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Thema: Tagesgespräch 2008

  1. #1
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    Tagesgespräch 2008

    Bitte sährlichst...

  2. #2
    rodbertus
    Status: ungeklärt

    AW: Was mich aufregt

    http://derstandard.at/?url=/?id=3360343

    die sache mit einer hitler-wachsfigur in einem wachsfigurenkabinett ist in mehrfacher hinsicht geschmackslos. zum einen sind wachsfiguren allesamt momentaufnahmen und können so historischen persönlichkeiten nicht gerecht werden. den allermeisten jedenfalls nicht. zum anderen dient dieses wachsfigurenkabinett ganz entschieden dem tourismus. es ist also heuchlerisch anzunehmen oder darauf zu sinnen, daß nicht hunderttausende dieses kabinett und berlin auch deshalb besuchen, um hitler in der nähe seiner alten wirkungsstätte zu besichtigen. ich kann die eventtouristen und fungesellschaft schon kreischen hören oder still und andächtig heilige hallen betreten spüren. das ist einfach so, daß genau das passieren wird und wohl auch so beabsichtigt ist.

    devotisk ist es, daß es quasi einer erlaubnis durch den zentralrat bedarf, bevor in deutschland jemand etwas über juden oder hitler öffentlich machen darf.

    ich denke, das sollte gelassen werden. hitler gehört in ein museum, nicht in eine wachsfigurenausstellung. das kann der bedeutung nicht gerecht werden, so oder so nicht.

  3. #3
    Tochter aus gutem Hause
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    AW: Was mich aufregt

    drei bemerkungen:

    wachsfigurenkabinette finde ich, gehören in eine zeit, als nicht jedermann photos und filmaufnahmen zugänglich waren. eine bestimmte rechtfertigung mögen sie auch in der kunstfertigkeit der wachszieher und -bildner finden. da sie nun mal da sind, gehören alle personen des öffentlichen lebens hinein.
    wieso steht hitler nicht schon lange dort? wieso kommt man jetzt erst auf den einfall? so oder so (genau!) und so und so ist das seltsam.

    zweitens glaube ich, daß die deutschen einer art lebenslüge (gibt es soetwas für eine nation?) aufsitzen: einem namen und mann wird alles in die schuhe geschoben, wofür rein systemisch millionen menschen erforderlich waren, die ihn trugen, sowohl im inland, als auch im ausland. aber es ist natürlich bequemer, nur einen bock schimpfbeladen in die wüste zu schicken. so dumm waren aber nicht einmal die 68er, die sehr wohl wußten, da? ihre väter dazu zu befragen waren. ich finde immer mehr, daß crane recht hat mit seiner theorie, schuld entspringe einem zusammenwirken. das bitte ich von ererbter kollektivschuld debatte zu trennen. alle globalen zeitgenossen haben dazu beigetragen. die nazis waren nicht so klug, eigene konzepte zu erfinden, sondern sind auf die machtpolitisch erfolgversprechenden züge als trittbrettfahrer aufgesprungen.

    drittens glaube ich, daß juden deutsche sind, soweit sie jiddisch sprechen oder sprachen. sie sind eine willkürlich ausgesonderte gruppe deutscher gewesen. wer also bei merkels deutschen worten den saal der knesset verließ, floh damit sein eigenes idiom. gleichzeitig zeigt der nahostkonflikt aber auf, daß die deutschen den juden keine heimat bieten wollen. auch heute nicht. viele juden würden das vielleicht auch nicht wollen, aber viele würden es sicherden täglichen todesgefahren für sich und ihre familien in israel vorziehen. man unterstützt sie aber lieber in israel, weil das weit entfernt ist. in deutschland aber weiß z.b.michel friedman noch von täglichen telefonischen und anderen morddrohungen zu berichten, die nicht aus der klar definierten ecke der neonazis kommen. ich glaube, die deutschen mögen die deutschen nicht. sie finden immer einen grund, ob preußen, bayern, juden, ossis, wessis. wenn man den menschen zuhört, fallen die persönlichen animositäten ziemlich willkü?rlich.

    mit der islamophobie kommt noch ein versteckter antisemitismus dazu: der kampf soll außenverlagert bleiben im nahen osten. so wie die ausländerproblematik zum großen teil an die schengengrenzen abgeschoben wurde. israel als vorkämpfer gegen den dschihad. die deutschen können die verlorengegangenen deutschen und nicht nur ihre nobelpreise betrauern. und sie können die deutschen- und damit meine ich die juden in israel - betrauern, die in israel sterben. und sie können auch um die opfer der nazis trauern, die heute noch in palestina sterben. aber die trauer muß einmal ausgelebt werden, nicht als schuld, sondern als trauer. nicht als gedenken, sondern als trauer. nicht als schuldzuweisung auf einen mann, sondern als trauer.nicht als schuldzuweisung an den islam, sondern als trauer. diese trauer ist bis heute unterblieben, weil man nicht verstanden hat, daß die juden deutsche sind. daß da eine eigene wunde blutet, nicht eine fremde, derer man sich schämt, sie zugefügt zu haben. scham kann man vielleicht mit einer wachsfigur begegnen in einer art übersprungshandlung. trauer nicht. solange aber scham ist, sind rechtfertigungsstrategien und tabus. scham verhindert die trauer.

    mitten unter uns waren die täter wie reißende wölfe. aber sie haben die unseren gerissen.

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