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Thema: Laßt bloß die Finger von Drogen!

  1. #1
    kls
    Status: ungeklärt

    Post Laßt bloß die Finger von Drogen!

    Heute: Wer mit dem Teufel Suppe frisst, brauch einen langen Löffel...


    Es mag ja für den voreingenommenen Leser so aussehen, als oh ich ein Befürworter von Drogenkonsum sei, bei all diesen Geschichten, die ich so absondere. Dem ist aber kein Bisschen so. Bei Gott! In Wirklichkeit bin ich nämlich ein Purist, ein Asket und Moralist: "Der beste Kopf ist der klare Kopf." Dann kiffe ich mir einen, weil ich sonst Drogen nehmen würde. Aber so ganz richtig ist das ja auch nicht...


    Ein Freund beklagt sich: Seine Partnerin hätte seit einem Jahr heimlich Heroin konsumiert. Heimlich? Ja, heimlich. Wie das denn möglich war? Sie sei von Natur aus schon sehr tranig und er hätte es sich einfach nicht vorstellen können.


    Stark. Da geben zwei Menschen zu, dass sie keine Ahnung haben. Weder von sich, noch vom Anderen, noch von der Liebe. Und von diesem pulverisierten Bösen sowieso nicht. Ob ich ihm erklären könne, was da mit seiner Freundin passiert sei. Die Bulliszei hätte sich die Süße in Frankfurt gegriffen. Nun würde er sich vor ihr ekeln. (So ein Entzug ist ja wirklich nicht schön. Weder für den, der ihn hat, noch für den, der ihn sich angucken muss.)


    Wie oft habe ich Menschen in diese Sackgasse rennen sehen, wie wenige fanden den Rückweg. Wie viele durfte ich vergessen. Ja, aber ich hätte doch auch den Absprung geschafft. Klar, nach über 30 Jahren sisyphoskeskem Rumgezappel. Ob er denn so lange auf sie warten möchte.


    Was soll ich sonst sagen. Soll ich darauf hinweisen, dass Heroin stärker ist als jede Liebe?


    Da sind nämlich Kinder und anderweitige Verpflichtungen. Die Angst den anderen zu verlieren, als ob der Andere nicht schon verloren sei. Er sagt: Es geht ihr so dreckig, sie wird bestimmt nie wieder... Null Ahnung, Prinzip Hoffnung und hinterher über die Resultate staunen.


    Verlasse sie, sage ich. Wir wollen in 3 Wochen heiraten, sagt er. Ich sehe nach, ob mein Hirnkasten noch an der richtigen Stelle sitzt. Bei meinem Freund sieht es auch so aus, als ob sich auf seinen Schultern ein Kopf befindet, aber das muss eine Halluzination sein.


    Heroin ist konzentriertes Übel vom Feinsten. Böse, böse, böse! Es verändert das Hirn. Nach einem Entzug bucht dieses diese Erfahrung als Sieg ab und verharmlost sich diesen Selbstmordversuch für Feige. (Ich bin nicht süchtig. Ich habe es doch sein lassen können. Damit habe ich mir jetzt bestimmt eine Belohnung verdient, gelle. Einmal nur, dann lasse ich es wieder - na, und so weiter)


    Ich schlage vor, sich an Fachleute zu wenden, obwohl ich selber ein Gegner von sozialpsychologischen Reparaturversuchen bin. Die Persönlichkeit muss sich steigern, nicht ein- und unterordnen. Einfacher formuliert: Der Mensch muss an seinen Aufgaben wachsen. Das erreicht man nicht über die Abgabe der Eigenverantwortung, indem man sich auf das bequeme: "Ich bin krank!" zurückzieht und die Anderen zu Krankenpfleger macht. Ich halte nichts von palliativer Therapie, welche nur die Funktionsfähigkeit wieder herstellen soll. Alle Junkies, die ich kenne und welche eine Therapie gemacht haben, sind verkrüppelt. Rückfällig werden sie sowieso, und diejenigen, welche nicht rückfällig werden sind noch schlimmer in ihrer Rigidität und diesem idiotisch-puristischen Missionierungsbedürfnis.


    Ich habe es satt andauernd Leute zu verlieren. Koks zum Beispiel! Welche Lücken dieses Scheißkackdreckmistzeugs gerissen hat. Alkohol. Heroin... Nix verkraften se, ohne dabei ab zu drehen. Dazwischen hüpfen die Lunaticks mit wirrem Blick und lassen sich von den Besoffenen zulatten. Kleine Mädchen mit Narben auf der Seele und den Armen erhoffen sich Rettung von fickgeilen Dealern, - Mann, ich könnte kotzen.


    Jaja, Du hast gut reden. Aber selber...


    Ich bin doch kein Vorbild. Wer mich kennt, aber immer noch nicht die richtigen Schlüsse zieht, merkt doch überhaupt nix mehr. Lass die Finger von dieser Frau. Liebe hin oder her.

  2. #2
    Kukack Löntröpp
    Status: ungeklärt

    AW: Aus meinem Tagebuch

    Lieber kls


    Das sind ja ganz allerliebste Standpunkte, welche da vertreten werden. Richtig "Deutsch". Selber Schuld und Schwund ist nun mal überall.


    Ich aber sage: Selbst das Hinauszögern eines unvermeidlichen Endes um nur einige Stunden ist ein Erfolg. Wir leben doch alle nur auf Bewährung. Das Mädchen braucht Liebe. Es sollte nicht auch noch von einem letzten Anker Abschied nehmen. Wer einen Haken an die Person macht, welche er liebt, hat das Wesen der Liebe nicht begriffen.


    Zur Form möchte ich mich nicht äussern. Literarisch gesehen sind Deine Texte jedenfalls ohne weiteren Belang.

  3. #3
    kls
    Status: ungeklärt

    AW: Aus meinem Tagebuch

    Eureka! Ich habe es!!! Die Rahmenhandlung ist die Brunnengeschichte, aufgebläht mit "Opa-Pscht-erzählt-Geschichten" Da läuft der rote Faden lang. Aber Opa Pscht erzählt nur skurrile Alltagsgeschichten. Keine Feen und Elfen, keine Zauberer und Lehrlinge, außer in völlig angemessenen Momenten. Dann wieder Rückblenden. Plot! Ich bau mir Opa Pscht zu einer altersindifferenten Simplizissimus/C.deBergerac-Figur auf. Ein alter Mann gibt seine Erinnerungen preis, an eine Zeit, die nie so wiederkommen wird. Ein menschlich, allzumenschliches Sittenbild einer Epoche der schnellsten Fortschritte. Kinder, als ich geboren wurde gab es kein Fernsehen. Aber der Mensch als Solcher hat sich nicht geändert. Mag mir wer zu- oder abraten? Ich meine, wo ich eh gar nicht viel anders schreiben könnte, selbst wenn ich wollte? Kann man doch aus einem Handicap einen Vorteil machen.

  4. #4
    Tochter aus gutem Hause
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    0

    AW: Aus meinem Tagebuch

    ichweißichweißichweiß Herrgottnochmal!

  5. #5
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Aus meinem Tagebuch

    Literarisch? Dahingestellt, manchmal blitzt es, und seine Blitze gehören in die Pferdeabteilung.
    Was aber ist mit Ludwigs Anliegen? Stoff! Jedwede menschliche Rasse auf diesem blauen (feiner Doppelsinn!)hat das ihr passende Rauschmittel gesucht und gefunden. In unseren Regionen überwiegend Alkohol. Mit dem und seinen Folgen, höchst unterschiedlicher Art, kenne ich mich aus: Belebend, dämpfend, beschwingend, verblödend und irgendwann auch süchtig machend. Meine Frage zielt: Wie unterscheidet sich der Mensch, der 35 kleine Jägermeister gesoffen und am nächsten Tag 40 trinken muß, das gleiche Ziel zu erreichen, von einem, der auf Stoff? Egal, welcher Art, pflanzlich oder chemisch. Wie ist der Entzug? Besteht eine lebenslannge Abhängigkeit von harten Drogen, und warum liest man von so viel jugendlichen Drogenopfern, sehr selten jedoch von Abhängigen um die 40? Rechnet man die Menge der Einsteiger hoch, ist da ein Überhang. Elend verreckt oder - auch durch die Liebe eines Partners - geheilt?

    Der Planet -blauer Planet! - ist verschwunden. Die Weinschorle schuld?

  6. #6
    kls
    Status: ungeklärt

    AW: Aus meinem Tagebuch

    Die Definition von Sucht ist verschwommen. M. E. unterscheidet nichts einen Alki vom Junkie. Ausser dass sich jede Partei für die Bessere hält und dass Alk gesünder ist, - Reinheitsgebot bei Stoff gibt es nicht. Von Domestos bis Arsen alles drin.


    Ich habe mich mein Leben lang mit dieser Thematik praktisch auseinandergesetzt. Bis ich dahinterkam, wie wenig dieser Drachenkampf meiner Intelligenz angemessen ist. Nachträglich hätte ich mich lieber mit was anderem auseinandergesetzt. Ich musste mich mir selber stellen. Erschreckend, wie wenig ich bin, was ich gerne wäre...


    warum liest man von so viel jugendlichen Drogenopfern, sehr selten jedoch von Abhängigen um die 40

    Man nennt es "maturing out", was nur ein schönes Fremdwort für eine biologische Realität ist. Dieses Benennen mit Begriffen ist eine erkenntnismindernde Einschränkung der Wirklichkeit. Man wird halt älter, kälter und entstellter und zu faul hier den Brummkreisel zu machen. Diese Leute verschwinden einfach - sie haben keinen Kontakt mehr zur Drogenszeene, werden statistisch nicht mehr erfasst


    Das Thema ist komplex, kompliziert und komplimentär zur Wirklichkeit von Nichtbetroffenen. Es kann nicht im Rahmen eines Literaturforums angemessen behandelt werden.


    Aber Eines muss ich noch loswerden: Lasst bloss die Finger von davon. Kifft und sauft, solange Ihr mindestens 50 % Eurer wachen Zeit nüchtern bleibt. (Ich habe immer erst nach Sonnenuntergang das erste Bier getrunken... hm... nagut... - meistens jedenfalls) Und 2x per Anno einen Monat lang Nullinger - dann sollte Euch nicht dabei passieren.

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