darf ich hier einen text posten? also ich probier mal.


---------------------




sage keiner, von tieren könne man nicht lernen. also bei uns wohnen katze und kater. oder sagen wir treffender, wir wohnen mit katze und kater unter einem dach. katze ist mutter von kater, was der längst nicht mehr weiss. bei ihr bin ich mir da nicht so sicher. tut aber nichts zur sache. doch nun zur selbigen. am äusseren kann man die beiden leicht unterscheiden. kater ist doppelt so gross und doppelt so schwer wie katze. sie ist von ungewöhnlich kleinem wuchs. also erweckt er den eindruck von kraft und stärke. was der in katzendingen nicht so versierte mensch assoziiert mit mut und verwegenheit. weit gefehlt! unser kater ist ein richtiger jammerkater. klägliches miau ist die häufigste lautäusserung des burschen. ist er hungrig, und das ist er immer, miaut er. will er raus, und das will er immer, wenn er nicht frisst, miaut er. will er rein, und das will er immer, wenn er gerade draussen ist, miaut er. oft sitzt er nur da und miaut. einfach so. ich weiss dann nicht, ob er traurig ist. oder sich vernachlässigt fühlt. habe ich zeit, streichle ich ihn, worauf das miauen kürzer und seltener wird, bis es einem tiefen schnurren weicht. er ist ja so sensibel!


anders die mutter. wenn die hungrig ist, dann lässt sie ein ärgerliches krächzen hören. "na komm schon, wird's bald!" oder so ähnlich. dabei stellt sie sich auf die hinterpfoten und krallt mit den vorderbeinen die beine des futterspenders hoch. anfangs behutsam, doch sehr bald mit packendem zugriff, um ihr anliegen gehörig zu unterstreichen. söhnchen sitzt daneben und miaut kläglich. sind die näpfe endlich gefüllt, macht er sich gierig mit hörbarem schmatzen und schlingen drüber her. während sie vorsichtig mit der nase testet, ob das, was man ihr da vorgesetzt hat, auch geniessbar sei. schliesslich, als tue sie mir einen gefallen, leckt sie erst einige male am futter, bevor sie einen brocken zwischen die zähne hievt. den würgt sie dann mit todesverachtung runter und blickt mich vorwurfsvoll an. das fressen hier würde auch immer minderer, heisst das. inzwischen ist katerchen schon mit seiner portion zu ende und macht sich über mama ihre her. was dieser gänzlich den appetit verdirbt und sie angewidert kehrt machen lässt. nicht ohne durch ein ärgerliches zucken mit einem hinterlauf ihrer kränkung ausdruck zu verleihen. sie wird wiederkommen, wenn der futterrivale vollgefressen in einer ecke liegt und schläft.


oder beim spielen. da läuft kater auf katze zu und möchte mir ihr balgen. bevor er noch weiss, wie ihm geschieht, kriegt er eine gewischt mit der pfote. dazu ein fauchen, das mir die gänsehaut wachsen lässt. enttäuscht trollt sich der arme und leckt seine seelischen wunden. danach, als wär nichts gewesen, schreitet sie mit hoch erhobenem schwanz auf mich zu und schmiert schnurrend in achterschleifen um meine füsse. katerchen schaut tränenden auges zu, wagt aber nicht, näher zu kommen. und da meint man immer, tiere hätten keine probleme im zusammenleben!


interessant auch die schlafgewohnheiten der beiden. kaum zu glauben, wie viel die schlafen können! ist der bauch voll, wird geputzt und anschliessend gepennt. sag mir, wie du schläfst und ich sag dir, wer du bist. das trifft bei den zweien voll zu. während er überall und in jeder lage kann, sucht sie sich das plätzchen sorgfältig aus. natürlich nicht immer dasselbe, nein! bislang ist es mir nicht gelungen, herauszufinden, nach welchen kriterien sie ihre schlafplätze wählt. weich und zugfrei müssen sie sein, das ist klar. manchmal versteckt, dann wieder frei, aus- und überblick gewährend. (der teure katzenkorb verstaubt seit jahren im keller. irgendwie haben sie den von anfang an boykottiert. weiss der kuckuck, warum.) katerchen hingegen ist da nicht wählerisch. er schläft auf dem parkettboden genauso wie auf dem fliesenboden in der küche. das besonders im sommer, wenn es heiss ist. draussen im garten sucht katze immer ein schattiges plätzchen im grase, wogegen kater der untergrund ziemlich egal ist. er aalt sich auf der erde unter den blumen genauso wie auf den steinplatten am wege. da ist er gar nicht anspruchsvoll. und während sie zumeist schön rund eingerollt ruht, lümmelt er in beliebiger lage dahin. auch bleibt er immer so liegen, wie man ihn gerade ablegt und beweist damit seine flexibilität und anpassungsfähigkeit. sie hingegen blieb noch nie auf dem platz, auf den man sie setzte!


das erinnert sie an menschliche verhaltensweisen? an das verhältnis der geschlechter? sie primitivbiologist und hobby-konrand-lorenz! man kann das doch nicht einfach übertragen! oder?