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Thema: Magdeburger Szene

  1. #1
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    Arrow AW: Magdeburger Szene

    Zusammenfassung unserer Lesung vom 26. Dezember 2004:

    Vorweg: es gibt eine Videoaufzeichnung, allerdings ist diese erst in ca. 1 Woche verfügbar.

    Kurz nach 21 Uhr ging das Ganze los, musikalisch begleitet von einem jungen Mann, Leo, der wahrscheinlich mit der Gitarre im Arm schon geboren wurde.
    Gelesen hat zuerst der Robert, natürlich anspruchsvoll und eine Basis zum weiteren Verständnis legend, sprich: was wir warum lesen und worin die Problematik der Poetik und des Büchermachens liegt. Feedback von den Zuhörern: einige konnten ihm nicht wirklich folgen. Macht aber nix.
    Dann war ich dran. Natürlich hatte ich den schwersten Teil: Lyrik. Hier liegt die Problematik für den Zuhörer einfach darin, daß er eben nur hört, nur einmal, und wie wir wissen, gibt es Gedichte, die ihren Kern erst nach zwei-, dreimaligen Lesen entfalten. Aber es war andächtig und zeigte auch Wirkung.
    Eine Kurzgeschichte von mir war auch noch drin. Damit war der weibliche Part erfüllt.
    Zuletzt kam Gunnar, ein Freund, der den lustigen Teil der leichten Unterhaltung erfüllte. Ein guter Vorleser, die Leute waren sehr amüsiert.
    Zwischendurch sanfte Gitarrenklänge, Wein und Zigarette...
    Im Anschluß haben wir uns das Feedback geholt, Fazit: Lesung ist gut angekommen, die Leute würden wiederkommen, aber nächstes Mal wollen wir versuchen, auch anderes Publikum in den Stern zu bekommen. Das wird meine Aufgabe sein, eben Werbung machen, Präsenz zeigen usw.

  2. #2
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Magdeburger Szene

    Überfälliger Ordner.
    Ich beginne mit meinen Streifzügen durch die magdeburger Kulturlandschaft. Literatur, Musik, Malerei, Schauspielkunst, Eßkunst, Avantgarde und anderes stehen als Fixpunkte auf meiner Wanderkarte. Ich werde wie gewohnt kritisch sein, schließlich ist Kunst nichts für Warmduscher, sondern muß eine gesellschaftliche Aufgabe wahrnehmen, nämlich die, Menschen in Freiheit zu setzen. Ein Schrei kann befreiend wirken, auch selbstbefreiend, insofern führen viele Wege zum Ziel.

    Ich folge den Grundzügen der Ästhetik, wie ich sie im Manifest formulierte:


    Liebe den Lebenden - eine Poetik

    Axiom: Die Dichtung [1] ist etwas Tieferes und Philosophischeres als die Geschichte[2].

    Wer von Poetik (Regelwerk fürs Dichten) spricht, muß zuerst danach fragen, welche Welten sie in sich zu fassen anstrebt. Unsere Poetik greift in die Welt, faßt sich einen Ausschnitt derselben, aus deren unermeßlichem Fundus. Das ist der Stoff. Der Stoff hat keine Form, die aber muß er besitzen, will er vermittelt werden können. Stoffwahl steht also am Anfang jedes Poetisierens. Der Stoff selbst liegt in der Zeit, kann Vergangenheit [3], Gegenwart und Zukunft umfassen, vielleicht auch nur eines oder zwein davon. Dem Dichter ist es aufgegeben, in seinem Stoff das Besondere aufzuzeigen, dieses zu typisieren, aus einem mehr oder weniger zufällig aufgefundenen Stoff dasjenige herauszuschälen, dem nunmehr Thema und Absichten eingeschabt werden können.

    Wie funktioniert das? Einige Möglichkeiten:


    1. Der Dichter nähert sich einem Gegenstand, indem er aus einem Gefühl heraus einen Begriff zu entwerfen sucht.
    2. Der Dichter nähert sich sich selbst, indem er sein Gefühl zum Maßstab der Betrachtung des Stoffes erhebt. Er sucht sich und seine Wünsche im gewählten Stoff, die er zu denen einer ganzen Generation, zumindest einer Gruppe innerhalb seiner Generation macht.
    3. Der Dichter setzt den Akt der Sprachfindung als Befreiungsakt von emphatischer Abhängigkeit. Er löst sich aus dem Grund seines Schreibens, wird zum Schriftsteller, betrachtet ernüchtert, erlangt Freiheit des Geistes von der immerwährenden Gebundenheit der Seele an die Empfindungen des Augenblickes.


    Darin liegt die Antwortung, die Aufgabe der Poeten, Dichter und Schriftsteller gleichermaßen, das Ewige im Zeichen des Augenblicks zu benennen, mitzuteilen.
    Heutige wehren das Ewige mit einer Handbewegung ab: Der Augenblick ist ihnen alles. Alles in ihrem Tun richtet sich auf die Erzeugung von Augenblicken, die dem Leser oder Zuschauer oder Teilnehmer irgend einer Veranstaltung (neudeutsch event) unvergeßlich bleiben sollen. Sie glauben, daß diese Augenblicke mittels verschiedener Techniken immer wieder neu zu erzeugen seien, suchen aus dem Alltag Abbilder des Zeitlichen, die sie überspitzt in die Zuschauer zurückprojizieren, sich nicht selten über das Tagesgeschäft ihrer Zuschauer lustig machen, sich selbst feiern und inszenieren.
    Es geht doch aber um Gleichnisse, daß wir unsere Zeit verstehen und nicht nur nachäffen, was allenthalben geschieht. Es geht um die Bewußtwerdung der Sprache [4] im einzelnen, die Bewußtwerdung der Seele aus dem Tiefsten, das dem Menschen gegeben, das Gefühl für den Nächsten, die Liebe und zum Wunsche: Verweile doch! Komm her! Bleib! - Also muß Sprache im Spiel vermittelt werden, sie ist das Tor zu den Wagnissen des Geistes!

    Sprache: Sie ist geformter Stoff. Die uns umgebende Welt prägt unser Bewußtsein, tritt hinzu zu dem Vorgeprägten, das uns überkommen ist. Ein gegenseitiges Geben und Nehmen: Über Sprache wird Welt ergriffen und geformt, durch die Welt wird Sprache greifbar und formlos-formbar. Dieser Doppelcharakter läßt viele zu der Ansicht kommen, Sprache sei unlotbar, ihr Wesen das Schweigen, ihr Nutzen gegenständlich etc. pp.

    Genauer: Man kennt heute zwei Bildungsmuster von Sprachen, das analytische und das synthetische. Analytisch nennt man die einfache grammatische Dürftigkeit; jene ohne Reduplikation, die sich auf Sprachen beschränkt, die Derivate sind, weil sie nicht in fortgesetzter Entwicklung sind. Es sind Sprachen, die vermischt wurden aus mehreren Sprachen (das Englische und Persische u.a.). Im Gegensatz dazu steht die synthetische Sprachbildung, die dann wirkt, wenn in einer Sprache durch Suffigierung u.a. ein Substantiv gebildet wird, wobei das Suffix das materielle Zeichen der Beziehung des Begriffs auf die Kategorie des Substantivs ist (Deutsch oder Sanskrit). Das ist ganz sachlich gesprochen und berührt das Geheimnis der Sprache kein bißchen.

    Das Geheimnis der Sprache ist groß; die Verantwortlichkeit für sie und ihre Reinheit ist symbolischer und geistiger Art, sie hat keineswegs nur künstlerischen, sondern allgemein moralischen Sinn, sie ist die Verantwortlichkeit selbst, menschliche Verantwortlichkeit schlechthin, auch die Verantwortung für das eigene Volk, Reinerhaltung seines Bildes vorm Angesicht der Menschheit, und in ihr wird die Einheit des Menschlichen erlebt, die Ganzheit des humanen Problems, die es niemandem erlaubt, heute am wenigsten, das Geistig-Künstlerische vom Politisch-Sozialen zu trennen und sich gegen dieses im Vornehm-‚Kulturellen’ zu isolieren; diese wahre Totalität, welche die Humanität[5] selber ist und gegen die verbrecherisch verstieße, wer etwa ein Teilgebiet des Menschlichen, die Politik, den Staat, zu ‚totalisieren’ unternähme. (Th. Mann)

    Das wiederum ist unsachlich, mehr aus einem gefühlten Impetus heraus geworfenes Selbstverständnis. Aber darum geht es hier, um Selbstverständnis! Die Sprache ist der Zeit und dem Raum unterworfen. Sie ändert sich, hat Feinde und Freunde, muß sich gegen Barbarismus, Soloecismus und den uneigentlichen Gebrauch ihrer Bedeutungsträger wehren und gleichermaßen durch ihre Freunde nicht überinterpretiert werden. (Deren Maßlosigkeit führt dann zum Schweigen.) Beginnen wir mit der Suche danach, was Sprache ist und untersuchen eines ihrer Phänomene, Ewigkeit der Sprache:
    Jede Sprache hat ihre Blütezeit, was bedeutet, daß nachfolgende Generationen sich daran orientieren, ihre eigene Sprachbegabung ausrichten und Realitäten zu verewigen suchen. Man nennt dieses Reifestadium der Sprache Klassik, und diese Klassik liegt zumeist hinter dem Sprachnutzer. Das Hinterunsliegende aber ist auch ein Auftrag. Wer’s ernst meint, der forscht, lebt dann quasi in zwei Welten, wird so zu einem Menschen, der in sich verschiedene Zeiten vereinigt.

    Einwand: Die Poesie der Lügner (Marc Hermann [6])

    Das Wort „unbeschreiblich“ braucht der Schriftsteller überall dort, wo er die totale Wahrheit aufs Papier zu bringen versucht. Sei es das Wunderbare einer unvergeßlichen Liebesnacht oder das Grauenvolle, das sich vielerorts ereignet, unbeschreiblich ist beides, die Wörter reichen nicht hin bis zur totalen Wahrheit, sondern beschreiben immer eine andere Wahrheit und Wirklichkeit. Thomas Bernhard nennt diese: eine Lüge.
    Wenn ich selbst schreibe, dann aus dem Bewußtsein heraus, daß niemand sonst dasselbe in derselben Art und Weise zu sagen vermöchte. Dabei teile ich Bernhards Skepsis insofern, als auch ich mich als Schreibender zuweilen eingeengt fühle von den Grenzen der Sprache. Jedoch teile ich nicht Bernhards Pessimismus. Wohl mag es stimmen, daß sich die „totale Wahrheit“ nicht niederschreiben läßt, zumal diese eine vielschichtige Angelegenheit ist und alle Wörter nie deren ganze Tiefe auszuloten vermögen, sondern, wenn man Glück hat, kratzen sie wenigstens an ihrer Oberfläche. Nichtdestotrotz glaube ich fest ans Geschriebene, mit dem immer auch alles Ungeschriebene hinter und zwischen und unter den Worten gegeben ist, sich wahrdeuten läßt. Jedoch ist dies dann die Aufgabe des Lesers. Das Unaussprechliche, sage ich mir, ist das Leben schlechthin, und ein Text ist von anderer Natur als dieses, ist von der Substanz, aus der Träume gemacht sind. Ich gebe die Unmöglichkeit zu, jemals mit Wörtern die totale Wahrheit zu erreichen, aber ich denke nicht, daß es überhaupt darum geht. Man erreicht nämlich immer eine Wahrheit, aber eine andere halt. Die eine, die totale Wahrheit ist so schön und unmöglich wie Perfektion. Und so halte ich dem Zitat Bernhards ein anderes von Hilde Domain entgegen: Ich setzte den Fuß in die Luft, und sie trug.

    Antwort: Die Liebe nämlich macht aus einem abstrakten Tüftler ein soziales Wesen. Und dann, bekanntermaßen bedarf es der Sprache nicht NUR, um auszudrücken, sondern vor allem, um mitzuteilen, aus einem Sprachkörper (der erkanntermaßen unerkannt bleiben möchte, weil es doch das Wesen der Sprache ist, sich zu verbergen) wird ein nothwendiges Mittel zur Kommunikation, wobei Verständnis nicht unbedingt an erster Stelle steht. Zwischen Menschen steht SPRACHorientierte Kommunikation nie an erster Stelle, es sind die Körper und die Mitteilungen der Augen, die sehr viel mehr vermögen, aber wie will ein SPRACHKÖRPER da artifiziert und analysiert werden (können)? Ich glaube, eines der großen Geheimnisse zwischen Mann und Frau besteht darin, daß sie sich nichts zu sagen haben, wohl aber mitzuteilen. (Ich habe das erkannt, gefühltermaßen erkannt.)


    Der Dichter lebt in verschiedenen Welten, verschiedenen Räumen, verschiedenen Zeiten. Es ist ein Phänomen, daß eine Zeit, eine Realität in Sprache verewigt bleibt. Ein Nachgeborener kann die alte Sprache aufgreifen, sich in sie hineindenken oder -fühlen, in ihr leben und wird ein Mensch, der in sich verschiedene Zeiten vereinigt. In diesem Augenblick begreift er etwas von der Unsterblichkeit [7]; es ist unser großes Pfand, eben das Vergangene über Sprache in uns aufnehmen zu können!
    Hier ist wichtig, daß dieser Sinnsucher in der Sprache ebenso in der Vergangenheit wie der Gegenwart heimisch ist. Das heißt, Sprache ist nicht primär der Realität einer Zeit unterworfen, vielmehr findet sich in der Sprache die Realität einer Zeit! Und so kann durch Erforschung einer Zeit, der alle Teilhabe vorausgeht, diese nicht nur begriffen werden, sondern sie kann auch wieder auferstehen. Poetisch! Sprache ist der eigentliche Former des Stoffes, nicht ein gesellschaftlicher Umstand, nicht eine Laune der Natur, nicht ein historischer Umstand. Genauer: Sprache ist ihrer Natur nach zeitlos, der Stoff aber ist zeitlicher Natur, kontextbezogen.
    Heute wird auf den Bühnen, im Fernsehen und Kino ein seltsamer Realismus gegeben. Er befragt sich selbst, verlangt dies und wird in der Öffentlichkeit daran gemessen, wie kritisch er sich selbst sieht. Aber eine Alternative wird nicht gesetzt, die sich so nennen, schieben Phantasie in eine Fabelwelt mit dem Recht des Stärkeren, setzen keine Freiheit, trotzen nicht dem Gegenwärtigen, dem Gängigen, dem Muster.
    Realismus wird so geistlos, bewegungslos, verharrt. Der Geist nun ist das große Gefäß, in dem sich Sprache und Stoff tummeln. Ist es nicht der Geist, der das letzte Wort spricht?


    Das Noth wendende Spiel

    Geweihte, reine Saiten im Scherz gerührt?
    Und darum hast du, Dichter! des Orients
    Propheten und den Griechensang und
    Neulich die Donner gehört, damit du

    Den Geist zu Diensten brauchst und die Gegenwart
    Des Guten übereilest, in Spott, und den Albernen
    Verleugnest, herzlos, und zum Spiele
    Feil, wie gefangenes Wild, ihn treibest?

    (Die Verse 33 bis 40 aus Hölderlins Dichterberuf, 1800, also vor der Hälfte des Lebens.)

    Erklärungen: Aus Osten kam das Licht, kam Dionysos; Geist ist Göttlichkeit; der Kampf zwischen Apollon, der Geist ist, und Dionysos, der Donner und Kraft über Verstand lacht; gefangen vom einen und doch letztlich überwunden: Dichters Tod!


    Aber die Sprache –
    Im Gewitter spricht der
    Gott.
    Öfters hab ich die Sprache
    sie sagte der Zorn sei genug und gelte für den Apollo –
    Hast du Liebe genug so zürn aus Liebe nur immer,
    Öfters hab ich Gesang versucht, aber sie hörten dich nicht.
    Denn so wollte die heilige Natur. Du sangest du für sie in
    deiner Jugend nicht singend
    Du sprachest zur Gottheit,
    aber dies habt ihr all vergessen, daß immer die Erstlinge
    Sterblichen nicht, daß sie den Göttern gehören.
    gemeiner muß alltäglicher muß
    die Frucht erst werden, dann wird
    sie den Sterblichen eigen.

    (Eine wort- und versgetreue Abschrift ohne Titel aus dem Nachlaß, vermutlich 1815, da Hölderlin bereits als umnachtet galt.)

    Sie ist mehr als ein Nirgends, Welt will angenommen und geformt sein, durch die Sprache ins rechte Bild gesetzt.Hölderlin hat ein zeitloses Wort geführt, aber er führte es unter einem falschen Vor-Bild! Statt dessen gilt uns Heutigen das Spiel sehr viel mehr: Spiel steht für Kräfteausgleich, Anerkennung des Gegners, Achtung des anderen... Im Spiel äußert sich der freie Mensch. Dahin wollen wir, zur Bewußtwerdung des Menschen, daß er frei ist! Spiel ist hier Mittel, denn der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt (Schiller), will heißen, wo der Geist sich den Körper gibt, der dann dem Spiel folgen muß. Spiel ist Wirkung des menschlichen Triebes, sich aus sinnlicher Abhängigkeit befreien zu wollen, ist weder subjektiv noch objektiv zufällig, weder äußerlich noch innerlich nötigend, sondern: Der Mensch nimmt sich formbare Materie, die er mit seinem Willen formt, Zusammenwirken seines Formtriebes mit der Materie sucht, Einheit und Harmonie sucht, wobei Schönheit ihm begegnet. Der Mensch bleibt bei diesem dichterischen Ansatz in der Welt, er nimmt die Welt an, vergewaltigt sie nicht! Der Stofftrieb ist hierbei ein Sachtrieb, der darauf dringt, die Person zum Zustand zu machen (also zu entfalten), der Formtrieb will den Zustand formen, von der Person abhängig machen, das heißt aus sinnlicher, äußerer Abhängigkeit befreien. Hierüber läßt sich auch das Ziel alles künstlerischen [8] und menschlichen Strebens beschreiben: Schönheit. Schönheit ist weder bloßes Leben (Natur) noch vollkommen bloße Gestalt (Materie). Sie ist das gemeinschaftliche Objekt des Spieltriebes.
    Wir verstehen unsere Aufgabe so, auch Hölderlin mitzunehmen, die geistformende Bedeutung der Sprache und die Erkenntnis der Noth [9] als wesenseigene Bestandteile des Menschseins anzunehmen. Sprache beinhaltet die Zeit, ohne von ihr abhängig zu sein. Sprache formt den Geist, formt Ordnung, weil die dem mangelt. Der Geist besitzt nur Vermögen zur Ordnung, die Sprache selbst muß Ordnung sein und ist wichtiger als das Inhaltliche: Formung ist wichtiger als Inhalt.

    Wir wollen Spiel in die Ordnung des Verstandes bringen, denn beides bedingt einander, einst Unnützes wird durchs Spielen, eine sich drehende Artistik, neuerdings und künftig Bedeutung haben, was heute gilt, muß morgen nicht gelten, doch wenn wir etwas aus der Sprache und unserer Wahrnehmung tilgen, dann verlieren wir die Ordnung, dann verlieren wir an Kraft und Verstand.
    Deshalb Aufnahme und Erhaltung! Das ist die eigentliche Bedeutung der Tradition, darin liegt der Sinn von Erinnerungen, deshalb erzählen wir einander Geschichten, Märchen und Spinnertes.


    Freiheit und Würde


    Freiheit ist ein Gefühl des Augenblicks, wenn die Welt überwunden scheint. Doch wie sollte der menschliche Körper mit all seinen Forderungen nach Lustbefriedigung, mit all seinen im Alter zunehmenden Leiden Freiheit verlangen können? Er kann es nicht. Freiheit liegt nicht im Physischen. Freiheit ist ein Begriff der Seele, die aber ohne Geist, ohne Sprache nicht dorthin findet, wo keine Last sie drückt und Zeit begrüßt werden kann.
    Unsere Poetik ist eine des Weges, keine des Zieles. Das Ziel, die Bewußtwerdung der Freiheit aus der Aufnahme der Sprache, wird sie selten zuwege bringen. Freiheit verstehen wir nicht in einem politischen Sinne, diese fällt ab, ist sekundär. Wenn ich Mensch in mir die Vermittlung gegenstrebender Kräfte begehre, so erkenne ich die Probleme der Welt als mir innewohnende. Ich erkenne, daß aller Erkenntnisdrang und jeder Leidensweg in mir beginnt und enden muß, wobei die Veränderung der Realität keine Änderung meines persönlichen Weges zwangsläufig herbeiführt. Und eben sekundär ist!

    Der jeweilige Leidensweg ist ein Prozeß des Wechsels, des Spiels, in dem sich Würd3 [11] von selbst findet. Unsere Poetik ist also eine Poetik der Würde des einzelnen in der Gemeinschaft und insofern auch politisch. Politisches Handeln ergibt sich aus der inneren Haltung. Und das Innere formt Sprache, die auf den Charakter trifft und diesen zu bilden sich anschickt. Haltung und Charakter sind wesensverwandt, aber nicht identisch. Haltung ist willensbedingter, Charakter wesensbedingter.
    Unsere Poetik ist eine der Haltung, die eines festen Charakters bedarf. Das bedeutet Arbeit, Unterhaltung des Charakters, Speisung des Willens, Arbeit am Wortwerk. Es gilt nicht, anderer Wort zu zerstören, sondern durch Auseinandersetzung aufzubauen, Widerspruch zur Stärkung des eigenen Willens, sich selbst eine Wortwelt erzeugen zu können, die auf Kommunikation, nicht auf Rechthaberei basiert. Der Charakter wird stumpf, wenn er ins Recht sich setzt. Er wird/bleibt gerade, biegsamer und unzerbrechlicher, wenn er das andere sucht. Poesie gebiert, aufeinander zuzugehen, nicht die Wege übers Land zu vermeiden.


    Poesie und Ideologie


    Poesie ist Darstellung und Vermittlung von Bilderwelten. Vermittelt werden Welten, Dichterwelten, deren Stoffe [12] der Wirklichkeit entstammen, nicht einer abstrakten, sondern der konkreten des Empfindens, nicht nur von sinnlich Wahrgenommenem, auch Traum, Ahnung, Hoffnung, eben alle Wirklichkeitsbestandteile. Zur Wahrnehmung tritt die Intuition [13], das ist bewußtes Erleben geistiger Inhalte. Dieses bewußte Erleben kann Stoffe hervorbringen, aber auch Voraussetzung zur Formung der Stoffe sein. Intuition wirkt in uns Menschen, bestimmt Handeln und Unterlassen.
    Wir verlassen mit dieser Poetik den alten Begriff des ideologischen Realismus und sagen: Real ist der Mensch, real, was außer ihm, real, was in ihm wirkt und somit Dasein beeinflußt. Reales und Abgründiges gehören zusammen. Streit ist Bildung des Charakters, Suche nach dem Eigenen in der Auseinandersetzung mit dem Fremden. Streit ist keine Ausflucht, keine Ausgrenzung, sondern Prägung der eigenen Wortwelt in unmittelbarer Auseinandersetzung mit dem konkret faßbaren Du. Ganz im Geiste der paraphierten Streitkultur Lessings [14]. Wir sind in diesem Sinne in der Lage, der Menschen Meinungen aufzunehmen und zur Sprache zu bringen. Nichts wird verfemt, denn jedes Wort hat seinen Ursprung in der Empfindung - die dem tiefsten Anschauungsgrund entspringt, der Intuition - und mündet in einer Überlegung, die sich mitteilen will, verständlich machen, also angehört und aufgenommen werden will vom jeweiligen Kommunikationspartner. Was der Mensch im Politischen als einzelner nicht vermag, Probleme lösen, das kann er hier im Reiche der Poesie, der Phantasie, der ihm eingegebenen und in sich ausgeprägten Sprachwelt. Jedes Wort zählt, jedes wird gewogen und geprüft, von jedem, der lesen und hören kann!
    Ideologie [15] hat, sollte sie jemals einen berechtigten Platz innerhalb künstlerischer Tätigkeit besessen haben, ausgespielt. Der Mensch in seinem Hoffen, Bangen, Lieben allein ist das Maß aller Dinge. Um ihn muß sich alle sprachliche Bewegung drehen. Es ist die Liebe zu den Lebenden, die uns eine eigene Sprache zu geben vermag, die wir in ihr nur wirklich wir selbst sind; sie ist der Ursprung unserer Poetik. Geht die Liebe verloren, wird kein Wort mehr wesentlich, die Sprache verliert sich in Nichtigkeit, wird zu einem Niemandsland, unbewohnbar, abstrakter Hermetik zugänglich, Verweigerung des Poetischen, Ödnis.
    Drum schweigt, Freunde, ist euch die Liebe verloren gegangen. Schweigt, Unrettbare!
    Wenn der Zweifel [16] am Werke ist, weil der Mensch nicht einem Schicksal trotzt, keine Kraft findet, um zu trotzen, keinen Boden findet, aus dem er Trotz [17] ziehen und entwickeln könnte, dann treten die Ideologen auf den Plan und setzen ihren Sermon in die Leerstellen der Seele, die nun auf die falschen Schein gefälschter Bilder stiert, Worte zu entlocken hofft, die nur eines im Schilde führen: die Seele fangen, einspannen für irgend welche Zwecke, die nicht den Menschen zum Angelpunkt des Wirkens machen, sondern einen Zweck im Bereiche der Realfaktoren anpeilen, Nützlichkeit, Macht, Gier, Falschheit, Blut, Geld und all dies. Schattenwelt.
    So fehlt es vielen Büchern nicht an Gedanken und Stoffen, wohl aber an Anteilnahme, an Sympathetie.
    Sympathetie ist Bewegnis der Seele, Emphase und Vertiefung ewigen Leidens und Hoffens in den Bildern gegenwärtiger Zeit. Darin muß der Dichter seine Aufgabe und sein Verlangen sehen, in der Findung geeigneter sprachlicher Bilder.
    Literatur [18] muß dem Leser Welten zeigen, Abgründe, Erreichbares und nur Erahnbares, jedenfalls Anzunehmendes. Das wirkt [19]! Es setzt im Kopfe des Lesenden Samen aus, manchmal diesem bewußt, zumeist unbewußt, die im Laufe der Zeit aufgehen. Somit ist kein Wort unnütz oder vergebens, das der Leser bewußt und unbewußt durchs Lesen oder Hören aufnimmt, was aber zugleich Hoffnung und Furcht zu haben veranlaßt. Denn auch die Schlechten [20] können mit ihrem Gewort in die Seelen des Menschen eindringen, sie können das Dasein vergiften durch Besitznahme.
    Ein Mensch, der in den Scheinwelten des Konsums seiner kapitalistisch geprägten Kaufrauschgesellschaft und somit in einer Welt des Streits lebt, der keine Alternativen, keine Mühe beim Erklimmen der Wahrheit auf sich nahm oder nehmen mußte, weil seine Lehrer damit beschäftigt waren, ihn stillzuhalten und zu beschäftigen, statt seiner dem Schönen zu eröffnen, dieser Mensch wird sich Anteilnahme am Schönen durch die Gier und Wollust zu befriedigen schaffen, den auf dem Wege zum Schönen verortbaren Hürden desselben. Sein Glück wird das eines Schweins sein, fettgefressen wird er maßlos sein und bleiben, wird sich bestenfalls an andere Momente erinnern, wobei diese selbst ihm als beschwerliche in der Erinnerung bleiben. Gibt es für einen solchen Menschen Rettung? Er wird ahnen, wenn es ihm in Ruhemomenten gelingt, den Kopf aus der Brühe zu strecken, aber Ahnung muß genährt werden, will sie irgendwann Gewißheit werden.
    Anteil am Schönen und Gewagten zu nehmen, dies bedarf in erster Linie der verantwortungsvollen Arbeit der Lehrer (damit sind die gemeint, die etwas können, nicht diejenigen, die etwas können sollten, weil das eine Kommission beschloß), derjenigen, die Anteil nahmen und jetzt in der Verantwortung stehen, dieses Wissen um den Weg zu lehren, immer darauf hoffend, Schüler zu haben, die es besser verstehen... Sympathetie erwächst darum aus Bewegung eines kommunizierenden Geistes, der sich mit anderen Menschen trifft. Unsere Poetik hat also keinen künstlichen Ursprung, kein Maßregelwerk des Wortens, sie ist keine Kunst [21] um der Kunst willen, sie ist der ganzen Natur des Menschen geschuldet, willentlich, vergänglich und wechselnd wie dieser selbst, aber dies sind die vagen Inkonstanten um seinen Kern, der ihm durch Gottes Gnade als zukunftsweisend positiv artet. Unsere Poetik sagt Leben statt Natur, Einhalt und Ewigkeit statt Wechsel, sie setzt auf den Frieden, nicht auf den Nimbus des Rechtbehaltens.
    Wir leben im Reiche der Nothwendigkeit und der Freiheit und müssen diese Antipoden im Spiel vereinen. Wir suchen den freien Blick in die Gegenwart, deuten Zeichen, verdichten Erlebtes in allgemein-verständlichen Texten, fesseln Symbole durch die Allmacht der dichterisch formulierten Allegorie und des Kalküls [22], wir stoßen einen Pfeiler in das Bewußtsein jenseits der Hauptstraßen der Mode, wir suchen die Punkte, an denen sich Menschen Zeit nahmen und ihrem Lebensmut Form gaben. Denn eben darin liegt die Aufgabe des Dichters, daß er Zeichen deutet und Mitmenschen deutbar macht, verständlich, damit diese Symbole des Ewigen erblicken und ihre Verlorenheit überwinden. Symbole öffnen hier Tore zu den Zeiten - die für unsere Zeit müssen wir wohl noch finden.
    Da ist Leben hinter den Zeichen, den Buchen-Stäbchen, die unsere Ahnen legten und das Dahinterliegende deuteten, zeigen wir’s, Freunde! Trau dich zu leben im Einst! Zeigen wir das Leben, suchen wir das Gestern im Heute für ein freudvolles Morgen. Lieben wir, schreiben wir! Die Poetik des Lebens.


    [1] kai filosofteron kai spoudaioteron poihsiz istoriaz estin (Aristoteles)
    [2] Die Geschichte ist ein Kontinuum, frei von einschneidenden Brüchen, Konflikten und Widersprüchen. (Gadamer)

    [3] Wenn die Vergangenheit in die Gegenwart hinüberlebt, dann fungiert das Gedächtnis als der genaue Schnittpunkt zwischen Geist und Materie.

    [4] Poesie ist Lautmalerei, malt die Laute in Raum und Zeit, aber erst in der Ferne wird uns das Wesen der Sprache bewußt, es ist der Vokal: Alle Poesie ist Vokal.

    [5] einer Verstärkung der Auffassung Fichtes entsprechend nach Nietzsche nur schlaffe Instinktentartung? Thomas Mann und Nietzsche bildeten niemals Gegensätze!

    [6] Dieser Text stammt von Marc Hermann, Zürich, der im Forum unter Mr. Jones postete. (Text steht in der derzeit reparablen Datenbank des Wolkenstein-Forums)

    [7] Pantheisten können an Unsterblichkeit nicht glauben. Es kann sie nicht geben, nur ein unpersönliches, immer stärker werdendes Eins-Werden mit Gott.

    [8] Der idealische Künstler nimmt den äußeren Schein des Inneren auf und gibt ihm eine Gestalt, vor allem seine.

    [9] Nothbewußtsein: Es fließen die Objektivationen des Willens mit denen der Erkenntissuche zusammen. Bei Künstlern bedeutet das: Verzweiflung am Menschentum der Gegenwart, denn die will nicht begreifen, daß die Klüfte zwischen unreflektiertem Erleben und der Welt aus Wissen und Verstehen die Noth des Künstlerdaseins ausmachen.

    [10] Das Leben gleicht einer Schale, die in Stücke zerbricht, die wiederum Schalen sind. (Bergson)

    [11] Einige Anmerkungen zum Begriff der Würde; Lesarten:
    DEKADENT, der, und die Würde

    1. sucht wie der Romantiker innere Zusammenhänge, aber auch zügelloses Streben in die Wolken
    2. die Würde des Menschen sieht er in der Entfernung vom Natürlichen
    3. Stolz und Würde in einem weiblichen Wesen - für meinen Vater bedeutete das, daß Satan in ihr wohnt, und möglicherweise war er in seinem zugeschissenen Hirn wirklich davon überzeugt, ein gutes Werk zu vollbringen, indem er sie schlug. (Bohn)
    4. Es war v.a. der romanische Raum, in dem sich nach Lessing immer wieder Dichter fanden, die dem Wort Würde zurückgeben wollten, was durch die Entwicklungen zu einer Gesellschaftsform, in der dem Wort nur ein vernunftrechtlicher Rahmen Wirkung konzedierte, beinahe zerstört wurde. Würde aber ist Form. Form nunmehr ist Strenge und Versachlichung von Gefühl und Zustand. Naturalistische Formnegierer mit der Evokation des Tatsächlichen (Zola) sind die eine Seite, die andere sind intuitive Realisten (Intuitionisten) der Form, unter welche ich mich selbst zähle.
    5. der Mensch muß sich seine Würde erarbeiten, d.h. ins Verhältnis zur Welt setzen, in der er ist (Was bin ich? - Was kann ich sein?) → Humboldt
    6. innere Form repräsentiert die Würde des Inhalts à Schönheit, die wir in unserem Inneren widerspiegeln, das ist Winckelmann
    7. die Beherrschung der Triebe durch die moralische Kraft, das ist die Geistesfreiheit - die Würde ist ein Ausdruck dieser Fähigkeit/Erscheinung → Schiller
    8. della Mirandola, Pico: Über die Würde des Menschen 1486:

    - Wer sich dem Erwerb hingibt, wird nie die Wahrheit erfahren.

    1. Eine hohe Meinung gab mir die Philosophie, sich nicht um die Menge zu kümmern, sondern ganz der Wahrheit zu leben.

    Der Mensch nimmt eine Mittelstellung ein, hat Teil am Himmel, mit dem er durch die catena aurea Homeri verbunden ist, und steht auf der Erde.
    Humanität: Schlaffheit und ein Betragen ohne Würde, insofern es an Liberalität und Popularität geknüpft wird (Fichte)

    [12] Chronologie des Begriffes Stoff:
    Empedokles (um 550 v.Chr.)
    - Materie und Energie existieren nicht getrennt voneinander, sowohl die Stoffe als auch die Seele sind unvergänglich. Die vollständige Mischung aller Dinge entspricht der Alleinherrschaft der Liebe, die völlige Trennung der des Hasses.
    Aristoteles (um 350 v.Chr.)
    - die Form besitzt Bewegungskraft, die sie dem Stoff eingibt; der Stoff wird seinem Zweck zugeführt (Telos)
    Neupythagoräer (um 100)
    - will eine Religion wiederherstellen, die die griechische Aufklärung zerstörte und richtete sich auch gegen Aristoteles, der die Morphe (formgebende Gestalt) mit dem Stoff nothwendig verband und damit gegen Platons Ideenlehre polemisierte
    Erkenntnislehre:
    - es werden unkörperliche Wesenheiten (Zahlen) angenommen, die das wahrhaft Seiende der Materie bestimmen und so aus ihr, die eigentlich ein Nichtseiendes ist, erst ein Seiendes machen
    - als Prinzipien gelten Einheit und unbestimmte Zweiheit, in welcher sich der Gegensatz von Form und Stoff, Geist und Materie, Wirkendem und Leidendem, Vollkommenem und Unvollkommenem ausdrückt
    - die Einheit ist Vollkommenheit, die teils als Gott oder als Gedanke in Gott aufgefaßt wird
    Shakespeare, William (um 1600)
    Wir sind aus solchem Stoff,
    wie unsre Träume sind,
    und unser kleines Leben
    faßt ein Schlaf.
    Die Aufklärungsästhetik (um 1750) bei Diderot, Gottsched, Bodmer und Breitinger betont das Stoffliche gegenüber der Form, z.B. Winckelmann.
    Lessing, Gotthold Ephraim (um 1770)
    Die Kunst muß malen, wie sich die plastische Natur - wenn es eine gibt - das Bild dachte: ohne den Abfall, welchen der widerstrebende Stoff unvermeidlich macht, ohne das Verderb, mit welchem die Zeit dagegen ankämpft.
    Maimon, Solomon (um 1780)
    - Kritiker Kants, der sich wiederum lobend über Maimon äußerte
    Erkenntnistheorie:
    - auch der Stoff ist Erzeugnis des Bewußtseins à Verstand und Sinnlichkeit unterscheiden sich nicht in ihrem Wesen voneinander, nur in ihrer Intensität
    - die Empfindung ist eine Idee, die den reinen Stoff approximativ benutzt, um eine Welt zu formen
    - die Welt ist nicht zu erkennen, ein vom Subjekt unabhängiges Ding ist nicht zu erkennen, als Begriff von anderen nicht nachzuvollziehen, also imaginär wie eine negative Wurzel
    Forster, Georg (um 1782)
    - nur erfahrungsmäßiges Wissen zählt (seeing is believing )
    - Lehre von der unauflöslichen Einheit von Geist und Stoff
    Man schütze die Freiheit und das Eigentum, so wird die Tugend aus der inneren Energie der menschlichen Natur hervorgehen, die Menschen werden vom Äußeren unabhängiger. à praktisches politisches Denken bei Forsters vs. ästhetische Konsequenz politischen Handelns bei Schiller und den Klassikern
    Strauß, Botho (um 1990)
    Französische Strukturalisten beeinflussen Strauß nachhaltig. Ihr beispielgebendes Rückbesinnen auf antike Stoffe, „das Archivierte“, wie Foucault alles, was im menschlichen Denken und Wissen aufbewahrt ist, einmal bezeichnete, wird von Strauß aufgrund des nötigen tieferen Auseinandersetzens mit der Kunst herausgehoben. Statt der Psychologie und der oberflächigen Soziologie der Figuren und ihrem Kontext sind wir mehr und mehr dazu geneigt, auf dem Theater die Ideologien und Mythen der Stücke zu entziffern.

    [13] Intuition ist der uninteressierte, selbstbewußte Instinkt, der fähig ist, über sein Objekt zu reflektieren und es unendlich zu erweitern. Ohne Intuition ist Gemeinschaftsleben nicht möglich. (Bergson)

    [14] Lessings Aspekte einer aufgeklärten Streitkultur:
    1. Verwechsle Streit niemals mit einem militärischen Feldzug!
    2. Beschütze das Wort vor Gewalttaten!
    3. Achte streng auf den Sach- und Wahrheitsbezug der Polemik! Die Wahrheit gewinnt in einem Streit selten; nie jedoch, wenn das Vorurteil die ungeschminkte Wahrheit verhindert.
    4. Sachbezug fordert Fairneß und Aufrichtigkeit. Laß die moralische Beschaffenheit des Gegners aus dem Spiel!
    5. Es gilt, den Gegner zu schlagen, nicht zu vernichten!
    6. Man vermeide Urteile als Richter!

    [15] ideologiekritische Ansätze gibt es insbesondere in der Frankfurter Schule, aber auch schon bei Kojeve, Alexandre (um 1940), einem russisch-französischen Philosophen und späteren EG-Beamten.
    Lehre::
    - interpretierte in einer einflußreichen Hegel-Vorlesunggrenzte Marx von Hegel ab und nannte Hegels universalgeschichtlichen Entwurf einen prophetischeren als den Marxens
    - Hegel hatte rechntbehalten, als er die Weltgeschichte 1806 enden ließ, denn der moderne liberale Staat sei universal und homogen, ein Endprodukt der ideologischen Evolution der Menschheit. [Dagegen läßt sich Ernst Cassirer (um 1950) anführen, Gegner einer pluralen und nicht mehr steuerbaren Kultur, die sich aus der Autonomie ihrer mannigfaltigen Werte und Symbolformen offen gestaltet, und mittels Vernunftkriterien die Rechtfertigung des Gegebenen betreibt.]
    - der Kommunismus steht nicht auf einer höheren Stufe als die liberale Demokratie; er gehört demselben Stadium der Geschichte an (Freiheit und Gleichheit sind universale Prinzipien)
    - in der Europäischen Gemeinschaft wird das Ende verwirklicht, sie bedeutet das Ende der großen Kämpfe und Konflikte, ist ein angemessenes Symbol für das Ende der Geschichte
    Existenzialismus
    - geht von den ideologischen Bedürfnissen der individualistischen, parasitären Intelligenz aus und fußt auf sozialen und psychischen Motiven: Angst vor dem Unwesentlichwerden des Lebens
    - die Intensität der Vereinsamung, Enttäuschung und Verzweiflung schafft eine neue Inhaltlichkeit; aus dem Leben wird die Existenz (Lukacs)
    Strauß, Botho
    Besteht nicht der Irrtum späterer, ideologischer Revolutionäre darin, daß für etwas nach der bürgerlichen Demokratie keine politischen Wünsche mehr frei sind? Gab es nicht sogar eine Revolution zuviel in Europa? Die rote Sonne des Jahrhunderts schmilzt in den blauen Westen ab - und das war einmal unser Morgen! Gerechter soll es unter Menschen nicht werden, freier nicht als hier. Doch was immer bleibt und immer wieder anschwillt, ist das Gefühl: Das ist es noch nicht; irgend etwas war da noch, das fehlt.

    [16] Als Vater des Zweifels im Sinne einer Verleugnung Gottes gilt Karneades aus Kyrene (214-129 v.Chr.). Er leitete die Akademie 160-157 v.Chr. und führte sie endgültig in skeptische Lehre über, die durch ihn jedoch nicht als System entwickelt wurde. 156 v.Chr. kam er als Gesandter Athens nach Rom, wo er zwei hinreißende Reden hielt, eine für die Gerechtigkeit, eine dagegen.
    Erkenntnistheorie:
    - bestreitet die Existenz Gottes aufgrund der vielen Übel in der Welt
    - verneint die Frage nach dem Wahrheitskriterium, denn weder die Sinne noch die aus ihnen auf natürlichem Wege entstandenen allgemeinen Vorstellungen sind Kriterien der Wahrheit
    Logik:
    - Sinneseindrücke sind stets relativ, die Vernunft trügerisch (Beweis durch die Möglichkeit der Fehlschlüsse) und die Logik eines strengen Beweises nicht fähig (Geltungsbereiche müßten sich ins Unendliche voraussetzen lassen, was eine Impertinenz für jedes Denken bedeutet)
    Ethik:
    - betonte Zurückhaltung im Urteil, die Epoch
    - die Katalepsie der Stoiker ist von größtem Übel, denn im Verhältnis zum Objekt ist keine Vorstellung wahrer als die andere (somit ist der stoische Gleichmut sinnlos), zum Subjekt dagegen lassen sich nur Grade der Wahrscheinlichkeit der Geltung festlegen, nicht einmal feststellen, da sich die Beschaffenheit des Subjekts ständig ändert
    - aus dem Bewußtsein einer Freiheit ergibt sich Verantwortung für die Mitmenschen - und darüber hinaus -, allerdings nicht in der Unabdingbarkeit der nothwendig wirkenden Natur, nicht aufgrund geltender Gesetze, sondern aus dem Akt der Freiheit heraus

    [17] Der Trotz als Motivator, als Gegebenes des handelnden Charakters, zog mit Shakespeare in die Literatur ein. Seit Shakespeare bestimmt die Person mit Trotz und Demut den Verlauf des Tragischen.

    [18] Literatur ändert sich durch Vergessen, Laune und, um dem Mythos Genüge zu tun. Und daran anschließend läßt sich Literatur als intentioniert bezeichnen, denn sie produziert einen bestimmten Sinn; sie ist institutionalisierte Denkform (19. Jahrhundert), aber auch nur Beginn des assoziativen Denkvermögens. Literatur setzt ein Zeichen für das Ganze, erfüllt aber nicht den Anspruch der Ganzzeitlichkeit.

    [19] So sieht Herder die Bedeutung der poetischen Sprache, wenn er von der Würkung spricht: Natur, Empfindung, ganze Menschenseele floß in die Sprache und drückte sich in sie, ihren Körper, ab; würkt also auch durch ihn in alles, was Natur ist, in alle gleichgestimmten, mitempfindenden [sympathetischen] Seelen. (Über die Würkung der Dichtkunst...)

    [20] Nach Spinoza diejenigen, die uns an unserer Selbstbehauptung hindern und von außen unser Handeln bestimmen wollen.

    [21] Der Gegenstand einer völlig frei gewordenen Kunst liegt in dem, was den Menschen heimisch machen kann.

    [22] Kalkül: eine Methode, die auf der Verwendung von Symbolen beruht, deren kombinatorische Gesetze bekannt und allgemein sind und deren Resultate eine eindeutige Auslegung gestatten (Boole)



  3. #3
    Resurrector Avatar von aerolith
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    Post Pegah Amini (8P)

    Ausstellungseröffnung einer iranischen Malerin, 34, Pegah Amini. Der Ort: Volksbad Buckau, das Frauenzentrum. Sieben Uhr abends, 33° C, 13 Frauen und vier Männer. Das Gründerzeithaus, einst als Therme fürs umwohnende arme Arbeitervolk genutzt, dient gegenwärtig als Kneipkunstörtchen für aufstrebende Jungkünstler. Alles hübsch, alles sauber, alle nett.

    pegah_lars_david.jpg

    Auftritt Pegah Amini.

    pegah_amini_sektempfang.jpg

    Sie malt mit Tusche: 14 Porträts in diesem angenehm offen gehaltenen, aber Gegenlicht werfenden Raum (zehn mal vier Meter), bunt oder schwarz-weiß, keins größer als A 2. Einfaché schwarze Bilderrahmen. Keine Bildunterschriften. Man wollte sich nicht die Mühe machen, da das keine eigentliche Ausstellung sei, keine Galerie, sondern ein Ausstellungslückenfüller. Aber heute feiere man die Ausstellungseröffnung. Das muß weibliche Logik sein. Lars und David von den Black Molliehs spielen. Das erste Lied singt David deutsch - und zu leise. Ich sitze fünf Meter entfernt und verstehe nichts. Lars begleitet zaghaft auf einer himmelblauen Darbuka. Vorsicht und Zaghaftigkeit lauten die Signalwörter der Minute. Alles lächelt. Der Vorsicht und Zaghaftigkeit folgen neue Signalwörter: spontan und flexibel. Oha!
    Die Künstlerin malte ad hoc ein paar Bilder, damit die Wände voll werden. Abstrakte Schule, ihr Lehrer war Erwin Bohatsch in Nürnberg: große Extremitäten, kleine Köpfe, denn das Denken sei nun mal nicht erwünscht - in ihrem Land. Abstrakt bedeutet, daß etwas Allgemeines etwas Persönliches überlagert und dem betrachter ins Auge rückt. Abstrakt bedeutet das Übergewicht des Denkens gegenüber der Form, wobei die Form danach giert, es dem Denken gleichzutun. Große Hände! In diesen Händen liegt die Idee, der Bewußtseinsinhalt genau so, als Gedächtnisinhalt. Deine Hände - eine Welt. Deine Farben - nimm sie weg!
    Großflächigkeit in kleinen Rahmen. Pegah hat mit dem Verhältnis des Islam zu ihren Landsleuten Probleme, den sie als den Persern oktroyierte Lehre begreift, sie protestierte im Ausland gegen die Politik ihrer Heimat, was ihr bei einem Heimatbesuch den Besuch der Geheimpolizei einbrachte. Sie reiste durch Europa, überall ein bißchen gelitten, aber erst in Magdeburg gefiel es ihr gut genug, um bleiben zu wollen. Das Asylverfahren geht schleppend. Das alles ist reichlich diffus, so daß ich nachfragen muß, aber danach so klug als wie zuvor bleibe und das jetzt auch nicht vertiefen möchte.

    sieben_ich_pegah.jpg

    künstlerische Leistung: 1P
    Ambiente: 3P
    Nachveranstaltungsstimmung: 4P

    Gesamt: 8P (von 15 möglichen)

  4. #4
    schreibt hier hin und wieder
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    AW: Magdeburger Szene

    halli hallo und vielen dank für die kritik. schöne erinnerung an unseren ersten auftritt als duo.
    ich hoffe das magdeburger kulturleben ist noch interessant genug, kritisiert zu werden, oder hat sichs schon erledigt?

    gruß, saul

  5. #5
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    AW: Magdeburger Szene

    Gegen Kaiser und Papst (eine Ausstellung im Kulturhistorischen Museum Magdeburg)


    Die von der Welt gezeichnete bedeutsame Stadt Magdeburg hatte eine ihrer Hochzeiten während der Luther-Epoche. Es geschah in Magdeburg, als sich die vom Stadtpatriziat bestimmte Ulrichskirchengemeinde als erste im Reich vom Papsttum in Rom lossagte und damit ein Signal für alle anderen vom Stadtpatriziat dominierten Gemeinden gab: Köln, Straßburg, Augsburg, Leipzig und eine östlich gelegene Kleinstadt namens Berlin folgten wenig oder sehr viel später. Der Protest, der nichts anderes war als ein Einklagen von Gerechtigkeit und Selbstbestimmtheit in einer Frage, die damals die wichtigste war, nämlich die des Verhältnisses zum persönlich empfundenen Gott, gab der Bewegung auch bald den Namen: Protestanten. Das war keine Zufälligkeit, daß sich dieser Protest zuerst in Magdeburg in Ostfalen artikulierte. Die alte Kaiserstadt war reich und besaß eine große Vergangenheit, sie war der Ausgangspunkt für die Ostexpansion der Ottonen, ihr gewählter Lieblingsort - zudem beherbergte sie einen Gerichtshof, an dem wichtige Fragen entschieden wurden, die mit dem Magdeburger Stadtrecht verbunden waren, das seinerzeit an allen wichtigen Ortsgründungen östlich der Elbe bis weit nach Rußland hinein Anwendung fand. Da schwoll den Magdeburgern der Kamm und sie dünkten sich als die Größten der Welt. Klarerweise. In Magdeburg macht man es seither nicht unter Kaiser und Papst, alle anderen sind uns drittklassige Gegner!
    Frohen Mutes gingen wir also in die zur Zeit angebotene Ausstellung „Gegen Kaiser und Papst“ im Kulturhistorischen Museum zu Magdeburg.
    Dem naiven Betrachter fiel der Einstieg im ersten Raum recht schwer – was haben Wandteppiche aus Mallorca sowie diverse Vasen mit der Reformation in Magdeburg zu tun? Natürlich könnte man meinen, Karl der V. sei König Spaniens und gleichzeitig römischer König gewesen; allerdings darf man sich doch recht sicher sein, daß ebendieser keine eher dürftigen Wandteppiche in seinem Schlafzimmer hängen hatte. Vorschlag zur Güte; hängt doch vielleicht eine Sutane eines katholischen Priesters, sowie die eines protestantischen nebeneinander, sollte ein künstlerischer Einstieg gewünscht sein.


    Wir haben das fünfhundertste Jahr seit Thesenanschlag, ein guter Zeitpunkt. Was soll eine Ausstellung im Kulturhistorischen Museum leisten? Sollen Fragen für die Gegenwart aufgeworfen werden? Soll gelehrt oder problematisiert werden? Soll der Protestantismus nähergebracht werden?


    Vom eigentlichen Geiste des Protestantismus war unserer Meinung nach wenig zu sehen. Einmal schwang er durch bei dem Bericht über einen Handwerkermeister, der von einem Altgläubigen wegen des Abgrölens lutherischer Gedanken zur Rechenschaft gezogen werden sollte, was aber am Widerstand breiter Bevölkerungskreise in Magdeburg scheiterte und belegt, daß die Reformation eine aus dem Volk kommende Bewegung gewesen war, wie Protest es fast immer ist, denn das Volk spürt am ehesten eine verrückte Welt, eine nur noch dem Establishment und seinen Interessen dienende Rechtsordnung, die dadurch eben zur Unrechtsordnung wird – ganz ähnlich der heutigen Zeit, in der im nachhinein Rechtsbrüche legitimiert werden sollen.
    Uns nicht bewußt wurde die eigentliche, hintergründige Intention dieser Ausstellung. Bildungsbürgerbespaßung? Arbeitsbeschaffung für unterbeschäftigte Museale? Gleichgültig. Es wurden Möglichkeiten verspielt, die Reformation, den Protestantismus, das Luthertum als eine soziale Bewegung auch für die heutige Zeit transparent zu machen. Geschichte ist nicht (nur) etwas Vergangenes, sondern v.a. die Interpretation von Vergangenem, ein Ausschnitt allenthalben. Interpretation aber benötigt Gegenwartsbezug und Zukunftsentwurf, dann erst wird sie bedeutsam. Bedeutsamkeit jedenfalls war im KHM nicht zu spüren.


    Aber es gibt auch Positives zu berichten: Dem Museumsbesucher selbst überlassen war die Entscheidung, hinter den Lichtschutz einiger besonders wertvoller Bilder zu schauen, was die Neugierde weckte. Auch die Raumaufteilung war im Vergleich zum Naturkunde-Abteil äußerst gelungen. Wände und Raummitten waren angenehm locker arrangiert. Vitrinen und Gemälde ergänzten einander thematisch. Multimedial war diese Ausstellung gut aufgearbeitet, für jeden Typ war etwas vorhanden; auditiv, interaktiv, visuell. Auch farblich interessant, nur fragten wir uns, ob das Rot und Lila jeweils für eine Seite der Kontrahenten Papsttum/Protestanten stand; leider nicht. Rollenhagen und Melanchthon gehörten zur selben Seite, erhielten aber verschiedene Farben. Kein Wettstreit zwischen den sonst guten Blauen (die die Sehnsucht im Herzen tragen) und den Lila-Roten (die ihre Macht gewaltsam durchsetzen wollten). Die Zuweisung der Farben schien willkürlich, was zum Teil für Verwirrung sorgte. Wer erwartet hätte, die multimedialen Möglichkeiten vollständig ausgeschöpft zu sehen, wurde dann doch enttäuscht. Denn es fehlte an bewegungsinduzierter musikalischer Begleitung der Ausstellung, wo doch gerade Martin Luther einen so großen Beitrag zur kirchlichen Musik leistete.


    Nun ja, so ein Besuch im KHM ist jedenfalls immer amüsant. Vielleicht war das Einhorn-Skelett am Eingang, das aufgrund der vermuteten Morphologie wohl niemals so würde existieren können, ein Hinweis für den Duktus, in dem die Ausstellung „Gegen Kaiser und Papst“ vom Magdeburger verstanden werden sollte: So was jibt’s ja jar nich!

    Edjuschka und Gretchen

  6. #6
    Kurzvormabschussiger
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    AW: Magdeburger Szene

    Nanu!
    Da steht Establisment und nicht Gedeihedings.
    Aja: Man braucht einen Begriff, der offen ist für negative und positive Kontextualisierungen.

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