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Thema: Tagesgespräch 2015

  1. #76
    Kalu
    Laufkundschaft

    Reflexion über Weltpolitik

    (obwohl ich mich damit voll überfordere)

    Wir haben es bei modernen Staaten mit Institutionen zu tun, die das Gewaltmonopol beanspruchen und dieses auch, wenn nötig, mit Gewalt verteidigen. Zweifellos ein Fortschritt.

    Die Bürger eines Landes übertragen das Recht Gerechtigkeit zu üben, auf eine (angebl. vier bis sechs mal geteilte) Struktur und verzichten auf Selbstjustiz. Theoretisch. Funktioniert auch brauchbar genug, eine Art inneren Frieden zu gewährleisten.

    Anders sieht es aus, wenn Staaten mit einander auskommen sollen. Schwärmerische Vertreter eines globalen Dorfes mit weisen Häuptlingen kapieren nicht, dass Staaten unter einander nach anderen Prämissen agieren. Außenpolitik und Innenpolitik sind unterschiedlich: Staaten besitzen keine Instanzen, an die sie ihre Stärke delegieren können. Also behalten sie diese für sich.

    Rousseau hatte den Politikphilosophen die Hoffnung zerstört, dass der Zivilisationsfortschritt innerhalb eines Landes sich auf die Beziehungen zwischen den Staaten ausdehnen könnte und dass die ganze Welt als eine 'allgemeine Gesellschaft' vorstellbar sei: Die Beziehungen zwischen den Staaten würden im 'Naturzustand' bleiben, während innerhalb eines Landes der 'Gesellschaftszustand' herrscht.

    Offenbar hat kaum jemand 'Que l'etat de guerre nait de l'etat sociale' gelesen. Also ich bestimmt nicht.

    Staaten geben ihren Einzelinteressen den Zuschlag vor den allgemeinen, globalen Zielen. Innen und Außenpolitik werden nicht von den gleichen Prinzipien geleitet. Innen ist Stärke dem Recht unterworfen, nach außen bestimmt die Stärke die zwischenstaatlichen Beziehungen, werden durch Verträge geregelt, die jederzeit zu brechen sind.

    Und ich kann Rousseau einfach nicht glauben. Wer das Geld hat, hat die Macht – und wer die Macht hat, hat das Recht. Innen wie außen!
    IP

  2. #77
    Geist von Walter Ulbricht
    Laufkundschaft

    AW: Frei Kiffen

    Zitat Zitat von Kalu Beitrag anzeigen
    Zu den o.s. Beiträgen von den Geistern großer Geister: Wollt Ihr mir etwa beibiegen, wie meine Muse hinkt?
    Niemand hat die Absicht Ihnen irgendetwas beizubiegen.
    IP

  3. #78
    Loachim Ringellatz
    Laufkundschaft

    AW: Was mich aufregt

    Zitat Zitat von Geist von Jean Cocteau Beitrag anzeigen

    Die große Stärke der Narren ist es, dass sie keine Angst haben, Dummheiten zu sagen.


    Wieso die große Stärke? Die Narren bekommen es womöglich nicht mit, daß sie keine Angst führen.
    IP

  4. #79
    Kalu
    Laufkundschaft

    AW: Was mich aufregt

    Lieber Aerolith, finde ich gut, wenn Du das Ein- oder Andere in den Beleidigungsthread schaufelst. Das beantwortet aber nicht meine Frage: Kann man Prinzipien der Innenpolitik auf die Außenpolitik anwenden? Biete mir mal Orientierungshilfe, aber in einfachen Worten. :-)

    Oder ist es eher so, wie bei dem 'mäßigende Einfluss' von Handel, der ja auch nicht funktionöckelt. Wer waren denn die größten Handelspartner Deutschlands bis Kriegsausbruch? Genau. Frankreich und Russland. Nix da mäßigend!

    Ähnlich verhält es sich wohl im Umgang von Hochkulturstaaten mit archaistischen Kulturen?
    IP

  5. #80
    Kalu
    Laufkundschaft

    Ungefiltert

    Mein Hausarzt ist ein netter Kerl. Natürlich muss er seine Praxis nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten führen. Deswegen, und auch weil medizinische Gründe vorliegen, will er mich in sein Ärztekarussell einschleusen: Man überweist sich gegenseitig die Patienten.

    Blutprobe, Laborwerte, gerunzelte Stirn: „Ich möchte, dass sie einen Spezialisten aufsuchen. Einen Leberexperten. Sie haben erhöhte Tumormarker.“

    Der Experte war wohl ein Studienkollege gewesen. Der vermeldete keine besonderen Vorkommnisse bzgl. Leber, aber ich solle möglichst bald einen Lungenfachmann konsultieren. Klar, sobald ich meinen Termin beim Urologen hinter mir habe.

    Also. Leber halbwegs in Ordnung. Lunge angebl. bedenklich. Der Urologe verschrieb mir Durchflussreiniger. Die Nachwuchsärzteschaft kurbelte ihr eigenes System an. Gegen die Alteingesessenen. Das mag eine Unterstellung sein, ich allerdings kann mich nicht gegen solche Überlegungen wehren.

    So. Und nun geht es ans Eingemachte. Ich sehe für meine gesundheitliche Zukunft drei Möglichkeiten:

    Ich verbringe den Rest meiner Tage, und das können durchaus Jahrzehnte werden, in Arztpraxen.
    Ich kümmere mich nicht und lasse der Natur ihren Lauf. Natürlich. Ohne Beihilfe.
    Ich kümmere mich nicht und lasse der Natur ihren Lauf. Unnatürlich. Mit Beihilfe.

    Es besteht kein aktueller Anlass für eine Entscheidung. Der Mensch denkt nicht gerne über seine eigene Endlichkeit nach, jedenfalls vermeidet er das so lange wie möglich.

    Der Trost der Kirchen kurz vor der großen Grätsche – meine Güte, schmiert Euch diese an die Hüte! Zyankali ist da effektiver. Eine Aufgabe, die mir Lebenswille und -freude bis ins hohe Alter sichert, a la Johannes Heesters, habe ich nicht. Schreiben, Klavier, Gitarre, Frauen, Kinder sind mir mehr Last als Bereicherung. Das Wetter ist auch Scheiße!

    Wie gut, dass ich nicht zu Depressionen neige.
    IP

  6. #81
    Kalu
    Laufkundschaft

    Die Bildungsferne vom Subproletariat

    Belesene Arbeiter, bzw. Leute, die Arbeiter wären, wenn sie arbeiten würden, sind mir noch keine begegnet. Im Gegenteil. Alle Handwerker, die ich kenne, sind fast stolz darauf, keine Intellektuellen zu sein und ihre Meinung von Bild und Tagesschau bilden zu lassen. Wenn sie den Mund aufmachen, dann nur um Schweinefleisch und Bier hinein zu stopfen oder unreflektierten Schwachsinn zu plappern. Sie reden nicht über Ideen. Sie reden höchstens, und dann meistens recht abfällig, über andere Leute, oder über Ereignisse, die emotionale Wallungen verursachen. Zur Zeit ist es die Flüchtlingsproblematik, welche selbst unter den Pennern im Park Ängste um den Wohlstand in Deutschland hervorruft.

    Bei den Büromenschen sieht es nicht viel besser aus. So echte kognitiv Anspruchsvolle lassen sich sich auch unter denen kaum welche finden. Sie haben nur gelernt in Teilbereichen ihres Denkens strukturiert zu funktionieren um an ihr Gehalt zu gelangen. Gespräche sind unglaublich ermüdend banal und geprägt von 'Nicht hinterfragen'. Abstrakte Themen werden gemieden und falls man doch mal etwas über den langweiligen Alltag Hinausgehendes thematisiert, werden schnell persönliche Statements zu Naturgesetzen erhoben, denn 'das macht man so!'. Oder, noch schlimmer: 'Was soll man denn sonst machen?'.

    Man betrachte mal die Wohnungen des Prekariats aus dem Blickwinkel der Literatur. Auf der Stelle wird einem der Mangel an Selbiger ins Auge stoßen. Man sieht die obligatorische raumbeherrschende King-Size-Glotze und die Schrankwand (Eichenfurnier auf Spanplatte) voller Nippes und drei dekorativen Büchern. Schwanitz: Bildung. (Geschenk der Schwiegereltern 'wegen den Kindern', aber die glotzen lieber in die Hirnzuscheißmaschine) Gordon: Medikus (Für die Frau, wahlweise auch 'Die Päpstin') und ein Kochbuch ohne Fettflecken: Ronald Dahl: Hamburger wie bei Mac Donald selber klöppeln.

    Funktionieren als Lebenszweck? The show must go on? Darin sind uns alleine die Amöben schon überlegen. Die gibt es nämlich seit wesentlich länger und wir müssen sie auch vermutlich beerben. Genetischer Imperativ, die Weitergabe der Gene und so? Damit werden selbst Katzen fertig.

    Damals, als in Bielefeld ein voll subversives 'Autonomes Arbeiter Jugend Zentrum' entstand, waren gar keine Arbeiter mit dabei. Es waren Studenten, welche das Misstrauen der politischen Polizei wie einen Ritterschlag wahrnahmen. Mann, was wurde da in den Hausversammlungen herum gekrakelt. Links war Muss! Progressiv sowieso. Laut und 'Dagegen' die Sprache.

    Wer also sind die Nutznießer des Bildungsangebotes? Einige Spezialisten in der Wissenschaft. Der Rest der Denker rettet sich in philosophische Gebilde. Bei einigen von denen fängt dann das Hirn an, selbstständig nach Erklärungen zu suchen und spinnt sich dabei mangels Nahrung schnell Einen ab. 'Stimulation wird zu Simulation' und selbst wenn das ein schiefes Metapher sein sollte ist es euphoniepoetisch schön und somit wahr. Jawollja!

    Gestern hat mich meine Tochter besucht. Sie geht bedauernd auf die Dreißig zu, ist direkt nach dem Master als Redakteurin übernommen worden und verdient das Mehrfache von dem, was mir als Rentner an Knete zur Verfügung steht. Mein Sohn verdient auch ein Heidengeld. Und soll ich mal ein Geständnis ablegen? Ich wünsche ihnen diesen langweiligen, aber sicheren Platz INNERHALB der Gesellschaft, nicht das zwangsläufig zum Scheitern verurteilte Bemühen, AUSSERHALB seinen Weg zu finden, so wie es ihr dummer Vater versuchte. Es gibt kein AUSSESHALB! Bild war nämlich schon da.

    Adornos: 'Es gibt kein richtiges Leben im Falschen' kann auch umgedreht werden zu: 'Es gibt kein falsches Leben im Richtigen' – beide Aussagen sind so hilfreich wie Schwimmwesten für Fische. Ich verstehe solche Sprüche adäquat zu Nullaussagen a la: Wie hört es sich an, wenn man mit einer Hand klatscht. Verbale Mandalas.

    Und natürlich ist meine Tochter, trotz ihrer schlechten Herkunft, eher pragmaisch opportun. Sie setzt ihre, natürlich vom Vater geerbte Schönheit, Intelligenz und den Charme bewusst ein um sich Vorteile zu verschaffen. Macht den Shooting Star. Und denkt tatsächlich weiter als die Tagesnachrichten. In größeren Zusammenhängen. Weil …

    … und da komme ich elyptisch wieder zum Hauptthema. Sie hat mit 14, 15, 16 sämtliche Bücher von Terry Pratchett gelesen. Der schrieb spannend und unterschwellig manipulativ weise. Menschlich. Humorvoll. Krass. Er konnte einsaugen, fesseln und ganz nebenbei klug zu 'Aha Erkenntnissen' führen. So wie ich es mal dachte zu können – leider eine Fehleinschätzung.

    Ich bin dem Mann wirklich sehr dankbar. Er hat mir mit seiner Literatur eine Aufgabe abgenommen, die ich nicht selber in dieser Form erfüllen konnte und immer noch nicht könnte. So wie auch der Nachhilfelehrer, den ich auftrieb, als sie zum zweiten Mal drohte sitzen zu bleiben. Der war selber Lehrer und Musiker und umsonst, da Kumpel und seine Band brauchte sowieso eine Sängerin.

    Das Subproletariat bin ich. Ich habe gerade so viel Bildung, dass ich meinen Mangel daran bedauere. Ich habe zu viele Jahre mit Leuten gespielt, die der Dröhnung hinterher hecheln, anstatt Wissen anzusammeln. Meine Kinder schlagen nicht nach mir, danke.
    IP

  7. #82
    Kalu
    Laufkundschaft

    Anstatt Frühsport

    Einer, den ich kenne, läuft herum, als ob er zwei Rollen Stacheldraht unter den Achseln eingeklemmt mit sich rumschleppen würde. Leider ist er auch zu dumm, seine eigene Körpersprache zu entschlüsseln, bzw. kommt erst gar nicht auf so eine abwegige Idee. Er muss der Umwelt zeigen, was er für ein harter Brocken ist. Natürlich will kaum jemand etwas mit ihm zu tun haben, egal wie sehr er sich auch bemüht Eindruck zu schinden. Ein angstbeladener Schisser.

    Ein anderer hausiert mit seiner Hühnerdieb-Mentalität. Er nimmt mehr als ihm zusteht, egal ob es sich um gemeinsames Würstchen Grillen handelt oder den anteiligen Kosten daran. Das Erstaunliche dabei sind die Methoden, wie er sein Kameradenschwein Sein begründet. Er konstruiert irgend eine vergangene Geschichte, bei der er angeblich übervorteilt wurde. Natürlich wird er auf diese Weise nicht weit kommen. Ein bedauernswertes Heimkind mit der Überzeugung, dass die Welt und alle Menschen darauf, ihm etwas schuldig seien und er sich nicht bescheissen lässt.

    Wieder wer säuft wie Loch, hat aber erstaunlicher Weise seit 20 Jahren eine feste Anstellung bei VW ohne sich zu schämen. Findet es schlimm bis unmöglich, dass es Menschen gibt, die lieber Kiffen statt Saufen. Möchte diese am liebsten ins Gefängnis stecken.

    Oder der da. Fliegt aus jedem Job, schimpft aber wie ein Rohrspatz über die kleine Siedlung mit den vielen Türken, die dort etwas besser situiert friedlich in Einfamilienhäusern leben: „Alles von unseren Steuergeldern gebaut.“

    Lauter latent rechtslastige Sprüche als provozierend originelle Gesprächsbeiträge von denen und vielen anderen, welche ich an dieser Stelle nicht näher beschreiben will, die aber alle auf dem gleichen niederschwelligen Bewusstseinsniveau funktionieren.

    Das ist doch DAS gefundene Reservoir für Demagogen: Ich lasse denken!

    Daraufhin versuchte ich mich zutiefst beleidigt in einem witzigen Gedicht. Leider war es gar nicht lustig. Aber, so dachte ich mir, warum soll ich denn alleine leiden? Jetzt, wo ich den Leser dieser Zeilen hoffentlich auch etwas frustrierte, geht es mir doch gleich viel besser. Andere schwingen sich morgens auf ihren Hometrainer.


    Scheinreim (Zwischenstand. Vielleicht bekomme ich es noch rund, aber nicht mehr heute)


    Mein Schwein
    Einstein
    hat Beinpein.

    Für Eisbein
    mit Rheinwein
    scheint sein
    Bein kein
    bisserl begabt
    zu sein. Nein!

    … so gänzlich unampu-
    tiert …




    IP

  8. #83
    Kalu
    Laufkundschaft
    Dem Genderdingsbums entschuldigend vorab folgende Info: Ich könnte auch aus den jungen Männern junge Mädchen machen, aber das würde keiner glauben. Junge Mädchen explorieren irgendwie anders als junge Männer.

    Wenn ein junger Mann aus gutem, oder nicht ganz so gutem, oder gar aus ungutem Hause, Überlegungen um seine Zukunft incl. Schicksal anstellt, dann geht er da meistens empirisch vor, was nichts anderes besagt, als dass er die Konstanten variabel handhabt. Während eines Prozesses ändert sich Vieles, und die Jahre zwischen Zehn und Zwanzig, ha!, ich sage da nur: Oh La-la, aber das wusstet Ihr ja alle schon.

    Der Eine denkt sich: Nee, will ich etwa so werden wie mein Alter ist und den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen, bis ich Hämorrhoiden kriege? Dem Anderen schaudert es bei der Vorstellung, ständig hinterm Tresen rotgesichtig und schwitzend Fleischwaren zu verkaufen und dabei wie bescheuert die blöde Kundschaft an zu grinsen.

    Das kann doch wirklich nicht das Wahre sein!

    Also machen sich viele der jungen Männer aus egal welchem Hause auf, um das Wahre zu suchen. Die wahre Liebe, die wahre Philosophie, das wahre Vorbild, den wahren Gott, die wahre Wahrheit und dann bitteschön aber auch gleich die absolute Ewigkeit. Sie sind maßlos in ihren Ansprüchen und Erwartungen. Sie hören nicht auf die Alten, welche sich kaum noch an ihre eigene, jedoch im Strom der Zeit verlorenen Unbesiegbarkeit erinnern.

    Einige Erfahrungen und häufig auch Narben später kehren die meisten der jungen Männer zwar wieder zurück, doch insgeheim …

    Einige jedoch, leider viel zu wenige, lassen sich nicht von gegenteiligen Beweisen beeindrucken und eifern aus purer Sturheit – ein Synonym für absolute Blödheit (Es gibt tatsächlich absoluten Absolutismus, wenn man den Begriff 'Absolut' nur ein wenig graduell handhabt (Kleinigkeit) – ihrem Wahnwitz unerschrocken hinterher: Ich will die Wahrheit! Und wenn ich sie nicht kriege, dann komme ich und hole ich sie mir! Verdammt!

    Oft enden diese bedauernswerten Menschen in seltsamen Klamotten gehüllt und irgendwelchen gottverlassenen Gegenden wo es viel zu kalt/heiß/nass/mückenverseucht/.../ ist.

    Aus den Überlebenden werden dann viele Künstler. Unter dieser Funktion hat man so eine Art Dauerentschuldigung von Muttern dabei: Mein Sohn kann heute nicht am Sportunterricht/Realitätskonfrontationskurs teilnehmen, weil er krank/ein Künstler ist. Sie dürfen ihn aber in Maßen hauen. (Unzutreffendes bitte streichen)

    Mein Freund Name geändert ist aus gutem Stall. Nach obligatorischer Indienreise, wo er viel zu bedröhnt war, etwas vom indischen Alltag in all seiner Dummheit mit dem Kastenwesen und so zu begreifen (immerhin waren wir gemeinsam unterwegs, so um 1973 herum) wurde er von einer Erleuchtung heimgesucht, hüllte sich in weiße Klamotten und war woodupänk ein Hindu. Das erschien mir aber noch harmlos im Vergleich zu dem, was einige wirklich seltsame Gestalten so vortrugen. Weiße Sadus mit Bettelschale an den Bus- und Bahnhöfen wirkten wirklich befremdlich.

    Na, er kam dann nach einiger Zeit zurück, trank wieder Bier und ließ sich von Papa ein Atelier einrichten. Nach einigen Jahren unter Protektion war er bekannt genug um seine Miete und das Bier selber zu finanzieren.

    Bei einigen klappt es, doch die anderen fallen dem gemeinsamen Vergessen anheim. Gemein!


    Da hätten wir die Linken, die Rechten und die Mitte.

    Dann gibt es die Ultralinken und Ultrarechten.

    Wo aber bleiben die Ultramittigen? Die Sowohl-als-auch-Wischi-waschi-Synthetiker?

    Also beschloss ich eine radikale Mitte zu sein. Fanatisch bis zum Was-weiß-ich-denn die Idiotologie vom brutalstem 'Mir-doch-egal' zu verkünden oder auch zu ignorieren, keine Ahnung und außerdem völlig Wumpe, da, na, meinetwegen auch aus anderen Gründen.

    Meine Parteigründung wurde ein voller Erfolg. Das ganze Land machte einen Mitterutsch und guckte verwirrt.

    Leider übersah meine Bewegung der nationalen Ultramittigen folgenschwer die Große Koalition der Ultralinken mit den Ultrarechten als natürliche Reaktion zwei auf einander eingespielter Feinde bei einer gemeinsamen Bedrohung.

    Tja. Wir, die Verräter an jeglicher gerechten Sache, tatsächlich völlig egal an welcher, gaben allen Seiten so lange Recht, bis ein Krieg unausweichlich wurde.

    Pech für uns!

    IP

  9. #84
    Kalu
    Laufkundschaft

    Ich schäme mich fast, ein Deutscher zu sein

    Wenn die 'Lügenpresse' berichtet, dass Siegfried Däbritz in einer Rede die Anschläge von Paris als "das Ergebnis einer Einwanderungspolitik“ bezeichnet, die Menschen mit völlig unterschiedlicher Kultur" und Werten nach Europa "eingeladen" habe, dann wird mir ziemlich übel.

    Pegida kommentiert wie folgt: 'Ich könnte jetzt sagen, Sie, Frau Merkel, Herr Gabriel, Herr De Maizière, Herr Özdemir, Frau Roth, Frau Fahimi, Frau Göring-Eckardt, Herr Stegner und die gesamte verantwortliche Politik von Deutschland haben in Paris mitgeschossen und mitgebombt. Ich könnte jetzt sagen, Sie alle sind mitverantwortlich für die grauenvollen Ereignisse und sollte es in Deutschland zu ähnlichen Ereignissen kommen, haben Sie alle europäisches Blut an Ihren Händen.“

    Geht es noch kranker? Was seid ihr doch für ein erbärmlicher Haufen.
    IP

  10. #85
    Resurrector Avatar von aerolith
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    übertriebene Selbstreflexion

    Wieso reklamierst Du das auf Dich, Karlchen? Hast Du Verantwortung für das, was Hans Zagel denkt? Was hat das mit Deinem Deutschsein zu tun? Demnächst fühlst Du Dich noch verantwortlich für einen umgefallenen Sack Reis in China, weil ein Deutscher in unmittelbarer Nähe davon seine Schnürsenkel band?

    Zur Sache: Die Bezugnahme ist bei Däbritz ähnlich. Auch er setzt Zusammenhänge und Verantwortlichkeiten, wo es sie nicht gibt, besser, wo Verantwortung von Politik aufhört, verantwortlich zu sein. Attentate, Mordversuche, politische Konflikte sind keine Erfindung des Westens oder des Islam, sie gehören zur Menschheit. Wenn ich da nur an die Pulverfaßverschwörung um 1600 in Britannien denke. Da wollten welche das Parlament in die Luft sprengen. Schuld hatte die Wissenschaft, die das Pulver erfand. Klar?

    Die hiesigen Segensträger der Politik tragen allerdings Verantwortung für etliche Rechtsbrüche im Kontext der fortlaufenden Aufnahme und Beköstigung von Weltenbummlern. Was daraus wächst, kann man heute nur vermuten, vielleicht auch als wahrscheinlich mutmaßen, aber das hat mit den Attentaten von Paris nichts zu tun.
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  11. #86
    Kalu
    Laufkundschaft

    AW: übertriebene Selbstreflexion

    Weltenbummler ist ein schönes Wort für Flüchtlinge. Gleich schäme ich mich sogar für Dich.

    Das mit den Rechtsbrüchen muss mir mal wer erklären. Ich sehe keine. Und ja. Ich fühle mich für jede Form von Ungerechtigkeit und Übel auf der Welt verantwortlich. Komisch, gelle? Dabei bin ich noch nicht mal religiös.
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  12. #87
    Kalu
    Laufkundschaft

    Mir ist heute nach unreflektiertem Meckern

    Es sind weniger die Probleme, als die Leute, welche Probleme brauchen um sich aufzuregen. Über Staat, Flüchtlinge, Kiffer, Nachbarn …

    Nehmen wir die Grundsicherung für Arbeitslose. Das Geld (ca. 700,00 €) reicht nicht aus.

    Denn: 'Im vergangenen Jahr hatte nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes jeder dritte Erwerbslose – exakt waren es 34,6 Prozent – finanzielle Schwierigkeiten, mindestens jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit einzunehmen.'

    Weiter: 'Jeder fünfte Erwerbslose (19,1 Prozent) hat Probleme, die Miete oder Rechnungen für Versorgungsleistungen rechtzeitig zu begleichen. Von 2013 bis zum vergangenen Jahr erhöhte sich die Zahl dieser Menschen um 62.000 auf 590.000. Gut 18 Prozent der Arbeitslosen konnten aus finanziellen Gründen ihre Wohnung nicht ausreichend heizen. Insgesamt litten im vergangenen Jahr 30,9 Prozent der Erwerbslosen in Deutschland unter "erheblicher materieller Entbehrung".' (Eingabe: 'Mahlzeit Arbeitslose' in einer Suchmaschine der freien Wahl.)

    Nun frage ich mich, als langjähriger Harz4 Empfänger: Wie denn schaffe ich es? Ich leide keine Not, habe eine warme Wohnung, esse gut und gerne. Was überhaupt ist denn 'materielle Entbehrung'?

    Genau: Eine Einbildung! Wenigstens in Deutschland, wo man sich schon viel Mühe geben muss um zu verelenden. Klar, man kann nicht den selben Lebensstandart halten, wie der Nachbar mit 2.000,00 Netto. Keine Markenklamotten, keine Restaurantbesuche, keine tollen Autos, keine allerneuesten 'Kommunikation- und Informationsgerätschaften', aller Welt Einen zu erzählen, keine neuen Ikea-Möbel ...

    Man kann nicht mehr angeben! Man kann aber Hasskommentare versenden. Das lenkt von der eigenen Erbärmlichkeit ab, man trifft auf viele Gleichgesinnte, und die können doch nicht alle falsch liegen.

    Es ist ekelhaft, wie mit der Beschränktheit gewisser Bevölkerungsgruppen Politik gemacht wird. Die echten Probleme können schlecht gelöst werden, wenn überlagernde Probleme ihre Identifikation erschweren.

    Ich habe ca. 300,00 € im Monat nur zum Verprassen. Davon gebe ich fast die Hälfte für Kiff-Kram aus. Also unterscheide ich mich kaum von denen, die im Schnitt 175,00 € für Alkohol benötigen.(Diese Zahl habe ich irgendwo her, Quelle nicht verifizierbar, aber mir recht nachvollziehbar, wenn ich mich so umblicke.).

    Also haben wir da eine Menge Leute, denen das alles nicht recht ist. Die nicht zugeben können, dass sie innerhalb gewisser Maßstäbe versagt zu haben. Anstatt diese Maßstäbe mal auf Plausibilität abzuklopfen, tragen sie ihren Zorn nach außen, auf NOCH Schwächere!

    Wenn diese 'Biodeutschen' dann nach 20,00 € Feuerwasser auch noch erfahren, dass die Pariser Attentäter als Flüchtlinge eingereist sein sollen, vermengen sie in ihrem Kopf unter demagogischer Anleitung diese Fakten. Hinzu kommt angebliche Bevorzugung der Flüchtlinge. AD erzählt von Deutschen, die aus ihrer Wohnung geworfen werden, um Platz für Flüchtlinge zu schaffen. Ob wahr oder falsch ist unwichtig. Man kann seiner Empörung nachgehen.

    Das Bundeskriminalamt stellt keine signifikant größere Kriminalitätsrate bei Flüchtlingen fest. (http://www.zeit.de/gesellschaft/zeit...htsextremismus) Aber das will niemand wissen. Lieber einen Schockartikel in der Huffington Post lesen. 'Alles Normal ist langweilig'. Beruhigende Informationen lassen sich schlecht verkaufen.

    Ein Land im Hassrausch. Endorphine, Adrenaline werden ausgespuckt und wirken wie Lebenselixiere bei denen, die ansonsten nix mehr merken und antiintellektualistisch stolz auf ihre Dumpfbackigkeit sind.

    Ich hasse den Hass!
    IP

  13. #88
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    AW: Mir ist heute nach unreflektiertem Meckern

    Der Hass verdient es nicht, gehasst zu werden. Es wäre zu viel der Ehre für eine Illusion.

    Hass ist Kopfkino und Projektion. Unwürdig, ausgelebt zu werden.

    Hinter dem Hass steht ein Mensch, dem nicht beigebracht wurde, sozial zuträglich mit Herausforderungen umzugehen.

    Hass ist die dümmste Verhaltensoption, die wir in einer beliebigen Lebenssituation wählen können.

    Ist dieser Hassrausch nicht ein geistiger Inkubationskeim?

    Liebe ist das Gegenkonzept zum Angriff und der Weg zu Frieden.

    Verkehrt wäre es, Ursachen und Wirkungen zu vertauschen, denn Du bemerkst richtigerweise: Hass wird als Lebenselixier der Lieblosen verwendet.
    IP

  14. #89
    Kalu
    Laufkundschaft

    Mir ist nämlich immer noch nach emotionalem Mecker!

    Erst wenn die letzten Schweinebackenbrüllaffen verstummen, können die leiseren Töne, welche zum Maßhalten auffordern, zum Innehalten und moralischem DENKEN (was immer das auch sein mag) gemäß der abendländischen humanistischen Philosophie, auch von denen gehört werden, die ein wenig Anleitung nötig haben.

    Nur ein stummer Idiot ist ein guter Idiot!

    Nein, lieber WSIB, ich hasse nicht in dem Sinne. Es ist eher eine Art wehrhaftes Mitleid: Die sind ja noch dümmer als ich.
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  15. #90
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    AW: Mir ist nämlich immer noch nach emotionalem Mecker!

    "Eine Person ist eine Person durch andere Menschen" Aus dem afrikanischen Humanismus.

    Durch unser Urteil machen wir Menschen zu Personen. Ein Prison für alle entsteht...
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  16. #91
    Kalu
    Laufkundschaft

    Afrohumanismus?

    Das ist vielleicht eine afrikanische Formulierung, aber vom Inhalt her schon lange bekannt; wir werden erst durch andere Menschen zu Menschen. Im Umgang mit anderen erkennen wir uns selber – eingeschränkt nach Kalu: Falls wir wollen.

    Wenn bei einigen Völkern in Afrika die Jungen aus dem Gröbsten raus sind, ihre Initiationsrituale überstanden haben, womöglich auch einen Feind getötet haben, gibt es das 'Erwachsen-Sein' Ritual. Habe ich irgendwo gelesen: "Du bist nun ein erwachsener Mann, kein Krieger mehr. Du nutzt nun den Verstand."

    Irgendwo las ich mal, dass bei den Buschmännern das Wort 'Fremder' auch ein Synonym für 'Zielscheibe' sein soll, aber das halte ich für eine böswillige Unterstellung meinereinerseits.
    IP

  17. #92
    Kalu
    Laufkundschaft

    Ja, wo laufen sie denn?

    Ich finde, es ist höchste Zeit für allgemeines Outing. So wie AD, der sich deutlich als bekennender AfD Anhänger präsentierte. Ich möchte hier wenigstens EINMAL lesen dürfen (und zwar nicht von mir): Pegida, NPD, AfD und Konsorten sind nicht Teil der Lösung, sondern ein gravierender Teil vom Problem.

    Der internationale Rechtsrutsch ist auch nicht zu übersehen. Ist Frieden denn so langweilig? Polens Rechte wollen die Verfassung ändern, Trump wütet in Amerika und die Stimmen der Vernunft flüstern aus politischem Kalkül nur ganz leise. Niederlanden! Ungarn! Türkei! Israel!

    Hass will uns die Freude am Leben nehmen und wir? WIR LASSEN ES ZU!

    Wir werden den Krieg in den Köpfen um die Moral verlieren, wenn wir nicht aufstehen und laut rufen: „Ja, es gibt viele Probleme. Ja, es war noch nie einfach, ein Mensch zu sein. Und ja, unsere Entscheidungsträger sind größtenteils korrumpiert. Die Demokratie ist wirklich die schlechteste Regierungsform – mit Ausnahme aller anderen. Und die Demokratie gilt es zu bewahren, zu schützen und zu verteidigen. Auch in Vorwärtsverteidigung.

    Rechts liegt das Land der braunen Dunkelheit. Links liegt das Land der Theorie. Wir haben es hier aber mit der Wirklichkeit zu tun, mit massiven Angriffen von allen Seiten auf unsere Rechtsgüter – und sofern wir FÜR Menschenrechte, FÜR Demokratie, für FRIEDEN sind, müssen wir das auch zeigen.

    Lasset uns fanatisch gegen den Fanatismus protestieren. Auch dann, wenn er in Form von Religion einen auf Sakrosankt macht. Wir können nicht viel mehr tun als Schreiben, ich weiß. Wir haben nur die metaphorische Feder als Waffe um 'Beeinflussbare' vor Demagogie zu schützen. Ich finde, es gibt unedlere Methoden, seiner Hoffnung Ausdruck zu verleihen, man könne die Welt wenigstens ein kleines bisschen besser machen.

    Der fanatisch- 'gesunde' Menschenverstand muss noch erfunden werden – ich arbeite daran, o.k.?
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  18. #93
    Kalu
    Laufkundschaft

    Laufen sie etwa da? Oder dort?

    Sogar die Bild, sonst für jede Form der Massenverdummung zuständig, rudert allmählich gegen den Hass. Ich staune und mir drängt sich Pail Webers: 'Das Gerücht' auf.

    http://www.bild.de/politik/inland/facebook/geruechte-verunsichern-eine-ganze-region-43310864.bild.html
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  19. #94
    Resurrector Avatar von aerolith
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    26

    AW: Laufen sie etwa da? Oder dort?

    liebes karlchen! ein hinweis zur arbeitsweise. links bitte nicht nur angeben, sondern die wesentlichen passagen herauskopieren und hier einfügen. viele internetangebote sind nur kurzzeitig aktiv. am ende hängen hier hunderte links als tote in der luft und keiner weiß später (in ein, zwei jahren), was du eigentlich meintest.
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  20. #95
    Kalu
    Laufkundschaft

    AW: Laufen sie etwa da? Oder dort?

    O.K. Aerolith. Verstanden und völlig klar. Ich zitiere ausschnittsweise:


    'Die Sorgen sind durchaus verständlich, da täglich bis zu 10 000 Flüchtlinge über die nahe österreichische Grenze strömen. Ich höre mir die Sorgen an. „Kathl, du weißt, ich hab nichts gegen Flüchtlinge, aber hast du schon gehört, dass Ladendiebstähle durch Asylanten unter 50 Euro nicht angezeigt werden? Das zahlt die Stadt für die“, sagen sie mir.

    „In Passau gibt es eine Vergewaltigung nach der anderen. Wird alles nicht öffentlich gemacht, damit die Leute Ruhe bewahren“, schnappe ich in der Konditorei auf. „Die schütten das Wasser, das wir ihnen geben, aus und kaufen sich Bier von dem Pfand“, behauptet der Nächste. Alles verbrieft von einem „Spezl“, der das ganz sicher aus erster Hand weiß.

    Kann das sein? Ich habe „die“ doch bei meinen bisherigen Recherchen in der großen Mehrheit ganz anders erlebt: dankbar.

    Landrat Sebastian Gruber (33, CSU) sagt: „Diese Gerüchte sind uns leidlich bekannt. Ich bekomme immer wieder, auch in Bürgersprechstunden, Fragen dazu gestellt. Interessanterweise haben mir Landräte aus anderen Regionen bestätigt, dass dieselben Gerüchte auch bei ihnen aufploppen. Es heißt, Flüchtlingskinder bekämen alle ein neues Mountainbike, der Landkreis würde Diebstähle durch Flüchtlinge bei den Ladeninhabern begleichen, um die Stimmung nicht aufzuheizen. Konkret kursiert das Gerücht, ein Flüchtling habe eine teure Lederjacke an der Kasse des Modehauses Garhammer nicht bezahlen wollen und das Landratsamt habe die Rechnung für ihn übernommen. Mir ist keiner dieser Fälle bekannt. Wir werden alles tun, um diese Gerüchte zu dementieren.“

    Die Jacke, da war doch was . . . Exakt diese Story hatte ich neulich auf Facebook bei einem gewissen Claudio P. gelesen. Er wohnt im Nachbarlandkreis, der Laden heißt bei ihm Spieth und Wensky. Er schreibt, er habe das persönlich von einer Verkäuferin beim traditionellen Allerheiligenessen erfahren.

    Ich rufe ihn an. „Dass diese Geschichte in mehreren Geschäften passiert ist, beweist doch nur, dass sie stimmt. Ich weiß noch zwei weitere Fälle aus anderen Städten“, sagt mir der 51-jährige Computerspezialist.

    Insgeheim hatte ich gehofft, er sei ein Depp, damit er schön in meine Schublade passt. Doch der Mann ist intelligent, klingt sympathisch. Der Dreifach-Papa erzählt mir von seinen Ängsten vor ISIS, dass er nichts gegen Flüchtlinge habe, sondern gegen das Versagen unserer Politik. Die Bürger hier fühlen sich von Frau Merkel im Stich gelassen und belogen. „Mein Schwager fischt jeden Tag weggeworfene Pässe aus dem Wald. Wissen Sie, was hier an der Grenze abgeht?“

    Ich frage bei Spieth und Wensky zum Thema Lederjacke nach. „Haben wir auch schon mal gehört. Ist aber bei uns nicht passiert“, heißt es. Claudio P. antwortet: „Typisch feig. Zu nichts stehen.“ Überhaupt hätten alle, von Polizei bis Stadt, einen Maulkorb erhalten. Es ist schwierig geworden, in Deutschland über Flüchtlinge zu diskutieren.

    Dass Polizei, Merkel und Medien nicht ehrlich sind, glaubt auch Jana F. aus Passau. Bei Facebook gefallen ihr Frauke Petry und die AfD. Ihre Pinnwand ist voll mit Anti-Flüchtlingskommentaren. Sie postet Fotos eines demolierten Polizeiwagens, die sie am Grenzübergang Achleiten geknipst hat und schreibt: „Polizeiauto liegt auf dem Dach, ich sage doch, die lassen sich nicht mehr stoppen.“
    Die 34-Jährige wohnt in einem Mietshaus ein paar Schritte vor der österreichischen Grenze. Am Straßenrand liegen Plastikbecher, Klamotten und schimmeliges Brot, das die Flüchtlinge hinterlassen haben, ehe sie neben Janas Haus vor dem „Gasthof zur Freiheit“ in die Sonderbusse stiegen. Nicht schön für die Einheimischen. Aber haben die Flüchtlinge wirklich randaliert, sogar einen Polizeiwagen umgeworfen?

    Die Bundespolizei sagt: „Bei einem kurzen Stopp auf dem steilen und mit Laub bedeckten Waldweg rutschte das Dienstfahrzeug rückwärts in einen Graben. Also kann von einem mutwilligen Angriff von Migranten auf die Bundespolizei, hier speziell auf das Dienstfahrzeug, überhaupt nicht die Rede sein.“ Das bestätigt auch Kfz-Meister Manuel Lang (35). Er hat der Polizei nach dem Unfall geholfen und zeigt mir die Spuren auf dem weichen Waldboden, wo der Polizeiwagen umgekippt war. Lang freundet sich bei Facebook mit Jana F. an um aufzuklären, kommentiert ihren Post. Jana bleibt dabei: „Sehr mysteriös“.

    Auf meine Anfrage, ob sie mir ihre Ängste erklären möchte, reagiert sie nicht. Ihre Nachbarn, eine ungarische Familie, erzählen, dass ihr Kind nicht mehr mit Jana F.s 12-jähriger Tochter spielen darf. „Sie hat gesagt, weil ich Ausländerin bin“, meint die Neunjährige.
    Jana greift bei Facebook ein weiteres Gemunkel auf: Angeblich gab es am Grenzübergang Schüsse wegen der Migranten. Dieses Gerücht hat jeder in Passau schon einmal gehört. Fakt ist, an dem Tag, als in den sozialen Netzwerken über die Schüsse diskutiert wurde, haben die Jäger auf österreichischer Seite die Jagdsaison auf Enten eröffnet. Der Schärdinger Bezirksjägermeister Franz Stadler (58) kann über die Legende vom Flüchtlingsschusswechsel nur lachen. „Völliger Schmarrn, das waren wir“, sagt er, während wir eines der Beweisstücke in einem österreichischen Gasthof verzehren.

    In Freyung beobachte ich auf den Stufen der Maria-Himmelfahrt-Kirche zwei verschleierte Frauen mit Kopftuch und Kinderwagen. Die letzten Frauen mit Kopftuch habe ich hier als Kind gesehen; alte Mütterchen, die sich für die Kirche fein gemacht hatten.
    Angst vor Fremdem ist uns angeboren. Manche scheinen es dankbar anzunehmen, wenn sie, sei es durch Gerüchte, bestätigt wird. Wie würde ich reagieren, lebte ich nicht in einem Berliner Multikulti-Viertel? Würde ich die Märchen glauben, sie teilen? Ich weiß es nicht.
    Als ich in Passau in den Zug zurück nach Berlin steige, sehe ich ein Flüchtlingsmädchen ohne Schuhe auf dem Bahnsteig. Bei 4 Grad Celsius. In Nürnberg wird auf dem Nachbargleis ein Mann aus einem Sonderzug gebracht. Sanitäter stützen ihn. Er ist schrecklich abgemagert.

    Ich sitze im Zug und mache mir Sorgen. Große Sorgen. Dass wir uns nicht mehr zuhören, dass wir einfach weiterplappern, was wir irgendwo aufgeschnappt haben. Bin ich jetzt auch eine besorgte Bürgerin?
    Von Katgarina Windmaisser



    Und von mir persönlich gibt es auch etwas unglaublich Wahrscheinliches zum Thema Verschwörung der Deutschlandzerstörer.


    Ist die AfD eine fünfte Kolonne des I.S.?

    Was will der I.S.? Na? Richtig. Angst schüren, Destabilisierung, Terror verbreiten, die Grundfesten der Zivilisation zerstören und durch archaische Gewaltvorstellungen ersetzen. Klar? Klar.

    Ihnen ist die ganze Welt der Feind! Und den gilt es zu schwächen! Am Besten mit innenpolitischem Chaos. Nicht zum Denken kommen lassen, in seine Entscheidungsabläufe eingreifen. Mit Problemen zuschütten und das Durcheinander ausnutzen.

    Petri ist eine Schläferin. Getarnt als Gattin eines Pastors, eingeschleust seit ihrer Geburt.

    Völlig eindeutig. So wie seinerzeit aus dem Destabilisierung Fond der DDR Gelder an die Studentenrevolte ab 1967 geflossen sind, wird hier vom Imam Ballawupdich Finanzierungsunterstützung gewährt.

    Jawoll-Ja! Und wer das nicht glaubt, gehört schon zu den Anderen.
    IP

  21. #96
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    AW: Laufen sie etwa da? Oder dort?

    Aber auch für die Anderen sind immer andere schuld.

    Ein Problem ist kein Kontrablem. Ein Kontrablem wäre gegen uns, ein PRO-blem ist für uns.

    Was könnten denn alle aus der Situation lernen?

    Und: Was wollen wir nicht lernen?

    Wenn immer nur die Anderen etwas zu lernen haben, lenken wir von unseren inneren Defiziten ab.

    Es ist offensichtlich und unbestreitbar, dass wir alle uns bisher geirrt haben.

    Der Reiz der Schuld ist die Ablenkung davon, selbst NICHT Lernen zu wollen.

    Wir wollen nur unsere Standpunkte verteidigen. Dabei ist das Leben ein Fluss ständiger Veränderung und Schuld bietet die Möglichkeit, einen scheinbar berechtigten Widerstand gegen die Veränderungsenergie aufzufahren.

    Es ist jedoch keine Kommunikation, mit einem vorgefassten Standpunkt in ein Gespräch / eine Situation zu gehen. Wir kommunizieren dann nicht, sondern beharren auf unseren Irrtümern.

    Was will denn der Hass eigentlich sagen? Was will er werden, wenn er erst mal "groß" geworden ist?

    Sind es nicht Ängste, die wir nur ausräumen können, wenn andere unserer Offenheit für ihren jetzigen Standpunkt fühlen?

    Ablehnung bringt uns nicht mehr weiter. Wir können die Situation nur annehmen lernen, wenn wir uns fragen, was wir wirklich wollen, statt ständig zu definieren, was wir nicht wollen.

    Wir wollen diesen Hass nicht. Und stärken ihn doch, indem wir die Schuld als wirklich wahrnehmen. Die Schuld will Unschuld werden. Das ist die historische Schicksalsbelehrung. Daher sollten wir Vergebung zum Mittel machen, mit Mitgefühl einen anderen Weg zu finden.

    Niemand trägt die alleinige Schuld, es ist eine aus unseren Fehlentscheidungen gewachsene Situation. Wählen wir doch lieber eine verbundene Sichtweise und stellen fest, dass wir eine globale Geistesschulung benötigen, die uns die Angst vor Veränderung nimmt, indem Vertrauen ermöglicht wird.

    Konflikt entsteht aus dem Wunsch, sich nicht verändern zu müssen, sondern die Welt. Aber die Welt kann nichts für unsere begrenzten Entscheidungshorizonte. Es gibt keinen Konflikt, der nicht durch Vergebung geheilt wäre, doch wir beharren auf selektiven Schuldzuweisungen. Dann betrachten wir eine schuldige und gefährliche Welt. Eine Welt ohne Liebe und ohne Freude entsteht aus Ablehnungsstrategien. Das sind wir, im Wahn der Schuld.

    Durch Aufregung wird Aufregung nicht weniger. Gelassenheit entsteht, wenn wir erkennen, nichts erkannt zu haben. Wo bliebe dann die Schuld im Außen?

    Wo ist die Freude hin, glauben wir an die Schuld im Außen? Es ist eine globale Vertrauenskrise, die im Geist beginnt. Wir wollen die Vergangenheit nicht loslassen. Obwohl diese "Löschung unserer Irrtümer" der einzig gangbare Weg ist: Alle haben sich geirrt. Niemand hat mit seinem starren Standpunkt Recht. Dann könnten wir uns darauf besinnen, etwas Lebensfreude zu verbreiten, um der Angst die Ursache zu nehmen.
    IP

  22. #97
    Kalu
    Laufkundschaft

    Laufen lassen!

    Man sollte diese ganze Brut übers Knie legen und den Popo versohlen (natürlich nur mit Liebe und Respekt, hoho!): „Ihr lebt hier in einem Land, das gut zu euch war! (Klatsch) Ihr schuldet diesem Land Dankbarkeit, (Klatsch) und was macht ihr? (Klatsch) Ihr streut Hass in ein System, das euch Freiheit, Geld und Sicherheit (Klatsch) gibt, gut zu leben, gut zu denken, gut zu fühlen und (Klatsch) – gaaaanz wichtig – gut zu handeln. Verdammt noch mal, was seid ihr doch für eine miese Poke.“

    Wird nichts nutzen, ich weiß, denn Hass ist den Nixmerkern attraktiver als Nächstenliebe. Adrenalinsüchtige! Wie soll ich nur mit euch umgehen, ohne selber infiziert zu werden?

    Ich neige nicht zu mystischem Denken. Ich glaube nicht, dass man das Schlechte auf der Welt weg meditieren kann. Das ist das Problem, auch mit den Guten: Sie sehen die Welt, das Leben so, wie sie es gerne hätten und verstellen sich damit den Blick auf die Realität. Ich habe immer wieder Probleme zu erklären, dass Philosophie nicht nutzt, wenn es konkret wird. Höchstens als Basis, als Startloch. Mit Philosophie oder Religion, mit mysteriösen 'Weltengeist' oder Gottesglauben sind konkrete Probleme nicht zu lösen. Und schon wird über den Begriff 'Realität' diskutiert und dass diese bestimmt nur eine Illusion sei.

    Ja, Frieden ist etwas Langweiliges – ich ziehe ihn dennoch einem aufregendem Krieg vor. Ich mag es wenn die Dinge langweilig sind. Sie halten dann länger.

    Hass speist sich – wie auch die Liebe – aus einem tief verankerten Urprogramm, dem Unterbewusstsein. Da kann man nicht gegen an argumentieren. Ich erlebe es ständig in den Diskussionen mit denjenigen, die den Krieg in ihren Köpfen nicht kontrollieren können und nach außen tragen. Sie gehen NOCH überzeugter von sich und ihrer Meinung, die sie erade erfolgreich verteidigten, aus jeder Diskussion hervor: Mag ja sein, dass es ein Deutscher war, der Flüchtlingskinder entführt, gefickt und getötet hat, ja, aber für unsere Deutschen Frauen würden die Angst-räume größer. Mensch, die sind wegen eurer Hetze so verunsichert und auch schon vor 20 Jahren ging jede Frau ein Risiko ein, wenn sie nachts alleine durch eine Unterführung lief. Erfundene Vergewaltigungen deutscher Frauen werden lautstark zur Kenntnis genommen. Dass die Kriminalitätsrate bei Flüchtlingen nicht höher ist als bei Deutschen, wird nicht eingesehen. Das sei Lügenpresse.

    Also haben wir ca. 20 % Blindfische in Deutschland, Petry Heil!, als Schwarm vom gemeinsamen Hass zusammengehalten.

    Wir haben gelesen, wie ein AfD Anhänger hier seinen Hass auslebte. Wollen wir solchen Leuten etwa unsere Zukunft anvertrauen?
    IP

  23. #98
    Kalu
    Laufkundschaft

    Ich finde die Wahrheit noch heraus.

    Zu einer Zeit, als ich mich sehr verloren und einsam fühlte, schaffte ich mir einen Suchhund an, den ich 'Sherlock den Zwoten' nannte. Es handelte sich um ein edles Tier mit der kraftvoll geschmeidigen Eleganz einer Bolschoi Ballett Tänzerin, seelenvollen Augen, sympathischem Lächeln und langen, stets auf Hochglanz gekämmten Haaren. Welch versöhnlich- schönen Anblick bot er mir doch zur gefälligen Begutachtung an, wenn er mit der Nase dicht über dem Boden im Zickzack durch das morgenfeuchte Gras lief und allerlei Getier in Aufregung versetzte.

    In der beiliegenden Gebrauchsanleitung (incl. Stammbaum bis runter zu den Amöben, Zertifikat und Garantieurkunde), vermutlich von einem legasthen-chinesischen Scribalstotterer mit Schluckauf verfasst, stand: „Helz-helzlichen .. äh … Glückswunsch! Sie haben sich, hicks schlau wie S-s-sie nun mal öcks sind, fül … hm … einen Luksus Suchhund … ja … mit jedel Menge kröh Neb-nebenfunk-funk-funk ... äh ... Apps … entschieden. Diesel Hund hicks kann sowohl nach verlolen gegangene Kindel, als … äh … auch nach dem Wesentlichen einel … krah … Aussage fahnden. Auf Be-befehl hinoderher, weiß ich nicht, dulchstöbelt er Bibli-bibli-o … Bücheleien nach Schund und … veldammt, wie übersetzt man nur hicks Glakaguffnik hicks?“

    Leider fand der Suchhund nie auch nur das Geringste. Es war halt kein Findhund. Ich konnte ein Stöckchen vor seinem Gesicht fallen lassen – er rannte voller Eifer und immer knapp dran vorbei. Er fand noch nicht einmal seinen eigenen Fressnapf – ich musste ihn füttern.

    Ich klebte ich ihm eine gelbe Binde mit drei schwarzen Punkten auf den Trenchcoat und verkaufte ihn als Blindenhund an meinen Nachbarn, der so etwas nötiger hat als ich. Ich höre die Zwei häufig die Treppe runter purzeln und muss dann jedes Mal völlig falsch aber wirklich herzlich grinsen.
    IP

  24. #99
    Kalu
    Laufkundschaft

    Auf den Reim gebracht


    Zu einer Zeit, als ich mir sehr verloren vorkam,
    - ein alt-, müd- und einsamer Passagier -,
    schaffte ich mir einen Suchhund an,
    und nannte ihn Sherlock. Ein echt edles Tier.

    Grazil, voll Eleganz und Kraft,
    wie eine Bolschoi Ballett Tänzerin.
    Hübsches Gesicht und fabelhaft
    gebaut. Schrecklich nett. Ich bin

    immer noch klammheimlich neidisch
    aufs volle Haar – den seelenvollen Blick.
    Sherlock war echt und so was von magisch,
    und kommt auch nie wieder. Mit nur etwas Glück.

    Es stand in der Gebrauchsanleitung:
    Multitasking Bio Hund. Voll astrein.
    Sucht nicht nur Kinder oder Zeitung,
    sondern auch den Sinn vom Sein.

    Leider fand der Suchhund nie
    irgend etwas. Und der Grund
    war der Name. Dieses Vieh
    war nun mal kein Findehund.
    IP

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