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Thema: Eduard Eisenpflicht: Der 20. Juli 1944 - eine Blamage?

  1. #26
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    AW: Eduard Eisenpflicht: Der 20. Juli 1944 - eine Blamage?

    aha! es geht also demnach um zwei eide.
    das ist neu.
    wobei der zweite, an george geleistete, sogar gegen das abraten der freunde band.
    wie kann jemand einen zweiten eid leisten, der dem ersten widerspricht, ohne anständigerweise um befreiung vom ersten ersucht zu haben?
    ein opportunisteneidler...

  2. #27
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Eduard Eisenpflicht: Der 20. Juli 1944 - eine Blamage?

    meine einstellung hat sich gegenüber 2007 nicht geändert, auch wenn die medien mir den verrat als patriotische tat verkaufen wollen, was die frage aufwirft, ob patriotismus nicht häufig etwas mit verrat zu tun hat?

  3. #28
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Eduard Eisenpflicht: Der 20. Juli 1944 - eine Blamage?

    Du lebst in einer Traumwelt, Robert. In der öffentlichen Diskussion des Jahres 2009 geht es längst nicht mehr um Verrat oder Heldentat, sondern darum, ob ein deutscher Uniformträger nicht per se ein Schurke (und Täter) sein muß, und deshalb kein Held oder gar Vorbild sein kann.


    Heute sitzen die Erziehungprodukte der 68er popcornmampfend bei Tarantinos Inglorious Basterds im Kino und schlagen sich begeistert auf die Schenkel, wenn wieder ein Deutscher den Schädel zertrümmert bekommt.


    Gruß


    K.

  4. #29
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Ansichten zum 20. Juli 1944

    traumwelt hin oder her. meine erfahrung sagt mir, daß sich nichts so schnell ändert wie die öffentliche meinung. pah! da scheiß ich drauf, ob das, was ich denke, fühle, ersehne... einer traumwelt entsponnen ist, selbst spinnert ist oder eben sachlich korrekt. ich versuche mein bestes, aus allem ein ganzes zu machen: fakten, vermutungen, spekulationen...
    heute las ich von der lobenswerten Margret Boveri einiges über den 20.Juli 1944:

    erstellt von m. boveri, der verrat im 20.jhd., rowohlt 1956, s. 14:

    die deutschen widerstandskämpfer bieten [...] ein eindrucksvolles beispiel für den unterschied zwischen verrat des denkens und der tat, ja die möglichkeit des gleichzeitigen gegeneinanders dieser beiden haltungen. [...] bei ihnen gab es keine reinliche scheidung zwischen "identifikation" und "desidentifikation". sie liebten ihr vaterland. hitler hatte dieses vaterland in der hand. hitler zu beseitigen bedeutete die errettung des vaterlandes auf einer ebene, aber auf der anderen eine so unbedingte gefährdung seines bestandes, daß die eigentliche errettung möglicherweise nicht durchgeführt werden konnte, falls nämlich das objekt, deutschland, nach der errettung nicht mehr existierte.

    helmuth von moltke, der sich im kreis des deutschen widerstands am entschiedensten gegen den umsturz, gegen die gewaltanwendung, gegen den mord gestellt hatte, war stolz darauf, daß freisler erkannte, worum es bei ihm (und den pfarrern delp und gerstenmaier, die mit ihm vor dem volksgerichtshof standen) wirklich ging: 'wir werden gehenkt, weil wir zusammen gedacht haben.'
    das ist deutsch, daß das denken bereits als tat bewertet und bestraft wird. die absicht zählt.
    abgesehen davon zeigt es den großen wandel, den die deutschen im 20.jhd. durchmachten: statt der zugehörigkeit zu einem volk oder einem führer, der dem politischen handeln keine freiheit ließ, galt nunmehr (nach 1945) die freie wahl des ideologischen vaterlands. wirklich? verfassungspatriotismus statt blutmäßiger schicksalsgemeinschaft! wer sich heute gegen die verfassung stellt, diese verrät, was droht dem? der verrat gilt heute einer politischen doktrin, einer partei, einem staat, der in den händen einer bestimmten gruppe/ideologie ist, nicht aber dem volk, das schon längst nicht mehr als geschlossenes auftritt, weder rassisch noch politisch oder sonstwie. jedes land der welt ist durchmischt, in allem durchmischt: politisch, biologisch, hinsichtlich der vorstellungen von gerechtigkeit, ordnung und zukunft. vor 1945 war das kaum anders. oder will jemand behaupten, daß die deutschen in dieser hinsicht einhellig gewesen seien? das waren sie nicht mehr oder weniger als andere völker, aber sie setzten gegen die weltweite doktrin eines gleichmachers namens gesetz/verfassung das der volksverbundenheit. der verrat der verschwörer vom 20.juli bestand darin, daß sie dieses durch die deutschen (mehrheitlich) gesetzte mißachteten und es zugunsten einer wie auch immer gearteten neuen gerechtigkeitsphantasie ersetzen und mit unmoralischen mitteln durchsetzen wollten.

  5. #30
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Ansichten zum 20. Juli 1944

    an der bemerkung von frau boveri verstehe ich nicht den zweiten teil: warum überhaupt hätte es denn sein können, dass das geliebte objekt danach nicht mehr bestehen solle? man kann natürlich völkern siegermächte aufzwingen und sich eine nation einverleiben, aber damit wird man niemals die lebensfähigkeit eines volkes auslöschen. der aufgebaute gegensatz ist dann doch keiner mehr. wenn ein staat ein volk knebelt hat es ein widerstandsrecht. wenn das volk geliebt wird, wird wiederstand zur pflicht, sonst ist es verrat an der liebe. pflicht kann man nicht mit denken erfüllen, nur mit der tat. eine gleichsetzung also - und ob die nun deutsch ist? erwarten nicht auch siegermächte vor allem ihnen kommodes denken? - umgeht die pflicht, lässt die untätigkeit bei allem revoluzzerdenken als evasion erscheinen. der wille gilt fürs werk - wie kann man das sagen und einer weiteren knechtung zusehen, ohne verrat an der liebe und der pflicht zu begehen?

  6. #31
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Eduard Eisenpflicht: Der 20. Juli 1944 - eine Blamage?

    das geliebte objekt namens deutschland stand 1944 im begriff unterzugehen. das war jedenfalls die meinung der meisten widerständler gegen hitler. die vermutung lag nahe, denn hitler war ein manisch-depressiver und somit einer, der "alles oder nichts" hasardierte. wer gegen ihn widerstand leistete, kam allerdings in die bredouille, schließlich band ein eid jeden offizier an hitler, nicht an das reich allein. keiner der widerständler wollte eidbrüchig werden. ein stärkeres band jedoch als der eid gab deutschland ab, diese heilige idee größtmöglicher weltlicher geborgenheit, das reich. so habe ich auch meinen großvater verstehen gelernt, allerdings nur in den dem, was mein omama mir später erzählte, da er in den ereignissen um 1944 auch den tod fand.

  7. #32
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: Ansichten zum 20. Juli 1944

    die interpretation der ereignisse um den 20. juli wechselt. das hat geschichte so an sich: sie verändert sich, DENN sie ist interpretation und nicht irgendetwas festes. fakten gewinnen erst durch interpretation bedeutung, sie stehen niemals für sich, obgleich sie zuvor geborgen sein mußten.
    für den kreisauer kreis und die attentäter vom 20. juli gilt das insbesondere. bis 1953 galten sie NUR als verräter, dann wich diese lesart zunehmend der, daß sie schlichtweg widerständler waren, um mitte der 80er zuerst von der DDR als patrioten gefeiert zu werden, was nach der wende auch die bundesdeutsche öffentlichkeit als politisch-korrekte lesart übernahm und heute NUR noch gilt. Wer diese leute heute als verräter bezeichnet, der macht sich verdächtig, ein nazi zu sein. (warum soll das in diesem bereich anders sein als bei der klimaforschung, wo gegner der these einer menschengemachten klimaerwärmung, Bengtsson!, über das maß hinaus als nestbeschmutzer aus verantwortlichen positionen vertrieben und als rechte beschimpft werden.)


    nun, ich habe wegen der schenk und trott zu solz und yorck und tresckow schon einige jährchen herumgegrübelt, so auch in diesem jahr. mein standpunkt ändert sich, aber er zieht in eine richtung. als junger mann waren die stauffenberger für mich patrioten, dann wurde ich skeptischer, weil selbst eidleister und heute, befreit von jedem eid, denke ich, daß sie, bei aller persönlichen wertschätzung für einzelne, verräter und karrieristen waren.


    es gibt zwei sogenannte totschlagargumente FÜR das attentat:
    1. hitler als kopf der hydra beseitigen und deutschland neu aufbauen und
    2. den verrat an hitler mit dem größeren treueversprechen, das deutschland gilt, auslösen.


    drei argumente möchte ich gegen diese totschlagargumente nennen:
    1. die hoffnung der verschwörer, daß sie mit den westmächten frieden hätten schließen können, halte ich für illusorisch.
    2. ein unrecht macht man nicht durch ein anders wett. ein staat, der sich auf eine solche hypothek stellt, hat wenig substanz und wird wahrscheinlich durch ein anderes attentat/terroranschlag beseitigt werden können, zumal er kaum etwas gegen solche mittel wird vorbringen können und
    3. was hinderte die offiziere, ihre verbindung zum heer oder politischen funktionen im hitlerstaat abzulegen? wer ehre besitzt, der kämpft mit offenem visier und nicht mit heimtückischen aktentaschenbomben.


    ergänzung: in den medien wird das attentat auch unter dem pragmatischen aspekt gelobt, als daß ein beseitigter hitler den deutschen viel leid erspart hätte. mitnichten, verehrte dummbeutel in den politisch-korrekten redaktionsstuben. der krieg wurde gegen das reich nicht hitlers wegen oder zur befreiung der juden wegen geführt, sondern zur vernichtung des reiches als weltmarktkonkurrent. churchill und roosevelt hatten 1943 morgenthau längst um die endlösung für die deutschen gebeten: die vernichtung der deutschen, der deutschen städte, der deutschen industrie.
    selbst ein erfolgreiches attentat hätte die alliierten nicht davon abgebracht, die bedingungslose kapitulation zu verlangen. stauffenberg und konsorten hätten ihrerseits diese nicht gegeben, denn sie glaubten sich in der ehre, die keine bedingungslosigkeit verträgt.
    so oder so, die vernichtung des reiches war beschloßne sache, wahrscheinlich schon vor 1939.


    wie wenig interesse die westlichen alliierten an einem sturz hitlers hatten, erhellt aus der tatsache, daß der britische geheimdienst nach dem 20. juli 44 der gestapo listen mit namen der verschwörer und deren sympathisanten zukommen ließ, was deren todesurteil bedeutete, denn himmler zögerte nicht, diese listen "abzuarbeiten".

  8. #33
    schreibt hier hin und wieder Avatar von WirbelFCM
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    AW: Ansichten zum 20. Juli 1944

    Ich bin ja grundsätzlich der Meinung, daß gerade bei so brisanten Themen und Geschichte allgemein "Meinungen" keine Relevanz haben, möchte meine aber trotzdem einmal zum Besten geben. Völlig unmaßgeblich:


    1. für Mord gibt es nie eine Entschuldigung
    2. kein Mensch weiß, ob es besser geworden wäre, wenn das Attentat vom 20.Juli erfolgreich gewesen wäre. Ziel der Alliierten war es damals, Deutschland zu vernichten und das haben sie auch getan. Und das hätten sie sicher auch, wenn Hitler 9 Monate früher gestorben wäre.

  9. #34
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: Eduard Eisenpflicht: Der 20. Juli 1944 - eine Blamage?

    Nun ist dieser Ordner vollständig. Meine Meinung zu diesen Ereignisse änderte sich in den letzten Jahren nicht. Auch die Befasse mit dem Zweiten Weltkrieg im Kontext der Erstellung des Kursbuches führte eher zu einer Bestätigung meiner um 2003 erfolgten Umdenke als zu einer Nivellierung derselben.

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