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Thema: 14. Juli

  1. #1
    schreibt hier hin und wieder
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    Post 14. Juli

    Nachdem die Taten und Ereignisse des roten Oktober den Charakter der Initialzündung für etwas Dauerhaftes verloren haben, sind wir, was das Gedenken betrifft, gleichsam auf den Bastillesturm vom 14. Juli "zurückgefallen". Die guten alten, leicht angestaubten bürgerlichen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit (die Schwestern hat man damals vergessen, aber sie haben sich ja mittlerweile zu Wort gemeldet) feiern fröhliche Urständ, in der ZEIT erhebt der Altonaer Historiker Hans-Werner Engels die Forderung, an Stelle des "nichtssagenden" 3. Oktober lieber wieder den 14. Juli als Nationalfeiertag des ganzen Europa mitzufeiern. "Wieder" weil in eben jenem Altona (wo Paul zu Hause sein darf und es so recht, fürcht' ich, gar nicht zu schätzen weiß), angeführt von den Kaufleuten Sieveking und Voght (letzterer ein mütterlicher Vorfahr von mir) im Jahr 1790 eine die Herzen erhebende Freiheitsfeier unter Beteiligung Knigges, des heute zu Unrecht vergessenen Klopstock und zweier Neger (!) stattfand.
    Ich fände es toll, wenn wir den 3. Oktober abschaffen und mit unseren französischen Brüdern den quatorze juillet begehen würden. Der steht doch wenigstens für einen eindeutigen Gewinn und nicht, wie der 3. Oktober, auch für einen Verlust.


    Meint närrischerweise Quoth

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: 14. Juli

    Ich kann mit der Forderung nach Gleichheit nichts Schönes verbinden. Oberflächliche Franzmänner können das vielleicht. Eine Forderung wie Brüderlichkeit würde man in Deutschland kaum erheben, sie wäre ungefähr so albern wie SAUFT BIER! - Brüderlichkeit gehört zu unserem Selbstverständnis. Was bleibt also für eine sinnvolle Trinität? Freiheit, Gerechtigkeit, Menschlichkeit. Und den Humanismus haben nicht die Franzosen erfunden. Rechtssysteme auch nicht. Die Freiheit für den Bürger vielleicht, aber da dürfen sie sich mit den Briten drum schlagen, Teilaspekte der Freiheit kann ich niemals gutheißen.
    "Schwester" hat bei uns eine besondere Funktion. Brüderlichkeit meint etwas anderes als Schwesterlichkeit meinen könnte. Dem Bruder begegnet man nicht nur auf Augenhöhe. Um die Schwester muß man sich kümmern, zugleich ist dieses Wort quasi im Bedeutungskontext des Dienens angesiedelt. Der Bruder dagegen begegnet Dir nicht nur auf Augenhöhe, sondern quasi durch einen Willensentschluß. Eine Schwester, v.a. eine Krankenschwester muß dienen, äußerlich zur Nächstenliebe verpflichtet.
    Ob ich Humanität mit Menschlichkeit übersetzen darf, sei dahingestellt. Unser Menschenbild beinhaltet das Gute und Böse gleichermaßen. Nehmt alles nur in allem! ich wage zu bezweifeln, ob die Franzosen das auch begreifen.


    Dein Vorschlag wird von mir also rigoros abgelehnt.


    P.S. Der 3. Oktober ist allerdings ein dußliges Datum. Schlage den 31. Oktober oder den 30.April oder den 23. September resp. 21. März vor.

  3. #3
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: 14. Juli

    Wir haben den Euro bekommen und sang- und klanglos die DM aufgegeben, wir werden den 14. Juli bekommen und sang- und klanglos unseren albernen 3. Oktober aufgeben. Weder der Reformationstag noch Hitlers Todestag scheinen mir von überregionaler Bedeutung, die anderen Daten verstehe ich nicht, und der 17. Juni und der 20. Juli fehlen mir darunter - wenn schon.
    Als Duckmäusernation Europas sollten wir froh sein, den 14. Juli mitfeiern zu dürfen - wie immer man seine Inhalte entstaubt.

    Gruß Quoth


    [Diese Nachricht wurde von Quoth am 14. Juli 2002 editiert.]

  4. #4
    rodbertus
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    AW: 14. Juli

    Walpurgisnacht, Quoth! Die Nacht der freien Frauen, der Zeugung Siegfrieds und der Beginn der schönen Jahreszeit. Wieso Hitler? Der ist doch unter der Antarktis!
    Aequinoctium, Quoth! Reformationstag oder Hexenverjagung stehen zur Auswahl. Mehr Witz!

    Der € war der Preis für Frankreichs Zustimmung zur Verbindung von DDR und BRD. Der weiche Francs wird zum harten €. Jetzt auch noch den 14. Juli von den Franzosen zu übernehmen, empfände ich als Duckmausentum.

  5. #5
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: 14. Juli

    Ich schließe mich Q. an. Verstehe aber, dass nicht jeder dem folgen kann. Nur wer in Hamburg oder Paris aufwachen (!) konnte, wird sich freudig diesem Vorschlag anschliessen.
    Man braucht in der Nase den Geruch großer Städte, Freiheit ist nicht nur konkret, es ist auch Gefühl, und dieses Gefühl zu feiern sollten wir ein Datum haben. Der 3. Oktober ist dazu viel zu fipsig. Der 14.Juli also. Und wir sollten an diesem Tag in Paris sein. Wer sagt denn, dasz Europa keine Hauptstadt hat...


    [Diese Nachricht wurde von lester am 15. Juli 2002 editiert.]

  6. #6
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: 14. Juli

    ...bin für den Tag nach Himmelfahrt, also immer einen Freitag. Das wäre arbeitnehmer- und schülerfreundlich.
    Ersatzweise gibt es da noch den 8. August, an dem (als einzige deutsche Stadt) Augsburg sein Friedensfest (alle Augsburger haben frei und fahren zum Einkaufen ins Umland) feiert, das sich auf den Augsburger Religionsfrieden beruft. Solch ein Fest fehlt Deutschland wirklich.


    Gruß, Klammer
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  7. #7
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    AW: 14. Juli

    lester,


    es kann nimmer nicht sein, daß ein Ort, der dem gräßlichsten aller Verhütungsmittel seinen Namen verliehen, Hauptstadt von Europa ist. Europa, von Zeus selbst in Stiergestalt entführt, mit Stiergewalt verführt... aber niemals unter Zuhilfenaheme eines Parisers.


    Doch Diskussionen über einen höchsten Feiertag sind müßig. Die Menschen, die bald mein Buch gelesen, auf das die mündige Welt gewartet, werden sich in naher Zukunft für den 21. September entscheiden, den 264. Tag eines normalen Jahres und Namenstag von Deborah.


    Das ist so!

  8. #8
    rodbertus
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    AW: 14. Juli

    stümmt beinahe, Klammer

    Vergessen wir nicht, daß der Augsburger Religionsfrieden eine sehr brüchige Angelegenheit war, aus einer beidseitigen Schwäche geboren und nur solange haltend, wie sich beide Parteien als die schwächere wähnten!

  9. #9
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    AW: 14. Juli

    @ Monsieur lester: Wir können ja mal für den kommenden 14. Juli was ins Auge fassen. Kleine Freiheitsfeier mit Neger!
    @ Klammer: Ich bilde mir ein, keine Vorurteile gegenüber Lehrern zu haben, aber wenn dir dann zu dem Thema nur der Brückentag einfällt... Keuch!
    @ Hausherr: Walpurgisnacht? Nur wenn ich der Teufel sein darf.
    @ Hannemann: Das Kondom ist der erste ernsthafte Versuch, die Lust von der Zeugungs- und Infektionsgefahr zu emanzipieren und verdient deshalb höchsten Respekt, und im Gegensatz zu den Hamburgern, die auf das nach ihnen benannte Produkt nicht stolz sein können, haben die Pariser allen Grund dazu.


    Quoth Egalit

  10. #10
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: 14. Juli

    Lieber Quoth,


    lebe deine Vorurteile, denn in dem Fall sind sie wahr.


    Ich habe diesen Zeitartikel auch gelesen - na und? (Die Neger sind übrigens nur eine Presseente.)


    Jetzt mal ernsthaft, wozu brauchen wir denn einen "Nationalfeiertag", wenn nicht zum Freimachen und Grillen. Seien wir ehrlich! Wer demonstriert denn am 1. Mai?


    Auf den Rest (Friede, Freude, ein Reich, ein Volk, einig Brüder und den Käse )kann zumindest ich gut verzichten!


    Klammer
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  11. #11
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    AW: 14. Juli

    Hi, Klammer, Du brauchst Dir nur die jetzt von Tobias ganz eindrücklich beschriebene love-parade anzuschauen, um einen Eindruck vom Hunger der Menschen nach einigenden, zusammenführenden Ereignissen zu gewinnen. Wenn für die wie offenbar für dich Grillen das Höchste wäre, dann wären sie alle nicht gekommen.
    Zum quatorze juillet hat der Tanz auf den Straßen immer dazugehört.
    Es ging hier gerade um die Überwindung des (engen) Nationalfeiertags durch einen übernationalen europäischen Feiertag, und lester und ich sind der Meinung, dass das nur der 14. Juli sein könnte. Wir fahren dann nach Paris, Du kannst dann ja grillen.

    Gruß Quoth

  12. #12
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: 14. Juli

    Lieber Quoth,




    wenn das ein ernsthafte Aussage von dir ist, muss hier jede Diskussion enden. Was ist denn die sog. "love-parade" anderes als eine moderne Form des Grillens?


    Gruß, Klammer
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  13. #13
    Kurzvormabschussiger
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    AW: 14. Juli

    Sind wir freiheitsverwöhnt?
    Oder blind.
    Ganz Europa ist Paris. Oder: Altona.

  14. #14
    resurrector
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    AW: 14. Juli

    Die wenigsten Menschen leben Freiheit. Das, was wir heute "Freiheit" nennen, ist schwer erkämpft worden, wird zum Gutteil aber nur vom Establishment geduldet, weil es ihm nützt.
    Als ich neulich in einem Steinzeitdorf war, versuchte ich mir vorzustellen, wie die Menschen seinerzeit lebten. Wer stark und gesund war, der war wohl viel freier als die meisten Menschen heute. Der nahm sich einfach das, was er wollte. Zugleich aber muß dann auch gefragt werden, ob einer, der sich das eben nimmt, dessen er bedarf, nicht unfrei ist, denn er macht sich ja zum Sklaven seiner Gelüste.
    Wenn ich das itzt auf den 14. Juli münze, dann kann ich diesen "Befreiungsakt" nicht als Ausdruck des Freiheitswillens beschreiben.

    Zur Erinnerung verweise ich auf die historischen Umstände.

  15. #15
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: 14. Juli

    Ich bin für den 1. April, denn über den Status...ein Aprilscherz zu sein...kommt die deutsch-französische Freundschaft nicht hinaus. Ist nicht nur ein frommer...sondern auch ein einseitiger Wunsch - und zwar seitens der Deutschen. Die Deutschen wollen mit allen Freund sein, aber niemand mit ihnen. Manchmal, das ist mir bewusst, macht es den Eindruck es könnte auch anders ein...Stichwort Macron. Der allerdings will nur unser Geld, nicht unsere Freundschaft. Da lassen wir uns von Oberfläch(lichkeit)en täuschen. Der sieht nicht schlecht aus, ist charmant, und liebt eine Frau...die auch seine Mutter sein könnte. Alleine damit punktet er bei 90% aller heterosexuellen Frauen. Da hätte bei uns höchstens noch Björn Engholm (zu seiner besten Zeit... und ohne Schubladenaffäre) mithalten können. Macron ist ein Anwalt der Elite, der Großindustriellen und Superreichen - nicht nur im übertragenen Sinne...denn als solcher machte er Karriere vor seiner Karriere...scheffelte dabei viele (mehrere Dutzend) Millionen an Provisionen. Nein, mit so einem strebe ich keine Freundschaft an.

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