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Thema: Schreibmotivation

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
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    Post Schreibmotivation

    Wenn ich mich hier umschaue, entdecke ich viele lesenswerte Texte (ich rede nicht von meinen - über die könnt ihr reden). Eigentlich keinem Text stelle ich Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit in Abrede. Aber viele Texte konfrontieren mich mit einer Welt der Öde, der Langeweile, des Frusts, der Leere... Warum denken so wenige Autoren an das Bedürfnis des Lesers, gefesselt, interessiert, bewegt, berührt, ja, vielleicht auch, horribile dictu, unterhalten zu werden? Für mich ist ein Autor immer auch ein Schauspieler, der gefallen muß und dessen Angsttraum es sein sollte, zu langweilen. Diesen Angsttraum scheinen hier nur wenige zu kennen...

    Mutmaßt Quoth

  2. #2
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Schreibmotivation

    Hallo Quoth,


    Du bist hier sicher eine Bereicherung, weil es gibt hier wenig gute Unterhaltung. Mir persönlich ist es egal, ob ich jemanden langweile. Ich schreibe für mich, weil ich eine Vorstellung zu Papier bringen will. Ich habe auch eine Idee wie das Ergebnis aussehen soll (was mir oft nicht so gelingt - bisher), Aber ich habe nie einen möglichen Leser im Sinn, wenn es jemanden langweilt, dann soll er es nicht lesen. Aber darum würde ich nicht aufhören zu schreiben. Mir reicht diese kleine Öffentlichkeit hier im Forum - bisher. Ich will zwar gut sein, aber ich bemühe mich nicht zu gefallen. Dein Ansatz ist ein völlig anderer. Darum finde ich auch Deinen "Ehe" Text nicht so gelungen, Dein Pfleger ist viel besser.
    Meine früheren Geschichten waren zwar nicht sehr positiv, aber sicher unterhaltsamer, als der Text den ich jetzt schreibe. Zunehmend habe ich auch formale Ansprüche an mich. Ob das jemanden unterhält, ist mir egal. Was die Themen angeht, kann ich nur für mich sprechen, obwohl ich bisweilen in Gesellschaft ganz witzig sein kann, ist meine Phantasiewelt düster. Aber das mit der Langeweile ist auch sehr persönlich, ich habe Stifters "Nachsommer" früher mit Begeisterung gelesen. Aber auch Thomas Mann, Marlene Streeruwitz, W.Koeppen, gerne naturwissenschaftliches, und manchmal Stephen King (aber bei ihm geht es mir wie bei Mac Donalds, nicht zu oft, nach 200 Seiten habe ich das Gefühl, es reicht für ein halbes Jahr.) Ich habe immer das Gefühl, jeder Autor zeigt mir die Welt aus einer anderen Perspektive, aber diejenigen die meinen Blick auf völlig Unspektakuläres, Ruhiges lenken, bereichern mich genauso, wenn nicht noch mehr. Ich denke es wird immer Autoren geben, die gefallen und unterhalten wollen und denen es auch gelingt, und eben andere. Das meine ich nicht wertend. Aber Deine Frage finde ich gut, ich bin nie auf die Idee gekommen, es sei wichtig, ob ich jemanden langweile. Ich denke beim Schreiben keinen Augenblick an die möglichen Leser.
    Aber ich habe früher einmal einen Drehbuchentwurf geschrieben, der war ganz witzig, und auch mal was für Hella von Sinnen (was aber nie produziert wurde). Aber das ist etwas völlig anderes. Ich habe auch Geschichten für die Comichefte von Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg geschrieben. Aber da kam es nicht auf die Sprache an (man beschreibt da Bild für Bild - daraus ergibt sich die Geschichte - das wird dann übersetzt und in Spanien gezeichnet), sondern nur auf eine nette kleine Geschichte, die Kinder kurz mal unterhält.

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Schreibmotivation

    Lieber Quoth,


    obwohl ich wahrscheinlich nicht gemeint bin, ein paar Anmerkungen:
    Seien wir exakt. Kein Text ist langweilig, die Langeweile ist eine Empfindung, die jemand haben kann. Sie wird nie von außen an mich herangetragen, sie existiert nur in mir selbst. MIR ist langweilig, nicht das Buch ist langweilig.
    Natürlich gibt es viele Texte, dich MICH gelangweilt haben, z. B. dieser Stiftersche "Nachsommer", den ich persönlich für eine meiner schlimmsten Leseerfahrungen halte, bei dem ich mich tatsächlich über 700 Seiten lang gelangweilt habe. Offensichtlich war ich nicht das Publikum für diesen Text, Kyra hat geschrieben, dass sie ihn mochte. Dir hat der Tigertext gefallen, ich fand ihn fade. Ich schätze Arno Schmidt, andere können kaum eine Seite lesen, ohne kopfschüttelnd einzuschlafen.
    Zusammengefasst: Ich werde es nie schaffen, einen Text zu schreiben, der niemanden langweilt, das schafft auch King nicht, aber ich werde mit meinen Texten immer jemanden finden, für den gerade dieser Text neu ist, interessant ist, der mir Publikum ist.
    "Gehobene Literatur", und das ist es wahrscheinlich, was die meisten hier schreiben wollen, hat immer nur ein kleines Publikum, auch bekannte Autoren können nur ganz selten von dem leben, was sie schreiben, vielleicht ein, zwei Leute pro Generation. Der Rest schreibt, weil er das Bedürfnis hat, seine Sicht der Dinge, seine "Utopie", wie es Hagen nennen würde, weiterzugeben. Wieviel Publikum er hat, ob zehn, zwanzig oder hunderttausend Leute, ist dabei doch nicht von Interesse.
    Auch mir fällt auf, dass sich hier einige in der Hoffnungslosigkeit suhlen, ihrem ennui Ausdruck verleihen und Novembertexte veröffentlichen. Nun, das hat ganz allgemein etwas mit dem Pessimismus in der Kunst zu tun. Unglückliche Menschen sind alle auf ihre Art Unglücklich, glückliche sind alle auf die gleiche Art glücklich. Es lohnt sich mehr, über unglückliche zu schreiben, da ist mehr Stoff drin.


    Gruß, Klammer
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  4. #4
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Schreibmotivation

    es geht nicht um glück oder unglück, nicht um dunkle oder helle texte, nicht um langeweile oder unterhaltung; es geht darum, ob mich ein text packt, anspricht, zu mir spricht oder nicht; denke ich. die kolorierung ist dann nur hintergrund. ich kann vom spassigsten text deprimiert werden und in der tragischsten szene laut auflachen; es kommt darauf an, was der text MIR sagt.


    die allgegenwärtige einteilung in ernste (=anspruchsvolle) und unterhaltsame (=seichte) literatur/musik ist zum kotzen; die kommt von leuten, die kunst als dekoration benutzen, wie einen teuren anzug, ein auto, eine villa etc.


    gruss eule.

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Schreibmotivation

    Das Schreiben über nichts ist durchaus möglich, Tobias, Beckett ist in diese Richtung gegangen, es ist vergleichbar mit einer Malerei, die nur noch nackte Leinwände ausstellt und sie nicht einmal mehr, wie Fontana, schlitzt... Aber die Konsequenz dieses Ansatzes ist das Schweigen, und da sind ja vielleicht einige schon gelandet, die hier nicht (mehr) auftauchen. Die aber, die hier schreiben, wollen (noch) kommunizieren, sonst täten sie's nicht, und kommunizieren kann ein Autor immer nur und ausschließlich mit seinen Lesern. Orientierung am Leser aber, Kyra, ist nur dann unproduktiv, zieht herunter und macht kaputt, wenn man ihn verachtet. Für einen verachteten kleinbürgerlichen Häkeldeckchen-Geschmack oder für Pädophile oder Ballermänner schreiben, das ist Maulhurerei und literarische Verkommenheit, niemand, der ehrlich ist, kann sich damit wohl fühlen, selbst wenn die Kasse klingelt. Entscheidend ist, daß man sich ein Publikum vorstellen und zum Adressaten machen kann, das man achtet, ja, vielleicht liebt. Stellvertreter(in) dieses Publikums kann eine inspirierende Frau, ein inspirirerender Mann als Adressat(in) sein, und dann kann Kommunikation mit den Lesern werden.
    Dabei geht es auf gar keine Weise um Klassifikationen - "E" oder "U", tragisch oder komisch, da hat Eule völlig recht, solche Selbsteinordnungen können nur unfreiwillig komisch enden. Vergleich mit einem anderen Medium: Um sich einen anspruchsvollen Film leisten zu können, muß ein Filmproduzent normalerweise wenigstens zehn Unterhaltungsfilme herstellen und gut absetzen. Die Quadratur des Kreises ist erreicht, wenn ein Film zugleich das Massenpublikum berührt und die Kritik entwaffnet - Citizen Kane, Casablanca, Der dritte Mann, Manche mögens heiß, North by Northwest - wir alle kennen diese Titel.
    Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, Authentizität sind ein Pol des Schreibens, aber nicht der einzige. Der andere muß der Leser sein und der Wunsch, ihm was zu geben. Dann könnte es sogar sein, daß der Leser bereit ist, dafür etwas zurück-, nämlich auszugeben.

    Meint Quoth

  6. #6
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Schreibmotivation

    Hallo Quoth,


    Du schriebst:
    Entscheidend ist, daß man sich ein Publikum vorstellen und zum Adressaten machen kann, das man achtet, ja, vielleicht liebt. Stellvertreter(in) dieses Publikums kann eine inspirierende Frau, ein inspirirerender Mann als Adressat(in) sein, und dann kann Kommunikation mit den Lesern werden.



    damit hast Du wahrscheinlich durchaus Recht. Aber ich kommuniziere nicht beim Schreiben. Bin ein Autist. Es mag ein Fehler sein, aber ich wende mich an niemanden (in meiner Vorstellung).

    Aber! Ein Maler stellt sich auch kein Publikum vor. Während er malt ist das eine Sache die ganz alleine zwischen ihm und der Leinwand abläuft. Später, wenn er ausstellt wird er begierig sein Anerkennung zu finden. Aber nicht während der Arbeit - da gibt es nur ihn die Farbe und die Leinwand (oder das Video, oder die Skulptur).

  7. #7
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Schreibmotivation

    @Kyra: Die Übertragung der Arbeitsweise eines (bildenden) Künstlers auf die Schreiberei ist möglich, führt aber von der Schreiberei weg, meine ich. Ein Text ist kein Objekt, es sei denn er werde in konkreter Poesie als solches konzipiert. Kommunikation ist ja nicht nur als direkte Ansprache möglich, sondern auch als Verwertung von Kommunikationserfolgen... Maler und Autoren registrieren sehr genau, womit sie ankommen, was ihnen Beifall einbringt, wo sie sich verstanden fühlen konnten - und die dafür benutzten Motive, Mittel, Stile, Formen usw. favorisieren sie dann als sichere Kommunikatoren in ihren künftigen Werken. Und so verarbeitet der einsam mit seinem Bild kämpfende Maler immer auch solche zurückliegenden Kommunikationserfolge und peilt sie für die Zukunft wieder an. Kunst ist Kommunikation, auch die des verkannten Einsamstringenden, und van Gogh hätte sich nicht umgebracht, wenn seine Bilder mehr Resonanz gehabt hätten, ausgestellt, von Liebhabern gekauft, von Kritikern verrissen worden wären; allein schon der Kampf um ihre Durchsetzung hätte ihn am Leben erhalten - das Verstummen, die Kommunikationsverweigerung hat ihn umgebracht. Wenn nur noch ein Mensch auf der Erde lebte - er wäre Maler - er würde weitermalen, klar - in der Hoffnung, Zeugnisse zu hinterlassen, die eines Tages von wem immer gesehen und verstanden werden würden. Kunst ist Kommunikation, und es mag hübsch sein, sich in Elfenbeinturm und Spiegelkabinett eines angenommenen Autismus zurückzuziehen - man/frau möchte dort gesehen werden.


    Meint Quoth

  8. #8
    pjesma
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    AW: Schreibmotivation

    ich möchte mich mitteilen. ich möchte mich meistens so mitteilen das es nicht mal auf die verständnis ebene bleibt, sondern sogar "missioniert" und errobert,das es möglichst den leser in meiner bahn zieht (was leider nicht immer gelingt:-(
    aber gleichgültig ist mir leser nicht, höchstens ist er nicht MEIN leser,
    derjenige der aber meins ist,ist dann teil meiner mir erschafener welt...und es erfühlt mich mit glück.
    nein, ich möchte nicht mystisch und unverstanden werden. ich möchte eine prisma sein.

  9. #9
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Schreibmotivation

    Hallo Quoth,


    ich glaube mich stört am meisten bei Deiner Argumentation, daß sie so intelligent-pädagogisch ist. Die Sendung mit der Maus zu Literatur. Diese Haltung ist wie Watte im Maul der Kreativität. Da geben mir Roberts Äußerungen mehr, auch wenn ich nicht immer mit ihnen übereinstimme. Aber das ist mir zu zahnlos, zu unaggressiv. Es sind keine Gedanken die Anregen. Und damit ist für mich Schluß mit dieser Diskussion.


    Kyra


    [Diese Nachricht wurde von Kyra am 10. Juli 2002 editiert.]

  10. #10
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Schreibmotivation

    Was hast du gegen die Sendung mit der Maus? Einer der wenigen Gründe, das Fernsehen nicht aus dem Fenster zu schmeißen.

  11. #11
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    AW: Schreibmotivation

    Eben gestern unterhielt ich mich mit einem Autoren aus DDR-Zeiten, der seit zehn Jahren nicht mehr schreibt. Er sagte mir, daß er kein Exhibitionist mehr sei, also Öffentlichkeit an seiner Eigenverliebtheit nicht MEHR teilhaben lasse. Und da fragte ich ihn - vor dem großen Sturm! - nach seiner Botschaft, ob er die denn nicht mehr habe. Da sagte er lächelnd: "Die haben sie [die Leser] nie verstanden."


    Wenn ich von mir ausgehen darf: Ich schreibe manche Wochen wie der Teufel, andere kann ich nicht. Ich reflektiere da nicht sonderlich drauf, nehm es eben so, wie es kömmt. Derzeit bin ich in einem Stadium, da ich etwas mitzuteilen glaube. (Nicht so geschraubt, wie jetzt eben hier vorgenommen.) Also schreibe ich. Nicht traurige Dinge, über die schreib ich selten. Vielleicht bin ich ein Moralist?


    P.S. Dies war eine Antwort auf den Ordnereingangstext; auf die Bemerkungen der anderen gehe ich noch ein.

  12. #12
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Schreibmotivation

    Die Deutschen sind übrigens wunderliche Leute! Sie machen sich durch ihre tiefen Gedanken und Ideen, die sie überall suchen und überall hineinlegen, das Leben schwerer als billig. Ei, so habt doch endlich einmal die Courage, euch den Eindrücken hinzugeben, euch ergötzen zu lassen, euch rühren zu lassen, euch erheben zu lassen, ja euch belehren, und zu etwas Großem entflammen und ermutigen zu lassen: aber denkt nur nicht immer, es wäre alles eitel, wenn es nicht irgend abstrakter Gedanke und Idee wäre.

    Goethe, 1827
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  13. #13
    rodbertus
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    Lightbulb AW: Schreibmotivation

    23% schreiben, weil sie glauben, etwas sagen zu haben
    20% gieren nach Kritik, um dadurch verändernd mitzuwirken
    ca. 20% wollen sich engagieren und schreiben deshalb
    33% wollen sich verständigen
    31% wollen ihre Emotionen ausleben oder erproben
    21% wollen sich geistig aktivieren
    20% wollen ihre Gefühle kanalisieren
    6% wollen bewundert werden
    2% müssen, weil sie sich nicht anders mitteilen können

    usw.

  14. #14
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Schreibmotivation

    Manche schreiben, weil sie gerne schreiben...

  15. #15
    rodbertus
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    AW: Schreibmotivation

    der von nietzsche sehr geschätzte italienische philosoph leopardi schrieb gegen die erfahrung der vergänglichkeit an. durchs schreiben kann etwas gerettet werden, ein gefühl, eine erfahrung, die bewußtwerdung des schönen.

  16. #16
    resurrector
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    AW: Schreibmotivation

    Die wenigstens Leute, die schreiben, können von dem, was sie schreiben, leben. Die meisten Leute, die schreiben, leben von dem, was sie schreiben.

    Ich hoffe, das ist itzt nicht verwirrend.

    ich setze noch einen drauf: Die wenigsten Leute, die zu ihrer Zeit schrieben, wurden deswegen geachtet. Etlichen der Nichtge- und -beachteten wird heutzutage ein Denkmal gebaut, post mortem leben quasi Hunderttausende durch ihr Werk, greifen Menschen in Not darauf zurück, greifen Menschen im Glück zu ihren Werken oder schlichtweg, um etwas zu lernen- meist, wie man unglücklich werden kann.

    Ich glaube nicht, daß ich jemals von dem, was ich in meiner Freizeit tu, werd leben können. Ich würde nicht leben, wenn ich es nicht täte. Und wie oft halte ich ein altes Buch in meinen Händen, das noch keiner vor mir las. Ich durchsteche die Blätter an den Seitenrändern und tauche ein in eine Welt, die mich zu einem anderen macht. Und wenn ich selber lehren und reden muß vor anderen Menschen, vermittle ich das, was ich erblickte. Ich komme mir manchmal wie der vor, der den Höhlenbewohnern das Licht beschreiben muß und der aber dankbare Erleuchtung findet, wenn er endete. Bei sich selber, aber auch in den Worten derjenigen, die da kommen und dankend sagen, sie würden mehr verstehen.

    Unterhalten im höchsten Sinne. Ich höre das immer wieder. Ich weiß nicht, ob sich das als Schreibgrund wirklich anfassen läßt.

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