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Thema: zuhause. von anfang bis ende.

  1. #1
    Kurzvormabschussiger
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    3.October 2017
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    zuhause. von anfang bis ende.

    der anfang.
    1


    manchmal frage ich mich, wann genau es begonnen hat, dass man mitbekommt, wie die welt einen sieht. ich erinnere mich nicht an einen genauen zeitpunkt, auch nicht daran, dass es irgendwann da war, weil mir der unterschied erst jetzt, jahre später, bewusst wird.
    manchmal wache ich morgens auf und wundere mich, was ich mit diesem halb abgestandenen tag anfangen soll, der um die ecke guckt. ich bin müde, und dann wieder doch nicht, denn mir fallen die tausend dinge ein die liegen geblieben sind, während sich die welt weiter gedreht hat. ich kann viele dinge gleichzeitig und alles ein bisschen und wundere mich immer, welchen eindruck es auf andere macht, wenn ich versuche zu erklären, was ich in meinem leben zeit schenke. ich könnte mehrere füllen mit dem, was ich lernen möchte und bin gleichzeitig überfordert mit all den möglichkeiten, die sich mir bieten.
    gefühle. am ende des tages sind sie es, die das aufstehen am morgen so schwierig machen.
    hier sitze ich also, finde ruhe im sturm in einer fremden stadt in der ich eingekehrt bin, um nicht zu bleiben. um mitzunehmen, was sie mir anbietet und ich bereit bin, aufzuladen, einzuladen und zu verladen.
    ich bin nicht mehr dieselbe, wie noch vor fünf minuten und werde auch nie mehr die sein, die ich mal war. you’re an always evolving human being.
    manchmal würde ich gern aus meiner haut, doch ich kann nicht, denn dieser körper gehört zu mir solange ich den weg gehe, auf dem ich ausgesetzt wurde. so viele kreuzungen. ab und zu kommt man an einer vorbei und fragt sich, was für blumen wohl hinter ihrem wegesrand, in der ferne der aufklarenden nacht wachsen. ich trage immer eine schaufel bei mir, und auf dem rücken meinen garten. er ist grün, er blüht. es wachsen schützende bäume darauf, die mich jederzeit vor dem schwarm der krähen umarmt, wenn sie wieder anfliegen und denken, ich passe nicht auf. ja, sicherheit ist wichtig in dieser welt, in der ich wandle. vor mir liegen steine, berge, flüsse die erklommen werden müssen, wenn ich nicht vom weg abkommen will. wohin der geht? das weiß niemand. am ende steht der tod. er wartet. die frage ist, welche blumen, welche pflanzen, welche begegnungen du auf deinem weg wahrnehmen, wertschätzen kannst. die frage ist, wie voll dein garten sein darf, bevor du nicht mehr weiter kannst, bevor du entscheidest eine pause einzulegen, ihn zu betrachten, zu überlegen welche blüte so verwelkt ist, wer dich lang genug begleitet hat, wer jetzt endlich gehen darf, nach langer zeit, nach kürzerer, du weißt es doch vorher nie. auch nicht, welche emotionalen tiefen sich öffnen, wenn man ganz hinten in der ecke, hinter all dem neuen eine längst vergessene pflanze entdeckt, versteckt unter dem blätter-wust der nachwachsenden immergrünen.
    ich alter, zellen zerfallen und bilden sich neu, ich atme ich fühle ich rieche ich schmecke und doch fängt niemals nie irgendetwas die realität für jemanden anderes so ein, wie ich sie sehe, also frage ich mich, wie siehst du mich?
    wer bin ich? wer will ich sein? wie gut verstecke ich meinen garten, an kreuzungen, wo andere warten? darauf, dass die zeit, die spinne uns wieder einfängt uns verschnürt und nach momenten der angst wieder ausspuckt.
    ich will so gern so viel, ich möchte von herzen gern irgendwo einmal ankommen, in etwas gut sein, die beste - aber es ist nie genug, denn es wird nie genug sein weil es immer jemanden geben wird, der den weg weiter geht als man selbst, der mehr mut, mehr ausdauer und durchhalte-vermögen besitzt als ich.
    viel traurigkeit habe ich auf dem weg den ich bis jetzt gegangen bin wieder ausgepflanzt, nur manchmal, da erinnere ich mich halb wehmütig daran zurück als ich diesen schnell wachsenden samen gepflanzt hatte. er wächst und wächst und überschattet alles, was unter ihm gedeiht. man sieht es nicht mehr, ich vergesse es, es ist vergessen, es ist, als wäre das gute nie da gewesen.
    ich habe mir mühevoll eine axt geschmiedet und erst langsam angefangen ihn zu beschneiden, erst die neuen sprossen, habe ihn eingedämmt, die dunkelheit beschnitten. dabei sind meine kräfte gewachsen, die axt schwingt sich mit jedem schlag leichter und bald fielen die ersten scheiben, ich hab sie von meinem rücken rollen lassen und nun, nun sind nur noch die tiefsten wurzeln zurück geblieben. sie zu ziehen ist nicht einfach, quasi unmöglich, denn sie sitzen viel zu tief. ich würde mich selbst zerfleischen also akzeptiere ich, dass sie ein teil von mir sind. ich darf sie nur nicht ganz vergessen, aber keine angst, das lassen sie von allein nicht zu, sie erinnern dich, die sprossen sprießen in deinen schwächsten momenten, wenn die axt stumpf in der ecke liegt. wenn die müdigkeit dich mit der decke der schwäche umschließt und dein herz langsamer schlägt, dann nährt dies die wurzeln des unglücks.
    kommt es darauf am ende an? dass wir die wahl haben, welche pflanzen wir zu uns in den garten holen? wen wir tagtäglich kilometerweit mit uns herum tragen?



    die mitte.
    2


    neben mir liegt ein ring, ich habe ihn ausgeborgt bekommen, mit den worten zusammen, dass ich sehr gemocht werde. ich mag auch, vor allem bestimmte menschen, denen ich begegne. die menschen, die mich berühren. es gibt so viele verschiedene ebenen auf denen dies möglich ist. die wenigsten haben mich jemals so aufgewühlt, so verletzlich gemacht, so offen wie dieser mensch, der mir den ring gegeben hat.
    wer bist du? und wer willst du sein?
    ich würde gern einen teil des weges, den, den du gewillt bist, den du kannst, mit dir zusammen zu gehen, neben dir, auf meinem weg, sie laufen nebeneinander, gerade jetzt, nachdem sie sich vor nicht all zu langer zeit erst gekreuzt haben. man sieht doch immer nur wenige meter im vorraus wie er sich entwickeln wird, aber die tagestouren die ich sehe, die ich mit meinen verkorksten augen in der ferne erahnen kann, die laufen neben deinem her.
    ich glaube nicht daran, dass man erzwingen sollte, dass wege sich nicht mehr so leicht trennen lassen. ich glaube nicht daran sie zusammenzukleben, sie mit stahl aneinander zu schweißen. ich möchte auf wanderung gehen, auf erkundungstouren, doch ich möchte wissen, dass ich zurück kommen kann, solange ich dich in der ferne sehe.
    gerade in phasen wie dieser, wenn ich meinen weg verlasse, ohne boden unter den füßen die gegend erkunde, neue dinge finde, dann habe ich angst. angst davor, mich selbst zu vergessen in all dem, was meine augen und ohren wahrnehmen. angst meine pflastersteine nicht wieder zu finden, meinen sand unter den füßen, die pfade die mich tragen. es sind ausbrüche aus sicherheiten, aus alt bekanntem und sie ermöglichen neue funde, abseits des ausgetretenem. ich habe angst davor, dass ich dich nicht wieder finde, dass ich zu schnell gegangen bin oder du, dass ich mich aufgehalten habe, dass ich nicht mehr sehe, wer vor mir steht.
    aber darum geht es, zu verhindern, dass diese angst dich einengt, dich bindet und du für deine sicherheit an einer schnur hängst, die dir den weg zurück zeigt, die aber enden kann, bevor du angekommen bist bei dem, was du nicht wusstest zu suchen.
    ich möchte vertrauen. dir und mir. meinen füßen die mich tragen, durch diese welt. ich möchte vertrauen, dass ich die richtigen blumen und büsche und bäume ausgrabe, mitsamt ihren wurzeln. ich möchte drauf vertrauen das ich mich selbst zuerst gieße, und wenn etwas übrig ist, auch dich. ich möchte vertrauen, dass ich bin, wer ich sein soll und vor allem auch dort, wo ich hingehöre.
    die spinnennetze der zeit sind ein gefährliches unterfangen auf den abseitspfaden. sie werden immer größer, nähren sich aus dem, was du links liegen lässt, wieder aussetzt und dann traut die versponnene sich - spannt ihre netze nicht mehr nur im tiefen wald, sondern auf offener straße. je weiter du läufst, desto mehr fetzen verfangen sich in deinen blättern.
    ich habe auch angst davor, allein zu sein. alleine kann nichts meine gedanken übertönen und die strudel sind schonungslos, die in mir toben. in das auge des sturms zu schauen bringt gewissheit, aber was fängt man damit an? was tust du, wenn du so weit gegangen bist um nirgendwo jemals anzukommen und auf dem weg etwas findest, dass deine derzeitige auffassungsgabe übersteigt? wenn du nicht einordnen kannst, ob es dir gut tun wird oder nicht? ob es sich mit deinen gewächsen verträgt oder sich als schmarotzer entpuppt?
    nimmst du es mit auf deinem weg und trägst es, durch all die täler in der hoffnung, dass es blüht, wenn du zurück ans licht trittst?
    morgens bin ich müde, aber ich wach immer wieder auf. in letzter zeit oft neben dir, und mein unterbewusstes ich entreißt mich der traumwelt zurück in die realität. haut auf haut. manchmal braucht es nicht mehr als das um einen daran zu erinnnern, dass man fühlt.
    manchmal reicht es nicht aus. dann suchst du dir deine axt und fängst an die tiefen wurzeln zu attackieren, dich selbst in deinem einzigen sein und wunderst dich dann, wenn der harz tropft und alle deine gedanken verklebt.
    ich möchte nicht mehr nicht sein. das fühlt sich neu an, ist aber immer schon da gewesen. nur hoch mit laub bedeckt.



    das ende.
    3


    dem anfang folgt das ende. die frage nach: wann werde ich sein? wie viel versponnene-zeit muss vergehen bis ich mich selber sehe?
    dem sicheren plateau auf dem ich so lange gewandert bin folgte ein starker wind der mich über den rand hinunter in ein tal führte, in dem ich mich gerade gefangen fühle, in dem ich tag für tag umherwandere und das licht nicht sehe, auch wenn es da ist, das ist es immer.
    ich möchte mich manchmal bewusst verschließen vor dem wissen, dass ich selbst den ausweg weiß. dann suhle ich mich im mitleid und versinke tagelang in einem nebel aus grau. dann sehe ich nicht mehr den eigentlichen pfad in der ferne, wie er sich windet und irgendwann am horizont verschwindet. begegnet mir ein teich, oder ein fluss, dann ist es nie ruhiges wasser in dem etwas spiegelt, sondern aufgewühltes grau-blau-nass das sich nicht beruhigen vermag. dann sehe ich kein spiegelbild.
    spiegeln. wer vermag es so, wie es ist? sehe ich mich selbst als der, der ich bin oder lebe ich in der illusion meiner selbst? wie oft spaziert man daran vorbei, wer man ist, wer man zu sein vermag? wer bin ich, und wenn ja, wie viele?
    und dann sehe ich durch deine augen und entdecke, dass ich ankommen kann, wenn ich bereit bin, mich fallen zu lassen. das du mich hältst, mit deinem blick, dass du mich einfängst, wenn ich abdrifte, mich anstupst, durch deine nähe und mich umarmst, mit deinem sein. ich habe schon vorher solche momente erlebt, doch nie waren sie so allumfassend. ohne berührung spannung die unsere umgebung elektrisiert, die sich verwirbelt und neu aufbaut wieder zusammenstürzt und von vorn anfängt. neben dir ist der spiegel klar. das ist besonders. ich möchte, dass das bleibt, für eine weile. vielleicht kannst du mir zeigen wie es geht, wie ich mich selber sehe, wie du mich siehst, als die, die ich bin. ich möchte niemand anderes mehr sein, denn in meinem selbst bin ich genug. ich habe mut und vertrauen, dass ich an kreuzungen die richtigen richtungen einschlage, dass ich pflanze, was ich benötige, oder glaube, es irgendwann zu tun.
    das tal der angst ist tief und mit hohen mauern umgeben. aber wurzeln haben schon den stärksten stein gesprengt, mit kraft und ausdauer. also nehme ich, was ich habe, und schlage neue steine aus den wänden, die mich einengen, entdecke abkürzungen im nebel-grün und genieße das gefühl der stille, wenn du neben mir sitzt. es gibt keinen ort an dem ich lieber wäre, als bei mir selbst.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    AW: zuhause. von anfang bis ende.

    Liebes Gretchen! Ich freue mich darüber, daß Du Dich nun endlich überwinden konntest und Dich hier anmeldetest. Ich hoffe auf Mitarbeit und Progression.

    Zu Deinem ersten Text:
    Eine Dreiteilung setzt eine Erwartung in Gang, nämlich die eines klassisch aufgebauten Textes: Einleitung - Hauptteil - Schluß oder Thesis - Antithesis - Synthesis oder Exposition - Durchführung - Botschaft oder oder. Poetische Texte gehorchen dieser Dramaturgie genauso; unser Verstand arbeitet so, daß er auf eine Einleitung verzichten kann, doch muß die dann nachgereicht werden, er kann aber nicht auf eine Botschaft verzichten, auch eine semantische Leerstelle wird gern als Lehrstelle genommen, sofern der Autor darauf hinarbeitete.
    Prüfe ich diese von Dir vorgenommene Dreiteilung mit dem Inhalt, so stelle ich einige Ungenauigkeiten fest. So wird im ersten Teil nicht deutlich, ob das avisierte DU nicht nur ein alter ego des Autoren ist, bevor das DU dann doch zu einem Du wird, zu einer Antithese des allwissenden Erzählers. Doch dieses DU bleibt schemenhaft, es tritt nicht als Konkretation auf. Es bleibt sozusagen am allwissenden Erzähler haften, löst sich nicht und tritt nicht vors geistige Auge des Lesers. Das ist ein Konstruktionsfehler des Textes, in dem es doch auf das Verhältnis des vom Autoren eingesetzten ICHs zu diesem blassen DU ankömmt.
    Nun könnte man einwenden, daß neben dem DU noch ein Anderes den Text durchwest, die von der Axt nicht durchschneidbare Wurzel eines von der Ich-Figur gepflanzten Etwas. Auch hier wird nicht deutlich, ob die Pflanze, die die Ich-Figur mittels Axt von sich trennen möchte, eine Metapher für das DU sein soll. Man stelle sich vor, PFLANZE und DU seien verschiedene Dinge, wie grausam wäre die Ich-Figur dann? Doch diese Interpretation ist statthaft, schließlich will die ICH-Figur ganz bei sich sein. Zugleich wird diese Ich-Figur als jemand beschrieben, der nicht allein sein kann.
    Da ich Dich nun ganz gut zu kennen glaube, mache ich darauf aufmerksam, daß Ich-Figur und Autor nicht verwirbelt werden sollten, andernfalls verliert ein poetischer Text seine Poesie und wird zu einem Psychologon, zu einer Therapie. Ja ja, mancher wird behaupten, das sei Schreiben immer. Ich aber glaube das nicht. Man kann nicht immer gleich alles in einen therapeutischen Kontext stellen wollen, das ist mir zu oberflächlich. Auf der Habenseite Deines Textes steht die Fähigkeit zur Sympathetie. Du bist in der Lage, ein Wesensmerkmal eines poetischen Textes zu erzeugen: Anteilnahme bei Deinem Leser. Der Text geht über das poetische Spiel im Spannungsfeld von Autor und Ich-Erzähler weit hinaus und greift ein Allgemeines auf, das Du individualisieren und vermitteln kannst. Das ist meines Erachtens ein wichtiges Kriterium der Kunst. Daß Du auf einen moralischen Trommelwirbel verzichtest, macht mir den Text bei allen handwerklichen Mängeln um so liebenswerter. Damit bin ich bei den Details:
    Es sind zu wenige. Gern genauere Angaben zu den Pflanzen, welcher Art die Bäume sind. Es fehlt an Adverbien, die den Leser anhalten lassen. Dafür stehen zu viele Relativsätze, meist nicht durch Komma abgetrennt. Das Relative scheint diesen Text überhaupt zu kennzeichnen; zwar wird nicht abgewogen, es fehlt ihm das Gegenwort, auch zahlreiche gedankliche Sprünge und der Verzicht, einmal ins Spiel gebrachte Gedanken auch zu Ende zu denken, dem Leser also Verantwortung zu überlassen, ersetzen das nicht. Relativismus ist aber der Tod des Poetischen. Lieber weniger, dafür intensiver und präziser. Ein hübsches Detail gab es dann aber doch:
    ohne berührung spannung die unsere umgebung elektrisiert
    Von solchen Bildern gern mehr. Das ist eine poetische Grundstimmung, die mir sehr behagt und vertraut ist.

  3. #3
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: zuhause. von anfang bis ende.

    zunächst nur eine kurze zwischenmeldung: gefällt mir ausgzeichnet...dein text. auf angenehme art und weise verspielt und poetisch...ohne das ziel aus den augen zu verlieren.

  4. #4
    rodbertus
    Laufkundschaft

    AW: zuhause. von anfang bis ende.

    sieht ganz so aus, als ob diesem ordner nicht die aufmerksamkeit der wolkensteiner zuteil käme, die er verdiente

  5. #5
    Mitgestalter Avatar von anderedimension
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    AW: zuhause. von anfang bis ende.

    was heißt verdient - wertschätzung ist wichtiger als aufmerksamkeit.

    an diesem text gefällt mir, dass der autor, die autorin nach und nach aus der haut kommt. vermutlich so nicht beabsichtigt, dafür umso deutlicher spürbar. der anfang wird vom kopf bestimmt, ist durchgestylt. gefühle sind da, werden aber noch nicht zugelassen. merkt man zb an formulierungen wie:

    während sich die welt weiter gedreht hat
    das klingt kühl und gesetzt - so schreiben germanisten, aber keine autoren. "gedreht hat" ist nur inhaltlich das gleiche wie "drehte". der autor/in weiß das, kann das...ließ es ab an dieser stelle noch nicht zu. der autor/in entwickelt sich mit seiner geschichte.

    anders als aerolith das sieht, ist der text in meinen augen nicht klassisch aufgeteilt. er beginnt mitten in einer geschichte, die sich mit ihrem ende noch lange nicht zuende erzählt. eher habe ich das gefühl, dass die geschichte hinter der geschichte im verborgenen bleibt - und dort auch bleiben soll. die geschichte im vordergrund erzählt uns gretchen...ein weibliches pseudonym...wie auch die protagonistin eine sie ist. allerdings würde sich kein mädchen, keine frau selbst gretchen nennen...weshalb ich hier einen männlichen schreiber hinter dem nick vermute - einer, der seine weibliche seite nach außen kehrt. weiblich nicht im eigentlichen sinne, sondern als metapher für die gefühlsebene. aber der mitte gelingt ihm das auch:

    wenn ich meinen weg verlasse, ohne boden unter den füßen die gegend erkunde, neue dinge finde, dann habe ich angst. angst davor, mich selbst zu vergessen in all dem, was meine augen und ohren wahrnehmen. angst meine pflastersteine nicht wieder zu finden, meinen sand unter den füßen, die pfade die mich tragen. es sind ausbrüche aus sicherheiten, aus alt bekanntem und sie ermöglichen neue funde, abseits des ausgetretenem. ich habe angst davor, dass ich dich nicht wieder finde, dass ich zu schnell gegangen bin oder du, dass ich mich aufgehalten habe, dass ich nicht mehr sehe, wer vor mir steht.
    zumindest für seine verhältnisse. ganz loszulassen, das hat er sich dann doch nicht getraut.

    ein schöner, ein versöhnlicher text...der eine gewisse ruhe ausstrahlt, auch wenn er vom gegenteil erzählt.

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