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Thema: Auf "halber Etage"

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Post Auf "halber Etage"

    Patina, nach Deinen traurigen Familiennachrichten und dem "Nachruf" kamen auch mir die Großmuttererinnerungen in den Kopf, die damals (schmerz)frisch notiert wurden und bis heute über die Erinnerungsform nicht hinausgekommen sind. Angeregt durch eine Sequenz Deines Nachruf habe ich einen kleinen Text bearbeitet, wollte ihn aber nicht in Deinen Ordner legen.


    Auf "halber Etage"

    Die Wohnungstür bremsen, dass sie nicht ins Schloss fällt ... Man möchte sich später vielleicht sehr schnell, ohne Türklingeldrehen und Warten auf Großmutter, in die sichere Wohnung retten. Die flachen, ausgetretenen Holzstufen treppab springen, auf halber Etage zwischen Laden und Wohnungen liegen die Klos, drei enge Kabinen nebeneinander, ein Plumpsklo für jede Familie. Den schweren Holzdeckel am runden Knauf vom Loch wuchten, trotz dieser Anstrengung nur ganz flach einatmen. Es riecht. Im Sommer steht der Gestank schwer und dicht wie ein Plumeau um die Nase. Durch das geöffnete kleine Fenster hoch oben schwirren Fliegen ein. Manchmal hält sich das Kind den Jackenärmel vor das Einatmen, aber immer ist da die Angst vor dem schwarzen Loch. Es ist schwer, auf einen Arm gestützt die Balance auf der Holzbank zu halten. Der Ausschnitt im Holz ist Kutscherhinterteil groß und man muss weit vorn sitzen, um nicht Steiß voran abzukippen in den Höllenschlund. Im Winter ziehen eisige Winde über nackte Haut und treiben zur Eile. Schnell das Papier abreißen, das in quadratisch geschnittenen Stücken, auf einen Bindfaden gezogen an einem Nagel hängt. Manchmal darf das Kind g e g e n den "Messer-Gabel-Schere-Licht"-Vers mit dem Messer hantieren, um Abwischpapier herzustellen. Es faltet Zeitungsbogen, streift mehrmals mit Druck den Daumennagel über den Knick, damit er schön scharf wird, hält dann mit der linken Hand den oben und unten liegenden Zeitungsteil aufeinander fest und fährt mit dem Messer in der Rechten in den geschlossenen Falz hinein. Flach wird jetzt die Schneide mit kleinen sägenden Bewegungen hindurchgezogen, bis das Papier in zwei Teile zerschnitten liegt. Es dauert eine Weile, bis die Blätter beim handtellerdeckenden Format angekommen sind. - Immer nur e i n Blatt verwenden, man befolgt Großmutters Anweisung für das Plumpsklo, obwohl es nicht vorstellbar scheint, dass dies unersättliche Loch jemals sich füllen und verstopfen könnte. Im dunklen feuchten Innenhof des Hauses mündet das an der Wand laufende dicke Rohr im Boden. Jeden Winter einmal friert es zu. Dann muss der Klempner mit dem Schweißzeug kommen und es aufheizen. Es stinkt. Und Großmutter hat Sorge, dass bei der Prozedur das Rohr bricht und sich die ganze "Chose" (eins der französischen Großmutterworte, das im Kopf des Kindes in fröhlicher Gemeinschaft lebt mit Chaiselongue, Trottoire, Bouillon, Coupe, Couvert) in den Hof ergießt. - Nachts ist das Kind von Mutproben befreit, muss nicht außer Atem die Treppen zurück in die Wohnung rennen, weil es sich vom schwarzen Schlund verfolgt fühlt. Liebesgabe für die Nacht ist nicht nur die Gutenachtgeschichte und im Winter die Wärmflasche unter der Decke, das Bonbon auf dem Kopfkissen, eine kleine orange Apfelsinenscheibe, sondern vor allem der von der Großmutter unters Bett geschobene weiße Porzellantopf.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Auf "halber Etage"

    Ich mag diese Distanz nicht. Erzähl mir bloß nicht, Du würdest sonst den Schmerz nicht aushalten!! Vergiß die Befindlichkeit, stell Dich dem Schmerz! Weg mit der Distanz!


    Die einleitenden Sätze erinnern nicht, sie peitschen Ungetragenes vor sich her. Vage Worte zudem (schwarzes Loch, Abwischpapier herstellen, unersättliches Loch, fröhliche Gemeinschaft), um dann doch recht präzise und beinahe kaltsinnig zu beschreiben.


    Das hängt alles ein bißchen, ist nicht Fisch, Fleisch schon gar nicht.

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Auf "halber Etage"

    Hallo Tux,
    an Patinas Lokus war ich auch mithängengeblieben. Bei uns war es an der frischen Luft, was natürlich auch den Hintern gefror. Und dieses Papier, igitt, wie glitschig waren doch die Illustrierten.
    Am liebsten las ich dort in Ruhe die Geschichten von Tick, Trick und Truck und dem geizigen Ongel Dagobert - Micky Mouse.


    Robert hat recht: Deine Geschichte lebt nicht. Und die Schmerzen einer Verstopfung hattest Du nicht geschildert, grins.
    Ich habe einmal geschrieben "Milch holen" und hatte die Person als 5jährige dargestellt. Für wessen Hintern ist denn die Öffnung ein großes Loch? Aus der Zeit stammt wohl auch der Witz, dass Mist und nicht Sahne auf die Erdbeeren kommt. Alle Monate musste das Becken entleert werden und wurde eben auf die Beete ausgebracht. Eimerweise.
    Im Winter fror das Becken mit Urin und Kot natürlich zu. Was den Vorteil hatte, das Fliegen sich lieber in der Küche aufhielten.


    Da fällt mir noch ein zu Deinem Text: Am Ende zählst Du auf, was noch so war. Das hat mit dem Lokus nichts mehr zu tun. Auch die Aufzählung der Worte, Chaiselonge usw. stören nur, obwohl, ich nehm die Geschichte gerade deshalb einmal mit. Hatte auch so eine Grossmutter die obwohl aus Sachsen, durchaus diese Worte verwandte.


    Gruss Schreiblaune
    die heute wieder ein stabileres Gemüt hat.

  4. #4
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    AW: Auf "halber Etage"

    Hallo Tux,
    schön, daß du an mich dachtest.
    Aus dem Text läßt sich was machen. Ich würde ihn in Ich-Form schreiben. Das nimmt ihm die Distanz. Ich weiß auch nicht, wie in meinen Text dieses Klo kam. Aber irgendwie erschien mir das in Stücken geschnittene Zeitungspapier wichtig. Du hast das ja auch erwähnt. Mit Plumpsklo konnte ich leider nicht dienen. Das stell ich mir schon ziemlich abenteuerlich vor, auf so einem Donnerbalken zu sitzen. Kennst du diesen Ausdruck, Donnerbalken? Oder ist das typisch schwäbisch? Meine Oma hatte auch so eingedeutschte französische Worte zu bieten. Sie sagte Karasch für Garage oder Trottoir für Gehweg. Aber am besten waren die schwäbischen. Ebira für Kartoffeln oder Gselz für Marmelade.


    Donnerbalkengrüße von Patina

  5. #5
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    AW: Auf "halber Etage"

    Und der böse Wolf sprach. "Aber Großmutter, warum hast Du so traurige Augen?"
    Und die Großmutter mit schweren, schwarzen Schatten unter den Augen antwortete. "Weil ich mein ganzes Leben lang nur Tiefsinn gelesen. Friß mich, lieber Wolf, und Ruh ist im Puff!"
    Der böse Wolf verfuhr nach Großmutters Wunsch, tanzte darauf mit Rotkäppchen Lammbada, und beide sangen freudig laut: "Im Puff ist Ruh, die Nutten schlafen, kein blond gelockter Jüngling betritt mehr den Salon. Die Puffmutter kratzt sich am...


    Ach waren das Zeiten, als hier im Forum...NUR DIE PHANTASIE KANN UNS NOCH RETTEN!!!!!

  6. #6
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Auf "halber Etage"

    Ich fand den Text schön bildhaft und gut geschrieben, aber dieses "das Kind" und "man" klingt geradezu krankhaft. Als wolle sich der Erzähler etwas, was unzweifelhaft zu seiner eigenen Erlebniswelt gehört, mit aller Gewalt vom Leib halten.
    Vielleicht ein gutes Stilmittel, wenn es um die Schilderung vom wirklich Entsetzlichem geht, doch beim Thema Plumpsklo nicht das Wahre, finde ich.

  7. #7
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    AW: Auf "halber Etage"

    hm, hat Tux ein Geheimnis?
    Hat er gar seine Grossmutter in das tiefe tiefe Loch gestossen?
    Oder ist das klein Tux, noch mit Windeln um, der sich eingeschlossen hat und bitterliche Tränen weint, weil Grossmama ihn da sitzen ließ und plärrte, weil, sie hat ja immer gesagt: Drehe nie den Schlüssel um..


    Tux , sag doch mal, was Dir wehtat, als du die Geschichte schriebst? Steht das gar nicht im Text?


    Gruss Schreiblaune

  8. #8
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Auf "halber Etage"

    Phantasie ... Na dann aber: tanze Dein Wolf, bitte, mit der Großmutter oder die Großmutter tanze ... Naja, obwohl alte Frauen mit jungen Männern - das Modell ist ja auch schon über Phantasie und bloßes Wunschstadium heraus!
    - Danke für Lesen und Kommentieren. Robert, Patina - mir (also: für mein Schreiben) scheint der Weg in die beobachtende Distanz bei autobiografischen Texten eher eine Kunst zu sein, das Barocke (Schmerz? Lust?) will sich doch sowieso immer rosagold in den Vordergrund spielen ... Aber, ich will ja was arbeiten. Demnächst, mit Zeit, werde ich eine Ich-Version starten.

    Robert, warum darf in einem Erinnerungstext nicht ein "Einpeitschersatz" stehen? Bisschen Neugier erzeugen! Und ich will ja vielleicht gar nicht alles dem Leser offerieren, möge er doch Bilder dazu entwickeln. Das ist doch legitim. Wenn ich es mir recht überlege, genieße ich es, dass Du den Einstieg als "einpeitschend" empfindest! - Oder meinst Du, dass er einen Bruch (nicht Fisch, nicht Fleisch, sagst Du) darstellt? Uneinheitlichkeit?
    "Vergiß die Befindlichkeit, stell Dich dem Schmerz!" Diese Aufforderung kapier ich nicht! Wie soll denn Schmerz, wie sollen Gefühle funktionieren ohne "Befindlichkeits"schilderung? - Oder meintest Du damit sowas wie "vergiss dein wertes Befinden, stell dich nicht an ..." = sei kein Mimosenblättchen oder so??? Erklär mal, bitte.

    sl, stimmt. Ich habe mich nicht entschieden, der Text geht um Plumpsklo u n d Gro?mutter. Gehört auch unlösbar zusammen *g*. - Was tun? Darf unter "auf halber Etage" nur Lokus drin sein, stilistisch? Stören zwei Topics? (huch, ist das jetzt die richtige Bezeichnung?) Kommt es zu willkürlich? Müsste die Großmutter noch früher (sie kommt ja mit dem Öffnen der Wohnungstür in den Text) eingeführt werden?
    Und das Französische - ja, die Franzosenherrschaft hat sich halt lang in die deutsche (auch Großmutter-) Sprache eingenistet. (virtueller Gruß von Weimarer Vorfahren an sächsische!)- Sind sie störend, solche kleinen Abschweifungen, die hier ja Großmutter und Kind verbinden, quasi einen für das Kind (skurril-)liebenswerten Zug darstellen - außer dem Betthupferl und dem schneeweißhygienischgeruchsfreien Nachttopf ohne Mutprobe? Vielleicht ist der Text ja zu kurz, um noch einen solchen Einschub zu verkraften? - Illustriertenpapier? Nö, war Zeitung bei mir, zum Lesen war ich zu klein. Dachte, das "Kind" käme klar raus ... - und damit brauchte es keine nähere Schilderung, dass die Öffnung für das kindliche Hinterteil sehr groß geschnitten war. Gab's bei Euch etwa *rätsel* "Zweisitzer? Papagröße und Kindersitz???
    Kann man ja länger drüber reden, als ich dachte. Einen Essay draus machen? Mit den Burgen beginnen, die kein Rohr-Gefrier-und-Platz-Problem hatten, weil alles direkt aus dem Erker zur Erde fiel ...

    Tux, besonderen Gruß an Patina, denk an Dich morgen, wenn Dir sicher noch vieles einfallen wird zu Nachruf, Würdigung, M e n s c h !

    Huch, also nein, wirklich Entsetzliches hab ich nicht erlebt auf dem ... Klo, ja, Klo war das Wort, vielleicht auch noch ... Abort?? Es gab keine Loch-Nessie ..., auch keinen Missbrauch am Ort des Schattens. Aber nur weil "Plumpsklo" an und f?r sich schon zum Lachen reizt und Diskussionen belebt (;-), wollte ich noch lange nicht und erst recht keine Glosse draus machen, ich fand es im Gegenteil recht schwierig, nichts ins L?cherliche abgleiten zu lassen.


    [Diese Nachricht wurde von Tux am 13. Mai 2002 editiert.]

  9. #9
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Auf "halber Etage"

    tux, muss mich mal als lehrtante aufspielen,
    da du es offensichtlich nicht ganz kapierst was wir dir hier sagen wollten




    Kurzgeschichte ist:
    1.Wasser
    2.man springt hinein
    3.die Kreisel drehen sich
    4. man säuft ab oder schwimmt
    5. steigt wieder ans Ufer


    so ungefähr müsste der Aufbau deiner Klo-Geschichte sein. Am deutlichsten ist mir die Etage, und der Ort an sich in Erinnerung.
    Von der Großmutter habe ich man grad behalten, dass sie sich französischer Wörter bedient.
    In welchem Verhältnis Kind sich zu Großmutter bewegt, wird nicht ganz deutlich. Umgekehrt auch nicht.
    Kind ist ein Erwachsener, der nicht fisch nicht fleisch ist, wie hier schon jemand sagte. Ist auch nicht einfach Kind als Kind im nachhinein darzustellen.
    Und Ich kann man immer schreiben, auch wenn es nicht das eigene ICH ist. Oder WIR, weil es ja auch von der Beziehung zur Grossmutter handeln soll. ABER: NICHT sämtliche Vorkommnisse schildern, sondern nur EINES, was die Beziehung zwischen ihnen besonders hervorhebt, einmalig ist.


    wenn es ein Roman werden soll, kann man ja den Leser etwas anfüttern, damit er hungrig wird, dann würde man von den Fischen im Wasser berichten, von dem Dreck, und was man alles schluckt, auch würde man nicht wieder auftauchen, sondern erstmal zum himalaya schwimmen, um sich dort an der Sonne trocknen zu lassen, bevor man wieder dort auftaucht, wo man hineingesprungen ist.


    Alles klar?
    Herzlichst Schreiblaune

  10. #10
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Auf "halber Etage"

    Oh-oh Schreiblaune,
    einesteils und andererseits!
    Einesteils hab ich wirklich nicht jeden Einwand, jede Aufforderung verstanden, insofern um weitere Erklärung gebeten. So weit so gut und: danke.
    Andererseits ... ist mir ... ach, kein Bock, lang zu erklären, aber richtig gut rutscht der Lehrtanteneinstieg mir nicht runter. "Da Du es o f f e n s i c h t l i c h nicht ganz kapierst! Du-du!" - So ein renitentes Kind aber auch!
    Einesteils, man dankt (Zefira, krankhaft? Schon wieder "man"! - Nein, Stilmittel, ich schwör's!) für Kurzgeschichtenschema.
    Andernteils: Ach so witzig ...
    Nur, bitteschön, wer sagt denn, dass der Text das Genre Kurzgeschichte bedienen m u s s ? - Gibt es nichts rechts und links des Wegs?


    Wiederum aber: Die dann folgenden einzelnen Einwände, ja, damit kann ich was anfangen. Ich sehe, was "ankommt" und kann mit meiner Intention vergleichen. - Also z. B.: zu wenig Großmutter.
    Klar, war ja nur eine Sequenz, die ich aus vielen rausgepickt hatte (die alle Großmutter pur enthalten, nicht aber das Kind). Ich verstehe: Das kann in dieser Gewichtung als Erzählung nicht für sich stehen, es muss mehr rein. - Oder umgekehrt: die Großmutter raus und zur reinen Kind-Klo-Geschichte werden.
    - Und natürlich weiß ich, dass ich den Protagonisten (sogar einen Nebenspieler) in die erste Person setzen kann. Tschuldige, das hört sich ja nun wirklich nach Belehrtante für ganz Dumme an. Also, mmmh, das Alphabet beherrsche ich schon leidlich
    Es ist spät, ich werd kratzbürstig. Zeit fürs Bett.
    Danke schön, wirklich und ehrlich, für die Beschäftigung mit dem Text und die Hilfestellungen!


    Gute Nacht!
    Tux

  11. #11
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Auf "halber Etage"

    Das ist nur ein scheinbarer Widerspruch, Tux. BEFINDLICHKEIT ist widerlich, weil sie oberflächlich tangiert und ausspricht, verwortet, was keine Oberfläche verträgt. Ich befinde mich in Sachen Liebe, Tod, Erwartung, Hoffnung... unterwegs. Ich tippe an, schau auf die Faxen, amüsiere mich, bin betroffen, bin betrübt, bin artikuliert, drehe mich um 87,66°, um dann an einem Baum pinkelnd einzuschlafen.
    Hast Du ein Thema, dann vertierst Du, wenn Du es oberflächlich behandelst.
    Und jetzt zu Deiner Königsfrage: Wie entsteht Oberflächlichkeit? (Manchmal ganz unbewußt, aber deshalb ist sie dann nicht minder verwerflich.) Sie entsteht durch unklare Begriffe, durch formlosen Aufbau, durch ineffizientes kursorisches Schreiben, durch sich wiederholenden Ausdruck, durch maßloses Ausufern des plots, durch den Verzicht auf den Verzicht, durch die Gedankenlosigkeit eines Schwätzers, der so nebenher den Schlachtplan den Feinden mitteilt.

  12. #12
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Auf "halber Etage"

    Tux,
    ich wollte Dich nicht wirklich belehren, sondern eher aufzeigen, wie die Geschichte hätte aufgebaut sein müssen, wenn es denn eine Kurzgeschichte sein soll. Es klang nun wieder nicht nach Roman, wie ich es z.b. bei Patina eher vermute.


    Das "kapiert" hörte sich wohl ein wenig scharf an, war nicht so gemeint.
    Aber ich muss schon zugeben, wenn ich hier meine Zeit opfere (natürlich nicht nur für andere, auch für mich) und der/die Besprochene wendet sich dann ab, nach dem Motto, ach ,ist mir gar nicht so wichtig, dann hätte der Text auch in der Schublade bleiben können, denn dann werde ich ein wenig mürrisch. Aber ich habe auch Dein Danke gelesen. Hoffe nicht, dass es nun eine Harkerei von Persönlichem wird.


    Und inhaltlich: Erlebnisse auf den stillen Örtchen kann, muss aber nicht zwangsläufig lustig sein. Denk mal wie viele Krimis, gerade dort ihre Informationen austauschen.
    Mag ja sein, dass die Autoren in der Tat dorthin gegangen sind, und dann dort ihre Ideen fanden und es halt auch einbauten.

    noch dazu:
    wie man seine eigene Lebensgeschichte schreibt, ohne in das Tagebuchschema zu verfallen, kann ich nicht sagen,
    wäre aber für die Grossmutter-Milch-Klo-Nachruf Geschichte auch nicht ohne Bedeutung.


    Und inwieweit derartige Kleinigkeiten, die ja eher das Bild -Vergangenheit malen und erleben - zeichnen, von Bedeutung für andere Leser sind, ist auch sehr fraglich.


    Herzlichst Schreiblaune

  13. #13
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Auf "halber Etage"

    Hi Schreiblaune,

    nix Harken, ich hab doch schon einen Garten neben dem Job! Aber hartnäckig bin ich vielleicht schon im Fragen ... und mag dann brauchbare Antworten.
    Immer noch die Frage, was es denn neben der Kurzgeschichte noch für Möglichkeiten gibt (nein, es ist kein Roman "angedacht"). Aber der vollständige Ablauf mit Konflikt und Lösung erscheint mir denn für eine solche kleine Begebenheit (und andere) zu viel, zu überfrachtet. Sehe ich das falsch? - Sollte man an alle erzählten Beobachtungen das Kurzgeschichtenschema anlegen, vielleicht noch mit der amerikanisch üblichen Pointe? Ich frage das ernst! Ist es das, was erst den Leser unterhält und bei der Stange hält (wenn man keine berühmte Persönlichkeit mit per se lesenswerter Geschichte ist)? - Ich selbst lese, mindestens in den Foren, gern Beobachtungen, Stimmungsbilder, kleine Texte, die undramatisch daherkommen. Hat wohl im Verlagswesen keinen Markt ...

    Und Robert, verstehe ich also recht (es ist aalso Definitionssache?), Du willst das Wort hier nicht im neutralen, sondern im (ab-)wertenden Einordnungssinne verstanden wissen? Befindlichkeit im Sinne oberflächlicher "Befindlichkeits-Lyrik" z. B.? Okay, dann verstehe ich in diesem Punkt, was Du meinst und warum Du es mit Oberflächlichkeit gleichsetzt - bei der Du/Leser im Stehen pinkelnd einschläft!
    Wo also ich - mich eigentlich bis auf diffuse Angst, "neutral" und distanziert wähnend im Text - "Befindlichkeit" zeige sowie weitere Anmerkungen zu Fehlern wie "unklare Begriffe", formlose Aufbau, Wiederholungen/Schwatzhaftigkeit, Ausufern eines Plots etc. hätte mich tatsächlich direkt am Text sehr interessiert. Wären wahrscheinlich hilfreich und "effizient" für eine Weiterarbeit.


    Tux

  14. #14
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Auf "halber Etage"

    erstellt von Tux:
    Kurzgeschichte noch für M?glichkeiten gibt (nein, es ist kein Roman "angedacht"). Aber der vollständige Ablauf mit Konflikt und Lösung erscheint mir denn für eine solche kleine Begebenheit (und andere) zu viel, zu überfrachtet. Sehe ich das falsch?

    Ersten Satz kann ich nicht beantworten. Aber soll auch Kurzgeschichten geben die an die 100 Seiten umfassen.


    Ich weiß auch nicht ob der Ausbau von EINER Begebenheit nun überfrachtet sein muss, kann, sollte aber nicht und dennoch denke ich man sollte etwas ausführlicher sein.


    Pointe: Wenn ich als nachdenklicher Leser zurückblicke, weiter denke, dann finde ich das ausgesprochen geistreich, wenn eine Geschichte so etwas hat, ohne dass einem der Moralische Finger bohrt. Pointe muss ja nicht heißen =lustig.


    Und was das Harken angeht: Ich persönlich empfinde eine gelegentliche Auffrischung von Wissen nicht schlecht, denn ich bin viel zu wenig routiniert, um immer an alles zu denken, immer alles zu erkennen.


    Gruß sl

  15. #15
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Auf "halber Etage"

    Omakinder aller Länder, vereinigt Euch!

    Ich bin ein Omakind und zwar gleich ein doppeltes. Kinder sind das heute nicht mehr.

    Was ich damit sagen will, diesen Text betreffend: ich bin da ein gebranntes Kind, kann das schlecht beurteilen, weil mir eigene Erinnerungen manches vernebeln, was ich doch kritisieren müßte. Vielleicht mag ein anderer hier Hand anlegen.

  16. #16
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Auf "halber Etage"

    hand anlegen...nein...aber gerne meine bewunderung...für diese reife leistung...ausdrücken. ein musterbeispiel für den gekonnten umgang mit adjektiven...von denen man auf keines...obwohl reichlich davon vorhanden...verzichten möchte. wie bereits erwähnt...würde die ich-perspektive die geschichte noch lebendiger wirken lassen - allerdings könnte die distanzierte betrachtung auch stilmittel sein - das unterstreichen soll, dass man sich von einer solchen geschichte...egal wie schön sie erzählt wird...am liebsten distanziert.

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