Seite 2 von 3 ErsteErste 123 LetzteLetzte
Ergebnis 26 bis 50 von 54

Thema: Hyperfiction

  1. #26
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    20.April 2000
    Beiträge
    135
    Renommee-Modifikator
    21

    AW: Hyperfiction

    hallo mitwirkende,


    anbei die von Howah erstellte Liste
    Themen und Autoren


    1. Markt: Howah
    2. Spiegel: aero
    3. Argwohn: aero
    4. Markt: Schwarzes Pferd
    5. Clowns: Howah
    6. Koffer: aero
    7. Eitelkeit: aero
    8. Adams Hände: Howah
    9. Lillian: It
    10. Haar: aero
    11. Wilgefortins: aero
    12. Schwabenmärchen: Daphne
    13. De ludo daemonum: aero
    14. Der neue Anzug: Doderer

  2. #27
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    19.April 2000
    Ort
    Hamburg
    Beiträge
    274
    Renommee-Modifikator
    22

    Post Lüge

    Zu Stichwort: Lüge (aus Eitelkeit)


    Der Heiratsantrag


    "Okay." Sagt Anne. "Und eines Tages wirst Du mich begraben. Oder andersrum. Eher andersrum. Statistisch gesehen."
    Julian kann spüren, wie sein Kinn nach unten sackt. "Wie bitte?"
    "Na ja." Sagt Anne, und ist einen Augenblick lang verwirrt über seine Verständnislosigkeit. "Wenn das so läuft. Man trifft einen Menschen. Bleibt zusammen, aus Liebe oder Gewohnheit, weil Menschen eben Menschen brauchen. Keine Lüge, einfach ein menschliches Bedürfnis. Ein paar Kinder noch, vielleicht."
    Sie nimmt einen Schluck Wasser, ohne darauf zu achten, daß ihr Lippenstift am Glas kleben bleibt.
    "Selbst wenn wir den Rest vergessen, Scheidungen, Einsamkeit. Selbst wenn wir annehmen, daß wir anders sind. Die große Liebe. Glück." ihre Schultern zucken. "Und wenn alles perfekt läuft in deinem Leben, dann ist das Beste, was du erwarten kannst, mich zu begraben." Sie schweigt einen Augenblick und denkt an den Rücken ihrer Mutter, die hinter dem Sargträger/Friedhofsbeamten läuft. Die Schuppen auf seinen Schultern, das Gesicht um einen neutralen Ausdruck bemüht, obwohl die Zähne noch am letzten Bissen kauen. Er riecht nach Leberwurst.
    In seinen Händen trägt er die Urne mit der Asche ihres Vaters.
    "Du machst mein Bett. Wäscht meine letzte Wäsche im Wäschekorb. Den letzten Ausfluß in meiner Unterhose. Vielleicht stellst Du die Möbel um, oder räumst endlich die Kristallgläser meiner Mutter aus der Vitrine. Ersetzt sie durch deine Pokale vom Surfen. Oder auch nicht. Dann lebst du mir zuliebe mit Dingen, die du schon immer gehaßt hast, und denkst an mich."
    Sie lehnt sich zurück und schweigt. Ihre Augen sind leer.
    "Bis daß er Tod uns scheidet. Genau das haben die damit gemeint."
    Zwischen ihren Händen dreht sie das Glas. Bis zum Handballen. Zu den Fingerspitzen. Und zurück.


    (Assoziationsvorschläge: Asche / Leberwurst)



    [Diese Nachricht wurde von it am 21. November 2000 editiert.]

  3. #28
    Resurrector Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    5.643
    Blog-Einträge
    35
    Renommee-Modifikator
    28

    Post Rimkus, der LAUsitzer

    Stichwort HILFE


    Rimkus war ein Wandersmann aus einem kleinen Nest. Sein Weg trieb ihn durch die Welt, erst auf den Landstraßen um sein Heimatdorf, dann zog er größere Kreise, schließlich fand er den Weg nicht mehr nach Hause und beschloß - mehr aus einer Not heraus - nicht wieder zurückzugehen in die Gemeinschaft seines Dorfes. Aber das schlechte Gewissen blieb.
    Und so kam er bis in die Sichtweite einer großen Stadt. Dort nächtigte er unter einer Eiche. Am Morgen, kurz nach einem erfrischenden Trunk aus dem Flachmann, blickte er durch die Äste in die aufgehende Sonne und hatte plötzlich das Gefühl, daß der Baum kippte. Also lockerte er den Boden rings um die Eiche und wußte auch einige stabile Äste von anderen umstehenden Bäumen so hinzustellen, daß der Baum gestützt wurde.
    Dabei wurde er beobachtet. Eine Hamadryade stand vor dem schnaufenden Rimkus und bedankte sich für die Tat. Sie wäre verloren gewesen, denn ihr wurde gesagt, daß sie mit dem Baum zusammen sterben müsse. Also hatte Rimkus einen Wunsch frei. Das ging dem langsam tickenden Lausitzer zu schnell. Er sann nicht lange nach, sondern beschaute sich die schöne Hamadryade.
    "Ich will mit dir schlafen", sagte er.
    "Was? Mehr nicht? - Wie du willst, aber du darfst dann nie wieder mit einer anderen schlafen", antwortete die Hamadryade sofort.
    Rimkus dachte nach. Er konnte sich nicht mehr erinnern, wann er das letzte Mal mit einer Frau zusammengelegen hatte. Also willigte er ein.
    Sie verbrachten die nächsten Tage miteinander, bis Rimkus weiterziehen mußte, die Hamadryade aber in ihrem Baum blieb.
    Das Erlebnis veränderte den Lausitzer. Er wurde offener und neugieriger und lebte nicht mehr nur für sich allein. Und so kam es, wie es kommen mußte. Er konnte sich an das Versprechen nicht halten.
    Die Hamadryade hatte aber eine Biene losgeschickt, die von Rimkus' Treue berichten sollte. Das konnte die nicht tun.
    Und wie es dann so in der Natur der Hamadryaden liegt, die nicht nur belohnen, sondern auch bestrafen können, so bestrafte sie Rimkus damit, daß er keine Nachkommen hatte. Was der aber nicht wußte, daß er bestraft ward.


    keine neuen Wörter aus diesem Text: dieser sollte eine Sackgasse sein

  4. #29
    howah
    Status: ungeklärt

    AW: Hyperfiction

    It, ich gratuliere Dir - ich war mir sicher, dass Du es schaffst, auch wenn's fast so lange dauert wie bei Amerikaners! Nun übt Euch aber bitte nicht in falscher Pietät (ich bin ja auch noch nicht tot), sondern nehmt bitte meine Signatur aus dem Titel raus.
    Grüße und gutes Gelingen Euch beiden, Howah

  5. #30
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    19.April 2000
    Ort
    Hamburg
    Beiträge
    274
    Renommee-Modifikator
    22

    AW: Hyperfiction

    Hallo aero, schön, daß Du Dich meldest. Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben.

    1) Verbesserungsvorschläge für den Heiratsantrag?
    2) was machen wir mit der Sammlerin (steht im Augenblick noch im anderen Forum.) Ich habe geändert und weitergeschrieben, was mir noch einfiel. Sehr viel mehr Spielraum ist nicht drin. Knicken?

    "ich habe die Geschichte schon, muß nur noch das passende Wort raussuchen.
    Ist das richtig so?"
    Eigentlich wohl nicht unbedingt. Grundidee war ja, daß wir uns INSPIRIEREN lassen von anderen Texten. Wobei wir etwas schummeln wollten, um die HF mit guten alten Texten aufzufüllen.- Und ich hatte den Vorschlag gemacht, zur Not auch eigene Assoziationswörter zu suchen - wenn Du beispielsweise sagst: verdammt, warum Leberwurst. Ich hätte so gerne was zu Fingerspitzen geschrieben. Aber, mien Gott, wir können gerade eh nicht wählerisch sein.
    HILFE habe ich unter den Assoziationswörtern nicht gefunden, stellst Du die aktualisiert nochmal rein?

    Zu Deinem Text:
    Die Länge und Grundidee finde ich gut - der Betrogene Betrüger, der nicht merkt, daß er dafür bezalen mußte, womit sich die Bestrafung erübrigt - aber Du brauchst lang, um reinzukommen (warum thematisierst Du sein Dorf im ersten Absatz, danach die Stadt? Der Hinweis Wanderer - er konnte sich nicht mehr erinnern, wann... hätte seine Entwurzelung genügend illustriert).
    Nächtigte, Trunk, wußte...hinzustellen - ist das Brokat? Oder Plüsch?
    (den John Lennon - Text fand ich schön. Da entstand das Gefühl im Leser, ohne von Dir vorgegeben worden zu sein, ganz flach und lakonisch. Du stellst Du manchmal selbst ein Bein)
    Ihr wurde gesagt - oder war gesagt worden?
    Der Grund für die Änderung in seinem Lebensstil wird mir nicht klar, schön wäre es, wenn sie nochmal aufgegriffen würde - sie hatte seine Neugier geweckt, oder etwas von ihrem Zauber etc pp. - dann wäre sein Betrug und die darauffolgende Strafe - systemimmanent.
    jetzt Kaffee.

    it

  6. #31
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    14.May 2000
    Ort
    Cary (Nordcarolina)
    Beiträge
    108
    Renommee-Modifikator
    21

    Post "Time" von Pink Floyd

    das hier ist meine Übersetzung von "time" von pink floyd.. man könnte es zu "lebensuhr" linken im Schwabenmärchen.


    Grau der Tag so tickt die Uhr die Stunden fort
    die du zerknittert und verschwendet hast mit leichter Hand
    du läufst herum auf einem Stückchen Land in deinem Heimatort
    und nichts geschieht; und niemand nimmt dich bei der Hand


    wenn du vom Sonnenbaden müde bist gehst du nach Haus und siehst dem Regen zu
    denn du bist jung das Leben lang und Zeit hast du den ganzen Tagesfluß
    und eines Tages findest du - zehn Jahre sind gelebt im Nu
    und keiner sagte, wann du rennen mußt und du hast überhört den Schuß


    du rennst und rennst die Sonne, die am Abend glänzt
    noch einzuholen just bevor sie untergeht
    und hinter dir noch einmal ihre Runde dreht -
    die Sonne ist noch gleich, zumindest im Vergleich, doch du älter -
    schwitzend und schlapp, und einen Tag näher am Grab


    Jedes Jahr wird kurz und kürzer, niemals findest du noch Zeit
    Pläne führten gar nicht oder nur zwei Kritzelseiten weit
    In verschwiegener Verzweiflung zu verharren ist die englische Natur
    Die Zeit ist um, das Lied vorbei, doch etwas fehlt - was war es nur?




    aber gehen Übersetzungen überhaupt? ist lyrik ok? ich will mich jetzt daranmachen, was zur hyperfiction zu schreiben, aber ein prosatext auf dem niveau traue ich mir nicht zu, lyrik hingegen schon.


    [Diese Nachricht wurde von iodin am 26. November 2000 editiert.]

  7. #32
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    Post "Time" von Pink Floyd

    zwei Textteile gefallen mir nicht:

    • und keiner sagte, wann du rennen mußt und du hast überhört den Schuß und
    • In verschwiegener Verzweiflung zu verharren ist die englische Natur




    Ich weiß nicht, wie Howah die Sache sieht, aber ich hätte gegen Lyrik, auch Übersetzungen in der Hyperfiction nichts einzuwenden.

  8. #33
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    14.May 2000
    Ort
    Cary (Nordcarolina)
    Beiträge
    108
    Renommee-Modifikator
    21

    Post "Time" von Pink Floyd

    ja, mit der ersten kritisierten zeile bin ich auch nicht ganz glücklich, da lasse ich mir noch was einfallen.
    die andere ist zwar umständlich, aber ich fand das gerade da irgendwie passend...


    ansonsten dachte ich, ich könnte vielleicht zu einzelnen begriffen gedichte als kurze anmerkungen, 'umkreisungen' schreiben, die man dann als sackgassen lässt.. wie wär's? ich lass mir mal ein beispiel einfallen.

  9. #34
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    19.April 2000
    Ort
    Hamburg
    Beiträge
    274
    Renommee-Modifikator
    22

    Post Vampir

    Hallo iodin,
    ich habe leider länger hier nicht reingesehen. Lyrik ist auf jeden Fall nicht nur okay, sondern sehr gefragt - und nicht nur als Sackgasse. Genauso wie Miniaturen.
    Übersetzungen? Weiß ich nicht. Gibt es da zum Einen nicht juristische Fragen - und zum Anderen müßte man es schon als Übersetzung kennzeichnen (sonst kommt der Vorwurf, der Text wäre geklaut) und nachsehen, was für Übersetzungen überhaupt auf dem Markt sind..
    Nu ja.
    Was Howah angeht haben wir im Augenblick keinen Koordinator. Könnte da mal jemand vom Verlag anrufen (ihr könnt auch schwere Repressalien gegen it in Aussicht stellen - zum Beispiel den Entzug der noch ausstehenden Privilegien - ein halbes Milchbrötchen und eine Flasche Hagebuttenwein, soviel ich weiß)
    (Assoziation: Sterben oder Kirche, aus de ludo daemonum, ich wollte mal eine etwas andere Richtung)

    Vampir

    "Ich bekenne, ich habe gesündigt...."
    "Vater, vergib mir... "
    Sie weben einen feinen Teppich aus Sorgen in sein Ohr, Jahr für Jahr; er reicht bis zum Horizont.
    Die junge Frau in der Dunkelheit, Multiple Sklerose, zwei Kinder und keinen Mann. Es gibt nicht viel, was er sagen könnte, und trotzdem erhebt sie sich getröstet.
    Er hört ihre Schritte im Kreuzgang verhallen. Die Kälte reicht bis in sein Mark, die rechte Hand ist fast taub davon.
    Mit dumpfem Hallen fällt das Hauptportal ins Schloß, der Schall breitet sich ungehindert zwischen den Bänken aus und wird erst von den weißen Laken zurückgeworfen. Nur wenige kommen jetzt, während der Restaurierung, die Kirche liegt still. Der alte Priester hat sich schon halb erhoben, langsam die Soutane um sich gerafft, als er die Schritte hört: schleppend und unregelmäßig kommen sie heran.
    Er lehnt sich zurück und wartet.
    Der Mann, der hinter dem rautenartigen Gitter erscheint, ist kaum zu sehen, sein Kopf hängt tief, Haare überdecken das Gesicht, der Körper vor Schmerzen gekrümmt. Der Priester kennt ihn nicht. Hört nur das schwere Atmen und wartet in der Stille.
    "Pater, wo ist meine Seele."
    Er kennt das Ritual nicht, denkt der Priester, ein Protestant oder Atheist, der sich in den Schoß der Kirche geflüchtet hat, und unwillkürlich hebt er die Hand an die Stirn, um sich zu bekreuzigen. Da führt der Kopf hoch, die Schläfen schlagen hart gegen das Holz des Beichtstuhls, der Priester kann die Erschütterung spüren. Das Gesicht vor ihm starr von Schmerz.
    Der Priester erhebt sich: "Sie sind krank. Ich hole...
    "Setzen sie sich." Ein Flüstern nur. "Und halten sie ihre Hände still."
    Und wieder sitzt der Priester, seine Hände liegen schwer auf den Oberschenkeln: die Stimme hat eine seltsame Kraft.
    "Ich suche meine Seele, Pater" aus der Dunkelheit.
    "Sie ist in Dir, mein Sohn." Was will er von mir? Denkt der Priester. Es klingt wie eine Floskel. "Jeder Mensch, auch ein Sünder..."
    "Ich habe nicht gesündigt." sagt der Mann schnell. Dann, fast sanft: "Es war meine....Natur."
    Sie schweigen wieder, der Mann in Gedanken, der Priester wartend.
    "Erzählen sie mir davon" sagt er schließlich leise. "Erzählen sie mir von Anfang an."
    "Von der Sünde?" der Mann lacht, die Finger in den Unterkörper gekrallt und die Schultern nach vorne gezogen, den ganzen Körper verkrampft und verzerrt legt er seinen weichen Hals zurück, und sein Lachen hängt dünn und seltsam kalt in der Luft. Der Priester zieht die Füße näher zu sich heran, um sich ein wenig zu wärmen.
    "Wie war das? Du sollst nicht begehren Deines nächsten Esel?" Sein Lachen hallt durch die Gänge. Jetzt beugt er sich näher zum Gitter und flüstert: "Begehren. Nichts. Ich begehre nicht. Was erzählen sie ihnen, ihre Schäfchen? Ihre schmutzigen kleinen Gedanken? Die Träume ihrer blassen Fotzen? Sie erbitten ihren Segen für ihre erbärmlichen Sehnsüchte, nicht wahr? Sünde! Was für ein großes Wort."
    Er richtet sich auf, die Augen voll Abscheu. "Du sollst nicht lügen. Du sollst nicht stehlen, Du sollst nicht ehebrechen. Ich kenne die Gebote, ich war einer von Euch. Die Eltern ehren. Den Sabbat heiligen. Andere Götter haben. Kommen sie mir nicht mit Geboten!"
    "Du sollst nicht töten?" sagt der Priester leise.
    "Ah." Der Mann lehnt sich zurück. "Das. Ich sagte ihnen, ich habe keine Wahl. Vielleicht erleichtert es ihnen die Sache, wenn ich ihnen sage, daß ich kein Mensch mehr bin."
    Ja, er ist krank, denkt der Priester. Mehr als sein Körper ist krank. Es ist schlimmer, als ich dachte. Seine Hand greift nach der Klinke, um Hilfe zu holen.
    "Es wäre sein Tod, Pater." sagt der Mann leise. "Wer immer diesen Gang hinaufkommt, um ihnen zu helfen wird sterben. Eine Frage des Glaubens, nicht wahr? Haben sie gehofft, ihr zu entgehen? Der Frage des Glaubens." Er lächelt dünn. "Immerhin wäre die Existenz des Bösen auch der Beweis für die Existenz... von etwas anderem. Die Entscheidung liegt bei ihnen."
    Der Priester schweigt.
    "Die ersten Jahre waren ein Schlachten." Sagt der Mann schließlich leise. "Jede Nacht habe ich getrunken. Mich berauscht an meiner Stärke. Ihr Entsetzen gegen meine Unsterblichkeit, jeder Schrei ein Beweis meiner Macht, sie waren nur Fleisch." Ganz leise ist die Stimme jetzt, als blicke der Sprecher tief nach innen. Zurück. Der Priester unterbricht nicht mehr.
    "Dann - lernte ich Mitleid."
    "Was wollt ihr von mir?" sagt der Pater leise.
    "Nichts mehr und nichts weniger als alle anderen vor mir. Nur aus besserem Grund."
    "Die Absolution?"
    Der Mann schließt die Augen, sein Körper erschauert.
    "Ohne Seele kann ich nicht sterben, und ich bin müde. Was wird aus mir, wenn mein Körper zu Staub zerfällt? Ewige Verdammnis? Wißt ihr, wie lang das ist: ewig? Ich trinke fast jede Nacht. Ihr müßt es beenden. Ihr habt keine Wahl."
    "Nun" sagt der Pater unsicher. All die Jahre haben ihn nicht auf dieses Gespräch vorbereitet. "Laß uns beten..."
    "Ich kann nicht beten, du Narr. Du hast es mit keinem Menschen zu tun." Zischt es aus der Dunkelheit, und zum ersten Mal spürt der Priester Angst.
    Der Mann ist verrückt, denkt er, er wird mich töten. Was will er von mir?
    "Ego te absolvo" sagt der Mann, und er windet sich dabei, spuckt die Worte aus unter Schmerzen. "Sag es."
    "Ich...."
    "Sag es!" er schreit jetzt, und der Priester zuckt zurück.
    "Ich krieche nicht für Dich." flüstert der Mann und beugt sich vor. "Ich hatte meine Gründe." Dann senkt er den Kopf.
    Und der Priester hört jetzt die Beichte der jungen Frau, keine Nachahmung, ihre Stimme steht wieder im Raum, müde und verbraucht:
    "Manchmal wünsche ich mir, daß er mich sterben läßt, Pater. Ich halte diese Angst nicht mehr aus."
    Woher? Denkt er.
    "Wir haben ein feines Gehör, Pater. Soviel sollten sie wissen." und wieder faltet der Priester die Soutane enger um seinen Leib. Kalt. So kalt. Der Mann lacht.
    Ihr glaubt, ihr steht am Ende der Nahrungskette, nicht wahr? Ihr bezahlt diese Arroganz mit dem Schmerz." Sein Blick wandert zu den Händen des Alten, die arthritischen Knöchel zu absurden Knoten verworfen. "Wie lange verrottest du schon, Priester? Seit wann pißt du Blut?"
    Der Priester schweigt, er ist zu keiner Antwort mehr fähig.
    Der Mann richtet sich auf. Um ihn nimmt die Dunkelheit zu. "Eine Antilope." Sagt er sanft. "Ein Augenblick des Schrecks, ein Dahinjagen, dann wird sie zur Erde gerissen und stirbt. Vorbei. Zwei Minuten, drei vielleicht. Der Schock macht ihr Sterben leicht. Aber die Löwen, die ihr Blut trinken - Blut!, sie siechen dahin. Verdursten. Verhungern. Sie sehen die Hyänen warten, tagelang. Sie lernen die Angst kennen. Für diese Frau, Pater" und seine Stimme nimmt einen hypnotischen Klang an "wäre der Tod eine Erlösung, nicht wahr? Für wie viele wäre er eine Erlösung? Wie viele verdienen zu sterben?"
    "Ihr seid wahnsinnig." flüstert der Priester. Nur seine Lippen bewegen sich noch.
    "Ich war ein Teil seiner Welt! Ich will meine Seele zurück, Pater!"
    Der Priester schüttelt den Kopf.
    Vor seinen Augen zersplittert das Gitter, Hände greifen nach ihm, ein großer Schmerz und Dunkelheit.
    Der Vampir trinkt ein letztes Mal, vorbei an den abgehängten Heiligenbildern, an den Spuren, die das Kreuz auf der Wand hinterlassen hatte, und geht die Stufen hinunter, um auf die Sonne zu warten. Draußen richtet er sich auf und schart die Dunkelheit um sich.


  10. #35
    Bauer Hans
    Status: ungeklärt

    Vampir

    Der Einstieg ist nicht ganz richtig. Lilith, die von Adam in Missionarsstellung nicht befriedigt wurde, flog freiwillig über die sieben Meere und vergnügte sich alsbald mit Samuel, mit dem sie Dämonen zeugte. Wie könnte auch eine Blonde, Eva, einer Rothaarigen einen Mann ausspannen? Nachzulesen in der Kabbala!

  11. #36
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    Vampir

    Prinzip nicht begriffen!


    Es geht nicht um Lilith als einem spröden Weib, einer Emanze - was immer Du darunter verstehen möchtest -, es geht um das Prinzip des Möglichen, weder Macht, Ohnmacht noch Unmacht heißt das Thema, sondern das Geworte eines Sowohlalsauchmöglichen.


    Die Kabbala sparen wir hier aus. Rabulistik wird von it schnell erkannt und angekreidet. Von mir übrigens auch.

  12. #37
    kls
    Status: ungeklärt

    Post Hyperfiction

    Wenn die Netzliteratur am Ende ist, kann die Mailingliste Netzliteratur bloß noch historische oder nostalgische Diskussionen führen. Sie kann sich aber auch als ökonomische Interessensvertretung der Netzliteraten verstehen und versuchen, den bestehenden Projekten realistische Existenzchancen zu verschaffen.

    Natürlich ist es schöner über die Metaphysik des Hyperlinks zu diskutieren, aber die wahren Schlachten werden woanders geschlagen. Es ist an der Zeit, dass die Netzliteraturszene in Deutschland anfängt, personelle und technische Ressourcen zu bündeln und ein professionelles Fundraising zu betreiben.


    Kultur im Internet ist nicht zum Nulltarif zu haben. Ein Markt für Kultur existiert aber im Internet ebensowenig wie außerhalb. Die Kostenlos-Kultur im Internet hat die grundsätzliche menschliche Erfahrung, dass Kultur ein Luxus ist, den keiner bezahlen kann, zeitweise verdrängt. Nun, da einige Internetprojekte, wie z.B. Dichtung Digital Teile ihres Angebots kostenpflichtig machen, gelangt diese Erkenntnis langsam wieder ins Bewusstsein. Kultur ist nie kostendeckend und auf dem Unterhaltungsmarkt niemals konkurrenzfähig. Das bedeutet nichts anderes, als dass Dichtung Digital mit seinem Versuch, durch ein kostenpflichtiges Archiv kostendeckend zu arbeiten, scheitern wird. Die Zahl derjenigen, die bereit sind, zu zahlen, wird immer zu niedrig sein.


    Die Schere geht immer weiter auseinander: Gute Kulturprojekte im Internet sind nur durch einen Arbeitsaufwand zu realisieren, der mindestens einer Teilzeitbeschäftigung gleichkommt. Doch das Geld, um diese Halbtagskraft zu bezahlen, wird niemals durch die Leser hereinkommen. Dem unbezahlten Redakteur bleibt also nichts anderes übrig, als den Zeitaufwand, den er für sein Projekt aufwendet, zu reduzieren. Will man unter diesen Bedingungen kulturelle Projekte im Internet retten, gibt es nur zwei Auswege.


    Bündelung von Ressourcen; also Kostensenkung durch Nutzung einer gemeinsamen Infrastruktur oder Konzentration auf das Wesentliche. Dass heißt in letzter Konsequenz: weniger Projekte, die von mehreren Personen in ihrer Freizeit unentgeltlich gestemmt werden.


    Staatliche Förderung.


    Die Botschaft, dass Kultur im Internet nicht zum Nulltarif zu haben ist, muss endlich dort angekommen, wo die Kulturetats verwaltet werden. Bekanntlich muss man seine Stimme sehr erheben, um in den Provinzhauptstädten und in Berlin gehört zu werden. Ein Umdenken in den Kulturbürokratien ist daher nur vorstellbar, wenn die Botschaft, angeregt durch öffentlichkeitswirksame Aktionen, auch von den klassischen Medien aufgegriffen und weitervermittelt wird.


    Offline-Woche
    Vorstellbar sind sicher viele Aktionen. Ich aber schlage eine Offline-Woche vor, an dem alle unentgeltlich arbeitenden Projektleiter, Autoren und Redakteuere in einem vernetzten Generalstreik ihr Angebot vom Netz nehmen, um gegen die Ungleichbehandlung von Offline- und Online-Kultur zu protestieren. Wenn lapidare Filmkomödien, Popfestivals, kommunale Theaterlandschaften und zahllose andere Kultur-Events mit Millionen gefördert werden, dann darf die Internetkultur nicht leer ausgehen, denn auch sie ist, wie jede Kultur ohne öffentliche Förderung nicht lebensfähig.


    Hier der entspr. Link:
    http://imail.iuveno-net.de 11580/Netzliteratur/Members/juh/Bilanz.html

  13. #38
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    13.May 2000
    Ort
    Köln
    Beiträge
    759
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Hyperfiction

    Das finde ich mal einen guten Denkansatz. Es geht halt nicht immer alles umsonst. Wir sollten alle über realistische Finanzierungsmöglichkeiten nachdenken.

  14. #39
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    5.June 2002
    Ort
    München
    Beiträge
    906
    Renommee-Modifikator
    19

    Arrow AW: Hyperfiction

    wir brauchen ein sanierungsteam, das die kuh vom eis kriegt. kriterien sind verlässlichkeit, fleiss, keine reibungsverluste durch diskussionen und profilierungsgehabe, keine bedenkenträger und ich möcht auch keine, die ständig denken, ich täte ihnen was an. wir wollen schnell fertig werden mit einem prototyp, den wir dann durch die module jagen können und dabei sehen, ob es audiohyperfiction, hyperfictiongame, filmdrehbuch, e-book oder podcastradio oder ein handyton wird.


    titel gebe ich mit "audiohyperfiction 2011, im jahr vor weltuntergang" mal so offen vor. kein zufall, daß die polyglotterie der "letzten tage der menschheit" anklingt, da wir auch verschiedensten schreibern zuhören.
    untertitel wird: "gamer & puppets". wer den film kennt, weiß, daß da scifi-mäßig echtwelt-gamer am werk sind, bei denen sich für brot und spiele ein prekariatsheer als bespielte puppets zur verfügung stellen. mind mastering.
    diese struktur scheint mir deshalb tauglich, weil wir in den texte er- und ich-erzählperspektiven haben. zumeist. ich-perspektiven können nur von gamern sein, mit er-perspektiven erzählen uns die gamer von ihren puppets.
    bei perspektivenwechseln haben wir den revoluzzer: die puppet, die sich zum gamer aufschwingt, und den gamer-maulwurf, der in die puppetwelt eindringt.


    wems zu kompliziert war, einfach nochmal langsam lesen
    ins team nehme ich außer robert, emily und mich, die schon zugesagt haben, von den bisherigen die, die ich wiederfinden kann und die, die ich mir wünsche:
    lester, uis, kassandra, raffael, klammer, jones, xray, lene, zia, ina, ofterdingen, kls - sofern sie zu akzeptanz bereit sind, auch mal auf auftrag hin zu schreiben, texte anderer beenden, ohne zu diskutieren. dafür haben sie volle freiheit in der auswahl und gestaltung der texte. wer seine selbst sprechen kann als mp3, audacity genügt, gleich bei der festen zusage mitteilen.
    gepunktet=riemsche wünsche ich mir für alle bildgestaltungen. saul und conrad für alle musik.
    ich zahle selbstverständlich auch in internetw?hrung: aufmerksamkeit. jeder im team kriegt eine ausführliche kritik für einen projektfreien text, der auch nicht hier im forum stehen muß.
    das projekt soll am 4.5.2011 spätestens abgeschlossen sein. der prototyp in einem vierteljahr, 27.8. 2010.


    jetzt gehe ich mal sichten, was im archiv dazu da ist.
    den prototyp erstellen wir aus den vorhandenen texten und den vorarbeiten.


    bitte dazu anmelden bis 4.5.2010.

  15. #40
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    5.June 2002
    Ort
    München
    Beiträge
    906
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: Hyperfiction

    http://www.dichtung-digital.de/
    ist noch als link zu hyperfiction aktuell.

    an texten finde ich nicht mehr, obwohl ich mich erinnern kann, daß da mal 2-3 ordner dazu existierten.



    für fanghände, magd, lebensuhr, lilian brauchen wir einwilligungen von it, howah, daphne, iodin. howah ist tot.
    welche rechte davon haben wir? sonst werfe ich diese texte raus und wir arbeiten nur mit den anderen. fürn proto reichen die

    wer schenkt uns hier paar texte dazu?



    es klingt jetzt vielleicht etwas paradox, ist aber nach meiner meinung die konsequenz aus dieser lektüre. man muß bewußt die dinge verstellen, um sie richtig erkennen zu können. später wird nietzsche diesen gedanke zu einer philosophie der masken ausarbeiten. aber das ist hier nur marginal. auf die frage des lesers und sein lektüre-verhalten/verfahren wird es darauf ankommen, ob wir in der lage sind mit dem phänomen hyperfiction oder dem schreiben und lesen im netz - ja jedes schreiben und lesen überhaupt - umzugehen.


    Ja, g, Schreiben ist querverbindend, d.i. epistemologisch unantastbar.
    Dein Bienenbeispiel hinkt NATURGEMÄß, denn die Bienen folgen nur ihrem Instinkt. Auch Dein Gedanke des bewußten Verstellens gefällt mir.
    Doch nun weiter: Du thematisierst den Umgang mit dem Schreiben. Darum geht es mir auch. Ich frage danach, warum das Netz(werk)schreiben rezeptionsästhetisch marginal wahrgenommen wird.

  16. #41
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    5.June 2002
    Ort
    München
    Beiträge
    906
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: Hyperfiction

    bin selbst noch dabei, mir einen überblick zu verschaffen und mich einzuleben.
    was sich bis jetzt herauskristallisiert, ist, daß ein hauptstrang an erzählung wünschenswert ist. die muß spannend sein, daß man sie auch in einem zug durchlesen kann. "markt" verspricht das weniger und so bin ich froh, den nicht zu finden.
    von der hauptschlagader aus gehen wie beim blutkreislauf zu- und abflüsse aus und zurück. ich möchte ein geschlossenes system für den prototyp. das schließt sackgassen nicht aus, die eben ihrerseits an den assoziativrändern nicht mehr weiter-aber zurückverweisen sollten. später kann es ganz offen und zur steten modulation frei bleiben (gibt dann up-dates für die gewählten medien).


    von der angabe eines strukturbaums als inhaltsverzeichnis halte ich nicht so viel, es mindert die spiel- und überraschungseffekte.


    sehr sehr hilfreich erscheint mir jetzt die datenbank als hyperebene für die bausteine. der leichteren verlinkungsmöglichkeiten wegen oder aber - falls auch weiterhin keiner mittun mag - als direkte quellbausteine. denn selbst wenn die artikel dort in stichpunkten gefasst sind, gewinnen sie gesprochen an lyrischer dimension gerade durch die pausen. wie siehst du das, robertle?


    ich bin sehr langsam beim verlinken.
    ich denke auch, daß es noch nicht notwendig ist. fürs erste reichen die assoziationsabsprünge, die unterstrichen werden.
    es wird hier auch die aufgabenverteilung klarer: wir brauchen


    1. texte, freiwillig eingereichte alte oder neu zu schreibende, und
    2. menschen, die sich sehr sorgfältig der verlinkungen annehmen.


    die schreiber haben keine schwere aufgabe. sie schreiben zum assoziationswort, verlinken auf im text vorhandene andere assoziationswörter, die sie entweder im katalog schon vorfinden, oder die sie neu zur bearbeitung vorschlagen, oder auch selbst gleich schreiben können.


    die verlinker müssen darauf achten, den baustein extra zu speichern unter eigenem namen, damit sie dann darin weitere verlinkungen vornehmen können. durch die datenbank wäre das unnötig, da jeder darauf zugreifen kann, allerdinge auch nur die berechtigten verlinken können.


    3. wir brauchen sprechproben - dann kann verteilt werden, wer welchen textbaustein einspricht.


    tja, ihr lieben, wer opfert sich für was?
    ich bitte euch herzlich um meldungen.


    keine angst! ich habe keine lust, textarbeit zu machen oder sonstwie in die bausteine hineinzuredigieren. darin ist alles frei: stil, lyrik, inhalt - denn die freie assoziation obwalte hier. auch bei den stimmen würde ich nur vorschläge machen, so daß jeder seinen lieblingstext einsprechen mag.
    pingelig wäre ich bei den verlinkungen. die müssen einfach stimmen, sonst kippt das ganze.

  17. #42
    Resurrector Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    5.643
    Blog-Einträge
    35
    Renommee-Modifikator
    28

    AW: Hyperfiction

    was wir nicht finden, ist weg. das muß dann neu geschrieben werden.

    das prinzip allerdings, meine Liebe, hast Du nicht recht verstanden. von autoren ist keine disziplin zu verlangen, das steht zudem der künstlerischen Freiheit im Wege; das Prinzip der hyperfiction besteht darin, daß man zu einem Begriff aus einem Vorgängertext eine Assoziation hat und dazu etwas schreibt, im Kurzgeschichtenformat oder in anderen literarischen Kleinformen, dann gibt man selber zwei oder drei Begriffe aus seinem text vor, zu denen andere etwas schreiben mögen; wenn die aber das nicht wollen, sondern andere Begriffe assoziativ aufgreifen, wer wollte es ihnen verwehren; wenn Du das allerdings vorhast, dann wird das hier eine Totgeburt

  18. #43
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    5.June 2002
    Ort
    München
    Beiträge
    906
    Renommee-Modifikator
    19

    organische Philosophie

    nächste woche werde ich mal die audiogenter kontaktieren.
    für das interaktive element muß es technische relais geben, die auf zuruf agieren. das bedeutet kennpunkte im text, die den zuruf als solchen verstehen. wenn wirkliche interaktivität erreicht werden soll und nicht nur die bisherige vorauswahl durch vereinzelte links, bedeutet das, wir müssen jedes sinntragewort in den texten mit text unterlegen, es also interagibel machen.


    da bietet sich die datenbank gradezu an, die zu allem meme gespeichert hat und zwar die spannendsten und überraschendsten. (bitte, aero, sag noch was, ob du mit der einbindung der wolkenstein-db einverstanden bist?)


    die technische erweiterung müsste zu fortgeschrittenem status aber auch die möglichkeit bereitstellen, daß der zurufer seine eigenen wortbausteine eingibt und so die erzählfäden weiterspinnt auf seine weise. da das nicht nur für ihn interessant ist, sondern für alle user, müßte er über die bloße eingabe hinaus - selbst oder durch eine logarithmische routine - zu einer automatischen verlinkung und einspeisung seines neuen wortbausteins in den ganzen organismus befähigt sein. im verlauf entstehen also für alle user neue überraschungseffekte durch neu aufscheinende links auch in den texten, die sie bereits gelesen haben.


    wie sich das die magdeburger vorstellen - d a s möchte ich mal wissen!


    die geschichte wird dadurch im prinzip eine unendliche, ein myzeel. das liegt voll auf der linie meiner organischen philosophie, juchu!

  19. #44
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    5.June 2002
    Ort
    München
    Beiträge
    906
    Renommee-Modifikator
    19
    bin gerade am austesten, ob sich die sprachausgabe-funktion dafür eignet, literarische texte durch vorleseprogramme sprechen zu lassen. schwierig, es gibt hauptsächlich welche für die englische sprache (jedes deutsche ch als tsch: notsch, dotsch) und die deutschen kommen klar und ohne rauschen, haben aber große betonungsschwierigkeiten (sie lesen außerdem die klammern mit: klammer zu).


    dafür habe ich jetzt vorverstanden, wie audiogent funktionieren könnte: deutsches vorleseprogramm, das sich zu tags ein- und umschalten lässt.

    sobald ich herausgefunden habe, wie ich die 2 alphabetischen datenbanken "wörter" und "textganzbausteine" gebacken kriege, verlinke ich sie bei audiohyperfiction 2011.

    kann mir da jemand helfen?

    es wird keine parallelgeführten erzählstränge aus entscheidungssituationen heraus geben. (schießt sie oder nicht? lieber leser, entscheide und lies wahlweise auf s. 374 (sie schießt) oder auf s. 815 (sie tuts nicht) weiter).
    vorläufig nicht. wenns mal als spiel konzipiert wird, dann schon.

    zunächst bleibts eine assoziations-schneekugel, in deren volumen alles auch wieder zum hauptstrang der erzählung zurückführt. für diesen muß ich eine art einleitung ins setting der gamer und der puppets schreiben, den konflikt motivieren, zuspitzen und lösen. am besten negativ trashmäßig.

    der erlkönig soll nicht übergroß werden, damit wir mit der technik experimentieren können. das ist schließlich das entscheidende am prototyp, zu wissen, was man medial daraus machen wird. dann erfolgt wieder eine rückkoppelung an die texte selbst.

    geiles projekt!
    Der Advokatus Diaboli (baal, multijunkie, partythema, zweifel, selbsterkenntnis)

    Mich gibt es nicht. Ich bin nur eine anthropomorphe Illusion. Die aber recht überzeugend. Mein Zuhause fand ich bei Ba-al, dem Multijunkie. Ich sorgte genüsslich dafür, dass dem Jungen die Birne qualmte. Noch und nöcher. Sagte irgendwer: "Oben" stellte ich meinem Gastgeben automatisch und sofort die Frage: "Wirklich? Und was ist darüber? Und auch dann, wenn wir aus einer anderen Richtung blicken?" Diese, meine wirklich berechtigten Zweifel an Allem, beschäftigten ihn so sehr, dass er den Blick für die einfachsten Wechselbeziehungen verlor. Einige Zeit hatte ich sogar Angst, mir den falschen Wirt ausgesucht zu haben, denn sein System war enorm instabil und drohte ständig zu kollabieren.

    Es gibt da das große Missverständnis im Zusammenhang mit dem angeblichen Egoismus der Gene. Gene sind nicht egoistisch, Gene müssen kooperieren um irgendwelche Wirkungen zu entfalten. Der Egoismus ist ein Mythos! Egoistische Systeme begehen Selbstmord, weil jedes System aus kooperierenden Elementen zusammengesetzt ist. Die Dialoge zwischen den Genen und der Vorschaltsequenz, den Ein-Aus-Schaltern, bestehen aus Resonanz, Umwelteinflüssen und ständigem Informationsaustausch. Gene sind Kommunikatoren. Aus molekularbiologischer Sicht ist die These vom Egoismus der Gene unhaltbar.

    Auch in der Verhaltenspsychologie ist die Theorie vom Egoismus als Triebfeder unseres Handelns widerlegt, aber sie stirbt nicht aus, weil sie einen vordergründig realitätsbezogenen Eindruck hinterlässt, kurz, weil sie fetzt und ein gutes Partythema abgibt.

    Merkt ihr was? Hier werden zwei Inhalte gleichzeitig behandelt, die kaum etwas mit einander zu tun haben, außer, dass sie genau das tun, was hier thematisiert wird. Korrelieren! Merkt er zu wenig? Merkt er zu viel? Jedenfalls scheiterte er an einem übergreifenden Gedankenkonstrukt, welches die Erkenntnisse von Philosophie, Psychologie, Glauben, und Sozialwissenschaften vereinigte, so wie Steven Hawkins bislang auf der Suche nach der Einheitsformel scheitert. Ist es schon eine Frechheit, Hawkins und Baal in einem Satz zu nennen, so scheute er auch nicht davor zurück, auf seinem Weg in die Große Verwirrung Vergleiche zwischen sich und Einstein, Jesus, Beethoven, Freud, Archimedes und anderen Geistesgrößen zu ziehen.

    Allgemeinen Egoismus wie seinerzeit Adam Smith als Triebfeder jeglichen Handelns anzunehmen, ist eine dumme, eine unvollkommene Theorie. Wenn man denn unbedingt polarisieren muss, sollte man auf altruistisches Handeln in seiner Umgebung achten.

    Ich jedenfalls sehe ständig Menschen, die sich an diesem philosophischen Spagat die mentalen Füße verrenken und die deswegen nicht mehr weiter nachfragen, wenn ihnen wer eine schnelle, einleuchtende Erklärung liefert. Bei Ba-al geht es mir inzwischen recht gut, er ist jedem Zweifel gegenüber völlig aufgeschlossen: Er ist auf die selbe permanente Art und Weise am Zweifeln, wie Berge permanent groß sind. Der Zweifel ist seine Seinsweise. Ich bin seine Seinsweise!

    Unsere Wahrnehmung steht der Erkenntnis im Weg. Bis eine sowieso schon reduzierte Information durch alle Filter der Vorurteile oder dem des gegenwärtigen Gemütszustands bei uns ankommt, hat sie längst ihr Wesen verloren. Sie hat dann eine Wertigkeit, einen Platz zwischen oben und unten, einen Bezug zu uns und unseren Ängsten und Hoffnungen. Sie ist nicht mehr neutral, sie hat eine moralische Komponente erhalten.

    Man kann sagen: Ich will ein gutes Gefühl haben, also bin ich nett. Oder man sagt: Ich will nett sein, denn das gibt mir ein gutes Gefühl. Wäre ja noch schöner, wenn man nett ist und sich dabei unwohl fühlen würde.

    Die Wahrnehmung ist selektiv. Die Interpretation ist kulturabhängig. Die Begriffe sind korrelativ, beschreiben die Beziehung zwischen zwei oder mehreren Variablen. Sie sind schwammig und teilweise dipolar, aber immer wertig. Die "Wahrheit" ist eine zwangsläufige Fehlinterpretation und nur über Ausklammerung der Aspekte möglich, welche die "Wahrheit" in Frage stellen könnten.

    Ja, wo war ich stehen geblieben. Ba-al scheiterte auf dem Weg der Selbsterkenntnis. Das zumindest hat er inzwischen erkannt. Er kann zwar die Motive der anderen durchschauen, ihre Gedanken erahnen, sich zu nutze machen, aber sich selbst durchschaut er nie. In seinem Kopf geht es zu wie beim berühmten Wettlauf zwischen Hase und Igel. Immer wenn er zu einem Ergebnis gelangt, bin ich, der Zweifel, seine Seinsweise schon da.

  20. #45
    kls
    Status: ungeklärt

    Audiegent und WDP

    Verstehe ich nicht. Die fetten Wörter sind mit einer Menge Nichts verknüpft und Du hast kls durch Ba-al ersetzt. Dem kls hätte ich sowieso irgendwann einen anderen Namen gegeben. Hm. Vermutlich hat das mit der Verknüpfung nicht geklappt aber ich habe das Prinzip verstanden. Braucht es Administratorenrechte um Verknüpfungen zu erstellen und gegebenenfalls einen Artikel anzulegen? Ich benutze häufig Fremdworte um bei unbedarften Lesern Eindruck zu schinden. Manchmal erkläre ich diese sogar, aber selbst Aero fragte mich einmal, was denn "Korrelativ" bedeute. Du solltest es noch mal versuchen.


    Die behutsame Glättung hat dem Text gut getan. Aber leisten könnte ich mir keinen, der das ständig tut.

    Bis eine sowieso schon reduzierte Information durch alle Filter der Vorurteile oder dem des gegenwärtigen Gemütszustands bei uns ankommt, hat sie längst ihr Wesen verloren. ist kein Satz!


    Wenn Du es nochmal versuchst, nimm bitte den aktuellen Text. An dem hatte ich selbser auch schon Änderungen vorgenommen. Das lasse ich ab jetzt. O.K.?

  21. #46
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    5.June 2002
    Ort
    München
    Beiträge
    906
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: Hyperfiction

    die echten verlinkungen finden sich erstmal nur im hauptstrang im audiohyperfiction nachbarordner, guckstu? :) dort findest du im Baal-link die verweisung auf diesen text.
    dort findest du auch setting und inhalt und sozusagen deine rolle des Baal


    die verlinkungen in untergeordneten textbausteinen mache ich vorläufig nicht, sondern unterstreiche nur.


    da mir die beiden datenbanken fehlen und ich dazu keine hilfe habe, mu? das vorerst gen?gen, da? ich sie nur markiere. (im allgemeinen. deine drei verlinkungen von hier oben mach ich schon noch, sobald ich die texte redigiert habe )


    je größer die textmengen werden, umso weniger kann ich sie hier in diesen ordner einstellen. ich will aber nicht das ganze forum damit füllen und laufend neue ordner aufmachen.


    ich mache hier die koordination, aber nicht das ganze projekt alleine.


    die texte in potenzierter menge geordnet zu halten, war wohl das problem, an welchem bereits der erste anlauf howahs scheiterte. ohne hilfe muß auch ich daran scheitern und jeder andere auch. mit hilfe (achtpanther, weltin, forentechniker???) wärs kein ding.


    vielleicht entschließe ich mich aber auch zum kontrollverlust und verlinke, wie es grad so kommt - zufall ist ja ein geiler mitspieler auch! und wieso sollte man immer den überblick behalten müssen, hm?


    was ich mit meinen mitteln leisten kann, ist ein prototyp eines anfangs von etwas
    genug, um die magdeburger audiogent forschungen konkret anzuwenden




    kein satz? wird ein audiobuch, wer spricht schon in ganzen sätzen? "kicher"
    im ernst: klammern in texten können nicht vorgelesen werden. hyperaudio muß alle klammern auflösen. ich habe aber wie gesagt nicht die zeit, mich jetzt auch noch um einzelne sätze zu kümmern oder drum zu streiten.


    let it flow, let it flow....

    wille nur dein wollen!


    solange du einverstanden bist, daß einige deiner texte in irgendeiner ihrer fassungen hier verlinkt werden dürfen, bin ich glücklich!


    im übrigen verbessere sie nur weiter nach deinem gusto oder auch nicht, das ist ja vom projekt unabhängig. verzeih mir aber, wenn ich diese änderungen nicht auch noch verfolgen kann. es wäre ja einfach, nur auf die forentexte zu verlinken, aber ich kann als susanna nicht in kls-ordnern weiterverweise anbringen. deshalb muß ich texte zum status quo hierherkopieren, wofür ich die einwilligung der autoren brauche.


    sollte es dich aber rühren, daß hier ein menschlein versucht, mit einem löffelchen das meer auszuschöpfen, oder auch ein häkelmädchen um die verlorenen und fallengelassenen maschen kämpft, so könntest du eine nadel nehmen und auf meiner schulter schnurrend immer sch?n den faden durch die schlinge ziehen

  22. #47
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    5.June 2002
    Ort
    München
    Beiträge
    906
    Renommee-Modifikator
    19

    Post it: Lilian (eva, lilith, mutter, adam, koffer)

    Lillian
    = Hüften


    Chicago, 1953




    Das Erbrechen kam schnell und ließ sie bleich und verschwitzt auf den grünlichen Kacheln des Badezimmers zurück.
    Sie lehnte ihre Stirn gegen das weiße Porzellan und fühlte, wie die Kälte durch ihre Schienbeine kroch. Ausgestülpt.
    Es war keine Überraschung gewesen. Nur die banale Brutalität einer gelblich-braun verschmierten Binde am Fußende ihres Bettes. Seines Bettes.
    Sie ging die Treppe hinunter mit der Behutsamkeit eines langjährigen Trinkers. Setzte sich auf die Couch, ohne sich die Mühe zu machen, das Licht anzuschalten. Jeden optischen Eindruck hätte sie als unwillkommene Ablenkung empfunden. Dann saß sie still und starrte in den dunklen Raum.
    In ihrem Kopf waren keine Gedanken, eher ein tiefer, lang anhaltender Ton. Ihr Puls war flach und schnell, sie hatte ihn gefühlt, ohne sich dessen bewußt zu sein. Kalter Schweiß, die Haut wird blaß sein und die Lippen bläulich. Schock, dachte sie, ich befinde mich im Schock. Die Reaktion meiner Pupillen ist verlangsamt.
    Aber sie hatte nicht die Energie, aufzustehen und einen Spiegel zu suchen, um sich Gewißheit zu verschaffen. Ich sollte die Beine hochlegen, es ist kein schlechter Tod, dachte sie, noch ist mir nicht kalt, aber meine Augen brennen. Warum auch nicht.
    Das Schluchzen kam erst später, Tränen nie.


    "Wer ist sie?" Nur sein Atmen verriet ihr, daß die Verbindung noch stand. So lang war sein Schweigen.
    Wie eine Ratte im Institut, dachte er, ausgebreitet auf weißem Marmor. Die gleiche Stimme.
    "Eva Liebknecht." Seine Worte hatten keinen Klang.
    Sie brauchte einen Augenblick, um sich das passende Gesicht ins Gedächtnis zu rufen. "Viertes Semester, Biologie und Chemie? Der Calvin-Zyklus?"
    "Sie ist schwanger, Lilli." Draußen fuhr ein Auto vorbei. Sie konnte die Musik in seinem Radio hören, Bess, you is my woman now. Gershwin. Ich werde nie wieder Gershwin hören, ohne daran zu denken, dachte sie. Ich habe Gershwin geliebt.
    "Es tut mir leid."


    Es waren ihre Hände, nicht der Schmerz. Die Hände, die so unkontrollierbar zitterten, ich habe das bei Parkinson-Patienten im Endstadium gesehen, dachte sie, mein Gott, so fühlt es sich an. Wer zwingt ihnen diesen Willen auf. Ich habe sie seziert und es nicht begriffen.
    Das Wimmern. Bin das ich? Ich löse mich auf.
    Sie hielt die Hände unter den Achseln versteckt, wiegend.




    Ich werde nicht Nichts sein. Nicht für ein paar breitere Hüften. Ich werde diesen Geist nicht zersetzen lassen durch junges Fleisch.


    Als das Zittern vorüber war, ersetzte sie die Stille durch Brahms. Symphonie N0. 1 c-moll op.68.
    "Du bist der Beweis, daß man sein Leben denken kann", hatte er gesagt.
    Aber heißt Denken weniger Fühlen, Eve mit a? Kannst Du in Deinem trächtigen Glück verstehen, was diese Musik Dir sagen will? Wenn Du noch nicht mal den Calvin-Zyklus begreifst? Kannst Du es?
    Diesen Mut, einen solchen Anfang zu wagen, der keine Steigerung kennt.
    Diese poetische Wucht.
    Du wirst diese Musik nie wieder hören, Adam, dachte sie. Du hast sie nie begriffen. Ersetze sie. Ersetze sie durch Gute-Nacht-Lieder. Gib sie hin für einen feuchten Glanz in ihren Augen und sieh zu, wie Du glücklich wirst.
    Glaubst Du wirklich, Du würdest Dich nicht langweilen zwischen ihren Schenkeln, wenn die erste Geilheit sich legt?
    Wie klein Du bist. Sie lachte, den Kopf zu weit in den Nacken gelegt.
    Auch ihren Blick hätte sie diagnostizieren können: bipolare affektive Störung.
    Ein manischer Schub.
    Jetzt, da er von ihrem eigenen Körper Besitz ergriffen hatte, hätte sie ihm andere Namen geben können, ältere.




    Dann ging sie nach oben, um ihren Koffer zu packen. Ihre Schritte fühlten sich steif und ungelenk an, als laufe sie auf trügerischem Grund. Sogar die einfachsten Dinge hatten ihre Selbstverständlichkeit verloren. Eine Implosion, dachte sie, die Zerstörung nach innen gerichtet.
    Mit welchem Recht.
    Ich bin allein im Haus Deiner Mutter. Alles, was Dich hält auf der Welt, außer Deinem Atem und einem Job, dessen Höhepunkt Du überschritten hast, alles ist hier. Deine Photos als Staffelsieger im Einer-Kanu. Deine Urkunden. Die gebürsteten Chinzkissen. Du hast diese Streifen geliebt, wenn Edna sie frisch gebürstet hatte, nicht ich. Dich vorsichtig auf den anderen Sessel gesetzt und die Kissen angesehen. Das war Deine Sicherheit. Sie riechen nach Deinen Zigarren und Staub.
    Sie sind so schutzlos, wie ich es war.
    Ich könnte sie Dir nehmen. Aber ich lasse Dir ihren Verfall. Soll das Baby darauf kotzen.


    Der Koffer, den sie nach unten trug, war leer.
    Nicht Menschen, nicht Dinge.

  23. #48
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    5.June 2002
    Ort
    München
    Beiträge
    906
    Renommee-Modifikator
    19

    Post AW: Hyperfiction

    die grafik und eine verlinkung auf das absprungwort. aber offenbar kann man das gar nicht, dies auf sein ausgangswort zurückverlinken. es geht wohl immer nur auf die ganze datei, also den ganzen text.
    den aber doppelt lesen zu müssen wäre ermüdend. also lasse ich doch den zurück-button weg - es sei denn die entwicklung schreitet auch in diesem sinne voran


    hoffentlich habe ich in den nächsten tagen mehr zeit. kls texte sind redigiert - robert wird über audiogent berichten - wir liegen total gut in der zeit

  24. #49
    Kurzvormabschussiger
    Registriert seit
    1.April 2005
    Beiträge
    6
    Renommee-Modifikator
    0

    Post Mutter

    Ach Mutter




    Ganz tief in mir ist längst schon Nacht,
    dein Herz erheitert mich nicht mehr.
    Mein Leben ist so unvollbracht,
    es klingt so trostlos, klingt so schwer.


    Sei doch nicht bös mit deinem Sohn,
    er wartete ein Leben lang.
    Dein Kuss schmeckt bitterer als Hohn,
    der einst in meine Venen drang.


    Nun sterb ich ohne Nabelband,
    weil deine Hand mich nie berührt.
    Ein Name nur, der uns verband
    war einzig das, was ich gespürt


    So lass mich gehen, auch im Schmerz,
    weil mir der Schmerz so gut bekannt.
    Ich suche mir ein fremdes Herz,
    weil ich zu Hause keines fand.

  25. #50
    Kurzvormabschussiger
    Registriert seit
    19.April 2000
    Ort
    Fürth
    Beiträge
    63
    Renommee-Modifikator
    0

    Post Mutter

    A: "wir forschen und forschen bis an den anfang mächtiger lichtstrahlungen woher wir kommen was aus uns wird kann es sein vielleicht sein dass wir einfach nur krümel sind auf einer mächtigen kruste kleine lustige ausstülpungen vollkommen sinnlos nur spielerisches formenspiel des ewigen kreislaufs der also ich finde es witzig so durchs gedachte fernrohr gesehen"


    (platzhalter:2,3)~


    B: "noch vergessen: spielerisches Spiel wolltest du ja erklärt haben. also die doppelung? erstens: kann doch mal passieren. zweitens, ich suche krampfhaft nach einem ausweg, warte, ich habs gleich, ja, also: Formenspiel entsprechend FormenVariationen. spielerisch: spielend damit spielen. hi, hi.
    übrigens: selber Erguss.
    erwartungsfüllend"


    C: "Als Kind schaut man auf zur Nasenspitze der Großen, wie sie da oben durch die Luft lustwandeln. Alle Rechte liegen bei ihnen, und manchmal beugt sich die Nase der Mutter herab, und man darf sie küssen. Die Nasenspitze des Vaters wedelt nur. Nein, nein. Dann ein Krach in der Nacht. Und Vater und Mutter stehen sich wie Kampfhähne einander gegenüber. Die große Schwester wird von der Mutter geschützt. Sie ist schon flügge. Der Vater hat eine Kaffeetasse in der Hand. Er wirft. Er ist angetrunken. Später gibt es nur noch die Mutter, und ein dunkles, dunkles Haus. Ein blasses Kind geht ein und aus. Dann die Pubertät. Ohne Hilfe. Hilfe, ich gehe unter. Sehnsüchte. Rückzug. Ein Gang durchs Leben. Dann das Alter. Bäume, die blühen, Käfer, die glänzen. Ach, das Leben."


    D: "ohne registrierkarte. aber vorhanden!
    Alles ist schon in uns. Vergangenheit. Zukunft. Ein schwingender, kribbelnder Zustand, dies zu fühlen. Manche Bilder brechen hervor. Andere sagen gar nichts. Ich sehe den roten Baron hoch in den Lüften. Die Türen der Häuser in jener italienischen Gasse bleiben mir verschlossen. Malerisch, aber verschlossen. Es ist in mir, aber zu vielem kann ich nicht vordringen. Nur ein Zustand. Trotzdem schaue ich in die Augen der Menschen. Auch in die der Katzen. Kann ich etwas bewirken? Ich glaube nicht. Wahrscheinlich folge ich nur meinen vorgegebenen Impulsen. Die ich zeitweilig vergesse."

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •