+ Antworten
Ergebnis 1 bis 25 von 25

Thema: Recht und Gerechtigkeit

  1. #1
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    13.May 2000
    Ort
    Köln
    Beiträge
    671
    Renommee-Modifikator
    0

    Post Recht und Gerechtigkeit

    Sicher, jeder weiß, daß Gerechtigkeit wenig mit Gesetz und Rechtssprechung zu tun haben, aber dies ist schon erschreckend. Wäre es nicht eine Tragödie, könnte man es absurd nennen.



    MASSENVERGEWALTIGUNG


    Sechs Pakistanis zum Tode verurteilt


    Ein pakistanisches Gericht hat am Sonntag sechs Männer im Zusammenhang mit der Vergewaltigung einer Frau zum Tode verurteilt. Ein Dorfgericht hatte die Tat angeordnet.


    Multan - Die vier Vergewaltiger und zwei Dorfrichter seien zum Tode verurteilt worden, sagte Verteidiger Mohammad Yaqub. Acht weitere angeklagte Beisitzer seien von dem Anti-Terror-Gericht in Dera Ghazi Khan freigesprochen worden. Die Verteidigung kündigte Berufung an. Die Tat hatte sich in einer abgelegenen Region der Provinz Pandschab ereignet. Das Opfer, die 30jährige Mukhtaran Mai, war nicht im Gerichtssaal anwesend, begrüßte aber später das Urteil.
    Der Fall hat in Pakistan großes Aufsehen erregt, da er ein Schlaglicht auf eine in Teilen des Landes noch verbreitete Praxis wirft, Frauen als Bestrafung zu vergewaltigen oder zur Wiederherstellung der Familienehre zu töten. Die pakistanische Menschenrechtskommission schätzt, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt. Alle zwei Stunden werde eine Frau vergewaltigt. Vor allem in der Provinz Pandschab seien Gruppenvergewaltigungen nicht selten.


    Mai hatte am Freitag erklärt, Angehörige ihrer Familie seien mit dem Tode bedroht worden, falls die Angeklagten verurteilt würden. Nach dem Urteil sagte sie: "Durch Gott ist mir Gerechtigkeit widerfahren". Das Urteil werde hoffentlich andere Gerichte ermutigen, ebenfalls gegen Gruppenvergewaltiger vorzugehen. Barbarische Bestrafung


    Mai hatte ausgesagt, sie sei vergewaltigt worden, als sie vor einem Dorfgericht wegen eines Familienstreits erschienen war. Die Frau berichtete, sie habe vor den Richtern um die Freilassung ihres zwölfjährigen Bruders gebeten. Dieser sei von Mitgliedern einer einflussreichen und sozial höher stehenden Familie entführt und sexuell missbraucht worden, weil er ein Verhältnis mit einem Mädchen dieser Familie gehabt haben soll.


    Als sie sich geweigert habe, zur Beilegung der Familienfehde einen Mann aus der einflussreichen Familie zu heiraten, sei sie mit Billigung des Dorfgerichts von vier Männern vergewaltigt worden. Schließlich sei sie halbnackt vor den Augen Hunderter Menschen durch die Straßen getrieben worden.


    Anti-Terror-Gerichte waren 1997 in Pakistan eigens geschaffen worden, um über besonders abstoßende Verbrechen zu urteilen. Sie verhandeln hinter verschlossenen Türen und meist in sehr kurzen Verfahren. Die Todesstrafe wird in Pakistan üblicherweise durch Erhängen vollstreckt.


    Warum ich das reinstelle? Ich weiß nicht genau. Als ich das gerade gelesen habe, fiel mir einfach nichts dazu ein. Kein Gedanke, kein lässiger Kommentar - die leben ja noch im Mittelalter. Sie leben hier und jetzt und nehmen ihr Gesetz genauso ernst wie wir das unsere. So sind diejenigen die da die Todesstrafe angeordnet haben, die Fortschrittlichen (in den Augen des Westens). Was für ein grauenhafter Weg.




    [Diese Nachricht wurde von Kyra am 01. September 2002 editiert.]

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
    Registriert seit
    30.October 1998
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    4.536
    Blog-Einträge
    35
    Renommee-Modifikator
    26

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    Hatte gerade mit einem Politologen ein Gespräch über Menschenrechte. Tenor: Basis der Akzeptanz ist Toleranz. Daraus folgert Verständnis; anderes ist nicht denkbar. tertium non datur, wie wir Lateiner sagen. Problem: Was wir als selbstverständlich empfinden, das ist in anderen Kulturkreisen noch längst nicht der Fall. Fall. Kasus. Kein Fall. Nichts Gegebenes.
    Wollen wir mit unseren Wertmaßstäben hier urteilen? Haben wir ein Recht, unser Rechtsverständnis überzustülpen, anderen also zu erklären, was sie für richtig (gerecht) zu halten haben?
    Gibt es so etwas wie eine allgemeine Erklärung von Menschenrechten? Was ist hier, was dort normal? Gewöhnung und Gewohnheitsrecht.


    Ich gebe zu bedenken, daß hier Maßgabe alles ist. Das warnende Beispiel. Keine Möglichkeit, in einem westlich-überkanditelten Maßnehmen Einfluß oder abstrakt-kasuistisch maßzuregeln. Wir wissen zu wenig. Wir wissen nicht, was den Menschen dort Werte sind. Ich befürchte jedoch, daß gerade die linksgrünen Gutmenschen der BRD hier aufschreien und sich einmischen wollen, als so eine Art Moralpolizei. DAs Recht dazu schöpfen sie aus einem fatum wie den allgemeinen Menschenrechten, die doch weitgehend westliche Vorstellungen davon sind.
    Andererseits bin ich als Kantianer Anhänger einer Vorstellung eines KATEGORISCHEN Imperativs. Wende ich den an, muß ich Vergewaltigung bestrafen wollen, nicht aber die Todesstrafe. Denn, wie sagte es Schiller schon: Das Leben ist das einz'ge Gut des Schlechten. Das Leben dient, es einzusetzen für das, was man möchte. Es ist ein Gut, aber nicht einmal das höchste Gut.


    Erste Aspekte. Gern mehr.

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    13.May 2000
    Ort
    Köln
    Beiträge
    671
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    ...Wollen wir mit unseren Wertmaßstäben hier urteilen? Haben wir ein Recht, unser Rechtsverständnis überzustülpen, anderen also zu erklären, was sie für richtig (gerecht) zu halten haben?
    Gibt es so etwas wie eine allgemeine Erklärung von Menschenrechten? Was ist hier, was dort normal? Gewöhnung und Gewohnheitsrecht.



    Genau das ist es auch, was ich meine. Trotzdem haben wir unsere Moral ja im Kopf. Es ist sehr schwer sich davon zu lösen. Außerdem hoffe ich natürlich, daß es eine Entwicklung der Menschen zu weniger Gewalt gibt. Den Versuch Dinge anders zu lösen. Aber selbstverständlich ist es nicht. Was wir als Barbarei empfinden, steckt noch in allen Kulturen und auch in allen Menschen. In Jugoslawien konnten wir sehen, wie wenig human und zivilisiert wir sind. Aber um etwas zu ändern, damit hast Du völlig recht, muß man erst einmal verstehen und akzeptieren. Nicht beiseite wischen und unsere Regeln überstülpen. Eine Erneuerung muß von innen erfolgen. Es können nur Angebote gemacht werden. Überzeugen, nicht überrennen.
    Dies Beispiel ist sicher sehr drastisch, weil hier direkt drei Dinge berührt werden, die uns wichtig sind. Da wird ein Kind mißbraucht, eine Frau nach einem Gerichtsurteil als Strafe vergewaltigt. Die Richter und die ausführenden Vergewaltiger werden von einem mächtigeren Gericht zum Tode verurteilt. Also auch noch die Todesstrafe.

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    1.May 2000
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    192
    Renommee-Modifikator
    20

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    Jugoslawien ist doch garnich so weit weg- 3 warme Mahlzeiten.....


    Aerolith: "Gibt es so etwas wie eine allgemeine Erklärung von Menschenrechten?"


    Nun ja, irgendwie wurde sowas mal formuliert: [Link funzte am 17.7.2019 nicht mehr]

  5. #5
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    13.May 2000
    Ort
    Köln
    Beiträge
    671
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    Hallo Achtpanther,


    diese Menschenrechte wurden von gebildeten humanistisch gesonnenen Vertretern der Unterzeichnerstaaten verabschiedet. Aber, wie das obige Beispiel zeigt, sind die menschen, auch der Unterzeichnerländer, noch weit entfernt dies als Recht zu akzeptieren. Der Ansatz ist gut, aber die Menschen müßten das auch so sehen. Und Menschen die in einer Welt aufgewachsen sind, in der z.B. Steinigungen ein angemessene Strafe sind, werden dieses Schriftwerk für völlig abwegig halten. Es reicht nicht, so etwas mal aufzuschreiben. Wer eine Ordnung zerschlägt (aus vielleicht besten Absichten) muß auch wieder etwas aufbauen. Über Generationen. Der Begriff von so etwas wie Menschenrechten muß in den Kopf jedes Einzelnen gebracht werden - alle Wert. Ansonsten wird immer der Wert der eigenen Tradition siegen.

  6. #6
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    27.January 2002
    Ort
    Paris (Frankreich)
    Beiträge
    127
    Renommee-Modifikator
    18

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    Diesen Beitrag könnte man fast in den Philosophie-Ordner verschieben. Ich habe dort ja auch schon mal die Frage gestellt, ob es eine grundlegende "Moral" gibt, die unabhängig von gesellschaftlich oder religionsbedingt unterschiedlichen Ansichten gültig ist. M.E. geht diese Diskussion in eine ähnliche Richtung.


    Jedes Land hat das Recht auf eine eigene Gesetzgebung (meine ich). Wer sich in dem jeweiligen Land aufhält, muß sich den dort gültigen Gesetzen auch unterwerfen, sie respektieren. Wer wollte behaupten, daß die Gesetzgebung eines bestimmten Landes die alleinig richtige ist?
    Gleiches gilt wohl auch für Moralvorstellungen. Sie unterliegen gesellschaftlichen Besonderheiten, sind oft religiös begründet und von Region zu Region unterschiedlich. Wer wollte behaupten, daß eine definierte Moralvorstellung die alleinig richtige ist?


    In diesem Fall scheint mir jedoch die Grenze zu einer für alle gültigen "Grund-Moral" erreicht zu sein. Unterscheidet sich der Mensch nicht auch und gerade dadurch vom Tier, daß er seinesgleichen als im Grunde unantastbare Wesen, mit dem Recht auf Unversehrtheit und freier Willensentscheidung anerkennt? Wenn dies so ist, dann wurden diese 6 Männer wohl zu recht verurteilt - denn sie haben mit der Vergewaltigung die Unantastbarkeit des anderen und seine freie Willensentscheidung (nämlich "nein" zu sagen) auf noch dazu besonders brutale Art und Weise verletzt. Ob die Todesstrafe angemessen ist, ob der Mensch überhaupt das Recht hat sie auszusprechen und zu vollziehen, sei dahingestellt. Ich jedoch kann mit den 6 verurteilten kein Mitleid empfinden.

  7. #7
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    1.May 2000
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    192
    Renommee-Modifikator
    20

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    Was mich nervt, ist nur die Bequemlichkeit, zu behaupten, schreiende Menschenrechtsverletzungen würden nur in "unterentwickelten" Drittweltländern vorkommen (weil die Leute dort dumm und zurückgeblieben sind, insbesonders über keine jüdisch/christliche Moral verfügen). Es ist ein generelles Problem! Die Defizite der USA auf diesem Gebiet z.B. sind gravierend!

  8. #8
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    13.May 2000
    Ort
    Köln
    Beiträge
    671
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    das stimmt. Aber da gibt es zumindest auch Proteste im eigenen Land.

  9. #9
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    12.August 2001
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    304
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    erstellt von Robert:
    Wollen wir mit unseren Wertmaßstäben hier urteilen? Haben wir ein Recht, unser Rechtsverständnis überzustülpen [..]
    Gibt es so etwas wie eine allgemeine Erklärung von Menschenrechten? Was ist hier, was dort normal? Gewöhnung und Gewohnheitsrecht.

    Genau das ist es auch, was ich meine. Trotzdem haben wir unsere Moral ja im Kopf. Es ist sehr schwer sich davon zu lösen.


    und:


    Aber um etwas zu ändern, damit hast Du völlig recht, muß man erst einmal verstehen und akzeptieren. Nicht beiseite wischen und unsere Regeln überstülpen.

    Das ist doch nun alles wirklich SCHEIßE! Verstehen und akzeptieren? Ich werde nie verstehen, warum ein Kind mißbraucht wird, ich werde nie verstehen (auch nicht als Folge daraus) eine Frau von sechs Männer vergewaltigt wird, ich versteh vielleicht ein bißchen warum diese sechs Männer zum Tode verurteilt wurden. AKZEPTIEREN tu ich NICHTS von dem, NIE! Das ist Fatalismus!


    Bitte schön, was heißt denn hier unsere Moral überstülpen? Will irgend jemand einen Krieg mit Pakistan beginnen? Wollen wir in diesem Dorf erreichen, daß sie unser Gesetz zur Ergonomie am Arbeitsplatz übernehmen, daß es eine gesetzliche Krankenversicherung zu geben hat, was heißt denn hier unsere Moral überstülpen?


    Die Menschenrechte GELTEN FÜR JEDEN, egal in welcher Religion er lebt, in welcher Kultur, in welcher Nation. Egal von wem sie gemacht wurden. Sie sind richtig. PUNKT. Radikal? Ja, bin ich.


    Worüber wir uns unterhalten können ist, wie wir diese Menschenrechte durchsetzen können. Wie gesagt, ich bin nicht dafür, daß wir Pakistan angreifen.


    denn:


    Eine Erneuerung muß von innen erfolgen

    ist schon ein richtiger Ansatz. Aber das heißt nicht, daß wir uns zurücklehnen und sagen, "schau mal was die da machen. Gut, daß das hier nicht so ist. Aber so ist das nun mal. Die leben halt in einer anderen Kultur." SO EIN SCHEIß!

  10. #10
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    12.May 2001
    Ort
    Wien
    Beiträge
    596
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    wo er recht hat, der tobias, da hat er recht!

  11. #11
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    13.May 2000
    Ort
    Köln
    Beiträge
    671
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    Tobias, Eule,


    es besteht für mich, die ich ja auch dem gleichen Kulturkreis komme wie Ihr, kein Zweifel, daß dieses Verhalten, die Urteile, verachtungswürdig sind. Nur kann ich mich wie Rumpelstilzchen im Kreis drehen, rot vor Wut - nur wem nützt es?
    Ich kann verdammen, verurteilen und was weiter?
    Wer etwas ändern will, muß die anderen von seiner besseren Lösung überzeugen. Sonst werden wir ebenfalls zu mittelalterlichen Kreuzrittern. Die waren ja auch felsenfest überzeugt, die reine Lehre, das Gute - eben das Christentum - in die Welt zu tragen.
    Es gibt ja durchaus gute Argumente FÜR die Menschenrechte. Ich denke aber, es gibt einige, nennen wir es einfachheitshalber "Traditionen", die dies nicht so sehen.
    Solange wir noch von der Demokratie als die momentan bestmögliche Form der Politik ausgehen, muß die Veränderung vom Volk ausgehen. Und wir müssen zeigen, daß unsere Vorstellung von Würde und Menschenrechten die richtige ist. Es ist nicht damit getan, daß da ein Urteil über andere Richter gefällt wird (was uns durchaus berechtigt erscheint) und die Bevölkerung dies wahrscheinlich als diktatorisch empfindet. Es geht um Angleichung der Werte.

  12. #12
    pjesma
    Status: ungeklärt

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    satt kann den hungrigen nicht überzeugen. es ist ein anderer blickwinkel. aus dem blickwinkel sieht unsere(nennen wir es westliche) würde,verlogen. weil zwei drittel der welt "im dunkeln" zu lassen, aber besserwissen...tja, feine würde. es geht nicht, denke ich um überzeugen, auch nicht um akzeptanz...es ginge (wäre es bloß keine utopie) darum, die menscheit hier und menscheit "dort" auf gleichberechtigte gespräch ebene zu bringen. dafür müßte man aber abgeben. mehr geben. geben überhaupt. die die haben.
    wollen die das?

    ...und satt und hungrig meinte ich hier nicht bezüglich futter, nicht nur. ausbildung. auch.vor allem.

  13. #13
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    13.May 2000
    Ort
    Köln
    Beiträge
    671
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    .... hier und menscheit "dort" auf gleichberechtigte gespräch ebene zu bringen. dafür müßte man aber abgeben. mehr geben. geben überhaupt.


    Das stimmt. Das ist wohl die Grundbedingung. Wie sich die Gesellschaft verändern kann, können wir ja auch an Deutschland sehen. Vor weniger als 100 Jahren war die Prügelstrafe sowohl in der Schule als auch Zuhause ein völlig normales Erziehungsmittel. Ich denke auch, wir haben die verdammte moralische Pflicht, abzugeben. Von mir aus als neue Steuer (ich höre schon das Aufheulen) ich würde neben der Ökosteuer durchaus eine Entwicklungssteuer akzeptieren.
    Ich denke auch nicht, daß jedes Land zuerst an "sein Volk" denken sollte. Die Grundbedingungen unter denen Menschen geboren werden, sind sehr ungerecht verteilt. Es geht nicht um Länder, sondern um Menschen.


    [Diese Nachricht wurde von Kyra am 02. September 2002 editiert.]

  14. #14
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    12.August 2001
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    304
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    >Es geht um Angleichung der Werte


    So ist es. Das ist was anderes als "überstülpen". Das Ziel bleibt und ist das richtige, dabei bleibe ich, ich scheiß auf Traditionen, die Menschenrechte durchzusetzen. Was wir jetzt diskutieren ist eben das WIE, und nich das OB. Da hast du mit deinem neuesten Beitrag mit angefangen, pjesma hat es fortgeführt. Ab da bin ich dabei. Über das OB Menschenrechte gibt es keine Diskussion bei mir.

  15. #15
    Tochter aus gutem Hause
    Registriert seit
    12.May 2001
    Ort
    Wien
    Beiträge
    596
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    hinter dem begriff 'menschenrechte' steht ja das projekt aufklärung. und aufklärung bedeutete ja, die befreiung des menschen aus selbstverschuldeter abhängigkeit mit hilfe der vernunft. und toleranz war ein zentralbegriff der aufklärung. insofern kann es nicht um ein aufoktroyieren von meinungen gehen. aber toleranz endet dort, wo intoleranz beginnt.


    in diesem sinne muss man fremde traditionen achten, aber nur so weit, so weit sie selber eben die grundlegenden menschenrechte und werte respektieren.


    auch wäre es nicht im sinne der aufklärung, die menschenrechte mit feuer und schwert zu verbreiten. aufklärung bedeutet ja überzeugen durch disput und argumente. denen sich am ende jeder vernünftige beugen muss.


    also nicht um das ob der durchsetzung der menschenrechte kann es gehen, sehr wohl um das wie.


    gruss eule.

  16. #16
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    1.May 2000
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    192
    Renommee-Modifikator
    20

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    WIE

    Du kannst ja mal Deinem Bundestagsabgeordneten schreiben !

    Oder aber (wohl besser) Du unterstützt NGOs die sich tatsächlich bemühen, z.B. Amnesty. Ist weder anstrengend noch teuer - manchmal hilft sogar das Schreiben eines Briefes. Nicht immer. Aber eben manchmal.

    Es geht nicht um Angleichung der Werte und auch nicht um Kreuzzüge (die ja auch meist instrumentalisiert wurden und werden). Es geht um Minimalforderungen die meines Wissens auch in allen Kulturen und Religionen unstrittig sein sollten.

    Es geht darum, eigentlich Selbstverständliches umzusetzen. Das fängt mit der Prügelstrafe an (gibt es die in Deutschland wirklich nicht mehr?), geht aber weiter. Ist es wirklich in Ordnung, wenn in USA Minderjährige und Geisteskranke hingerichtet werden? Wenn an den meisten Diamanten Blut klebt und in so ziemlich jeder Schokolade Sklavenarbeit steckt?

  17. #17
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    12.August 2001
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    304
    Renommee-Modifikator
    19

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    hoffentlich hab ich mich nicht zu mißverständlich ausgedrückt: natürlich achte ich die traditionen. was ich sagen wollte ist, daß jede tradition, jede nation, einfach jede institution, ja auch die familie und die ehe, hinter den grundrechten des individuums steht.


    richtig ist`s, es geht eigentlich um selbstverständlichkeiten. es ist nur alles andere als selbstverständlich.

  18. #18
    schreibt hier hin und wieder
    Registriert seit
    1.May 2000
    Ort
    Magdeburg
    Beiträge
    192
    Renommee-Modifikator
    20

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    der gleiche Fall, aber etwas mehr Hintergrund
    http://www.nzz.ch/2002/09/02/al/page-article8DC5C.html

  19. #19
    Kurzvormabschussiger
    Registriert seit
    21.June 2002
    Beiträge
    63
    Renommee-Modifikator
    0

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    hier finden mehrere diskussionen statt, die jeweils begründungen und ursachen durcheinanderwerfen:

    (1) es geht um die frage des werterelativismus.
    sind werte abhängig von kultur und tradition oder gelten sie unabhängig von gesellschaftlichen verhältnissen raum- und zeitübergreifend?
    werterelativismus kann nicht richtig sein, da jeder grundsätzlich das gleiche recht auf seelische und körperliche unversehrtheit hat.
    ich kann mir kein gesellschaftliches system vorstellen, indem ich es akzeptieren könnte, daß jemand zu schaden kommt! und derjenigen, der zu schaden kommt, wird es immer als nachteil empfinden zu schaden gekommen zu sein, außer er ist unvernünftig (d.h. nicht zurechnungsfähig, geistig minderbemittelt, manipuliert, ...)
    (2) wie können allgemein gültige werte in gesellschaften umgesetzt werden? auch wenn sie nicht umgesetzt werden können, bleiben sie gültig. es besteht damit die pflicht eines jeden, sie entsprechend umzusetzen. die pflicht zu erkennen ist eine andere sache, prinzipiell besteht sie.
    (3) wie kann man erkennen, welche werte gültig sind? eine schwierige philosophische frage, auf die kluge philosophen unterschiedliche interessante antworten parat haben.

  20. #20
    Administrator
    Registriert seit
    31.October 1998
    Beiträge
    238
    Renommee-Modifikator
    22

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    Du irrst.

    1. geht es bei diskussionen niemals nicht durcheinander. das liegt im wesen der sache. wer diskutiert, will kein ergebnis, er will austausch, so eine peilung auf den osmophilen bruder, intersubjektive bezugnahme. schwestern diskutieren nicht, sie streiten. abstimmen kann man hinterher, aber recht wird nicht sein, was ich dir auch sage. wer's von vornherein darauf anlegt, seinen gegenüber von irgend etwas zu überzeugen, der hat das prinzip des miteinandersprechens um eine sache, das kreisen um des pudels kern, nicht verstanden. was auch immer, aber verstanden hat er nichts. vielleicht sein brevier. immerhin.
    ursache und wirkung sind niemals, niemals!, fein säuberlich zu ziselieren.
    wissenschaftliche beackrung eines themas ist ungefähr so unfruchtbar und selbstbefriedigend wie tante Uschi. literaten streiten literarisch, niemals einem stringenten muster folgend.
    willst du mehr, dann spül mit pril! ich schick dich in seine verneinung. Sauber, wisch und weg! Mercedes. womit ich wieder bei tante Uschi wäre.
    2. fällt mir momentan nicht ein.

    ich stimme dir aber insofern zu, als daß es sehr schwierig werden dürfte, ALLGEMEINE menschenrechte zu formulieren. es ließen sich bestenfalls regeln fürs miteinander entwickeln, woraus aber keine ALLGEMEINEN rechte abgeleitet werden dürfen. am ende ist das eine frage des primats, ganz richtig, aber nicht einer untersuchung nach ursache und wirkung, sondern vielmehr danach, ob das, was ist, einem immerfort zu vergegenwärtigenden analyseraster unterzogen, hinterfragt werden darf, oder ob man ein bewertungsmuster hernimmt, das vorgeschrieben ist. zu abstrakt? ich mache es konkreter: wir christen nehmen das wort in der bibel nicht wörtlich, sondern als stets zu diskutierende grundlage unseres handelns. das bedeutet, daß wir sogar jesu wort hinterfragen, denn schließlich gab er uns willensfreiheit. der moslem, um nur eine xbeliebige andere lebenswahrnehmung zu nennen, begreift das, was im koran steht, als wörtliche anweisung, die er nur hinzunehmen, nicht aber zu hinterfragen hat. die sich daraus ableitenden recht/gerechtigkeit/moral-gesetze kann sich jeder selber ausrechnen.

  21. #21
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    der philosoph rainer forst behauptet, daß gerechtigkeit über der freiheit stünde.


    ich halte diese these für falsch.

  22. #22
    kls
    Status: ungeklärt

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    Ich halte diese These auch für falsch. Allerdings auch den ins Auge springenden Umkehrschluss. Die 'Menschlichkeit' steht m.E. über Freiheit und Gerechtigkeit. Freiheit und Gerechtigkeit sind Konstrukte, 'Menschlichkeit' ist konkret.


    Kommt also wie üblich auf den Kontext an

  23. #23
    resurrector
    Status: ungeklärt

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    Das ist einer jener Ordner, in denen vieles begonnen, weniges aber zu einem Ende geführt worden ist. Das liegt hier wahrscheinlich in der Natur der Sache. Der von Achtpanther angegebene Link zur NZZ funzt nicht mehr. Ich habe dort angefragt, was sich dahinter verbirgt. Ich berichte...

  24. #24
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
    Registriert seit
    1.September 2013
    Beiträge
    1.304
    Renommee-Modifikator
    8

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    Zitat aerolith

    Wir wissen nicht, was den Menschen dort Werte sind. Ich befürchte jedoch, daß gerade die linksgrünen Gutmenschen der BRD hier aufschreien und sich einmischen wollen, als so eine Art Moralpolizei.
    Interessant, dass Du schon 2002 vom linksgrünen Gutmenschen sprichst (damals noch mit der Einschränkung "BRD").....

    Die Massenvergewaltigung, ob in Pakistan, Indien oder sonstwo verübt, sorgte zu jener Zeit noch für Aufregung. Inzwischen gehört sie selbst in Deutschland schon zum "Alltag"...und sorgt kaum noch für Schlagzeilen. Ein Stück gelebte Normalität. Ein Zeichen dafür...wo die Reise hingeht.
    Die heutige (junge) Generation wird sich in zwanzig Jahren fragen...warum ihre Eltern damals nicht verhindert haben...was später nicht mehr zu korrigieren ist. Und bereits vergessen haben, dass sie selbst einen wesentlichen Teil (indem sie die Grünen feierten) dazu beigetragen haben. So wird es kommen, da bin ich mir absolut sicher.

    Die Natur kennt keine Gerechtigkeit...das ist so ein Menschen-Ding...welches ihm ermöglicht, dass möglichst viele seiner Art auf lebenswerte Art und Weise überleben.

  25. #25
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Recht und Gerechtigkeit

    Der Begriff "links-grün" ist alt. ich glaube, er wurde schon in den 80er Jahren benutzt. Vergleiche dazu "rechtskonservativ" oder "linksliberal". Ich würde Dir gern einen Google-Beleg anbieten wollen, aber dieses ngram-Programm scheint mir recht unvollständig die Wortbildung in Deutschland abzubilden. So kennt es neben "Gutmensch" auch das uralte "Schwachmath" oder "Miesepröppel" nicht. Auch "schmonzette" ist diesem Programm nicht bekannt. Muß wohl daran liegen, daß diese Wörter nicht in den Büchern benutzt werden, die Google lesen und digitalisieren ließ.
    Als ich studierte, entblödete sich ein Professor nicht, das Wort "entartet" als Neologismus der antisemitischen Bewegung in den 1880er Jahren zu bezeichnen. Norden soll es entwickelt haben, etwa 1888. Nun ja. Mir begegnete das Wort in einigen Bücher, die weit vor 1888 geschrieben worden waren. Schon die Romantiker benutzten es. Klarerweise.
    Gut-Mensch ist meiner Meinung nach eine Entwicklung von Nietzsche, später sprach Schumacher in einer Rede um 1930 mal von Untermenschen (rechte Spalte, ziemlich weit unten; er meinte die Nazis). Allerdings kann die Zusammenrückung (also ohne Bindestrich) dann im Laufe der Jahre zu dieser Schreibung geführt haben. "links-grün" wurde sicherlich früher öfter benutzt; heute hat "linksgrün" eine neue Bedeutung erhalten, denke ich, die sich aber mit den älteren Bedeutungen verbinden läßt - ein wenig jedenfalls. 2002 hatten wir, glaube ich, eine links-grüne Regierung unter Schröder.

    externes Bild

+ Antworten

Ähnliche Themen

  1. recht, schlecht, gerecht
    Von eulenspiegel im Forum Forum für das geschriebene Wort
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 15.03.18, 08:58

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Ja
  • Themen beantworten: Ja
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •