.


    Aber zurück nach Saligmannien, der ersten konstitutionellen Demokratur nach der Bombe. Wie gesagt, das Gefängnis befindet sich in der Bank, der Puff im Rathaus und die Apotheke neben der Kneipe. Gesäumt wird diese Idylle von gebrochener Scholle, wo fleißige Untertanen Trinklieder singend nach eigenem Gutdünken und in ihrer Freizeit täglich 16 Stunden lang Zuckerrüben für die Königlich-Kaiserlichen Brauhäuser kultivieren. Es gäbe jedes Jahr eine Wahl der "Miss Zuckerrübe" und natürlich auch die Prämierung des fleißigsten Zuckerrübenbauern.


    Religion: Ein laizistisches Staatengebilde. An den geraden Tagen wäre der Kaiser König und an den ungeraden Tagen wäre der Kaiser Papst. Das würde vieles vereinfachen und es käme niemals zum Schisma.


    Staatswappen: Gelbe Zuckerrübe auf erdig braunem Grund mit Krone.


    Grenzen: Variabel. Explorativ....


    Währung: 10 Zuck ein Er. 10 Er ein Rä. 10 Rä ein Be. Ist doch logisch.


    Staatsform: Konstitutionelle Demokratur mit Kaiser Karolus von Ludwikus dem Allerersten als Staatsoberhaupt.


    Pressewesen: Dezente Lobhudelei des beliebten Staatsoberhauptes wird nicht geahndet. Alles andere ist verboten.


    So. Nachdem ich euch hiermit auf das Leben nach der Bombe eingestimmt habe, weiter im Text. Hmmm, was könnte ich mir denn noch so rausquetschen?


    Da fällt mir gerade ein, die Onanievorlage mit den 3 Schwesternschülerinnen gab es auch schon mal. Das Urteil des Paris. Hera versprach ihm Macht, Athene Weisheit und Aphrodite Liebe und schon bekam diese den goldenen Apfel. Die Folgen sind bekannt. 10 Jahre Krieg in Kleinasien. Das Motiv mit dem Apfel wiederum ist ja selber auch uralt. Irgendwelche Pfennigfuchser behaupten allerdings, dass es sich um einen Granatapfel gehandelt haben soll. Na und? Aber was wäre wohl passiert, wenn eine vierte Grazie Unsterblichkeit versprochen h?tte, permanenten Orgasmus oder Frieden für die gesamte Menschheit?


    Ach ja, die Liebe. 10 Jahre Krieg ist doch fast noch human. Ich liege nun aus vergleichbarem Grunde seit über 40 Jahren im Clinch mit dem Feindgeschlecht und es sieht nicht so aus, als ob ich gewinnen würde. Halloooo!!! Hört mir hier überhaupt jemand zu? Ich sprach nämlich über etwas, was auch Dich betrifft. Jawoll!!! Gerade Du dort, der sich gerade anmaßt ein Urteil über meine Einwegliteratur zu fällen.


    Ich habe vielleicht 4 - 5 mal wirklich geliebt in meinem Leben. Und jedes Mal ist mir fast das Herz dabei kaputt gegangen.


    Hmmmm, na gut, ich hör ja schon auf. Ich hörte munkeln, dass es jedem Menschen so oder so ähnlich ergeht, obwohl ich mir das gar nicht vorstellen kann.


    Da das Thema "Liebe" sowieso nur gelebt werden sollte und das Thema Saligmannien nun ausgelutscht ist und es über meinen Knastaufenthalt 1970 auch wenig Interessantes zu vermelden gibt, gebe ich noch eine letzt Erklaerung ab: Ich schreibe, weil ich aus Gesundheitsgründen nicht den ganzen Tag nur saufen und onanieren kann.

  2. #2
    Dunkler Wald
    Laufkundschaft

    AW: Mein Leben im Knast

    Gärtner, artverwandt, wie wäre es mit Abfall sammeln im Wald?

    Als ich Jungholz, war ich im Internat, keine Schonung, kann dir ja mal wipfelflüstern, was mit Erzieherinnen und Bilsenkraut möglich.

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