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Thema: Eduard Eisenpflicht: Der 20. Juli 1944 - eine Blamage?

  1. #1
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Eduard Eisenpflicht: Der 20. Juli 1944 - eine Blamage?

    Heute: konservative Verschwörung von Junkern und Großgrundbesitzern, von Dummbatzen als einzig nennenswerter Widerstand gefeiert. Darf die Frage gestellt werden, was die Herren sich so nach dem Attentat gedacht hatten! Wie lange hält ein Staat, der durch Tyrannenmord seinen Ursprung fand?

  2. #2
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    Post Eduard Eisenpflicht: Der 20. Juli 1944 - eine Blamage?

    Wie ein Giftpfeil bohrt sich diese Fragestellung in mein Herz. Denn nur allzu gerne würde ich wenigstens in den Attentätern des 20. Juli 1944 einmal ein paar Deutsche sehen, derer man sich nicht schämen muß! Aber ihr Attentat ist kläglich gescheitert; die von Graf Stauffenberg in der Wolfsschanze hinterlassene Bombe explodierte, Hitler wurde nur leicht verletzt, und da die Maßnahmen des "Walküre-Operationsplans" nur zögerlich ausgelöst und ausgeführt wurden, konnten die hitlertreuen Offiziere das Gesetz des Handelns wieder an sich reißen, die Attentäter verhaften und noch in derselben Nacht erschießen (und noch viele, viele nach ihnen). Nicht von Ihnen, aber von einem Ihrer Kollegen, wertester Herr Dr. Herzlieb, hören wir, Stauffenberg sei doch einfach nur "zu feige" gewesen, Hitler die Bombe in seiner Tasche nachzutragen und sich mit ihm in die Luft zu sprengen. Man spürt richtig das Vibrato der Verachtung in der Stimme dieses tapferen Kollegen, der, Jahrgang '98, das Vergnügen hatte, in beiden Weltkriegen Soldat werden und den Kopf fürs Vaterland hinhalten zu dürfen. Für ihn sind Stauffenberg, Haeften, Merz von Quirnheim, Olbricht und Beck ganz einfach nur Verräter und dazu noch militärische Dilettanten, auf die er die ganze Galle seiner Verachtung verspritzt. Während er in heldenhaftem Abwehrkampf den Vormarsch der Sowjets verzögerte (und den in seinem Rücken arbeitenden KZs Freiraum für weitere Zehntausende von Morden an wehrlosen alten Menschen, Frauen und Kindern verschaffte), hatte sich doch tatsächlich diese dekadente und gesinnungslose Adelsclique zusammengefunden, um den Führer und obersten Feldherrn, auf den sie alle vereidigt waren, zu töten. Welch eine Feigheit, etwas so Niederträchtiges zu planen, während Millionen von Deutsche einschließlich meiner Eltern das verbrecherischste Regime ihrer Geschichte und vielleicht aller Zeiten mutig unterstützten und vor den Parteibonzen und ihren Spitzeln auf Knien rutschten. O, was für eine hilflose Wut kommt in mir hoch, wenn ich das höre! Da wollen sich Feiglinge reinwaschen, indem sie die einzigen, die den Mut aufbrachten, etwas gegen die physische und moralische Zerstörung Deutschlands zu unternehmen, zu noch viel größeren Feiglingen erklären! Ich will Graf von Stauffenberg nicht rechtfertigen; er bedarf keiner Rechtfertigung. Wir sind keine Asiaten, der Kamikaze-Angriff widerspricht unserer Natur, und bei jedem Staatsstreich wird jeder der Organisatoren dringend für den Aufbau der angestrebten neuen Ordnung gebraucht. Soviel ich weiß, hat Stauffenberg die suizidale Lösung ins Auge gefaßt, aber seine Mitverschwörer haben ihn gebeten, davon abzulassen. Wie dem auch sei, der erwähnte Kollege hat noch mehr Säure auf Lager. Er meint, Stauffenberg habe aus Eitelkeit die Bombe im Stich gelassen - um sich anschließend im Ruhm seiner Tat zu sonnen. Nun, so denkt ein ruhmloses Nichts von Studienrat, der Zeit seines Lebens vor Vorgesetzten den Rücken krummgemacht hat und wahrscheinlich des Nachts wild davon träumt, wie er es "denen" mal zeigt... Grund dafür, diese mutigen Verschwörer so herabzusetzen, ist ausschließlich das Gefühl der eigenen Mediokrität. All die, die den Nazibonzen die Füße geküßt haben, die "Jaaaaa!" geschrien haben, als Goebbels sie fragte, ob sie den totalen Krieg wollten, die nicht ein einziges Mal Zivilcourage zeigten - sie schmähen die Attentäter aus Wut darüber, daß sie ihnen beweisen, was für Schlappschwänze sie selber waren. Wer immer nur den eigenen Arsch zu retten trachtet, hat gut heroischen Selbstmord von anderen verlangen. Eine Tat wird nicht nur durch ihren Erfolg gerechtfertigt, ja, ich wage zu behaupten, daß die Verschwörer des 20. Juli für das Ansehen und die Selbstachtung Deutschlands mehr getan haben als alle Frontsoldaten zusammen. Und im Mißerfolg ihrer Aktion liegt sogar eine heimliche Weisheit. Hätten sie Erfolg gehabt, es wären zwar viele Menschen am Leben geblieben, die durch Krieg und Staatsverbrechen in den folgenden neun Monaten noch sterben mußten, Dresden wäre nicht bombardiert worden, ja, vielleicht wären die Kapitulationsbedingungen sogar ein wenig weniger bedingungslos ausgefallen. Aber: Wir hätten heute mit einer sehr viel vitaleren und wirksameren Dolchstoßlegende zu kämpfen als nach dem Ersten Weltkrieg. Es ist gut, daß Nazideutschland nicht durch ein Attentat von innen heraus, sondern durch den Sieg seiner äußeren Gegner erledigt wurde. So sind wir von der faschistischen Geisteskrankheit vielleicht für immer geheilt.



    [Diese Nachricht wurde von Quoth am 20. Juli 2002 editiert.]

  3. #3
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Eduard Eisenpflicht: Der 20. Juli 1944 - eine Blamage?

    Zum 20. Juli ändert sich meine Meinung. Erst fand ich es blöd, so spät noch den Aufstand zu üben, dann geil, dann toll, je älter ich werde, um so mehr gelange ich zu der Meinung, daß es doch ein Haufen Verräter war.

    Die Bombardierung Dresdens war ein Verbrechen, denn der damit verbundene Terror richtete sich gegen die Bevölkerung, was das Völkerrecht für die Kriegsführung verbietet. Ich glaube auch nicht, daß ein erfolgreiches Attentat bei den Alliierten irgendwelche Regungen hervorgerufen hätten.

    Dein Text ist ausgewogen und gedankenvoll. Es fehlt ihm allerdings die Zuspitzung.

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Eduard Eisenpflicht: Der 20. Juli 1944 - eine Blamage?

    Dein Schlingern in der Einschätzung des 20. Juli zeigt m.E., wie schwer dies Ereignis zutreffend einzuschätzen ist. Immerhin werden heute die Rekruten an diesem Tag - und nicht am 20. April - vereidigt!

    Gruß
    Quoth

  5. #5
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    AW: Eduard Eisenpflicht: Der 20. Juli 1944 - eine Blamage?

    Ein ehemaliger Stammtischbruder von mir, ein Herr von Trott und unmittelbar betroffen, wußte die Ereignisse noch nicht einmal gefühlsmäßig einzuordnen.


    Die Frage sei erlaubt: Thema für Literaten oder langsam für Ahnen- und Geschichtsforscher. Hannemann hat 60 Jahre gelebt, sich oft und mit Eifer an den ewig Gestrigen gerieben. Langsam ist er es leid, unter der Bürde aufgeschwatzten schlechten Gewissens den Nacken zu beugen, zu grübeln, was wäre und hätte geschehen können, wenn WIR und Österreich diesen verdammten Krieg gewonnen... und Adolf vielleicht mit Eva einen Sohn gezeugt. Wem nützt das alles, wer hat gelernt und nicht nur seinen Gewinn daraus gezogen?


    "ADOLFOS SOHN, HIER IN EINER WIEGE! MEIN GOTT, ICH KANN IHN NICHT TÖTEN!!!" Das wäre ein Thema für eine Geschichte.

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Eduard Eisenpflicht: Der 20. Juli 1944 - eine Blamage?

    Hi, Hannemann, mein Name ist Feldhausen, bin 61. Angenehm.
    Der Aufsatz ist aus der Perspektive eines 17jährigen Ende der 50er Jahre verfaßt. Das begrenzt natürlich die Übertragbarkeit seiner Schlußfolgerungen auf Heute. Deine Betrachtungen gehen eher in Richtung Martin Walser - Paulskirche. Ich kann sagen, dass ich nie ein schlechtes Gewissen hatte (und es mir auch nicht habe aufschwatzen lassen). Ich hatte nur immer das Gefühl einer historischen Belastung, die mir kein Schuldgefühl einflößt, sondern viel Anlaß zum Fragen nach den Ursachen und vor allem danach bietet, wie ich mich selbst verhalten hätte. Nicht ohne Grund verwandelt sich Kyra in ihrem Text in einen um eine Generation älteren Helden - kann ich gut verstehen.


    Gruß Quoth

  7. #7
    Bauer Hans
    Status: ungeklärt

    Schieres Grauen

    Roberts Ansichten zum 20. Juli 1944


    Ich schäme mich, so lange Mitglied dieses Forums gewesen zu sein. Möchte aber betonen - vielleicht war ich nur zu blauäugig, eine solch furchtbare Grundeinstellung zu erkennen-, daß ich mein ganzes langes Leben gegen Verteidiger des Nationalsozialismus angegangen bin. Und etwas anderes als eine Verteidigung des im wahrsten Sinne des Wortes grauenvollen "Tausendjährigen Reiches" vermag ich in dem unsäglichen Geschreibe von Robert nicht zu lesen.


    Pfui Teufel!

  8. #8
    Tochter aus gutem Hause Avatar von Klammer
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    AW: Schieres Grauen

    Lieber Hannemann,
    ich kann dir in deinem gerechten Zorn und der Bewertung der Robertschen Worte über den 20. Juli 1944 (die er selbst mit der Bemerkung einleitet, dass er eigentlich keine Ahnung hat) nicht folgen.
    Lass mich ausholen:
    Ich weiß uns beide einig in unserer Meinung über die Hitlerbarbarei.
    Dennoch erscheint es auch mir sinnvoll, über die scheinbaren Antipoden, diese Offiziersverschwörung um Stauffenberg, ein wenig tiefer nachzudenken. Sie sind Märtyrer ihrer Sache geworden und daher nicht angreifbar.
    Ein paar Fragen aber bleiben und Robert ist nicht der einzige, der sie stellt:
    Warum kam diese "Palastrevolution" so spät? Vergessen wir nicht: Diese Männer standen erst auf, nachdem alle Verbrechen bereits begangen waren, Europa in ein Schlachthaus verwandelt, der Krieg schon fünf lange Jahre währte, Millionen Unschuldiger in Vernichtungslagern und vor Erschießungskommandos geendet hatten und der verlorene Krieg von den Alliierten unter entsetzlichen Verlusten endlich dorthin zurückgebracht wurde, wo er ihn Hitler begonnen hatte: Nach Deutschland. Kadavergehorsam? Moralische Skrupel? Oder Angst um die eigene Haut? Entschlossene Männer wie Johann Georg Elser hatten lange vorher gezeigt (Nov. 1939!), dass Hitler angreifbar war. Spätestens seit 1942 waren der Genozid an den Juden in der Wehrmacht bekannt (schließlich hatte Hitler ja seine ganze Kriegsindustrie und Infrastruktur auf die Vernichtung der Juden umgestellt). Ging es den Verschwörern allein darum, ein grausames Regime zu stürzen, seinen Verbrechen ein Ende zu setzen? Konnte der Nationalsozialismus wirklich mit Hitlers Tod ausradiert werden?
    Und damit kommen wir zu Roberts eigentlicher Frage, einer Frage, die Menschen mit Moral schon seit Jahrhunderten beschäftigt: Ist Tyrannenmord erlaubt? Darf ich aufgrund höherer Werte morden? Wer entscheidet das? Ist die Ermordung des Tyrannen die ultima ratio? Kann ich darauf eine neue, friedliche Gesellschaft gründen?
    Hier wurde letztens eine harte Diskussion um die Todesstrafe geführt. Es ging um Humanismus und letztlich um die Frage, ob ein Mensch einen anderen richten darf. Wer diese Frage absolut verneint, darf in letzter Konsequenz auch nicht für die Tötung eines Unholds wie Hitler sein.
    So habe ich Roberts Bemerkung verstanden. Er hat sie nicht allzu glücklich formuliert. Aber ein Bekenntnis zur NS-Ideologie konnte ich daraus nicht lesen.


    Gruß, Klammer


    Eines noch. Vor 1989 gab es in Berlin zwei Ausstellungen zum Thema "Deutsche Geschichte", eine im Osten, eine im Westen. In der Ostausstellung wurden die Verschwörer des 20. Juli nirgendwo erwähnt, hier wurden ausschließlich linke "proletarische" Widerständler (Die Rote Laterne) aufgeführt. Im Westen gab es hingegen nur den 20. Juli, der breitgetreten wurde, ganz so, als hätte es allein diesen einen "aristokratischen" Widerstand gegeben. Beide Ausstellungen haben gelogen. Die Wahrheit ist dazwischen und sie ist bitter: Widerstand in Deutschland muss mit der Lupe gesucht werden und wenn er politisch nicht ins Konzept passt, wird er totgeschwiegen.
    Aber ein Traum - nikolaus-klammer.blog

  9. #9
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Eduard Eisenpflicht: Der 20. Juli 1944 - eine Blamage?

    Hallo Hannemann

    Ich vermute dass es Rober dabei nicht explizit um Hitler, sondern um "Nibelungentreue" eines Volkes zu seinem Führer geht (was seine Ansicht für mich nicht vertretbarer macht). Ein Volk ein Reich ein Führer. Und dass Verrat IMMER ein Frevel ist. Ich halte diese Ansicht für sehr undifferenziert, weil sie sich eben gegen jene Kräfte richtet, die allerdings sehr spät, das Ruder noch herumreißen wollten. Sie haben dafür mit dem Leben bezahlt. Es war ein ehrenvoller Tod. Wobei einige der Attentäter sicher nicht gegen den Nationalsozialismus waren, sondern als Militärs ganz pragmatisch gegen Hitlers Wahnsinn. Wie auch die Motive waren, es war der letzte Versuch der Auflehnung von innen. Sie haben Hitler nach oben gebracht und getragen, bis sie merkten wie weit er bereit war, "sein Volk" zu opfern. Die Judenfrage hat sie sicher bei dem Attentatsversuch nicht angetrieben. Dennoch habe ich Respekt vor einem Menschen der seine Meinung, wenn auch spät, noch ändern kann. Mich würde der Verlauf der Geschichte interessieren, wenn der Anschlag geglückt wäre. Ein Verrat ist sicher nichts Schönes. Aber diese Männer haben nur Hitler verraten. Hitler hat "sein Volk" verraten. So gesehen hätten sich alle gegen ihn erheben sollen. Aber sie hatten Angst. Also Respekt vor den wenigen Mutigen. Vermutlich hätten die Attentäter auch die KZs aufgelöst, nicht aus Liebe zu den Juden, sondern weil sie klug genug waren, zu wissen, daß solche Dinge das Ansehen eines Landes in der Welt ruinieren. Stauffenberg und die anderen Männer wollten ihr Land retten. Hitler hat mit Deutschland und den Deutschen rücksichtslos gespielt. Was für ein "Führer" der die Menschen in eine aussichtslose Situation treibt um dann zu sagen, wenn ihr nicht gewinnt, seid ihr es auch nicht wert zu leben. Kinder für die letzte Verteidigung Berlins zu opfern. Ich lasse die "Judenfrage" aussen vor, weil es ja hier um Volk und Führer geht. Welcher Führer hat das Recht mit Menschenleben zu spielen? Führen heisst Verantwortung zu übernehmen und nicht wie ein dummes, verwöhntes Kind das Spielzeug "Volk" zu zerstören, wenn es eine unmögliche Leistung nicht erbringen kann. Dennoch schade, dass der Widerstand nicht viel früher und auf breiterer Ebene kam. Wenn man den Deutschen etwas vorwerfen kann, dann eine viel zu lange eingehaltene Treue.
    Es ist unreif und kurzsichtig Treue über den Inhalt zu stellen. Treue an sich ist kein Wert. Die Mafia hat auch einen Treue- und Ehrenkodex. Hannemann, ich verstehe Dein Entsetzten. Man muss Robert dann auch fragen dürfen, warum er nicht der DDR und ihrer Führung die Treue gehalten hat. Dennoch glaube ich nicht, dass Robert ein Nazi ist, oder mit den Nazis sympathisiert. Es geht ihm "nur" um die Einheit eines Volkes. Was in meinen Augen totalitär ist, egal ob es sich um Hitler oder einen anderen "Führer" geht. Vorwerfen kann man Robert eine demokratiefeindliche Einstellung. Aber das ist nicht neu. Er möchte Adel und Stände wieder aufleben lassen. Zurück ins Mittelalter. Was ich davon halte ist ja bekannt. Aber er ist kein Nazi. Vielleicht hat er in den letzten 14 Jahren gemerkt, daß Demokratie ein sehr schwieriges politisches Ziel ist. Sie bedarf der dauernden Erneuerung von innen. Sie lebt nur durch Kritik und Erneuerung. Das ist anstrengend. Anstrengender als ein Volksführer. Anstrengender auch, als eine Adelsklasse, die die Führung übernimmt. Hier ist jeder Einzelne verantwortlich. Leider wird dies von den einzelnen Menschen viel zu wenig wahrgenommen. Demokratie ist unbequem und fordert eine eigene Meinung, selber zu denken und die Pflicht sich zu informieren. Wenn Menschen dies nicht tun, sollte man sie wecken, aber nicht mit einer neuen Form der Autorität von Entscheidungen abhalten, oder sie darin einschränken (z.B. durch eine unterschiedliche Menge von Wahlstimmen). Aber das führt wieder zu dem unsäglichen "Manifest" von Robert, das mich zu meinem Abschied hier bewogen hat.

  10. #10
    bauer hans
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    AW: Eduard Eisenpflicht: Der 20. Juli 1944 - eine Blamage?

    Werte Kyra, Freund Klammer, danke für eure ausführlichen Antworten, die ich jedoch nicht gebraucht. Mir sind diese Überlegungen zum Tyrannenmord durchaus bekannt.
    Aber das Wort Tyrannenmord fällt bei Professor H. nicht, da steht etwas von MEUTEREI und MEUCHELMORD, und das hat mehr als nur ein Geschmäckle.
    Über Tyrannenmord und seine Berechtigung wurde genug philosophiert, aber den Attentäter des 14. Juli - zu langes Zögern hin oder her - einen versuchten Meuchelmord zu unterstellen, welcher bedenklich aus höher einzuschätzenden Gründen des Staatserhalts, und diese Meinung zu teilen, das alles in Bezug zu Hitler, tut mir leid, das kann ich Robert nicht durchgehen lassen.


    Folglich: Eine Diskussion über Tyrannenmord jederzeit, aber über Meuchelmord, der schon immer als die fieseste Art einer Tötung mit Absicht gegolten, nein. Robert ist Lektor, kann lesen und schreibt ausdrücklich zum Thema 14.Juli, daß er mit Professor H. konform. Es hätte genügend andere Aufhänger gegeben, eine derartige Diskussion zu beginnen.


    Was ist daraus zu schließen? Ohne wenn und aber?

  11. #11
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    AW: Eduard Eisenpflicht: Der 20. Juli 1944 - eine Blamage?

    Hannemann, lern lesen!


    Klammer, so hab ich das nicht ganz gedacht, aber es erweitert meinen Ansatz. Ich will erst mal nur eine psychologische Annäherung an das Denken der nämlichen Zeit.
    Um 1989 war in der DDR der 20.Juli 1944 schon als eine wichtige Tat dem Volke erklärt worden. Wie gesagt, um 1983 setzte da ein Umdenkungsprozeß ein. Es gab von Alexander Lang (eigentlich Regisseur am Deutschen Theater in Berlin) einige sehr gute Dokumentarfilme im Fernsehen, die Zeitzeugen befragten und die ganze chose möglichst authentisch darzustellen versuchten. Diese Filme und ein paar Bücher, die zu DDR-Zeiten erschienen, haben da meinen ersten Paradigmenwechsel in bezug auf diese Frage ausgelöst. Ich sagte mir: "So eine Scheiße. Warum konnte das nicht klappen? Das hätte uns fünf Millionen Tote erspart, Dresden, Hamburg und Wien und und und ganz gelassen, meine Großväter hätten noch leben können, zig Millionen Menschen wären nicht in den KZs draufgegangen. Warum konnte das nicht klappen, daß einer dieses Schwein erschießt?" (diese Frage stellte übrigens auch Churchill)


    Kyra, der liebe Robert ist für Demokratie. Er mag nur die westliche nicht. In meinem Manifest steht nichts über einen König, und Stände gibt es auch nicht. Ich weiß nicht, welchen Text Du heranführen kannst, um Deine Worte zu begründen. Ich jedenfalls habe keinen verfaßt, der Deine diesbezügliche Meinung begründen hülfe.
    Bürger sind bei mir nicht von der Todesstrafe betroffen. Ausnahmen: der erste Bürger, der Kanzler, und die Richter. Über andere kann die Todesstrafe nicht ausgesprochen werden. (Die betroffenen Ausländer will ich jetzt mal ausklammern, weil hier von Bürgern die Rede war. Da es in meinem Manifest aber auch ein Fluchtrecht gibt, ist das mit der Todesstrafe letztlich nur auf diejenigen beschränkt, die Macht ausüben, in concreto auf die Prätendenten des Staates, den Kanzler und den/die Richter. Alle anderen fallen nicht darunter.)


    Soll ich es noch einmal deutlich sagen: Ich will Demokratie! Und ich brauche nicht die persönlichen Erfahrungen aus meiner Lebenszeit in der BRD, um etwas Kritisches zur westlichen Repräsentanten-Demokratie auf dem Fuße des Meistbietenden (Plutokratie) sagen zu können. Ich weiß nicht, in welchem Dunstkreis des Denkens Du lebst: Für Dich sind wohl die Menschen aus dem Osten alle blöd? Zieh Dir mal 'ne andere Jacke an, Dumpfbacke!

  12. #12
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    AW: Eduard Eisenpflicht: Der 20. Juli 1944 - eine Blamage?

    Nicht blöde, aber passiv und nörglerisch. Warum macht Ihr nicht was aus der Demokratie? Warum gründest Du z.B. nicht eine Partei? Das hat sogar Schill geschafft. Ich bin wahrlich nicht DDR feindlich. Als junger Mensch dachte ich, es sei das bessere Deutschland. Und ich glaube noch immer, dass der Westen auch von der DDR etwas hätte lernen können. Aber wo waren da die Stimmen? Als der Osten die Möglichkeit hatte, kam nichts Innovatives, keine neuen Ideen, sondern nur Gezänk und Unzufriedenheit. (mit wenigen Ausnahmen).
    Und was soll ich Dir auf "Dumpfbacke" antworten?
    Evolutionsbremse? Hasenhirn? Honk? Knisterköpfchen? Nullchecker? Opfer? Spacko? Schmock?............such es Dir aus.

  13. #13
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Eduard Eisenpflicht: Der 20. Juli 1944 - eine Blamage?

    Robert, ohne den Schluß hätte ich viel weniger Probleme mit Deiner Replik. Ist das wirklich nötig? Wenn Du über Tyrannenmord diskutieren willst, dann zeige das doch bitte deutlicher. Dir als Lektor legt man ungeschickt formulierte Gedanken eben als "so gewollt" aus. Und dann überschattet die Diskussion um die provokative Art der Fragestellung eine Diskussion über Inhalte. Das kann nicht wirklich Deine Absicht sein...


    Ansonsten muß ich wieder einmal Herrn Klammer zustimmen. Mit einer Einschränkung: Der 20.Juli war durchaus auch in der DDR ein (wenn auch marginalisiertes) Thema.

  14. #14
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Eduard Eisenpflicht: Der 20. Juli 1944 - eine Blamage?

    Ich nehme den Schmock, Kyra.


    Ich rege mich ja schon, versuche eigene Gedanken auf den Weg zu bringen. Ich glaube, Kyra, daß gesellschaftliche Veränderungen bei uns ihren Ausgang nehmen werden; im Westen ist alles sehr verkrustet; abgesehen davon kam in unserer Geschichte nur selten was Gutes aus dem Westen/Süden. Parteien lehne ich ab. Ich habe mich im Manifest dazu geäußert. Parteien bringen gar nichts, egal welche.
    Die DDR war Deutschland, eines ohne Füße und ohne Kopf, eben nur noch der Kern Deutschlands. Ich lebe in diesem Kern, weiß, wovon ich rede. Das hatte aber nichts mit der DDR zu tun, die glücklicherweise nur eine historische Episode war, sondern mit dem Land, mit den Menschen und mit dem Wetter. Und mit dem Essen. Ich sage nur Bötel, garantiert von einem Bulgaren in der Mikrowelle aufgewärmt. Vielleicht liegt der Kern Deutschlands aber nicht im Boden, sondern im Herzen, vielleicht aber nur. Das dazu.


    Wo sind eigentlich die Textbelege zu den Vorwürfen, die hier erhoben worden sind?


    Es ist immer das gleiche: Leute, die aus dem Forum geworfen wurden oder "freiwillig" gingen, reißen hier mit halbgaren Behauptungen das Maul auf, bleiben jeden Beweis schuldig und ziehen sich nach der kleinsten Prüfung ihrer Vorwürfe schmollend zurück, um in einem Monat wiederzukommen und wieder mit Kot zu werfen, den Ruf des Forums und meinen schädigen wollend. Und da die Zahl der Herausgeworfenen bzw. freiwillig Gegangenen stets nur wachsen kann, wiederholt sich dieses Spielchen.
    Immerhin hat jetzt wenigstens Kyra gerafft, daß ich kein Nazi bin. Aber es gibt oberflächlichere Naturen, die ein Befassen mit diesem Thema unserer Geschichte schon als Indiz dafür nehmen, daß einer... und so weiter... Schublade auf, Name rein, Schublade zu. Und wenn einer bloß einen zitiert, der um 1944 was schrieb, dann ist er schon ein Nazi, auch wenn der, den er zitierte, kein Nazi war...
    Professor H. war kein Nazi, Depp, er hat sich gegenüber Hitler mehr als einmal kritisch zu dessen Politik geäußert - u.a. sagte er Hitler bei der Unterzeichnung des Münchner Abkommens auf den Kopf zu, daß Hitler damit den Krieg evoziere und er dieses Abkommen nicht gutheißen könne! - und war bereits 1941 einmal in "Ehrenhaft". Aber Professor H. war als Träger des EK I. (Eisernes Kreuz 1. Klasse) und als Weltkriegsgeneral des ersten Krieges, außerdem als guter Freund Heß', der einer seiner Schüler gewest, bis zu dessen England-Flug 1941 unangreifbar...

    Man muß einen Text erst einmal als das nehmen, was er eben ist. Wenn uns die Amerikaner hier etwas in der Literaturwissenschaft brachten, dann diese Erkenntnis des new criticism (um 1935), daß man einen Text UNABHÄNGIG vomn biographischen Kontext lesen solle. (ich kann diese Meinung durchaus akzeptieren, wenn ich sie auch nicht zum Credo erheben möchte)


    Also, wenn da ein Zitat steht, ein historischer Bezug da ist, dann sollte man sich nicht an demjenigen reiben, der dieses Zitat verfaßte, sondern schauen, was in dem Text steht. Wenn ich interpretiere und Kontext gebe, dann wird aus dem einfachen Text schon eine Interpretation, dann setze ich dem Pferd schon Scheuklappen auf.


    Mir geht es in diesem Forum jedoch darum, daß das Wort als das genommen wird, was es eben ist, ein auf jeden einzeln verschieden wirkendes Manifest Gottes.


    Wenn ich also ein Zitat von Professor H. von August 1944 mit historischem Bezug zum 20.Juli 1944 bringe, dann will ich das nicht erklären oder kontextualisieren, sondern ich will damit - wie hier ausdrücklich genannt - eine psychologische Stimmung wiedergeben, die ihrerseits dazu führen könnte, daß mancheiner sich veranlaßt sieht, über diese wichtigen Vorgänge innerhalb unserer Geschichte nachzudenken und seine eigenen Ansichten und Gefühle dazu zu befragen. Nicht aber sollte derjenige, der das Zitat brachte, als einer beschimpft und diffamiert werden, der irgendwelche politischen Absichten etc. trüge.


    Ich bin hier auch kein bißchen mißverständlich. Da steht ein Zitat und dazu steht, daß ich diese Ansicht nachvollziehen könne. Und drunter steht eine Meinung, die ich habe und die ich auch nachvollziehen kann, sonst wäre es nicht meine Meinung. Und genau, daß sich in beiderlei etwas widerspricht, das genau war ja die Fragestellung des Ordnereingangstexteinstellers (Ötzi), daß man offenbar zu einer Fragestellung verschiedene Meinungen haben kann, die sich vielleicht nicht immer gegenseitig vertragen. Das nenne ich Psychologie des Schreibens, hier einen Ausgleich zu schaffen oder beide oder alle Meinungen in einem zu kultivieren, zu züchten, wie Nietzsche das nannte, um das in der Schwebe zu halten... Weiß ich jetzt nicht. Eben darüber will ich ja reden, dafür ist dieses Forum ja da. Es ist aber nicht dafür da, daß derjenige, der sich über ein Thema austauschen will und zu diesem Behelf ein Zitat anführt, als einer beschimpft wird, der er nicht ist, nämlich als Urheber einer geistigen Haltung, die vom Zitatnehmer wohl anzunehmen, diesem aber im Grunde auch nicht vorzuhalten ist, weil sich sonst jede Diskussion über Geisthaltungen vordrängen würde und den Text selber ins zweite Glied stellte.

    Das war itzt viel zu schwer für Bauern und Dumpfbacken, denke ich.

  15. #15
    bauer hans
    Status: ungeklärt

    AW: Eduard Eisenpflicht: Der 20. Juli 1944 - eine Blamage?

    Ich halte mich hinfort an die demokratische Empfehlung des Führers eines literarischen Forums und unterlasse Beiträge.


    Langsam wird auch die von mir monierte Übereinstimmung mit der "monumentalen Dummheit" totgequatscht.


    Hätte ich doch geschwiegen, ich Depp. Und willieh, fiel von Dir nicht das Wort Sippenhaft?

  16. #16
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: Eduard Eisenpflicht: Der 20. Juli 1944 - eine Blamage?

    Ich bin mir sicher, daß wir einen Ordner zum 20. Juli hatten...

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