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Thema: Hastig durcheilte Traumwelten

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    Post Hastig durcheilte Traumwelten

    Als der Nebel sich langsam legte, konnte ich allmählich in die Ferne schauen. Das Land um mich herum war wüst und leer. Kein weiteres Leben war weit und breit auszumachen und in mir fühlte ich eine unendliche Trauer, so schwer, wie die grauen Wolken über mir, die mühselig ihren Weg vom einen zum anderen Horizont fortsetzten. Wie sollte ich jemals diese Welt wieder verlassen, in deren kalten sandigen Boden meine Füße bis zu den Knöcheln versanken? Vor mir das schwarze Meer, dessen seichte Wellen mich schwerelos an jenen Ort trugen, eine öde Welt, regiert von der Eintönigkeit der Stille, die mich nach und nach das "Vorher" vergessen lies. War es die pure Verzweiflung dieser aussichtslosen Situation, die mir erneut das Bewußtsein nahm? Irgendwann schlug ich meine Augen wieder auf. Es war Nacht geworden und ich fror fürchterlich. Ich schaute mich um, doch ich fand in dieser gleichmäßigen Dunkelheit keinen Punkt den ich hätte fixieren können. Also beschloß ich einfach geradeaus zu gehen, weg vom Meer, das noch immer schwarz und ruhig vor mir lag. Daß es noch da war, erkannte ich nur daran, daß es von Zeit zu Zeit leise plätscherte, wenn die Wellen das Land erreichten und sich dabei überschlugen. Ich lief nun schon eine ganze Weile. Der Sand wurde allmählich fester und später taten sich immer mehr Steine hinzu. Mein Bauch knurrte, denn ich hatte schrecklichen Hunger und die Erschöpfung nagte an meinem Körper. Meine Gedanken kreisten wieder und wieder um das Bild, welches ich erblicken würde, wenn die Sonne aufging. Hoffnungsvoll mischte meine Phantasie saftig grüne Hügel und Täler dazu, durch die ein Bächlein fließt an dessen Ufern Häuser stehen aus denen fröhliches Kindergeschrei und Bratenduft dringen. Ein kleiner Laubwald, dessen Blätter im frischen Wind rascheln und Vögel, die im herrlichen Sonnenschein zwitschern. Plötzlich stolperte ich über etwas und fiel. Mein Fuß schmerzte, mein Atem war schwer und ich dachte ich würde nicht mehr auf die Beine kommen. Ich tastete nach dem Ding, was mir im Wege lag. Es war viel größer als die übrigen Steine und auch viel leichter. Meine Finger fühlten die merkwürdige Form als mein Herz plötzlich stehen blieb, einen Satz machte und dann galoppierte. Ich sprang auf und rannte davon, wußte auch nicht mehr in welche Richtung. Es war ein Schädel! Welch verheißendes Urteil, das mich da aus meine Träumen riß. Ich rannte und rannte, weiß nicht, wie lange. Es war ein scheinbar endloser Kampf zwischen der Schwäche und mir. Doch schließlich erlag ich ihr. Da war ich nun wieder - zu ebener Erde, zu schwach, um zu stöhnen, doch zu stark, um zu sterben. Kann denn die Nacht so lang dauern? Vielleicht war mein Zeitgefühl ein wenig durcheinander geraten. Ich sehnte mich nach dem Licht der Sonne, nach ihren wärmenden Strahlen, doch ahnte ich nicht, daß mir dieser Wunsch bald gewährt werden sollte. Ich schlief ein. Ich lag auf heißem Wüstenboden. Meine Haut war trocken und staubig und mein Kopf glich einem Topf mit siedendem Inhalt. Die Sonne brannte erbarmungslos und die glühende Luft sengte meine Lungen durch deren dunkle Gänge mein Atem pfiff. Meine Lippen waren spröde und mein Körper bereits mager und eingefallen. Mein zähes Blut drängte sich durch meine Adern. Ich versuchte aufzustehen, dachte ich muß vorankommen, weiter...weiter. Doch meine tauben Beine sackten zusammen während mein Herz kläglich in meinem hohlen Leib schlug und sein Echo durch meine müden Glieder hallte. Langsam fraßen sich die Strahlen wie Säure durch meine gerötete Haut, zehrten meine letzten Tropfen Hoffnung. Wie lange noch! Wie lange noch? Ich öffnete meine Augen weit und schaute in das grelle Licht der Sonne - der Sonne?


    Dieser Text ist von einer Freundin. Ich/ Sie würde sich sehr über eure Meinungen freuen.
    Danke.

  2. #2
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: Hastig durcheilte Traumwelten

    Als ich beim Lesen war, fragte ich mich, ob diese sprachlich und dramaturgisch hingestümperte Phantasie von Sophie, der immer ein wenig lungenkrank wirkenden Sophie, sein könnte. Am Ende war ich beruhigt, daß Du diese Verwandlung nicht durchlebtest. Ich muß Dich fragen, ob Deine Freundin ohne I-net-Anschluß ist, warum sie nicht für sich sprechen möchte, sondern sprechen läßt, was sie erwartet, eine inhaltliche, eine semantische oder syntaktische Auseinandersetzung, ob sie kommunizieren möchte oder lieber Dich vorschickt, damit Du eintippst, was sie sagt, eventuell.

  3. #3
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Hastig durcheilte Traumwelten

    Danke rodbertus für deinen Eintrag.
    Meine Freundin zeigte mir diesen Text und ich fand ihn wirklich gut, dafür das sie keine kentnisse über das Schreiben hat.
    Ich überlegte mir, was wohl Profis dazu sagen würdem, egal ob inhaltlich, semantisch oder syntaktisch. Sie war nicht so interessiert daran, da sie den Text eher aus einem Gefühl, für sich alleine geschrieben hatte, wie ein Tagebucheintrag.
    Aber als ich sie fragte ob ich ihren Text in ein Forum stellen dürfte, war sie schon neugierig auf die Reaktionen.

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Hastig durcheilte Traumwelten

    hallo sophie,


    also ich bin kein profi, aber vielleicht willst du trotzdem meine meinung hören. mir gefiel der text, er hat mich reingezogen in diesen traum. soweit ich beurteilen kann ist er auch sprachlich sehr gut. deine freundin sollte weiterschreiben und hier vielleicht ein bisschen textarbeit machen.


    tt

  5. #5
    resurrector
    Laufkundschaft

    AW: Hastig durcheilte Traumwelten

    Gefällt mir auch siebzehn Jahre später nicht. Wirkt auf mich wie das willkürlich vom Unterbewußtsein fixierte Aneinanderreihen erwünschter Lebenssituationen. Keine Verdichtung, keine Tendenz, keine Ziele. Das Schreiben muß so ersterben. Sprachliche Stereotype, unwirsche Szenenwechsel und eine fehlende Dramaturgie lassen fragen, wohin dieser Text gehen will. Ist ein Tagebucheintrag, aber keine literarische Skizze.

  6. #6
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: Hastig durcheilte Traumwelten

    Das Land um mich herum war wüst und leer. Kein weiteres Leben war weit und breit auszumachen und in mir fühlte ich eine unendliche Trauer, so schwer, wie die grauen Wolken über mir, die mühselig ihren Weg vom einen zum anderen Horizont fortsetzten.
    "war", "ist", "sind"...dosiert ein -setzen, durch Verb er-setzen...oder durch Satzumstellung eliminieren.

    Beispiel:

    Kein weiteres Leben war weit und breit auszumachen
    Weit und breit kein Leben auszumachen.

    auf "weiteres" verzichten, da in diesem Kontext ein Füllwort

    Der Text wird nicht nur inhaltlich dichter...darüber hinaus sparst Du zwei Wörter ein...die du an anderer Stelle gewinnbringend einsetzen könntest.

    Nach "auszumachen" unbedingt ein Punkt...um ganz unterschiedliche Sachverhalte (1. Beobachtung/2. Gefühl, emotionale Wahrnehmung) voneinander zu trennen.

    und in mir fühlte ich eine unendliche Trauer, so schwer, wie die grauen Wolken über mir, die mühselig
    "und" macht die Trauer zur Nebensache - deine Trauer fühlst Du immer in dir---- außerhalb von dir kannst Du "nur" die Trauer anderer wahrnehmen. Auch die Wolken befinden sich stets über dir...außer Du stehst auf einem Bergplateau...oder Du sitzt in einem Flugzeug. Da Du aber zuvor vom "Land um dich herum" sprachst...kommt beides nicht in Frage.
    ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

    Hier mache ich einen Cut. Du sprichst von Inhalt, Syntax, Semantik..../das eine bedingt das andere



    Teil 2

    Also beschloß ich einfach geradeaus zu gehen, weg vom Meer, das noch immer schwarz und ruhig vor mir lag. Daß es noch da war, erkannte ich nur daran, daß es von Zeit zu Zeit leise plätscherte, wenn die Wellen das Land erreichten und sich dabei überschlugen

    die fett markierten Wörter ersatzlos streichen. Auf Satz zwei kannst Du auch komplett verzichten. "dass es noch da war" klingt alles andere als gut...

    "...und so fasste ich den Entschluss dem Meer den Rücken zu kehren.


    Ich lief nun schon eine ganze Weile
    Bedenke; "eine Weile" empfindet jeder anders. Hier solltest Du den Leser an die Hand nehmen und konkret werden. Eine Stelle, an der Du die vorher eingesparten Wörter sinnvoll investieren kannst.

    " Ich durchwanderte die halbe Nacht"....obwohl metaphorisch...jeder weiß...es handelt sich um 5-7 Stunden.


    Mein Bauch knurrte, denn ich hatte schrecklichen Hunger und die Erschöpfung nagte an meinem Körper
    Ich würde da ganz klassisch den Magen wählen -"denn" führt unweigerlich zu "hatte" und zum Charakter einer Aufzählung.

    Neben meiner Erschöpfung nagte nun auch der Hunger an Körper und Seele.

    Meine Gedanken kreisten wieder und wieder um das Bild, welches ich erblicken würde, wenn die Sonne aufging.
    fett markiert streichen. Der Konjunktiv im Nebensatz ist m.E. nicht vonnöten, denn Du siehst ja bereits (wenn auch nur in Gedanken) ein Bild vor dir - ob dieses dann dem tatsächlichen entspricht...bzw ob es überhaupt dazu kommt...das ist nebensächlich. Bis zum Sonnenaufgang ist es nur ein Frage der Zeit. Wären da Zweifel, würden deine Gedanken nicht um das Bild kreisen -deshalb: das ich erblicken werde, wenn die Sonne aufgeht.

    Hoffnungsvoll mischte meine Phantasie saftig grüne Hügel und Täler dazu, durch die ein Bächlein fließt an dessen Ufern Häuser stehen aus denen fröhliches Kindergeschrei und Bratenduft dringen.
    Hier die Bestätigung. Ich kann nur etwas hinzufügen, wenn bereits etwas da ist.

    Ein kleiner Laubwald, dessen Blätter im frischen Wind rascheln und Vögel, die im herrlichen Sonnenschein zwitschern.
    Es sind nicht die Blätter des Waldes, die da rascheln...es sind die Blätter der Bäume.


    Plötzlich stolperte ich über etwas und fiel. Mein Fuß schmerzte, mein Atem war schwer und ich dachte ich würde nicht mehr auf die Beine kommen. Ich tastete nach dem Ding, was mir im Wege lag.
    Wenn man stolpert, dann immer über "etwas"...und wenn es die eigenen Füße sind - und weil Du zwei davon hast...um links/rechts (mein Fuß schmerzte) ergänzen. Nur dann nicht erforderlich, wenn die Geste (ich nahm mein Kind in den Arm) im Vordergrund steht.

    und ich dachte ich würde nicht mehr auf die Beine kommen
    "dachte" beschreibt lediglich einen Prozess - deshalb wäre es geschickter zu erzählen was dieser Prozess bewirkt.

    ....und in mir machte sich die Angst breit nicht mehr auf die Beine zu kommen...

    Ich tastete nach dem Ding, was mir im Wege lag
    ...nach dem Gegenstand, der mir...


    Es war viel größer als die übrigen Steine und auch viel leichter
    "als die übrigen"...ist dann korrekt...wenn es sich bei dem Gegenstand ebenfalls um einen Stein handelt. Und das Gewicht lässt sich rein durch das Ertasten kaum feststellen.


    Meine Finger fühlten die merkwürdige Form als mein Herz plötzlich stehen blieb, einen Satz machte und dann galoppierte.
    Hier hast Du dich in der Tat (Formulierung, Satzbau, Logik) vergaloppiert.

    Ich sprang auf und rannte davon, wußte auch nicht mehr in welche Richtung
    "wusste" suggeriert Du hättest dir (in diesem Moment) darüber Gedanken gemacht - was gewiss nicht der Fall war.


    Es war ein Schädel! Welch verheißendes Urteil, das mich da aus meine Träumen riß.
    "Urteil" ist an dieser Stelle der falsche Begriff. Bedingt dadurch...dass Du (ohne Not) die Verheißung zum Adjektiv formst.

    Ein Schädel, welch grauenvolle Verheißung - die mich aus meinem Traum.....

    unbedingt "Traum"...da Träume etwas ganz anderes aussagt...


    Ich rannte und rannte, weiß nicht, wie lange. Es war ein scheinbar endloser Kampf zwischen der Schwäche und mir. Doch schließlich erlag ich ihr. Da war ich nun wieder - zu ebener Erde, zu schwach, um zu stöhnen, doch zu stark, um zu sterben. Kann denn die Nacht so lang dauern?
    Da fehlt die Ordnung. Wirkt, als wolltest Du hier schnell zu einem Ende kommen.
    Geändert von anderedimension (21.06.19 um 12:48 Uhr)

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