Nicht erst seit dieser Flut beschäftigt mich der Gedanke, warum der Mensch - und ich denke das kann man fast so generell sagen, diese Faszination am Unglück anderer hat. Ist es, weil man dann das Gefühl haben kann, gut davon gekommen zu sein? Aber das scheint mir nicht zur reichen. Warum werden jetzt jeden Tag nach der Tagesschau Sondersendungen gezeigt. Immer ähnliche Bilder, immer Tränen, Verzweiflung. Ebenso wurden ja nach dem 11. September die Bilder bis zum Erbrechen wiederholt. Welche Instinkte lassen Menschen an Unfällen bremsen, obwohl sie nicht helfen können oder wollen?
Es muß doch eine tiefere soziale oder psychologische Ursache dafür geben, als nur Neugier. Denn erfahren kann man durch diese Glotzerei ja nicht viel. Mittelalterliche Hinrichtungen, Grubenunglücke usw. Es ist ja nicht erst heute so. Nur heute wird es durchs Fernsehn frei Haus geliefert. Ist es immer ein persönlicher Abgleich - mir geht es besser? Ist es Freude an den erlebten Gefühlen der Unglücklichen, weil es so wenig echte Gefühle zu sehen bzw. fühlen gibt?
Es ist einfach zu sagen, das sind alles prollige Idioten - nur greift das nicht tief genug. Schon das Märchen von dem "Mädchen mit den Streichhölzern" erzeugte bei mir und sicher auch bei anderen Kindern nicht nur Mitgefühl, sondern auch ein Glücksgefühl, daß man es wohlig und warm hat.
Also welche sozialen Ursachen kann es haben, daß dies Verhalten sich über Jahrtausende erhalten hat. Genauso wäre ja Gleichgültigkeit möglich, oder Hilfe. Aber es ist genau dieses Dazwischen. Was hat die Gesellschaft davon und was schöpft die Seele daraus?


PS. Sind alle Primaten so? Schauen die Affen auch zu? Können wir nicht anders?


[Diese Nachricht wurde von Kyra am 21. August 2002 editiert.]