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Thema: Hyperfiction

  1. #1
    kls
    Laufkundschaft

    Post Hyperfiction

    Wenn die Netzliteratur am Ende ist, kann die Mailingliste Netzliteratur bloß noch historische oder nostalgische Diskussionen führen. Sie kann sich aber auch als ökonomische Interessensvertretung der Netzliteraten verstehen und versuchen, den bestehenden Projekten realistische Existenzchancen zu verschaffen.

    Natürlich ist es schöner über die Metaphysik des Hyperlinks zu diskutieren, aber die wahren Schlachten werden woanders geschlagen. Es ist an der Zeit, dass die Netzliteraturszene in Deutschland anfängt, personelle und technische Ressourcen zu bündeln und ein professionelles Fundraising zu betreiben.


    Kultur im Internet ist nicht zum Nulltarif zu haben. Ein Markt für Kultur existiert aber im Internet ebensowenig wie außerhalb. Die Kostenlos-Kultur im Internet hat die grundsätzliche menschliche Erfahrung, dass Kultur ein Luxus ist, den keiner bezahlen kann, zeitweise verdrängt. Nun, da einige Internetprojekte, wie z.B. Dichtung Digital Teile ihres Angebots kostenpflichtig machen, gelangt diese Erkenntnis langsam wieder ins Bewusstsein. Kultur ist nie kostendeckend und auf dem Unterhaltungsmarkt niemals konkurrenzfähig. Das bedeutet nichts anderes, als dass Dichtung Digital mit seinem Versuch, durch ein kostenpflichtiges Archiv kostendeckend zu arbeiten, scheitern wird. Die Zahl derjenigen, die bereit sind, zu zahlen, wird immer zu niedrig sein.


    Die Schere geht immer weiter auseinander: Gute Kulturprojekte im Internet sind nur durch einen Arbeitsaufwand zu realisieren, der mindestens einer Teilzeitbeschäftigung gleichkommt. Doch das Geld, um diese Halbtagskraft zu bezahlen, wird niemals durch die Leser hereinkommen. Dem unbezahlten Redakteur bleibt also nichts anderes übrig, als den Zeitaufwand, den er für sein Projekt aufwendet, zu reduzieren. Will man unter diesen Bedingungen kulturelle Projekte im Internet retten, gibt es nur zwei Auswege.


    Bündelung von Ressourcen; also Kostensenkung durch Nutzung einer gemeinsamen Infrastruktur oder Konzentration auf das Wesentliche. Dass heißt in letzter Konsequenz: weniger Projekte, die von mehreren Personen in ihrer Freizeit unentgeltlich gestemmt werden.


    Staatliche Förderung.


    Die Botschaft, dass Kultur im Internet nicht zum Nulltarif zu haben ist, muss endlich dort angekommen, wo die Kulturetats verwaltet werden. Bekanntlich muss man seine Stimme sehr erheben, um in den Provinzhauptstädten und in Berlin gehört zu werden. Ein Umdenken in den Kulturbürokratien ist daher nur vorstellbar, wenn die Botschaft, angeregt durch öffentlichkeitswirksame Aktionen, auch von den klassischen Medien aufgegriffen und weitervermittelt wird.


    Offline-Woche
    Vorstellbar sind sicher viele Aktionen. Ich aber schlage eine Offline-Woche vor, an dem alle unentgeltlich arbeitenden Projektleiter, Autoren und Redakteuere in einem vernetzten Generalstreik ihr Angebot vom Netz nehmen, um gegen die Ungleichbehandlung von Offline- und Online-Kultur zu protestieren. Wenn lapidare Filmkomödien, Popfestivals, kommunale Theaterlandschaften und zahllose andere Kultur-Events mit Millionen gefördert werden, dann darf die Internetkultur nicht leer ausgehen, denn auch sie ist, wie jede Kultur ohne öffentliche Förderung nicht lebensfähig.


    Hier der entspr. Link:
    http://imail.iuveno-net.de 11580/Netzliteratur/Members/juh/Bilanz.html

  2. #2
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    AW: Hyperfiction

    Das finde ich mal einen guten Denkansatz. Es geht halt nicht immer alles umsonst. Wir sollten alle über realistische Finanzierungsmöglichkeiten nachdenken.

  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Hyperfiction

    Ist hanebüchener Unfug, Karlchen. Bündelung von Ressourcen in einem genuin künstlerischen Prozeß ist vielleicht für Malen nach Zahlen oder Kampfaufführungen der Werktätigen zum 1. Mai angemessen, nicht aber für den stets bemühten Einzelkämpfer im stillen Kämmerlein. Und machen wir uns nichts vor, die allermeisten (literarischen) Werke sind keineswegs das Produkt von Kollektiven. Falls eine Bündelung der Kräfte im administrativen Bereich gemeint sein sollte, so muß ich auch für diesen Bereich widersprechen. Hier gilt eher das Maß der Vielen als das Unisono im mafiösen Kulturbetrieb.

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